Traditionelle Chinesische Medizin 

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) gehört zu den ältesten Gesundheitssystemen der Welt, mit einer sehr langen Tradition, die schon Jahrtausende zurückreicht. Ihr Wissen wurde schon sehr früh aufgeschrieben und die alten Klassiker, wie z.B. das Huang Di Nei Jing, das Su Wen und das Nan Jing, werden bis in die heutige Zeit herangezogen, um auch moderne Krankheiten „energetisch“ einzuordnen und überdies Rat zur Lebenspflege zu holen - die Lebenspflege (YangSheng) und damit die Prävention von Krankheit ist ein essenzieller Teil der TCM. Gesundheit gilt in der TCM als Gleichgewichtszustand zwischen den gegensätzlichen Kräften Yin und Yang, die im steten Wechselspiel die Lebensenergie Qi hervorbringen. Krankheiten entstehen, wenn Qi nicht frei fließen kann, unter anderem hervorgerufen durch falsche Ernährung oder falsches Verhalten und klimatische Einflüsse.

Die 5 Säulen der TCM

Die Traditionelle Chinesische Medizin fußt auf den folgenden 5 Säulen:

Chinesische Akupunktur

Bei der Akupunktur wird hauptsächlich mit der Stimulation bestimmter Punkte der 12 Hauptleitbahnen (im Kreislauf der Organuhr sind das: Lunge, Dickdarm, Magen, Milz, Herz, Dünndarm, Blase, Niere, Perikardium, 3-Fach-Erwärmer, Gallenblase, Leber) und den 8 Sonderleitbahnen (auch Wundermeridiane genannt) mittels Akupunkturnadeln gearbeitet.

Dabei stehen beim Setzen der Nadeln 2 Haupttechniken im Vordergrund:

  • die Tonisierung – das ist die Stärkung des Punktes und „Zuführung von Energie“, z.B. bei Zuständen von Schwäche
  • und die Sedierung – das ist die Ausleitung und damit die Entspannung von zu viel Energie in einem bestimmten Teil des Körpers, z.B. bei einer Vielzahl von Schmerzbehandlung vor allem bei der lokalen Behandlung

 

Zusätzlich werden andere Techniken eingesetzt, wie beispielsweise:

  • Moxa: der Einsatz von Beifußkraut (getrocknet oder gepresst), um dem Körper entweder an bestimmten Punkten/Bereichen Wärme zuzuführen, aber auch um Narben zu „entstören“ und weicher zu machen oder Schmerzpunkte zu lindern.
  • Schröpfen: der Einsatz von Schröpfköpfen, die entweder auf bestimmte Körperstellen mittels Unterdruck gesetzt werden oder als Schröpfkopfmassage angewendet werden können.
  • Guasha: eine Schabetechnik, die v.a. im Nackenbereich und am Rücken zum Einsatz kommt, um Blockaden zu lösen. Dabei kommt es in der Regel zum Austreten von „Sha“, was sich in einer Art blauem Fleck äußert und immer im Vorfeld mit dem Patienten besprochen werden muss.
  • Laser: heutzutage werden auch Low Level Laser in der Akupunktur eingesetzt, was vor allem den Kindern zu Gute kommt, weil sie anfangs oftmals noch mehr Angst vor Nadeln haben, aber auch bei Erwachsenen, deren Nadelangst sehr groß ist oder bei denen es andere Gründe gibt, die gegen das Setzen von Akupunkturnadeln sprechen.
  • Klanggabeln: dabei werden Klanggabeln ähnlich derer, die zum Stimmen von Instrumenten genutzt werden, zur Stimulation von Akupunkturpunkten oder Körperarealen verwendet. Diese haben bestimmte Frequenzen, u.a. den Ton Ohm, 432 Hz, den man in der Regel als Basiston benutzt. Oft arbeitet man mit 2 Klanggabeln gleichzeitig und damit mit Intervallen.

