Rheuma

Dr. med. Harald Burgard
Facharzt f. Innere Medizin, Naturheilverfahren, Chirotherapie, Ernährungsmedizin
Dr. med. Harald Burgard
Facharzt f. Innere Medizin, Naturheilverfahren, Chirotherapie, Ernährungsmedizin
Rheuma? – Die meisten denken dabei v.a. an geschwollene Gelenke und Schmerzen, die für eine rheumatoide Arthritis typisch sind. Der in der Rheuma-Therapie erfahrene Arzt Dr. Burgard zeigt, was aus ganzheitlicher Sicht hinter Rheuma steckt und was Schulmedizin und Naturheilkunde im Kampf gegen Gelenkschmerzen und Bewegungseinschränkungen zu bieten haben.
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Was ist Rheuma?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, wie man meint. Die meisten Menschen verbinden mit Rheuma schmerzende, entzündliche Gelenke, um die es in diesem Beitrag auch vorrangig gehen soll. Tatsächlich umfassen die „Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises“, wie Rheuma von Medizinern genannt wird, an die 200 bis 400 verschiedene Erkrankungen, die z.T. gar nicht so leicht zu unterscheiden sind.

Vom Rheuma betroffen sein können:

  • Gelenke – Knochen, Knorpel
  • Wirbelsäule
  • Weichteile – Muskeln, Bänder, Sehnen (z.B. Fibromyalgie)
  • Bindegewebe (wie beim Lupus erythematodes)
  • Blutgefäße (z.B. Vaskulitiden)

Kennzeichnend für Rheuma sind stets fließende, reißende und ziehende Schmerzen am Stütz- und Bewegungsapparat. Rheuma zählt nach heutigem Verständnis zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen sich die körpereigene Abwehr fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen wie z.B. Knorpel in den Gelenken richtet. Die häufigste der entzündlichen Rheumaformen ist mit geschätzten 530.000-660.000 Betroffenen in Deutschland die rheumatoide Arthritis.

Rheumatoide Arthritis

Bei der rheumatoiden Arthritis (RA; chronische Polyarthritis, cP) sind verschiedene Gelenke von Entzündungen betroffen. Etwa 2/3 der Betroffenen sind Frauen. Auch Kinder und sogar Säuglinge können unter rheumatoider Arthritis leiden (sog. juvenile Form).

Fakten zur rheumatoiden Arthritis

  • Chronisch entzündliche Gelenkerkrankung
  • Betrifft meist nicht nur die Gelenke, sondern den ganzen Menschen (Allgemeinbefinden, evtl. innere Organe)
  • Oft spät diagnostiziert
  • Verläuft meist in Schüben
  • Gilt in der Schulmedizin als unheilbare, aber relativ gut behandelbare Autoimmunerkrankung

Auch wenn die chronische Polyarthritis vorrangig die Gelenke betrifft, kann sie mit schweren systemischen Entzündungsreaktionen einhergehen. Damit betrifft sie keineswegs nur die Gelenke, sondern immer den ganzen Menschen.

„Rheuma betrifft nicht nur die Gelenke,
sondern immer den ganzen Menschen“

Dr. med. Harald Burgard

Symptome – Woran erkenne ich Rheuma?

Typische Symptome von Rheuma im Allgemeinen sind:

  • Schmerzen
  • Schwellungen
  • Ergüsse an den Gelenken

Frühsymptome bei rheumatoider Arthritis

Die Frühsymptome einer rheumatoiden Arthritis sind oft unscheinbar und unspezifisch:

  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • leichtes Fieber

Typische Symptome im weiteren Verlauf

  • Entzündungszeichen an Gelenken: Rötung – Schwellung – Wärme – Schmerz
  • Steifigkeit der Gelenke, v.a. am Morgen („Morgensteifigkeit“) mind. 30 min. anhaltend
  • Symmetrischer Befall der Gelenke z.B. beide Handgelenke, Fingergrundgelenke links und rechts
  • Häufig an Fingern und Zehen
  • Allmählicher oder plötzlicher Beginn
  • Mit der Zeit: abnehmende Beweglichkeit durch Verformung entzündeter Gelenke
  • Schmerzen in Ruhe (nachts) schlimmer, bessern sich bei Bewegung (Ruheschmerz, Nachtschmerz)
  • Überwärmungs-/Hitzegefühl
  • Kühlen bessert
  • Schubförmiger Verlauf
  • Rheumaknoten v.a. an Fingern und Ellenbogen (jeder 5. Patient)

Im Laufe der Zeit werden Gelenke und die gelenknahen Knochen zunehmend zerstört. Daraus entwickeln sich die gefürchteten Spätfolgen des Rheumas wie Fehlstellungen, Verformungen und Funktionsverlust der Gelenke.

Begleiterscheinungen bei rheumatoider Arthritis

  • Müdigkeit
  • Allgemeines Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • Lustlosigkeit bis hin zu Depression
  • Geringere Leistungsfähigkeit (im Schub)
  • Erhöhte Temperatur bis leichtes Fieber (im Schub)

Je nach Einzelfall können neben den Gelenken andere Bereiche betroffen sein. Beispiele hierfür wären Sehnenscheidenentzündungen und Schleimbeutelentzündungen (v.a. am Ellenbogen). Gefürchtet ist die Ausbreitung der Entzündung auf Organe wie Augen, Rippenfell, Herz(-beutel) (Perikarditis), Lunge, Nerven, Blutgefäße und Lymphsystem. Diese können mitunter sogar lebensbedrohlich sein.

Diagnose

Schulmedizinische Diagnostik bei Rheuma

Die schulmedizinische Diagnose basiert auf:

  • Anamnese
  • Körperliche Untersuchung
  • Entzündungsparameter im Blut
  • Antikörpernachweis (nicht hinreichend)
  • Rheumafaktor (nicht immer vorhanden)
  • Bestimmung genetischer Marker im Blut (nicht hinreichend)
  • Bildgebende Verfahren (Ultraschall, Röntgen, Computertomografie, Magnetresonanztomografie und Szintigrafie)

Die bildgebenden Verfahren helfen dem Arzt, den Verlauf der Erkrankung zu beurteilen und das Krankheitsstadium zu bestimmen. So können z.B. mit Röntgen Knochenschäden und mit Ultraschall Gelenkergüsse sichtbar gemacht werden.

