Hausstaubmilbenallergie

Hausstaubmilbe

Sie gehört zu den häufigsten Allergien in Deutschland: die Hausstaubmilbenallergie. Rote Augen, Schnupfen und Atembeschwerden gehören zu den typischen Beschwerden, die Betroffenen das Leben schwer machen können. Wir geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Hintergründe und was Sie gegen eine Hausstaubmilbenallergie tun können.

(Bildquelle: pixabay.com © by WikiImages)

Sie sind quasi unsichtbar, doch für viele Allergiker ausgesprochen lästig: Hausstaubmilben. Die meisten Menschen nehmen die kleinen Tierchen gar nicht wahr, sind sich deren Anwesenheit kaum bewusst. Doch etwa sieben Prozent der Deutschen reagieren allergisch: rote Augen, Schnupfen und Atembeschwerden können einige der Folgen sein. Leider sind die Milben jedoch überall zu Hause. So stellt sich die Frage: Was tun? Wer oder was kann helfen, die Hausstaubmilbenallergie in den Griff zu bekommen? Hier erhalten Sie darauf Antworten.

Was ist die Ursache?

Streng genommen sind gar nicht die Milben das große Übel, sondern deren Ausscheidungen. Bei Milben handelt es sich um 0,1 bis 0,5 mm große Spinnentiere, die nur unter dem Mikroskop sichtbar sind. Die hellen Tierchen bevölkern jede Wohnung – ihr Vorkommen ist kein Zeichen mangelnder Hygiene. Milben kommen weltweit in 150 Arten vor, wovon nur drei für uns relevant sind und Allergien auslösen können. Ihre Lebenszeit beträgt etwa drei Monate und sie ernähren sich von menschlichen Hautschuppen und Schimmelpilzen. Daher finden sie im menschlichen Haushalt stets ausreichend Nahrung. Die Milben scheiden Kot aus, in dem bestimmte Eiweißpartikel vorhanden sind. Diese Ausscheidungen mit den entsprechenden Eiweißen lösen bei Allergikern Reaktionen aus, wenn sie in die Atemwege oder auf die Schleimhäute gelangen. Das Immunsystem stuft die Substanzen irrtümlicherweise als gefährlich ein und beginnt einen Kampf gegen die vermeintlichen Angreifer. Eine Allergie geht häufig aus familiärer beziehungsweise genetischer Vorbelastung hervor und kann im Laufe des Lebens plötzlich eintreten. In den meisten Fällen tritt sie jedoch bereits in der Kindheit auf, manchmal sogar im Säuglingsalter. In wenigen Ausnahmefällen geht die Allergie von selbst wieder zurück oder verschwindet sogar vollständig. Der Kot der Milben ist nach den Pollen der zweithäufigste Allergieauslöser in Deutschland.

Welche Symptome treten auf?

Eine Hausstaubmilbenallergie legt sich typischerweise auf die Nase, die Augen, die Atemwege und/oder die Haut. Hier sind die klassischen Allergiezeichen erkennbar:

  • Niesreiz,
  • Schnupfen, Laufen der Nase, 
  • erschwerte Atmung, Husten, Atemnot, Asthma,
  • rote, juckende oder tränende Augen, Bindehautentzündungen,
  • Hautausschlag oder selten sogar Ekzeme.

Ekzeme treten vor allem dann auf, wenn zusätzlich eine Neurodermitis vorliegt. Dazu können Kopfschmerzen oder Erschöpfungssymptome auftreten. In extremen Fällen kann es zu Atemnot kommen. Wird der allergische Schnupfen nicht behandelt, kann daraus allergisches Asthma entstehen. Besonders bei erstmaligem Auftreten der Symptome wird oft zunächst eine Erkältung angenommen, sodass die Diagnose verzögert gestellt wird. Im Gegensatz zu Patienten, die unter Heuschnupfen leiden, müssen Hausstaubmilbenallergiker die Symptome das ganze Jahr über in Kauf nehmen. Die Milben sind, wenn durch Wetterwechsel und veränderte Klimabedingungen in den Wohnungen auch schwankend in der Höhe, ganzjährig aktiv. Die Beschwerden treten häufig nachts oder am frühen Morgen auf, da die Milben vor allem in den Matratzen, Decken und Kissen leben. Hier finden sie ausreichend Nahrung und einen warmen Rückzugsort. Auch beim Staubwischen treten verstärkt Beschwerden auf, da mit dem Staub auch abgestorbene Milben und damit Allergene, aufgewirbelt werden. Zu Beginn des Winters leiden die Allergiker oft besonders schlimm. Die trockene Heizungsluft tötet viele Milben ab, sodass mit deren Überresten besonders viele Allergene entstehen und von der strömenden Luft zusätzlich durch den Raum transportiert werden. 

