Zum Glück gibt´s das Lachen

Zum Glück gibt´s das Lachen

Wäre doch gelacht, wenn Sie heute noch nicht gelacht haben! Wie, Sie haben nicht? Dann aber los, denn glaubt man einem gar nicht mehr so ganz neuen Trend, dann gibt es fast nichts Gesünderes als das Lachen in all seinen Varianten. Jeder mag es, jeder kann es und wenn einer anfängt, dann lachen meist alle anderen mit. Also lachen, grinsen oder lächeln Sie, prusten Sie los ...

Einführung

Zum Glück gibt´s das Lachen

Wäre doch gelacht, wenn Sie heute noch nicht gelacht haben! Wie, Sie haben nicht? Dann aber los, denn glaubt man einem gar nicht mehr so ganz neuen Trend, dann gibt es fast nichts Gesünderes als das Lachen in all seinen Varianten. Jeder mag es, jeder kann es und wenn einer anfängt, dann lachen meist alle anderen mit. Also lachen, grinsen oder lächeln Sie, prusten Sie los, gackern oder kichern Sie. Und zwar auch dann, wenn Sie eigentlich gerade gar keinen Grund haben. Ja, sogar dann, wenn Ihnen nach dem Gegenteil zumute ist.

Selbst Woody Allen, der bekannte amerikanische Schauspieler und Spaßvogel, soll einmal gesagt haben, dass er die meiste Zeit kaum etwas komisch fände, und den Rest der Zeit überhaupt nichts.

Dennoch hat er uns immer wieder zum Lachen gebracht. Und schließlich soll selbst das schlichte Hochziehen der Mundwinkel zum gewöhnlichen Lächeln, der kleinen Schwester des Lachens, im Körper nur Gutes bewirken – sofern es sich nicht um das beruflich verordnete Dauerlächeln von Verkäufern oder Stewardessen handelt.

Ein nettes, echtes Lächeln signalisiert Offenheit und Kontaktbereitschaft, schlägt damit eine Brücke vom Ich zum Du und kann, nicht zuletzt, geradezu „entwaffnend“ wirken.

Eine ganze Reihe von Studien bescheinigen dem Frohsinn positive Wirkungen auf Körper und Psyche. Der Volksmund weiß es schon lange: Lachen ist gesund und auch wenn angeblich manche Theologen darüber streiten, ob Jesus jemals gelacht hat, heißt es schon in der Bibel: „Ein fröhlich Herz tut auch dem Körper gut, den Leib dörrt aus ein kummervoll Gemüt.“

Überhaupt ist ein Blick in die Geschichte des Lachens und des Humors durchaus spannend. So sollen die großen Philosophen der Antike die Zähmung des „groben Lachens“ zugunsten von feinerem Witz und kultivierter Ironie gefordert haben. In der Akademie Platons jedenfalls war das Lachen verpönt. Auch Cicero hat sich mit der Angemessenheit von Witzen beschäftigt, zumal es im römischen Recht verboten war, einen Bürger lächerlich zu machen.

Im Mittelalter und der Renaissance wurde der Humor mehr und mehr aus der höfischen Kultur und der Kirche verdrängt. Bald galt Lachen in den Klöstern als der obszönste Weg, das Gelübde des Schweigens zu brechen. Humor wurde zum Thema der Volkskultur und des Karnevals. Heutzutage ist vor allem dank der Massenmedien kultivierter und weniger kultivierter Humor geradezu omnipräsent.

Wer zum Thema „Lachen“, Lachtherapie“, „Lach-Yoga“ im Internet surft, sieht sich einer unüberschaubaren Fülle an Informationen gegenüber. Nicht nur die Wissenschaft hat das Thema entdeckt, auch populärwissenschaftliche Publikationen widmen sich der Kraft des Lachens. „Ich bin fröhlich“, „Lachen wir uns gesund“, „Das Lach-Prinzip“ oder „Die Humorstrategie“, „Das kleine Lachyoga-Buch“ sind nur einige der Titel auf dem deutschen Markt.

