Heilfasten - eine tiefgreifende Therapie

Heilfasten - eine tiefgreifende Therapie

Richtig angewandt reinigt Heilfasten Körper und Geist. Dr. Lützner hat für Sie zusammengefasst, was beim Heilfasten passiert, worauf Sie achten sollten und was Heilfasten im Hinblick auf verschiedene Krankheiten von Diabetes bis Bluthochdruck leisten kann.

Autor/en dieses Beitrages:
Dr. med. Norbert Lischka, aus Überlingen

Heilfasten – eine tiefgreifende Therapie

Wir sehen also, dass der Wechsel zwischen Fülle und Leere den Prinzipien unseres Kosmos innewohnt, dass speziell die belebte und beseelte Welt von diesem Wechsel durchwirkt ist. Und so wundert es nicht, dass wir schon in den diätetischen Richtlinien von Hippokrates (ca. 460 bis 370 v. Chr.), dem griechischen Arzt und dem Begründer der wissenschaftlichen Heilkunde das Fasten als tiefgreifende Heilmethode antreffen. So schreibt er: "Eure Nahrung sei euer Heilmittel, und euer Heilmittel sei eure Nahrung. Die vornehmste und wirkungsvollste Art aber, euren inneren Arzt wirken zu lassen, besteht im Weglassen aller Nahrung, also in der Entsorgung des Körpers von allem Übel und dem damit verbundenen Wachwerden wunderbarer Heilkräfte." Je bedrohlicher sich das Krankheitsbild entwickelte, desto strenger wurde der Verzicht auf die Nahrung durchgeführt.

Kurze Geschichte des Fastens

Der Leibarzt von Marc Aurel Galen (ca. 129 bis 199 n. Chr.), begründete die so genannte Säftelehre, die "Humoralpathologie", die die Medizin bis ins 19. Jahrhundert bestimmen sollte. Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle waren für Galen die Grundbestandteile des Körpers. Diese im Gleichgewicht zu halten, war für Galen in erster Linie durch regelmäßiges Fasten möglich.

Der Ordensgründer der Benediktiner, Benedikt von Nursia (480 bis 547), übernahm Galens Säftelehre und Heilmethodik in die Klostermedizin.

Die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) empfiehlt an über 40 Stellen ihrer Schriften das Fasten als ein ursächliches Heilmittel gegen insgesamt 40 krankmachende Lasten, darunter Ausgelassenheit, Schlemmerei, Wollust und Bequemlichkeit.

In unseren modernen medizinischen Sprachgebrauch übersetzt hat Hildegard hier Risikofaktoren aufgezählt, die zum Beispiel einem Herzinfarkt Vorschub leisten. "Wer auf dieser Welt der Vergnügungssucht anhängt, dann aber die Einflüsterung dieser diabolischen Kunst ablegen möchte, der soll sein Fleisch je nach der Art und dem Grad seiner Verfehlung durch das Fasten züchtigen", heißt es bei ihr.

Der Theologe und Philosoph Roger Bacon (1219 bis 1292) nannte als Hilfe gegen Altersbeschwerden, alle zwei oder drei Jahre zu fasten.

Auch der persische Arzt Avicenna (980 bis 1037) empfahl Fastenkuren.

Friedrich Hoffmann (1660 bis 1742), Leibarzt des ersten Preußenkönigs, schrieb das Fastenbuch "Wie man schwere Krankheit durch Mäßigung und Fasten kurieren kann". Es handelte sich dabei um Molkekuren.
Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) empfahl das Fasten besonders bei akuten Infektionserkrankungen.
Vom amerikanischen Arzt Edward Hooker Dewey (1840 bis 1904) stammt das Buch "Das heilende Fasten", das europaweit Beachtung fand. Er beschreibt darin Fastenkuren bis zu 35 Tagen.
Dr. H. Tanner führte 1880 in Amerika einen wissenschaftlich begleiteten Selbstversuch über 40 Tage Fasten durch.
Herbert Shelton, ein Schüler Deweys, begründete die "Natural Hygiene"-Fastenbewegung.
In der westlichen Fastentradition stoßen wir auf den französischen Arzt Guelpa, der der Darmreinigung mit Glaubersalz besonderen Wert beimaß.
Der österreichische Arzt Franz Xaver Mayr (1875 bis 1965) betrachtete den Darm als Wurzel allen Übels. Er beschreibt sowohl ein Teefasten als auch eine Diät aus Milch und altbackenen Semmeln. Durch die Säuberung, Schonung und Schulung des Darmes soll eine Genesung erreicht werden.

In Deutschland waren Anfang dieses Jahrhunderts die führenden Fastenärzte Gustav Riedlin in Freiburg und Siegfried Möller in Dresden. Als der Marinesanitätsoffizier Otto Buchinger (1878 bis 1966) im Alter von 40 Jahren als Vollinvalide aus dem Militärdienst entlassen wurde, weil er nach einer Mandelentzündung an chronischem Gelenkrheuma litt, riet man ihm zu einer Fastenkur bei Riedlin, die mit heftigem Verlauf, aber mit großem Erfolg absolviert wurde. Er konnte wieder alle Gelenke frei bewegen. Von seinen Gallenbeschwerden befreite ihn eine zweite Fastentherapie bei Möller. Danach blieb er bis ins hohe Alter von 88 Jahren gesund und arbeitsfähig. Von diesem Erfolg tief beeindruckt, widmete er sein Leben der Fastentherapie und gründete mehrere Fastenkliniken. Sein bekanntestes Buch, "Das Heilfasten", erschien 1935.
(neu erscheint: Otto Buchinger, Andreas Buchinger: „Das heilende Fasten.“, Oesch Verlag , 2006)
Etwa 1950 führte H. Kraus die strenge Diätetik und Fasten als Lehrinhalte des Lehrstuhls für Physiotherapie der Humboldt-Universität in Berlin in die universitäre Medizin ein.

Aus eigener leidvoller Erfahrung gelangte Erich von Weckbecker, geboren 1920 und mit 30 Jahren nahezu berufsunfähig, über eine Kneipp-Kur und über den Kontakt zu Are Waerland schließlich zum Heilfasten. Der schwedische Diätetiker Waerland leitete die nach ihm benannte lakto-vegetabile Kostform mit einer kurzen Fastenphase ein. Erich von Weckbecker führte in Bad Wörishofen wissenschaftliche Untersuchungen über kneippsche Anwendungen durch und lernte F. X. Mayr noch persönlich kennen. Mayr erklärte ihm: "Wenn du eine Klinik zur Verfügung hast, solltest du das strenge Fasten durchführen. Ich habe in Wien nur eine Praxis mit ambulanten Patienten und bevorzuge daher die Milch-Brötchen-Diät." Im Weckbeckers kombinierter Fastentherapie, die er seit 1954 in Bad Brückenau in Bayern an der von ihm gegründeten Klinik durchführt, flossen kneippsches, mayrsches und buchingersches Gedankengut ein. Am 1. Januar 1998 überantwortete er sein Lebenswerk in die Trägerschaft des Malteserordens, um den Fortbestand der Fachklinik für Naturheilverfahren als Fastenklinik zu sichern.

