Güsse als TherapieMit Wasser heilen

Güsse wie die nach Pfarrer Kneipp sind ein wertvolles Heilmittel der Hydrotherapie. Richtig angewendet können sie bei Verspannungen, Abwehrschwäche, Müdigkeit sowie zu hohem oder niedrigem Blutdruck helfen.

Was sind Güsse?

Güsse sind eine Behandlungsmethode der Hydrotherapie, bei der der gesamte Körper oder bestimmte Körperregionen mit Wasser begossen werden.

Güsse wirken unter anderem auf das Herz-Kreislauf-System (Durchblutung, Blutdruck), den Wärmehaushalt, den Stoffwechsel und das vegetative Nervensystem. Sie sind ein wunderbares Gefäßtraining. Über Reflexzonen können sie auch direkt innere Organe ansprechen.

Welche Arten von Güssen gibt es?

Je nach behandelter Körperregion, Temperatur und Art des Wasserstrahls unterscheidet man verschiedene Formen von Güssen wie Voll- und Teilgüsse, Warm-, Kalt- und Wechselgüsse usw.

Vollguss
Wie der Name schon sagt, umfasst der Vollguss den gesamten Körper. Üblicherweise werden zuerst die Füße, dann der Rücken und schließlich Bauch und Brust begossen. Eingesetzt werden Vollgüsse u.a. bei Abwehrschwäche, zur Anregung von Kreislauf und Stoffwechsel, bei Hitzewallungen und Kopfschmerzen.

Für einen Vollguss muss man naturgemäß mehr Zeit einplanen als für einen Teilguss. Für den Körper ist ein Vollguss relativ anstrengend. Deshalb sollten Über-60-Jährige und Personen mit einem geschwächten vegetativen Nervensystem nach dem Vollguss mindestens eine Viertelstunde ruhen.

Teilgüsse
Bei Teilgüssen werden nur bestimmte Körperregionen gegossen. Sie sind in der Regel weniger anstrengend und eignen sich daher besser für den Einstieg als Vollgüsse.

Welche Körperregionen nutzen Güsse?

Je nach Behandlungsziel können unterschiedliche Körperregionen begossen werden.

Beine
Abhängig davon, welcher Bereich der Beine mit einbezogen wird, sprechen wir vom Schenkelguss, der bis zum Po reicht, oder dem Knieguss, der oberhalb der Knie endet. Knie und Schenkelguss wirken besonders auf Organe im Bauch und kleinen Becken.

Beim Knieguss außen am rechten Fußrücken beginnend den Wasserstrahl bis eine Handbreit übers Knie führen. Kurz dort verbleiben, bevor es an der Beininnenseite wieder nach unten geht. Danach folgt das linke Bein. Zum Schluss sind die Fußsohlen dran.

Arme
Ein kalter Armguss erfrischt und belebt. Dazu den Wasserstrahl außen von den Fingerspitzen bis zur Schulter führen, kurz dort verbleiben und dann an der Arminnenseite entlang zurück zur Hand führen.

Rücken
Rückgüsse können kalt, warm, heiß oder aufsteigend sein. Meist werden sie bei Verspannungen eingesetzt, können aber auch abhärten. Rückengüsse wirken besonders auf Herz, Lunge und Kopf.

Nacken
Ansteigende Nackengüsse sind ideal bei Verspannungen von Schultern und Nacken sowie spannungsbedingten Kopfschmerzen.

Kopfguss
Der Kopfguss reicht vom Nacken bis zu Stirn.

Gesichtsguss
Der Gesichtsguss belebt und erfrischt. Als Schönheitsguss tonisiert und strafft er die Haut. Einen Gesichtsguss können Sie auch mehrmals täglich anwenden, um wieder wach und frisch zu werden.
Beginnend an der rechten den abgeschwächten Wasserstrahl über die Stirn nach links führen, dann wieder zurück. Mit dem Wasserstrahl erst auf der rechten, dann auf der linken Gesichtshälfte auf- und abfahren. Am Schluss das Gesicht dreimal umkreisen. Vorsicht geboten ist mit Gesichtsgüssen bei grauem und grünem Star (Glaukom), akuter Nasennebenhöhlenentzündung und Trigeminius-Neuralgie.

