Ferritin & Eisenmangel

Ferritin & Eisenmangel

Eisenmangel kennt jeder, aber Ferritin?? Am Ferritin-Wert im Blut erkennt der Arzt, wie viel Eisen in Ihrem Körper vorhanden ist und wie gut Ihre Eisenspeicher gefüllt sind. Das macht Ferritin nicht nur wichtig für die Diagnose eines Eisenmangels, sondern auch zu einem wichtigen Instrument, um z.B. den Erfolg einer Eisenmangel-Therapie zu verfolgen. Darüber hinaus kann ein erhöhter oder erniedrigter Ferritin-Wert auf verschiedene Krankheiten hinweisen …

Dr. med. Frank Jaschke
„Der Ferritin-Wert im Blut zeigt, wie gut unsere Eisenspeicher gefüllt sind und sollte bei jeder Eisentherapie regelmäßig kontrolliert werden.“

Praxis Dr. Jaschke - Internistische Hausarztpraxis und Gemeinschaftspraxis
Tel: 0611-601516
Friedrichstraße 34
65185 Wiesbaden

Was ist Ferritin?

Mancher von Ihnen kennt sicher den Ferritin-Wert als einen Laborwert, den der Arzt aus Ihrem Blut bestimmt hat. Ferritin ist ein wichtiger Eisenspeicher in unserem Körper. Sein Gehalt im Blut zeigt dem Arzt, wie gut Ihre Eisenspeicher gefüllt sind. Rund 20 % des Eisens in unserem Körper sind an Ferritin gebunden. Den Rest finden wir v.a. als Hämoglobin in den roten Blutkörperchen oder als Myoglobin in Muskeln.

Namensgebend für das große Eiweißmolekül ist das Eisen selbst (lat. ferrum = Eisen). Im Körper finden wir Ferritin v.a. in der Leber, der Milz und im Knochenmark – und im Blut, wo sein Gehalt bequem bestimmt werden kann.

Welcher Ferritin-Wert ist normal?

Je nach Labor können die angegebenen Normwerte für Ferritin durchaus schwanken. Typische Normwerte für den Ferritingehalt im Blut liegen bei 15-250 ng/ml für Frauen bzw. 20-500 ng/ml für Männer.

Soweit die deutschen Normwerte. Schaut man sich die amerikanische Literatur an, so gilt dort bereits ein Wert unter 40 ng/ml als zu niedrig (latenter Eisenmangel, Eisenmangel ohne Blutarmut). Bei unter 20 ng/ml geht man dort von einem Eisenmangel mit milder, unter 10 ng/ml mit schwerer Blutarmut aus.

Letztendlich ist aber jeder Fall individuell zu sehen und die jeweilige Lebensphase (Schwangerschaft, Wachstum, durchgemachte Infekte usw.) zu berücksichtigen. So gibt es durchaus Patienten, die sogar bei Ferritin-Werten von deutlich über 40 ng/ml Symptome eines Eisenmangels aufweisen.

Wann ist der Ferritin-Wert erniedrigt?

Eisenmangel kann, muss aber nicht mit einer Anämie (Eisenmangelanämie) einhergehen. Wenn der Eisenwert zu niedrig ist, kann das viele Gründe haben:

  • unzureichende Eisenaufnahme im Darm (z.B. bei entzündlichen Darmerkrankungen, Zöliakie)
  • erhöhter Eisenverlust durch Blutungen (z.B. schwere Verletzungen, Darmgeschwüre, Darmpolypen)
  • erhöhter Eisenbedarf (z.B. Wachstum, Schwangerschaft und Stillzeit)
  • Mangel- oder Fehlernährung (z.B. Alkoholmissbrauch, vegetarische Ernährung)
  • Eiweißverlust (z.B. bestimmte Nierenkrankheiten)

Welche Symptome zeigen sich bei Eisenmangel?

Wenn Eisen knapp wird, muss der Körper mit dem wenigen, was er hat, gut haushalten. Offensichtlich hat die Blutbildung bei der Eisenversorgung eine hohe Priorität. Sie wird bei Eisenmangel zuletzt eingeschränkt. Das bedeutet, dass andere Symptome eines Eisenmangels schon lange vorhanden sein können, bevor der Eisenmangel im normalen Blutbild sichtbar wird. Zu den typischen Anzeichen eines Eisenmangels gehören u.a.:

  • Erschöpfung, Kraftlosigkeit
  • Stimmungstiefs
  • Schwindel
  • Ohrgeräusche / Ohrensausen (Tinnitus)
  • Potenzstörungen
  • Haarausfall & rissige Nägel
  • Infektanfälligkeit

Kann der Ferritin-Wert auch zu hoch sein?

Durchaus! Einen erhöhten Ferritin-Wert können wir z.B. finden bei

  • Eisenüberladung durch häufige Bluttransfusionen oder bei Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)
  • gestörter Blutbildung
  • verschiedenen Grunderkrankungen (z.B. möglich bei schweren Leberschäden, chronischen Entzündungen, Tumoren)
  • zu hoher Dosierung von Eisenpräparaten

Warum ist die Ferritin-Kontrolle so wichtig?

