MagersuchtAnorexia Nervosa

Die Anorexia nervosa (Magersucht) ist eine seelisch bedingte Essstörung, die durch weitgehende Vermeidung von Nahrungsaufnahme und dadurch herbeigeführtes Untergewicht charakterisiert ist. Betroffene setzen Essen mit Macht- und Gesichtsverlust gleich. Wir umreißen die Ursachen dieser autoaggressiven Störung und informieren über Therapiemöglichkeiten.

Einführung

Orexis bedeutet auf lateinisch Verlangen, Appetit. Anorexia steht entsprechend für Appetitlosigkeit. Anorexia nervosa bezeichnet eine seelisch bedingte Essstörung, für die der Widerwille gegen Nahrungsaufnahme und extreme Gewichtsabnahme beziehungsweise das zwanghafte Halten eines starken Untergewichts typisch sind.

Definition der Anorexia nervosa

Der deutsche Name Magersucht sagt es bereits: Die Essstörung zentriert sich um einen bewusst herbeigeführten und zwanghaft aufrechterhaltenen extremen Gewichtsverlust. Patientinnen regulieren die Nahrungsaufnahme durch ungewöhnlich strenge Diäten oder verweigern sie so gut wie ganz.

Betroffen sind überwiegend junge Frauen, nur fünf Prozent der Erkrankten sind Jungen/Männer. Die Störung tritt bei etwa einer von vierhundert Frauen und Mädchen der Altersgruppe zwischen zwölf und fünfundzwanzig Jahren auf.

 

Diagnose und Symptome

Zu den ersten Symptomen einer Magersucht gehört die Fixation auf das Körpergewicht und das ungewöhnliche Essverhalten der Betroffenen. Ständig kreisen die Gedanken um die Nahrungsaufnahme beziehungsweise ihre Vermeidung. Gesellschaft beim Essen ist Magersüchtigen unangenehm. Eine von drei Patientinnen war vor Beginn der Magersucht leicht übergewichtig.

Eine Anorexia nervosa liegt vor, wenn folgende Kriterien zutreffen:

  • Untergewicht: Das Körpergewicht weicht um mindesten 15 Prozent vom altersgemäßen unteren Normwert ab und wird absichtlich dort gehalten. Herangezogen werden kann auch der Bodymass-Index (Körpergewicht in kg geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in m), BMI-Werte unterhalb  17,5 sind kritisch.
  • Furcht vor Gewichtszunahme: Bei Magersüchtigen ist die Angst, dick zu werden, ständig präsent.
  • Verzerrte Körperwahrnehmung: Ungeachtet ihres  tatsächlichen Untergewichts empfinden sich die Patienten als zu dick.
  • Bei Frauen: Amenorrhoe: Die Menstruation ist bereits mindestens dreimal in Folge ausgeblieben.
  • Diät: Streng regulierte Vermeidung vieler, insbesondere "dick machender" Speisen.

Folgen des chronischen Untergewichts

Anorexia nervosa ist gleichbedeutend mit chronischer Unterernährung. Der Energie- und Vitalstoffmangel hat gravierende Folgen für den Stoffwechsel, lebensbedrohliche Komplikationen können auftreten.

Ursachen der Anorexia nervosa

Zu den Ursachen der Erkrankung gehört in erster Linie eine gestörte Beziehung zu den Eltern. Aber auch erbliche Veranlagung, möglicherweise erlittene Traumatisierungen und eine besondere Empfänglichkeit für kulturelle Normen und Ideale können Einfluss auf die Erkrankung nehmen.

Bei der Therapie der Magersucht müssen die ursächlichen Konflikte adressiert werden. Die Behandlung auf rein körperlicher, medizinischer Ebene führt nicht zum Ziel der Heilung.

Auslöser der Magersucht

Generell steht die Anorexia nervosa für ein Misslingen der Loslösung vom Elternhaus. Typische Trigger sind äußere Veränderungen wie Verlusterlebnisse, Schulwechsel oder Beginn eines Studiums. Scham über den eigenen Körperbau kann durch Hänseleien entstehen, durch sexuelle Annäherungsversuche des anderen Geschlechts oder einfach durch die üblichen Veränderungen des Körpers während der Pubertät (Entwicklung von Busen und Schambehaarung, Einsetzen der Periode).

