Mit Gelassenheit und Struktur – 6 Tipps zur Kindererziehung

Mit Gelassenheit und Struktur – 6 Tipps zur Kindererziehung

Die Kindererziehung stellt Eltern immer wieder vor große Herausforderungen. Dabei werden sie von der ständigen Sorge begleitet, ob sie auch alles richtig machen. Hier finden Sie 6 Tipps zur Kindererziehung, die den Alltag entspannter machen und für mehr Freude in der Familie sorgen.

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Erziehung und Entwicklung

Kinder sind wie alle Menschen sehr individuell und selbst Geschwister unterscheiden sich manchmal grundlegend in ihren Eigenschaften. Da liegt es nahe, dass auch die Erziehung nicht bei jedem Kind gleich ablaufen kann, zumal es sowieso kein einheitliches Erziehungsschema gibt, das auf jede Familie und jedes Kind passt. Dazu kommen die Entwicklungsphasen der Kinder. Was gestern noch als erzieherische Maßnahme funktioniert hat, geht heute auf einmal nicht mehr. Und was das Kind vor Kurzem noch nicht konnte, klappt auf einmal sehr gut.

Kinder entwickeln sich ständig weiter, und daran muss sich die Erziehung gewissermaßen anpassen. Die Kindererziehung ist daher eine vielfältige Aufgabe, die die Eltern immer wieder vor neue Herausforderungen stellt und nicht selten auch ihre Nerven strapaziert. Die folgenden 6 Tipps zeigen Ihnen, worauf es bei der Kindererziehung ankommt und wo man als Eltern auch mal ein Auge zudrücken kann.

1. Sich in Gelassenheit üben

Bild: fotolia.com © Kristin Gründler
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Auch, wenn es manchmal schwerfällt, weil Sie einen Termin haben oder pünktlich bei der Familienfeier sein wollen: Vermeiden Sie es, bei Ihrem Kind Zeitdruck aufzubauen. Das sorgt nur für unnötige Unruhe und versetzt Sie in Stress, während das Kind nicht so recht versteht, was Sie von ihm wollen. Mit Aussagen wie „In einer halben Stunde müssen wir bei Oma sein“ oder „Wir müssen gleich fahren, sonst kommen wir zu spät“ können Kinder selbst im Grundschulalter noch kaum etwas anfangen.

Das hat einen einfachen Grund: Kinder haben noch kein Gefühl für Zeit. Sie kennen die Bedeutung von Minuten und Stunden nicht. Selbst, wenn sie bereits die Uhr gelernt haben, bedeutet das nicht, dass sie auch das Konzept „Zeit“ verstehen. Dazu bedarf es Erfahrung. Ihr Tag unterteilt sich daher nicht in Stunden und Minuten, sondern in Handlungen wie Essens-, Spiel-, und Schlafphasen.

Denn während Erwachsene zukunftsorientiert sind, leben Kinder im Hier und Jetzt. Sie nehmen ihre Umgebung ganz bewusst wahr und lernen permanent dazu. Informationen aus ihrer Umwelt saugen sie auf wie ein Schwamm, weswegen sie alles genau betrachten und untersuchen wollen. Für sie sind ganz andere Dinge wichtig als Termine und Pünktlichkeit.

Das sollte Eltern unbedingt bewusst sein, wenn das Kind lieber seine Hände in den Eintopf steckt, um sie danach ausgiebig anzuschauen, als ihn einfach zu essen. Lassen Sie dem Kind genügend Zeit und drängeln sie es nicht immer wieder. Auch dann nicht, wenn es beim Spaziergang vor sich hin trödelt, weil es immer wieder stehen bleibt, um Blumen oder Insekten zu beobachten.

Geben Sie ihm außerdem den nötigen Freiraum, angefangene Spiele oder Aufgaben im Haushalt ohne Unterbrechung und in Ruhe zu beenden. Sollten Sie einen wichtigen Termin haben, ist es ratsam, einen großzügigen Zeitpuffer einzuplanen, damit Sie und Ihr Kind nicht in Stress geraten.

