Gadolinium – Riskantes Kontrastmittel

Gadolinium – risikoreiches Kontrastmittel

Seit Jahrzehnten werden Gadolinium-haltige Kontrastmittel weltweit millionenfach bei MRTs eingesetzt. Nach der Entdeckung von Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn wurden einige Produkte vom Markt genommen. Hier erklärt der Präsident der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie, wie gefährlich Gadolinium für Patienten ist, worauf sie achten sollten und welche Therapien bei Gadolinium-Belastungen in Frage kommen.

Dr. med. Dipl. Med. Thomas B. Fischer
Arztpraxis für Klinische Zellbiologie
„Da sich Gadolinium im Körper anreichert, steigt das Erkrankungsrisiko mit jeder weiteren Kontrastmittelgabe im Rahmen eines MRTs.“
Zum Autorenprofil

Gleich, ob es um die Verlaufskontrolle bei Multiple Sklerose oder den Verdacht auf einen Kreuzbandriss geht: MRTs sind wertvolle Helfer bei der Diagnose. Doch sie können auch krank machen – wenn Gadolinium im Spiel ist.

Was ist Gadolinium?

Chemisch gehört Gadolinium zu den Lanthanoiden – und damit zu den sogenannten „Metallen der Seltenen Erden“. Gadolinium

  • ist in Reinform hochgiftig
  • ist sehr selten – natürlicherweise kommen wir kaum damit in Kontakt
  • hat eine große Ähnlichkeit mit Calcium und konkurriert im Körper um wichtige Calcium-Bindungsstellen
  • ist magnetisch.

Gerade seine paramagnetischen Eigenschaften sind es, die Gadolinium schon seit Jahrzehnten zu einem verbreiteten Kontrastmittel bei der Magnetresonanztomographie (MRT) gemacht haben. Nicht ohne Folgen, wie sich inzwischen gezeigt hat.

      Gadolinium als Kontrastmittel bei MRTs


      Anwendungsgebiete der Magnetresonanztomographie

      Die Magnetresonanztomographie, auch MRT oder Kernspintomographie genannt, ist ein beliebtes bildgebendes Verfahren, wenn es darum geht, Weichteile und Nervengewebe im Körper darzustellen.

      Typische Einsatzgebiete von MRTs sind Untersuchungen von

      • Gehirn, Nerven, Rückenmark
      • Blutgefäße, Durchblutung
      • innere Organe wie Herz und Leber
      • Haut
      • Knorpel, Bandscheiben, Bänder, Sehnen
      • Nachweis von Verletzungen, Tumoren, Entzündungen

      Doch nicht jedes Gewebe eignet sich gleich gut für die MRT. Entscheidend ist, dass ein ausreichend großer Kontrast gegeben ist. Da die MRT auf einem starken Magnetfeld beruht, hängt der Kontrast vor allem von den magnetischen Eigenschaften des Gewebes ab. Während fettreiche und wasserhaltige Gewebe sehr gut zu unterscheiden sind, ist das bei Strukturen mit ähnlichen paramagnetischen Eigenschaften nicht der Fall. Genau hier kommen die Kontrastmittel ins Spiel.

              Gadolinium – Fakten

              Vor- und Nachteile der MRT

              VorteileNachteile
              keine Strahlenbelastung wie beim RöntgenWechselwirkungen mit Implantaten, die ferromagnetische Metalle wie Eisen, Nickel oder Cobalt enthalten (mögl. bei Herzschrittmachern, Innenohr-Implantaten)
              gilt an sich als sichere MethodeRisiken durch Gadolinium-haltige Kontrastmittel
              ermöglicht „Schnittbilder“ am lebenden Menschen und beim Echtzeit-MRT sogar die filmische Darstellung in Bewegung (Gelenke, Organe)Wechselwirkungen der magnetischen Wechselfelder mit dem menschlichen Körper sind noch nicht vollständig erforscht
              ermöglicht Darstellung von Organen und Weichteilen wie Nerven, Knorpel, Bänderunangenehm sind Engegefühl und Lärm während der Untersuchung


              Kontrastmittel Gadolinium

              Um auch Strukturen sichtbar zu machen, die sonst kaum zu erkennen wären, nutzen Ärzte seit Jahrzehnten Kontrastmittel. Sehr verbreitet war bislang über Venen, d.h. intravenös, verabreichtes Gadolinium, das für guten Kontrast sorgt. Unterschieden werden zwei Arten Gadolinium-haltiger Kontrastmittel: 

              • lineare und 
              • makrozyklische.