Eine gewisse Orientierung bieten Entzündungszeichen im Blut (erhöhte Blutsenkung, c-reaktives Protein – CRP-ultrasensitiv). Allerdings sind diese Werte bei einem Drittel der Patienten mit rheumatoider Arthritis zunächst unauffällig.

Eine rheumatoiden Arthritis gilt als gesichert, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Entzündung an mind. 3 Gelenken
  • Symptome bestehen länger als 6 Wochen
  • Nachweis des Rheumafaktors
  • Nachweis typischer Antikörper

Ganzheitliche Diagnostik bei Rheuma

Am Anfang jeder naturheilkundlichen Therapie sollte stets eine umfassende, ganzheitliche Diagnostik stehen. Denn nur, wenn wir die Ursachen einer Erkrankung kennen, können wir dem Patienten auch möglichst wirksam und nachhaltig helfen.

Um den Ursachen von Rheuma auf den Grund zu gehen, bietet die Naturheilkunde Ärzten und Heilpraktikern ein breites Spektrum an Diagnoseverfahren von der Augen- bis zur Zungendiagnose, aus dem jeder Therapeut sein eigenes „Werkzeug“ individuell zusammenstellt.

Im meiner Praxis für ganzheitliche Medizin & klinische Umweltmedizin erhält zunächst jeder Patient einen 20-seitigen Fragebogen. Wichtig sind für mich auch alle Vorbefunde (Labor, Radiologie-Befunde, Arztbriefe etc.) und eine umfassende körperliche Untersuchung. Darüber hinaus arbeite ich bevorzugt mit einem Scanner, der mir erste Hinweise auf Belastungen liefert und mir so die Richtung zeigt, in der ich weiter suchen muss.

Um die vermuteten Ursachen letztlich zu beweisen, werden anschließend Blutwerte und einige Stuhlparameter analysiert sowie der Urin auf toxische Metalle untersucht. Wird eine Umweltgift-Apherese (INUSpherese, „Blutwäsche“ mit speziellem Filtersystem für Umweltgifte) durchgeführt, kann anschließend das sogenannte Eluat auf Giftstoffe hin untersucht werden. Oft kann auf diese Weise erstmals für den Patienten der Beweis erbracht werden, woran er wirklich erkrankt ist.

Darüber hinaus kann mit Hilfe einer Stuhlprobe geklärt werden, ob zum Beispiel ein Leaky-Gut-Syndrom (erhöhte Durchlässigkeit der Dünndarmschleimhaut – „undichter Darm“) vorliegt, der Darm entzündet oder die Bauchspeicheldrüse gestört ist.

Aus der Gesamtheit der Befunde verschaffe ich mir einen umfassenden Überblick über den Gesundheitszustand des Patienten und die möglichen Hintergründe seiner Rheumaerkrankung.

Ursachen & Risiken

Risikogruppen – Wer erkrankt an Rheuma?

Auch wenn Rheuma gern als Erkrankung der Älteren gesehen wird: betroffen sein können Menschen jeden Alters, auch Kinder und junge Erwachsene. Am häufigsten betroffen von rheumatoider Arthritis sind Menschen zwischen 50 und 70.

Letztendlich kann Rheuma jeden treffen, der dazu eine gewisse Veranlagung hat. Ob die erbliche Veranlagung zum Tragen kommt, also ob jemand tatsächlich an Rheuma erkrankt, hängt jedoch entscheidend von seiner Umwelt und seinem persönlichen Lebensstil ab.
Wie wir inzwischen aus der Epigenetik wissen, braucht es bestimmte Faktoren, um eine entsprechende Erbanlage zu aktivieren und die Krankheit ausbrechen zu lassen. Ganz so, als würden Sie einen Schalter anschalten.
Die gute Nachricht: Der Weg zum Rheuma ist keine Einbahnstraße. Der „Schalter“ kann durchaus wieder zurückgelegt werden!
Und: Viele der Umweltfaktoren, die den Schalter umlegen, können wir sehr gut beeinflussen und schon im Vorfeld einer Rheumaerkrankung entgegenwirken. Diese Chance sollten vor allem Menschen nutzen, in deren Familie gehäuft Rheuma auftritt und bei denen von einer erhöhten Rheumaneigung auszugehen ist.

Risikofaktor Lebensstil

Zu den Risikofaktoren, die Sie mehr oder weniger gut beeinflussen können gehören:

  • Rauchen: Raucher haben ein deutlich höheres Risiko, später an Rheuma zu erkranken. Je länger jemand raucht, desto größer das Risiko, an einer rheumatoiden Arthritis zu erkranken.
  • Antibiotika: Menschen, die in ihrer frühen Kindheit öfter erhalten haben, haben ebenfalls ein erhöhtes Rheumarisiko.
  • Übergewicht: Zumindest bei Frauen scheint Übergewicht das Risiko für eine rheumatoide Arthritis zu erhöhen. Der Zusammenhang überrascht wenig. Schließlich führt Übergewicht fast immer zu chronischen Entzündungen, die sich häufig leicht anhand einer erhöhten Blutsenkung (Blutsenkungsgeschwindigkeit, BSG) erkennen lassen.
  • Erhöhte Entzündungsbereitschaft: Eine allgemein erhöhte Entzündungsbereitschaft erhöht auch das Rheumarisiko. Zu einem gewissen Grad können Sie durch einen „antientzündlichen“ Lebensstil gegensteuern (Vermeidung von Belastungen, antientzündliche Ernährung …).

Schwermetalle und andere Umweltgifte

Zu den häufigsten Ursachen gehören für mich Belastungen mit toxischen Metallen, insbesondere mit Schwermetallen, Umweltgiften wie Pflanzen- oder Insektenschutzmitteln, organischen Lösungsmitteln usw., aber auch zirkulierende Immunkomplexe, die Entzündungen jahrelang unterhalten können, auch wenn der eigentliche Auslöser längst beseitigt wurde.

Giftige Metalle können Rheuma-Patienten in vielerlei Hinsicht belasten. Blei wird zum Beispiel an Stelle von Calcium in Muskeln eingelagert, und kann dort zu dauerhaften Entzündungen führen. Wie wir inzwischen wissen, ist jede Bleibelastung schädlich. Eine harmlose oder unbedenkliche Bleimenge gibt es dabei nicht. Cadmium wird statt Calcium im Knochen eingebaut.