Der Gemütszustand eines Menschen, soviel wird schnell klar, gilt heute nicht mehr nur als Gabe, die ein Mensch hat oder nicht, sondern kann auch als Herausforderung begriffen werden, die mit Auseinandersetzung und Mühe verbunden ist.

Lachen und Humor

Lachen und Humor

Ursprünglich soll das Lachen, glaubt man dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz, eine Drohgebärde gewesen sein, die aus dem Zähnefletschen entstanden ist. Heute gilt Lachen als natürliche Reaktion eines gesunden Menschen auf komische oder erheiternde Situationen und ist eine dem Menschen angeborene Verhaltensweise.

Sozialbedeutung

Gelacht wird aber auch nach einer überwundenen Gefahr, um soziale Konflikte zu verhindern oder Ängste abzuwehrenIm täglichen Miteinander ist Lachen Ausdruck von Sympathie und hat eine „besänftigende“ Wirkung. „Gemeinsames Lachen zum Beispiel nach einem Sieg bei einem sportlichen Ereignis ist ein wichtiges Signal der Verbundenheit“, sagt der deutsche Lachforscher und  Psychotherapeut Michael Titze, der etliche Aufsätze zum Thema „Lachen“ verfasst hat.

Außerdem, so Titze, sei Lachen ein „Schmiermittel für die Kommunikation“. Mit einem fröhlichen Begrüßungslachen öffnen Sie Türen, mit einem verlegenen Lachen wiegen Fehler und Unsicherheiten noch halb so schwer, und ein entschuldigendes Lächeln hilft Misstöne aus der Welt zu schaffen.

Lachen als Reflex

Nur oberflächlich betrachtet gilt das Lachen immer als fröhlich, denn Lachen kann als sarkastisches, zynisches oder schadenfrohes Lachen auch bösartig gemeint sein. Lachen stärkt einerseits das Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühls innerhalb einer Gruppe. Diejenigen, die nicht zu dieser Gruppe gehören, können dieses Lachen aber andererseits als feindselig, hämisch oder demütigend empfinden – je nach Situation und je nachdem, auf wessen Kosten gelacht wird.

Wer sich nur ein wenig mit dem Thema befasst und sich die zahllosen mit Gelächter und Humor verbundenen Begriffe anschaut, sieht ein weites Feld vor sich, das schwer einzugrenzen ist: Sarkasmus, Ironie und Spott gibt es ebenso wie Anekdoten, Satiren oder Glossen, Cartoons, Farcen oder Grotesken, Karikaturen oder Slapsticks. Jeder weiß was ein running Gag ist, ein Scherz, eine Zote oder ein Kalauer und jeder kann wohl britischen Humor von rheinischem Frohsinn unterscheiden und den wiederum vom mit Verzweiflung gepaarten Galgenhumor.

Aber egal, ob das Lachen auf eine Zote oder eine Karikatur folgt: Das echte, nicht künstliche Lachen ist ein unwillkürlicher Akt, eine Art Reflex und kann nur durch große Selbstbeherrschung verhindert werden – das weiß jeder, der schon einmal einen Lachkrampf bekommen hat.

Humor

Humor betrachten wir normalerweise als eine der wichtigsten und angenehmsten Eigenschaften eines Menschen. Doch er ist nicht leicht zu definieren. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Feuchtigkeit, Saft.

In der Antike meinte man damit die richtige Mischung der Körpersäfte, die wiederum zu einer guten Stimmung verhelfen sollte. Häufig werden Menschen, die bei anderen ein Lachen hervorrufen können, als humorvoll bezeichnet. Oder man bezeichnet als Humor alles, was ein Lachen hervorbringt.

Eine umfassende Theorie des Humors ist vor allem deswegen so schwierig, weil es – siehe oben - eine immense Vielfalt des Lachens und seiner Zielrichtungen gibt. Im Deutschen wird laut wikipedia Humor oft als eine Situation verstanden, in der man „trotzdem lacht“. Diese Formulierung wird dem deutschen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, Otto Julius Bierbaum, zugeschrieben.