Seit 1986 haben sich die Ärzte, die sich mit therapeutischem Fasten beschäftigen, in der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) zusammengeschlossen. Professor Malte Bühring, der den ersten Lehrstuhl für Naturheilverfahren in Berlin innehat, gründete 1996 die Europäische Gesellschaft für klassische Naturheilverfahren (ESCNM), in der die Fastentherapie als tragende Säule der Ernährungstherapie etabliert ist.

Fasten als Heilmethode für Körper und Seele
Heilfasten beschränkt sich in keiner Weise nur auf die Behandlung kranker Menschen. Auch der Gesunde profitiert durch das Fasten bezüglich körperlicher und seelischer Gesundheit. Er fastet also zu seinem "Hei"“. Aus dieser ganzheitlichen Schau halten wir den Begriff des Heilfastens für generell zutreffend.

Was ist Heilfasten?

Die Mitglieder der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung haben folgende Definition erarbeitet:
Heilfasten bedeutet den freiwilligen Verzicht auf feste Nahrungs- und Genussmittel für eine begrenzte Zeit. Dabei haben sich aus dem ursprünglich kalorienfreien Tee- und Wasserfasten das Saftfasten, das Schleimfasten, sowie das Molkefasten entwickelt. Unverzichtbar sind dabei:

  • eine reichliche Zufuhr kalorienfreier Getränke (z. B. Wasser oder Kräutertee)
  • die Förderung aller Ausscheidungsvorgänge des Körpers
  • das Einstellen eines Gleichgewichts zwischen Bewegung und Ruhe, zwischen Konzentration und Entspannung

Bei einem richtig durchgeführten Fasten sind wir frei von Hungergefühlen, und die Leistungsfähigkeit ist gut bis sehr gut. Ein methodisch falsch aufgebautes Fasten ohne sachkundige Begleitung und Führung birgt durchaus gesundheitliche Risiken.

Was passiert beim Fasten im Körper? – Oder die Physiologie des Fastens

Viele Menschen haben Angst, dass sie beim Fasten vom Fleisch fallen. Das ist jedoch – bei richtigem Fasten – in keiner Weise der Fall. Die Energieträger unserer Nahrung sind Kohlehydrate, Eiweiß und Fett. Aus diesen Stoffgruppen gewinnt der menschliche Körper durch eine schrittweise Verbrennung die 2000 bis 2800 Kilokalorien, die wir je nach körperlicher Betätigung täglich brauchen. Beim Saftfasten beträgt nun die Energiezufuhr über die Nahrung lediglich 180 bis 200 Kilokalorien. Der Körper stellt sich deshalb auf die Selbstversorgung aus Speichern, also auf die "Müllverbrennung" um. Dabei zeigt die Erfahrung, dass unser innerer Arzt, wie ihn Paracelsus nannte, weise darüber wacht, dass vorrangig Überflüssiges und Schädliches zur Energiegewinnung abgebaut wird. (Beispiel: zu viel Cholesterin, das trotz seiner Eigenschaft als wertvoller Körperbaustein in einer zu hohen Konzentration als Gift schadet – Dosis sola facit venenum = die Dosis macht das Gift).
An den ersten zwei Fastentagen gewinnt der Körper seine Energie vornehmlich aus den gespeicherten Kohlehydraten, dem Glykogen der Leber, das zum Betriebsstoff Zucker (Glukose) abgebaut wird. Dieser Speicher leert sich jedoch sehr schnell (innerhalb von zwei bis drei Tagen). Vom ersten Tag an beginnt das Einschmelzen der Fettdepots. Da dieser Fettabbau allmählich anläuft, wird vorübergehend verstärkt Eiweiß zur Energiegewinnung herangezogen. Dieser Umstand führt bei mangelnder Kenntnis der Fastenphysiologie auch bei vielen Kollegen zu Verwirrung und Fehlinterpretation. Aus den Forschungsergebnissen von Professor Wendt wissen wir, dass speziell bei der heutigen "Eiweißmast" diese Proteine im Bindegewebe (der Raum zwischen den Zellen, der so genannten Grundsubstanz nach Pischinger) gespeichert werden. Auch die Membranen zwischen den Zellen, die so genannten Basalmembranen, verdicken sich durch Eiweißeinlagerung – die Durchtrittsöffnungen für den Stoffaustausch, die Poren, werden wie bei einem verkalkten Duschkopf kleiner und weniger. Ein Abbau dieses Eiweißüberschusses durch das Fasten ist also als sehr positiv zu bewerten. Beim Fasten legen wir großen Wert auf ein gezieltes Ausdauer-Bewegungs-Training, um das Muskeleiweiß in dieser Regenerationsphase zu beüben und damit zu stärken. Ein bewegter Muskel wird nicht abgebaut – im Gegenteil: Er erstarkt. Es gibt Eiweißverbindungen, deren Abbau sich für unseren Stoffwechsel als vorteilhaft erweist. Solche Eiweißverbindungen sind zum Beispiel falsch zusammengebaute Botenstoffe (Defektenzyme) oder aggressive Immunkomplexe im Zusammenhang mit allergischen Prozessen oder aber überschüssige Narbenbildungen.

Ein neues und heiß diskutiertes wissenschaftliches Thema sind die so genannten AGEs, die Advanced Glycation Endproducts. Dieses sind Zucker-Eiweiß-Verbindungen, die zum Beispiel beim Braten und Grillen von Eiweiß entstehen. Diese AGEs lagern sich in der Haut und den Blutgefäßen des Menschen ab und werden in engem Zusammenhang mit generellen Alterungsprozessen beim Menschen und Arteriosklerosen gebracht. Wir können davon ausgehen, dass auch diese Stoffe durch das Heilfasten mobilisiert und ausgeschieden werden, was selbstverständlich spannende Ausblicke auf zukünftige Forschungsaufgaben erzeugt.