Zudem blockieren Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Arsen, aber auch Aluminium, die Energiegewinnung in den Mitochondrien, schädigen das Immunsystem, besetzen Enzyme (Stoffwechsel, Verdauung …) und machen sie somit unwirksam. Darüber hinaus lösen sie die Bildung freier Radikale aus, die ihrerseits wiederum Schäden an allen Körperstrukturen bis tief hinein in die Gene verursachen können.

In meiner fast 20-jährigen Tätigkeit als Arzt habe ich keinen Patienten mit rheumatischer Polyarthritis getroffen, der keine hohe Blei- und/oder Cadmiumbelastung hatte. Das gilt sogar für Rheuma bei Kindern und Jugendlichen!

Ähnliches gilt auch für alle anderen Patienten mit chronischen Schmerzsyndromen, wie z.B. der Fibromyalgie, bei denen sich regelmäßig hohe Bleibelastungen, oft in Kombination mit Cadmium, Quecksilber und anderen Schadmetallen, nachweisen lassen.

Blei, Quecksilber (z.B. aus Amalgam) und andere Schwermetalle können zu einem dauerhaften Anstieg des Botenstoffes Noradrenalin führen und so das sensible Gleichgewicht zwischen dem „aktivierenden“ Sympathikus und seinem Gegenspieler, dem Parasympathikus, stören. Die Dominanz des Sympathikus führt dazu, dass unser System zur Schmerzwahrnehmung ununterbrochen im ganzen Körper aktiviert wird. Hier hilft nur die Entfernung der Metalle. Werden die Metallbelastungen beseitigt, gehen die Schmerzen in der Regel vollständig zurück.

„In fast 20 Jahren als Arzt habe ich keinen Patienten mit Rheuma getroffen,
der keine hohe Blei- und/oder Cadmiumbelastung hatte.“

Dr. med. Harald Burgard

Krankheiterreger & Störfelder

Bei meinen Rheumapatienten finden sich neben den Belastungen mit Schwermetallen meistens solche mit verschiedenen Erregern wie Borrelien oder Chlamydien.

Nach meiner Erfahrung gehören Krankheitserreger, von denen viele Schmerzen auslösen können, zu den häufigsten Ursachen einer rheumatoiden Arthritis. Infekte, die vom Körper nicht vollständig abgewehrt wurden und nun wie ein Schwelbrand vor sich hin glimmen, können immer wieder aufflammen und über das geschwächte Immunsystem das Eindringen anderer Krankheitserreger erleichtern. Das führt dann dazu, dass die Betroffenen immer wieder unter Infekten leiden.

Ein weiteres Problem sind Immunkomplexe. Bei seinem Bemühen, Krankheitserreger und Fremdstoffe (Antigene) unschädlich zu machen, bildet unser Körper speziell gegen diese „Angreifer“ gerichtete Antikörper. Im nächsten Schritt der Abwehrreaktion binden die Antikörper an die Antigene. Ein Antigen-Antikörper-Komplex entsteht. Bei einer gesunden Abwehrreaktion wird dieser Immunkomplex schnell abgebaut.

Anders bei chronischen Infekten/Belastungen, bei denen der Körper die Angreifer nicht endgültig besiegen kann. Dann haben wir permanent zu viele Immunkomplexe in unserem Blut und in unseren Geweben. Diese „zirkulierenden Immunkomplexe“ können sich an allen möglichen Stellen im Organismus ablagern und zu Entzündungen führen.

Interessanterweise findet man solche Immunkomplexe vermehrt bei Patienten mit chronischer Polyarthritis und anderen rheumatischen Erkrankungen wie Morbus Bechterew, Lupus erythematodes und dem Sjögren-Syndrom. Da die Immunkomplexe nicht nur Symptom, sondern Teil des Problems sind, sollten sie unbedingt reduziert bzw. entfernt werden (z.B. mit der Umweltapherese).

Neben Infekten, Schwermetallen und anderen Fremdstoffen können auch Herde im Zahn-Mund-Kieferbereich zu dem Entzündungsgeschehen beitragen.

Darm und Darmflora

Der Darm ist nicht nur der zentrale Ort unserer Nährstoffaufnahme, sondern zugleich eines unserer wichtigsten Immunorgane. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Darmflora, deren Funktion wir durch die Ergebnisse der modernen Mikrobiomforschung immer besser verstehen. So wissen wir heute, dass unsere Darmflora Entzündungsreaktionen in unserem Körper beeinflussen kann. Ist die Bakterienvielfalt im Darm im Gleichgewicht, können wir auch Entzündungen besser unter Kontrolle halten.

Fehlbesiedlungen im Darm führen zu Blähungen und belasten uns mit entsprechenden Stoffwechselgiften.

Durch eine undichte Darmschleimhaut (Leaky Gut) können Nahrungsbestandteile ins Blut gelangen, die dafür eigentlich nicht vorgesehen sind. Diese reizen zusätzlich das Immunsystem, können Allergien auslösen und Entzündungen fördern.

Ein weiteres Beispiel sind unvollständig verdaute Eiweiße, die normalerweise im Darm verbleiben, beim Leaky Gut jedoch ins Blut gelangen und dort eine Abwehrreaktion des Körpers (Antikörperbildung) hervorrufen können. Solche, gegen an sich harmlose Eiweiße gerichtete, Antikörper können mitunter auch körpereigene Strukturen erkennen. Auf diese Weise kann ein undichter Darm durchaus eine Autoimmunerkrankung nach sich ziehen.

Da das Blut direkt vom Darm (über die Pfortader) zur Leber fließt, wird auch sie beim Leaky Gut stärker belastet und kann sich entzünden.

Über den Vagusnerv können z.B. Toxine und Borrelien aufwärts steigend ins Gehirn gelangen, und dort zu Beschwerden führen. Zu den möglichen Folgen gehören z.B. Konzentrationsstörungen, der „Brain Fog“ (Hirnnebel), bei dem man sich wie benebelt fühlt, bis hin zu entzündlichen Erkrankungen wie Multiple Sklerose.

Übersäuerung

Auch eine Übersäuerung bzw. eine Störung des Säure-Basen-Gleichgewichts wird aus naturheilkundlicher Sicht eng in Verbindung mit Rheuma gesehen. Die Ursache der Übersäuerung ist vor allem in unserem Lebensstil zu suchen: Stress, Süßigkeiten, Kaffee, Alkohol und Fleisch hinterlassen jeden Tag ihre „Säurelast“ in unserem Bindegewebe.