 

„Wie jedoch jeder einzelne Guss auf einen bestimmten Körperteil eine bestimmte Wirkung ausübt, so kann hier wiederum durch Anwendung verschiedener Güsse auf den ganzen Körper eingewirkt werden.“

(Sebastian Kneipp)

Anwendungsbeispiele für Teilgüsse

 WirkungTypische AnwendungsgebieteTemperaturDauer
Armgusserfrischt und regt den Kreislauf anniedriger Blutdruck, Müdigkeit, Kreislaufstörungen15–20 °C15–20 s
Beinguss, Knieguss, Schenkelgussentstaut, regt die Durchblutung an, beruhigtAbhärtung, kalte Füße, Krampfadern, geschwollene Beine, hoher Blutdruck15–20 °C½–2 min
Kalter Rückengusserfrischt, belebt, entspanntRückenschmerzen, Abhärtung15–20 °C½–2 min
Ansteigender oder heißer Rückengussentspannt, wärmtVerspannungen28–38 °C2–5 min
Nackengusssentspannt Muskeln und Gefäße, fördert die Durchblutung des Kopfeverspannte Schultern, Nackenschmerzen, Spannungskopfschmerz28–38 °C2–5 min
Gesichtsgusserfrischt; tonisiert und strafft die HautErmüdung, Kopfschmerzen, Probleme mit den Nasennebenhöhlen (nicht bei akuter Entzündung)28–38 °C 
KopfgusskühltHitzewallungen, heißer Kopf15–20 °C½–2 min

Welche Temperatur brauchen Güsse?

Die Temperatur der Güsse hängt von der gewünschten Wirkung ab. Je nach Temperatur unterscheiden wir Kaltguss, Warmguss, Heißguss, Wechselguss und ansteigende Güsse.

Kalte Güsse
Kalte Güsse haben maximal 18 °C. Dabei gilt der goldene Grundsatz: „So viel Wärme wie nötig, so viel Kälte wie möglich.“ Für die häusliche Anwendung passt es normalerweise, wenn Sie die Temperatur auf ganz kalt einstellen. Kalte Güsse regen die Durchblutung an, verbessern die Abwehr und dienen der Abhärtung.

Warme Güsse
Warme Güsse wirken eher beruhigend, entkrampfend und entspannend. Die Temperatur liegt beim Warmguss normalerweise zwischen 36 und 38 °C.

Heiße Güsse
Als heiße Güsse werden solche mit einer Temperatur über 39 °C bezeichnet. Sie regen die Durchblutung an und helfen bei Verspannungen.

Wechselguss
Beim Wechselguss gibt es keine festgeschriebene Temperatur. Die richtige Temperatur hängt stark vom persönlichen Temperaturempfinden ab. Während bei sensibleren Personen schon kleinere Temperaturänderungen reichen, vertragen robustere Naturen durchaus größere Temperaturunterschiede. Entscheidend ist, dass Sie den Wechselguss als angenehm, entspannend oder erfrischend empfinden. Den Wechselguss stets mit warmem Wasser beginnen.

Ansteigende Güsse
Bei ansteigenden Güssen wird die Wassertemperatur langsam und gleichmäßig erhöht. Begonnen wird mit hautwarmem Wasser. Die Temperatur so weit steigern, wie es noch verträglich ist (ca. 43 °C).

Art des GussesTemperatur
Kaltguss≤ 18 °C
Warmguss36–38 °C
Heißguss39–43 °C
Wechselguss36-38 °C / bis 18 °C; mit warm beginnend
Ansteigender Gussvon 30–34 °C auf bis zu ca. 43 °C

Was ist bei der Anwendung von Güssen zu beachten?

Anders als beim Duschen verwendet man für die Güsse einen gebündelten, ungeteilten Wasserstrahl. Erzeugen können Sie diesen z.B. mit einem verstellbaren Duschkopf, durch Entfernen des Duschkopfeses oder indem Sie einen einfachen Gummischlauch verwenden.