              Man kann sich das etwa so vorstellen, dass Gadolinium einmal in einer Kette (linear) und einmal in einem Ring (makrozyklisch) eingebunden ist. Fester gebunden ist es in den makrozyklischen Komplexen.

              Im Rahmen der MRT wird Gadolinium insbesondere eingesetzt bei

              • Multiple Sklerose (MS)
              • Untersuchungen von Gelenken, Leber, Herz
              • Tumore (z.B. Brustkrebs)

              Zwar ist schon lange bekannt, dass Gadolinium als Ion hochgiftig ist, doch ging man davon aus, dass es in den eingesetzten Komplexen so fest gebunden ist, dass es binnen zwei Stunden wieder über den Urin ausgeschieden würde. Der Körper müsste es weder umwandeln, noch würde es in irgendwelche Körperprozesse eingreifen.

              Gadolinium als Kontrastmittel

              Viele Jahre wurden bei der Anwendung von Kontrastmitteln auf Gadolinium-Basis keine Auffälligkeiten festgestellt. Auch allergische Reaktionen traten weit seltener auf als z.B. bei der Verwendung jodhaltiger Kontrastmittel beim Röntgen.

              Über Jahrzehnte galt Gadolinium als ausgesprochen sicher und unproblematisch. – Das hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert.

              Geschichte bekannter Nebenwirkungen von Gadolinium

              Anfang der 1990er-Jahre – Gadolinium-Ablagerungen

              Erste Hinweise darauf, dass Gadolinium entgegen bisherigen Annahmen doch nicht immer komplett ausgeschieden wird, gab es schon in den 1990er-Jahren. Damals wurde beschrieben, dass sich freigesetztes Gadolinium in Organen, Haut und Knochen einlagert. Dennoch wurden Gadolinium-basierte Kontrastmittel gegenüber Patienten weiter als sicher und harmlos beschrieben und wie gewohnt weiter eingesetzt.

              2006 – Nebenwirkungen bei Nierenpatienten – nephrogene systemische Fibrose

              Rund 10 Jahre und viele Millionen Gadolinium-Anwendungen später wurden zunehmend Probleme bei Patienten mit einer deutlich eingeschränkten Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) bekannt.  

              Was war passiert? Bei Patienten mit einer Niereninsuffizienz traten nach der Anwendung Gadolinium-haltiger Kontrastmittel immer wieder unerwünschte Effekte auf. Zu den Symptomen gehörten

              • starke Schmerzen
              • Flecken, Knötchen auf der Haut
              • Hautverdickungen
              • eingeschränkte Beweglichkeit als Folge der Hautverdickung
              • Verfestigung von Gewebe, z.B. in Lunge, Leber, Herz, Muskeln
              • Sogar von Todesfällen wurde berichtet.

              Da man die Gewebeveränderungen auf die Nierenschwäche der Patienten zurückführte, sprach man schließlich von einer nephrogenen systemischen Fibrose. Gemeint ist eine krankhafte Vermehrung von Bindegewebe in verschiedenen Organen und Regionen, deren Ursache in der Niere liegt.

              Der Zusammenhang mit der Nierenschwäche schien durchaus plausibel, weil die Gadolinium-Komplexe den Körper nicht so schnell über den Urin verlassen können, vermehrt im Körper verbleiben und dort zu unerwünschten Reaktionen führen können. Inzwischen geht man davon aus, dass aus den Kontrastmitteln freigesetzte, hochgiftige Gadolinium-Ionen für die Symptome verantwortlich sind.

              In Deutschland wurde daraufhin der Einsatz bestimmter Gadolinium-basierter Kontrastmittel bei Patienten mit schwerer Einschränkung der Nierenfunktion und vor/nach einer Lebertransplantation untersagt.

