Aromatherapie beim Zahnarzt So helfen ätherische Öle bei Angst, Zahnschmerzen und Entzündungen

Ob bei Zahnarztangst oder Entzündungen: Die Zahnärztin Dr. Edith Nadj-Papp zeigt, wie die Aromatherapie in der ganzheitlichen Zahnmedizin gezielt eingesetzt wird. Ätherische Öle können Behandlungen ergänzen, Schmerzen lindern und das Zahnfleisch unterstützen – in der Zahnarztpraxis ebenso wie zu Hause.

Edith Nadj-Papp
MA, MBA, MSc, MSc, BSc
Edith Nadj-Papp
MA, MBA, MSc, MSc, BSc
„In unserer Zahnarztpraxis erlebe ich immer wieder, wie wohltuend es für Patientinnen und Patienten ist, wenn zahnmedizinische Behandlungen ganzheitlich begleitet werden. Die Aromatherapie bietet wertvolle Hilfe – etwa bei Entzündungen, Schmerzen oder Anspannung.“

Aromatherapie in der ganzheitlichen Zahnmedizin

Der Besuch in der Zahnarztpraxis ist für viele Menschen mit Anspannung, Angst und innerer Unruhe verbunden. In der ganzheitlichen Zahnmedizin haben wir nicht nur Zähne und Zahnfleisch im Blick, sondern auch das körperliche und seelische Gleichgewicht. Entsprechend wichtig ist es uns, dass sich alle Patienten bei uns möglichst wohlfühlen und die Behandlung gut vertragen wird. Dabei kann die Aromatherapie überaus hilfreich sein. 

Je nach Zusammensetzung wirken ätherische Öle nicht nur auf die Psyche, sondern können auch unerwünschte Bakterien in Schach halten und Entzündungen lindern. 
 

Was ist Aromatherapie?

Die Aromatherapie nutzt leicht flüchtige, ätherische Öle zur gezielten Unterstützung von Körper und Psyche. Zum Einsatz kommen hochkonzentrierte Pflanzenessenzen, die aus Blüten, Blättern, Rinden, Wurzeln oder Schalen gewonnen werden. 

Der gezielte Einsatz ätherischer Öle hat eine lange Tradition. Schon vor Tausenden von Jahren wurden Pflanzenöle etwa in Ägypten verwendet. 

Heute werden etwa 300 ätherische Öle therapeutisch genutzt und differenziert nach ihren jeweiligen Eigenschaften eingesetzt. Angewendet werden sie v.a. über die Luft (Inhalieren), auf der Haut (Auflagen, Massagen, Einreibung) oder Schleimhaut.

Aromatherapie in der Zahnarztpraxis

Nach meiner Erfahrung wünschen sich viele Patientinnen und Patienten neben einer fachlich fundierten zahnmedizinischen Behandlung eine sanfte, ganzheitliche Begleitung. Die Aromatherapie kann dazu beitragen, Ängste abzubauen, Stress zu reduzieren, Behandlungen besser verträglich zu machen und ihre Wirkung zu verbessern.

Wichtig für den Erfolg ist die Wahl hochwertiger, naturreiner ätherischer Öle und Erfahrung mit ihrer Anwendung.

Wohlfühlen im Wartezimmer

Schon beim Betreten der Praxis kann ein dezenter Raumduft beruhigend wirken. Im Wartezimmer setze ich besonders gern Bergamotte, Lavendel oder Orange als Düfte ein. Für eine erfrischende Wirkung sorgen Orange, Zitrone oder Minze. Zwei Tropfen des jeweiligen Öls genügen.

Aromaöle bei Angst und innerer Anspannung

Viele Patientinnen und Patienten reagieren auf den Zahnarztbesuch mit Unruhe, erhöhter Muskelspannung oder vegetativen Stresssymptomen. Hier können beruhigende Aromaöle wie Lavendel oder Melisse wertvolle Dienste leisten. Über den Geruchssinn wirken sie auf das vegetative Nervensystem und das emotionale Zentrum im Gehirn. So lassen sich Stressreaktionen dämpfen, die Atmung vertiefen und die innere Anspannung reduzieren. 

Geeignete ätherische Öle:

  • Angst und Zahnarztphobie:
    Melisse, Basilikum, Geranium, Kamille, Sandelholz, Kiefernöl, Pfefferminzöl, Nelkenöl
  • Stressabbau:
    Baldrian, Bergamotte, Ingwer, Jasmin, Kamille, Lavendel, Majoran, Melisse, Rose, Rosmarin, Sandelholz
  • Muskuläre Spannungen lösen:
    Basilikum, Eukalyptus, Kamille, Lavendel, Melisse, Nelke, Orange, Pfefferminze, Rose, Rosmarin, Salbei, Thymian, Ysop, Zimt, Zypresse

Die ätherischen Öle können sowohl im Wartebereich als auch während der Behandlung eingesetzt werden und den Zahnarztbesuch gerade für sehr angespannte Patientinnen und Patienten deutlich angenehmer machen.