2. Strukturen im Alltag schaffen

Dem Kind genügend Zeit einzuräumen, bedeutet aber nicht, ihm alles durchgehen zu lassen und sich voll und ganz nach ihm auszurichten. Kinder brauchen einen strukturierten Alltag. Dadurch lernen sie, sich später einmal selbst und ihren Tagesablauf zu organisieren. Dazu ist es wichtig, gewisse Routinen zu entwickeln, zum Beispiel regelmäßige Mahlzeiten oder die Zubettgehzeit weitestgehend einzuhalten. Wechseln Sie Phasen der Aktivität und Phasen der Erholung und Ruhe ab. Dieser Ausgleich entspannt Kind und Eltern und sorgt für Vielfalt im Alltag.

Das lässt sich auch gut in gemeinsame Rituale einbauen. Sie bringen Regelmäßigkeit und bieten dem Kind eine Stütze im Alltag. Außerdem machen sie Spaß und sind förderlich für ein entspanntes Familienleben. Das können Aktivitäten mit der ganzen Familie sein, zum Beispiel ein Spaziergang am Sonntag oder regelmäßige Unternehmungen. Um das Kind langsam auf das Schlafengehen vorzubereiten, bietet es sich an, am Abend mit ihm gemeinsam in etwa 20 Minuten vom Spielen zur Ruhe überzugehen.

Dann wird aus Quatschmachen und Toben nach und nach gemütliches Schmusen. Dabei können Sie mit dem Kind den Tag Revue passieren und es von seinen Erlebnissen erzählen lassen. Oder lesen Sie ihm vor dem Einschlafen noch eine Geschichte vor, denn Kinder lieben Geschichten jeder Art.

3. Grenzen setzen und Werte vermitteln

Damit Ihr Kind lernt, sich in ein soziales Gefüge einzufinden und die Grenzen anderer zu achten, ist es bei der Erziehung sehr wichtig, dass Sie ihm Grenzen setzen. Dadurch erkennt es, dass nicht immer alles nach seinen Wünschen gemacht wird und grundsätzlich die Eltern sagen, was erlaubt ist und was nicht. Natürlich sind auch Kompromisse eine Option. Allerdings sollten sie nicht zur Gewohnheit werden. Außerdem ist bei derartigen Verhandlungen mit dem Kind die richtige Kommunikationsebene zu bewahren.

Denn so banal es klingen mag, aber behandeln Sie Ihr Kind auch als solches und nicht als Erwachsenen. Denn die klaren Unterschiede zwischen Kind und Erwachsenen sind ebenfalls eine Grenze, die Sie dem Kind bewusstmachen müssen.

Zu einem strukturierten Alltag gehören Regeln, die klar und deutlich kommuniziert werden. Allerdings ist zu beachten, dass sich mit der Entwicklung des Kindes manche Regeln nach und nach verändern müssen, um alters- und entwicklungsgerecht zu bleiben. Während Regeln wie „Vor dem Schlafengehen werden die Zähne geputzt“ bestehen bleiben, ändern sich zum Beispiel die ausgemachten Schlafens- und Ausgehzeiten immer wieder.

Das Setzen von Grenzen und Regeln ist aber nur dann effektiv, wenn Sie es auch konsequent durchhalten, was Eltern nicht immer leichtfällt. Je nach Tagesform ertragen Mütter und Väter mal schlechter oder besser die Tränenausbrüche und Geschrei ihres Kindes, weil sie es ermahnen mussten. Dann wird entweder jeder Regelverstoß angesprochen oder einem anstehenden Konflikt aus dem Weg gegangen. Das ist ganz natürlich, auch wenn viele ein schlechtes Gewissen haben, nicht konsequent genug gewesen zu sein.

Generell sollten Eltern ihren Kindern bestimmte Werte mit auf den Lebensweg geben, damit sie im Alltag und in der Gesellschaft gut zurechtkommen. Die Einhaltung von Regeln ist ein wichtiger Teil davon. Zu den weiteren Fähigkeiten und Eigenschaften, die Kinder erlernen sollten, gehören die folgenden:

  • gutes Benehmen
  • respektvoller Umgang mit anderen
  • Selbstvertrauen
  • Konfliktfähigkeit
  • Teamfähigkeit
  • selbstständiges Denken und Handeln
  • Mut zum Widerspruch
  • Disziplin
  • Durchhaltevermögen

Die entsprechenden Verhaltensweisen lernen Kinder auch dadurch, dass Sie als Eltern ihnen mit gutem Beispiel vorangehen. Denn Kinder schauen sich ab, wie sich andere und ganz besonders die eigenen Eltern in bestimmten Situationen verhalten und übernehmen das im positiven und im negativen Sinne.