Im weiteren Fastenverlauf wird Fett zum Hauptenergielieferanten. Die Fettsäuren werden abgebaut zu so genannten Ketosäuren. Das Wunder besteht nun darin, dass der Körper lernt (selbst so wählerische Organe wie das Gehirn, das sonst ausschließlich mit Glukose gespeist wird), auf Ketosäureverwertung umzustellen. Dies ist das wesentliche Kennzeichen des Fastenstoffwechsels. Die Umschaltung auf innere Ernährung erfolgt bei den üblichen Reduktionsdiäten nicht. Das schöne griechische Wort "Diaita" beschreibt auch nicht lediglich eine zeitlich begrenzte Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, sondern steht für Lebensführung auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene.

Im Fastenverlauf startet der Körper ein umfangreiches Sparprogramm, zum Beispiel wird Eiweiß in immer geringerem Umfang verstoffwechselt, die Mineralausscheidung sinkt, so dass der Blutspiegel bezüglich dieser Stoffe konstant bleibt. Es hat den Anschein, dass der Vitaminbedarf während des Fastens durch die Einsparung der Verdauungsarbeit geringer wird. Die bessere Leistungsfähigkeit nach einer Fastenphase spricht für die positiven Stoffwechseleffekte des Fastens. Durch vermehrten Zellkernabbau steigt beim Fasten die Harnsäure im Blut an, ihr Ausscheidung über die Niere wird durch die beim Fasten ansteigenden Ketonkörper gestört. Bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr kann jedoch diese vermehrte Harnsäure problemlos ausgeschieden werden. Nur bei Gelenk- und Gichtpatienten müssen spezielle medikamentöse Vorsichtmaßnahmen getroffen werden, da sich bei ihnen Harnsäurekristalle im Körper bilden können, die Entzündungen verursachen und dann charakteristische Schmerzen auslösen.

Ein weiterer wichtiger Fasteneffekt spielt sich in unserem Gehirn ab und beeinflusst unsere Stimmung und unser Gefühlsleben. Botenstoffe überbringen in unserem Gehirn Informationen von einer Nervenendigung zur anderen und werden nach getaner Arbeit durch Rückholsysteme, die ähnlich einem Staubsauger wirken, wieder in die Nervenendigung aufgenommen. Professor Hüther aus Göttingen konnte in seinen Arbeiten nachweisen, dass sich schon nach wenigen Tagen des Fastens diese "Staubsauger" vermindern, so dass die Botenstoffe länger wirksam sein können. Bei längeren Fastenperioden kann also durch die immer höhere Konzentration zum Beispiel von Serotonin und anderen Transmittersubstanzen eine euphorische Stimmung, eine gesteigerte Sensibilität und eine innere Harmonisierung hervorgerufen werden. Diese neurobiologischen Vorgänge erklären, warum das Fasten in den religiösen oder spirituellen Traditionen vieler Kulturen eingesetzt wird, um transzendentales Bewusstsein zu verstärken.

Wie ändern sich körperliches und seelisches Empfinden beim Fasten?

Der Beginn des Fastens gleicht einer Reise in ein unbekanntes Land: Es gilt sich einzufühlen, anzupassen und umzustellen.
Kopfschmerzen, die in den ersten Tagen auftreten können, klingen rasch ab und können durch Kopflymphdrainagen oder zweimalige Einläufe pro Tag gut behandelt werden. Wer zum ersten Mal fastet, wartet oft ängstlich darauf, irgendwann von einem quälenden Hungergefühl überfallen zu werden. Die Überraschung ist groß, wenn sich dieses nicht einstellt, speziell wenn ausreichend Flüssigkeit zugeführt wird (mindestens 2,5 Liter pro Tag) und eine ausreichende Darmentleerung erzeugt wird. Die Leber produziert speziell am Fastenbeginn noch Gallensäure. Diese aggressiven Säfte sollen bei mangelndem Speisebrei möglichst schnell und verdünnt durch den Darm gespült werden, um die Schleimhaut nicht unnötig zu reizen. Auch hier ist ein Einlauf von besonderem Nutzen.

Die meisten Menschen verspüren in den ersten Tagen des Fastens ein vermehrtes Ruhebedürfnis. Sie genießen das Loslassen von häuslichen Zwängen und beruflichen Terminen. Im weiteren Fastenverlauf stellt sich ein Gefühl körperlicher Leichtigkeit ein. Die Schlafphasen werden oft kürzer, und es tauchen intensive Traumbilder auf. Nutzen Sie die Zeit des Fastens und lesen Sie ein gutes Buch, meditieren Sie, schreiben Sie Briefe, ordnen Sie die eigenen Gedanken. Tun Sie all das, was Sie zu Hause nie und vermeiden Sie alles das, was Sie zu Hause immer tun.

Der Körper des Fastenden reagiert häufig durch die verminderte Energiezufuhr mit Frieren und Frösteln, da die peripheren Blutgefäße sich verengen, um eine zu hohe Wärmeabstrahlung im Sinne einer Sparmaßnahme zu reduzieren. Hände und Füße fühlen sich kühler an, und wir sollten uns warm anziehen und mit heißen Getränken verwöhnen.
Wenn Menschen zu wenig trinken, kann es zu vorübergehenden Schwindelgefühlen kommen. Hier helfen homöopathische Herz-Kreislauf-Tropfen, Kaltwasseranwendungen, anregende Kräuterbäder und Tees, wie zum Beispiel Ingwertee, und Bewegungstraining.

Der Fastende erlebt beglückende, sprühende, kreative Phasen, in denen manch einer neue Pläne schmiedet, in schwierigen Entscheidungen Lösungen findet, den eigenen Betrieb umorganisiert, gestalterisch wirkt, indem er schreibt oder malt. Wer einmal diese Weite und Euphorie des Fastens erlebt hat, wird allein um ihretwillen das Fasten als einen festen Baustein in sein Lebensprogramm integrieren. Fasten sollte im Leben eines Menschen keine einmalige Episode sein, es sollte fest in den Lebensplan integriert sein. Wir empfehlen aus prophylaktischen Gründen einmal, aus therapeutischen Gründen zweimal im Jahr mindestens 14 Tage bis drei Wochen zu fasten.

Müdigkeit und Schlappheit, sowie Muskelkrämpfe können auf Mineralstoffmangel hindeuten. Wir prüfen deshalb bei Fastenbeginn und bei Bedarf die Kalium- und Magnesiumwerte. Einen Magnesiummangel finden wir zu Anfang gar nicht so selten, da zum Beispiel Zuckerkrankheit, erhöhter Alkoholkonsum, Gebrauch von Entwässerungstabletten und Fehlernährung den Magnesiumspiegel absinken lassen. Eine Laborkontrolle dieses wichtigen Antistressminerals erfolgt bei den hausärztlichen Routineuntersuchungen normalerweise nicht. Einen Kaliummangel finden wir meist bei regelmäßigem Gebrauch von Entwässerungsmitteln oder bei Missbrauch von Abführmitteln. Bei Bedarf werden Kalium und Magnesium dem Fastenden zusätzlich angeboten.