Eigenwahrnehmung von Magersuchtpatientinnen

Hinter der schüchternen oder distanzierten, bisweilen ängstlich-nervösen Fassade verbergen Magersuchtpatientinnen ihre Unsicherheit und Verletzlichkeit. Vollkommen überfordert von den Anzeichen ihrer eigenen weiblichen Körperlichkeit, sind die Betroffenen überzeugt von der Notwendigkeit, alles, was auf die eigene geschlechtliche Reife hindeutet, rigoros abwehren und unterdrücken zu müssen.

 

Therapie der Anorexia nervosa

Mangelnde Krankheitseinsicht steht dem rechtzeitigen Therapiebeginn im Wege.  Am Anfang jeder erfolgreichen Behandlung liegt die Erkenntnis,  dass das eigene Essverhalten lebensbedrohlich ist.

Dazu Anja Müller: „In der Regel haben die Betroffenen keine Kontrolle mehr über die meisten Bereiche ihres Lebens, da die entscheidenden Personen in ihrem Umfeld eine übergreifende Persönlichkeitsstruktur besitzen. Der einzige Bereich, wo sie noch das Gefühl haben, ihn kontrollieren zu können, ist der des Essens. Hier liegt ihre eigentliche Macht. Würden sie essen, gäben sie diesen letzten Kampf um Macht auf."

Essen bedeutet für magersüchtige Frauen Macht- und Gesichtsverlust.

Ärztliche Betreuung und Gewichtsmanagement

Gute Erfolge bei der Behandlung der Magersucht lassen sich mit einer Kombination dieser drei Strategien erreichen:

  1. Medizinische Betreuung und Gewichtsmanagement
  2. Einzel-Psychotherapie
  3. Familientherapie

Ernährung

Offensichtlich kommt der Ernährung bei Magersucht besondere Bedeutung zu. Da auch die Verdauung ein energiefordernder Prozess ist, kann bei einer weit fortgeschrittenen Erkrankung künstliche Ernährung notwendig sein, um die Patientin überhaupt in die Lage zu versetzen, wieder normale Nahrung aufnehmen zu können.

Anschließend wird die Nahrungsaufnahme behutsam gesteigert, um Unverträglichkeiten zu minimieren. Im Vordergrund stehen zunächst leicht verdauliche, kohlenhydratreiche Nahrungsmittel. Fett und Eiweiß werden oft nur in kleinen Mengen vertragen. Erschwerend wirken Schädigungen der Darmschleimhaut in Folge des jahrelangen Nährstoffmangels und eventuellen Missbrauchs von Abführmitteln. Häufig tritt auch eine partielle Laktoseintoleranz auf, die dazu führt, dass Milch und Milcherzeugnisse nicht vertragen werden.

Arbeit mit der Psyche

Einzel-Psychotherapie der Patientin

In der Einzelpsychotherapie tritt der Patientin eine Bezugsperson gegenüber, von der sie sich in ihrer Unsicherheit angenommen fühlt. In der geschützten Interaktion mit dem Therapeuten lernt die Patientin, sich selbst und ihre Gefühle zu spüren und auszudrücken, arbeitet alte Verletzungen auf und übt neue Verhaltensweisen und Beziehungsmuster ein.

Familientherapie

Die Familientherapie stellt das ganze „System Familie“ in den Mittelpunkt. Familienmitglieder trainieren hier die offene Kommunikation, den unmittelbaren Ausdruck von Gefühlen und den produktiven Umgang mit Konflikten.

Findet die Familie zu gesünderen Kommunikationsformen, verbessert sich das Essverhalten der Patientin häufig drastisch. Ohnehin ist die Mitarbeit der Familienangehörigen ein ganz entscheidender Faktor: Sind ihre Eltern nicht in das Therapiegeschehen involviert, brechen magersüchtige Patientinnen die Behandlung viel öfter ab und werden rückfällig.

Online-Redaktion

ergänzt und kommentiert von:
Anja Müller-Hesse, aus Köln

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