Wie wird die Diagnose Hausstaubmilbenallergie gestellt?

Wenn Sie feststellen, dass Symptome bei Ihnen auftreten, suchen Sie zunächst Ihren Hausarzt auf. Dieser wird nach einer ersten Untersuchung vermutlich eine Überweisung an einen Allergologen ausstellen. In der Praxis des Allergologen wird nach einem Beratungsgespräch mit Ihnen ein Allergietest durchgeführt werden. Hierbei werden sowohl Haut- als auch Bluttests angewandt, um die Diagnose zweifelsfrei stellen zu können. Beim Hauttest, dem sogenannten Pricktest, werden Ihnen Allergene mit Hilfe von kleinen Nadeln direkt unter die Haut injiziert. So kann die Reaktion des Körpers auf die Allergene gut beobachtet werden. Wenn Ihre Haut anschwillt, errötet oder juckt ist das in Verbindung mit ihren Symptomen der Beweis, dass eine Allergie vorliegt. 

Welche schulmedizinische Behandlung ist möglich?

Wenn bei Ihnen eine Hausstaubmilbenallergie festgestellt wurde, kann diese kurzfristig mit schulmedizinischen Mitteln behandelt werden. Dies bedeutet, dass sie Medikamente einnehmen, um die Symptome zu lindern. Die Allergie an sich kann dadurch nicht behoben werden. Die sogenannten Antihistaminika können lediglich die kurzfristigen Erscheinungen (Schnupfen, Niesreiz, Husten, Atemnot) kurzfristig unterdrücken. Entsprechende Medikamente sind meist freiverkäuflich, aber nicht zur dauerhaften Anwendung geeignet. Es gibt sie in verschiedenen Formen, zum Beispiel als Tablette, Saft, Augentropfen oder Inhalation. Die häufigste festgestellte Nebenwirkung bei der Anwendung von Antihistaminika ist Müdigkeit, welche für die Betroffenen quälend sein kann. Ist allergisches Asthma entstanden, wird der Arzt in der Regel kortisonhaltige Präparate oder besondere, bronchienerweiternde Medikamente verordnen.

Wie funktioniert eine Hyposensibilisierung?

Dauerhaft kann die Allergie mit dem Verfahren der Hyposensibilisierung bekämpft werden. Bei dieser Immuntherapie handelt es sich um eine Methode, um den Körper an die allergieauslösenden Stoffe zu gewöhnen und das Immunsystem quasi "umzuprogrammieren". Dieses soll die Allergene künftig als ungefährlich einstufen. Dazu wird Ihnen das Allergen über einen langen Zeitraum von circa drei Jahren regelmäßig unter die Haut gespritzt. Die jeweilige Dosis ist dabei steigend, sodass sich der Körper langsam an die Stoffe gewöhnen kann. Bei diesem Verfahren ist eine deutliche Besserung im ersten Jahr möglich, im zweiten und dritten Jahr verschwinden die Symptome bei erfolgreicher Therapie meist vollständig. Während der Hyposensibilisierung ist mit leichten Nebenwirkungen in Form von Allergiesymptomen zu rechnen. Diese treten häufig direkt nach der Behandlung auf, sind in der Ausprägung aber meist eher mild und klingen schnell wieder ab.

Was können Sie selbst tun?

Neben der medikamentösen Behandlung oder der Hyposensibilisierung können Sie auch selbst einiges tun, um die Allergiezeichen deutlich zu mildern. Bei all diesen Maßnahmen geht es im Kern darum, die Anzahl an Hausstaubmilben möglichst gering zu halten und den direkten Kontakt mit Ihrer Haut und Ihren Schleimhäuten zu minimieren.