Das Problem: Die Übersäuerung behindert Diffusionsprozesse in dem Raum, der die Zellen umgibt. Das stört sowohl die Versorgung der Zellen mit Nährstoffen und Energie, als auch den Abtransport von Abfallstoffen, wie sie im normalen Stoffwechsel der Zelle und besonders in entzündetem Gewebe entstehen. Zugleich steigen im sauren Milieu unsere Schmerzempfindlichkeit und die Entzündungsbereitschaft.

Geschwächte Mitochondrien

Viele der hier bereits angesprochenen Ursachen von Rheuma sollten meines Erachtens auch vor einem größeren Zusammenhang betrachtet werden, nämlich der erworbenen Mitochondriopathie.

Was bedeutet das? Heute verstehen wir immer besser, welche Rolle Mitochondrien, die „Kraftwerke der Zelle“, bei der Entstehung chronischer Erkrankungen spielen. Ohne hier näher ins Detail gehen zu wollen, sollten Sie wissen, dass unsere Mitochondrien stark unter unserem modernen Lebensstil, Krankheitserregern, inneren Entzündungen usw. leiden. Sind die Mitochondrien zu sehr geschwächt, fühlen wir uns nicht nur müde und erschöpft – auch der oxidative Stress in unserem Körper nimmt zu.

Maßgeblich zum Verständnis dieser Zusammenhänge beigetragen hat in den 1990er-Jahren der Arzt Dr. med. Heinrich Kremer. Er begründete seinerzeit die Cellsymbiosistherapie zur Regeneration der Mitochondrien, von der sich viele Elemente in der nachstehend vorgestellten naturheilkundlichen Therapie bei Rheuma wiederfinden.

Therapie bei rheumatoider Arthritis

Um Langzeitfolgen – insbesondere Deformierungen – zu verhindern, sollte möglichst zeitig mit der Therapie begonnen werden. Die aktuellen Leitlinien sehen dafür einen Zeitraum von 12 Wochen vor. Tatsächlich vergingen im Jahr 2015 jedoch 11 Monate bis ein Rheumapatient erstmals zu einem Rheumatologen kam.

Ziel einer umfassenden Rheuma-Therapie ist es:

  • Schmerzen lindern bzw. beseitigen
  • Die Beweglichkeit so gut wie möglich wieder herstellen bzw. erhalten
  • Spätfolgen vermeiden bzw. ihnen vorbeugen!

Krankheitsverlauf

Lange Zeit galt die chronische Polyarthritis in der Schulmedizin als unheilbar. In den letzten Jahren ist in dieser Hinsicht ein Wandel spürbar, wird doch zunehmend die vollständige Remission, also das vollständige Verschwinden aller Krankheitszeichen, als Ziel proklamiert. Besonders glücklich schätzen dürfen sich die 10 % der Betroffenen, bei denen die Erkrankung ohne Therapie zum Stillstand kommt. Ansonsten geht man aktuell davon aus, dass bei frühzeitigem Behandlungsbeginn etwa bei der Hälfte der Patienten mit rheumatoider Arthritis eine vollständige Remission erreicht werden kann.
Für eine gute Prognose spricht, wenn die Erkrankung früh diagnostiziert und behandelt wird – am besten solange noch möglichst wenige irreversible Schäden entstanden sind.

Für den einzelnen Patienten gilt jedoch nach wie vor, dass der Krankheitsverlauf der rheumatoiden Arthritis individuell sehr verschieden und schwer vorherzusagen ist.

Schulmedizin

Die Schulmedizin sieht ein stufenweises Vorgehen mit verschiedenen Medikamenten vor. Die wichtigsten Gruppen von Medikamenten sind:

  • Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Kortison)
  • Schmerzmittel (z.B. Metamizol, Paracetamol, Tramadol, Oxycodon)
  • Immunsuppressiva (z.B. Methotrexat, Azathioprin und Ciclosporin A)
  • Biologika (durch Biotechnologie hergestellte, spezifisch wirkende Medikamente wie z.B. TNF-Alpha-Blocker, die bei rheumatoider Arthritis v.a. eingesetzt werden, um Entzündungen durch die Blockade entsprechender Botenstoffe im Körper einzudämpfen)
  • weitere Rheuma-Basismedikamente wie die sog. „Kleinen Moleküle“ (small molecules), die über eine Hemmung bestimmter Enzyme der Entzündung entgegenwirken.

Welche Medikamente wie gut wirken, lässt sich im Einzelfall leider nur bedingt vorhersagen. Der Arzt wird entsprechend Schritt für Schritt vorgehen und bei Bedarf andere Medikamente wählen oder hinzunehmen.

Bedingt durch eine in der Regel langfristige Einnahme, leiden nicht wenige Rheuma-Patienten mehr oder weniger stark unter Nebenwirkungen. Ein Beispiel wäre eine erhöhte Infektanfälligkeit, wie sie nicht nur bei Immunsuppressiva, sondern z.B. auch bei den zudem sehr teuren Biologika auftreten kann.

Ergänzt wird die medikamentöse Therapie häufig durch physikalische Therapie, wie z.B.

  • Wärme, Kälte ⇒ Schmerzlinderung
  • Krankengymnastik ⇒ Muskeln aufbauen, Beweglichkeit erhalten
  • Ergotherapie ⇒ Eigenständigkeit erhalten, Umgang mit Hilfsmitteln, Schonung der Gelenke

Die mehrmalige Ganzkörperanwendung der Krypotherapie, bei der der Patient Temperaturen bis zu  -160°C ausgesetzt wird, kann die Durchblutung verbessern, Entzündungen reduzieren, Schmerzen verringern und Heilungsprozesse in den Gelenken beschleunigen. In welcher Form Wärme oder Kälte am wirksamsten sind, muss man für jeden Patienten ausprobieren.

Operationen wie der Einsatz von Prothesen können im Einzelfall helfen, Spätfolgen der Erkrankung abzumildern.

Naturheilkundliche Behandlung bei Rheuma

Ergänzend zur Schulmedizin bieten Ärzte für Naturheilverfahren und Heilpraktiker ein ganzes Portfolio an Therapiemöglichkeiten bei Rheuma. Dabei geht es vor allem darum, die aus ganzheitlicher Sicht bestehenden Ursachen und Hintergründe der rheumatischen Erkrankung nachzuweisen und sie soweit wie möglich zu beseitigen, um so die Entzündungsprozesse und Gelenkzerstörung zu stoppen.

Ausleitung und Entgiftung

Bei ausgeprägten Schadmetallbelastungen ist eine Chelattherapie Mittel der Wahl. Dazu bekommt der Patient Infusionen mit Schwermetall-fangenden Verbindungen, sogenannten Chelaten bzw. Chelatbildnern.

