Oxyvenierung nach Regelsberger

Oxyvenierung nach Regelsberger

Wenn medizinischer Sauerstoff über Venen verabreicht wird (Oxyvenierung), wirkt dies gefäßerweiternd und entzündungshemmend – Effekte, die sich bei vielen chronischen Erkrankungen von Neurodermitis bis zu arteriellen Durchblutungsstörungen bestens nutzen lassen. Wie die Oxyvenierung wirkt und was man noch mit ihr machen kann, zeigt Ihnen unser Experte Dr. med. Frank Jaschke.

Dr. med. Frank Jaschke
"Insbesondere bei chronischen Entzündungen, arteriellen Durchblutungsstörungen und chronischer Erschöpfung möchte ich die Oxyvenierung nach Regelsberger in meiner Praxis nicht mehr missen."

Praxis Dr. Jaschke - Internistische Hausarztpraxis und Gemeinschaftspraxis
Tel: 0611-601516
Friedrichstraße 34
65185 Wiesbaden

Was ist Oxyvenierung?

Oxyvenierung ist ein komplementärmedizinisches Heilverfahren, bei dem medizinischer Sauerstoff in die Venen des Patienten eingebracht wird. Daher spricht man auch von intravenöser Sauerstofftherapie oder intravenöser Oxyvenierungstherapie (IOT). Genutzt wird die Oxyvenierung vor allem bei chronischen Erkrankungen. Bei der Entstehung der meisten chronischen Erkrankungen spielen Entzündungsvorgänge eine zentrale Rolle, die Oxyvenierung wirkt stark antientzündlich. So wird sie zum Beispiel eingesetzt

  • bei arteriellen Durchblutungsstörungen
  • bei Rheuma und Arthritis
  • bei Neurodermitis
  • bei Erschöpfungszuständen
  • bei Borreliose

Ursprung und Geschichte der Oxyvenierung nach Regelsberger

Entwickelt wurde die Oxyvenierung in den 1950er Jahren von dem Neurochirurgen Dr. med. H. S. Regelsberger. Zu dieser Zeit war Dr. Regelberger mit Forschungen zur Arsenvergiftung in der Abteilung Neurologie und Neurochirurgie der Universität Köln beschäftigt. Bei diesen Arbeiten bekam er es mit einem Hund zu tun, dessen Hirnströme im EEG (Elektroenzephalogramm) nicht mehr nachgewiesen werden konnten. Diesem Hund spritzte Regelberger Sauerstoff in die Vene. Das Ergebnis war verblüffend: Der Hund stand auf und ging zu seinem Fressnapf.

Es dürfte niemanden verwundern, dass dieses Erlebnis Regelsberger so sehr beeindruckte, dass er sich von nun an intensiv den Behandlungsmöglichkeiten mit intravenös verabreichtem Sauerstoff widmete. Das Resultat seiner Forschungen ist die Oxyvenierung.

Wie wirkt die Oxyvenierung?

Anders als viele Patienten zunächst annehmen, geht es bei der Oxyvenierung nicht um die Erhöhung der Sauerstoffkonzentration im Blut. Vielmehr löst der Sauerstoff in den Venen, in denen sonst nur sauerstoffarmes Blut fließt, einen Reiz aus, über den es dann zu weiteren therapeutisch günstigen Reaktionen im Körper kommt.

Mehr eosinophile Granulozyten

Unter der Oxyvenierung nimmt die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen zu, den sogenannten eosinophilen Granulozyten. Diese wiederum setzen das Enzym 15-Lipoxygenase-1 frei, dem antientzündliche und krebshemmende Wirkungen zugeschrieben werden. Dies könnte ein wesentlicher Wirkmechanismus der Oxyvenierung nach Regelsberger sein, der insbesondere bei chronischen Entzündungen und Allergien eine Rolle spielt.

Gefäße werden weit, das Blut verdünnt

Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass die intravenöse Sauerstofftherapie die Bildung von Prostazyklin erhöht. Prostazyklin

  • wirkt gefäßerweiternd
  • hemmt die Verklumpung von Blutplättchen („Blutverdünnung“, Hemmung der Thrombozytenaggregation)
  • wirkt antioxidativ
  • wirkt antientzündlich
  • hemmt die Metastasenbildung

Damit könnte ein wichtiger Mechanismus gefunden sein, der die Wirkung der Oxyvenierung bei arterieller Verschlusskrankheit erklärt.

Vielfältige Wirkung

Weiterhin wurden folgende Effekte der Oxyvenierung nachgewiesen:

  • Verschiebung der Sauerstoffbindungskurve nach rechts und damit erleichterte Sauerstoffabgabe ins Gewebe.
  • Verbesserung bestimmter Laborwerte (z.B. Harnsäure, Blutfette)
  • bessere Ausschwemmung von Ödemen
  • verbesserter Blutfluss in den feinsten Blutgefäßen (wie z.B. im Auge)

Hauptwirkungen der Oxyvenierung

  • stark entzündungshemmend
  • gefäßerweiternd

Wie wird die Oxyvenierung durchgeführt?