Humor verbindet so gewissermaßen Schwäche und Stärke auf eine ganz eigene Weise: Ein Lachen ist dann Humor, wenn es in einer Situation der Gefahr oder des Scheiterns auftritt, sich nicht gegen Dritte richtet und eine wenn auch noch so kleine Hoffnung auf die Überwindung der Krise vermittelt. Humor und Selbstironie wären nach dieser Definition nahe Verwandte.

Wie kaum etwas anderes ist Humor geeignet Distanz zu schaffen und sich über eine Situation zu stellen, wenn meist auch nur für Augenblicke. So kann man Humor und Freude allgemein auch als mächtiges Gegengewicht zur Erdenschwere betrachten und exzessives Lachen als Sieg des Körpers über die Macht des sonst dominierenden Verstandes:

Manchmal gewinnt das Lachen in einer fröhlichen Gruppe eine Eigendynamik, die resistent ist gegenüber vernünftigen Überlegungen. Für Joachim Ringelnatz war Humor „der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“ Und Konrad Lorenz mahnte, man könne den Humor “nicht ernst genug“ nehmen.

Was bewirkt Lachen im Körper?

Was bewirkt Lachen im Körper?

Hat das Gehirn einen entsprechenden Reiz erhalten, löst es das Lachen aus - körperliche Schwerstarbeit, wie der Stanford-Professor William Fry herausgefunden hat. Lachen, behaupten Fry und andere Lachforscher (Gelotologen), sei eine wunderbare Leibesübung.

Wenn ein Mensch lacht, werden im Gesicht 17 und am ganzen Körper 80 Muskeln betätigt. Die Augenbrauen heben sich, die Nasenlöcher weiten sich, der Jochbeinmuskel zieht die Mundwinkel nach oben, die Augen verengen sich zu Schlitzen, das Zwerchfell bewegt sich rhythmisch, die Verdauung wird angeregt, der Atem geht schneller, die Luft schießt mit bis zu hundert Stundenkilometern durch die Lungen, die Stimmbänder werden in Schwingung versetzt. Der Schall männlichen Gelächters hat mindestens 280 Schwingungen pro Sekunde, der des weiblichen sogar 500.

Der ganze Kreislauf kommt durch kräftiges Lachen in Schwung. 20 Sekunden Lachen sollen in etwa der körperlichen Leistung von drei Minuten schnellem Rudern entsprechen.

Der Entspannungseffekt nach einem kräftigen Lachanfall, glaubt Lachforscher Dr. Michael Titze, sei ähnlich wirkungsvoll wie Autogenes Training oder Biofeedback-Training.

Gleichzeitig soll das Lachen, wie viele Untersuchungen gezeigt haben, Heilungsprozesse im Körper bewirken. Beim Lachen wird Serotonin, das gern als „Glückshormon“ bezeichnet wird, ausgeschüttet und es kommt zu einer Vermehrung von Lymphozyten und Immunglobulinen, die den Körper vor Krankheitserregern schützen.

Glaubt man weiteren Untersuchungen aus den USA, so stärkt Lachen auch die Immunabwehr, indem körpereigene Mechanismen wie die T-Lymphozyten und Gamma-Interferon aktiviert werden, die bei der Abwehr von Krebs von Bedeutung sind. Die Produktion der Stresshormone Adrenalin und Kortisol dagegen wird gedrosselt. Einige Studien der Gelotologie haben sogar ergeben, dass Schmerzpatienten nach nur wenigen Minuten Lachen durch die vermehrte Bildung körpereigener entzündungshemmender Stoffe oft mehrere Stunden lang spürbar weniger unter Schmerzen leiden.

Lachen als Therapie

Lachen als Therapie

Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag,

soll Charlie Chaplin einmal gesagt haben.

