Kindersicherheit im Haushalt

Kindersicherheit im Haushalt

Reinigungsmittel, Steckdosen, Treppen, Rollos und Schadstoffe in Textilien – im Haushalt lauern viele Gefahren für Kinder. Wir zeigen Ihnen, auf was Sie in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus achten sollten, um Ihre Kinder vor gefährlichen Unfällen im Haushalt zu schützen.
(Bildquelle: congerdesign/pixabay)

Einleitung

Reinigungsmittel, Steckdosen, Zugschnüre von Rollos oder Textilien mit Schadstoffen– für Kinder gibt es im Haushalt gleich eine ganze Reihe an gesundheitsgefährdendem Inventar. Dabei wird das Unfallrisiko von Eltern häufig unterschätzt. Gerade in Wohnung und Haus ist jedoch wichtig: Prävention ist immer besser als eine medizinische Versorgung mit teilweise unabsehbaren Folgen im Nachhinein.

Nach einer aktuellen repräsentativen Umfrage der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e. V. (BAG) gehen etwa 64 Prozent der Eltern von keiner nennenswerten Gefährdung für ihr Kind im Haushalt aus. Stattdessen werden die größten Gefahren im Straßenverkehr verortet. Allerdings stellte sich bei der Befragung von über 1000 Eltern auch heraus, dass allein im vergangenen Jahr jedes fünfte Kind daheim einen Unfall erlitten hat, der eine ärztliche Behandlung erforderte.

Eine der häufigsten Unfallursachen sind Stürze und Kopfverletzungen. Im Wohnumfeld drohen aber noch weitaus lebensgefährlichere Risiken wie Stromschläge, Strangulationsgefahren oder Vergiftungen, die sich bei entsprechender Vorsorge komplett vermeiden lassen.

Kindersichere Einrichtung & Bodenbeläge

Kleinkinder sind hinsichtlich ihrer Motorik recht unbeholfen. Bei Teppichen, die nicht rutschfest sind, in Kombination mit umstehenden Möbeln, sind Hautabschürfungen oder Kopfverletzungen geradezu vorprogrammiert. Der Boden sollte daher mit trittfesten Belägen eingerichtet werden. Mobiliar mit aufsetzbarem Kantenschutz verringert zusätzlich das Verletzungsrisiko. Ebenso wichtig ist es, Regale und Kommoden mit Montage-Winkeln und Dübeln im Mauerwerk umsturzsicher zu verankern. Bei Kleinkindern im Lauf-Lern-Alter, die Möbel auch schon mal gerne als Stützhilfe bei ihren ersten Gängen mit wackeligen Beinchen nutzen, ist somit für maximale Kindersicherheit gesorgt. Treppen wiederum sind mit entsprechenden Schutzgittern abzusichern und von Hochbetten sollte insbesondere bei sehr jungen Kindern abgesehen werden.

Idealerweise befinden sich im Wohnbereich generell qualitätsgeprüfte Einrichtungsgegenstände mit entsprechenden Gütesiegeln wie GS, das TÜV Rheinland Q-Zeichen oder „Das goldene M“ der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel e.V.

Kindersichere Einrichtung
Auch bei der Einrichtung sollten Eltern die Sicherheit ihres Kindes im Blick haben.
(Quelle: Erika Wittlieb/pixabay)

Haushaltsreiniger und Schadstoffe

In modernen, umweltbewussten Haushalten wird mittlerweile vielfach auf den Einsatz von aggressiven Reinigungsmitteln verzichtet. Während früher oft Haushaltsreiniger beispielsweise mit giftigem Chlor zum Einsatz kamen, werden heutzutage sehr viel häufiger ökologisch unbedenkliche Stoffe wie Essigreiniger oder Waschmittel mit weniger Tensiden verwendet. Dennoch gilt: Auch diese gehören nicht in Kinderhände. Besonders Kleinkinder neigen dazu, Flüssigkeiten in bunten Flaschen als mögliches Getränk zu sehen. Sämtliche Reinigungsmittel – auch biologisch abbaubare – gehören daher stets weggeschlossen.

Gesundheitsgefährdend sind zudem auch Schadstoffe, die von Möbeln oder Heimtextilien ausgedünstet werden. Die Verbraucherzentrale rät, auch hier beim Kauf auf Siegel zu achten, wie Öko-Tex-Standard, natureplus, Blauer Engel oder Eco Institut Tested Product.