              2014 – Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn

              Ab 2013 gab es Hinweise auf Auffälligkeiten bei Nierengesunden. 2014 berichteten Wissenschaftler über Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn von Patienten, die zuvor Kontrastmittel erhalten hatten.

              Doch wie gefährlich sind diese Ablagerungen? Noch im Juli 2017 hieß es dazu von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA): „Zurzeit gibt es keine Evidenz dafür, dass Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn bei Patienten Schaden verursacht haben.“ Und: „Für die Gadoliniumablagerung im Gehirn wurden bisher keine schädlichen neurologischen Effekte, wie z.B. Störungen der Kognition oder Bewegung, nachgewiesen […].“ 

              2017 – Action Star Chuck Norris verklagt Pharmafirmen

              Vier Jahre nachdem seine Frau Gena an schweren Nervenschmerzen und Nierenproblemen erkrankt war, verklagte Action-Star Chuck Norris Pharmafirmen auf 10 Millionen Dollar Schmerzensgeld.

              Das Gadolinium, das seine Frau als Kontrastmittel erhalten hatte, war von ihrem Körper nicht vollständig ausgeschieden worden. Unsägliche Schmerzen, als ob sie innerlich verbrennen würde, habe sie gehabt, so Gena Norris. Seit Ärzte in Amerika und China sich um eine Gadolinium-Ausleitung bemühen, geht es ihr besser.

              Der Fall erregte Aufsehen. Immer mehr Patienten fragten sich, ob auch ihre Beschwerden auf Gadolinium zurückzuführen sind.

              2018 – Rückrufe und Einschränkungen beim Einsatz Gadolinium-haltiger Kontrastmittel

              Aufgrund der Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn und ihren ungewissen Folgen, mussten Ende Februar 2018 drei lineare Gadolinium-basierten Kontrastmittel zur intravenösen Anwendung vom Markt genommen werden: Diese enthielten die Verbindungen Gadodiamid, Gadopentetsäure und Gadoversetamid. Drei Produkte bleiben auf dem Markt, werden aber hinsichtlich ihrer Einsatzgebiete eingeschränkt:

              • Gadobensäure und Gadoxetsäure sind nur noch bei Untersuchungen der Leber zugelassen.
              • Gadopentetsäure darf weiterhin – in sehr niedriger Dosis – in Gelenken verwendet werden.

              Von der Europäischen Arzneimittel Kommission (EMA) wurde Ärzten im Juli 2017 faktisch empfohlen,

              • Gadolinium-haltige Kontrastmittel nur zu verwenden, wenn dies mangels Alternative notwendig erscheint
              • stets die niedrigst-mögliche Dosis zu verwenden. (Quelle: BfArM)

              Überblick über Gadolinium-haltige Kontrastmittel

              VerbindungStrukturAnwendungEinsatzmöglichkeiten
              Gadodiamid, Gadoversetamid, Gadopentetsäure linearintravenösseit Ende Febr. 2018 verboten
              Gadopentetsäurelinearintra-artikulärGelenke (in niedriger Dosis)
              Gadobensäure, GadoxetsäurelinearintravenösLeber-MRT
              Gadotersäure, Gadobutrol, Gadoteridolmakrozyklischintravenös, Gadotersäure auch intra-artikulärunverändert

              Zwar wird inzwischen an nebenwirkungsarmen oder gar unbedenklichen Alternativen zu Gadolinium als MRT-Kontrastmittel geforscht, bislang (Stand Dez. 2018) gibt es aber noch keine Alternative, die Gadolinium uneingeschränkt ersetzen könnte.

              Symptome nach Gadolinium-Infusion

              Anders als lange angenommen, weiß man heute, dass geringe Mengen Gadolinium im Körper verbleiben und sich in Organen und im Gehirn ablagern können.

              Wegen seiner großen Ähnlichkeit mit Calcium, einem häufigen Mineral in unserem Körper (Knochen!), auf das wir dringend angewiesen sind, überrascht es wenig, dass sich Gadolinium in vielen Regionen ablagert und dort sein Unwesen treibt.