Ohne Frage: unser Körper braucht Eisen – aber in der richtigen Menge!

Eisen ist ein ganz zentrales Spurenelement, wenn es um die Sauerstoffaufnahme und den Sauerstofftransport geht. Es wird für die Energiegewinnung der Zellen ebenso benötigt wie für Enzyme. Wenn wir zu wenig Eisen haben, fühlen wir uns schlapp und müde. Insbesondere Frauen, die über die Regelblutung immer wieder Eisen verlieren, sind von einem Eisenmangel betroffen. In Deutschland sollen 20 % der Frauen im gebärfähigen Alter unter Eisenmangel leiden, bei den Männern sind es deutlich weniger. Nach unserer Erfahrung dürfte der Anteil der Frauen, die im gebärfähigen Alter unter Eisenmangel leiden, jedoch um ein Vielfaches höher liegen.

Doch auch zu viel Eisen ist schädlich. Wenn übermäßig Eisen zugeführt wird, kann dies z.B. zu Schäden an Bauchspeicheldrüse, am Herzmuskel, an Hormondrüsen wie der Schilddrüse und an Gelenken führen.

Deshalb sollte während einer Eisentherapie mit Eisentabletten oder -infusionen immer wieder kontrolliert werden, wie es um die Eisenversorgung und den Eisenspeicher bestellt ist. – Womit wir wieder beim Ferritin-Wert wären. Denn nur dieser liefert – anders als z.B. das Blutbild oder der Hämoglobingehalt des Blutes – eine zuverlässige Aussage über den Füllungszustand unserer Eisenspeicher. Wie unzuverlässig das Blutbild bei der Beurteilung der Eisenversorgung ist, zeigt Folgendes: Bei einem Ferritin-Wert von 9 ng/ml – und damit einem klaren Eisenmangel – ist das Blutbild bei den meisten Patienten noch gänzlich unauffällig. Veränderungen treten bei vielen erst bei Werten unter 5 oder 6 ng/ml auf – wenn also bereits ein schwerer Eisenmangel besteht.

Was tun bei zu niedrigem Ferritin-Wert?

Wenn die Eisenvorräte zu niedrig sind, gilt es zunächst nach den Ursachen zu forschen und diese zu bekämpfen (Grunderkrankungen, Ernährung). Günstig sind v.a. tierische Lebensmittel mit hohem Eisenanteil (rotes Fleisch), da das Eisen aus diesen besser verwertet werden kann. Lebensmittel, deren Inhaltsstoffe die Eisenaufnahme hemmen (z.B. Tee, Kaffee, Getreide, Kleie, Hülsenfrüchte, Nüsse, Sojaeiweiß, Milcheiweiß) sollten nicht gemeinsam mit eisenreicher Nahrung kombiniert werden. Günstig wirkt sich dagegen Vitamin C (Obst, Paprika) auf die Eisenaufnahme aus.

Erfahrungsgemäß ist darüber hinaus in vielen Fällen die zusätzliche Zufuhr von Eisen erforderlich. Diese kann in Form von Tablette bzw. Kapseln oder als Infusion erfolgen. Die Aufnahme über Tabletten oder Kapseln beschränkt sich dabei im Wesentlichen auf leichtere Formen des Eisenmangels. Zudem klagen viele Patienten über Verdauungsprobleme auf Grund solcher Eisenpräparate. Ungeeignet sich über den Mund aufgenommene Eisenpräparate in allen Fällen, in denen die Eisenaufnahme im Darm gestört ist (z.B. chronische Darmerkrankungen, Zöliakie). In unserer ganzheitsmedizinischen Praxis hat sich daher in den meisten Fällen die Eiseninfusion als Mittel der Wahl herauskristallisiert.

Was tun bei zu hohem Ferritin-Wert?

Auch hier gilt wieder: zunächst einmal die Grunderkrankung behandeln. Darüber hinaus können Aderlässe sinnvoll sein.

Literatur

  • Prof. Stanley L. Schrier von der Stanford University School of Medicine in medizinischen Internet-Datenbank uptodate.com (Juni 2010) zu den Ferritin-Werten