Da Lachen nicht nur eine positivere Grundstimmung verursacht, das soziale Miteinander fördert und hilft Konflikte zu lösen, sondern auch das körpereigene Immunsystem stärkt, ist es nicht weiter erstaunlich, dass immer mehr Therapeuten Lachen gezielt einsetzen.

Bei Demenzkranken etwa hat sich der Einsatz lustiger Besucher bewährt, speziell auf Kinderstationen hat man gute Erfahrungen mit Klinik-Clowns gemacht, und selbst Psychotherapeuten diskutieren längst eine heilsame Wirkung dieses „körpereigenen“ Mittels.

Für den ersten Verfechter der Humoranwendung in der Psychotherapie, Viktor Frankl, galt der Humor geradezu als „Waffe der Seele im Kampf um Selbsterhaltung“.

Dass Witze, Späße und Komik auch bei psychischen Problemen unterstützend bei der Heilung helfen können, versucht der amerikanische Psychologe Harold Mosak in seinem Buch „Ha Ha and the Aha“ nachzuweisen. In ihm hat er Späße gesammelt, die bei einer Psychotherapie zu ganz eigenen Einsichten verhelfen sollen. Unter „Therapeutischem Humor“ versteht man den gezielten Einsatz von Humor im Rahmen einer Therapie. Durch humorvolle Kommentare des Therapeuten und das Einüben solcher Kommentare durch den Patienten werden angstauslösende Situationen und Ereignisse neu bewertet. Dem Patienten soll so ein höheres Maß an Kontrolle seiner Situation vermittelt werden.

Lachtherapie

Wohlgemerkt: Auch wenn beim Stichwort „Lachtherapie“ immer wieder auf die Heilung des Amerikaners Norman Cousins verwiesen wird, der in den 80er Jahren an einer schmerzhaften Spondylarthritis litt und sich selbst mit einer Lachtherapie heilte, (Cousins ließ sich statt im Krankenhaus in ein schönes Hotelzimmer nahe der Klinik verlegen, ließ sich heitere Bücher vorlesen und von seinen gutgelaunten Freunden unterhalten und schaute Slapstick-Filme), hat noch niemand nachgewiesen, dass ein frohes Gemüt Krebs heilen kann.

Eine Lachtherapie wird eher als unterstützende Begleittherapie angewendet, und in dieser Form auch in der Schmerztherapie, bei Phobien und Neurosen von vielen Wissenschaftlern als hilfreich angesehen. Daher gibt es zwischenzeitlich in vielen Ländern Kliniken, die ihren Patienten Humor- und Lachtherapieprogramme anbieten und in manchen ist das Lachen dabei, Antidepressiva zu verdrängen.

„Ich selbst habe in den letzten Jahren in den von mir angeleiteten Humor- und Lachgruppen immer wieder festgestellt, welch ein Hochgefühl selbst bei Menschen aufkam, die seit langem von Schmerzen und Hoffnungslosigkeit geplagt waren, nachdem sie buchstäblich bis zur Erschöpfung gelacht haben“, schreibt Dr. Michael Titze.

Er hat Kongresse und Tagungen für therapeutischen Humor organisiert und, in Zusammenarbeit mit therapeutischen Clowns, Fortbildungen für Berufsangehörige psychosozialer Berufe.

Wer mit einem humorvolleren Blick auf sein Leben aber keine wirklich schwierigen psychischen und physischen Probleme angehen, sondern einfach ein wenig frohgemuter und positiver durchs Leben gehen will, findet möglicherweise in einem der zahllos aus dem Boden gesprossenen Lachclubs eine praktikable Methode. Einzige Voraussetzung: der Wille zum Lachen.

Lachyoga

Hoho-haha heißt – getreu dem Vereinszweck - der 2002 gegründete Verband der deutschen Lach-Yoga-Therapeuten. Die Therapie hat ein großes Ziel: Sie will vor allem die durch den Ernst des Lebens allzu seriös gewordenen Erwachsenen wieder öfter zum Lachen verleiten, denn Lachen wird als der schnellste Weg gesehen um in positive Stimmung zu kommen.