Organuhr

Man sagt, dass jedes Organ zwei starke Stunden am Tag hat. Diese folgen einem Kreislauf, der jeden Tag gleich ist. Beispielsweise ist die Zeit von 07:00-09:00 Uhr die Zeit des Magens und von 09:00-11:00 Uhr die Zeit der Milz – beide sind Hauptorgane des Elementes Erde und damit der Verarbeitung von zugeführter Energie mittels Nahrung. Daher plädiert die chinesische Medizin auch für ein im besten Fall warmes Frühstück, um das System Erde, das uns mit 80 % der nachgeburtlichen Energie versorgt, nicht zu schwächen. Es ist in der Regel auch die Zeit, in der wir am aufnahmefähigsten für neuen Input sind und diesen wortwörtlich am besten verdauen können.

Punkte und ihre Namen

Liest man Artikel zu bestimmten Krankheiten und welche Punkte man in bestimmten Situationen, wie beispielsweise Kopfschmerzen oder Heuschnupfen, selbst stimulieren kann, findet man oft den Meridiannamen und die Punktenummer, z.B. Dickdarm 4 (Di4) oder Leber 3 (Le3). Dabei haben jedoch alle Punkte „echte“ Namen, bei denen man erkennen kann, wie tiefgründig ein Punkt auch auf emotionaler und psychischer Ebene wirken kann. Beispiele sind: Perikard 8 – LaoGong – der Palast der mühevollen Arbeit, oder Herz 7 – ShenMen – das Tor zum Shen (Geist).

Chinesische Kräuterheilkunde (Phytotherapie)

Der chinesischen Kräuterheilkunde wird in China oft sogar ein noch höherer Stellenwert zugewiesen als der Akupunktur, die jedoch in der westlichen Welt deutlich bekannter ist. In der Regel werden sie in China gemeinsam eingesetzt. Ein großer Klassiker der chinesischen Phytotherapie ist das Shanghan Lun.

Bei der chinesischen Kräuterheilkunde kommen eine Vielzahl verschiedenster Pflanzen (Wurzeln, Blüten, Stängel, Rinden und Blätter), aber auch Mineralien und selten auch Tierprodukte zum Einsatz. Hierzulande werden alle Bestandteile nach europäischen Standards geprüft und zertifiziert und geschützte Pflanzen- und Tierarten werden selbstverständlich nicht verwendet. Zudem gibt es in der Regel immer eine Alternative zu einem tierischen Produkt für vegan oder vegetarisch lebende Menschen.

 

Bei der chinesischen Phytotherapie werden die Rezepte auf Basis einer profunden Anamnese individuell auf jeden einzelnen Patienten zugeschnitten, um die bestehende Dysbalance auszugleichen. Dabei werden immer verschiedene Kräuter miteinander kombiniert. Das Leitkraut nennt man Kaiserkraut. Klassischerweise werden die individuell zusammengestellten getrockneten Kräuter in entsprechend abgestimmter Dosierung abgekocht und dann portionsweise getrunken. Die Rezeptur wird dann entsprechend den Veränderungen, die sie im Körper erzeugt, regelmäßig angepasst.

Heutzutage gibt es vermehrt auch Alternativen zur klassischen Zubereitungsart: Granulate, Pulver und Pillen, potenzierte Extrakte der Heilkräuter, die die Einnahme erleichtern.

Einsatz westlicher Kräuter

Aus verschiedenen Gründen hat sich seit vielen Jahren eine immer größer werdende Gruppe von TCM-Ärzten und -Heilpraktikern dem Einsatz westlicher Kräuter nach chinesischen Prinzipien gewidmet. Der Einsatz westlicher Kräuter in der Chinesischen Medizin bedeutet, dass Kräuter, die im europäischen Raum heimisch sind, ihrer Energetik nach eingeordnet und dann in gleicher Weise, angepasst an den jeweiligen Patienten, zusammengestellt werden. Dies hat den Vorteil, dass wir mit dem behandelt werden, das auch dort wächst, wo wir leben. Überdies werden lange Transportwege vermieden und die meisten Apotheken haben viele der Kräuter leicht im Zugriff – es ist keine Bestellung bei Spezialapotheken nötig.

