Übergewicht 

Satte 60 % der Männer und 45 % der Frauen im Erwachsenenalter sind übergewichtig (www.oecd.org). Damit hat das Übergewicht ein alarmierendes Ausmaß erreicht. Denn Übergewicht gilt nicht nur als unattraktiv, es birgt auch zahlreiche Gesundheitsrisiken, die im Laufe der Jahre zunehmen.

 

Das große Experten-Interview: Wann spricht man von Übergewicht?

Abnehmen und schlank bleiben

Nach einer Studie des Robert Koch Institutes ist in Deutschland mittlerweile jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche übergewichtig. Mehr als die Hälfte der Frauen und zwei Drittel der Männer sind übergewichtig. Übergewicht ist ein ernst zu nehmendes Problem für die Betroffenen selbst, für den Gesundheitszustand der Gesellschaft und nicht zuletzt auch für die sozialen Kassen. Unser Expertengespräch mit dem Fastenarzt Dr. med. Hellmut Lützner, dem Kinderarzt Dr. med. Wolfgang Scheel und der Ernähungsberaterin Frau Anja Müller stellt das Thema „Abnehmen“ aus ganzheitlicher Sicht dar.

Übergewicht ist zunächst nicht als Krankheit anzusehen. Wenn es jedoch ein bestimmtes Maß überschreitet, wird es als Adipositas bezeichnet und als Krankheit eingestuft1.

Als eine gebräuchliche Maßzahl für Übergewicht gilt der Body-Mass-Index (BMI). Er wird wie folgt berechnet:

BMI= Gewicht kg/(Größe in m²)¹

Für Erwachsene gilt folgende Klassifizierung des BMI²

BezeichnungBMI (Kg/m²)¹
Normalgewicht18,5-24,9
Übergewicht25,0-29,9
Adipositas Grad I30,0-34,9
Adipositas Grad II35,0-39,9
Extreme Adipositas Grad III>40

Der Body-Mass-Index wird auch für Kinder und Jugendliche verwendet. Da bei ihnen aber der BMI auch von der Körperentwicklung abhängt, ist die Klassifizierung für Erwachsene bei Kindern nicht anwendbar. Es werden Vergleichsmaße in der jeweiligen Altersgruppe hinzugezogen.

Das Robert Koch Institut nennt eine Reihe von Begleiterkrankungen, die direkt durch das Übergewicht hervorgerufen werden, wie z.B.: Kurzatmigkeit, schnelle Ermüdbarkeit, starkes Schwitzen, Wirbelsäulen- , Gelenk- und Knieprobleme.

Mit zunehmendem BMI steigt das Risiko für Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Schlaganfall, Gicht und Krebserkrankungen sprunghaft.

Seit den sechziger Jahren wird zudem ein Widerspruch immer auffälliger: Die Bevölkerung Deutschlands wird immer dicker und gleichzeitig werden die in Werbung und der Modebranche gezeigten Vorbilder immer dünner. Auch das Image der „Dicken“ in der Gesellschaft hat sich verändert. Während diese in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch als „humorvoll“, „gemütlich“ und „ausgeglichen“ galten, wird heute nach soziologischen Studien Dicksein eher mit „Faulheit“, „Dummheit“ und „Willensschwäche“ gleichgesetzt.

Das bedeutet, dass die Betroffenen nicht nur an den gesundheitlichen Auswirkungen leiden, sondern auch sehr häufig psychische Probleme haben.

Der Diätmarkt boomt. Zahlreiche Produkte versprechen eine schnelle und problemlose Gewichtsabnahme. Kaum eine Frauenzeitschrift, die vor dem Sommer nicht noch eine Bikini-Diät anbietet. Die Frage ist jedoch: Welche Gewichtsabnahme ist realistisch? Wie kann auf gesundem Wege Übergewicht abgebaut und dieses Gewicht gehalten werden bis der Körper das neue Gewicht als „sein“ Gewicht akzeptiert hat und nun auf niedrigerer Stufe selbst regulierend tätig wird.

Dr. Lützner:
In der Klinik sind 4 bis 6 Wochen nötig, um das Problem Übergewicht / Adipositas für einen bestimmten Menschen mit einem für ihn gangbaren Weg in den Griff zu bekommen. Hier geht es dann um Heilfasten und Ernährungstherapie. Ernährungstherapeuten brauchen eine ärztliche Zusatzausbildung, um mit diesen Therapien erfolgreich arbeiten zu können. Schon die Frage nach den Ursachen von Adipositas muss so differenziert beantwortet werden, dass ich sie nicht in zwei Sätzen zusammenfassen kann.

Ich denke, wir sollten uns in unserem Gespräch beschränken auf Gesunde, die zu Übergewicht neigen - und die daher auch Gefahr laufen, adipös und damit krank zu werden. (siehe Klassifizierung BMI).

Quelle:

1)   Robert Koch Institut: Gesundheitsmonitoring
2)   Report obesity

Was sind Ihrer Ansicht nach die Ursachen für Übergewicht?

