Ernährungstherapie und Fasten beim Reizdarm-Syndrom

Reizdarm-Syndrom

Prof. Dr. Gündling ist u.a. Arzt für Naturheilverfahren und Ernährungsmedizin sowie Studiendekan für Naturheilkunde und komplementäre Medizin an der Hochschule Fresenius in Idstein.

Übersicht: Reizdarm-Syndrom

Einführung

Prof. Dr. Gündling begann seinen Vortrag mit einem Text aus dem altägyptischen Paypyrus Ebers von 2.550 v. Chr.:

„Die meisten Menschen essen zu viel.
Von einem Viertel dessen, was sie verzehren, leben sie,
von den restlichen drei Vierteln leben die Ärzte.“

Das Reizdarm-Syndrom, auch Colon irritable oder Reizkolon genannt, ist die am häufigsten diagnostizierte Erkrankung des Magen-Darm-Traktes. Das Reizdarm-Syndrom ist weltweit verbreitet, tritt aber besonders in den westlichen Industrienationen auf. In Deutschland sollen 6,6-25 % der Bevölkerung betroffen sein, darunter vor allem Frauen. Der Altersgipfel liegt beim Reizdarm-Syndrom zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

Bei der 43. Medizinischen Woche wurden weitere Möglichkeiten zur Therapie des Reizdarm-Syndroms vorgestellt. Lesen Sie dazu:

Symptome

Die Hauptsymptome beim Reizdarm-Syndrom sind Schmerzen im Bauchraum in Verbindung mit Blähungen, Durchfall und/oder Verstopfung – häufig im Wechsel. Die Schmerzen bessern sich beim Reizdarm-Syndrom meist nach der Darmentleerung.
Neben diesen Hauptsymptomen können beim Reizdarm-Syndrom folgende Symptome auftreten:

  • erfolgloser Stuhldrang oder
  • Gefühl der inkompletten Darmentleerung
  • schafskotartiger Stuhlgang und/oder
  • Schleimbeimengungen

Oft kommen beim Reizdarm-Syndrom noch weitere Beschwerden hinzu. Hierzu gehören:

  • Reizmagen mit Oberbauchschmerzen, Sodbrennen, Übelkeit, Völlegefühl
  • allgemeine Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Rücken-, Kopf- und Gliederschmerzen, Schlafstörungen,
  • Angstgefühle, Nervosität, Beschwerden im Urogenitalbereich
  • Ein Reizdarm-Syndrom entwickelt sich meist langsam über Jahre hinweg. Auslösend und verstärkend kann körperlicher oder seelischer Stress wirken. Umgekehrt mindert seelische Entlastung die Beschwerden.

Darmstörungen aus Sicht von FX Mayr

Gesunder und kranker Bauch, Reizdarm-Syndrom
Gesunder und kranker Bauch, Reizdarm-Syndrom

Gesunder und kranker Bauch

Auf die Frage, wie ein vollgesunder Bauch aussieht, wurde Prof. Dr. Gündling bei FX Mayr fündig. Demnach ist der vollgesunde Bauch gekennzeichnet durch ein gewisses Bauchrelief, Taille, verschiedene andere Strukturen (epigastrischer Winkel, Medianrille, U-Delle), Weichheit des Bauches und Druckunempfindlichkeit. Nach der Erfahrung von Prof. Dr. Gündling ist ein solcher völlig gesunder Bauch heute allerdings schwer zu finden. Dabei sind bereits kleine Abweichungen meist bereits ein Hinweis auf Frühschäden des Darms.
Und das hat Konsequenzen. Prof. Dr. Gündling verglich den Darm als Aufnahmestelle von Wasser und Nahrungsmitteln mit den Wurzeln eines Baumes: „Der Darm ist die Wurzel des Körpers.“ Nur wenn der Darm gesund ist, kann auch der Körper gesund sein. Wenn der Darm nicht funktioniert, nützt auch eine gesunde Ernährung nur eingeschränkt, weil der Körper die angebotenen Nahrungsstoffe nur eingeschränkt verwerten kann.
Anhand verschiedener Bilder zeigt Prof. Dr. Gündling, welche Bauch- und Haltungsformen auf Störungen im Darm hinweisen.