                Dazu gehören

                • Knochen
                • Leber
                • Lunge
                • Darm
                • Herzklappen

                Seit 2006 wurden bei Gesunden immer wieder merkwürdige Reaktionen und Symptome nach Gadolinium-Infusionen beschrieben, wobei die Symptome meist recht unspezifisch sind. Inzwischen sprechen Mediziner von der Gadolinium-Ablagerungskrankheit (Gadolinium Deposition Disease), deren Symptome wenige Minuten bis zu einem Monat nach der Kontrastmittelgabe auftreten können.

                Die sechs wichtigsten Symptome der Gadolinium-Ablagerungskrankheit sind: 

                1. intensives Brennen in der Haut – am ganzen Körper, oft an Armen und Beinen
                2. starke Schmerzen in Knochen und Gelenken wie Hüfte, Knie, Rippen
                3. Brain Fog („vernebelter Kopf“, Gefühl benebelt zu sein), wie er auch bei Bleivergiftungen auftritt
                4. Muskelzuckungen, Gefühl von „Ameisenlaufen“
                5. Kopfschmerzen – eher brennend mit extremem Spannungsgefühl (wie bei einer sehr engen Badekappe)
                6. Verdickung, Verfärbung und Schmerzen der Haut – teigig, rosa, Gelenksteifigkeit – insbesondere an Unterarm und Unterschenkel

                Besonders sensibel auf Gegenspieler von Calcium wie Gadolinium reagieren unsere Mitochondrien. Ist die Energieversorgung durch unsere „Kraftwerke der Zelle“ gestört, äußert sich das insbesondere durch den sogenannten Brain Fog, bei dem sich der Patient benebelt fühlt. Damit gehört der Brain Fog zu den frühen Symptomen einer Gadolinium-Belastung.

                Patienten, die MRT-Untersuchungen mit Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln hinter sich haben, berichten zudem über

                • Schmerzen, Krämpfe, Schwäche von Muskeln
                • Nervenschmerzen – der ganze Körper tut bei der kleinsten Bewegung weh
                • neurologische Ausfallerscheinungen
                • Verfärbung der Haut
                • Atemprobleme
                • eingeschlafene Arme
                • Sehstörungen
                • Tinnitus
                • Bewegungsstörungen, Gelenksteifigkeit
                • Konzentrationsstörungen
                • chronische Müdigkeit, Schwäche
                • Depressionen
                • bis hin zur Erwerbsunfähigkeit 

                Wie schwerwiegend die Folgen von Gadolinium im  im Einzelfall sein können, zeigte ein Bericht des MDR vom April 2018. Vorgestellt wurde ein 81-jähriger Patient, dessen Leber nach mehreren MRTs geschädigt wurde. Die Folgen: Schwindel, Verwirrtheit, Übelkeit. Der zuvor völlig fitte Senior benötigt heute Hilfe bei einfachsten Tätigkeiten und kann an manchen Tagen nicht einmal das Bett verlassen. 

                Ein erschütternder, zum Glück wohl eher sehr seltener Fall. Doch leider lässt sich bislang nicht vorhersagen, ob und nach welcher Gadolinium-Menge jemand auf das Kontrastmittel reagiert und bei wem welche Symptome zu erwarten sind. Die individuelle Belastbarkeit ist sehr verschieden. Während bei einigen Patienten selbst nach mehr als 10 Infusionen keine Ablagerungen im Gehirn oder ähnliches festgestellt werden können, scheinen andere Patienten im Extremfall bereits nach 1-3 Gadolinium-Infusionen mit schwersten Symptomen zu reagieren.

                Grundsätzlich scheint das Risiko mit der Häufigkeit der Gadolinium-Infusionen und der damit verbundenen Gadolinium-Belastung anzusteigen.
                Bei empfindlichen Patienten können jedoch schon eine bis wenige Gadolinium-Gaben schwere Symptome auslösen. 