Dr. Lützner:

Die Grundlagen für Übergewicht werden meist schon im Kindesalter gelegt, durch falsches Verhalten der Eltern. Um nur ein paar Stichworte zu nennen: Überfüttern, zu viele Zwischenmahlzeiten, Naschereien, viele Süßigkeiten, unaufmerksames Nebenheressen, "Wettessen", statt gesundem Schulbrot Geld für die Bäckerei, Essenmüssen trotz Inappetenz (z.B. bei Krankheit), Essen, obwohl der Körper Durst hat. Zu oft wird Durst durch gesüßte Getränke gestillt, obwohl Wasser oder Tee völlig ausreichen. Der natürliche Hunger nach Vitalstoffen wird gestillt durch Kaffee, Rauchen, Schokolade und süße Getränke.

A. Müller:

Die Ursachen sind nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen vielschichtig. Es gibt eine genetische Komponente, wobei hier gilt, dass die Gene lediglich eine Disposition vorgeben. Adipöse sollten also nicht argumentieren: „Meine Mutter war schon dick, ich kann nichts dagegen tun“ oder „Ich hab’ halt schwere Knochen“. Neben den genetischen gibt es noch weitere Faktoren für Übergewicht.

Dazu gehören der Lebensstil (Bewegungsmangel und Fehlernährung), mögliche Essstörungen, endokrine Erkrankungen (Drüsen, Hormone), die Einnahme von Medikamenten oder andere Umstände wie lange Bettlägerigkeit, Schwangerschaft, Nikotinverzicht und bestimmte Operationen.

Zusammenfassend spielen also psychosoziale, individuelle, familiäre und gesellschaftliche Faktoren eine Rolle.

Dr. Scheel:

Auch ich sehe die Ursachen für Übergewicht schon im Kindesalter. Eltern und Großeltern haben eine nicht zu überschätzende Vorbildwirkung, was Essgewohnheiten, Vorlieben oder den Umgang mit Disziplin, auch der Essdisziplin, angeht.

Essen als Liebesersatz ist eine Art antrainiertes Suchtverhalten und viele Kinder reagieren auf Frustrationen und fehlende Eigenliebe mit Essen. Solche Kinder lernen nicht, ihren eigenen Weg zu suchen, um daraus Zufriedenheit und Selbstvertrauen zu ziehen. Nicht leichter wird es für Übergewichtige, sich gesund zu ernähren, wenn selbsternannte „Experten“ sie falsch informieren, beispielsweise vor vegetarischer Kost warnen, schlanke Menschen schlecht machen oder auch, wenn Konfektionsgrößen manipuliert werden.

 

Prävention von Übergewicht - insbesondere im Kindesalter?

A. Müller:

Wichtig sind eine ausgewogene, vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung, ein Basiswissen über gesunde Ernährungsformen und viel Bewegung. Mindestens 3 mal pro Woche sollte man 40-50 Minuten mit Fettverbrennungspuls trainieren. Das heißt, der Puls sollte, abhängig von Alter und Gesundheitszustand, rund 130 Schläge pro Minute betragen. Was und wie viel sie trainieren, sollten Übergewichtige, die auch mit Hilfe von Sport abnehmen wollen, aber unbedingt mit ihrem Arzt besprechen. Dieser Rat gilt natürlich für Erwachsene, die eine überwiegend sitzende beruflich Tätigkeit ausüben.

Kinder sollten meiner Meinung nach jeden Nachmittag draußen in Bewegung verbringen.

Schon während der Schwangerschaft wird nach jüngsten Erkenntnissen darüber entschieden, ob das Kind zu Übergewicht neigen wird. Hier gilt: Ist die Mutter zu Beginn der Schwangerschaft übergewichtig, ist das Risiko für das Kind später deutlich erhöht.

Im Kleinkind- und Schulkindalter sollte man sich davor hüten, die Kinder zu verwöhnen und übermäßig beschützen zu wollen. Sie brauchen unbedingt ausreichend Bewegung - das heißt, dass vor allem die vor dem Fernseher und PC verbrachte Zeit sinnvoll eingeschränkt werden muss. Fastfood sollte möglichst ganz vermieden werden. Statt dessen brauchen Kinder (und ihre Eltern) in der alltäglichen Ernährung viel Obst, Gemüse und „gesunde Kohlenhydrate“ wie z.B. Vollkornprodukte. Naschen sollte möglichst nur in Maßen und im direkten Zusammenhang mit den drei Hauptmahlzeiten erlaubt sein. Denn ständiges Knabbern von Süßigkeiten führt auf der einen Seite zu Heißhunger auf noch mehr Süßes und stoppt andererseits die Fettverbrennung - auch das gilt natürlich ebenfalls für Erwachsene.

Die verhängnisvollste Kombination ist sicher Fernsehen und Fastfood!

Dr. Scheel:

Eine ganz wichtige Rolle spielt, wie in der Familie mit Ernährung umgegangen wird. Gibt es gemeinsame Mahlzeiten? Wie bewusst wird Essen aufgenommen? Werden beim Essen Werte vermittelt (Essen als Einheit mit allen und allem)? Wie lernen die Kinder, ihren Körper und sich selbst wahrzunehmen? Daraus entsteht dann das Selbstbewusstsein (im Sinne von „sich seiner selbst bewusst sein“). Wichtig ist daneben natürlich auch, welche Werte über das Essen hinaus vermittelt werden: Leben heißt Ziele und Erfolgserlebnisse haben, Freude, Glück und Zufriedenheit aus sich heraus zu empfinden, aber zur Erziehung gehören auch Strenge und Konsequenz und das Vorleben von Idealen und Visionen sowie des Grundsatzes: „Ich bin für mein Leben verantwortlich“. Vermittelt werden sollten auch Sinn für Ästhetik, Freude am Sport und einem maßvollen Leben. Auf dem Speiseplan sollten Lebensmittel, das heißt so wenig als möglich verarbeitete und folglich noch inhaltsreiche /lebendige Speisen stehen und das Richtige sollte bewusst gegessen werden.

