Verhütung in den Wechseljahren

Dr. med. Dorothee Struck: Verhüten ohne Hormone: Alternativen zu Pille und Co.

Mit den ersten Vorboten der Wechseljahre fragen sich viele Frauen erneut, welche Verhütungsmethode jetzt die beste für sie ist. Wie lange ist Verhütung nötig? Und muss es wirklich die Pille sein? Antworten gibt die Frauenärztin Dr. Struck in diesem Beitrag. Er entstammt ihrem Buch "Verhüten ohne Hormone", in dem sie alternative Verhütungsmethoden für alle Lebenslagen vorstellt.

Autor/en dieses Beitrages:
Dr. med. Dorothee Struck, FA. für Frauenheilkunde und Geburtshilfe aus Kiel

Bis ein Jahr nach der letzten Menstruation können vereinzelte Eisprünge auftreten. Und das kann frau immer erst im Nachhinein beurteilen. Das heißt ganz klar: Erst wenn ein Jahr nach der letzten Regelblutung vergangen ist, dürfen Sie Ihre Verhütung einstellen. Und leider, leider gibt es keine Möglichkeit vorherzusagen, wann das sein wird. Durchschnittlich hören Frauen in Deutschland mit 52 Jahren auf zu menstruieren, die Spannweite reicht aber von Mitte 40 bis zum Ende der fünften Lebensdekade. Es gibt auch keinen Laborwert, mit dem ein Ende der Fruchtbarkeit sicher vorausgesagt werden kann. In den Wechseljahren können die Blutwerte der weiblichen Hormone nach oben und nach unten tanzen und auch das Anti-Müller-Hormon (AMH), die sogenannte Tankanzeige der Eierstöcke, gibt nicht wirklich zuverlässig Auskunft. Selbst bei einem nicht mehr messbaren AMH-Spiegel werden noch bis zu drei Prozent der Frauen spontan schwanger.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft erfolgreich ausgetragen wird, sinkt ab Mitte 40 allerdings rapide. Mit 45 Jahren müssen Frauen, die schwanger werden, mit einer Fehlgeburtsrate von über 80 Prozent rechnen, da die Eizellen, die bereits im Mutterleib angelegt wurden, nun auch schon 45 Jahre alt sind. Es gibt aber durchaus Frauen, die mit 46 oder 47 Jahren gesunde Kinder auf die Welt bringen, auch Schwangerschaften mit 53 Jahren, die glücklich mit einem gesunden Kind ausgingen, sind medizinisch belegt. Und zwar ohne Nachhilfe mit Hormonstimulation und Eizellspende, wie bei amerikanischen Filmstars beliebt und in der Regenbogenpresse gerne verbreitet.

Das heißt, dass sich Frauen auch bei unregelmäßig werdenden Zyklen überlegen müssen, wie sie weiter verhüten, wenn sie sicher nicht schwanger werden möchten. Gerade Frauen, die jahrelang Körperbeobachtung erfolgreich als Verhütungsmethode angewendet haben, müssen in dieser Lebensphase noch mal neu überdenken, ob sie NFP weiterführen möchten. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, wenn die Sonderregeln für die Wechseljahre streng beachtet werden. Aber ich beobachte immer wieder, dass bei Frauen nach Jahren mit regelmäßigen Zyklen ein gewisser Schlendrian einkehrt. „Ich kenne meinen Körper, mein Zyklus verläuft immer so und so …“ Und plötzlich werden die Zyklen kürzer, 25 Tage statt vorher immer 28, und auch die Eisprünge kommen deutlich früher. Oder die Regel setzt zwei bis drei Monate aus, um dann mit einem fruchtbaren Zyklus wieder zu starten. Anovulatorische Zyklen, das sind solche ohne Eisprung, können sich mit fruchtbaren Zyklen abwechseln, voraussagbar ist dies nicht.

Die Schleimsymptome bekommen hier einen viel stärkeren Stellenwert als die Temperaturkurven. Reine Temperaturcomputer werden unzuverlässig, aber auch die Sicherheit von Hormonmesscomputern wird durch Hormonschwankungen stark beeinträchtigt. Eventuell ist zu überlegen, dann doch eine Barrieremethode zur Körperbeobachtung für die teilweise langen potenziell fruchtbaren Phasen hinzuzunehmen. Manche Frauen steigen auch jenseits des 40. Geburtstages auf eine Sterilisation oder ein IUP um, um vor möglichen Zyklusunregelmäßigkeiten gewappnet zu sein und davon unabhängig entspannt sichere Sexualität genießen zu können. Manche Frauen entscheiden sich ganz bewusst dafür und gönnen es sich, Sex von Verhütung abzukoppeln, nachdem sie jahrelang einen bewussten Umgang mit der eigenen Fruchtbarkeit gepflegt haben.

So unterschiedlich Frauen und ihre Beziehungen sind, so unterschiedlich sind auch die Bedürfnisse in Zeiten nachlassender Fruchtbarkeit. Aber für alle gilt: Vernachlässigen Sie die Verhütung nicht leichtfertig zu früh, wenn Überraschungen für Sie nicht akzeptabel wären. Ich habe schon mehrfach Frauen zwischen dem 43. und 49. Lebensjahr zur jährlichen Krebsfrüherkennung begrüßt, die mit den Worten ankamen: „Ich bin wohl im Wechsel, ich habe schon seit Wochen meine Tage nicht mehr bekommen.“ Und dann hatten die vermeintlichen Wechseljahre kleine Füßchen. Welche Methoden sich in der Zeit des Wechsels eignen, zeigt die folgende Tabelle.

Hormonfreie Verhütungsmethoden in den Wechseljahren

IUP, KupferketteGrundsätzlich immer möglich, Risiken und Nebenwirkungen nehmen mit steigendem Leben s alter nicht zu. Ab 40 sind vor allem langliegende IUP (Kupfer-Gold) sinnvoll, die dann ein Jahr nach der letzten Menstruation gezogen werden können
Kondom, FemidomGehen immer! Und sexuell übertragbare Erkrankungen wie HIV und Hepatitis B kommen auch nach den Wechsel jahren vor
Diaphragma, Femcap, PortiokappeWunderbar geeignet, aber bitte immer verwenden, bis die letzte Regel mindestens ein Jahr Vergangenheit ist
NFP, SensiplanSonderregeln für besondere Lebensphasen müssen beherzigt werden, teilweise sehr lange potenziell fruchtbare Perioden
Billings-MethodeSiehe NFP
Temperaturcomputer, z. B. BabycompNicht sinnvoll bei unregelmäßigen Zyklen, da erst nach einem nach Monaten auftauchenden Eisprung an gezeigt wird, dass wieder ein Zyklus beginnt
Hormoncomputer, z. B. PersonaNicht geeignet, da schwankende Hormonspiegel die Messwerte verfälschen können
KalendermethodeOhne regelmäßigen Zyklus nix Kalendermethode, also nicht geeignet
Sterilisation der FrauJederzeit geeignet, aber vielleicht ab Ende 40 nicht mehr lohnenswert, da die verhütungsrelevante Zeit nicht mehr allzu lang ist. Trotzdem entschließen sich manche Frauen erst dann, wenn die Zyklen anfangen, unregelmäßig zu werden, um in dieser Lebensphase wirklich Sicherheit zu bekommen

Literaturquelle

Dr. med. Dorothee Struck:
Verhüten ohne Hormone: Alternativen zu Pille und Co.
Stadelmann, I; Auflage: 1 (20. August 2015)

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