4. Dem Kind Sicherheit geben

Ebenso wie das Vermitteln von Werten ist es wichtig, dem Kind stets das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Das stärkt auch seine Selbstsicherheit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dazu gehört es, dem Kind zuzuhören, wenn es etwas erzählt, und dabei seine Sorgen und Ängste ernst zu nehmen, so unbegründet sie Ihnen auch erscheinen mögen. Loben Sie Ihr Kind, wenn es etwas gut gemacht oder eine schwierige Aufgabe bewältigt hat.

Ermutigen Sie es immer wieder, Herausforderungen anzunehmen, Neues auszuprobieren und daran zu wachsen. Scheitert das Kind bei seinen ersten Versuchen, trösten Sie es und bieten Sie ihm Hilfe an. Erzählen Sie Ihrem Kind ruhig von eigenen positiven und negativen Erfahrungen und Erlebnissen und vermitteln Sie ihm, dass es nicht schlimm ist, etwas beim ersten Mal nicht zu schaffen. Durch solche Gespräche bauen Sie eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihrem Kind auf, weil es spürt, dass auch die eigenen Eltern nicht perfekt sind und es jederzeit mit Ihnen über Probleme reden kann.

Ist Ihr Kind krank, sollten Sie es bestmöglich unterstützen und ihm stets versichern, dass alles wieder gut wird. Denn gerade kleinere Kinder haben oft Angst, wenn sie krank sind. Sätze wie „Stell dich nicht so an“ helfen dem Kind nicht weiter und sind daher zu vermeiden.

5. Perfektionismus ablegen

Bild: fotolia.com © Ana Blazic Pavlovic
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Gerade, wenn die Kinder noch klein sind, sollten Sie sich von einer stets penibel sauberen und aufgeräumten Wohnung verabschieden. Anstatt sich permanent über herumliegendes Spielzeug zu ärgern, sollten Sie vielmehr eine gewisse Unordnung akzeptieren. Das heißt nicht, dass Ihr Kind ab sofort seine Spielsachen überall verteilen darf. Grenzen Sie lieber im Wohnzimmer einen Teil des Raumes als Spielecke ab.

Und auch sonst ist es ratsam, den Perfektionismus beiseite zu schieben. Regen Sie sich nicht darüber auf, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Denn gerade mit Kindern sind spontane Planänderungen immer möglich. Sei es, dass das Kind kurz vor dem Familienurlaub krank wird oder nachmittags lieber zu Freunden spielen gehen will, anstatt mit Ihnen einkaufen zu fahren. Wenn Sie solche Dinge etwas gelassener angehen, ersparen Sie sich und Ihrer Familie Stress und Streitereien.

6. Auf das eigene Bauchgefühl hören

Für die Erziehung und Entwicklung Ihres Kindes gibt es einige grundlegende Dinge, die Sie dem Kind mit auf seinen Lebensweg geben sollten. Lassen Sie ihm genug Zeit, seine Umwelt kennen zu lernen und für sich zu entdecken, und vermeiden Sie unnötigen Zeitdruck. Schaffen Sie unbedingt klare Strukturen und Rituale, die den Tagesablauf ordnen und Ihrem Kind zur inneren Ruhe verhelfen. Auch klare Regeln und das Gefühl von Sicherheit sind sehr wichtig für heranwachsende Kinder.

Darauf kommt es an

Diese Tipps sollen Ihnen als Anregung dienen. Wie Sie die einzelnen Punkte umsetzen, bleibt Ihnen überlassen. Denn jede Familie ist anders und verfolgt daher ihr eigenes Konzept, auch in Sachen Erziehung.

Wie alle Eltern, wollen sicher auch Sie den Anforderungen des Alltags gerecht werden und möglichst alles richtig machen. Sich und seine Familie diesem Druck auszusetzen, kann belastend für alle sein. Denn so gut Expertentipps und Erziehungsratgeber auch sein mögen: Niemand kennt Ihr Kind so gut, wie Sie selbst. Vertrauen Sie daher auf Ihr Bauchgefühl und machen Sie sich frei von überzogenen Erwartungen anderer. Wichtig ist aber, dass beide Elternteile an einem Strang ziehen und wenigstens ähnliche Erziehungsmethoden anwenden.

Autor: René Scholer

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