Wer sollte abnehmen?

Dr. Lützner:

Jeder, der zu viel wiegt. Aber noch viel wichtiger ist die Auseinandersetzung mit falschem Essverhalten - egal ob es mit Übergewicht verbunden ist oder nicht.

A. Müller

Es gibt wissenschaftlich erforschte Obergrenzen, also Obergrenzen, über die hinaus ein gesunder Mensch nicht kommen sollte:

  • BMI ab 25 (bei älteren Menschen ab 30)
  • Bauchumfang
BauchumfangGesundheitlich
ungünstig
Gefährlich für
die Gesundheit
Frauenab 80 cmüber 85 cm
Männerab 94 cmüber 100 cm
  • Menschen mit Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus

Unabhängig davon, sollten alle, die sich mit ihrem Gewicht unwohl fühlen, an eine Gewichtsabnahme denken - einmal abgesehen von Menschen mit Essproblemen wie Magersucht oder Ess-Brechsucht und ähnlichen Essstörungen.

Dr. Scheel:

Abnehmen sollten alle, die ihrem individuellen Idealgewicht nicht entsprechen, sich so nicht wohlfühlen und selbstverständlich jeder, der aufgrund seines Gewichts gesundheitliche Probleme hat.

Wie sieht der gute Start einer Art Diät oder Kur aus?

Dr. Lützner:

Fasten zu Beginn einer Ernährungsumstellung ist ungemein wertvoll - nicht nur, weil es auch eine Gewichtsabnahme bringt - sondern vielmehr, weil es jeden Menschen mit der Erfahrung konfrontiert, dass Verzicht möglich ist - meist verbunden mit einem Gewinn an Lebendigkeit.

A. Müller:

Meiner Erfahrung nach ist ein ärztlich begleiteter Diätbeginn mit einer bilanzierten Trinknahrung (z.B. Insumed oder BCM) sehr motivationsfördernd, weil die Pfunde spürbar purzeln. Auch eine vorgeschaltete Entgiftung ist oft sinnvoll, damit der Körper die Fettzellen, in denen Stoffwechsel- und Umweltgifte bevorzugt gespeichert werden, überhaupt „hergibt“.

Entgiftet werden kann der Körper z.B. mit Chlorella-Algen-Präparaten oder mit einer Entgiftungstherapie mit Präparaten von Phönix oder Soluna (evtl. Kombination von Phönix Phönohepan, Phönix Solidago, Phönix Antitox). Das sollte aber nicht im Alleingang ohne fachliche Beratung versucht werden.

Das erste und wichtigste Entgiftungsmittel ist aber das Wasser: möglichst mineralarm und kohlensäurefrei.

Auch ich empfehle manchmal eine Fastenwoche, im Sinne einer Umstimmung und als Zeichen für ein verändertes Bewusstsein.

Dr. Scheel

Meiner Ansicht nach sollte man ganz normal und langsam, bewusst das Richtige essen, man sollte bei der Sache und dankbar für das Essen sein, es gut kauen, durchspeicheln, der Zunge die Möglichkeit zum Abschmecken und Vorinformieren der Verdauungsorgane geben. Nach dem Essen sollte man loslassen und die Verdauungssäfte auch wirklich fließen lassen - ansonsten kann auch die beste Nahrung nicht verwertet werden - und so bleibt der eine, konstitutionell bedingt, dünn, weil alle Nahrung unverdaut „durchrutscht“, während der andere zunimmt, weil der Körper alles aufnimmt und „Müllhalden“ oder „Rettungsringe“ anlegt.

Natürlich sind alle verinnerlicht ganzheitlichen Fastenbemühungen für Gesunde und Kranke sehr zu empfehlen. Fasten war, ist und wird immer eine der besten Prophylaxe- und Therapieform bleiben.

Andere Diäten und Kuren sind meiner Ansicht nach nur in Extremfällen geeignet und nur, wenn der Übergewichtige in individuell optimaler Form ist! Von den Diäten aus Zeitschriften etc. rate ich ab.

Welche Maßnahmen zur Gewichtsreduktion empfehlen Sie?

Dr. Lützner:

Ich empfehle Gesunden einen Einstieg mit einem fünftägigen Fasten unter Anleitung eines Fastenleiters und in einer Gruppe von "Schicksalsgefährten". Mit Hilfe des Ratgebers "Wie neugeboren durch Fasten" (H. Lützner, Gräfe und Unzer Verlag, zu bekommen in jeder Buchhandlung) kommen Sie leichter mit möglicherweise auftauchenden Fragen und Problemen zurecht.