Da Chalatbildner nie absolut selektiv Schwermetalle binden, erwischen sie stets auch essentielle Mineralstoffe und Spurenelemente wie Zink oder Selen. Daher sollte bei einer Chelattherapie stets die allgemeine Nährstoffversorgung im Blick behalten und ggf. entsprechende Nährstoffe zugeführt werden.

Ein weiteres Problem: Über Chelatbildner können nur toxische Metalle erfasst und entfernt werden. Um gerade bei einem so komplexen Krankheitsbild wie dem rheumatischen Formenkreis möglichst auch die Stoffe zu erwischen, die zu großen Teilen für die Autoimmun- und Entzündungsreaktionen verantwortlich sind, nutze ich in meiner Praxis die moderne Umweltapherese (Umweltgift-Apherese, INUSpherese®) – ein „Blutwäsche“-Verfahren, das über Jahrzehnte an verschiedenen Universitäten wissenschaftlich geprüft und weiterentwickelt wurde.

„Für mich ist die Umweltapherese derzeit weltweit
die effektivste Methode für eine umfassende Entgiftung.“

Dr. med. Harald Burgard

Wegen ihrer ausgezeichneten Ergebnisse bei rheumatoider Arthritis wurde die Apherese bereits in verschiedene internationale Leitlinien aufgenommen.
Bei der Umweltapherese wird – ähnlich wie bei der Dialyse von Nierenkranken – Blut aus einer Armvene entnommen, mittels Filtern gereinigt und wieder in den Körper zurückgeleitet. Die hierbei verwendeten Hightech-Filter sind in der Lage, aus Ihrem Blut, Lymphsystem und Bindegewebe nicht nur toxische Metalle zu entfernen, sondern auch

  • Umweltgifte (wie z.B. PDB, Toluol, Benzole, Insektenschutzmittel u.v.m.),
  • zirkulierende Immunkomplexe (die Entzündungen an Muskeln, Blutgefäßen oder den Nieren verursachen),
  • Viren, Gifte von Bakterien,
  • entzündungsförderndes, krankhaft verändertes Ferritin u.v.m.

Die herausgezogenen Gifte werden in einem Beutel aufgefangen und zum Nachweis in ein Speziallabor geschickt. Auf diese Weise können Entzündungen mit nur wenigen Behandlungen massiv gesenkt werden. Auch die natürliche Regulationsfähigkeit des Körpers wird bei vielen Patienten spürbar verbessert.

Wichtig bei all diesen Ansätzen: Viel trinken! Am besten möglichst reines, stilles Wasser.

Darmsanierung

Die Behandlung des Darms richtet sich nach den Ursachen. Kennzeichnend für eine intakte Darmflora sind wichtige Leitkeime, die in ausreichender Menge vorhanden sein sollten. Fehlen diese, müssen sie unbedingt ersetzt werden. Probiotika helfen dabei, die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Zudem sollte die Ernährung dahingehend optimiert werden, dass Sie auch Ihre lieben Mitbewohner im Darm so füttern, wie diese es lieben. Denn dann siedeln sich vorwiegend nützliche Darmbakterien an und unterstützen Ihr Wohlbefinden.

Wenn die Leber oder Bauchspeicheldrüse (Pankreas) den Darm belastet, indem sie z.B. zu wenig Galle und Verdauungsenzyme bildet, gilt es diese durch leber- und pankreasstärkende Präparate zu unterstützen.

Entsäuerung

Keine Rheumatherapie ohne Entsäuerung! Jeder meiner Patienten misst über mehrere Tage zuhause, ob und wie stark er übersäuert ist. Je nach Ergebnis wird die Übersäuerung im Rahmen der Infusionstherapie mitbehandelt, vor allem aber zuhause durch die Zufuhr von säurebindenden Mineralien und einer optimierten Ernährung.

Unverzichtbar ist für mich eine basische Ernährung mit viel Gemüse, je nach Verträglichkeit auch Obst, weniger Fleisch (1-2x pro Woche).
Alkohol nur in Maßen, möglichst wenig Weißmehl, Zucker und deren Produkte.

Nährstoffzufuhr – Orthomolekulare Therapie

Patienten mit ausgeprägter rheumatoider Arthritis weisen häufiger einen Mangel auf an

  • Calcium, Magnesium, Kupfer, Selen, Zink
  • Folsäure (v.a. bei Einnahme von Methotrexat)
  • Vitamin B6, C und E

Welche Nährstoffe im Einzelfall fehlen, kann eine entsprechende Blutanalyse zeigen. Neben den typischen Mangelstoffen bei Rheuma habe ich besonders Nährstoffe im Blick, die für die Energiegewinnung in den Mitochondrien nötig sind. Denn ohne Energie läuft nichts in unserem Körper.

Bei Rheumapatienten achte ich besonders auf

  • die Mineralstoffe Kalium und Eisen
  • die Spurenelemente Chrom, Lithium, Mangan und Molybdän
  • die Vitamine A, B1, B12, D und K
  • die Antioxidantien Glutathion und Coenzym Q10 (Ubiquinon), Coenzym Q1 (NADH)
  • essentielle Aminosäuren (Bausteine von Eiweißen) wie Arginin, Lysin, Taurin, Cystein und Carnithin
  • Omega-3-Fettsäuren und Phospholipide

Auch sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole, die z.T. Entzündungen entgegen wirken, können zum Einsatz kommen.

Um den Patienten möglichst rasch mit gut verfügbaren Nährstoffen zu versorgen, setze ich in meiner Praxis vor allem auf Injektionen und Infusionen. Bei Patienten, die langfristig mit Nährstoffen versorgt werden sollen, kann auch eine längere orale Therapie, bei der die Mittel über den Mund eingenommen werden, sinnvoll sein.

Oxidativen Stress reduzieren

Oxidativer Stress macht chronisch krank. Zahlreiche Erkrankungen von Arteriosklerose bis Krebs werden inzwischen mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht. Dahinter stecken aggressive freie Sauerstoff- und Stickstoffradikale, die regelmäßig in unserem Stoffwechsel anfallen. Und zwar insbesondere bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien, aber auch bei Entzündungen – womit wir wieder bei der rheumatoiden Arthritis und anderen entzündlichen Rheumaformen wären.