                Eine besonders schwierige Situation finden wir bei MS-Patienten, die zum Aufspüren von Entzündungsherden im Gehirn immer wieder Kontrastmittel erhalten haben. Im Kopf-MRT werden möglicherweise neben MS-bedingten Veränderungen Gadolinium-Ablagerungen sichtbar. Da sich die Symptome der MS und einer Gadolinium-Belastung gerade im neurologischen Bereich durchaus ähneln können, ist es mitunter gar nicht so einfach, die wahre Ursache neu auftretender Symptome zu benennen.

                Diagnose

                Da die Symptome einer Gadolinium-Vergiftung meist recht unspezifisch sind, kommt man der Ursache nicht immer so leicht auf die Spur. Wer denkt schon, wenn er sich mal ein paar Wochen nicht gut fühlt, daran, dass ein Kontrastmittel dafür verantwortlich sein könnte? Viel eher neigen wir dazu, den Grund in anderen Bereichen zu suchen (Stress, lange kein Urlaub gehabt, Zustand nach Infekt, älter werden …). Schließlich fühlt sich ja jeder mal nicht so gut, oder?!

                Dies gilt umso mehr, da die meisten Patienten und viele Ärzte nach wir vor davon ausgehen, dass Gadolinium-basierte Kontrastmittel sicher sind. 

                Erste Hinweise auf eine erhöhte Gadolinium-Belastung liefern

                • eine hohe Zahl und Häufigkeit bisheriger MRTs mit Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln
                • zeitlicher Bezug des Auftretens erster Symptome zu Gadolinium-Infusionen
                • typische Symptome wie Brain Fog
                • im MRT sichtbare Ablagerungen 

                Gadolinium-Messungen in Blut und Urin eignen sich leider nur bedingt zum Nachweis einer Gadolinium-Belastung. Früher ging man davon aus, dass Gadolinium binnen zwei Stunden über den Harn ausgeschieden wird. Demnach sollte anschließend kein Gadolinium mehr zu finden sein. Tatsächlich lässt sich das Metall noch bis zu zwei Wochen nach der Kontrastmittelinfusion im Blut nachweisen – bei schwer Betroffenen auch länger.

                Weit schwieriger ist der Nachweis von Gadolinium in Knochen, Gehirn usw. – sofern es nicht im MRT sichtbar ist. Ansonsten gelingt der Nachweis nur indirekt: Da ständig Umbauprozesse im Gewebe stattfinden, werden permanent kleine Mengen von Gadolinium in die umgebenden Körperflüssigkeiten freigesetzt, in denen sie dann nachgewiesen werden können.

                Beim Nachweis (und der Ausleitung) von Gadolinium helfen Verbindungen, die selber in der Lage sind, das Metall sehr fest zu binden. Zu diesen sogenannten Chelatoren gehören DTPA, EDTA und DMPS.  

                Therapie bei Gadolinium-Belastungen

                Gadolinium-Ausleitung mit Chelatoren

                Wissenschaftliche Untersuchungen in unserer Praxis für Klinische Zellbiologie haben gezeigt, dass Gadolinum am besten mit dem kombinierten Einsatz von DMPS und EDTA ausgeleitet wird. Unter bestimmten Bedingungen kommen aber auch Zink- und Calcium-DTPA zum Einsatz. Diese Chelatoren fischen Gadolinium, aber auch andere Elemente mit ähnlichen chemischen Eigenschaften aus dem Körper. Ausgeschieden werden die Komplexe über den Urin, in dem das Gadolinium dann auch nachgewiesen werden kann.

                Patienten, die eine Gadolinium-Vergiftung haben, bemerken oft schon nach der ersten Ausleitung eine deutliche Besserung ihrer Symptome. Für die endgültige Ausleitung des Gadoliniums brauchen sie aber vor allem eines: Geduld! Da die Chelatoren nicht überall hin gelangen können, wo sich das Gadolinium festgesetzt hat, kann es nur nach und nach aus dem Körper entfernt werden. Entsprechend sind immer mehrere Behandlungen nötig.

                Relativ gut gereinigt werden können Körperflüssigkeiten wie Blut und Lymphe, aber auch die Räume zwischen den Zellen. Bevor die nächste Chelat-Behandlung stattfinden kann, muss man erstmal warten, bis wieder genügend Gadolinium aus den Zellen heraus in die Zellzwischenräume gewandert ist.