Tuina - die TCM-Massage

Tuina ist eine Form der Massage und eine der fünf Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin, bei der durch verschiedene Techniken (z.B. schieben, greifen, drücken, streichen, klopfen) bestimmte Akupunkturpunkte und Meridiane stimuliert werde. Hinzu kommen auch Mobilisations- und Dehntechniken.

Tuina ist die älteste manuelle Therapiemethode in der medizinischen Geschichte Chinas. Sie ist noch älter als die Akupunktur.

Das Ziel einer Tuina-Behandlung ist immer, Körper und Geist ins Gleichgewicht zu bringen, Yin und Yang, durch eine auf den jeweiligen Patienten abgestimmte Mischung aus sedierender (ausleitender) und/oder tonisierender (stärkender) Therapie. Dabei können nicht nur körperliche sondern auch emotionale Blockaden gelöst werden. Tuina wird in China vor allem präventiv eingesetzt – das heisst sie dient dazu, Krankheiten vorzubeugen, Negativstress abzubauen und unser Ganzkörper-Funktionssystem in Einklang zu bringen.

Tuina hat keine Altersgrenze – sie kann schon vom Säuglingsalter an angewendet werden, bis ins hohe Alter. Da die Meridiane vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern noch nicht ausgereift sind, kommen hier spezielle Techniken des Kindertuina zum Einsatz.

Qigong/Tai Chi

Qigong ist ein Übungssystem, welches in der Kampfkunst, der Meditation und in der Medizin verwendet wird. Als Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin wird Qigong sowohl präventiv als auch intervenierend genutzt und zählt neben der Diätetik zu den beiden Säulen der Lebenspflege (YangSheng), die jeder für sich nach etwas Anleitung zu Hause durchführen kann.

Der Qi-Begriff (auch Chi) ist ein zentrales Konzept im asiatischen Denken und damit auch in der Chinesischen Medizin. In der westlichen Welt wird er üblicherweise mit „Lebensenergie“ übersetzt. Qi ist das, was uns durchdringt, und an allen Prozessen im Körper beteiligt ist – physisch und psychisch. „Gong“ kann mit „Arbeit“, „Pflege“, „Übung“ oder „beständiges Üben“ übersetzt werden. Die Zusammensetzung von „Qi“ und „Gong“ bedeutet demnach die Arbeit mit der Lebensenergie bzw. die Pflege derselben.

 

Ähnlich wie schon bei der Akupunktur im Zusammenhang mit den Punktenamen erwähnt, haben auch Qigong-Übungen sehr bildreiche Namen, beispielsweise „der Kranich, der Wasser schöpft“ oder „der Affe, der Früchte serviert“.

Was ist der Unterschied zwischen Qigong und Tai Chi?

Qigong ist schon mehrere tausend Jahre alt, Tai Chi entstand erst viel später. Qigong wurde entwickelt, um Menschen zu helfen, gesund zu bleiben bzw. zu werden. Es war von Anfang an ein Gesundheitssystem und Teil der fünf Säulen der TCM. Tai Chi war ursprünglich eine Kampfkunst – es gehört zu den inneren Kampfkünsten. Beide haben ihre Wurzeln im Taoismus.

Heutzutage ist das ursprüngliche Ziel des Tai Chi, den Übenden im Kampf zu schulen, in den Hintergrund getreten. Man kann also sagen, dass das Ziel von sowohl Qigong als auch Tai Chi ist, Körper und Geist in Einklang zu bringen und das uns eigene Gleichgewicht zu finden. Beides sollte regelmäßig geübt werden und jede/r sollte probieren, zu welchem der beiden Systeme der Zugang größer ist.

TCM-Ernährung (Chinesische Diätetik)

»Erst wenn die Ernährungstherapie keine Heilung bringt, sind Arzneimittel einzusetzen«, heißt es bei einem berühmten chinesischen Arzt. Und in China sagt man: »Ein guter Behandler muss kochen können!«

Die chinesische Diätetik, also Ernährungslehre, ist eine der fünf Säulen der TCM und die zweite große Säule, die zu dem Teil der Lebenspflege gehört, den man selbst zu einem großen Teil beeinflussen kann, und bei der wir es damit selbst in der Hand haben, unsere Gesundheit zu fördern.