A. Müller:

Eine Gewichtsreduktion kann sinnvoll auf zwei verschiedene Arten durchgeführt werden:

Sie beginnen mit einer Intensivreduktion (2 x täglich eine Trinkmahlzeit, eine üppige, kohlenhydrat-betonte Mahlzeit)
oder
Sie stellen um auf eine vollwertige Ernährung mit vielen naturbelassenen Lebensmitteln. Das heißt, Sie essen viel Obst, Gemüse und gesunde Kohlehydrate (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Kartoffeln etc.), pflanzliche Öle (Raps- und Olivenöl). Der Kohlehydratanteil jeder Mahlzeit sollte mindestens 50 Prozent betragen. Auch wenn zur Zeit Atkins & Co. wieder schwer angesagt sind: Auf Dauer kann eine fettbetonte Ernährung dem menschlichen Körper und seinem Stoffwechsel nicht zuträglich sein.

Bei beiden Methoden ist Folgendes zu beachten:

  • Trinken sie viel (8 x ein Viertel Liter) Wasser. Nur Wasser kann Stoffwechselendprodukte optimal binden. Dabei sollte das Wasser möglichst mineralstoffarm sein, also z.B. Quellwasser.
  • Drei Mal pro Woche sollten Sie Sport und Bewegung einplanen. Das müssen gar nicht gleich schweißtreibende Sportarten sein. 30 bis 40 Minuten schnelles Gehen reichen anfangs völlig aus.

Wichtig ist, dass nur drei Mahlzeiten pro Tag verzehrt werden und zwar nach dem schon unseren Großeltern bekannten Prinzip „Kaiser-König-Bettelmann“. Die Pause zwischen den einzelnen Mahlzeiten sollte mindestens 4 bis 5 Stunden betragen. Zwischenmahlzeiten bremsen die Fettverbrennung gnadenlos aus, weil der Körper nur in der Niedriginsulinphase Fett verbrennt. Diese setzt etwa 60 Minuten nach der letzten Nahrungsaufnahme ein und sollte möglichst lang andauern. Auch süßstoff- und fructosehaltige Getränke zwischendurch sind daher verboten.

Dr. Scheel:

Man sollte auf Art und Weise seiner Ernährung achten, die Atmung bewusst einsetzen, denn für den Stoffwechsel und zur Fettverbrennung brauchen wir Sauerstoff. Zu empfehlen sind auch Lymphdrainagen (durch einen Physiotherapeuten) oder Lymphreflexzonenmassagen. Die Lymphreflexzonenmassage aktiviert das Lymphsystem und fördert den Abbau der Schlacken.

Mittels der Lymphreflexzonenmassage oder auch der Akupressur kann eine beschleunigte Ausscheidung erreicht werden. Die „Schwimmhäute“ zwischen den Fingern und Zehen sind die Reflexzonen der Lymphe. Dabei wirkt die rechte Hand auf den rechten Oberkörper, die linke Hand auf den linker Oberkörper usw.; Durch Massage dieser Zwischenräume wird das Lymphsystem in den entsprechenden Körperareale stimuliert. Dazu streicht man wohldosiert drehend mit Daumen und Zeigefinger die „Schwimmhäute“ von der Wurzel des Fingerknochens an in Richtung Zeh- und Fingerspitze aus. Die Auflösung des Lymphstaus zwischen den Zellen ermöglicht eine bessere Ver- und Entsorgung der einzelnen Zelle und einen besseren Gesamtstoffwechsel zwischen allen Zellen aller Organe.

Manche erreichen auch einiges mit mentaler „Programmierung“ auf den Zustand, den sie erreichen möchten. Man sollte sich möglichst exakte und zeitlich fixierte Ziele setzen, die realistisch sein sollten. Diese Ziele sollte man immer wieder visualisieren, sie sich vor dem inneren Auge vorstellen und vornehmen. Neben viel Sport und Bewegung ist auch die Suche nach „Glücksbringern“ außerhalb der Nahrungsaufnahme sinnvoll. Hilfreich ist natürlich ein ausgewogenes soziales Umfeld und eine funktionierende, glückliche Partnerschaft. Auch sollte man sich immer wieder Auszeiten zum Überdenken der Lebensführung und der Lebensziele gönnen und ehrlich zu sich selbst sein. Trainieren Sie Disziplin, übersehen Sie nicht Ihre guten Seiten (Eigenliebe ist grundlegend wichtig), aber sind sie sich dessen bewusst, das Sie alleine für Ihre Gesundheit und Ihren Körper verantwortlich sind.

 

Welche Empfehlungen haben Sie für eine Ernährungsumstellung?

Dr. Lützner:

Die Ernährungsumstellung schließt sich unmittelbar an das Fastenerlebnis an, denn jetzt weiß ich, dass mein Körper unendlich viel weniger braucht als ich gedacht habe. Jetzt erlebe ich Sättigung, jetzt ahne ich, was Genießen wirklich heißt, jetzt übe ich, was ich beim Fasten gelernt habe: weglassen, was nicht wirklich nötig ist! Achten Sie auf natürliche Fastenphasen, die der Körper signalisiert und nutzen Sie diese: z.B. bei Erkrankungen oder nach intensiver körperlicher Bewegung. Wichtig ist auch jetzt ein Ratgeber, z.B. das Buch:

"Richtig essen nach dem Fasten" von H. Lützner u. H. Million, erschienen bei Gräfe und Unzer). Wenn möglich, sollten sie in einer Gruppe unter Anleitung weiter abnehmen und an Ihrer Ernährungsumstellung arbeiten.

