Altern und Gesundheit

In ihrem Vortrag auf der 43. Medizinischen Woche zeigte Frau Prof. Gerhard, warum ein Altern in Gesundheit oft nicht erreicht wird und wie wir dem Ziel, in Gesundheit zu altern, näher kommen können. Das Fazit von Prof. Gerhard: Gesundheit und Altern sind kein Widerspruch, sondern eine Lebenskunst!

Einführung

Was bedeutet Alter(n)?

Unter Alter versteht man normalerweise das Lebensalter. Altern beschreibt einen degenerativen Prozess. Was Alter(n) für die Menschen konkret bedeutet, hängt sehr von der Vorstellung der jeweiligen Kultur ab.
Man weiß, dass die Telomere beim Alterungsprozess eine wichtige Rolle spielen. Telomere sind die natürlichen einzelsträngigen Enden linearer Chromosomen. Bei jeder Zellteilung werden die Telomere verkürzt. Unterschreitet die Länge der Telomere einen bestimmten Wert, kann sich die Zelle nicht mehr weiter teilen. Damit ist auch die Lebenszeit einer Zelle begrenzt. Emotionaler Stress beschleunigt einerseits die Verkürzung der Telomere und schwächt andererseits das Immunsystem.

Gesundheit und Krankheit

Für Gesundheit gibt es unzählige Definitionen. Eine davon lautet: „Gesundheit bedeutet eine zufriedenstellenden Entfaltung der Selbstständigkeit und Wohlbefinden in den Aktivitäten des Alters.“ (Reinhard Lay, 2004)
Zwischen Gesundheit und Krankheit gibt es einen kontinuierlichen Übergang.
Aus Tibet stammt folgende Aussage: „Krankheit beruht auf Unwissenheit."

Krankheit im Alter

Welche Krankheiten nehmen mit dem Alter zu?

Zwar weiß man schon vieles über Krankheiten im Alter, doch mangelt es oft an der Umsetzung. Mit dem Alter nehmen zu:

  • Übergewicht
  • Herzkreislauf-Erkrankungen
  • Diabetes
  • Krebserkrankungen

Die Sterbewahrscheinlichkeit nimmt vor allem um das 80. Lebensjahr zu.

Zivilisationskrankheiten erschweren ein Altern in Gesundheit

Für jeden von uns wird es immer schwieriger gesund zu bleiben. Wie lange wir gesund bleiben, hängt ab von

  • Umweltbelastungen
  • genetische Veranlagung
  • Lebensstilfaktoren.

Aus der Umwelt werden wir mit zahlreichen schädlichen Stoffen konfrontiert. Einige von ihnen haben Hormonwirkung. Hierzu gehören Pestizide, Herbizide, Bisphenol A, Phtalate, PCB usw. Wie diese Stoffe ihre Hormonwirkung in unserem Körper entfalten, ist u.a. abhängig von unserer genetischen Ausstattung, der sogenannten Epigenetik, die u.a. durch Rauchen und Bisphenol A beeinflusst wird, dem Einfluss elektromagnetischer Felder, dem Geschlecht, dem hormonellen Milieu und dem Alter. Elektromagnetische Felder bezeichnete Frau Prof. Gerhard als „Türöffner für Gifte“. Sie können zu einem Öffnen der Blut-Hirn-Schranke führen. Im Zusammenhang mit den Hormonwirkungen verschiedener Stoffe in unserer Umwelt wies Frau Prof. Gerhard darauf hin, dass bei uns zunehmend Mädchen geboren werden.
Zu wenig Berücksichtigung findet nach ihrer Auffassung die Tatsache, dass das Geschlecht Einfluss auf die Wirkung von Medikamenten hat. Viele Medikamente und ihre Dosierungsempfehlungen sind vor allem auf Männer abgestimmt.

Hormone für ein Altern in Gesundheit

Hormonersatztherapie und ihre Wirkungen

Ab dem 40. Lebensjahr fallen die körpereigenen Hormone ab. So kam man auf die Idee, dem Alterungsprozess durch eine Hormonersatztherapie zu begegnen. Inzwischen weiß man, dass eine Hormonersatztherapie nicht nur erwünschte Effekte mit sich bringt.

