Vegetarisch oder Vegan – Ein Vergleich

Vegetarisch oder Vegan – Ein Vergleich

Die vegetarische und vegane Ernährungsform ist hauptsächlich durch pflanzliche Lebensmittel geprägt. Auch Pilze zählen dazu.

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Immer mehr Menschen ernähren sich heutzutage vegetarisch oder vegan. Aus verschiedenen Gründen wird auf bestimmte Lebensmittel tierischen Ursprungs verzichtet. Beide Ernährungsformen wirken sich nicht nur auf die Gesundheit des eigenen Körpers aus, sondern bringen weitere Veränderungen des gesamten Lebensstils mit sich. Wir zeigen, welche Auswirkungen damit verbunden sind, und wo die Unterschiede liegen.

Rund 5,3 Millionen Personen ernähren sich in Deutschland vegetarisch – Veganer sind etwa 800.000 zu verzeichnen. Werden beide Gruppen zusammengezählt, macht dies nur fünf Prozent der heimischen Bevölkerung aus. Relativ wenig, wenn die öffentlichen Debatten oder auch die Regale im Supermarkt betrachtet werden. Viele Menschen reduzieren inzwischen zumindest teilweise ihren Konsum tierischer Produkte. Doch weshalb ist dieser Verzicht in der heutigen Zeit des Überflusses so attraktiv? 

Was steckt eigentlich hinter den Begriffen?

Vegetarismus

Wer sich vegetarisch ernährt, nimmt nur Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs zu sich oder Produkte, die von lebenden Tieren stammen. Auf Fleisch und Fisch wird dabei verzichtet. Eier, Honig oder Milch sind dagegen nicht tabu. Eine alternative Bezeichnung ist Vegetarianismus. Neben der speziellen Ernährungsweise umfasst der Begriff auch die damit verbundene Weltanschauung oftmals mit einer besonderen Achtsamkeit auf die Gesundheit oder ethische Ideale.

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Um einiges weiter verbreitet ist diese Lebensform beispielsweise im asiatischen Raum, vor allem in Indien, vermutlich dem Ursprungsland des Vegetarismus. Knapp 40 Prozent der Bevölkerung ernähren sich dort vegetarisch.  

Innerhalb der Ernährungsform haben sich unterschiedliche Ausprägungen entwickelt. So wird beispielsweise unterschieden, ob sowohl Ei- als auch Milchprodukte verzehrt (Ovo-Lacto-Vegetarismus), oder zu den rein pflanzlichen Lebensmitteln zusätzlich nur Ei-Produkte (Ovo-Vegetarismus) oder Milchprodukte (Lacto-Vegetarismus) konsumiert werden.

Vorsicht ist bei verschiedenen Lebensmitteln wie beispielsweise Säften geboten. Hier werden zur Herstellung ebenfalls oft tierische Zutaten wie Gelatine eingesetzt. Produkte, die speziell auf Vegetarier ausgerichtet sind, greifen dabei auf alternative Ersatzstoffe – wie etwa Agar-Agar, einer Alge – zurück. Vegetarischer oder veganer Käse wird mit Hilfe von mikrobiellem Lab aus Pilzen hergestellt.

Veganismus

Veganer verzichten bei ihrer Ernährung auf alle Lebensmittel tierischen Ursprungs. Oftmals wird die Einschränkung dabei jedoch in anderen Lebensbereichen berücksichtigt. So wird beispielsweise auf die Verwendung von tierischer Wolle oder Leder bei der Bekleidung verzichtet. Auch die Herstellung von Produkten ohne Tierversuche wird häufig berücksichtigt.

Eine besondere Unterform des Veganismus stellen die Frutarier dar. Sie beziehen nur Lebensmittel wie Obst, Samen oder Nüsse in ihre Ernährung mit ein – Produkte, bei denen die Pflanzen durch die Ernte der Früchte nicht zerstört wird.

Flexitarier und Co.

In der heutigen Zeit versuchen viele eine gesunde Ernährungsform mit den individuellen Bedürfnissen unter einen Hut zu bringen. So verzichten manche etwa nur zeitweise auf den Verzehr von tierischen Produkten (Flexitarier). Aus den verschiedenen Ausprägungen haben sich die unterschiedlichsten Bezeichnungen gebildet. Pescetarier beispielsweise erweitern ihre vegetarische Speisekarte um Fisch und Meeresfrüchte.