  • Vermeiden Sie Teppichböden und Läufer. Wählen Sie möglichst glatte Böden, die Sie regelmäßig leicht wischen können.
  • Vermeiden Sie große, schwere Vorhänge oder Wandbehänge. 
  • Verzichten Sie auf Zimmerpflanzen und andere Staubfänger wie künstliche Blumen oder Stehlampen.
  • Verwenden Sie generell lieber geschlossene Aufbewahrungssysteme und keine offenen Regale.
  • Minimieren Sie insgesamt die Anzahl an Textilien, insbesondere im Schlafbereich (keine zusätzlichen Kissen und Decken, Kuscheltiere oder ähnliches).
  • Verwenden Sie Bettwäsche und Matratzenbezüge speziell für Allergiker. Die sogenannten Encasing-Schutzbezüge für Kissen, Decke und Matratze sind ein milbenundurchlässig durch die besondere Textilstruktur. Bei einer diagnostizierten Allergie übernehmen die Krankenkassen in der Regel den größten Teil der im Vergleich hohen Kosten für die Allergiebezüge. 
  • Waschen Sie Ihre Betttextilien sehr regelmäßig, idealerweise wöchentlich bei mindestens 60 Grad.
  • Auch die Bettdecke und das Kissen sollten Sie alle 8 Wochen heiß waschen.
  • Bei Neuanschaffung können Sie eine Kaltschaummatratze oder Latexmatratze ohne tierische Materialien kaufen. Diese stellen ein für die Milben ungünstigeres Milieu dar. 
  • Auch Kuscheltiere und anderweitige Textilien sollten Sie regelmäßig bei hohen Temperaturen waschen. Textilien, welche das nicht vertragen, können Sie in die Tiefkühltruhe legen. Nach 24 Stunden in der extremen Kälte sind die Milben abgetötet und Sie können auch bei niedrigeren Temperaturen nachwaschen.
  • Halten Sie die Luftfeuchtigkeit möglichst unter 50 Prozent. Hier hilft regelmäßiges Lüften (drei- bis viermal täglich). Verwenden Sie keine Luftbefeuchter.
  • Die Raumtemperatur sollte unter 20 Grad, im Schlafzimmer bei höchstens 18 Grad, liegen.
  • Achten Sie auf regelmäßiges Staubwischen. Hier empfiehlt sich ein feuchtes Tuch zu verwenden, um möglichst wenig Staub aufzuwirbeln.
  • Staubsaugen Sie mindestens wöchentlich sehr gründlich. Es gibt spezielle Staubsauger für Allergiker mit besonderer Filterung, um ein Aufwirbeln der Allergene zu minimieren.
  • Insbesondere im Schlafzimmer empfiehlt sich bei starker Allergie und heftigen Symptomen ein tägliches Staubsaugen und Wischen. 
  • Verzichten Sie wenn möglich auf Haustiere. Diese sollten sich aber in jedem Fall nicht im Schlafzimmer aufhalten. Die Tiere verlieren zusätzliche Hautschuppen, die von den Milben dankbar angenommen werden. 
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Bett nach dem Aufstehen zunächst auskühlt. Dazu machen Sie nicht direkt nach dem Aufstehen Ihr Bett, sondern schlagen die Bettdecke zurück und lüften zunächst den Raum, bis die Matratze ausgekühlt ist. Erst im Anschluss sollten Sie Ihre Bettdecken richten. Wenn es Sie nicht stört, können Sie Ihre Bettdecken auch am Bettende aufhängen, anstatt den Milben tagsüber ein warmes Lager zu gönnen.

Welche weiteren Hilfsmittel gibt es?

Es gibt verschiedene Reinigungsmittel auf dem Markt, die milbentötend reinigen. Insbesondere für Teppiche oder Polstermöbel empfiehlt sich hier ein Schaummittel zur gelegentlichen Anwendung. Auch Sprays sind verfügbar und können unterstützend eingesetzt werden. Ein natürliches Hilfsmittel ist Zirbenöl. Damit können Sie ein eigenes Abwehrspray ansetzen. Verwenden Sie dazu 500 ml Wasser und zehn Tropfen Zirbenöl. Das Spray können Sie auch bedenkenlos für die Betttextilien und die Matratze verwenden. Auch Ultraschallstecker und -geräte gegen Milben sind erhältlich. Diese senden Ultraschallimpulse aus, welche die Milben stören und in Ihrer Fortpflanzung hemmen sollen. Die Zahl der Milben soll so stetig sinken. Spezielle Handstaubsauger mit UV-C-Licht sollen beim Absaugen der Matratze eine sterilisierende Wirkung haben und die Milben zuverlässig entfernen. 

Wenn Kinder an der Allergie erkranken

Da sich die Allergie häufig bereits im Säuglings- und Kleinkindalter erstmals bemerkbar macht, gibt es sehr viele junge Patienten. Die Leidensfähigkeit der Kinder wird auf eine harte Probe gestellt, vor allem wenn das Krankheitsverständnis noch wenig ausgeprägt ist. Etwa jedes fünfte Kind in Deutschland hat bereits Antikörper gegen die Milben gebildet und diese im Immunprogramm als gefährlich eingestuft. Das Risiko, dass sich daraus im Laufe der Jahre eine Allergie entwickelt, ist somit deutlich erhöht.