In der chinesischen Diätetik werden alle Lebensmittel (Obst, Gemüse, Kräuter, Getränke, Fleisch, Getreide, etc.) energetisch eingeordnet – nach ihrem Geschmack (und damit nach ihrem zugehörigen Element – Wasser/salzig, Holz/sauer, Feuer/bitter, Erde/süß, Metall/scharf) und nach ihrem Temperaturverhalten (kalt – kühl – neutral – warm – heiß).

Hinzu kommt die Art der Zubereitung, die eine weitere Energetik in sich birgt – ein scharf angebratenes Fleisch oder Gemüse wirkt viel erhitzender als ein sanft gedünstetes Gemüse. Ein kurz gekochtes Obst wirkt wärmer als ein rohes. Ein Porridge wirkt wärmer als ein kaltes Müsli mit Milch. Dabei schaut die chinesische Diätetik weder auf Kalorien noch auf den Verlust von möglichen Vitaminen beim Kochen, da sie davon ausgeht, dass etwas, was bekömmlicher ist, viel besser vom Körper aufgenommen wird und dadurch kein Mangel entsteht.

Grundsätzlich sollten in jedem Essen möglichst alle Geschmacksrichtungen enthalten sein (süß, scharf, salzig, bitter, sauer). Das kann allein über die Wahl der Gewürze geschehen. Außerdem sollte die Art der Zubereitung und Auswahl der Lebensmittel an den jeweiligen Typ, die aktuelle Jahreszeit und auch die aktuelle Dysbalance angepasst werden.

Bei Frauen, die beispielsweise unter PMS (Prämenstruelles Syndrom) leiden – also Beschwerden vor der Menstruation – liegt eigentlich immer auch eine sogenannte Leber-Qi-Stagnation vor. Dabei hilft es unter anderem frische Kräuter über das gekochte Essen zu geben, da sie das Qi bewegen, z.B. Petersilie, Schnittlauch, Kresse.

Wenn sich zu viel Hitze im Körper zeigt (z.B. in Form von Ekzemen, Hitzeempfindungen, Sodbrennen), sollte man auf heiße und scharfe Nahrungsmittel eher verzichten, da sie die Symptome eher verstärken, wohingegen jemandem, dem immer kalt ist, diese eher helfen können. Der Verzehr vermeintlich „gesunder Rohkost“ kann dann eher zu noch mehr Kälte führen. Auch ein Salat im Sommer muss ja nicht nur roh sein – er könnte um ein Getreide (z.B. Hirse oder Quinoa) ergänzt werden und dann zimmerwarm genossen werden anstatt kühlschrankkalt.

Diese Beispiele sollen nur einen kleinen Eindruck geben. Sie ersetzen bei bestehenden Dysbalancen kein Gespräch mit einem erfahrenen TCM-Arzt oder -Heilpraktiker, der sich auf Diätetik spezialisiert hat. Im Rahmen einer intensiven Anamnese kann er/sie mit Ihnen gemeinsam herausfinden, welche Lebensmittel für Ihren Magen bekömmlicher sind und damit besser verwertet werden können als andere.

Was bedeutet YangSheng?

Blickt man auf die Historie der chinesischen Medizin, wird man unter anderem darauf stoßen, dass die chinesischen Ärzte früher nur dann bezahlt wurden, wenn die Menschen gesund waren. Denkt man genauer darüber nach, zeigt das, dass eine große Stärke der TCM die Prävention ist, das heißt, Krankheiten vorzubeugen, indem man regelmäßig die zarten Dysbalancen, die in größere Krankheiten ausufern könnten, sofort anzugehen.

YangSheng kann man als „Pflege des langen Lebens“ übersetzen. Und zwar ein langes gesundes Leben. Der Sinn von YangSheng ist es, eigenverantwortlich die eigene Gesundheit (mit) in die Hand zu nehmen und sie nicht an andere Menschen abzugeben. In China gibt es einen Spruch: „Der gewöhnliche Arzt behandelt die Krankheit, wenn sie ausgebrochen ist, der gute Arzt, bevor sie sich zeigt“. Das ist in der westlichen Welt etwas schwieriger umzusetzen, da die meisten Menschen v.a. anfänglich erst kommen, wenn nichts anderes mehr hilft.