Symptome von Darmstörungen nach FX Mayr

Nach FX Mayr können sich Darmstörungen durch folgende Symptome bemerkbar machen:

  • übler Mundgeruch
  • Heißhunger
  • Luftaufstoßen
  • Magen-Leber-Gallebeschwerden
  • Völlegefühl
  • Sodbrennen
  • Verstopfung bis Durchfall
  • Müdigkeit nach dem Essen
  • Blähungen
  • Bauchveränderungen (z.B. Kahnbauch, Gasbauch, Kotbauch)

Ursachen von Darmstörungen nach FX Mayr

Die Ursachen von Darmstörungen sieht FX Mayr vor allem in Ernährungsfehlern. Fehler beim Essen – nicht nur bei der Wahl der richtigen Nahrungsmittel – führen zunächst zu Verdauungsstörungen und dann zu Störungen der Darmmotorik bis hin zur Stagnation. Schon Hufeland wusste, dass gesunde Nahrung und eine gesunde Verdauung Vorraussetzung für Gesundheit sind. „Der Mensch lebt nicht, von dem was er isst, sondern von dem was verdaut.“

Die Folge: Selbstvergiftung aus dem Darm

Wenn die Nahrung im Darm stagniert und es zu einer Fehlbesiedlung im Darm kommt, entstehen Stoffwechselprodukte wie Phenole, Kresole, Formaldehyd und Fuselalkohole, die zu einer Selbstvergiftung aus dem Darm führen. Denn diese Stoffe werden über das Blut im Körper verteilt. Das hat Konsequenzen für den ganzen Menschen. Dazu gehören:

  • Energieabfall
  • Konzentrationsmangel
  • Nervosität, Gereiztheit
  • Depressionen
  • Kopfbeschwerden, Migräne
  • Herz-Kreislaufstörungen
  • Gelenkbeschwerden
  • hormonelle Störungen
  • Wetterfühligkeit usw.

Es lässt sich also kurz zusammenfassen: Kranker Darm – krankes Blut – kranker Mensch!

Therapie

Reizdarm-Syndrom, Auslöser vermeiden
Reizdarm-Syndrom, Auslöser vermeiden
Pflege der Esskultur – nicht nur beim Reizdarm-Syndrom
Pflege der Esskultur – nicht nur beim Reizdarm-Syndrom

Zur Therapie des Reizdarm-Syndroms eignen sich viele naturheilkundliche Methoden. Hierzu gehören unter anderem die Ordnungstherapie, die Phytotherapie, die Orthomolekulare Medizin, die Mikrobiologische Therapie, ausleitende Verfahren und die Ernährungstherapie, welche Schwerpunkt dieses Vortrags war.
Wichtig beim Reizdarm-Syndrom ist es vor allem, den Patienten darüber aufzuklären, dass seine Krankheit gutartig ist und keine gefährlichen organischen Ursachen dahinter stehen. Viele Reizdarm-Patienten sind durch ihre z.T. sehr belastenden Beschwerden verunsichert und fürchten, dass eine Krebserkrankung dahinter steht. Hier hilft vor allem Aufklärung.

Ernährungstherapie beim Reizdarm-Syndrom

Prof. Dr. Gündling empfahl zur Behandlung des Reizdarm-Syndroms eine ballaststoffreiche Kost, die jedoch gründlich gekaut werden muss. Faserreiche Nahrungsmittel wie Weizenkleie wirken Bewegungsstörungen und Verkrampfungen im Magen-Darm-Trakt entgegen, können jedoch bei einigen Patienten die Neigung zu Blähungen erhöhen. Grobe Vollkornprodukte, Salate und rohes Obst oder Gemüse werden oft schlecht vertragen, wenn sie in zu großen Mengen, zu hastig oder zu spät am Abend gegessen werden.

Auslöser vermeiden

Die auslösenden Faktoren sind beim Reizdarm-Syndrom individuell verschieden. Hier gilt es durch Detektivarbeit, den Auslösern auf die Spur zu kommen und diese anschließend zu meiden. Hilfreich bei der Suche kann ein Ernährungstagebuch sein. Geforscht wird nach:

  • individuellen Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z.B. Fruktose, Laktose, Sorbitol)
  • Nahrungsmittelallergien (u.a. Kuhmilcheiweiß, Gluten)
  • Reizmitteln wie Alkohol, Kaffee, Nikotin, scharfe Gewürze, Süßigkeiten
  • Fehlern beim Essverhalten (zu viel, zu hastig, zu oft, zu spät)

Heilprinzipien der FX Mayr Kur

Eine FX Mayr Kur ist jede Behandlung, in der die 4 Heilprinzipien nach FX Mayr richtig und lange genug eingesetzt werden. Dies sind die „4S“

  • Schonung (= Erholung, Regeneration)
  • Säuberung (= Entschlackung, Entgiftung)
  • Schulung (= Training, Wiederertüchtigung)
  • Substitution (= Ersatz von Vitalstoffen)

In der Regel wird dies mit einer Schonkost mit altbackenen Brötchen und etwas Milch (sofern Milch und Weizen vertragen werden) oder auch mit Haferschleim und/oder Gemüsebrühe durchgeführt Wichtig dabei ist die ärztliche Begleitung und den Darm nach dem Fasten wieder langsam an seine Arbeit zu gewöhnen.