Das Kinderbett ist für die Milben besonders attraktiv. Kleine Kinder haben eine längere Schlafdauer als Erwachsene und verlieren entsprechend mehr Hautschuppen in der Nacht. Hinzu kommt, dass Kinder sehr gerne Kuscheltiere im Bett haben oder weitere Textilien, wie zum Beispiel Bettumrandungen oder zusätzliche Kuscheldecken. Eine entsprechende Wärme und Feuchtigkeit durch das Schwitzen des Kindes macht es den Milben zusätzlich sehr angenehm. 

Sollten Sie bei Ihrem Kind Symptome feststellen und eine Allergie vermuten, sollten Sie zügig den Kinderarzt aufsuchen. Wie bei Erwachsenen auch wird mit Hilfe von Prick- und Bluttest eine Allergie diagnostiziert. Leider müssen die Kinder sich dann an die gleichen Verhaltensregeln halten wie erwachsene Patienten, was sich insbesondere bezüglich der Kuschelutensilien oft als schwierig herausstellt. 

Verbieten Sie Ihrem Kind nicht alle Kuscheltiere. Einigen Sie sich auf ein oder zwei Exemplare, die mit in den Schlafbereich dürfen. Idealerweise wählen Sie Stofftiere, die es aushalten, bei 60 Grad gewaschen zu werden. Dann kann das Tier einmal die Woche in die Waschmaschine und anschließend zurück ins Kinderbett. Ist dies nicht möglich, bleibt nur der Weg in das Tiefkühlfach und ein anschließendes Waschen bei niedriger Temperatur. Allergiebettwäsche und Matratzenbezüge gibt es selbstverständlich auch für Kinderbetten. 

Auch die Behandlung der Allergie unterscheidet nicht zwischen Kindern und Erwachsenen. Antihistaminika in jedweder Form oder die Hyposensibilisierung sind auch bei Kindern anwendbar. Letztere sollte vor allem dann durchgeführt werden, wenn die anderen Maßnahmen nicht greifen oder die Symptome stark ausgeprägt sind. Kinderärzte raten, damit nicht zu lange zu warten, um Folgeerkrankungen wie allergisches Asthma zu vermeiden. Im Idealfall bekommen die Kinder mit sechs Jahren ihre erste Spritze. Noch nicht ausreichend Erfahrungswerte gibt es zum Verfahren, bei dem die Kinder die Allergene unter die Zunge bekommen. Diese kinderfreundlichere und schonendere Variante könnte zukünftig mehr zum Zug kommen. Etwa 70 Prozent der kleinen Patienten profitieren von der Behandlung in Form von deutlicher Symptomverbesserung oder gar ein gänzliches Verschwinden der Allergie. 

Was Sie noch über Milben wissen sollten

  • Hausstaubmilben können weder beißen noch springen. Sie sind für Menschen ohne Allergie völlig ungefährlich.
  • Die Spinnentiere sind keine Überträger von Krankheiten.
  • Ab einer Höhe von 1.500 Metern über dem Meeresspiegel ist die Milbenpopulation wesentlich geringer.
  • Ab einer Höhe von 1.800 Metern über dem Meeresspiegel gilt die Umgebung als milbenfrei.
  • Milben lieben eine Luftfeuchtigkeit von 60 bis 75 Prozent. Unter 50 Prozent und über 80 Prozent fühlen sie sich deutlich weniger wohl und vermehren sich wesentlich langsamer. 
  • Im Laufe ihres Milbenlebens produzieren sie Ausscheidungen in Höhe des 200-fachen ihres Körpergewichtes.
  • Silberfische, der Bücherskorpion und die Cheyletus ernähren sich von Milben.
  • In einem durchschnittlichen Bett befinden sich bis zu 2 Millionen Milben.

Fazit

Eine Hausstaubmilbenallergie ist lästig und kann ernstzunehmende Folgen haben. Um eine medikamentöse Behandlung möglichst zu vermeiden oder um nur selten auf Medikamente zurückgreifen zu müssen, können Sie aber selbst viele Maßnahmen ergreifen. So können Sie auf natürlichem Weg eine Linderung erreichen und Spätfolgen abwenden. In Fällen mit starker Symptomausprägung und hohem Leidensdruck empfiehlt sich häufig eine Hyposensibilisierung, insbesondere bei Kindern. Lassen Sie sich hier von Ihrem Arzt oder Kinderarzt ausgiebig beraten.

Autor: Thomas Paals

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