Neben den natürlicherweise im Stoffwechsel anfallenden Radikalen, sorgen äußere Umstände für jede Menge oxidativen Stress. Allen voran das Rauchen, aber auch Giftstoffe (Pestizide), Medikamente, intensive Sonnenbäder (UV-Licht), psychischer Stress und Bewegungsmangel sorgen für jede Menge oxidativen Stress und überfordern unsere körpereigenen Schutzmechanismen. Die logischen Maßnahmen sind:

  • oxidativen Stress reduzieren
  • Antioxidantien zuführen, um die Wirkung der freien Radikale zu minimieren

Zu letzteren gehören z.B. Glutathion, Coenzym Q10, Kupfer, Mangan, Selen, Zink, Vitamin B2, C, E sowie Olivenöl-Polyphenole.

Eine besondere Rolle unter den Radikalen, die intrazellulären Stress verursachen, kommt den Stickstoffmonoxid-Molekülen (NO) zu, die im Körper normalerweise unter Beteiligung von Vitamin B12 neutralisiert werden. Fallen zu viele von ihnen an, sprechen Experten vom sogenannten nitrosativen Stress. Er fördert die Entzündungsbereitschaft, führt zu erhöhter Infektanfälligkeit und stört Entgiftungsprozesse im Körper – alles Faktoren, die gerade Rheumatiker gar nicht gebrauchen können.

Immunsystem unterstützen

Wenn das Immunsystem wie bei Rheuma aus der Bahn geworfen ist und sich gegen körpereigene Strukturen richtet, reicht einfaches Stärken des Immunsystems nicht aus. Das könnte unter Umständen sogar den gegenteiligen Effekt haben und die Lage noch verschlimmern. Zunächst einmal muss das Immunsystem wieder in Balance gebracht werden, so dass ein gesundes Gleichgewicht zwischen Abwehr und überschießender Immunantwort entsteht.

Essentiell ist hierbei, Erreger und deren Toxine, Schadmetalle, Umweltgifte und zirkulierende Antikörper zu entfernen. Zudem muss der Darm „abgedichtet“ werden.

Ergänzend kann dann noch unterstützt werden mit

  • Substanzen, die die Belastung mit Krankheitserregern verringern (z.B. Rizole, Pilze, Beifußextrakte)
  • Zistrosentee (Cistus Incanus) mit seiner antioxidativen Wirkung
  • ausreichendem Nachtschlaf (Licht und Elektrosmog meiden)
  • regelmäßiger Bewegung
  • Eigenblut-Therapie

Homöopathie

Welche homöopathischen Mittel bei Rheuma-Patienten in Frage kommen, kann der behandelnde Therapeut individuell auf Basis einer ausführlichen homöopathischen Anamnese herausfinden. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Testverfahren, die dem Therapeuten helfen können, dem „richtigen“ homöopathischen Mittel möglichst schnell und zuverlässig auf die Spur zu kommen.

Akupunktur

Obwohl Akupunktur gerade in der Schmerztherapie weit verbreitet ist, konnten Studien bislang noch nicht hinreichend belegen, dass Patienten mit rheumatoider Arthritis spürbar von einer Therapie mit Akupunktur oder Elektroakupunktur profitieren. Dies liegt meines Erachtens daran, dass mit Akupunktur die eigentlichen Ursachen von Rheuma nicht verringert werden können.

Phytotherapie

Belegt ist die Wirksamkeit folgender Pflanzen bei Rheuma:

  • Weihrauch
  • Weidenrinde
  • Brennnesselblätter/-kraut und Brennnesselfrüchte
  • Cayennepfeffer (topisch)
  • Teufelskrallenwurzel
  • Wacholderbeeren
  • Rosmarinblätter
  • Mistelkraut

Was bei Ihnen am besten passt, lässt sich in einem Bluttest feststellen. Hierbei werden verschiedene Präparate gegen Ihr Blut getestet. Auf diese Weise lässt sich individuell herausfinden, welche Stoffe bei Ihnen die Entzündungen am besten senken können.

Störfelder beseitigen

Bei Hinweisen auf Störfelder, sollten diese unbedingt saniert werden. Falls die Störung von Zähnen ausgeht, sollte möglichst ein ganzheitlicher Zahnarzt hinzugezogen werden. Weitere mögliche Störfelder sind z.B. entzündete Mandeln, Narben sowie Entzündungen der Nasennebenhöhlen, die mit den entsprechenden naturheilkundlichen Verfahren ursächlich behandelt werden können. Mögliche Blockaden im craniosakralen Bereich können mit entsprechenden manuellen Verfahren behoben werden. Hier sollte bei Bedarf ein Chiropraktiker hinzugezogen werden.

Elektrosmog beseitigen

Bei chronisch Kranken sollte stets der Elektrosmog mit im Blick behalten werden. Sollte die Testung Hinweise auf eine entsprechende Belastung geben, sollten der Schlafplatz und ggf. andere Orte, an denen Sie sich regelmäßig länger aufhalten, überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Oft genug reicht es schon, dass Bett an einen anderen Platz im Schlafzimmer zu stellen.

Heilfasten

Heilfasten kann bei einer Reihe von Patienten vorübergehend zu einer deutlichen Besserung der rheumatoiden Arthritis führen. Durchgeführt werden sollte das Heilfasten in jedem Fall unter fachkundiger Anleitung. Wissen sollte man dabei auch, dass es nach dem Fasten vereinzelt zu Rheumaschüben kommen kann.

Hilfe für die Psyche

Psychologische Unterstützung kann Rheuma-Patienten insbesondere beim Umgang mit Schmerzen helfen und die Genesung beschleunigen.

Was Sie selbst bei Rheuma tun können

Es gibt vieles, was Rheuma-Patienten für ihr Wohlbefinden tun können. Neben regelmäßiger, an die individuellen Möglichkeiten angepasster Bewegung, gehört eine gesunde Ernährung ebenso dazu wie Stressreduktion und ausreichend Schlaf. Zudem sollten Rheumatiker unbedingt mit dem Rauchen aufhören. Denn Rauchen verschlechtert nachweislich den Verlauf und Therapieerfolg bei rheumatoider Arthritis, da Sie sich dadurch permanent Schwermetalle und sonstige Gifte zuführen..

Übergewicht vermeiden

Insbesondere wenn gewichtstragende Gelenke von einer rheumatoiden Arthritis betroffen sind, sollte Übergewicht unbedingt vermieden oder behandelt werden.