 

YangSheng, der Aspekt der Lebenspflege, zeigt sich auch darin, dass zwei der fünf Säulen der TCM genau diesen Bereich umfassen, nämlich das eigenverantwortliche In-die-Hand-nehmen von Gesundheit – Qigong und die chinesische Diätetik. Wenn diese beiden Aspekte – Bewegung und Meditation sowie eine an den eigenen individuellen Körper angepasste Ernährung – in die tägliche Routine einfließen, kann sich dieser immer wieder selbst ins Gleichgewicht bringen und unterstützt im besten Fall auch eine gleichzeitige Behandlung bei einem TCM-Arzt oder -Heilpraktiker.

Die Chinesische Medizin kann daher auch mit einem Gärtner verglichen werden, der im Gegensatz zum Mechaniker, der nur die kaputten Teile repariert, das Ziel hat, mit so wenig Impulsen wie möglich, den Körper zu stimulieren, sich selbst zu regulieren und so voller Energie und Lebensfreude zu sein.

Wie funktioniert die TCM-Diagnostik?

Ein TCM-Arzt oder -Heilpraktiker arbeitet mit einer Vielzahl von anamnestischen Verfahren, um zu einer Diagnose zu kommen und daran die Behandlung zu orientieren.

Gerade im Erstgespräch wird ein sehr großer Wert auf eine umfassende Befragung (mündliche Anamnese) gelegt. Hinzu kommen immer eine Puls- und Zungendiagnose, die das Bild aus der Befragung ergänzen und verfeinern. Der Puls kann im einfachsten Fall sagen, ob er langsam oder schnell ist, an welchen Positionen er vielleicht schwächer ist und vieles mehr. Für die Zungendiagnose ist es wichtig, die Zunge vor einer TCM-Behandlung nicht mit einem Zungenschaber zu „verschönern“ – gerade die Beläge sind ein wichtiger Bestandteil der Diagnose, wenn welche vorhanden sein sollten.

Die Anamnese wird weiter ergänzt durch die Wahrnehmung von Geruch und Stimme, durch Palpation (das Fühlen – gibt es sehr kalte Stellen? Oder sehr warme?), durch Observation (das Beobachten – wie sehen beispielsweise Narben aus? Sieht der Körper überall harmonisch aus?) der Körperstruktur und auch der Mimik. Ist ein Mensch beispielsweise sehr agil? Sprühen seine Augen voller Energie? Oder zieht er sich eher zurück und hat vielleicht Angst? All das kann in die Entscheidung über die finale Behandlung einfließen und wird bei jedem neuen Besuch neu wahrgenommen und bewertet.

Wie funktioniert die TCM-Therapie?

Was kann mit der TCM alles behandelt werden? Und für welches Alter ist die TCM geeignet?

TCM kann schon bei den Kleinsten durchgeführt werden und hat keine Altersgrenze. Gerade Kinder sprechen in der Regel sehr schnell auf TCM-Behandlungen an – dennoch kommt auch hier immer auf den Schweregrad der Erkrankung an.

Grundsätzlich können akute und chronische Erkrankungen behandelt werden. Die Behandlung einer akuten Erkrankung führt in der Regel schneller zu einer Besserung der Symptome als die einer chronischen Krankheit, vor allem wenn diese schon sehr lange besteht.

Es gibt eine lange Indikationsliste der WHO für Krankheiten, bei denen die Akupunktur nach aktuellem Stand empfohlen wird. Dazu gehören beispielsweise:

Weitere Bereiche, in denen die TCM-Behandlung eine starke Unterstützung sein kann, sind:

  • Vorbereitende oder begleitende Kinderwunschbehandlung
  • Allergien und Heuschnupfen (akut und präventiv in der allergiefreien Zeit)
  • Reizdarmsyndrom

TCM-Behandlung und westliche Behandlung können dabei Hand in Hand gehen, sich ergänzen oder auch befruchten. Werden beispielsweise Symptome wie Schlafstörungen oder Bluthochdruck durch die TCM-Behandlung gebessert, können in Abstimmung mit dem Arzt, Medikamente zunächst anders dosiert und im besten Fall sogar nach und nach ausgeschlichen werden.