Entwicklung der Ernährungsgewohnheiten

Welche Gründe stecken hinter einer Entscheidung zur alternativen Ernährungsform?

Der Mensch ist grundsätzlich ein „Allesfresser“ und kann aus biologischer Sicht sowohl Lebensmittel pflanzlichen als auch tierischen Ursprungs verwerten. Vegetarische oder fleischarme Ernährungsformen waren oder sind heute in verschiedenen Gegenden noch verbreitet, in denen Fleisch teuer oder schwer erhältlich ist. In manchen Fällen stecken auch religiöse Hintergründe hinter den entsprechenden Einschränkungen.

Tierschutz und Ethik

Wer sich heute für eine vegetarische oder vegane Ernährungsform entscheidet, hat oftmals ethische Beweggründe. So können es viele beispielsweise nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, dass zu ihrer Ernährung Tiere getötet werden. Im Rahmen des Gleichheitsprinzips sollen andere Lebewesen nichts erleiden, was für sich selbst ausgeschlossen wird.

Ich habe schon in jüngsten Jahren dem Essen von Fleisch abgeschworen, und die Zeit wird kommen, da die Menschen wie ich die Tiermörder mit gleichen Augen betrachten werden wie jetzt die Menschenmörder.
                                                                                                             Leonardo da Vinci (1452–1519)

Dabei spielt für viele heute auch die Art und Weise der Tierhaltung, Schlachtung und Verarbeitung eine große Rolle. Es ist kaum noch möglich Fleisch- oder Wurstwaren zu kaufen, die nicht aus einer industriellen Verarbeitung oder von Tieren aus Massenhaltung stammen. Der Fleischkonsum ist in den Industrieländern so stark gestiegen, dass der Bedarf zu großen Teilen aus einer solchen Produktion gedeckt wird.

Um sich von einem respektlosen Umgang der Tiere als bloße Ware zu distanzieren, verzichten deshalb viele auf den Konsum entsprechender Produkte. Einige Flexitarier beispielsweise beschränken sich beim gelegentlichen Verzehr von Fleisch oder Wurst auf Lebensmittel, die aus einer artgerechten und ökologischen Haltung stammen.

Umweltschutz

Die Massentierhaltung wirkt sich neben dem größtenteils moralisch bedenklichen Umgang mit den Tieren auf andere Bereiche negativ aus. So ist die Produktion großer Mengen Fleisch mit einem enormen Verbrauch an natürlichen Ressourcen verbunden:

  • Erhöhter Bedarf landwirtschaftlicher Nutzflächen: Um für die extensive Tierhaltung Futter zu produzieren sind verhältnismäßig große landwirtschaftliche Flächen notwendig. Innerhalb der letzten 50 Jahre hat sich der Fleischkonsum weltweit mehr als vervierfacht. Um genügend Futter anbauen zu können, sind vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern zusätzliche Agrarflächen geschaffen worden. Rund ein Drittel der gesamten Landflächen weltweit werden heute in irgendeiner Form für die Tierhaltung genutzt.
  • Erhöhter Bedarf an Energie- und Wasserressourcen: Im selben Maße ist der Bedarf an Wasser und Strom gestiegen, der direkt oder indirekt mit der Fleischproduktion zusammenhängt.

Nebenbei hat die Viehhaltung einen nicht vernachlässigbaren Anteil an der Produktion von Treibhausgasen. Zum verstärkten Methanausstoß durch Tiere und ihre Ausscheidungen kommt hinzu, dass für die neuen landwirtschaftlichen Anbauflächen oftmals große Waldgebiete gerodet werden. Eine vegane Ernährung auf Grundlage rein pflanzlicher Nahrungsmittel hinterlässt einen weitaus kleineren ökologischen Fußabdruck. Somit trägt diese Lebensweise auch zum Schutz der Natur und von natürlichen Ressourcen bei.

Rund ein Drittel der Landwirtschaftsflächen weltweit wird heute in irgendeiner Form für die Fleischerzeugung genutzt. Bild: Fotolia, © niromaks
Rund ein Drittel der Landwirtschaftsflächen weltweit wird heute in irgendeiner Form für die Fleischerzeugung genutzt. Bild: Fotolia, © niromaks

Gesundheitliche Gründe

Seitdem in den westlichen Ländern die vegetarische oder vegane Ernährungsform populär geworden ist, sind zahlreiche Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen erstellt worden. Insgesamt konnte nicht belegt werden, dass die eine oder andere Lebensweise gesünder ist.

