Phytotherapie - Pflanzenheikunde

Eine Einführung

"Phyto" (=Pflanze) und "therapeia" (=Pflege) kommen aus dem Griechischen und lassen sich zu Pflanzenheilkunde zusammenfügen. Die Phytotherapie beruht auf dem Wissen, dass Inhaltsstoffe von Pflanzen pharmakologische Wirkungen haben und bei verschiedenen Krankheitsbildern vorbeugend, lindernd oder heilend wirken können.

 

Einführung

Die Inhaltsstoffe und nicht "das Wesen" oder "die Seele der Pflanzen werden als Wirkstoff der pharmakologischen Wirkung angesehen. In der Phytotherapie werden in aller Regel Pflanzenextrakte oder Kombinationen von Pflanzenextrakten als Tropfen, Tabletten, Kapseln, Zäpfchen, Salben, Umschläge oder als Tees verwendet.

 

Tees

Tees sind typische Hausmittel. Ein Tee ist ein wässriger Auszug aus getrockneten Pflanzenteilen: Blätter, Blüten, Rinden Wurzeln, Hölzer, Kraut, Früchte und Samen finden in Tees Verwendung.
Die Zubereitung des Tees (Aufguss, Abkochung, Kaltauszug) hängt von den verwendeten Pflanzenteilen ab. Meist tragen ein bis zwei Pflanzen in einem Tee die Hauptwirkung. Wenig sinnvoll sind Mischungen aus 20 bis 30 Pflanzen.
In der Lagerung müssen Tees vor Licht, Wärme und Feuchtigkeit geschützt werden.

Auflagen

Packungen, Umschläge und Auflagen finden in den verschiedensten (natur)heilkundlichen Therapien Anwendung und sind altbewährte Hausmittel. Eine Auflage besteht aus einem Baumwoll- oder Leinentuch, das mit Wasser oder einer speziellen Heiltinktur getränkt wurde. Auflagen können heiß oder kalt angewandt werden, wobei das Tuch auf die Stelle gelegt wird, wo es seine heilende Wirkung entfalten soll. Meist wird die Auflagen mit einem zweiten, trockenen Tuch bedeckt und es kann eine zusätzliche Wärme- oder Kältequelle etwa in Form eines Kirschkernsäckchens aufgelegt werden. Auflagen beeinflussen die Körpertemperatur und verbessern die Durchblutung. In der Thalassotherapie werden Auflagen, Wickel oder Packungen mit Algen benutzt, in der Kneipp-Therapie sind es kalte, warme oder heiße Wickel mit Kräutern, Quark, Essig oder Lehm. Kalte Auflagen und Wickel gelten vor allem als fiebersenkend, schlaffördernd und hilfreich bei chronischen Verdauungsproblemen. Warme Auflagen und Wickel werden zur Schmerzlinderung u.a. bei Arthrose, Bauchschmerzen, Nieren- und Blasenerkrankungen sowie anderen Organbeschwerden eingesetzt.

Pflanzliche Heilmittel

Pflanzen gehören zu den ältesten Arzneimitteln. Rein hergestellte Pflanzeninhaltsstoffe wie Digitalis oder Atropin gehören heute zum normalen Arzneimittelschatz. Pflanzliche Heilmittel gibt es getrocknet als „Drogen“ („Droge“ von trocknen), aus denen man Tee zubereitet, oder als von der Industrie hergestellte Fertigpräparate (Phytopharmaka). Phytopharmaka sind aus natürlichen Ausgangsmaterialien hergestellte Medikamente. Sie werden durch Extraktion, Konzentration, Trocknung und ähnliche Arbeitsgänge gewonnen. Um als Arzneimittel zugelassen zu werden, muss das Wirkungsspektrum für Phytopharmarka nachgewiesen werden.