Fasten als geistige Reinigung

Der Fastende erlebt nicht nur körperliche Reaktionen, sondern auch intensive Änderungen seiner Gefühlslage. Im Vordergrund steht das euphorische Glücksgefühl, aber auch das Auftauchen verdrängter Erlebnisse, von denen wir doch eigentlich nichts mehr wissen wollten, können gelegentlich unsere Gefühlswelt aufwühlen. Unvermittelt werden diese Gedanken in die Gegenwart unserer Gefühle gespült und erzeugen oft einen heftigen seelischen Aufruhr. Diese ungelösten Probleme liegen bloß und rufen nach Zuwendung und Aufmerksamkeit.

Durch das Fasten haben viele Menschen das Gefühl, etwas für ihre Seele tun zu müssen. Dabei werden sie erstaunt gewahr, dass sie sich auf einem Terrain bewegen, das ihnen gänzlich unvertraut ist. Nicht selten wenden sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben sich selbst zu. Wenn wir nun fragen: "Was verstehen Sie unter Seele?" hören wir oft keine Antwort, von der man den Eindruck haben könnte, es sei schon einmal länger darüber nachgedacht worden. Als Arbeitshypothese geben wir unseren Patienten die Frage nach ihren Verhältnissen mit auf den Weg. - Die Seele als die Vielfalt unserer Verhältnisse zu begreifen. "Verhältnisse?" fragt der Patient. Die Antwort ist einfach: Wir haben zu allen Dingen, die uns umgeben, ein Verhältnis, zu unserem Schreibtisch, zu unserer Kleidung, zu unserem Partner, zu unseren Kindern, zu Gott und – oh Wunder, auch zu uns selbst. Die entscheidende Frage ist: Sind es gute oder schlechte Verhältnisse? Was fällt Ihnen zum Beispiel bei der Betrachtung Ihres Spiegelbildes ein? Mögen Sie sich eigentlich? Oft kommt geradezu empört die Antwort: "Natürlich nicht!" Dieser Ausruf zeugt von selbstbeschädigendem Verhalten – man nennt es Autoaggression oder Autodestruktion, und es ist die Wurzel aller psychosomatischen Erkrankungen. Dieser Mensch hat also ein schlechtes Verhältnis zu dem der eigentlich sein bester Freund sein sollte, nämlich zu sich selbst.
Achten Sie auf den Tenor Ihrer Selbstgespräche – wir führen ja in Gedanken ständig einen Dialog mit uns selbst. Trösten Sie sich bei Missgeschicken liebevoll selbst, oder beschimpfen Sie sich womöglich mit Ausdrücken wie: "ich Esel, ich Depp, ich Rindvieh, ich dumme Kuh" usw. und beschädigen sich dadurch selbst? Allein der Ausdruck "ich ärgere mich" macht deutlich, wie wir uns selbst Schaden zufügen.

Wie entfliehen wir dieser Misere? Was tun wir zum Beispiel, wenn wir uns oder jemand anderen nicht mögen? Hier hat sich in der psychosomatischen Medizin der schöne Begriff des "Heranliebens" etabliert. Dies bedeutet, dass wir Tat und Täter trennen, also einen Unterschied machen zwischen dem Mensch als uns ebenbürtiges Geschöpf Gottes und dem, was er tut. Wir achten und lieben ihn als Menschen, können aber manche seiner Taten durchaus ablehnen. Nähern wir uns einem Menschen also aus einem neuen Blickwinkel der Ebenbürtigkeit und Gleichwertigkeit, so stellen wir sofort fest, dass ein neues, besseres Verhältnis möglich wird. Gelingt es uns, diesen Gedanken ehrlich und aufrichtig in die Tat umzusetzen, werden wir erstaunt feststellen, dass auch der andere sich dem positiven Sog nicht entziehen kann. Dieses Vorgehen bewährt sich auch in der Partnerschaft und beim Umgang mit Kindern. Es bewahrt uns von der so genannten bedingten (konditionierten) Liebe, nach dem Motto: "Ich mag dich nur, wenn du...". Die Botschaft des Erfolges lautet: "Ich liebe dich immer, aber das, was du gerade getan hast, mag ich nicht, verletzt mich, billige ich nicht, etc."
Dieses Vorgehen hilft bei Schwierigkeiten mit dem Partner oder den Kindern und weicht zuverlässig verhärtete Fronten auf. Vermeiden Sie, wo immer es möglich ist, bei Fehlleistungen das Wort Schuld, sprechen Sie lieber von "Verursachen".
So können wir durch den liebevollen Umgang mit uns selbst und mit anderen aus schlechten Verhältnissen ein Gutes machen. Hierbei wird auch deutlich, dass wir niemals andere ändern können, sondern nur uns selbst. Man möge auch erkennen, dass die Vergangenheit durch uns nicht veränderbar ist. Wir sollten uns bemühen, ohne Groll und Enttäuschung Geschehenes zu akzeptieren. Die Gegenwart braucht unsere vollständige Aufmerksamkeit und Kraft. Nur im Jetzt können Sie handeln und etwas verändern. Fördern Sie positive, lösungsorientierte Gedanken und lassen Sie sich nicht von angstvoller, unproduktiver Sorge gefangen nehmen.

Bei der Aufnahmeuntersuchung in unserer Fastenklinik stoßen wir bei unseren Patienten oft aus unerledigte Trauerarbeit und Hader mit Schicksal und Schöpfer. In vielen Fällen ist das Vertrauen in den großen göttlichen Plan verloren gegangen.

Durch die harmonisierende und sensibilisierende Wirkung des Fastens gelingt es nahezu immer, durch einfühlsame Gespräche diesen manchmal jahrzehntelang währenden Groll abzubauen. Der Patient findet wieder zur inneren Ruhe und Zufriedenheit.
Ein weit verbreitetes Hindernis für die Heilung seelischer Wunden stellt die Unfähigkeit dar, Verzeihung zu üben. Streitigkeiten aus längst vergangenen Tagen mit Eltern, Geschwistern, ehemaligen Partnern werden oft jahrelang geschürt. Dieses Konservieren von Feindbildern raubt wertvolle Zeit und Energie, die uns dann zur sinnvollen Gestaltung der Gegenwart fehlt. Wir können diesen Teufelskreis durchbrechen, wenn wir uns vorstellen, dass kein Mensch von sich aus böse sein möchte, sondern uns allen ein Urbedürfnis innewohnt, geliebt, geschätzt und anerkannt zu werden. Geleitet durch die verschiedensten Einflüsse werden dazu oft ungeeignete Mittel eingesetzt. Die innere Harmonisierung, die sich beim Fasten einstellt, erleichtert es, alte Feindbilder einzuschmelzen und daraus heilsame Energien des Verzeihens zu schöpfen.