Kommentare

Online-Redaktion, 18.07.2018:
Liebe Katrin,
die Kontaktdaten unserer Experten finden Sie beim Klick auf "> Mehr Infos im Experten-Profil" in dem grünen Kasten unter dem Foto des Experten. In diesem Fall unter https://www.naturheilmagazin.de/profil/frank-jaschke.html
Viel Erfolg wünscht Ihnen
Ihre Online-Redaktion
Katrin, 17.07.2018:
Guten Tag,seit Jahren leide ich unter Eisenmangel und deren negativen Folgen wie Müdigkeits, Stimmungstiefs, vermindertes Leistungsvermögen, Schwindel und Erschöpfungszustände. Mein Hausarzt verschreibt mir stets Eisentabletten, die kurzzeitig helfen. Von seiner Seite aus sind weder Kontrollen noch weitere Grunduntersuchungen durchgeführt worden. So dass die gravierenden Mangelergebnisse immer erst durch meine Arztbesuche und Checkwünsche aufgefallen sind. Bei einem Arztwechsel ist es mir nicht anders ergangen.Ich bin aufgrund der jahrelangen negativen Folgen auf meine Lebensqualität inzwischen ziemlich verzweifelt.Sie schreiben davon, dass in Ihrer ganzheitsmedizinischen Praxis auch Eiseninfusionen verabreicht werden.Wo finde ich Sie und wie kann ich zu Ihnen Kontakt aufnehmen?Ich bedanke mich im Voraus.Mit freundlichen GrüßenKatrin
Dr. Frank Jaschke aus Wiesbaden, 28.06.2018:
Hallo, Frau Wächter,
Ihren Ferritinwert sollten Sie natürlich bald auf »männliche« ;-) Werte anheben. Das wissen Sie ja als Heilpraktikerin.
Nun zu den Ferritinwerten Ihrer Tochter: Ferritin ist auch ein sogenanntes »Akute-Phase-Protein«. Akute-Phase-Proteine sind Eiweißstoffe, die im Rahmen einer Immunreaktion vermehrt im Blut auftauchen. Sie sollen unter anderem helfen, die Ausbreitung der Entzündung zu verhindern und die Immunabwehr zu unterstützen.
Möglicherweise sind die Ferritinwerte bei Ihrer Tochter erhöht, weil sich im Körper Entzündungsvorgänge abspielen. Denkbar wären beispielsweise Entzündungen an der Darmschleimhaut. Die Erhöhung des Ferritinwertes wäre dann nicht im Sinne einer Eisenüberladung zu werten. Sind Entzündungen wesentliche Ursache eines erhöhten Ferritinspiegels, sollte auch die Transferrinsättigung niedrig sein.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiter helfen.
Freundliche Grüße
Dr. Frank Jaschke
Dr. Frank Jaschke aus Wiesbaden, 28.06.2018:
Hallo, Ursula,
ich habe leider keine belastbaren Informationen zur Rolle genetischer Faktoren bei niedrigem Ferritin-Spiegel finden können. In erster Linie ist die Ursache für erniedrigte Ferritin-Spiegel aber ein manifester oder versteckter Eisenmangel.
Dr. Frank Jaschke
Simone Wächter aus Nordwalde, 20.06.2018:
Hallo Herr Dr. Jaschke,
aufgrund meiner Tätigkeit als Heilpraktikerin bin ich auf die Ausführungen von Dr. Schaub aus der Schweiz zum Thema Ferritin gestoßen. Mein Hb-Wert war immer in der Norm und trotzdem habe ich mittlerweile einen Ferritin-Wert von 10. Darauf bin ich gestoßen, weil ich diese Untersuchung selber in einem Labor in Auftrag gegeben habe. Mein Hausarzt hielt diese Untersuchung nicht für nötig, da der Hb ja in der Norm wäre. Viel schwieriger finde ich die Beurteilung eines zu hohen Ferritin-Wertes. Mein Tochter (12 Jahre) ist mittlerweile aufgrund einer Reizdarmsymptomatik seit fast 3 Jahren krank. Sie hat letztes Jahr aufgrund einer unerkannten Histamininteroleranz sehr viel abgenommen, da sie eine Dauerübelkeit entwickelt hat. Ihr Ferritin-Wert liegt immer weiter über der Norm. Werte von 140 bis 200 sind bei ihr die Regel (sie wiegt dabei lediglich 40 kg). Ihr Internist hat einen Gentest auf Hämochromatose in Auftrag gegeben, negativ. Ihr Kinderarzt sagt, wenn der Hb unaufällig ist und lediglich der Ferritin-Wert erhöht, wäre das nicht aussagekräftig. Vielleicht könnten Sie mir dazu eine kurze Einschätzung zukommen lassen, wie Sie das beurteilen. Mit freundlichen Grüßen
Simone Wächter
Dr. Frank Jaschke aus Wiesbaden, 12.06.2018:
Hallo, Frau Ackermann,
selten geht es einem Menschen mit einem Ferritin-Wert von 25 ng/ml wirklich gut: schon bei Werten unter 50 ng/ml nehmen die Eisenmangelsymptome rapide zu. Die von Ihnen geschilderten Beschwerden könnten durchaus mit einem latenten Eisenmangel zusammen hängen. Es würde sich also lohnen, Ihren Ferritinwert auf »männliche« Werte, also über 100 ng/ml anzuheben. Unter diesem Link finden Sie Eisenzentren, die von Dr. Schaub aus Basel geschult sind: http://www.eisenzentrum.org/ez/daten/index-Dateien/Page1170.htm
Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen bald deutlich besser geht.
Freundliche Grüße aus Wiesbaden
Dr. Frank Jaschke
Johanna Ackermann aus Dachau, 30.05.2018:
Hallo,

meine Hausärztin sagt immer noch das ein Ferritin Wert von 25 super ist. Ich bin aber oft müde, habe einen Tinnitus und nehme oft Krankheiten mit. Kann dies vielleicht am Ferritinewert liegen? Wo gibt es einen guten Arzt in München den man sich als Kassenpatienten leisten kann?
Ursula, 16.05.2018:
Kann ein niedriger Ferritinspiegel genetisch bedingt sein?
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