                Ein Wort zu den Kosten: 

                Während der Einsatz Gadolinium-haltiger Kontrastmittel lange Zeit empfohlen und von den Krankenkassen übernommen wurde, sieht das bei der Behandlung möglicher Folgen gänzlich anders aus. Im Normalfall müssen die Patienten die Therapiekosten komplett selbst tragen. 

                Was Sie als Patient auch wissen sollten: Solange der Körper übermäßig mit Gadolinium belastet ist, können andere ganzheitliche Therapien nicht wirken. Eine Gadolinium-Ausleitung schafft in solchen Fällen die Basis dafür, dass naturheilkundliche Verfahren wie die Neuraltherapie wieder greifen. Auch die Selbstheilung kann dann wieder besser funktionieren.

                Begleitende Nährstoffzufuhr

                Alle Chelatoren entfernen neben Gadolinium immer noch andere Nährstoffe aus dem Körper. Auch wenn der Verlust in dieser Größenordnung normalerweise kein Problem darstellt, überprüfe ich sicherheitshalber vor jeder Chelat-Therapie anhand von Blutuntersuchungen, wie gut der Patient mit Zink, Selen, Magnesium, Eisen, Kalium und Natrium versorgt ist. Sollte sich dabei ein Mangel an einem oder mehreren Elementen herausstellen, beginne ich gegebenenfalls schon vor der Gadolinium-Ausleitung mit deren Zufuhr.

                Naturheilkundliche Maßnahmen 

                Wenn Sie sich aufgrund wiederholter Gadolinium-Infusionen Sorgen machen, aber noch keine Symptome haben, können Sie die Ausleitung von Schwermetallen durch Einnahme von Chlorella unterstützen. Meinen Patienten empfehle ich in der Regel, ein hochdosiertes Chlorella-Präparat über ein Jahr einzunehmen. Wichtig ist vor allem die Sauberkeit des Produktes, die per Zertifikat belegt sein sollte. Das ist selbst bei Chlorella-Präparaten aus der Apotheke nicht immer der Fall.

                Darüber hinaus gibt es eine Reihe homöopathischer Mittel, um Entgiftungsprozesse und die Reaktivität des Körpers zu verbessern. In meiner Praxis arbeite ich dabei vor allem mit homöopathischen Komplexmitteln. 

                Wenn, was häufig der Fall ist, die Mitochondrienfunktion durch Gadolinium gestört ist, empfehle ich, die Energiegewinnung in den Zellen durch Zufuhr entsprechender Stoffe zu unterstützen. In Frage kommen z.B.

                • Vitamine
                • Spurenelemente
                • organotrope Aminosäuren
                • Curcumin und andere bioaktive Vitalstoffe
                • Coenzym Q10

                Gerade bei Brain Fog und allgemeiner Leistungsschwäche hat sich in unserer Praxis die Gabe von Ubiquinol, als der aktiven Form von Coenzym Q10, besonders bewährt. Um therapeutische Effekte zu erzielen, sind dabei höhere Dosen nötig, als sie in üblichen Nahrungsergänzungsmitteln zu finden sind.

                Vorsichtsmaßnahmen beim Einsatz von Gadolinium

                Auch wenn der Einsatz von Gadolinium inzwischen nur noch in sehr begrenzten Bereichen empfohlen wird, gibt es doch ein paar Regeln, die man beachten sollte:

                • Gadolinium-haltige Kontrastmittel möglichst nicht bei Patienten mit Nierenschwäche verwenden.
                • nur Präparate verwenden, die Gadolinium vergleichsweise fest binden (makrozyklische statt lineare Kontrastmittel)
                • die Dosis möglichst gering halten
                • mindestens drei Monate Abstand zur nächsten Untersuchung einhalten

                Was Sie selbst tun können

                Hellhörig werden sollten Sie, wenn Sie z.B. wegen einer Tumorerkrankung oder Multiple Sklerose schon häufiger Gadolinium-haltige Kontrastmittel verabreicht bekommen haben und bei Ihnen danach typische Symptome einer Gadolinium-Belastung auftreten.