Ben & Biao - Behandlungsziel der TCM

Um nochmals mit dem Bild von vorher zu arbeiten, ist ein TCM-Arzt oder -Heilpraktiker eher ein Gärtner, der durch möglichst kleine Impulse den Körper wieder ins Gleichgewicht bringen möchte. Es wird nach dem Ben & Biao-System behandelt – dabei ist Ben die Wurzel und Biao sind die Zweige der Erkrankung. Biao ist also das, worin sich das Ungleichgewicht manifestiert und was uns dann oft zum Arzt bringt. Ben hingegen ist die Ursache dahinter, das was tiefer liegt, dessen Symptome wir anfangs entweder nicht bemerken oder vielleicht auch ignorieren.

In der Akutphase einer Erkrankung wird zunächst ein größerer Fokus auf Biao liegen, um die akuten Symptome zu lindern. Ben, die Wurzel, zu ergründen ist jedoch essenziell, um langfristig eine Verbesserung und Gesundung des Körpers zu erzielen. Oft wird gleichzeitig beides behandelt.

Möglichkeiten und Grenzen der TCM

Die TCM ist ein ganzheitliches System, das Körper und Geist mit einbezieht. Daher können eine Vielzahl von Erkrankungen damit behandelt werden. Aber auch nicht alles. Selbst in China werden neue Erkenntnisse in der klassischen Medizin eingesetzt, jedoch immer auch vorbereitend, begleitend oder nachbereitend die TCM. Ein Beispiel hierfür ist ein Knochenbruch – dieser muss natürlich eventuell operiert und in den meisten Fällen in eine Schonstellung gebracht werden, damit er heilen kann. Dennoch kann begleitend die TCM eingesetzt werden, um beispielsweise dem Knochenwachstum zu helfen und damit eine schnellere Heilung zu erreichen, z.B. durch Knochenmarkssuppen, Akupunktur und speziell angepasste Kräuterrezepturen.

TCM und Wissenschaft

Es gibt immer mehr Tendenzen, in verschiedenen Bereichen der TCM zu forschen. Seit Jahren hat sich beispielsweise der TCM Wissenschaftstag auf dem TCM Kongress in Rothenburg etabliert. In Deutschland gibt es mittlerweile zahlreiche Forschungseinrichtungen, Universitäten, Kliniken und Stiftungen, die sich mit Traditioneller Chinesischer Medizin beschäftigen. Beispiele für Forschungsbereiche, die schon Ergebnisse gebracht haben, die der TCM einen hohen Stellenwert beimessen sind: TCM bei Allergien, TCM bei Erkältungen, TCM bei Migräne, TCM bei Reizdarmsyndrom, TCM bei diabetischer Polyneuropathie.

Wie kann ich selbst die TCM für mich nutzen?

Eine große Stärke der TCM ist die Prävention und die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und nicht allein dem Arzt die Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übergeben. Speziell in den Bereichen Ernährung und Qigong (Bewegung und Meditation) kann jeder selbst die Initiative ergreifen.

Manchmal hilft es auch schon, den inneren Schalter umzustellen und nicht erst zum/r Therapeuten/in zu gehen, wenn es einem richtig schlecht geht, sondern sich regelmäßig diesen Moment zu gönnen und präventiv tätig zu werden. Im Bereich der TCM-Ernährung gibt es mittlerweile sehr viele Bücher, die auch für Laien geeignet sind und die zudem oft schöne Poster enthalten, welche Nahrungsmittel wie eingeordnet werden. Manche enthalten zudem ein paar Fragen zu den Themen: „Welcher Typ bin ich? Wo kann ich meine Symptome einordnen und welche Nahrungsmittel sind dann beispielsweise besonders gut oder gar nicht geeignet?“

Die TCM für mich zu nutzen, heisst also auch, die eigene Gesundheit selbst mit in die Hand nehmen zu wollen.

Autor/en dieses Beitrages:
Heilpraktikerin Ivonne Pannier, Heilpraktiker/in aus Kassel
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