Im Zuge einer Fastentherapie in einer Spezialklinik findet sich immer genügend Zeit für qualifizierte Hilfen, wie man sein Selbstbild aufwerten und das Leben wieder genießen lernt. Da beim Fasten seelische Verkrustungen aufbrechen, kann der Hilfe suchende praktikable Lösungswege leichter erkennen und bereitwilliger in sein Übungsprogramm aufnehmen. So wird "seelischer Müll" dauerhaft entsorgt.

Die Heilwirkungen des Fastens von A – Z

Überkommene Traditionen, der geliebte Wohlstand, das falsche Essverhalten – zu viel, zu fett, zu kalorienreich, zu nährstoffarm und zu ballaststoffarm - prägen unser Leben. Dazu gönnen wir uns reichlich Genussgifte wie Nikotin, Alkohol, Kaffee und dergleichen. Das alleine wäre als gesundheitsschädigendes Potenzial schon schlimm genug. Darüber hinaus aber gehen viele Mensche körperlicher Betätigung aus dem Weg, wo sie nur können. Zudem werden sie erdrückt von einer Last von Terminen und kennen Entspannung nur noch vor dem Fernseher. Ihre körperlichen und seelischen Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen, haben sie einfach nicht gelernt. So vermögen sie auch nicht, warnende Alarmsignale von Körper und Seele zu erkennen.

Die moderne Medizin macht es ihnen dabei auch nicht leicht. Für jeden verzweifelten Hilferuf des Körpers – zum Beispiel hoher Blutdruck oder Hautausschlag – bietet sie die passende Pille, Salbe oder Spritze. Der Arzt unterwirft sich Notgedrungenerweise dem Zwang, den Patienten möglichst schnell, ohne dass dieser seine Lebensführung, seine Diaita ändert, beschwerdefrei zu machen. Gutes Ansehen genießt bei vielen Patienten nur der Arzt, der teure Medikamente verabreicht und neueste blitzende und blinkende Geräte in der Praxis verwendet. Der ohnehin geschwächte Organismus muss noch zusätzlich den Abbau vieler chemischer Präparate leisten, deren Wechselwirkungen untereinander oft unüberschaubar werden. Auf diese Weise wird bei dem Kranken das Birnchen des Alarmlichtes herausgeschraubt, der Grund für den Alarm aber nicht beseitigt.

Begleiten Sie uns auf einen Streifzug durch die verschiedenen Fachgebiete der Medizin, und Sie werden zu Ihrem Erstaunen erkennen, wie viele Erkrankungen sich durch das Fasten vermeiden oder zumindest bessern lassen.

Vorweg sei betont, dass eine der Kardinalwirkungen des Heilfastens die Reduktion der Entzündungsbereitschaft des Körpers ist. Das heißt, Überträgerstoffe, die Entzündungen unterhalten – Prostaglandine, Arachidonsäure – reduzieren sich im Fasten und geben dem Patienten die Chance, chronische, aber auch akute Entzündungen in allen Körperregionen zur Ausheilung zu bringen.

Atemwegserkrankungen

Asthmapatienten stehen vielfach unter hoher Cortisonmedikation und legen dadurch erheblich an Gewicht zu. Nach wenigen Fastentagen spüren die Patienten eine Befreiung der Atmung, das Cortison kann ausschleichend reduziert und oft ganz abgesetzt werden, da der entzündungshemmende Effekt des Fastens auch hier zum Einsatz kommt. Unterstützend werden Atemgymnastik, Bindegewebs- und Klopfmassagen, sowie Entspannungsübungen eingesetzt.
Das Fasten entspannt die Bronchialmuskulatur. Die gereizten Flimmerzellen entquellen. Die allergische Aktivität reduziert sich auch durch Einschmelzen von pathologischen Antigen-Antikörper-Komplexen.
Das gleiche gilt für Heuschnupfen, der durch eine Fastentherapie in der Regel gänzlich verschwindet. Chronische bakterielle Entzündungen der Nasennebenhöhlen und des Rachenraumes reduzieren sich durch die Verflüssigung und die vermehrte Absonderung von Schleim. Die Infektanfälligkeit hinterher ist geringer.

Augenerkrankungen

Chronische Entzündungen, Blepharitiden, Conjunctivitiden, sowie der Grüne Star (Glaukom) heilen durch die entstauende Wirkung des Fastens und durch die Reduktion des Augeninnendrucks ab.

Bluthochdruck

Beim Bluthochdruck handelt es sich um eine komplexe Stoffwechselstörung, die durch Gabe eines Blutdruck senkenden Mittels lediglich übertüncht wird.

Das Heilfasten nimmt auf biologische Weise das gesamte Konzept der medikamentösen Behandlung vorweg. Es wirkt entwässernd, Kochsalz ausscheidend, Gefäß entspannend, psychisch beruhigend, verbessernd auf die Nierendurchblutung und dadurch regulierend auf die Hormone des Wasserhaushalts. Es sollte nicht erst zum Einsatz kommen, wenn alle Möglichkeiten schon lange versagt haben, sondern zur Therapie der ersten Wahl werden.
Sind die Patienten auf Blutdruckmedikamente eingestellt, wird in der Fastenklinik während des Fastens der Blutdruck sorgfältig kontrolliert. Mit dem allmählichen Rückgang der Blutdruckwerte wird auch die Medikation schrittweise reduziert und kann häufig ganz abgesetzt werden. Auf Wasser treibende Präparate verzichten wir möglichst von Anfang an, um große Flüssigkeits- und Mineralverluste zu vermeiden. Die Maßnahmen können aber nur unter ständiger ärztlicher Betreuung durchgeführt werden.

