Leben statt Hospiz

Ein Erfahrungsbericht in Interviewform

Nur noch zwei Tage – so bezifferten Ärzte ihre Lebenserwartung im Hospiz. In diesem Film der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. erzählt die Psychotherapeutin Stefanie Gleising, wie sie allen Prognosen zum Trotz das Krankenhaus wenige Wochen später verlassen konnte. Eine beeindruckende Heilungsgeschichte bei Brustkrebs. (Länge: 5:41) 

 

Der Brustkrebs breitet sich aus

Ich habe Brustkrebs gehabt – 2010. Ich habe am Anfang biologisch behandelt. Ich habe nur operieren lassen und der Krebs kam leider nach einem dreiviertel Jahr zurück. Metastasen im Jahr darauf. Nach paar Monaten sind dann Metastasen im Rücken aufgetreten. Es gab den Punkt wo mein ganzer Körper mit Knochen Metastasen übersät war, mein Rücken gebrochen ist an mehreren Stellen. Dann kamen Hirn-Metastasen dazu – 16 Stück. Ich habe Bestrahlungen bekommen und es gab Zeiten, wo ich nicht laufen konnte, wo ich im Rollstuhl war, wo ich nicht richtig reden konnte. Auch dass der Krebs schon so schlimm war … Ich habe dann noch mal zwischendurch Chemotherapie bekommen, aber nur zu wenig oder nicht zu wenig, sondern sehr, sehr wenig, weil ich den Krebs auf Knochenmarksebene hatte. Die sind ja für die Bildung der Abwehr Zellen und der Blutkörperchen verantwortlich. Das war dann alles nicht mehr ausreichend. 

2 Tage Lebenserwartung  

Und letztlich hat eine Heilung stattgefunden letztes Jahr. Ich bin ins Hospiz gekommen mit Sprachproblemen, ich war mehr im Delirium als sonst wo, Liegen, war im Rollstuhl. Ein Arzt sagte eine Freundin von mir, dass ich noch zwei Tage Lebenserwartung hätte.  

Der Weg bergauf – raus aus dem Hospiz 

Ja und im Hospiz ging es mir dann jeden Tag besser. Die Ärztin hat ein Medikament abgesetzt was starke Nebenwirkungen hatte, hat meine Schmerzmittel Dosis verdreifacht und sonst alle Medikamente einfach weggetan. Und durch die Besucher und auch die Belegschaft - die waren so was von herzlicher und liebevoll und unterstützend. Mir ging es jeden Tag besser. Nach sechs Wochen bin ich wieder raus marschiert auf eigenen Füssen und seit Dezember reite ich wieder– aber im Full Speed. (Zwischenbemerkung: Das hat glaube ich noch niemand erlebt im Hospiz).  

Die Frage nach dem Erfolgsrezept 

Ich bin jeden Tag dankbar für mein Leben, was ich wiederbekommen habe. Ich werde immer wieder gefragt: „Was würdest du sagen, was ist für die Heilung verantwortlich?“. Ich kann leider nicht den Finger drauf halten, was es jetzt genau gewesen ist. Ich habe Ideen im Kopf, wo ich denke, ja das hat mit Sicherheit dazu beigetragen.  

Ich komme aus einer Familie mit einer Mutter, die sehr viel Schicksalsschläge erlebt hat und habe dadurch auch gelernt, vorgelebt bekommen, vielleicht auch vererbt, Situationen anzunehmen und sich nicht unterkriegen zu lassen – um es im Alltags-Slang zu sagen. Weiter zu machen und zu leben. Und zu leben heißt für mich, nicht bei den negativen Sachen hängen zu bleiben, sondern den Blick immer wieder in das Positive zu werfen. Das hat auch einen gewissen Egoismus, denn ich habe gerne Freude am Leben und ich kann schlecht Selbstmitleid aushalten.  

Das ist schon da, dass ich Schmerzen ausdrücken kann, aber im Grunde bin ich lieber glücklich und hab das einfach auch so ein Stück lang perfektioniert. Ich habe gemerkt, es gibt Situationen, die sind so schlimm, wo man denkt, die kann man nicht durchstehen. Ich werde immer wieder gefragt: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie das ist, in so einer Krankheit zu leben.“ Aber wenn man dann da drin ist … es geht. Und es gibt immer wieder Momente, wo man schauen kann, was auch gut ist.  

Schmerztherapie als wichtige Hilfe 

Wo mir alle meine Fähigkeiten erst mal nicht mehr zur Verfügung standen, war in einem Zustand, wo ich ganz, ganz heftige Schmerzen hatte. Ich habe mich auch lange gewehrt ordentliche Schmerzmittel zu nehmen. Die Nervenschmerzen in Beine und Armen, die Rückenschmerzen, Tumorschmerzen. Das ist furchtbar und die rauben einem jegliche Hoffnung. Und ich würde jedem empfehlen, ordentliche Schmerztherapie zu machen. Das würde ich jetzt rückblickend anders machen – ordentlich damit anzufangen, muss ich sagen.  

Die Hoffnung nicht aufgeben 

Und dann will ich natürlich auch den Satz von meiner Freundin Heidi noch zitieren, was mir sehr, sehr geholfen hat, als ich dann Hirn Metastasen hatte. Wir waren uns sicher – mein Mann und ich –,- das werde ich nicht überleben. Auch die Ärztin hat gesagt: „Ich würde die Hirn-Bestrahlung eigentlich nicht machen, denn Sie haben so eine schlechte Chance, dass das überhaupt hilft“. Und ich habe es gemacht. In der Zeit hat meine Freundin mir eine Mail geschrieben: „Egal wie es aussieht, wir dürfen das Feld der Hoffnung immer offenhalten.“ Und das habe ich rum geschickt an all meine Freunde und das trägt mich auch heute noch. „Egal was ist, das Feld der Hoffnung darf immer offenbleiben.“ 

 

Quelle des Films: 

Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V.
Zentrale Beratungsstelle
Voßstraße 3
69115 Heidelberg
Telefon (06221) 13 80 20
E-Mail: info@biokrebs.de 
Internet: www.biokrebs.de

Autorin: Stefanie Gleising, Redaktion: Dr. rer. nat. Inge Ziegler

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