Zugschnüre von Rollos und Fenstergriffe mit Kindersicherung versehen

Besonders heimtückisch sind Haushaltsgegenstände, die aus der Sicht von Erwachsenen auf den ersten Blick harmlos erscheinen. Dazu zählen unter anderem auch Fensterdekorationen mit Bedienschnüren, die um den Hals des Kindes gelangen und zum Erstickungstod führen können. Empfehlenswert ist, schon bei der Geburt des Kindes ältere ungesicherte Fensterdekorationen gegen einen Sonnenschutz mit Kindersicherung oder gegen schnurlose Beschattungssysteme mit Bedienschienen wie Schieberollos, verspannt angebrachte Plissees oder auch Kurzvorhänge auszutauschen, die der EU-Norm EN 13120 entsprechen.

Befindet sich der Wohnbereich außerdem in einer höheren Etage, sollten Fenster und Balkontüren mit abschließbaren Griffen oder mit Sicherungsbügeln ausgestattet werden.

Stromschlag und Verbrennungen vorbeugen

Für Steckdosen, Ofen und Herd gibt es ebenfalls entsprechendes Sicherheitszubehör, das den Zugang oder eine Bedienung durch Kinderhände unmöglich macht. Bei kleinen Kindern ist dennoch zu beachten, dass sie vor allem in der Küche, aber auch in anderen Wohnräumen nicht unbeaufsichtigt bleiben.

Gefahrenquellen im Gartenbereich erkennen und vermeiden

Gartenteiche haben in der Vergangenheit mehrfach zu Todesfällen geführt. Sind sie bereits vor der Geburt angelegt worden, sollten sie mit einer stabilen, höheren Umzäunung abgesichert werden, da kleine Kinder bereits in einer Pfütze ertrinken können. Die Nutzung von Planschbecken oder Pools jeglicher Art an heißen Tagen sollte bei Kleinkindern stets unter Aufsicht erfolgen. Wird das Becken nicht mehr genutzt, sollte das Wasser ausgeschüttet werden.

Einen weiteren unrühmlichen Platz in der Unfallstatistik nehmen mittlerweile zudem Trampoline im Garten ein. So verzeichnen Orthopäden immer häufiger Verletzungen durch Stürze auf den Boden, auf den Trampolinrand oder durch Zusammenstöße, wenn sich gleichzeitig mehrere Personen auf dem Trampolin befinden.

Zum einen sollten die Sportgeräte die EU-Norm für Spielzeugtrampoline (EN 71-14:2014) erfüllen, nach der unter anderem Polster und Sicherungsnetze vorgeschrieben sind. Zum anderen lassen sich Unfälle verhindern, wenn das Gerät unter Aufsicht und Anleitung von Erwachsenen nur von einem einzelnen Kind ohne Schuhwerk genutzt wird. Dabei sollte möglichst mittig und ohne waghalsige Kunstsprünge gehüpft werden. Für ein Kleinkind unter 6 Jahren ist das Sportgerät aufgrund der hohen Verletzungsgefahr prinzipiell nicht geeignet.

Prüfliste Kindersicherheit

  • Elektrobereich: Steckdosen, Herd und Ofen mit Kindersicherung ausstatten
  • Fenster & Balkontüren: Griffsicherungen und am besten schnurfreie Rollos oder Vorhänge verwenden
  • Chemikalien & Brennstoffe: Wäsche-Tabs, Haushaltsreiniger, Feuerzeuge oder Anzünder in abschließbaren Schränken aufbewahren
  • Sturz-Prävention: Kantenschutz, Treppenschutz, rutschfeste Bodenbeläge und stabile Hausschuhe oder Socken mit Sohlen-Noppen
  • Schränke, Kommoden und Regale an der Wand festschrauben
  • Stabile und schadstofffreie Möbel, Spielsachen & Heimtextilien: Auf Gütesiegel beim Kauf achten
  • Auf Gartenteiche und Trampoline bei sehr kleinen Kindern verzichten oder entsprechende Sicherheitsvorkehrungen einhalten
  • Kleinkinder grundsätzlich nicht unbeaufsichtigt lassen

Autorin: Kerstin Schmidt

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