Panta Rei

Wie spiegelt sich der Fluss geistiger Energie in unserem Körper wider? Bericht von der Medizinischen Woche, Baden-Baden 2008. Vortragender: Dr. med. Jochen Gleditsch aus München. Dr. Gleditsch ist namhafter Autor etlicher Akupunkturbücher, HNO Facharzt, Zahnarzt, Begründer der Mundakupunktur und blickt auf mehr als 40 Jahre Klinik- und Praxiserfahrung zurück.

Panta Rei - Wie spiegelt sich der Fluss geistiger Energie in unserem Körper wider?

Bericht von der Medizinischen Woche

Baden-Baden 2008, Dr. Gleditsch ist namhafter Autor etlicher Akupunkturbücher, HNO Facharzt, Zahnarzt, Begründer der Mundakupunktur und blickt auf mehr als 40 Jahre Klinik- und Praxiserfahrung zurück. Der kleine, hagere Mann, der vor das Mikrofon tritt, hat eine ungemein freundliche, dem Zuhörer sehr zugewandte Ausstrahlung.

Subjektive Betrachtung

„Als ich mir den Titel meines Vortrags anschaute, wusste ich, dass es unendlich viele Fragen zu diesem Thema gibt, aber definitive Antworten darauf, selten und schwer zu finden sind. Was ich Ihnen heute sagen kann, ist eine subjektive Darstellung. Erfahrungen, die ich im Laufe der Jahre mit ´diesen Dingen´ gesammelt habe. Und was ich gelernt habe in dieser Zeit, auch von den Pionieren der Gründergeneration der Akupunktur, z. B. von Bachmann ist, dass ich eine Verpflichtung zu einer Antwort habe, zum einen  gegenüber der Frage, ob ich in kurzer Zeit eine Krankheit beseitigen will, ohne die Gesamtperson mit einzubeziehen? Und was fließt überhaupt (in den Meridianen)? Qi?
Ich weiß es auch nicht. Informationentransfer? Bewusstsein? Innere Lebendigkeit?


Zu einer Antwort zu der Gleditsch gefunden hat ist die: „Schmerz ist der Schrei des Gewebes nach Fließenergie. Schmerz verändert den Menschen, v.a. chronischer Schmerz und der Betrachter verändert den Schmerz, je nachdem, wie er darauf zugeht. Die asiatische Heilweise mit ihrem „Versöhnungsansatz“ führt zu einer Schmerzmodulation.“ Damit meint Gleditsch, dass in der TCM der Patient im Ganzen wahrgenommen, Schmerz akzeptiert und gleichzeitig nach einem Ausgleich gesucht wird, statt zu unterdrücken. „ Das kennen wir auch von den tröstenden, v.a. mütterlichen Gesten: das Streicheln der Hand über das betroffene Gebiet mit den Worten: „ist schon gut“, löst die Aufregung, kappt die Schmerzspitze und verbindet kognitive mit sensorischer Wahrnehmung. Der Organismus organisiert sich selbst und es kommt zu einem Fliessgleichgewicht der vormals gestörten Fließenergie. Eine Homöostase oder besser eine Homöodynamik, die Chaos zur Ordnung führt oder Yin und Yang ausgleicht.“ Als Yin und Yang bezeichnet man in der chinesischen Medizin Polaritäten. Dabei wird der Mensch mit Körper, Geist und Psyche beschrieben, genauso wie die ihn umgebende Natur und der gesamte Kosmos. Dabei kennzeichnet Yin die verborgene, weiche, kühle und passive Seite und das Yang das helle, harte, hitzige und aktive Temperament. Beide brauchen und bedingen einander und werden als komplementäres System in der daoistischen Philosophie betrachtet.

Systeme

„Dabei möchte ich den Satz eines Kollegen aus der Schweiz aufgreifen, der feststellte, dass ein erheblicher Mangel an Yin die heutige Gesellschaft kennzeichnet; auch die moderne high- tech medicine. Der Zeitgeist ist ein reiner Yang Geist. Die chinesische Systemik mit ihrer Vernetzung von Physiologie, Natur, Farben, Psyche usw. über die ´Wandlungsphasen´ (daoistische Theorie zur Naturbeschreibung und sämtlicher Prozesse im menschlichen Leben) lässt eine  Parallele zu C.G. Jung zu, der mit dem Ich, das Fühlen, mit dem Es, das Empfinden, mit dem Ich/Du das Denken und mit dem Transpersonalen die Intuition beschreibt, das hochsensitiv ist und v.a. spürt. Frau Dr. Kübler Ross hat diesem Konstrukt noch eine `Vierheit` dazugestellt, den Geist/Körper, den sie als Jung Schülerin als dringend notwendig für ein Menschenbild erachtet. Denn der Geist stellt die Brücke zum Körperlichen dar. Erst die Liebe zum Körper, zu allen Macken und `Fehlern´, eröffnet erst die Möglichkeit des Bezugs  zum Geistigen. Oder wenn wir Paracelsus dazu nehmen, der die ´Innere Mitte´ beschreibt; oder Jean Gebser (kulturwissenschaftlicher Bewusstseinsforscher, Philosoph) der beschrieb, dass wir uns im Übergang befinden, dass wir auf dem Weg zu ´Etwas´ hin  sind, dass sich ein Paradigmenwechsel vollzieht. Vom kognitiven Zeitalter zum integralen Zeitalter; denn wenn das vorige defizitär wird, wenn wir nicht mehr an alles glauben, so Gleditsch , dann müssen wir ´es´ aufnehmen und integrieren, das sehe ich als Verpflichtung. Denn wir spüren doch alle, dass etwas fehlt. Bei der Betrachtung der Schmerzes, die ich als konkretes Beispiel aus der Praxis gewählt habe, wird klar, dass wir als Schmerzforscher zu der bio-, psycho- und sozialen Einordnung als viertes Element die Spiritualität, die Sinndimension ergänzen müssen.  Und in der Arzt – Patienten Beziehung, die eine eigene Systemik darstellt, in der typologischen Erfahrungskonzept des Arztes und der vertrauensvolle, offene Patient aufeinander treffen, wird die Energie erst dann wieder fließen,   wenn auch die `Stunde der Zeitigung´ da ist, wie Paracelsus sagte, also dann, wenn es ´soweit ist´, wenn Synchronizität (nach Jung) da ist, also das richtige Timing. Das stellt auch den Bezug zum Beginn des Vortrags her, bei dem es um den Fluss der Energie ging: wenn also der Zeitpunkt der Vernetzung stimmt; der Patient bereit ist und der Arzt gibt den Impuls zur richtigen Zeit, dann kann Energie körperlich und geistig wieder fließen.

Und nachdem wirklich philosophischen Vortrag des Mediziners Gleditsch schließt dieser dann auch passend mit dem Philosophen Novalis: „Der Sitz der Seele ist da, wo sich Innen- und Außenwelt berühren.“

Autor/en dieses Beitrages:
Kerstin Disse, Heilpraktiker/in aus Stuttgart

Vortragender: Dr. med. Jochen Gleditsch aus München

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