Cholesterinspiegel, erhöhter

Natürlich darf der wertvolle Körperbaustein Cholesterin nicht generell verteufelt werden. Es ist lebensnotwendig als Baustein für die Zellmembranen, sowie als Ausgangsstoff für die Synthese von Hormonen, Vitamin D und Gallensäure, die wir für die Fettverdauung benötigen. Entscheidend ist wie immer die richtige Dosis. Eine zu hohe Cholesterinkonzentration wird hier zum "Gift". Cholesterin als fettige Substanz würde sich ohne Lösungsvermittler im Blut wie ein Fettauge auf der Suppe von der übrigen Flüssigkeit absetzen. Deshalb vermitteln Eiweißstoffe und andere Bestandteile die Löslichkeit. Diesen Verbund aus Cholesterin, Fett und Eiweiß nennt man Lipoproteine. Zentrifugiert man diese Stoffe, teilen sie sich nach ihrer Masse auf – die leichten setzen sich oben ab, das sind die so genannten Low-Density-Lipoproteins (LDL), die schweren unten, sie werden als High-Densitiy-Lipoproteins (HDL) bezeichnet. Als Gefäßschutzfaktor haben sich die schweren Lipoproteine erwiesen. Das LDL entpuppt sich als der eigentliche Bösewicht, und zwar besonders in seiner oxidierten, aggressiven Form. Dieses oxidierte LDL ist das Futter für die Fresszellen, die zur Entstehung der Arteriosklerose beitragen.
Durch das Fasten sinken sowohl der Gesamt-Cholesterinspiegel als auch die Neutralfette, die Triglyceride, die im Blut zum Beispiel nach einer fettreichen Mahlzeit oder Alkoholkonsum ansteigen. Die Verteilung der "guten" und "schlechten" Blutfette bessert sich. HDL steigt an, LDL sinkt ab. In genau der gleichen Weise wirkt sich übrigens ein Ausdauer-Bewegungs-Training auf die Blutfette aus. Somit stellen körperliche Aktivität und Heilfasten ein probates Mittel zur Cholesterinkorrektur dar.

Um einen Langzeiterfolg zu erreichen, sollte man dauerhaft auf eine gesunde Ernährung achten, regelmäßig Ausdauertraining durchführen und Stress vermeiden, da auch Stress einen Cholesterinanstieg im Blut zur Folge haben kann. Dabei helfen Entspannungstechniken wie das Autogene Training.

Dickflüssiges Blut (Polyglobulie)

Behindern bereits Ablagerungen an den Gefäßwänden den ungehinderten Blutfluss, gewinnen die Fließeigenschaften unseres Lebenssaftes besondere Bedeutung. Das strömende Blut setzt sich aus Flüssigkeit und Blutkörperchen zusammen. Das Blut wird zähflüssig, wenn:

  • durch zu geringe Trinkmengen der Flüssigkeitsanteil im Blut sinkt. Mit zunehmendem Alter schwindet das natürliche Durstgefühl. Verliert der Körper zum Beispiel im Sommer bei großer Hitze über den Schweiß Flüssigkeit, fehlt der Durst als zuverlässiges Warnsignal. Das Blut dickt ein, und die Strömungsgeschwindigkeit verlangsamt sich. Die festen Blutbestandteile, wie zum Beispiel die Blutplättchen (Thrombozyten), haften an bereits bestehenden Ablagerungen an. Gerinnsel können wachsen und zum völligen Gefäßverschluss führen, was sich dann als Herz- oder Hirninfarkt äußert.
  • eine übersteigerte Neubildung die Konzentration der Blutkörperchen erhöht und sich die Fließeigenschaften des Blutes dadurch verschlechtern. So finden sich bevorzugt bei übergewichtigen Männern im mittleren Lebensalter häufig zu viele rote Blutkörperchen (Polyglobulie).
  • ein Eiweißstoff, der Faser bildend bei der Blutgerinnung wirkt, das so genannte Fibrinogen, in zu hoher Dosis vorliegt, wie bei Rauchern.

Beim Fasten werden überschüssige Blutbestandteile abgebaut. Ergänzend wirken Aderlässe. Auch eine erhöhte Trinkmenge begünstigt eine Blutverdünnung und damit bessere Fließeigenschaften.
Wichtig: Achten Sie darauf, dass Sie täglich mindestens zwei Liter Wasser oder Kräutertee trinken!

Gelenk- und Wirbelsäulenbeschwerden

Die Krankheitsbilder des rheumatischen Formenkreises sind vielfältig. Da die Ursachen in der Regel nicht geklärt sind, gibt es keine kausale (das heißt gegen die Ursache gerichtete) Therapie. Man versucht vielmehr, mit entzündungshemmenden Medikamenten und der so genannten Basistherapie mit hoch potenten Wirkstoffen die Beschwerden einzudämmen, so weit dies möglich ist. Ein Zusammenhang mit der Ernährung oder gar dem Fasten wurde lange Zeit schlichtweg geleugnet. Heute gibt es gesicherte wissenschaftliche Studien darüber, dass sich die rheumatischen Beschwerden durch das Fasten und anschließende vegetarische Ernährung in den meisten Fällen hervorragend verbessern lassen.
Bereits nach wenigen Fastentagen sehen wir in der Regel ein Abschwellen der Gelenke, eine bessere Beweglichkeit und einen Rückgang der Schmerzen, so dass die üblichen entzündungshemmenden Medikamente schon bald abgesetzt werden können. Keine Rolle spielt es hierbei, welcher Untergruppe des rheumatischen Formenkreises die Erkrankungen angehören und welcher Arzt sich mit seinem Namen in der Diagnose verewigt hat (zum Beispiel Heberden-Arthrose, Bouchard-Arthrose, Morbus Bechterew usw.). Wieder ist es die Reduktion von Arachidonsäure, der Ausgangssubstanz für die Synthese der Prostaglandine, die bei Entzündungsprozessen und Schmerzempfindung eine große Rolle spielen.
Für einen stabilen Langzeiterfolg benötigt der Patient ausgedehnte Fastenperioden von jeweils mindestens drei Wochen, und das aus folgendem Grund: Knorpel, Bänder, Sehnen und Bandscheiben haben einen sehr langsamen Stoffwechsel (bradytroph). Diese Strukturen haben keine oder nur wenige kleine Blutgefäße und sind somit auf einen anderen Transportweg von außen angewiesen. Diese Strukturen ernähren sich durch Diffusion.
Um Gelenkpatienten ohne Komplikationen durch die Fastenzeit führen zu können, müssen wir dem Säure-Basen-Haushalt besondere Beachtung schenken. Bei nahezu jedem Fastenden steigt die Harnsäurekonzentration im Blut an. Es empfiehlt sich die Gabe eines Basenpulvers zur Erhöhung der Pufferkapazität, damit die Harnsäure in einem sauren Milieu nicht auskristallisiert, insbesondere nicht bei schon vorgeschädigten Gelenken. Bei stark erhöhten Harnsäurekonzentrationen verabreichen wir das Medikament Allopurinol, einen Xanthin-Oxidase-Hemmer. Diese Substanz hemmt die Oxidation von Xanthin zur Harnsäure. Das Xanthin ist wasserlöslich und kann problemlos ausgeschieden werden.
Fastentherapie stellt für den Gichtkranken die optimale Behandlung dar: Die Harnsäurekonzentration im Körper reduziert sich, und das Übergewicht geht zurück.