Dennoch gilt gerade die Gesundheit als einer der Hauptgründe bei einer Entscheidung zu einer vegetarischen oder veganen Ernährung. Dass dieser Personenkreis im Durchschnitt tatsächlich oftmals bessere körperliche Gesundheitswerte aufweist, liegt vermutlich daran, dass insgesamt mehr auf eine gesunde und ausgeglichene Ernährung geachtet wird. Oftmals trägt hier eine höhere Bereitschaft zu körperlicher Betätigung und Sport, sowie der Verzicht auf Rauchen oder übermäßigen Alkoholkonsum zu einer besseren Konstitution bei. 

Ein hoher Anteil unterschiedlicher Obst- und Gemüsesorten auf dem täglichen Speiseplan sorgt dafür, dass der Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird. Bei fleischlastiger Kost fehlen oftmals die Vielfalt sowie die unterschiedlichen sekundären Pflanzenstoffe, deren positive Auswirkungen auf die Gesundheit immer noch nicht vollständig erforscht wurden.

Zudem steht eine Ernährung mit viel Fleisch im Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen, die dadurch begünstigt werden. So sorgt eine hohe Aufnahme tierischer Fette z.B. für einen höheren Cholesterinspiegel. Vor allem „verarbeitetes“ Fleisch wirkt sich in erhöhten Mengen negativ auf die Gesundheit aus, was von einer europaweiten Studie zu diesem Thema belegt werden konnte. Das Risiko für verschiedene Krebserkrankungen, Herzprobleme oder Diabetes kann durch einen übermäßigen Verzehr von Fleisch und Wurstwaren gesteigert werden.

Durch eine ausgewogene Vielfalt an pflanzlichen Nahrungsmitteln kann der Bedarf an wichtigen Nährstoffen gedeckt werden. Bild: Fotolia, © PhotoSG
Durch eine ausgewogene Vielfalt an pflanzlichen Nahrungsmitteln kann der Bedarf an wichtigen Nährstoffen gedeckt werden. Bild: Fotolia, © PhotoSG

Welche Auswirkungen haben die einzelnen Ernährungsformen?

Vegetarismus – Körperliche Auswirkungen

Bei einer vegetarischen Ernährung entfällt die Nährstoffversorgung von Eiweiß, Fett, verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen aus tierischer Herkunft. Vor allem der hohe Anteil an Eiweiß im Fleisch von rund 20 Prozent muss durch pflanzliche Lebensmittel ausgeglichen werden. Hier kommen vor allem Hülsenfrüchte, Nüsse oder Sojaprodukte als Eiweißlieferanten in Frage. Auch für Nährstoffe wie Eisen, Kalzium oder Zink, die bei Vegetariern oftmals mit einem Mangel in Verbindung gebracht werden, gibt es pflanzliche Alternativen, die zur Deckung des Bedarfs dienen können.

Wie bei jeder Ernährungsweise, die mit einem bestimmten Verzicht zusammenhängt, ist es ganz besonders wichtig, auf einen abwechslungsreichen und ausgewogenen Speiseplan zu achten. Vor allem wenn auch auf Milchprodukte oder Eier verzichtet wird, sollten alternative Produkte zum Nährstoffausgleich auf dem Teller landen. Wenn zu manchen Jahreszeiten etwa nicht ausreichend frisches Obst zur Verfügung steht, kann gegebenenfalls auf verschiedene ergänzende Präparate zurückgegriffen werden.  

Verschiedene Punkte können bei einer vegetarischen Ernährung positiv auf die Gesundheit auswirken:

  • Cholesterinspiegel: Durch den Verzicht auf Fleisch- und Wurstprodukte wird die Fett- und Cholesterinaufnahme verringert. Dadurch kann der Cholesterinspiegel in einem gesunden Gleichgewicht bleiben. Dies wirkt sich insgesamt positiv auf den Blutdruck aus. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems treten bei Vegetariern seltener auf.
  • Basische Verstoffwechslung: Eiweißhaltige Kost wie Fleisch wird vom Körper sauer verstoffwechselt. Bei einem hohen Fleischanteil bei der Ernährung mit einer gleichzeitig hohen Fettaufnahme übersäuert der Körper zunehmend, was zu verschiedenen Krebserkrankungen führen kann. Eine vegetarische Ernährung ist hingegen viel basischer. So wird einer Übersäuerung des Körpers durch einen hohen Anteil an Gemüse entgegengewirkt. 
  • Gesunde Verdauung: Die vegetarische Kost gilt als sehr ballaststoffreich und wirkt sich somit förderlich auf die Verdauung aus. Es treten beispielsweise seltener Verstopfungen auf. Auch das Darmkrebsrisiko kann durch diese Ernährungsform gesenkt werden.
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Vegetarismus – Auswirkungen auf andere Lebensgewohnheiten

