Irisdiagnose

Die Kunst, in den Augen zu lesen

Die Irisdiagnose oder Augendiagnose ist ein wichtiges, seit vielen Jahren bewährtes Diagnoseverfahren der Naturheilmedizin. Besonders wertvoll ist die Irisdiagnose, wenn es darum geht, die Konstitution eines Menschen – seine Stärken und Schwächen – zu erfassen, Ursachen chronischer Krankheiten auf den Grund zu gehen, diese zu behandeln oder zu vermeiden.

Was ist Irisdiagnose?

Die Irisdiagnose ist ein naturheilmedizinisches Diagnoseverfahren, das auf der Betrachtung der Iris (Regenbogenhaut) basiert. Ziel der Irisdiagnostik es, aus der Betrachtung der Iris, ihrer Farbe und Strukturen, Ursachen und Hintergründe von Erkrankungen zu erkennen und damit möglichst vielversprechende Wege für eine ganzheitliche Therapie zu finden.
Die meisten Iridiologen nutzen hierfür nicht nur Zeichen der Iris, sondern sie betrachten und interpretieren das gesamte Auge und seine Umgebung inklusive Lederhaut (der weiße Teil des Auges, Sklera), Augenlider, Wimpern usw. Daher spricht man sehr häufig auch von Augendiagnose.

Geschichte der Irisdiagnose

Schon im alten China und bei Hippokrates finden sich Aufzeichnungen zu Beobachtungen anhand des Blicks in die Augen. Aber erst sehr viel später, nämlich Ende des 19. Jahrhunderts, haben der ungarische Arzt Ignaz von Peczely und der schwedische Pastor Nils Liljequist in etwa zeitgleich systematisch Aufzeichnungen zu ihren Erkenntnissen aus der Iris gemacht. Ausgehend davon wird die Augendiagnose seither in Deutschland intensiv betrieben und weiterentwickelt.
Einige wichtige Lehrer und Therapeuten sind Pastor Felke (Lehmpastor), Magdalene Madaus, Rudolf Schnabel, Josef Angerer, Josef Deck und viele andere. Auch in anderen Ländern wird die Iridologie systematisch durchgeführt und erweitert, so z.B. in den USA, England, Frankreich, Italien und Spanien. Bei uns wird sie meistens von Heilpraktikern, seltener von Ärzten für Naturheilverfahren angeboten.

Irisdiagnostik in der Praxis

Erste Informationen lassen sich bereits mit bloßem Auge oder einer Lupe aus der Iris bzw. dem Auge gewinnen. So gibt z.B. die Farbe der Iris erste Hinweise auf die Konstitution eines Menschen.
Therapeuten, die die Irisdiagnose regelmäßig nutzen, verwenden für die Untersuchung ein spezielles Gerät, das Irismikroskop. Mit diesem betrachtet der Iridologe unter anderem die Form und Größe der Pupille sowie Strukturen und Farbabweichungen (Pigmente) innerhalb der Iris. Ein wichtiges Instrument bei der Interpretation dieser Zeichen sind sogenannte Iriskarten (Topografien), in denen Bezugsorte zu bestimmten Organen detailliert eingetragen sind. Sie helfen dem Iridologen dabei, von der Lage eines Zeichens innerhalb der Iris auf damit korrespondierende Organe und Organsysteme zu schließen und somit Zusammenhänge zwischen einem Symptom und möglichen Ursachen herzustellen.
Die Irisdiagnose selbst benötigt in der Regel nur wenige Minuten. Zur Dokumentation und dem Nachverfolgen von Veränderungen kann der Iridologe wichtige Zeichen und Organbezüge in spezielle Karten eintragen oder Fotos der Augen machen.