Hauterkrankungen

Im Bereich der Dermatologie herrscht leider auch heute noch häufig die Vorstellung, dass nur die Hülle des Körpers und damit das Symptom behandelt werden muss.
Aus naturheilkundlicher Sicht stellt ein Ekzem den verzweifelten Versuch des Körpers dar, den gestörten Stoffwechsel durch Ausscheidung über die Haut zu verbessern. Beim Fasten wird die Ausleitung über die anderen Entsorgungsorgane gefördert, der Stoffwechsel reguliert und das Ekzem heilt ab.
Cortisonhaltige Präparate hingegen unterdrücken das Symptom, so dass das Ekzem nach dem Weglassen des Präparates unverändert zurückkommt oder gar verschlimmert auftritt.

Für einen dauerhaften Erfolg empfehlen wir in bestimmten Fällen unterstützende Maßnahmen zur Verbesserung der Darmflora, eine Zahnsanierung zum Ausschluss von eitrigen Herden und einer Amalgambelastung, sowie ein psychologische Hilfestellung zum Stressabbau. Dies alles sollte bei Schuppenflechte (Psoriasis) und Neurodermitis zum Einsatz kommen. Unterstützend setzen wir hier UV-Bestrahlungen (dem Sonnenlicht entsprechend), Lymphdrainagen und regulierende Verfahren wie Akupunkt- und Fußreflexzonenmassagen ein.
Die Gabe eines Basenpulvers ist auch hier hilfreich, um die verstärkte Säureabgabe über die Haut abzupuffern (als Trinkpulver, aber auch als Vollbad).
Häufig bringen allergologische Tests auf Nahrungsmittel bislang unbekannte Unverträglichkeiten ans Tageslicht, die später beim Kostaufbau berücksichtigt werden können. Nach einem halbjährigen Weglassen der entsprechenden Nahrungsmittel können sie dann in der Regel wieder problemlos verzehrt werden.
Auch die Nesselsucht (Urticaria) kann durch Fasten zur Abheilung gebracht werden, selbst wenn man die auslösende Ursache nicht kennt. Für einen dauerhaften Erfolg sind oft längere und wiederholte Fastenperioden erforderlich.
Hier, wie auch bei anderen Erkrankungen, sollte das Heilfasten als ein Grundlebensprinzip in unseren Lebensplan bis ans Ende unserer Tage eingebaut werden.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Diese sind die Haupttodesursache des Bundesbürgers. Über die Hälfte der Deutschen stirbt heute daran.
Bei Veränderungen des arteriellen Systems, also der Blutgefäße, die das sauerstoffreiche Blut führen, sprechen wir von Arteriosklerose (von griechisch "skleros" = hart). Unser sonst elastisches Schlauchsystem wird durch Ablagerungen hart und spröde. Wie entstehen diese?

Wird die zarte Gefäßinnenhaut geschädigt, zum Beispiel durch einen erhöhten Blutdruck, so können an einer verletzten Stelle Zellen aus dem Blut einwandern (Monozyten), die sich in Fresszellen (Makrophagen) umwandeln. Sie nehmen begierig Fett auf und werden so zu den so genannten Schaumzellen. Um die verletzte Stelle zu reparieren, produziert der Körper Wachstumshormone – die Muskelzellen der Arterienwand wuchern. Blutplättchen lagern sich an der geschädigten Stelle ab. Es entstehen kleine Blutgerinnsel (Thromben). Diese zunächst fleckförmigen Veränderungen (Plaques) breiten sich allmählich aus, können als Fettgeschwüre aufbrechen, Kalk nistet sich ein. Das Hinterhältige daran: Dies geschieht vollkommen unbemerkt, da es keinen Schmerz erzeugt. Bis die ersten Symptome auftreten, kann das betroffene Blutgefäß schon fast vollständig verschlossen sein, vergleichbar mit einem verkalkten Abflussrohr. Führt nun ein Blutgerinnsel oder ein Engstellen des Gefäßes durch Ärger oder Stress zu einem völligen Verschluss, spricht man von einem Infarkt. Dieser Infarkt kann überall im Gefäßsystem auftreten, je nachdem, wo die Schwachstellen sitzen: zum Beispiel am Herzen oder im Gehirn. Man spricht beim Hirninfarkt denn auch vom Schlaganfall.

Das Fasten durchbricht nun an verschiedenen Stellen diesen Teufelskreis. Zum einen bieten wir während des Fastens dem Körper nur wenig Energie an. Gierig nach Brennstoff, verbraucht er auch die fettigen Einlagerungen in den Gefäßen zur Erzeugung der Stoffwechselenergie (Müllverbrennung). Deutlich wird dies am Rückgang der sauerstoffmangelbedingten Beschwerden, wie zum Beispiel der Herzenge (Angina pectoris).
Das Fasten beeinflusst aber auch die Risikofaktoren günstig, die zur Arteriosklerose beitragen. Von folgenden Risikofaktoren kann jeder für sich allein Arteriosklerose hervorrufen:

Risikofaktoren Erster Ordnung:

  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • erhöhter Cholesterinspiegel

Risikofaktoren Zweiter Ordnung:

  • Zuckererkrankung
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • psycho-vegetative Erschöpfung
  • zu dickflüssiges Blut

Diese Belastungen entfalten ihre schädigende Wirkung jeweils nur in Kombination mit einem oder mehreren anderen Faktoren.