Wer sich vegetarisch ernährt, macht sich in der Regel sehr viel mehr Gedanken über den Speiseplan als andere, die alles essen. Bereits beim Einkauf wird oft darauf geachtet, welche Zutaten sich in einem verarbeiteten Lebensmittel befinden. Nicht immer sind vegetarische Produkte als solche gekennzeichnet.

In unserer heutigen Überflussgesellschaft stehen jedoch in der Regel ausreichend alternative Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung. Viele Vegetarier legen besonders großen Wert auf Bio-Produkte oder kaufen Lebensmittel, die aus der näheren Umgebung stammen. Grundsätzlich spielt eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung oftmals eine größere Rolle. Oftmals ist der Wunsch nach einer Gewichtsreduktion ein Auslöser für die Umstellung auf eine vegetarische Ernährung.

Da auch kommerzielles Futter für Haustiere zumeist aus industrieller Produktion stammt und dabei häufig Schlachtabfälle von Tieren aus Massenhaltung verwendet wird, sind manche Halter dazu übergegangen, auch ihren Hund oder ihre Katze mit vegetarischer Kost zu ernähren. Laut PETA ist dies aus gesundheitlicher Sicht für die Tiere unbedenklich, wenn auf die Gabe von Zusatzstoffen geachtet wird, die sie normalerweise über Fleisch zu sich nehmen.

Der Eiweißbedarf des Körpers kann auch durch den Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchte oder Nüsse gedeckt werden. Bild: Fotolia, © photocrew
Der Eiweißbedarf des Körpers kann auch durch den Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchte oder Nüsse gedeckt werden. Bild: Fotolia, © photocrew

Vegetarismus – Auswirkungen auf die Gesellschaft und Umwelt

Bereits 1892 wurde in Leipzig der Vegetarierbund Deutschland e.V. (VEBU) gegründet. Anhänger haben sich also bereits früh zusammengeschlossen, um sich auszutauschen und den Vegetarismus als „zukunftsfähigen Ernährungsstil“ nach außen hin weiter publik zu machen.

Auf die Gesellschaft ergeben sich verschiedene Auswirkungen, die in komplexer Weise miteinander verstrickt sind. Vorteile zeigen sich aus ökologischer Sicht durch einen geringeren Bedarf an Agrarflächen und Ressourcen bei der Produktion pflanzlicher Lebensmittel. Nahrungsmittel aus Obst und Gemüse werden derzeit noch in geringerem Umfang als Fleischprodukte aus anderen Ländern bezogen. Somit werden durch eine vegetarische Ernährung auch die weltweiten Belastungen durch Transporte verringert.

Da Vegetarier oftmals allgemein einen gesünderen Lebensstil verfolgen, kann dies langfristig zudem die Gesundheitskassen entlasten.    

Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte: Würde ich wahrscheinlich ein großartiges Essen zu mir nehmen – Broccoli wahrscheinlich, denn ich bin Vegetarier.
                                                                                    Andre 3000, Sänger der Gruppe Outkast, (*1975)

Veganismus – Körperliche Auswirkungen

Ohne Ei- oder Milchprodukte, die mit ihren spezifischen Inhaltsstoffen einen wichtigen Beitrag zur gesunden Ernährung leisten, wird ein damit verbundener Mangel oftmals als Argument gegen den Veganismus angeführt. Bestimmte Vitamine, wie beispielsweise B12, müssen als Zusatzstoff ergänzt werden, um den Bedarf des Köpers zu decken.