A. Müller:

Dauerhaft empfehle ich eine Umstellung auf vollwertige Ernährung. Die Umsetzung erfolgt schrittweise und behutsam. Viele können dem „Körnerfraß“ erst einmal nichts Gutes abgewinnen. Ein Stück Fleisch jeden Tag mit viel fettiger Soße und frittierten Beilagen ist vor allem bei Männern sehr beliebt. Viele denken, dass „ein Mann das braucht“.

Ich empfehle zuallererst, Kinder an ein gesundes Müslifrühstück zu gewöhnen (Kinder mögen geschrotetes und über Nacht eingeweichtes Getreide mit frischen Früchten und Joghurt ganz gerne). Eine Alternative wäre ein Vollkornbrot mit Marmelade und dazu ein Apfel. Wichtig ist auch das Glas Wasser am Morgen. Das Frischkornmüsli kann versuchsweise natürlich auch gleich der ganzen Familie angeboten werden, da es wirklich sehr gut schmeckt.

Es kann aber sein, dass gerade ältere Menschen Schwierigkeiten mit der Verdauung von Vollkorn-Produkten bekommen (Blähungen etc.). Hier wäre eine schrittweise Gewöhnung sinnvoll. Ein klassisches Bircher-Müsli mit eingeweichten Haferflocken und geriebenen Äpfeln könnte den Anfang machen. Eine Variante wäre Hafer-Porridge oder frischer Grießbrei. Auch bei Vollkornbrot muss man vorsichtig sein. Wer sich daran erst gewöhnen muss, sollte zunächst eben kein Schrot- oder Körnerbrot wählen, sondern ein Brot aus fein gemahlenem Vollkorn-Mehl.

Als Schulvesper kommt dann ein weiteres Brot mit magerem Aufschnitt in den Ranzen. Auf das Brot kann man ein Salatblatt und ein paar Gurkenscheiben legen und als „Kleber“ auch mal Senf oder Tomatenmark. Genauso gut ist eine geviertelte Möhre oder etwas Paprika. Nicht fehlen sollte ein Stück Obst wie Apfel oder Banane und eine Flasche Wasser oder Apfelschorle. So haben die Kinder eine kräftigende, lang sättigende Grundlage für den langen Schultag. Übrigens eignet sich diese Mahlzeit genauso gut fürs Büro.

Gar nicht zu empfehlen sind Fertigprodukte wie Milchschnitten oder Pudding und Fertiggetränke, da sie meist sehr zuckerhaltig sind und nicht lange sättigen. Zudem enthalten diese Nahrungsmittel meist Konservierungs- und Farbstoffe, die bei der Vollwert-Ernährung grundsätzlich zu vermeiden sind.

Zum Mittagessen muss es nicht immer Fleisch geben. Es gibt auch biologisch hochwertige Kombinationen, die für die gewünschte Eiweißzufuhr sorgen (Kartoffeln mit Quark, Linsen mit Spätzle, Bohnen mit Kartoffeln etc.).

Bei der Zubereitung ist darauf zu achten, dass Gemüse möglichst nur bissfest angedünstet wird und nicht oft wiedererwärmt wird. Als Beilage sind Salate in unterschiedlichsten Variationen der Vitaminlieferant der Wahl. Die verwendeten Lebensmittel sollten frisch eingekauft werden, aus regionaler Produktion stammen und die saisonalen Verfügbarkeiten berücksichtigen.

Man kann sich als Familie auch eine „Gemüse-Kiste“, möglichst vom Bio-Bauern, liefern lassen. Dieser Service ist inzwischen in vielen Städten und Gemeinden verbreitet. Eine solche Kiste enthält immer Obst und Gemüse der Saison, die aus der Region stammen. Die Kiste wird nach Wunsch meist 1x pro Woche angeliefert.

Als Zwischenmahlzeit bieten sich Obst und Gemüse an. Vor allem Kinder greifen meist lieber zu, wenn die Vitaminlieferanten in appetitliche feine Schnitze geschnitten sind.

Isst ein Großteil der Familie mittags nicht zuhause, kann auch die Abendmahlzeit warm zubereitet werden. Am besten sind dann leichte Gerichte wie z.B. eine Suppe oder kurz gedünstetes Gemüse mit Beilagen.

Rohkost am Abend ist nicht empfehlenswert, da diese Nahrung bis zum Schlafengehen meist nicht mehr vollständig verdaut werden kann und das rohe Gemüse dann über Nacht im Darm gären könnte.

Gesunde Knabbereien sind Trockenobststückchen und Nüsse.

siehe auch: Vollwertkost - Tipps für den Beginn

Dr. Scheel:

Essen soll schmecken und zur Lebensfreude beitragen. Es darf aber nichts gegessen werden, was den Darm bzw. den Betreffenden selbst toxisch, energetisch oder psychisch belastet.

Egal worum es geht, um Weizenmehl, Zucker, Kaffee, Schwarztee, Fette, tierisches Eiweiß, Nahrung, die zu Übersäuerung führt, Genuss- und Suchtmittel, toxische Mittel wie z.B. schwermetallbelastete Fische oder auch ums Rauchen, das zu Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen führt: Die individuelle Wahrheit steht nicht in den Büchern und auch die Experten kennen sie nicht hundertprozentig. Ich rate jedem, seine eigene Wahrheit intuitiv herauszufinden (d.h., die Ernährungsweise, die für ihn genau richtig ist), so wie Naturvölker oder Tiere es können (sie „fühlen, was für sie passt), oder die richtige Ernährungsweise mit Kinesiologie (siehe auch: Kinesiologie) o.ä. herauszufinden.

siehe auch: Ernährungsrichtungen

Was halten Sie von den diversen Diätprogrammen? Empfehlen Sie Ihren Patienten ein Programm oder eine bestimmte Ernährungsrichtung?

