Amalgam Studie

Amalgam Studie

Hier finden Sie eine auszugsweise Übersetzung bzw. Zusammenfassung einer wissenschaftlichen Publikation von Dr. Mutter et al. zur Giftigkeit von Amalgam und zur Bewertung von Amalgamstudien.

Autor/en dieses Beitrages:
Dr. med. Joachim Mutter, FA. für Hygiene und Umweltmedizin aus Konstanz

Wissenschaftlicher Kommentar

Disregarding basic principles of mercury toxicity

Stark gekürzte Zusammenfassung / Übersetzung des englischen Textes von Barbara Bross, Online Redaktion

Seit mehr als 150 Jahren wird Amalgam (Amalgam ist die Legierung eines Metalls mit Quecksilber) in der Zahnheilkunde verwendet. Studien an Tieren und Menschen haben gezeigt, dass aus dem Amalgam permanent Quecksilber frei und in unterschiedlichen Körpergeweben eingelagert wird. Allerdings wird nach wie vor kontrovers diskutiert, welche Auswirkungen diese zusätzliche Quecksilberbelastung für die menschliche Gesundheit hat. Der Kommentar befasst sich mit der methodischen Qualität unterschiedlicher Studien zu Amalgam – und kommt zum Ergebnis, dass viele unter schweren methodischen Fehlern zustande gekommen sind.

(Alle folgenden Feststellungen beziehen sich im Originaltext jeweils auf unterschiedliche Studien, die in der gekürzten Übersetzung meist nicht im Einzelnen genannt werden.)

Es stellt sich die Frage, warum nach einer derart langen Zeit der Anwendung von Amalgam als Zahnfüllungsmittel die Meinungen über die Auswirkungen dieser Legierung auf die Gesundheit so weit auseinandergehen.

Aus Tierversuchen weiß man, dass Quecksilber permanent aus Amalgamfüllungen freigesetzt und im Körpergewebe eingelagert wird.

Menschen mit Amalgamfüllungen haben einen erhöhten Quecksilbergehalt im Blut. Außerdem haben sie zwischen drei und fünf Mal mehr Quecksilber im Urin und zwei bis 12 Mal mehr Quecksilber im Körpergewebe als Menschen ohne diese Zahnfüllungen. Allerdings sind die Quecksilberkonzentrationen in Blut und Urin nicht notwendigerweise deutlich erhöht – denn Quecksilber lagert sich nach rund drei Tagen im Blut oder Urin schließlich in anderen Körpergeweben ab. Eine hohe Quecksilberkonzentration im Blut ist daher nur der Beweis für einen nicht lange zurückliegenden Kontakt mit dem Schwermetall.

Eine 2001/2002 durchgeführte Studie verglich zwei ausschließlich aus Frauen bestehende Patientengruppen. Die in beiden Gruppen gefundene Quecksilberkonzentration war gleich hoch, doch klagten nur die Frauen der einen Gruppe über Symptome, die sie auf ihre Amalgamfüllungen zurückführten. Daher, so der Schluss der Forscher, sei es unwahrscheinlich, dass Amalgam der Verursacher der Symptome gewesen sei. Die Wissenschaftler vergaßen allerdings eine wichtige Frage zu stellen: Warum reagieren manche Menschen offensichtlich mehr auf Amalgam als andere?

Eine Teilantwort auf diese Frage liefern andere Studien. Die Verfasser dieser Studien fanden heraus, dass Menschen, die über Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche oder Schlaflosigkeit klagen und diese Symptome auch auf ihre Amalgamfüllungen zurückführen, signifikant häufiger das Apolipoprotein E4-Allel aufweisen als gesunde Kontrollgruppen. Es ist bekannt, dass die Anwesenheit dieses Allels einer der Hauptrisikofaktoren für eine Erkrankung an Alzheimer ist – möglicherweise, weil es mit einer verminderten Fähigkeit der Betroffenen, Schwermetalle zu entgiften, einhergeht.

Andere Forscher fanden heraus, dass Patienten, die Krankheitssymptome auf ihre Amalgamfüllungen zurückführen, einen deutlich niedrigeren Selenspiegel und eine veränderte Zusammensetzung von Spurenelementen im Blut haben als jene Menschen, die trotz Amalgamfüllungen keine Symptome zu zeigen scheinen.

Eines der Hauptdilemmas vieler sogenannter Amalgam-Studien ist allerdings die Tatsache, dass meist keine Kontrollgruppen eingesetzt werden, die tatsächlich nie oder kaum Amalgam ausgesetzt waren. Häufig wird einfach die Möglichkeit unterschlagen, dass „Nicht-Amalgam-Patienten“ in ihrem früheren Leben Amalgamfüllungen aufgewiesen haben könnten.