Metabolisches Syndrom

Das gemeinsame Auftreten von Stoffwechselstörungen wie Bluthochdruck, Bauchfettsucht, Blutzuckererhöhung und Blutfettanstieg wird als metabolisches Syndrom bezeichnet.
Der Botenstoff Insulin aus den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse schließt wie ein Schlüssel die Zellmembranen auf, um Zucker, den Brennstoff für zelluläre Stoffwechselvorgänge, einzulassen. Die Zelle ihrerseits hat die Fähigkeit, mehr oder weniger Schlösser, wir nennen sie Rezeptoren, auszubilden – je nach Energiebedarf. Wenn nun, wie in unserer Wohlstandsgesellschaft üblich, der Muskelzelle zu viel Zucker angeboten wird, der auf Grund von Bewegungsmangel nicht verbraucht werden kann, bilden sich viele Rezeptoren zurück. Der Blutzucker steigt an, die Zuckererkrankung wird manifest, sie wird messbar.
In der Folge versucht nun die Bauchspeicheldrüse, vermehrt Insulin zu liefern, um den hohen Blutzuckerspiegel abzubauen. Der Botenstoff findet jedoch keine passenden Schlösser. Wir sprechen in diesem Fall von einer Insulinresistenz der Körperzellen. Da die Insulinmoleküle nicht verbraucht und abgebaut werden, steigt auch der Insulinspiegel im Blut an. Eine so genannte Hyperinsulinämie entsteht. Eine Folge davon ist, dass im Körper vermehrt Kochsalz zurückgehalten wird, das sehr viel Wasser bindet und dadurch ein erhöhter Blutdruck entsteht.
Durch die zu hohe Energiezufuhr über das Essen bildet sich eine Bauchfettsucht aus. und die Blutfettwerte steigen an.
Es gibt nun Menschen, die angeboren zu einer Insulinresistenz neigen, aber, so lange sie sich vernünftig ernähren und bewegen, dadurch keine gesundheitliche Beeinträchtigung erfahren. Erst bei einer zu hohen Nahrungszufuhr wird die genetische Störung sichtbar. Da diese Veränderungen meist erst in höherem Lebensalter auftreten, wird sie "Alterszucker" genannt (Diabetes mellitus Typ II).
Bisher versuchte man, jede einzelne Störung mit einem geeigneten Medikament zu behandeln. Blutfette, Blutdruck und Blutzucker sollten mit verschiedenen Tabletten gesenkt werden.
Das Heilfasten packt das metabolische Syndrom an seiner Wurzel. Es erlaubt der Insulinresistenz, sich zurückzubilden. Der Schlüssel passt somit wieder ins Schloss, der Blutzuckerspiegel sinkt. Nach einer Fastenphase können Blutzucker senkende Medikamente reduziert, manchmal sogar ausschleichend ganz abgesetzt werden. Die Blutfette normalisieren sich. Das Fettgewebe bildet sich zurück. Der Blutdruck sinkt auf Normalwerte.
Entscheidend für den Langzeiterfolg ist natürlich, dass der Patient diese Zusammenhänge begreift, sich langfristig vernünftig ernährt und fleißig sein tägliches Bewegungsprogramm absolviert.

Migräne und Kopfschmerzen

Eine äußerst schmerzhafte Erkrankung, die oft nicht mit Stoffwechselstörungen in Verbindung gebracht wird, ist die Migräne. Wir finden sie aber häufig in Gesellschaft mit chronischer Stuhlverstopfung. Zu Fastenbeginn erleiden die Patienten oft noch einmal einen heftigen Migräneanfall, der typischerweise eine Kopfhälfte befällt und mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit einhergeht.
Ein solcher Anfall lässt sich durch konsequente Darmspülungen und Kopflymphdrainagen deutlich lindern. Im weiteren Fastenverlauf klingen die Beschwerden ab, sie melden sich manchmal in Form eines leichten Kopfdrucks zurück. Nach drei Wochen zeigt sich aber bei über 90 % der Patienten die ersehnte Beschwerdefreiheit, die in der Regel mindestens ein halbes Jahr oder länger anhält und sich nach mehrmaligem Fasten dauerhaft einstellen kann. Ein wöchentlich durchgeführter Fastentag zu Hause hilft, diesen Zustand zu stabilisieren. Auch Kopfschmerzen anderen Ursprungs, zum Beispiel medikamentös ausgelöste Beschwerden, Spannungskopfschmerzen oder Kopfschmerzen durch Störungen im Bereich der Halswirbelsäule, lassen sich oft günstig beeinflussen.

Da es sich beim Heilfasten um ein naturgemäßes Prinzip handelt, ist die Indikationsbreite, das heißt also die Breite der Heilanzeigen, sehr mannigfaltig. Somit kann man die Liste der Erkrankungen, die mit Heilfasten behandelt werden können, beliebig erweitern. Da die herrschende Medizin für jedes Krankheitsbild ein passendes Medikament zur Verfügung hat, oder gar mehrere Präparate bereithält, wird dieser Umstand oft nur sehr schwer verstanden und verinnerlicht.
Aus der Sicht naturgemäßer Medizin ist die Voraussetzung für eine körperliche und seelische Heilung eine grundsätzliche und tiefgreifende Bereinigung von körperlichem und seelischem Ballast. Oft fragen Patienten, die unter ganz exotischen Erkrankungen leiden, in unserem Hause an, ob mit einer Fastentherapie Hilfe zu finden sei. So geschah es vor einigen Jahren mit einer Patientin, die an Sklerodermie litt. Dies ist eine Erkrankung, bei der das Bindegewebe sklerosiert, also verhärtet. Diese Verhärtung tritt hauptsächlich im Bereich des Mundes und der Finger (Madonnenfinger) auf. Die Sklerodermie kann aber auch auf die Speiseröhre übergreifen und somit lebensbedrohliche Zustande produzieren. In meiner 20jährigen Fastenpraxis war es die einzige Sklerodermiepatientin, die wir in unserem Hause behandeln konnten. Dennoch geschah dies mit sehr großem Erfolg. Die Verhärtungen bildeten sich im Zuge des Fastens zurück. Unterstützende Maßnahmen, wie die biomechanische Muskelstimulation nach Nazarov, halfen dabei, den Erfolg zu vertiefen. Das heißt für uns, dass wir auch bei seltenen Erkrankungen die schulmedizinisch in der Regel mit steroidalen Antiphlogistika behandelt werden, zunächst eine Heilfastentherapie zum Einsatz bringen, um optimale Stoffwechselvoraussetzungen zu erzeugen.

Heilfasten ist eine moderne, weil finanzielle Ressourcen sparende Therapie. Sie ist bewährt und seit Jahrtausenden erfolgreich. Sie fordert unsere Eigenverantwortung und eine tiefgreifende Veränderung unserer Lebensrhythmen und Lebensgewohnheiten. Somit passt die Fastentherapie sehr gut in eine medizinische und politische Landschaft, die unser Medizinsystem mehr und mehr verkommen lässt. Kosten für Medikamente werden von den Kostenträgern nicht mehr übernommen. Alternative Methoden stehen nicht zur Verfügung. Immer häufiger hört der Patient den Satz: "Mit diesen Beschwerden müssen Sie leben." Sowohl aus prophylaktischer als auch aus therapeutischer Sicht sollte der Patient mehr und mehr erkennen, dass er nur dann Genesung finden wird, wenn er sich nicht auf medizinische Vorgaben verlässt, sondern sein Schicksal selbst dirigierend und zielführend in die Hand nimmt. Dies verschafft dem Patienten auch zusätzlich dieses unerhört beruhigende und erlösende Gefühl, nicht passives Opfer eines Medizinsystems geworden zu sein, sondern aktiv als Steuermann und Kapitän der eigenen Gesundheit zu fungieren.

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