Während der Oxyvenierung liegt der Patient möglichst bequem auf einer Behandlungsliege, sein Arm ruht locker auf einem speziellen Kissen. Nun wird mit sehr dünnen Nadeln über einen Zeitraum von 10–30 Minuten reiner medizinischer Sauerstoff über die Armvene zugeführt. Insgesamt werden in dieser Zeit bei Frauen bis zu 40 ml Sauerstoff und bei Männern bis zu 60 ml verabreicht, wobei mit einer geringen Dosis begonnen wird, die von Behandlung zu Behandlung allmählich gesteigert wird.

Nach der Behandlung bleibt der Patient noch eine Weile entspannt liegen und setzt sich anschließend noch hin. Insgesamt sollte eine gute Stunde für jede Behandlungssitzung eingeplant werden.

Da die Oxyvenierung v.a. bei chronischen Erkrankungen eingesetzt wird, sollten Patienten auch mit einer etwas längeren Behandlungszeit rechnen. Behandelt wird im Idealfall fünfmal pro Woche, mindestens aber dreimal. Ein erster Behandlungszyklus umfasst in den meisten Fällen 20–25 Sitzungen. Bei chronischen Erkrankungen empfehle ich in vielen Fällen anschließend zum Erhalt des Behandlungserfolges weitere Sitzungen, die je nach Erkrankung und Einzelfall einmal pro Woche oder in einer Serie von zehn bis zwölf Behandlungen alle paar Monate durchgeführt werden.

Anwendungsgebiete der Oxyvenierung

Wichtigste Domäne der Oxyvenierung sind die chronischen Krankheiten. Allerdings können beginnende Erkältungsinfekte erfahrungsgemäß häufig gut mit der Oxyvenierung abgefangen werden. Bei mir selbst kann ich z.B. über ausgesprochen gute Erfahrungen berichten, wenn ich bei den ersten Anzeichen einer Erkältung für zwei bis drei Tage eine Oxyvenierung mache. Bisher ließ sich damit ein Praxisausfall fast immer abwenden.

Es gibt zwei Haupteinsatzgebiete der Oxyvenierung:

  • entzündliche Krankheiten
  • arterielle Durchblutungsstörungen

Nach meiner Erfahrung ist bei vielen Erkrankungen eine Kombination mit anderen Behandlungen besonders vielversprechend. Beispielsweise erreichen Infusionen häufig besser ihr Ziel, wenn zuvor eine Oxyvenierung durchgeführt wird. So wirkt bei Borreliose eine intravenöse Antibiotikagabe deutlich besser, wenn direkt vor der Infusion des Antibiotikums eine Oxyvenierungs-Sitzung erfolgt.

Nachstehend folgt eine Übersicht typischer Anwendungsgebiete der intravenösen Sauerstofftherapie:

Herz-Kreislauf-System & Gefäße

  • arterielle Durchblutungsstörungen (insbesondere periphere arterielle Verschlusskrankheit und Erkrankung feiner Gefäße bei Diabetes)
  • Lymphabfluss-Störungen (Lipödem!)
  • entzündliche Veränderungen an den Venen (z.B. oberflächliche Phlebitiden)
  • Hautulcera, “offene Beine” (Ulcus cruris)
  • Nachbehandlung (!) von Schlaganfall, Herzinfarkt
  • Blutdruckregulation bei Bluthochdruck, aber auch zu niedrigem Blutdruck

Infekte & Allergien

  • Heuschnupfen
  • chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen (gut in Verbindung mit Neuraltherapie!)
  • Asthma
  • Ekzeme (entzündliche Hauterkrankungen) wie z.B. Neurodermitis (atopisches Ekzem)
  • Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Borreliose
    Einsatz der Oxyvenierung bei Borreliose: Bei der naturheilkundlichen Unterstützung der Behandlung einer Borreliose setzen wir die Oxyvenierung nach Dr. Regelsberger vor allem auch zur Verbesserung der Wirkung von intravenös verabreichten Antibiotika ein. Ferner unterstützen wir die Borreliose-Behandlung durch die Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie (IHHT).

Erkrankungen der Augen

  • trockene Makuladegeneration
  • Retinitis pigmentosa

Erkrankungen des Kopfes

  • Schwindel
  • Morbus Menière
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
    Leider gibt es für die Behandlung des Tinnitus keine Methode, die bei der überwiegenden Zahl der Betroffenen hilft. Das merkt man auch an der Vielzahl der angewandten Behandlungsverfahren. Die Oxyvenierung führt bei Tinnitus erstaunlich oft zu guten Ergebnissen, vermutlich über die Wirkung auf die Mikrozirkulation.
  • Hörsturz
  • Kopfschmerzen (insbesondere gefäßbedingte), Migräne

Stoffwechsel & Verdauung

  • Lebererkrankungen
  • Fettleber
  • Diabetes
  • metabolisches Syndrom
  • Colitis ulcerosa