Pflege der Esskultur – nicht nur beim Reizdarm-Syndrom

Reizdarm-Patienten sollten auch im Hinblick auf ihr Essverhalten geschult werden. Ziele sind der Essschulung sind:

  • Essen in Ruhe und mit Muße (kommt z.B. bei Müttern mit kleinen Kindern meist zu kurz)
  • gründliches Kauen und Einspeicheln
  • Wahrnehmung des Sättigungsreflexes
  • regelmäßiger Essrhythmus ohne Zwischenmahlzeiten
  • kein Trinken während der Mahlzeiten

Hintergrund der letzten Empfehlung ist, dass das Trinken immer wieder genutzt wird, um schlecht zerkaute Nahrung hinunterzuspülen. Das ist natürlich nicht sinnvoll, da die Verdauung bereits im Mund beginnt!

Zur Anzahl der täglichen Mahlzeiten verwies Prof. Dr. Gündling auf folgenden Spruch nach Sathya Sai Baba:

Wer einmal am Tag isst, ist ein Heiliger.
Wer zweimal am Tag isst, ist ein Genießer.
Wer dreimal am Tag isst, ist ein Kranker.

Anmerkung der Reaktion:
Einige dieser Punkte, wie z.B. die Zwischenmahlzeiten und das Trinken werden von verschiedenen Fachleuten unterschiedlich beurteilt.

5 typische Ernährungsfehler

Die Kardinalfehler in der Ernährung nach FX Mayr, sind:

  • zu schnell
  • zu viel
  • zu oft
  • zu spät
  • zu schwer

Wenn wir zu schnell essen, ist die mechanische und chemische Vorverdauung durch die Kaubewegung und den Speichel unzureichend. Gelangt unzureichend vorverdaute Nahrung in Magen und Darm, sind diese mit der weiteren Verdauung überfordert. Außerdem wird eine gewisse Zeit benötigt, bis sich ein Sättigungsgefühl einstellt. Wer immer oder meist zu schnell isst, verliert langfristig das Sättigungsgefühl. Denken Sie also daran: Bewusstes Kauen und Einspeicheln sind sehr wichtig!
Wer zu viel isst, überfordert den Magendarmtrakt was zu einer unvollständigen Verdauung führt und die Entstehung von Übergewicht begünstigt. Besser: Beenden Sie die Mahlzeit beim ersten Sättigungsgefühl.
Wer zu oft isst, verhindert die vollständige Entleerung des Magens und fördert so eine Fehlverdauung. Dem Verdauungstrakt fehlt zudem die Möglichkeit der Selbstreinigung und die Neigung zur Unterzuckerung wird gefördert. Prof. Dr. Gündling empfiehlt, die von der DGE empfohlenen 5 Portionen an Obst- und Gemüse in die 3 Hauptmahlzeiten zu integrieren und dabei Obst und Gemüse zu bevorzugen, das bei uns wächst. Daher: Beschränken Sie sich auf maximal 3 Mahlzeiten, verzichten Sie auf Zwischenmahlzeiten.
Wer zu spät isst, fördert Gärungs- und Fäulnisprozesse, da die Verdauungsleistung am Abend vermindert ist. Langfristig führt zu spätes Essen zu einer chronischen Darmschädigung mit entsprechenden Auswirkungen auf den gesamten Organismus. Gärungsgifte belasten z.B. die Schleimhäute und die Nasennebenhöhlen. Essen Sie nur wenig und leichte Kost abends. Und vor allem: Essen Sie abends keine Rohkost!
Wer zu schwere Speisen isst, fördert die Entstehung von Gärungs- und Fäulnisprozessen durch individuell nicht verdaubare Kost. Infolgedessen kommt es zu Darmfunktionsstörungen mit negativen Auswirkungen auf den Organismus. Achten Sie daher auf individuell gut verträgliche Kost.
Meist entspricht unser reales Essverhalten leider nicht diesen Empfehlungen. Prof. Dr. Gündling verglich unser Essverhalten vielmehr mit dem Tanken: „Der Deutsche isst, wie ein Auto betankt wird. Möglichst schnell und effektiv.“

Zitat zum Schluss

Prof. Dr. Gündling endete seinen Vortrag mit einem Zitat des römischen Schriftstellers G. Plinius (24-79. n. Chr.):

„Es ist der Bauch, für dessen Befriedigung ein
großer Teil der Menschen arbeitet – und der
die meisten Leiden für die Menschheit bringt.“

Top Thema Darmstörungen

Vortragender: Prof. Dr. med. Peter W. Gündling, Bad Camberg
Prof. Dr. Gündling ist u.a. Arzt für Naturheilverfahren und Ernährungsmedizin sowie Studiendekan für Naturheilkunde und komplementäre Medizin an der Hochschule Fresenius in Idstein.
Redaktion: Dr. Inge Ziegler

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