Ernährung

Es gibt eine Reihe von Ernährungsempfehlungen, die sich positiv auf eine rheumatische Erkrankung, insbesondere eine rheumatoide Arthritis, auswirken können. Allerdings führt nicht jede Maßnahme bei jedem Patienten zum Ziel. Hier hilft letztendlich nur Ausprobieren.
Ziel einer rheuma-orientierten Ernährung sollte sein:

  1. Entzündungen reduzieren
  2. ausreichend Nährstoffe zuführen
  3. oxidativen Stress durch Antioxidantien abbauen
  4. Säure-Basen-Haushalt ausgleichen
  5. ungünstige Lebensmittel meiden

1. Antientzündliche Ernährung

Neuere Untersuchungen zeigen: Jede Mahlzeit löst im Körper eine kurzzeitige Entzündungsreaktion aus. Patienten mit entzündlichem Rheuma sollten daher nicht so viel zwischendurch essen, sondern sich im Wesentlichen auf die Hauptmahlzeiten beschränken. Unter Umständen kann auch begleitetes Fasten einen guten Impuls setzen.

Antientzündlich wirken zudem ungesättigte Omega-3-Fettsäuren, wie sie in fettem Seefisch, aber auch Leinöl und Krillöl enthalten sind. Tatsächlich führte die hochdosierte Zufuhr von Fischöl in Studien zu einer spürbaren Verbesserung der Gelenkbeschwerden bei rheumatoider Arthritis.

2. Ausreichende Nährstoffzufuhr

Eine wichtige Basis liefert eine nährstoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse, die im Einzelfall auf die individuelle Verträglichkeit abgestimmt werden muss.

3. Antioxidantien

Antioxidantien helfen, die im Rahmen der Entzündungsreaktion bei Rheuma entstehenden freien Radikale abzufangen.

  • Besonders bekanntes Antioxidans ist Vitamin C (Zitrusfrüchte, Paprika, Johannisbeeren, Kohl).
  • Das fettlösliche Vitamin E findet sich z.B. in Nüssen und Pflanzenölen (Mandeln, Haselnüsse, Erdnüsse, Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl.)
  • Die Vitamin-A-Vorstufe Beta-Carotin findet sich, wie der Name schon sagt, in Möhren, aber auch in Kürbis, Tomaten und Melonen. Tomaten haben übrigens noch ein Antioxidans parat: ihren roten Farbstoff Lycopin.
  • Der Selengehalt von Lebensmitteln hängt stark von den Böden ab, auf denen sie wachsen. Besonders viel Selen steckt in Paranüssen.
  • Zink steckt z.B. in Fleisch und Käse.
  • Das Antioxidans Coenzym Q10 findet sich z.B. in fettem Fisch, Spinat und Brokkoli.
  • Polyphenole sorgen nicht nur für Farbvielfalt in Früchten (Kirschen, rote Trauben/Rotwein, Beeren), sondern sind auch noch gesunde Antioxidantien. Wer bei Kakao/Schokolade, Kaffee, grünem und schwarzem Tee schwach wird, darf sich in einer Hinsicht trösten: Alle enthalten wertvolle Polyphenole.

Die Ernährungsumstellung sollte dabei stets an mögliche Lebensmittelunverträglichkeiten des Patienten angepasst werden. Schließlich sind Nüsse, Tomaten, Möhren etc. nicht für jeden Rheuma-Patienten gut verträglich sind.

4. Basenreiche Ernährung

Als Rheumatiker sollten Sie darauf achten, dass möglichst viele Basenbildner und wenige Säurebildern auf den Tisch kommen. Allerdings sollte stets das Maß gewahrt werden und nicht unnötig, auf ansonsten möglicherweise gesunde Lebensmittel, wie z.B. Fisch, verzichtet werden.

 

Basenbildner Säurebildner
Obst, Gemüse, Salat Zucker, Weißmehl, aber auch Vollkornprodukte
Kräutertee, Wasser Kaffee, Schwarztee, Alkohol
Mandeln, Sesam, Erdmandeln Haselnüsse, Paranüsse
  Fleisch, Fisch
  Eier
  Milch-(produkte)
  Süßigkeiten

5. Darmflora-freundliche Ernährung

Ihre nützlichen Darmbakterien freuen sich vor allem über

  • Ballaststoffe – z.B. Vollkornprodukte, Weizenkleie, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Obst mit Schale, Flohsamenschalen, Leinsamen, Chiasamen
  • Präbiotische Lebensmittel – z.B. Chicorée, Pastinake, Schwarzwurzel, Topinambur, Artischocke, Lauch, Zwiebel, Banane
  • Probiotische Lebensmittel – z.B. sauer vergorenes Sauerkraut oder Gurken, probiotischer Joghurt, Kefir
  • Rohkost – soweit sie gut vertragen wird
  • Pflanzliche Vielfalt – möglichst große Vielfalt an Obst, Gemüse, Kräutern, Nüssen
  • Verzicht auf Konservierungsstoffe und andere belastende Zusatzstoffe

6. Ungünstige Lebensmittel meiden

Wenn sich bei der Testung (s.o.) Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -allergien ergeben haben, sollten diese, solange das Problem besteht, unbedingt gemieden werden, da sie das ohnehin schon strapazierte Immunsystem unnötig reizen würden. Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis scheint es nach Studien insbesondere solche zu geben, die auf bestimmte Lebensmittel wie Milch- oder Getreideprodukte empfindlich reagieren. Eine generelle Empfehlung zur Meidung dieser Lebensmittel lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Vielmehr ist die optimale Lebensmittelauswahl immer individuell festzustellen.

Ernährungstipps bei Rheuma auf einen Blick

Empfehlenswert bei Rheuma Bei Rheuma meiden In Maßen verzehren
Basenbildner Säurebildner  
Antioxidantien (buntes Obst, Gemüse) Arachidonsäure (Leber)  
Bio-Kost Pestizide aus konventioneller Landwirtschaft  
Selen    
Omega-3-Fettsäuren    
Nüsse Zucker, Weißmehl  
Mineralwasser, Saft Kaffee, Schwarztee, Alkohol  
fetter Seefisch rotes Fleisch, Leber Milch, Käse
viel Obst, Gemüse Eigelb  
pflanzliche Öle (Olivenöl, Sonnenblumenöl) Schweineschmalz Butter, Sahne

Fazit

Die gute Nachricht: In den letzten Jahrzehnten hat sich viel in der Rheumatherapie getan. In der komplementären Rheumatherapie gehen dabei Schulmedizin und Naturheilkunde Hand in Hand. Während sich die Schulmedizin vor allem an den Symptomen der Rheumapatienten orientiert, setzt die Ganzheitsmedizin darauf, individuell die Hintergründe der Erkrankung zu erkennen und zu therapieren. Ansatzpunkte dafür bieten gezielte Entgiftungstherapien sowie die Unterstützung des Darms, des Immunsystems, des Säure-Basen-Haushaltes und der Mitochondrienn. Wenn es gelingt, diese Faktoren wieder ins Gleichwicht zu bringen, kann das meiner Erfahrung nach wesentlich dazu beitragen, die Lebensqualität von Rheuma-Patienten deutlich zu verbessern.