So verglich eine schwedische Zwillingsstudie 57 Zwillingspaare (und nicht, wie häufig falsch angegeben 587!), deren Durchschnittsalter 66 Jahre betrug. 25 Prozent der Probanden hatten zum Zeitpunkt der Studie gar keine Zähne mehr, bei vielen anderen fehlten einzelne Zähne und eine unbekannte Zahl der Probanden hatte Kronen mit anderen Füllungen als Amalgam. Nicht untersucht wurde, ob es Wurzelfüllungen mit Amalgam und Amalgamfüllungen unter den Kronen gab. So ergab sich eine angeblich amalgamfreie Gruppe, die der anderen Gruppe mit Amalgamfüllungen gegenübergestellt wurde. Die Autoren der Studie fanden so heraus, dass Probanden mit vielen Zahnfüllungen (und daher auch meist mehr eigenen Zähnen) gesünder waren. Es ist nicht unredlich anzunehmen, dass Individuen mit wenigen oder gar keinen Zähnen oder Zähnen, die nicht mit Amalgam gefüllt worden waren früher dennoch viele Jahre lang Amalgamfüllungen gehabt haben können, die dazu führten, dass sich in ihrem Körper möglicherweise sogar mehr Quecksilber anreicherte als in der eigentlichen „Amalgam-Gruppe“.

Aus der Zusammenfassung solcher mit methodischen Fehlern versehenen Studien wiederum schließen andere Forscher in ihren Arbeiten darauf, dass Amalgamfüllungen sicher und effektiv seien, wie es beispielsweise J.E. Dodes (2001) in einem Abstract mit dem Titel „The amalgam controversy“ tut. Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch die Tatsache, dass eben jene Publikation von Dodes zusammen mit anderen in einem Journal für Zahnärzte-Bedarf publiziert wurde. Noch 2002 starteten die Herausgeber dieses Journals eine Werbekampagne für Amalgam, das als „stabile Legierung, ähnlich wie Natriumchlorid“ bezeichnet wurde. Diese Behauptung ist nicht haltbar und wurde bereits von anderen, (z.B. G. Guzzi: Should amalgam fillings be removed?“) kommentiert.

Andere Studien kommen zum Ergebnis, dass die Entfernung von Amalgamfüllungen den Gesundheitszustand der Patienten wesentlich verbessert. 70 Prozent der von U. Lindh und anderen Autoren in einer 2002 erschienenen Studie untersuchten Patienten zeigten nach der Entfernung ihrer Amalgam- und anderer metallischer Zahnfüllungen eine deutliche Verbesserung ihres Gesundheitszustandes (insgesamt 463 Patienten). Ihre Symptome waren die oben genannten wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme etc., aber auch Muskel- und Gelenkschmerzen, Vergesslichkeit, Magenprobleme. Weitere Studien berichten von ähnlich positiven Ergebnissen nach der Entfernung von Amalgamfüllungen bei Autoimmunkrankheiten (einschließlich Multiple Sklerose).

In Tierversuchen und In-vitro-Studien wurde gezeigt, dass Quecksilber neuronale Schäden verursachen und zu biochemischen Veränderungen führen kann, die bei der Alzheimer Krankheit vorgefunden werden. Andere Metalle wie Aluminium, Cadmium, Blei, Mangan Zink, Eisen, Chrom oder Kupfer waren nicht in der Lage diese Art von neuronalen Veränderungen zu bewirken. Quecksilber aus Amalgamfüllungen steht auch im Verdacht Autismus bei Kindern mit zu verursachen. In einer 2003 veröffentlichten Studie von A.S. Holmes und anderen hatten Mütter von 94 autistischen Kindern mehr Amalgamfüllungen während ihrer Schwangerschaft als 49 Mütter von gesunden Kindern.

Diese und weitere Ergebnisse aus anderen Studien stellen die Sicherheit von Amalgamfüllungen in Frage.

Kommentare

John aus Krems, 06.05.2014:
Wow, danke für diesen informativen Beitrag! Es ist wirklich unfassbar, wie Quecksilber sich in unseren Körpern einlagert. Das Problem ist nur, dass dies alles schleichend passiert und die wenigsten Menschen davon wissen ... Einen interessanten Artikel kannst du auch hier darüber nachlesen:

http://motivationsgeschichten.blog.de/2011/10/31/minamata-schleichende-quecksilbervergiftung-12097364/
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