Dr. Lützner:

Fast alle Diätprogramme sind in sich gut und richtig - nur der Fehl- bzw. Kurzschluss "Diät = Gewichtsabnahme" funktioniert nur kurzfristig, weil nichts am Fehlverhalten Essen - Genießen - Brauchen geändert wurde. Unser Essverhaltenstraining zielt gleichzeitig auf Vollwerternährung (Bircher-Benner, Kollath, Leitzmann), d.h. wir wollen zivilisatorisch bedingte Fehlernährung vermeiden.

Dr. Scheel:

Von Diätprogrammen halte ich persönlich überhaupt nichts! Jeder Mensch ist einmalig und hat in allen Bereichen seiner Existenz seine ureigene, individuelle und aktuelle Wahrheit. Jeder sollte herausfinden, welche Ernährung seinem Körper gut tut.

A. Müller:

Wie bereits erwähnt, arbeite ich in der Beratung mit dem Insumed-Programm (bilanzierte Trinknahrung auf Eiweißbasis, die den Insulinspiegel niedrig hält und damit die Fettverbrennungsphase verlängert) und mache damit sehr gute Erfahrungen. Dieses ärztlich begleitete Programm ist übrigens nicht mit frei verkäuflichen Diätnahrungen wie Slimfast oder Almased vergleichbar.

Auch möchte ich nochmals betonen, dass mit diesem Konzept lediglich ein „Umschalten“ der Stoffwechselsituation erreicht werden soll. Es kann und soll nur in der Anfangsphase eingesetzt werden. Parallel wird immer mit dem Verzehr von einer vollwertigen, kohlenhydratbetonten Mahlzeit begonnen.

Viele „Dicke“ müssen nämlich leider erst einmal lernen mit Genuss und ohne Reue zu essen. Wenn ich ihnen erkläre, dass es wichtig und erlaubt ist, z.B. 6-7 Kartoffeln plus Gemüse und ein kleines Stück Fleisch zum Mittag zu essen, ernte ich oft ungläubiges Staunen. Diese Anweisung an sich ist oft schon eine regelrechte Befreiung für „diätminimengengeplagte“ Übergewichtige.

Sämtliche sonstigen Diätprogramme (Atkins, South Beach, Ornish, Kohlsuppe etc.) lehne ich aus der Erfahrung heraus ab, da einseitige Ernährung zu Heißhunger und vielen anderen physisch und auch psychisch unangenehmen Begleiterscheinungen führt.

 

Welcher Gewichtsabbau ist für den Körper verträglich und schafft gute Voraussetzungen für ein Halten des erreichten Gewichtes?

Dr. Lützner:

Wir bevorzugen den bescheidenen, stufenweisen Gewichtsabbau, z.B. pro Monat 1 Woche fasten plus die dazugehörige Aufbauphase und anschließend drei Wochen "richtig essen" und "das Richtige essen".

A. Müller:

Ein Abbau von 1 Kilo pro Woche in der Anfangsphase und später ½ Kilo pro Woche ist gesundheitsverträglich. Ohne die Starterphase mit Insumed ist eine Gewichtsabnahme auf lange Sicht - das kann dann 2-3 Jahre dauern - wünschens- und erstrebenswert. Dabei muss man ja nicht hungern, sondern lediglich einige „Kleinigkeiten“ beachten. Es handelt sich also nicht um eine Diät, sondern um eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten. Das lässt sich sehr gut ins Alltagsleben integrieren und erlaubt auch Besuche im Restaurant, bei Freunden und auf Partys.

Dr. Scheel:

Natürlich ist auch die Fähigkeit zur Gewichtsreduktion individuell unterschiedlich (Typ, Beschaffenheit des Bindegewebes, Stoffwechselsituation, Schilddrüsenfunktion, angeborene Organschwächen, lymphatische, biliäre oder Misch-Konstitution, generelle Drüsenschwäche, ständige Energie- und Funktionsblockaden usw., usf.).

Ein sehr schnelles Abnehmen muss nicht eine schnelle erneute Gewichtszunahme nach sich ziehen, wie umgekehrt ein langsames Abnehmen keine Garantie für das Schlankbleiben ist !

Ob und wie lange wir schlank bleiben, ist auch abhängig von der mentalen Stärke von “Internen Sabotageprogrammen“. Oft wollen wir formal nach außen gesund werden, abnehmen etc. aber interne Sabotageprogramme verhindern dies, ohne dass wir uns selbst dieser Mechanismen bewusst sind. Roy Martina beschreibt diese internen Programme und zeigt Strategien, wie man damit umgeht.

 

Kann man naturheilkundlich den Prozess des Fettabbaus unterstützen, z.B. durch zusätzliche Maßnahmen zur Entgiftung oder zur Stimulierung des Lymphsystems?