Schmerzen, Nerven & Gelenke

  • Arthrose, Arthritis
  • Rheuma
  • auf Problemen der Wirbelsäule basierende Schmerzen
  • Nervenschmerzen (Neuralgien)
  • Polyneuropathien

Allgemeines

  • unerfüllter Kinderwunsch
  • chronische Erschöpfung
  • Schlafstörungen

Krebs

  • ergänzende Behandlung nach Krebs (bösartige Tumore)

Möglichkeiten und Grenzen

Wie stark das antientzündliche Potential der Oxyvenierung ist, durfte ich schon oft in meiner Praxis erleben. So heilte z.B. ein kleiner Abszess im Kiefer, dessen Operation sehr riskant gewesen wäre, unter Oxyvenierung in nur einem Monat aus. Bei komplexen Erkrankungen – wie z.B. bei Borreliose – sollte die Oxyvenierung stets mit anderen Verfahren kombiniert werden, um einen möglichst guten Behandlungserfolg zu erzielen. Bei bösartigen Erkrankung darf eine Behandlung nicht nur alleine mit Oxyvenierung erfolgen.

Für akute Erkrankungen kommt die Oxyvenierung – abgesehen von beginnenden Infekten – eher nicht in Frage. Sollte aber beispielsweise ein akuter Schub einer chronischen Erkrankung – beispielsweise Neurodermitis – auftreten, kann die Oxyvenierung gut helfen.

Bei der Einnahme von NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika wie Aspirin/Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Diclofenac) kann die Wirkung der Oxyvenierung deutlich schlechter, bei starken Rauchern sogar aufgehoben sein.

Nebenwirkungen

Anfangs kann die Behandlung müde machen.

Zudem kann vorübergehend Hustenreiz auftreten, der jedoch meist nach einigen Minuten wieder vorbei ist. Manche Patienten bemerken auch ein Druckgefühl hinter dem Brustbein. In diesen beiden Fällen wird der Therapeut die Sauerstoffzufuhr verringern, so dass die Beschwerden in der Regel rasch abklingen.

Manche Patienten befürchten, dass es durch den eingeführten Sauerstoff zu einer Luftembolie kommen könnte. Diese Gefahr besteht jedoch nicht, weil sich die pro Zeiteinheit verabreichten geringen Sauerstoffmengen sofort im Blut auflösen.

Welches Wissen ist notwendig, um die Oxyvenierung anzuwenden

Grundsätzlich dürfen nur Ärzte und Heilpraktiker die Oxyvenierungstherapie anwenden, die über entsprechendes Fachwissen verfügen. Viele Ärzte, die mit der Oxyvenierung arbeiten, sind in der Deutschen Gesellschaft für Oxyvenierungstherapie e.V. organisiert.

Stand der naturheilkundlichen Forschung

Es gibt eine Reihe von Studien, die einzelne Wirkungen der Oxyvenierung nachweisen konnten. Allerdings sind diese Studien recht klein und es liegen nicht zu allen Anwendungsgebieten Studien vor. Daher ist die Oxyvenierung nach wie vor nicht schulmedizinisch anerkannt.

Mein persönliches Fazit

Nach meiner persönlichen Erfahrung, die mir von Kollegen und Patienten immer wieder bestätigt wird, ist die Oxyvenierung nach Regelsberger ein wunderbares Instrument in den Händen des kundigen Therapeuten, um insbesondere folgende Krankheiten zu behandeln:

  • arterielle Durchblutungsstörungen (insb. arterielle Verschlusskrankheit – AVK)
  • Entzündungen, auch bei Rheuma und Arthritis
  • Neurodermitis
  • chronische Erschöpfungszustände
  • trockene Makuladegeneration
  • Borreliose

Studienauswahl

  • Beeke, E., Kreutzer, F.J.: Intravenöse Sauerstofftherapie bei trockener altersbedingter Makuladegeneration. Klinische Studie. EHK 2007; 56: 740-744
  • Kreutzer, F.J., Nowak, V.: Stimulation der endogenen Prostacyclinsynthese durch interavenöse Sauerstofftherapie (Oxyvenierung nach Regelsberger). Ergebnisse einer offenen Multicenter-Studie. EHK 1/2002: 12-15
  • Kreutzer, F.J.: Bildung von 15-Lipooxygenase-1 in eosinophilen Granulozyten während intravenöser Sauerstoffbehandlung (Oxyvenierung nach Regelsberger). EHK 2004; 53: 759-764. Basierend auf Chaitidis, P., Kreutzer, F.J., Gerth, C., Janata, P., Kühn, H.: Impact of intravenous oxygen therapy on the expression of reticuocyte-type 15-lipooxygenase in human volunteers. Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids 2004; 71(5): 271-276
  • von Schoenebeck, G.: Intravenöse Sauerstoff-Therapie. Hartnäckige Ulzera heilen ab. Ärztliche Praxis vom 25.2.1992, 44, 16: 25-27

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