Aromaöle bei Zahnschmerzen

Ätherische Öle können die zahnärztliche Behandlung sinnvoll ergänzen. So können schmerzlindernde und antimikrobielle Aromaöle Entzündungen reduzieren und akute Beschwerden mildern.

Geeignete ätherische Öle:

  • Nelke, Bergamotte, Kamille, Lavendel, Teebaum, Thymian, Walnuss, Zimt

Bei Zahnschmerzen arbeite ich besonders gern mit Nelkenöl, das zugleich schmerzlindernd und desinfizierend wirkt.

Aromaöle bei Zahnfleischproblemen

Bei entzündetem Zahnfleisch kommen vor allem ätherische Öle zum Einsatz, die desinfizierend (antibakteriell / antiviral) wirken und/oder die Regeneration des Zahnfleisches unterstützen. 

Geeignete ätherische Öle:

  • Salbei, Lemongras, Thymian, Teebaum, Nelke, Orange, Pfefferminze als Einzelpräparate
  • Spezielle Ölmischungen

Sie können vorbeugend, begleitend oder nach einer Parodontitis-Therapie angewendet werden. Je nach Fall werden sie allein oder ergänzend zu einem Antibiotikum eingesetzt.

Um gezielt wirksame Öle auszuwählen, kann ein spezieller mikrobiologischer Labortest durchgeführt werden – das sogenannte Aromatogramm. Es zeigt, welche ätherischen Öle besonders gut gegen die beteiligten Erreger (Bakterien oder Pilze) wirken. Auf dieser Basis lassen sich individuelle Ölmischungen zusammenstellen, die z.B. im Rahmen der Parodontitis-Therapie auch zu Hause weiter angewendet werden können. 

Selbsthilfe mit Aromaölen – was Sie selbst zu Hause tun können

Aromaöle können Sie auch zu Hause für sich nutzen. Wichtig: Ätherische Öle ersetzen keine zahnmedizinische Behandlung, können aber helfen, Beschwerden zu lindern.

Aromaöle bei Zahnschmerzen

Bei akuten Zahnschmerzen hat sich insbesondere das ätherische Öl der Nelke bewährt. Es kann kurzfristig Erleichterung verschaffen und ggf. die Zeit bis zum Zahnarzttermin überbrücken helfen. Dazu ein bis zwei Tropfen hochwertiges Nelkenöl auf ein Wattestäbchen geben und vorsichtig an die schmerzende Stelle tupfen.

Aromaöle bei Zahnfleischproblemen

Bei empfindlichem oder gereiztem Zahnfleisch können Sie ätherische Öle von Salbei, Thymian, Teebaum, Pfefferminze oder Orange verwenden. Dazu einen Tropfen ätherisches Öl in einem Trägeröl oder in Wasser verdünnen und die Mischung zum Spülen oder zur punktuellen Pflege des Zahnfleisches verwenden.

Aromaöle zum Wohlfühlen und Entspannen

Stress und innere Anspannung wirken sich häufig auch auf den Kiefer und Nacken aus. Beruhigende Düfte können helfen, zur Ruhe zu kommen und Spannungen zu reduzieren. Besonders gut eignen sich hier Lavendel, Melisse, Bergamotte oder Orange. Zum Einatmen (Inhalieren) einige Tropfen des ätherischen Öls auf ein Taschentuch geben oder in einer Duftlampe verwenden und bewusst ein paar ruhige Atemzüge nehmen.

Je nach Duft lassen sich unterschiedliche emotionale Bedürfnisse ansprechen:

  • Zum Stressabbau: Lavendel, Melisse, Rose
  • Bei innerer Anspannung: Sandelholz, Vanille
  • Bei Angst: Melisse, Mandarine
  • Für mehr Vertrauen: Lavendel, Rose
  • Bei Traurigkeit: Bergamotte, Grapefruit, Jasmin

Aromaöle für den Geist

  • Zur Förderung der Kreativität: Rose, Zimt
  • Für Inspiration und geistige Wachheit: Lemongras, Zitrone, Rosmarin
  • Für neuen Schwung: Muskatellersalbei, Rosmarin, Zitrone

Das sagt die Wissenschaft

Ätherische Öle bestehen aus einer Vielzahl biologisch aktiver Inhaltsstoffe. Diese können über die Haut und die Atemwege aufgenommen werden und im Körper messbare Effekte erzielen. Vor allem Monoterpene wie Menthol, Linalool oder Limonen können die Schmerzwahrnehmung dämpfen, Entzündungen beeinflussen und die Muskelspannung lösen.

Die schmerzlindernde Wirkung verschiedener ätherischer Öle wurde in zahlreichen Studien untersucht – unter anderem bei Muskel- und Gelenkschmerzen, Migräne, Menstruationsbeschwerden, nach Operationen oder während der Geburt. In vielen Fällen zeigte sich eine signifikante Schmerzlinderung und teilweise ein geringerer Bedarf an Schmerzmitteln.