Dr. Lützner:

Ganz wichtig ist, und das haben wir alle ja übereinstimmend gesagt, dass man sich viel mehr bewegt: Man sollte jeden Tag gehen, Rad fahren, joggen, schwimmen, Sport in welcher Form auch immer treiben. Durch das Schwitzen, den besseren Stuhlgang und das vermehrte Trinken und Wasserlassen dank des Sports kommt es zu einer natürlichen "Entgiftung". Den Fettabbau an besonderen Körperstellen kann ich fördern durch tägliches Bürsten an ebendiesen Stellen, was die Durchblutung verbessert.

A. Müller:

Dem schließe ich mich auch speziell in meiner Funktion als 2. Vorsitzende des Kneipp-Vereins in Stuttgart an.

Dr. Scheel:

Unterstützend wirken

  • unsere Atmung,
  • Lymphreflexzonenmassage (siehe oben),
  • Bewegung/Sport und die dadurch bessere Durchblutung,
  • Kneippsche Anwendungen,
  • Hautreize wie Trockenbürstungen oder türkische Hamam-Bäder/Reinigungen,
  • Sauna,
  • Einläufe,
  • Tees.

Unter Begleitung eines Therapeuten ist auch eine medikamentöse Therapien als Begleitmaßnahme zur Ernährungsumstellung denkbar, wie z.B.

  • Konstitutionstherapie,
  • Darmsanierung,
  • Hersanierung,
  • Gabe vom Lymphmitteln,
  • Galle-/ Lebermitteln,
  • Nierenmitteln,
  • natürlichen Medikamenten zur Durchblutungsförderung.

Auch eine Psychotherapie kann begleitend eingesetzt werden.

Welche Maßnahmen empfehlen Sie? Was empfehlen Sie in Bezug auf die Gestaltung des Lebensstils?

Dr. Lützner:

Ohne Neugestaltung des Lebensstils wird es keinen Dauererfolg geben! Mehr Lebenserfahrung führt zu mehr Lebensfreude. Fasten und das damit verbundene verzichten lernen macht in der Gruppe und in einer Feriensituation (Wandern, Bergsteigen, Segeln, Radfahren, Baden, usw.) so viel Spaß, dass man es gern wiederholt; und auch jedes Mal Neues dazu lernt. Der alte Lebensstil wandelt sich von Mal zu Mal. Und unversehens ist Konsum nicht mehr wichtig. Das Genießen des Wenigen und das bewusste Genießen des Wertvollen, vom Körper Verlangten steht im Mittelpunkt des alltäglichen Lebens.

A. Müller:

Dem kann ich voll und ganz beipflichten. Wünschenswert wäre zusätzlich eine „Entstressung“ des Alltags dadurch, dass man einen „Gang runterschaltet“ oder aktive Entspannungsmethoden ausübt (autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson).

Gerade Frauen über 40 in der Hormonumstellungsphase tun sich sonst sehr schwer mit der Gewichtsabnahme.

Dr. Scheel:

Suchen Sie das Wesentliche in Ihrem Leben!

  • Raus aus dieser Pseudogenuss- und Spaßgesellschaft
  • Raus aus jeder egoistischen Lebensweise
  • Raus aus jeder abhängig bis ohnmächtig machenden „Bevormundung“ durch andere – suchen Sie Glück und Lebensfreude aus sich selbst heraus

Beantworten Sie für sich die Frage, was Glück und Freiheit für Sie sind und was Ihr Weltbild ausmacht

  • Suchen Sie eine innere Einheit mit allen und allem!

 

Was ist für die Ernährung nach dem Abnehmen wichtig? Wie kann das erreichte Gewicht gehalten werden?

A. Müller:

Weiterhin nur 3 Mahlzeiten am Tag essen, aber auch keine Mahlzeit auslassen (sonst springt unser „Neandertalerprogramm“ wieder an, das Vorräte für Notzeiten anlegt...) und viel trinken. Fettreduziert essen, täglich wiegen und die Kontrolle über die verzehrten Lebensmittel behalten. Tägliche Bewegung. Auf keinen Fall das Frühstück auslassen.

Dr. Scheel:

Jeder Fortschritt im eigenen Leben, in der eigenen Entwicklung entspricht einem „Quantensprung“ – und dieser Lernprozess sollte auf eine völlig neue Lebens- und Bewusstseinsebene führen, die eigentlich leicht zu halten ist. Abnehmen ohne eine Bewusstseinserweiterung kann auf Dauer nicht erfolgreich sein! Diese Bewusstseinserweiterung ist automatisch mit der Erkenntnis der Eigenverantwortung und Einmaligkeit, der eigenen Existenz als menschliches Wunderwerk, den eigenen, unbegrenzten Möglichkeiten (es gibt keine Grenzen - die Grenzen setzt der Mensch) verbunden.

 

Welche Empfehlungen geben Sie, damit die Lebensfreude nicht zu kurz kommt?

A. Müller:

Mit dem von mir propagierten Konzept ist ein Anstieg der Lebensfreude zu erwarten.

Bewegung entstresst und macht ausgeglichen. Einladungen zum Essen u.ä. können ohne schlechtes Gewissen angenommen werden. Nicht Verzicht ist der Weg zum veränderten Gewicht, sondern ein Umdenken und vor allem Umstoßen von alten Paradigmen wie z.B.: „Beilagen weglassen, Mahlzeiten auslassen, 5x pro Tag essen, Diätprodukte verzehren und auf Lieblingsspeisen verzichten“.