Kontaktadressen

Deutsche Rheuma-Liga: www.rheuma-liga.de
Rheumaliga Schweiz: www.rheumaliga.ch

  • Blaschek, Wolfgang: Wichtl – Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 6. Aufl. 2016
  • Lee, MS; Shin, BC; Ernst E: Acupuncture for rheumatoid arthritis: a systematic review. Rheumatology (Oxford). 2008 Dec;47(12):1747-53. doi: 10.1093/rheumatology/ken330. Epub 2008 Aug 18, www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18710899
  • Ott, Christina: Rheumatoide Arthritis. Remission ist keine Utopie mehr. Ärzte Zeitung online vom 15.7.2015
  • Robert Koch Institut, Statistisches Bundesamt: Gesundheitsberichterstattung des Bundes., Heft 49, Entzündlich-rheumatische Erkrankungen, 2010
  • www.rheuma-liga.de
  • www.rheuma-online.de

Studien:

  • Basha , DC, et al.: Age related changes in aminergic system and behavior following lead exposure: protection with essential metal supplements. Neurosci Res. 2014, 78: 81–89
  • Bijoor, AR; Sudha, S; Venkatesh, T: Neurochemical and neurobehavioral effects of low lead exposure on the developing brain. Indian J Clin Biochem. 2012, 27(2): 147–151. doi:10.1007/s12291-012-0190-2
  • Houston, MC: Role of mercury toxicity in hypertension, cardiovascular disease, and stroke. J Clin Hypertens (Greenwich). 2011, 13: 621–627. doi:10.1111/j.1751-7176.2011.00489.x
  • Lee, MS; Shin, BC; Ernst E: Acupuncture for rheumatoid arthritis: A systematic review. Rheumatology (Oxford). 2008, 47(12): 1747–1753. doi: 10.1093/rheumatology/ken330. www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18710899
Autor/en dieses Beitrages:
Dr. med. Harald Burgard, FA. für Innere Medizin aus Wadgassen

„Rheuma ist mehr als eine Autoimmunerkrankung. Umso wichtiger ist aus meiner Sicht ein ganzheitlicher Ansatz, der Darm, Bindegewebe, Mitochondrien und Säure-Basen-Haushalt mit einschließt.“

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  • Marie Keller, am 21.03.2021
    Meine Oma ist in letzter Zeit sehr angeschlagen, müde und hat Schwellungen und starke Schmerzen in den Gelenken. Gut zu wissen, dass rheumatoide Arthritis zu 2/3 Frauen betrifft und oft nicht nur die Gelenke, sondern den ganzen Menschen betrifft. Der schubförmige Verlauf würde leider auch zu meiner Oma passen! Ich sollte mit meiner Oma am besten zu einem Facharzt für Rheuma gehen, damit wir hoffentlich ausschließen können, dass sie davon betroffen ist. [...]
  • Online-Redaktion, am 18.10.2019
    Liebe Christina,
    wie der Artikel schreibt, ist Rheuma ist eine Erkrankung des gesamten Körpers weit über die betroffenen Gelenke hinaus. Die Behandlung muss folglich auch ganzheitlich betrachtet werden. Wir empfehlen Ihnen die Ärzte und Heilpraktiker aus unserer Therapeutenliste:
    - https://www.naturheilmagazin.de/aerzte.html
    - https://www.naturheilmagazin.de/therapeuten.html
    Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit grüßt Sie
    Ihre Online-Redaktion
  • Christina, am 28.09.2019
    Sehr geehrter Herr Dr. Bringmann,Ich lebe in München und bin gerade noch dabei, meine Beschwerden diagnostizieren zu lassen.Ich leide seit 4 Jahren unter Polyarthrosen in verschiedenen Gelenken.Der Verdacht auf Rheuma wird eben gerade noch abgeklärt.Können Sie mir in München einen Arzt oder Heilpraktiker empfehlen, den Sie kennen und den ich aufsuchen könnte?Vielen DankChristina
  • Friedrich Gronau, am 05.04.2018
    Sehr geehrter Herr Dr. Bringmann,
    mein Kompliment zu Ihrem sehr gelungenen Fachartikel. Er ist sehr lehrreich und kompetent.

    Vor Jahren bekam ich lästige Schmerzen in den Hand- und Fußgelenken. Mir fällt es jetzt auch ein, dass ich in dieser Zeit stets müde und träge war.
    Mein Hausarzt hat mich untersucht und meinte, dass ich aufgrund der erhöhten Marker, unter Rheuma leide und wollte mich mit Kortison behandeln. Da ich sowieso ein wenig übergewichtig bin und Kortison als Notfallmedizin betrachte, hatte ich wenig Lust auf diese Therapie.
    Dann bin ich, wie Sie sich sicher noch erinnern können, zu Ihnen gekommen.
    Nach einer ausführlichen ganzheitlichen Diagnostik haben Sie mir basische Ganzkörperwickel in Kombination mit Mikrostrom vorgeschlagen. Diese Therapie wurde mit diversen Infusionen und homöopathisch-entzündungshemmenden Injektionen an meinen Gelenken begleitet. Sie haben mir auch die Ernährungsumstellung empfohlen, die ich auch sorgfältig umgesetzt habe. Schon nach wenigen Monaten war ich wieder ganz symptomfrei und fühlte mich wieder gesund.
    Dieser zufriedenstellende Zustand dauert bis heute an, wobei ich alle paar Wochen eine Auffrischung der Behandlungen durchführen lasse. Ich bin sehr froh, dass mir Ihre ganzheitlichen Therapien auch bei einer „schulmedizinisch unheilbaren“ Krankheit wie Rheuma so gut helfen konnten.
    Ich kann diesen Ansatz nur empfehlen.
    Friedrich G.

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