 

Ursprung

Das Wissen um die pflanzliche Heilwirkung ist seit Jahrtausenden bekannt. Das Wissen, das seit der Antike, zum Teil durch islamische Gelehrte überliefert, im Mittelalter in den Klostergärten weitergetragen wurde, bestimmte die Therapie bis in die Neuzeit. Erst mit dem Aufkommen chemischer Arzneimittel wurde die Heilpflanze als Mittel der Therapie verdrängt.

Doch auch heute noch werden pflanzliche Präparate in verschiedenen Bereichen und Kulturen zur Therapie verwendet: In der Volksmedizin, der Ethnomedizin, der im Mittelalter entstandenen Medizin der Hildegard von Bingen, der Schulmedizin in Form von Reinsubstanzen und Phytopharmaka, der Homöopathie, Anthroposophischen Medizin, TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), Ayurveda und Aromatherapie.

Wie läuft eine Behandlung ab?

Pflanzliche Mittel werden in Form von Lebensmitteln, Tees, Sirups, Ampullen, ätherischen Extrakten, Wickeln, Salben, Tinkturen, Spritzen und in Tabletten-/Kapselform angewendet. Eine Teil der Anwendungen eignet sich zur gesundheitlichen Selbsthilfe, ein Teil darf nur durch heilkundlich geschulte und berechtigte Fachleute verabreicht bzw. verordnet werden.

Stand der naturheilkundlichen Forschung

Die Inhaltsstoffe werden heute mit wissenschaftlichen Methoden analysiert und auf deren Wirksamkeit überprüft. Die Forschung lässt erkennen, dass Extrakte, das heißt die Einzelstoffe bestimmter Heilpflanzen, nicht annähernd die Wirkung entfalten, die die Heilpflanze in ihrer Gesamtheit bietet. Deshalb wird in der klassischen Phytotherapie die ganze Pflanze als Heilmittel verwendet.

Trotz der rasanten Entwicklung chemisch erzeugter Medikamente sind Reinsubstanzen bestimmter Pflanzen, (Wirkstoffe, die in chemischen Verfahren herausgelöst - extrahiert - und zu hochwirksamen Medikamenten verarbeitet werden) für die Arzneimittelentwicklung unersetzlich. Das Herzmedikament "Digitalis" (aus dem Fingerhut/Digitalis), das "Atropin" (aus der Tollkirsche/Atropa belladonna), das "Morphium" (aus dem Schlafmohn/Papaver somniferum) sind einige Beispiele. Auch das Aspirin (Acetylsalycilsäure) hat seinen Ursprung in einem Pflanzenwirkstoff (aus der Weidenrinde). Ein bekanntes Phytotherapeutikum ist Johanniskraut, das heute zu den am häufigsten angewandten pflanzlichen Heilmitteln zählt. Da die Wirkstoffe die Lichtaufnahme des Körpers steigern, bewährt sich Johanniskraut bei der sogenannten Winterdepression, am besten in Kombination mit einer Lichttherapie.

Nebenwirkungen

Auch für pflanzliche Heilmittel gilt:
Jede Wirkung hat eine Nebenwirkung. Heilpflanzen haben eine starke oder schwache Wirkung. "Starke" müssen sehr genau dosiert werden, da sie überdosiert giftig sind und sogar tödlich wirken können. "Schwache" wiederum sind nicht "unwirksam". Sie zeigen zwar keine Giftwirkung, aber übermäßiger Genuss kann zu Unverträglichkeiten oder Stoffwechselstörungen führen. So kann beispielsweise ein Zuviel von Brennnesseltee Kaliummangel hervorrufen.

Das heißt, dass vor jeder Einnahme der Beipackzettel gründlich gelesen und eine Wechselwirkung mit anderen Medikamenten abgeklärt werden muss.

Autor/en dieses Beitrages:
Dipl.-Psych. Lutz Hertel, Yogalehrer/in aus Düsseldorf

Erweitert durch die Online-Redaktion (Anwendungsformen der Phytotherapie)

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