Dr. Scheel:

Abnehmen ist kein Verzicht! Wer das so sieht, wird kaum erfolgreich abnehmen können! In einer materialistischen, konsumorientierten Gesellschaft sind die wenigsten zum Verzicht bereit. Abnehmen ist ein Gewinn, eine Befreiung, eine Gesundung, eine Heilung eine (Teil-) Verwirklichung des Sinnes unseres Lebens, eine erkennbare Weiter-Ent-Wicklung unserer seelisch-geistigen Qualitäten - und dazu leben wir doch eigentlich.

Der körperliche Zustand ist Ausdruck unserer seelisch-geistigen Qualitäten.

 

Gibt es Besonderheiten, wenn Kinder abnehmen sollen? Wie kann ich sie für die Veränderung gewinnen?

Dr. Lützner:

Gemeinsam mit den Eltern fasten auch Kinder ab dem 10. Lebensjahr - freiwillig! - und beide Seiten lernen das Essen ganz neu unter pädagogisch geschickter Führung von Fastenleitern /Ernährungsberatern, z.B. in den Ferien, bei Sport und Spiel!

A. Müller:

Die Adipositas ist inzwischen im Kindes- und Jugendalter eine der häufigsten chronischen Krankheiten. Bei jüngeren Kindern haben 10-15% Adipositas, in höheren Alterstufen sind es 15-20 %. Fürs Abnehmen gilt: Kinder sollten an regelmäßigen, gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen. Die ganze Familie muss das Kind unterstützen. Der Zugang zu Süßigkeiten und Knabbereien sollte stark eingeschränkt werden. Viel Bewegung spielt bei übergewichtigen Kindern eine große Rolle. Der Geschmackssinn muss neu trainiert werden.

Drängen Sie das Kind nicht in eine Außenseiterrolle. Eine kindgerechte, fett- und zuckerarme Kost ist keine Strafe, sondern sollte als ganz normale Ernährungsumstellung empfunden werden.

Machen sie keine „Erwachsenen-Schnell-Diäten“. Eine langsame, kontinuierliche Gewichtsabnahme mit ausgewogener Ernährung ist besser als eine einseitige Radikalkur, die keinen dauerhaften Erfolg bringt.

  • Stecken Sie die Ziele nicht zu hoch!
  • Kleine Belohnungen (nichts Essbares!) für erreichte Zwischenziele fördern das Durchhaltevermögen des Kindes. Lieber öfter eine Kleinigkeit pro verschwundenes Pfund, als die Aussicht auf ein einziges, großes Geschenk beim Erreichen des Zielgewichtes.
  • Trösten Sie Ihr Kind bei Misserfolgen und Rückschlägen.
  • Fröhlichkeit und Heiterkeit erleichtern das Abnehmen. Kinder sollten beschäftigt werden und ihre Gedanken sollten vom Essen abgelenkt werden.
  • Mit dem Kind den Speiseplan absprechen und Wünsche berücksichtigen.
  • Reichliches Trinken ist nötig und hilft auch, den Hunger zu vertreiben.
  • Regelmäßiges Wiegen mit Eintrag in eine gut sichtbare Kurve erhöht die Motivation.
  • Ist das Zielgewicht erreicht, bleibt weiterhin die Gewichtskontrolle unerlässlich. Die neuen Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten sollten unbedingt beibehalten werden!
  • Bei Zunahme sofort gegensteuern.

Die positiven Auswirkungen einer Gewichtsabnahme für Kinder sind:

  • Hänseleien lassen nach.
  • Es kann wieder normale Kinderkleidung gekauft werden.
  • Die Stimmung steigt.
  • Das Selbstwertgefühl steigt.
  • Die Kondition verbessert sich.
  • Begleitendes Asthma oder Stoffwechselstörungen können verschwinden.

Dr. Scheel:

Vor jeder „Therapie“ ist eine vernünftige Diagnose erforderlich. Wenn ich einem Kind wirklich beim Abnehmen helfen will, muss ich exakt den Grund/die Ursachen der Gewichtszunahme kennen.

Beispiele:

  • die Eltern/Großeltern „stopfen“ ihre Kinder - das Ziel der Bemühungen ist klar
  • dem Kind wird eine „Fress-Kultur“ vorgelebt
  • Frust-Essen
  • Fernseh-/Kino-Essen
  • Langeweile-Essen
  • Sucht
  • Aufmerksamkeits-/ Liebesersatz-Essen

Gefragt sind Vorleben, liebevolle Konsequenz, keine Verbote – sondern Gebote. Fördern Sie die Lebensfreude, lenken Sie die Aufmerksamkeit auf schöne Ziele, stellen Sie Aufgaben und schätzen und feiern Sie erste (und spätere) Erfolge. Probleme sollten als Herausforderung begriffen werden. Schaffen sie ein glückliches, harmonisches Umfeld und motivieren und loben sie Ihr Kind.

Je nach Charakter, Persönlichkeitsstruktur und individueller Gesamtsituation ist die Hilfe für das abnehmende Kind immer einmalig auf das jeweilige Kind abgestimmt (nicht „pädagogische“, sondern intuitiv-liebevolle Hilfe).

 

Autor/en dieses Beitrages:
, FA. für Kinder- und Jugendmedizin aus Steinheim an der Murr
, FA. für Innere Medizin aus Überlingen

Autorin: Anja Müller, Ernährungsberaterin

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