(K)eine Chance für Naturheilkunde?

Zur Rolle der Komplementärmedizin im deutschen Gesundheitssystem - Pressekonferenz zum Erscheinen des neuen Hufeland-Leistungs-verzeichnisses Berlin, 11. November 2009

(K)eine Chance für Naturheilkunde?

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Prof. Dr. Andreas Michalsen

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Prof. Dr. Andreas Michalsen

Charité Berlin

Demoskopische Erhebungen der letzen Jahre zeigen konsistent, dass im Krankheitsfalle zwischen 60-80% der deutschen Bevölkerung auch mit den Verfahren der Naturheilkunde und Komplementärmedizin behandelt werden wollen. Die zunehmende Nachfrage nach diesen Therapieverfahren ist besonders deutlich im Bereich der chronischen Erkrankungen, die in einer älter werdenden Gesellschaft eine zunehmend überragende Bedeutung haben und bereits jetzt für 80% der Kosten im Gesundheitswesen verantwortlich sind.

Innerhalb der deutschen Ärzteschaft haben sich Naturheilkunde und Komplementärmedizin längst einen festen Platz erobert. Neben den 15 000 Ärzten, die die Zusatzfachweiterbildung „Naturheilverfahren“ bei der Ärztekammer erworben haben, führen etwa weitere 40 000 Ärzte Fach-Zusatzbezeichnungen, die auch der Komplementärmedizin zuzuordnen sind, wie etwa Akupunktur, Manuelle Medizin, Homöopathie oder Physikalische Therapie.

Zudem wenden, nach aktuellen Zahlen, bereits 60% aller deutschen Hausärzte auch Naturheilverfahren und Komplementärmedizin in ihrer Praxis an. Auch in der studentischen Lehre und an den Universitätskliniken haben sich die Verfahren der Naturheilkunde unlängst etabliert. Acht Stiftungsprofessuren finden sich nun an deutschen medizinischen Fakultäten. Hier werden die wichtigsten Verfahren wissenschaftlich erprobt und inhaltlich weiterentwickelt. Eine ähnlich erfolgreiche Entwicklung findet sich international. In den USA hat die Nationale Gesundheitsbehörde (NIH) bereits vor vielen Jahren einen eigenen Fachbereich für Komplementärmedizin gegründet und mit erheblichen Forschungsgeldern ausgestattet. Schließlich wurde unlängst in unserem Nachbarland, der Schweiz, die Versorgung mit Komplementärmedizin sogar im Grundgesetz verankert.

Vor diesem Hintergrund kommt der nun veröffentlichten 5. Auflage des Hufeland- Leistungsverzeichnisses der Komplementärmedizin eine besondere Bedeutung zu.

Während die Forschungskapazitäten und Fördermittel noch längst nicht ausreichen, um alle Verfahren zu evaluieren, gibt das Verzeichnis eine Orientierung über die vielfältigen Leitungen im gesamten Fachgebiet. Das "Hufeland-Leistungsverzeichnis der besonderen Therapierichtungen" ist dabei eine Abrechnungshilfe für naturheilkundlich tätige Ärzte. Es enthält alle naturheilkundlichen Diagnostik- und Therapieverfahren, die theoretisch erklärbar und praktisch bewährt sind – und: die lehr- und lernbar sind. Es wird herausgegeben von der Hufelandgesellschaft e.V. Dachverband der Ärztegesellschaften für Naturheilkunde und Komplementärmedizin. Für alle naturheilkundlich und komplementärmedizinisch tätigen Ärzte ist es unverzichtbar.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Berlin, November 2009