Wirkungen der Hormonersatztherapie

erwünschte Effekteunerwünschte Effekte
abnehmendes Diabetesrisikozunehmendes Herzinfarktrisiko
Zunahme von Leberstörungen
Zunahme von Demenz, kognitive Funktionen verschlechtern sich
Abnahme von DarmkrebsZunahme von Brustkrebs
Osteoporoserisiko sinkt unter der TherapieDer Effekt auf die Osteoporose* ist nicht nachhaltig, endet nach Absetzen der Hormone

*Mehr zum Thema Osteoporose

Alternativen zur Hormonersatztherapie

Die Ausschüttung von Wachstumshormonen lässt sich auch natürlich – und damit ohne die unerwünschten Nebenwirkungen einer Hormonersatztherapie – stimulieren. Wachstumshormone werden ausgeschüttet bei:

  • Tiefschlaf
  • Ausdauertraining
  • Dinner cancelling, d.h. ab 16 oder 18 Uhr wird nichts mehr gegessen

Pflanzenhormone können, wenn sie kompakt in der Nahrung aufgenommen werden, ebenfalls positive Effekte haben. Sie können

  • Hitzewallungen verringern
  • das Risiko für Brust- und Prostatakrebs senken
  • den Nieren- und Leberstoffwechsel anregen

Was tun für ein Alter in Gesundheit?

Ernährung für ein Altern in Gesundheit

Frau Prof. Gerhard gab den Zuhörern folgende Empfehlungen zur Ernährung für ein Altern in Gesundheit mit auf den Weg:

  • tierische Eiweiße und Fette reduzieren
  • viel Obst, Gemüse, Salat und Hülsenfrüchte essen
  • basisches Essen und Getränke bevorzugen
  • Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen
  • weniger Quantität, mehr Qualität
  • Gewichtszunahme vermeiden

Der Hauptrisikofaktor im Alter ist Übergewicht. Von den über 70-Jährigen Frauen sind nur noch 10 % gesund, 3,3 % haben chronische Krankheiten, bei 60 % sind kognitive und psychische Faktoren eingeschränkt (wie z.B. durch Demenz), bei den restlichen rund 26 % sind sowohl körperliche als auch geistig-psychische Faktoren eingeschränkt.
Je früher ein Mensch unter Übergewicht leidet, desto geringer ist die Chance, im Alter noch gesund zu sein. Jedes Kilogramm Übergewicht nach dem 18. Lebensjahr reduziert die Chance auf Überleben in Gesundheit um 5 %.

Bewegung für ein Altern in Gesundheit

Angemessene Bewegung ist sehr zu empfehlen. Durch Bewegung kann man seine Chancen auf ein Altern in Gesundheit erhöhen. Bewegung verringert z.B. Wechseljahrsbeschwerden, reduziert die Blutfette und verbessert den Zuckerstoffwechsel. So kann Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes entgegengewirkt werden.

Umweltbelastungen vermeiden

Unsere Umwelt können wir nicht immer so gestalten, wie wir es wünschen und wie es für unsere Gesundheit zuträglich wäre. Frau Prof. Gerhard plädierte jedoch für einen bewussten Umgang mit Umweltfaktoren und empfahl:

  • ausreichenden Kontakt mit Licht und Sonne bei Tag
  • Abdunkeln bei Nacht
  • elektromagnetische Belastung reduzieren
  • biologische Nahrungsmittel bevorzugen, auf Plastikverpackungen zu verzichten, Sorgfalt bei der Zubereitung
  • Trinkwasser filtern, Glasflaschen bevorzugen
  • Wohnung und Arbeitsplatz ökologisch einrichten
  • Vorsicht bei der Auswahl und Anwendung von Reinigungsmitteln
  • Kleidung und Kosmetika mit Biosiegel

Bereits aufgenommene Umweltgifte sollten ausgeleitet werden.

Seelisch-geistige Faktoren für ein Altern in Gesundheit

Besonders wichtig für ein Altern in Gesundheit ist das Gefühl zu lieben und geliebt zu werden. Pflegen Sie Lebensfreude und Lebenssinn! Diese kann man z.B. gewinnen durch Haustiere, Lachen, Sexualität und Geselligkeit.
Aktivität hält geistig fit. Höhere Aktivität im Alter ist oft verbunden mit einem höheren Bildungsgrad. Empfehlenswert ist z.B. eine ehrenamtliche Tätigkeit.

Gute Chancen auf ein Altern in Gesundheit

Es gibt bestimmte Niedrig-Risiko-Gruppen, die besonders gute Chancen auf ein Altern in Gesundheit haben.

  • Ernähren Sie sich von modifizierter mediterraner Kost?
  • Sind Sie seit mehr als 15 Jahren Nichtraucher?
  • Bewegen Sie sich mehr als 30 Minuten am Tag?

Wenn Sie alle 3 Fragen mit „Ja“ beantworten können, gehören Sie zu den Menschen, die besonders gute Chancen auf ein Altern in Gesundheit haben.

Fazit

Gesundheit und Altern sind kein Widerspruch, sondern eine Lebenskunst! Hierzu gehört es, das Leben zu bejahen, Glücksmomente zu genießen und die Widrigkeiten und Herausforderungen des Alltags zu akzeptieren.

Online-Redaktion nach einem Vortrag von Frau Prof. Gerhard

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