Hauptanwendungsgebiete

Eine wichtige Domäne der Naturheilmedizin ist die Suche nach den Ursachen einer Erkrankung. Schließlich ist das Verständnis der Hintergründe und Zusammenhänge einer Krankheit, eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche und nachhaltige ganzheitliche Therapie.
Genau hier liegt die große Stärke der Irisdiagnose. Die Augendiagnose ermöglicht auf einzigartige Weise einen Einblick in die konstitutionellen Zusammenhänge eines Menschen, in seine Reaktionsmuster und funktionellen Schwachstellen. Auf diese Weise liefert die Irisdiagnose Informationen, die wir so mit keiner anderen Diagnostik erhalten und die insbesondere für eine erfolgreiche Therapie chronischer Krankheiten von zentraler Bedeutung sind. Die Irisdiagnose kann gleichermaßen zur ursächlichen Behandlung von Erkrankungen (Blick hinter die Kulissen) und zur Prävention hilfreich sein.

Beispiel Migräne

Folgendes Beispiel soll den „Blick hinter die Kulissen“, also die kausalen Zusammenhänge der Entstehung einer Krankheit oder eines Symptoms verdeutlichen. Migräne wird in der „Schulmedizin“ zumeist mit Schmerzmitteln bzw. speziellen Migränetherapeutika behandelt. Dazu kommen unterstützende Maßnahmen wie Bewegungs- und Entspannungsübungen. Naturheilkundlich betrachtet gibt es mehrere Ursachen für eine Migräne, so zum Beispiel das Leber-Galle-System, den Urogenitalbereich und den Magen. Nicht immer spürt der Patient an diesen Organen eine Störung. Aber wir können die funktionelle Schwäche im Auge sehen. Falls sich ein Zusammenhang zur Leberfunktion zeigen sollte, so wird die Migränebehandlung neben homöopathischen oder pflanzlichen Schmerzmitteln beispielsweise auch ein Lebermittel und begleitende Maßnahmen wie feucht-warme Wickel oder Schröpfen am Leberrand beinhalten. So kann die Migräne durch Stärkung der Leberfunktion ausgeheilt werden und eine symptomatische Behandlung ist nicht mehr nötig.

Möglichkeiten und Grenzen der Irisdiagnose

Trotz ihres großen Potenzials kann eine Augen- oder Irisdiagnose keine allgemein praktizierte medizinische Diagnostik ersetzen. Das Auge liefert wenig Informationen über aktuelle Erkrankungen, gibt dafür aber umso mehr Einsicht in die Hintergründe und den Entstehungsweg chronischer Beschwerden. So wird eine ursächliche Behandlung ermöglicht, die nicht nur Symptome therapiert, sondern den ganzen Menschen in den Blick nimmt und ihn konstitutionell stärkt. Dies ist vor allem im Hinblick auf die Vorbeugung chronischer Erkrankungen entscheidend.
Weil die Augendiagnose wenige aktuelle Aussagen ermöglicht, ist es sinnvoll, sie in der Praxis mit anderen diagnostischen Methoden zu kombinieren, wie z.B. der Puls- und Zungendiagnose, jeder Art von Testverfahren (kinesiologisch, bioelektrisch etc.) und der Betrachtung der organbezogenen Segmente.

Ausbildung & Forschung

In Deutschland wird die Irisdiagnose heutzutage an vielen Heilpraktikerschulen unterrichtet. Darüber hinaus gibt es derzeit drei Vereine bzw. Institute, die sich der Ausbildung und Forschung auf diesem Gebiet intensiv widmen. Wer die Irisdiagnose lernen möchte, braucht vor allem eine gute Beobachtungsgabe, Wissen über naturheilkundliche Grundlagen und Betrachtungsansätze und nicht zuletzt einen langen Atem. Die Interpretation des Befundes aus dem Auge benötigt neben dem gelernten Grundwissen auch viel Erfahrung, die man in der Praxis, aber auch durch stete Weiterbildung und den kollegialen Austausch vertiefen kann.

Verbände

Fachbücher

Autor/en dieses Beitrages:
Petra Kropf, Heilpraktiker/in aus Gars am Inn

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