Wer regelmäßig gießen möchte, kann auch ein Gießrohr oder ein spezielles Kneipp-Gießhandstück verwenden. Das Wasser sollte normalerweise „drucklos“ herausquellen, den Körper sanft umfließen und wie ein Mantel umhüllen (Flachguss). Eine Ausnahme sind die sog. Druckstrahlgüsse wie die Blitzgüsse.

 

„Je gleichmäßiger, je ruhiger und ausgebreiteter das Wasser über den Körper läuft, um so besser ist die Wirkung.“

(Sebastian. Kneipp)

10 Tipps & Regeln für Güsse

  1. Kein kalter Guss auf kalte Haut oder bei Kältegefühl.
  2. Güsse in Ruhe und warmer Umgebung durchführen.
  3. Güsse nicht direkt vor oder nach dem Essen anwenden, aber auch nicht auf völlig nüchternen Magen.
  4. Güsse nicht nach oder vor körperlicher Anstrengung.
  5. Während der Güsse ruhig weiteratmen.
  6. Bei den Extremitäten mit der rechten, dem Herzen abgewandten Seite beginnen. Von außen nach innen wandern.
  7. Nach dem Guss das Wasser nur abstreifen, nicht abtrocknen. – Die Verdunstungskälte intensiviert zusätzlich die Wirkung.
  8. Nach dem Guss wieder aufwärmen – also warm anziehen und bewegen oder warm zudecken und ruhen.
  9. Idealer Zeitpunkt für Güsse ist der (späte) Vormittag.
  10. Wichtig ist die regelmäßige Anwendung.

 

Die wichtigsten Prinzipien und Grundlagen für Güsse und andere Wasseranwendungen hat schon Pfarrer Kneipp beschrieben.

Vorsicht geboten ist mit Güssen bei

  • akuten Infekten
  • schwer Kranken, Herzkranken
  • Frieren, Frösteln

Darüber hinaus kann es Einschränkungen für bestimmte Güsse geben, wie z.B. für den kalten Knieguss bei Ischiasschmerzen oder den Gesichtsguss bei Trigeminus-Neuralgie. Während ihrer Periode sollten Frauen Güsse nur am Oberkörper durchführen.

Güsse nach Kneipp

Das Heilen mit Güssen geht auf den als „Wasserdoktor“ bekannt gewordenen Pfarrer Sebastian Kneipp zurück. Er nutzte Wasseranwendungen als eine von fünf Säulen zu Heilzwecken. Güsse waren neben Waschungen, Wickeln, Bädern usw. die wichtigsten Anwendungen der Kneippschen Hydrotherapie. Kneipp selbst, zu dessen Zeit es noch kein warmes Wasser aus der Leitung gab, arbeitete ausschließlich mit kalten Flachgüssen.

Zu den Grundlagen der Wasserkur nach Kneipp gehört die richtige Intensität der Wasserreize (schwach, mittel oder stark). Von ihr hängt ab, welche Güsse (Körperregion, Temperatur, Dauer) im Einzelfall besonders zu empfehlen sind.

 

„Lernt das Wasser richtig kennen und es wird euch stets ein verlässlicher Freund sein.“

(Sebastian. Kneipp)

Güsse als Hydrotherapie

Güsse werden – ähnlich wie Waschungen, Bäder und Wickel – im Rahmen der Hydrotherapie zu Heilzwecken verwendet. Durch das thermische Training lassen sich

  • die Abwehr verbessern – wir bekommen seltenere und/oder schwächere Infekte.
  • der Stoffwechsel und Wärmehaushalt verbessern – wir frieren weniger leicht.
  • das Nervensystem stabilisieren – wir können besser schlafen.
  • Herz und Kreislauf unterstützen
  • Bindegewebe, Muskeln und Gelenke entlasten. – So lassen sich muskuläre Verspannungen lösen.

Auch Menschen mit Erkrankungen der Atemwege und Schmerzen können von Güssen im Rahmen der Hydrotherapie profitieren.

Autor/ren: Online-Redaktion

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