Und während Kinder noch bis zu 400 Mal am Tag lachen, kichern oder prusten, bringen es Erwachsene gerade mal auf 15 Mal pro Tag. Fake it until you make it, ist das Motto bei Lachkursen oder dem Lachyoga: Tu so als ob, bis es gelingt.

Hier gilt wieder: Unser Gemütszustand ist nicht angeboren, sondern hat viel mit Arbeit und Auseinandersetzung zu tun. Die ansteckende Wirkung des Lachens und der Blickkontakt bei den Übungen sorgen dafür, dass aus dem anfangs künstlichen Lachen schnell ein echtes wird. Die Kombination von Lachen und Yoga wurde 1995 von Dr. Madan Kataria aus Mumbai entwickelt. Lach-Yoga-Übungen basieren vor allem auf der Tiefenatmung des Yoga und stellen eine Art laute Sofortmeditation dar. Lachyoga soll die Folgen von Stress mildern, uns kreativer, heiter, gelassener machen und damit insgesamt unser körperliches und seelisches Wohlbefinden stärken.

Die Lach-Yoga-Übungen sind so einfach wie effektiv und sorgen für einen gut durchbluteten und mit viel Sauerstoff versorgten Organismus. Laut Kataria soll Lachen die Empfindungsfähigkeit steigern, Muskelverkrampfungen lösen, die innere Atmung aktivieren und dafür sorgen, dass unsere Sinne abschalten können. Dadurch, glauben die Lachyoga-Anhänger, könne man vollkommen entspannen.

Durch diese besondere Art des Yoga, ist Kataria überzeugt, könne eine geradezu kosmische Freude entstehen, ein Glückseligkeitsgefühl, das uns viel Energie gibt. Und schließlich verstehen Kataria und seine Anhänger das Lachen als eine universelle Sprache, die ein klein wenig auch zum Weltfrieden beitragen soll nach dem Motto „Wer lacht, kann nicht schießen.“ Da kann ein eigens in die Welt gerufener Weltlachtag nicht schaden: Seit 1998 gibt es ihn und der erste fand am 11. Januar 1998 in Mumbai statt.

Seither dürfte am Weltlachtag, der nun immer am ersten Sonntag im Mai begangen wird, ganz besonders viel Frohsinn auf unserem Planeten herrschen, denn die Lachbewegung ist zwischenzeitlich bestens organisiert und lässt sich allerhand Komisches zum gemeinsamen Lachen einfallen. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse gehören in Deutschland zwischenzeitlich immerhin mehr als 300 000 Menschen einem Lachverein an.

Trainiert wird das Lach-Yoga mit spielerischen Übungen, die sich z.B. „Löwenlachen“ (Lachen mit weit herausgestreckter Zunge), „Ein-Meter-Lachen“, oder „Engelslachen“ nennen. Zu den Übungen gehören Geräusche, Mimik und Körperbewegungen genauso wie Atemtechniken und Zwerchfellstimulationen. Die Übungen werden im Stehen und im Gehen durchgeführt, die eigentliche Lachmeditation erfolgt meist im Liegen.

Selbstverständlich ist auch Lachyoga kein Ersatz für eine medizinische oder psychologische Therapie. Aber eine unterstützende Wirkung selbst in der Schmerztherapie, bei Phobien und Neurosen, bescheinigt die Wissenschaft dem Humor auf jeden Fall.

Lachen in der Praxis

Ilsebyll Beutel-Spöri
Ilsebyll Beutel-Spöri
David Gilmore
David Gilmore

Zwei Lachyoga-Lehrer und ein Clown erzählen aus der Praxis von ihren Erfahrungen und Einsichten:

Ein Burnout hat 2005 Georg Holfelder zum Nachdenken gezwungen und letztendlich zum Lachyoga gebracht. Nachdem er ein Jahr lang einen Lachtreff in Stuttgart und danach etliche Kurse besucht hat, organisiert er heute selbst Lachkurse im Raum Böblingen. Von der positiven Wirkung des Lachens ist er nach wie vor überzeugt, wenn er auch zugibt, dass er nicht jeden erreichen könne.