Durch die pflanzliche Kost werden verschiedene Nährstoffe in ausreichendem Maß, andere hingegen oft zu wenig aufgenommen:

  • Vitamine und Antioxidantien: Diese Stoffe finden sich vor allem in Obst und Gemüse und werden von Veganern oft in größeren Mengen verzehrt. Die Aufnahme übersteigt hier manchmal die allgemeinen Empfehlungen der Ernährungsexperten, was jedoch unbedenklich ist. Eine Überdosierung ist durch eine ausgewogene Ernährung nicht möglich.
  • Ballaststoffe: Auch hier liegt die Zufuhr meist über dem Wert der Durchschnittsbevölkerung. Negative Folgen ergeben sich dadurch jedoch nicht.
  • Cholesterin: Da dies durch die Pflanzenkost von außen nur in geringen Mengen aufgenommen wird, weisen Veganer in der Regel einen sehr günstigen Cholesterinwert auf.
  • Fettsäuren: Viele mehrfach ungesättigten Fettsäuren der Pflanzenöle werden von Experten als gesünder als die tierischen Fette eingestuft. Eine Ausnahme bilden bestimmte Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in Kaltwasserfischen wie Lachs enthalten sind.
  • Mineralstoffe: Vor allem Eisen, Calcium und Zink, die in größeren Mengen durch Fleisch zu sich genommen werden kann, fehlt häufig bei Veganern. Mineralstoffreiches Wasser und ein vermehrter Konsum pflanzlicher Produkte, welche die entsprechenden Substanzen enthalten, können einen Mangel vorbeugen. Gegebenenfalls muss auf die Zugabe von Nahrungsmittelergänzungen zurückgegriffen werden.

Werden verschiedene Mängel bei der Ernährung nicht ausgeglichen, können bestimmte Krankheiten vermehrt auftreten. So leiden Veganer häufiger an chronischen Entzündungen des Magen-Darm-Traktes als Folge des häufigen Vitami-B12-Mangels. Das Risiko für andere Beschwerden wie Diabetes oder Herzerkrankungen ist bei ihnen jedoch um einiges niedriger als bei Mischköstlern.

Veganismus – Auswirkungen auf andere Lebensgewohnheiten

Die vegetarische oder vegane Ernährung ist bei Kindern wegen des erhöhten Nährstoffbedarfs umstritten. Es muss hier besonders darauf geachtet werden, dann kein Mangel entsteht. Bild: Fotolia, © famveldman
Die vegetarische oder vegane Ernährung ist bei Kindern wegen des erhöhten Nährstoffbedarfs umstritten. Es muss hier besonders darauf geachtet werden, dann kein Mangel entsteht. Bild: Fotolia, © famveldman

Im Gegensatz zu Vegetariern müssen sich Veganer noch viel umfassender mit ihrer Ernährung auseinandersetzen. Obwohl vor allem in größeren Ballungszentren immer mehr vegane Restaurants eröffnet werden, ist nach Expertenmeinungen das Essen unterwegs oft mit verschiedenen Einschränkungen verbunden. Wer beispielsweise verreisen möchte, sollte sich gut vorbereiten und gegebenenfalls einige Lebensmittel selbst mitnehmen, um am Zielort nicht zu viele Kompromisse machen zu müssen. Das vegane Angebot vieler Restaurants oder Hotels ist häufig sehr begrenzt.

Konsequente Veganer möchten auch auf tierische Zusätze in Kosmetik oder bei der Kleidung verzichten. Hier hat sich eine allmähliche Bewusstseinsveränderung inzwischen auf den Markt ausgewirkt. Vegane Kosmetik, die ohne Tierversuche hergestellt wurde, ist heute in vielen Drogerien erhältlich und muss nicht teurer sein als übliche Produkte. Die Einführung des „Vegan Fashion Awards“ oder der „Ethical Fashion Show“ im Rahmen der Modewoche in Berlin zeigt, dass immer mehr über nachhaltige und vegane Konzepte nachgedacht wird.

Veganismus – Auswirkungen auf die Gesellschaft

Veganer verzichten auch auf den Einsatz von Wolle oder Leder bei der Kleidung. Fotolia, © M. Dörr & M. Frommherz
Veganer verzichten auch auf den Einsatz von Wolle oder Leder bei der Kleidung. Fotolia, © M. Dörr & M. Frommherz

Laut PETA benötigt es 1.400 Liter Wasser um die tägliche Nahrung für einen Veganer zu produzieren. Für einen Fleischesser hingegen sind 20.000 Liter Wasser notwendig. Die Nahrungsmittelproduktion hat zudem den größten Anteil an der Art und Weise der Landnutzung. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Bevölkerungswachstums kann eine vegane Lebensweise deshalb dazu beitragen, die Ernährung aller sicherzustellen, da für den Anbau von Obst und Gemüse vergleichsweise weniger Ackerland benötigt wird.