                Falls Sie fürchten, aufgrund von Gadolinium erkrankt zu sein, sollten Sie

                • vor der nächsten Infusion testen lassen, ob noch Gadolinium in Ihrem Körper ist
                • klären, ob die Untersuchung wirklich erforderlich ist
                • ggf. nach alternativen Untersuchungen (z.B. Ultraschall statt Herz-MRT) fragen
                • nach Alternativen zu Gadolinium-basierten Kontrastmitteln fragen
                • nach Rücksprache mit Ihrem Therapeuten Chlorella zur Ausleitung nehmen

                Was Sie wissen sollten:

                • Mitunter dienen Untersuchungen nur der Sicherung der Diagnose – ohne dass sich die Therapie maßgeblich ändert.
                • Bilder geben uns eine vermeintliche Sicherheit. Nicht immer ist das, was man sieht, auch das eigentliche Problem.
                • Gerade bei Gelenken sind Kontrastmittelgaben häufig gar nicht notwendig.
                • Auch die Auslastung von Geräten, Abrechnungsmöglichkeiten, der Wunsch, dem Patienten etwas Greifbares zeigen zu können und sich abzusichern können bei der Entscheidung des Arztes für ein MRT eine Rolle spielen.

                Fazit

                Aus heutiger Sicht wurden die Risiken Gadolinium-basierter Kontrastmittel lange unterschätzt. Auch wenn die Zahl der bekannten Fälle der Gadolinium-Ablagerungskrankheit im Vergleich zur Anwendungshäufigkeit gering zu sein scheint, dürfte die tatsächliche Zahl doch höher liegen. Da niemand vorhersagen kann, wer wie auf das Kontrastmittel reagiert, sollte man im Zweifelsfall lieber zurückhaltend sein und wenn möglich auf Alternativen ausweichen.

                Betroffene sollten mit geeigneten Chelatoren behandelt werden – wobei sie sich in der Regel auf eine längere Behandlungsdauer einstellen müssen.

                Literatur- und Linktipps

                Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie Uniklinik Frankfurt: Alternativen zu Gadolinium

                Kanda, T., et al.: Gadolinium deposition in the brain. Magnetic Resonance Imaging, Vol. 34:10, Dec. 2016, S. 1346-1350. doi.org/10.1016/j.mri.2016.08.024 

                Kasokat, T & Urich, K. (1992). Quantification of dechelation of gadopentetate dimeglumine in rats. Arzneimittel-Forschung. 42. 869-76. 

                plusminus: Gefahr im MRT: Warum Kontrastmittel die Gesundheit schädigen können. Sendung vom 4.7.2018, ARD

                Richard C.Semelka, R. C. et al.: Gadolinium deposition disease: Initial description of a disease that has been around for a while. Magnetic Resonance Imaging, Vol. 34:10, Dec. 2016, S. 1383-1390. doi.org/10.1016/j.mri.2016.07.016 

                www.gadoliniumtoxicity.com/tag/gadolinium-deposition-disease/ 

                www.gadolinium-vergiftung.de/ 

                www.krebsinformationsdienst.de: Gadoliniumhaltige Kontrastmittel: Schädlich für das Gehirn? (vom 23.3.2016), Rote-Hand-Brief: Gadoliniumhaltige Kontrastmittel (vom 16.1.2018), Abruf vom 4.10.2018

                Dr. med. Dipl. Med. Thomas B. Fischer

                Arztpraxis für Klinische Zellbiologie

                Kommentare

                Keine Kommentare

                Kommentar hinzufügen

                Mailadresse dient möglichen Rückfragen durch die Redaktion. Sie wird nicht veröffentlicht.



                 

                Wichtiger Hinweis:
                Diese Inhalte dienen der Information und Orientierung. Sie können und sollen unter keinen Umständen den Besuch eines Arztes und die Konsultation medizinischer Beratung oder professioneller ärztlicher Behandlung ersetzen.
                Der Inhalt von naturheilmagazin.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Im Übrigen verweisen wir auf die Geltung unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB

                Krankheiten A-Z