„Bei manchen Menschen ist der Panzer so dick, da kommt man nicht ran. Und diese Leute bleiben meistens nach dem ersten Abend weg“, erzählt er.

Die meisten anderen aber profitierten ebenso vom Lachen wie er selbst, fühlten sich zunehmend lockerer und entspannter und betrachteten ihr Leben und ihre Probleme mit mehr Humor. Dabei gehört zu den Lachabenden das Weinen ebenso dazu wie das Lachen, denn mit beidem, so Holfelder befreie sich die Seele von belastenden Gefühlen.

So ist auch gewöhnlich die erste Übung des „Vorlachers“ die Übung „Lachen und Weinen“. Was folgt, nennt der 48-Jährige eine Art „Lachreise“. Zu ihr gehört das „Begrüßungslachen“, bei dem sich zwei Teilnehmer lachend in die Augen schauen, das „Handylachen“, bei dem man in ein imaginäres Handy am Ohr lacht oder auch das „Sich-ins-Fäustchen-Lachen“.

Männer haben es in Holfelders Kursen ein wenig schwerer, da sie häufig allein unter vielen Frauen sind. Die scheinen experimentierfreudiger als Männer zu sein. Männer, glaubt Holfelder, täten sich mit dem Kontrollverlust und der Albernheit in einem Lachkurs oft ebenso schwer, wie damit, Fehler und Schwächen zuzugeben und darüber zu lachen.

Als gelernte Puppenspielerin weiß Ilsebyll Beutel-Spöri von Berufs wegen, wie wichtig Lachen ist.

Doch auch positive und fröhliche Menschen wie sie, erzählt sie, könnten in kleinere oder größere Lebenskrisen geraten.

„Nachdem meine Kinder aus dem Haus waren, ist mein Lachen nach und nach im Alltag untergegangen“, erzählt sie. „So wollte ich nicht weiter machen und bin auf einen Lachyoga-Kurs gestoßen.“ 

Seit sechs Jahren gibt sie nun schon selbst Kurse und ist in dieser Zeit auch vielen aufgeschlossenen Ärzten begegnet, die dem Lachen nur positive Wirkungen nachsagen – auf kranke wie auf gesunde Menschen.

„Lachen kostet nichts und hat keinerlei unangenehme Nebenwirkungen“, sagt sie. Von ihren Kursteilnehmern bekommt sie ebenfalls viele positive Rückmeldungen und auch ihr Mann hat festgestellt, dass Ilsebyll Beutel-Spöri ihr Leben entspannter angeht und ihr altes Lachen wieder gefunden hat.

Einen durchaus anderen Ansatz mit Humor neue Lebensfreude zu wecken, verfolgt David Gilmore.

Der gebürtige Engländer mit jüdischen Wurzeln hat in Cambridge Deutsch und Italienisch studiert und machte sich danach in Deutschland auf die Suche nach einem Beruf, bei dem er sich selbst treu bleiben und mit dem er Sinnvolles bewirken konnte:

Er wurde Narr und beschäftigt sich nun schon seit 25 Jahren mit der Heilkraft des Lachens. Das Leben selbst und die eigene Selbstbeobachtung haben den „Berufsnarren“ am meisten geprägt.

Bei Therapeuten lernte er, sich den Themen und Begrenzungen seines eigenen Lebens zu stellen, bei Theaterleuten den Umgang mit der Bühne, dem eigenen Körper und das Improvisieren. David Gilmore ist ein Narr, der lange gesucht, vieles probiert und noch mehr erlebt hat:

Er war Dozent an der Volkshochschule, machte in Tübingen erste Theaterseminare, in San Francisco Tanztheater. In Freudenstadt arbeitete er als Clown- und Theatertherapeut in der Psychiatrie, befasste sich mit Rebirthing, gründete eine Clown- und Theaterwerkstatt und das Kindertheater Picobello.

