Der kranke Mensch ist mehr als sein Befund

Der kranke Mensch ist mehr als sein Befund

Eine Vortragsreihe der Ärzte für Erfahrungsheilkunde e. V. beschäftigte sich mit dem großen Thema Geist – Seele – Körper. Der Beitrag von Dr. Fintelmann machte deutlich, dass hier ein Vordenker und „Freigeist" referiert, der den autarken, selbstbestimmten Menschen zum Ziel und Vorbild nimmt und in jeglicher Beziehung für ihn eintritt.

Autor/en dieses Beitrages:
Kerstin Disse, Heilpraktiker/in aus Stuttgart

Vom Stellenwert der Seele bei Krankheit und Heilung

Ein Beitrag von Prof. Dr. med. Volker Fintelmann aus Hamburg auf der 39. Medizinischen Woche in Baden – Baden

Der Wunsch nach einem ganzheitlichen Menschenbild in der Medizin wurde deutlich formuliert. Dann würde auch Heilung möglich, wo heute noch Unheilbarkeit diagnostiziert wird, so Fintelmann.

Dr. Fintelmanns Vortrag begann mit der Feststellung, dass sich die Medizin als Teil der Naturwissenschaft versteht. Und dass auch er schon über viele Jahre des Studiums hinweg und bis heute als Internist mit Schwerpunkt Hepatologie und Onkologie überzeugt von der Richtigkeit dieses Standpunktes ist. Denn ursprünglich orientierte sich die klinische Medizin ausschließlich und unmittelbar am Menschen.

Früher und Heute

Die sinnlich machbare Beobachtung, die der Ausgangsschritt der naturwissenschaftlichen Methode war und die über aus kultatorisch diagnostizierte Befunde (Lungenauskultation: Abhören der Schallzeichen der Lunge mittels Stethoskop; Anmerk. d. Red.) erhärtet wurde, stand im Mittelpunkt der Untersuchung. So wurden z.B. Lungenkavernen mit fast 100% Sicherheit über dieses Instrument erkannt. (Lungenkaverne: krankhafter Hohlraum; Anmerk. d. Red.). Dieser Teil der Medizin wurde aber nach und nach vernachlässigt.
Fintelmann ist der Ansicht, dass man sich heute immer mehr auf die molekularbiologischen Zusammenhänge stützt und man glaubt auch nur dann objektive Wissenschaft zu betreiben, wenn man sich ausschließlich an nachweisbaren Befunden orientiert. Dabei zeigt eben die Beobachtung, dass neben der Ebene der Befunde auch die Ebene der seelischen Gestimmtheit existiert.
„Wir stecken heute in einer schwierigen Grenzsituation, weil sich das Beobachtbare zum Molekularen hin entwickelt hat. Jedoch: Wer von Ihnen hat jemals Transaminasen gesehen?" (Transaminasen: i. w. S. Enzyme, die best. Eiweiße auf andere übertragen; Anmerk. d. Red.)

Der Geist

Fintelmann nannte Popp, Köhler und Victor von Weizäcker, die das Zusammenspiel von Körper und Seele darzustellen versucht haben, so z.B. dass eine Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse) auch seelische Befunde auslöst. Diese psychosomatische Herangehensweise hat die Medizin aber nicht wirklich verändert, so Fintelmann. Denn: „Den „Geist" an sich gibt es in der modernen Medizin nicht mehr." (Der Begriff umfasst i.a.R. alle mentalen (lateinisch mens = Geist) Fähigkeiten (des Menschen): Verstand, Intellekt, Intelligenz, Urteilskraft, Erfahrung sowie die Fähigkeit, Zusammenhänge aufzudecken; Quelle: Wikipedia) Thure von Uexküll hat einmal gesagt: „Die Medizin hat den Geist aus sich ausgetrieben. Und meiner Meinung nach wird es höchste Zeit, dass man ihn wieder hereinbittet."
Der Geist tritt dem Arzt, laut Fintelmann, nämlich in der Individualität jedes einzelnen Patienten gegenüber.
Und er ist überzeugt: „Die Zukunft der Medizin wir der ganzheitliche Ansatz sein."
Und er schließt sich Rudolf Steiner an, der sagte: Jeder Mensch ist eine Art für sich. „Denn jeder Mensch besitzt sein völlig eigenes Immunsystem und die Seele fungiert als Ausgleich zwischen Körper und Geist." Und, so Steiner: „Überall da, wo der Geist unmittelbar auf den Körper wirkt, zerstört er ihn. "Fintelmann ist der Meinung, dass die Seele der Träger der Emotion und Ausdruck der Subjektivität ist. Die moderne Medizin aber will das Subjektive eliminieren!"

Der Wille

Als zweiten Aspekt betrachtet Fintelmann den Willen des Menschen. Eine entscheidende Frage für ihn ist: „Willst Du gesund werden? Und das Problem liegt heute oft darin, dass der Wille des Menschen geschwächt ist." Dabei geht Fintelmann von der Psychosomatik der Organe aus, die in unmittelbarer Beziehung zur Welt stehen und sich mitteilen können. Und er ist überzeugt: Die Seele ist ein dynamisches System, wobei sich Leib und Seele „ins Gleichgewicht denken" können. Und auf der anderen Seite ist die Seele, als Heimat der Welt der Emotionen, der Ort von dem das „Kränkeln" ausgeht. „Das subjektive Gefühlserleben kann ein Krank sein hervorrufen. So z.B. die falsche Intensität eines Gefühls zur falschen Zeit am falschen Ort."

Conclusio

Die Seele ist letztendlich das alles Bestimmende. In ihr drückt sich der Geist aus und sie bestimmt auch den Geist. Und alle genetische Bestimmtheit ist Unfug! Es sind die inneren Veränderungen, die das gesunde Wechselverhältnis von Leib und Seele kränken. Die Seele ist die Tastatur auf die der Geist nur spielt. "Die Zukunft sieht Fintelmann im freien, selbstbestimmten Menschen und in einer Medizin, die sich aus dem Dickicht der Bürokratisierung befreit hat."

Beitrag von Prof. Dr. med. Volker Fintelmann aus Hamburg

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