Nachweislich antientzündlich und schmerzstillend wirken:

  • Basilikum
  • Citronella
  • Garten-Bohnenkraut
  • Gewürznelke
  • Ingwer 
  • Kamille (Deutsche Kamille)
  • Lemongras
  • Zitrone 
  • Zitroneneukalyptus [Zimmermann, 2022]

Auch die antibakterielle Wirkung ätherischer Öle – selbst bei Problemkeimen und multiresistenten Keimen – ist gut belegt [Reichling, 2014; Iskandar et al., 2025]
 

Wichtige Hinweise zur Anwendung

  • Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenessenzen und sollten niemals unverdünnt oder unkritisch angewendet werden. Öle immer sparsam verwenden.
  • Achten Sie auf hochwertige, naturreine Öle.
  • Nach dem Öffnen die Fläschchen das Öl am besten kühl und lichtgeschützt aufbewahren.
  • Bei anhaltenden Beschwerden, starken Schmerzen oder Entzündungen ist immer eine zahnärztliche Abklärung erforderlich.

Qualität ätherischer Öle – worauf es ankommt

Nicht jedes Öl, das gut riecht, eignet sich auch für die Aromatherapie. Minderwertige oder verfälschte Produkte können die gewünschte Wirkung verfehlen oder unerwünschte Reaktionen hervorrufen. 

  • Hochwertige ätherische Öle stammen aus natürlichen Pflanzenrohstoffen und werden schonend gewonnen, etwa durch Wasserdampfdestillation oder Kaltpressung.
  • Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist die Reinheit. Gute ätherische Öle enthalten keine synthetischen Zusätze, Streckmittel oder künstlichen Duftstoffe. 
  • Verwenden Sie möglichst nur Öle in Bio-Qualität. So verringern Sie Rückstände von Pestiziden oder anderen Schadstoffen. Das ist besonders wichtig, wenn Sie das Öl im Mund anwenden wollen.
  • Auf dem Etikett sollte die botanische Bezeichnung der Pflanze angegeben sein (s. Tabelle), da unterschiedliche Pflanzenarten oder Varietäten sich in ihrer Wirkung deutlich unterscheiden können.
  • Herkunft, Anbau und Erntezeitpunkt bestimmen, welche Inhaltsstoffe in welcher Konzentration enthalten sind und wie gut ein Öl vertragen wird. Für die Anwendung in der Zahnmedizin ist daher Erfahrung bei der Auswahl geeigneter Öle wichtig. [Werner, 2023]

Botanische Bezeichnungen

Deutscher Pflanzenname Botanische Bezeichnung
Basilikum Ocimum basilicum
Bergamotte Citrus bergamia
Estragon Artemisia dracunculus
Eukalyptus Eukalyptus globulus
Fenchel Foeniculum vulgare var. dulce
Geranie Pelargonium graveolens
Kamille Chamaemelum nobile
Latschenkiefer Pinus mugo
Lavendel Lavandula angustifolia
Minze Mentha piperita
Muskatellersalbei Salvia sclarea
Myrrhe Commiphora myrrha
Nelke Syzygium aromaticum
Orange Citrus sinensis
Pfefferminze Mentha piperita
Rose Rosa damascena, Rosa centifolia
Rosmarin Rosmarinus officinalis
Salbei Salvia officinalis
Teebaum Melaleuca alternifolia
Thymian Thymus vulgaris
Zimt Cinnamonum verum
Zitrone Citrus limon
  • Iskandar K, et al. Essential Oils as Antimicrobial Agents Against WHO Priority Bacterial Pathogens: A Strategic Review of In Vitro Clinical Efficacy, Innovations and Research Gaps. Antibiotics. 2025; 14(12):1250. doi.org/10.3390/antibiotics14121250
  • Nadj-Papp E: Der Einsatz von ätherischen Ölen in der ganzheitlichen Zahnmedizin. Naturheilkunde Journal 7/2020, 10–12
  • Reichling J: Antibakterielle Wirkung von ätherischen Ölen unter besonderer Berücksichtigung des Problemkeims Staphylococcus aureus. Zeitschrift für Phytotherapie 2014; 35(04): 161–166
  • Werner M: Woran erkennt man die Qualität ätherischer Öle? Mind-Maps Aromatherapie. 4. Aufl. Stuttgart, Haug 2023, shop.thieme.de/Mind-Maps-Aromatherapie/9783132451216
  • Zimmermann E: Evidenzbasierte Aromatherapie bei Schmerzen. Erfahrungsheilkunde 2022; 71(03): 128–134, natuerlich.thieme.de/spezialthemen/schmerzen/detail/evidenzbasierte-aromatherapie-bei-schmerzen-1384
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