Er ließ sich zum Quadrinity-Lehrer und später zum „Clown als Spieler, Lehrer und Heiler“ weiterbilden. Heute arbeitet er mit der Hannover „Schule für Tanz, Clown und Theater“ zusammen, hat das Ensemble „Moving Stages“ gegründet, bietet Fortbildungen für Teams aus Kliniken, Schulen und anderen Einrichtungen an und tritt auch selbst als Narr, Clown oder Improvisationsspieler auf.  

Für David Gilmore ist Humor ein Zeichen wahrer Freiheit und das Lachen keine Technik, sondern der natürliche Ausdruck unseres Menschseins.

Der 58-Jährige hat sein eigenes Konzept einer körperorientierten, humorvollen Theaterarbeit entwickelt, die das Clowneske und das Lachen als ein Mittel integriert, sich mit der eigenen Geschichte, den eigenen Unzulänglichkeiten und Ängsten zu versöhnen.

„Der Narr und der Clown sind bereit, den eigenen Katastrophen und dem eigenen Schatten geradewegs ins Auge zu schauen.

Das, was der Narr spiegelt, ist die Art, wie wir die Wahrheit leugnen. Er spiegelt unsere Masken. Der Clown scheitert mit Hochgenuss. Er schafft seine Katastrophen ja selbst.

Für viele mag es schon eine Katastrophe sein, dass andere merken, was man in Wirklichkeit denkt, wünscht oder tut. Genau das kehrt der Clown nach außen. Aber durch sein Spiel und seine eigene kreative Lebendigkeit, zeigt er uns einen Weg, den wir gehen können und einen freien Raum, den wir uns nehmen können“, schreibt Gilmore auf seiner lesenswerten Homepage.

Viele Teilnehmer seiner Kurse und Seminare, erzählt Gilmore, seien Menschen, die sich wie er zum Clown berufen fühlen. Die Mehrzahl allerdings wolle einfach für sich persönlich mehr Lebensfreude gewinnen: „Bei ihnen steht der Umgang mit sich und dem Alltag im Vordergrund.“

Die Teilnehmer seiner Kurse gingen danach oft spielerischer mit sich um, seien offener und könnten spontaner mit unbekannten Situationen umgehen. Auch der „Berufsnarr“ selbst hat sich natürlich durch seine Arbeit weiter verändert:

„Ich habe in Fehlern Chancen und Freiräume entdeckt und erfahren, dass ich am besten bin, wenn ich die „Fehler“ als Teil meiner Kreativität ansehen und als hilfreiche Begleiter.“

Von krampfhaftem Lachen hält David Gilmore wohlgemerkt gar nichts. Zu lachen, weil andere es von einem erwarten, sei kein gesundes Lachen. Und: „Ich habe nie gelacht, weil es gesund sein soll.“ Lachfalten satt hat der fröhliche Narr auf alle Fälle. Doch wie heißt es so schön: Schmunzeln veredelt die Runzeln. Wäre doch gelacht, wenn wir uns die nicht alle mit der Zeit anlachen könnten.

Barbara Bross

Wir danken unseren Interviewpartnern: Georg Holfelder, Ilsebyll Beutel-Spöri und David Gilmore

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen



Mailadresse dient möglichen Rückfragen durch die Redaktion.
Sie wird nicht veröffentlicht.


Wichtiger Hinweis:

Diese Inhalte dienen der Information und Orientierung. Sie können und sollen unter keinen Umständen den Besuch eines Arztes und die Konsultation medizinischer Beratung oder professioneller ärztlicher Behandlung ersetzen.
Der Inhalt von naturheilmagazin.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Im Übrigen verweisen wir auf die Geltung unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB

Krankheiten A-Z