Dass Soja wegen der extensiven Schaffung von Anbauflächen als schädlich eingestuft wird, stimmt nur bedingt. Zwar ist der Bedarf an Sojaprodukten durch die gestiegene Zahl von Vegetariern oder Veganern gestiegen, doch stammen die Produkte hauptsächlich aus ökologischem Anbau, zum Teil sogar aus Europa. Die größten Anbauflächen, die oftmals durch die Rodung von Regenwaldgebieten entstehen, werden fast ausschließlich für den Sojaanbau von Tierfutter genutzt.

79% des weltweit angebauten Soja wird als Futtermittel verwendet

Kritik an den Ernährungsformen

Ein Risiko, welches ab und zu im Zusammenhang mit überwiegend pflanzlicher Kost erwähnt wird, ist eine erhöhte Gefahr für Lebensmittelallergien, da viele Produkte naturbelassen verzehrt werden. Dafür gibt es jedoch keine belastbaren Zahlen.

Die vegane oder vegetarische Ernährungsweise wird oftmals auch als teuer bezeichnet, da Bioprodukte oder die speziellen Lebensmittel häufig mehr kosten. Lediglich ein besser gestellter Personenkreis könne sich dies leisten, so die Kritiker. Oftmals wird jedoch nicht bedacht, dass gerade Grundnahrungsmittel als Hauptzutaten für eine gesunde Ernährung sehr günstig sind. Durch die erhöhte Nachfrage nach veganen oder vegetarischen Produkten versuchen viele Hersteller eine höhere Gewinnspanne zu erzielen. Somit werden einige Lebensmittel tatsächlich teurer verkauft, als sie es eigentlich müssten.

Auch Obst und Gemüse stammen heutzutage zumeist aus einer industriellen Produktion. Häufig wird kritisiert, dass konsequenterweise auch hier auf einen ökologisch und ethisch verträglichen Anbau Wert gelegt werden müsste. Um für einen größeren Personenkreis biologisch angebaute Produkte zur Verfügung zu stellen, müsste sich der Markt noch mehr verändern.

Zudem wird die Umweltverträglichkeit verschiedener als biologisch eingestufter Anbaumethoden immer noch sehr kritisch gesehen. Viele Händler bewerben ihre Waren mit eigenen Ökolabels, wobei nicht immer klar ist, welche Standards dahinterstecken oder woher die Produkte stammen. In manchen Fällen ist es sinnvoller und umweltverträglicher, auf regionale Produkte aus herkömmlichen Anbaumethoden zurückzugreifen, statt Bioprodukte aus anderen Kontinenten zu kaufen.

Bioprodukte gelten als teurer als normale Lebensmittel. Dennoch lassen sich aus gesunden Grundzutaten, auch aus ökologischem Anbau, preiswerte Gerichte zubereiten. Bild: Fotolia, © kzenon
Bioprodukte gelten als teurer als normale Lebensmittel. Dennoch lassen sich aus gesunden Grundzutaten, auch aus ökologischem Anbau, preiswerte Gerichte zubereiten. Bild: Fotolia, © kzenon

Fazit

Viele junge Menschen entscheiden sich heutzutage für eine vegetarische oder vegane Ernährung. Beide Lebensweisen können dazu beitragen, bei der weltweiten Lebensmittelproduktion, Flächen und Ressourcen zu schonen.

Wie weit der Verzicht geht, ist hauptsächlich von den eigenen ethischen und moralischen Vorstellungen abhängig. Grundsätzlich könnte schon eine starke Einschränkung des Fleischkonsums zu einer nachhaltigen Lebensweise erheblich beitragen.

Auch wenn der Schritt vom Vegetarier zum Veganer für Außenstehende nur ein kleiner zu sein scheint, ist dabei mit umfangreichen weiteren Einschränkungen zu rechnen. Veganer müssen sich darauf einstellen, dass vor allem unterwegs mehr Aufwand für eine abwechslungsreiche Ernährung notwendig ist.

Aus gesundheitlicher Sicht sind Bedenken umso ernster zu nehmen, je mehr Nahrungsmittel vom Speiseplan gestrichen werden. Vor allem Veganer müssen auf eine ausreichende Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen achten, um keine Mangelerscheinungen hervorzurufen. Wer sich intensiv mit seiner Ernährung und Gesundheit auseinandersetzt, sorgt oftmals für ein besseres Körpergefühl. So steigt auch das Bewusstsein was einem selbst guttut und wo möglicherweise Defizite bestehen.

Autor: Tobias Kolz

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