Yoga

Yoga

Ziel des jahrtausendealten, aus Indien stammenden Selbsterfahrungssystems ist es, die Fähigkeit zu erlangen, den Geist ausschließlich auf ein Objekt zu richten, beziehungsweise sich in sich selbst zu versenken, was zu Gelassenheit und innerer Harmonie führen soll. ...

Autor/en dieses Beitrages:
Anrananda Barbara Meister, Tanzpädagoge/in aus Bielefeld

Einführung

Ziel des jahrtausendealten, aus Indien stammenden Selbsterfahrungssystems ist es, die Fähigkeit zu erlangen, den Geist ausschließlich auf ein Objekt zu richten, beziehungsweise sich in sich selbst zu versenken, was zu Gelassenheit und innerer Harmonie führen soll. In seiner klassischen, ursprünglichen Form sollte Yoga auf einem achtgliedrigen Pfad zur erlösenden Erleuchtung führen. Es gibt zahlreiche Yoga-Strömungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Im Hatha-Yoga, das im Westen am meisten praktiziert wird, liegt der Schwerpunkt auf dem Training festgelegter Körper-, Atem- und Konzentrationsübungen, im weiterführenden Raja-Yoga geht es um Selbsterkenntnis mit Hilfe verschiedener Meditationsformen. Yoga ist eine gute Entspannungstechnik und eine Ergänzung zur Medizin, braucht allerdings viel Zeit, Geduld und Disziplin.

Liebe die ganze Menschheit.
Hilf allen Lebewesen.
Sei glücklich. Sei höflich.
Sei eine Quelle unerschöpflicher Freude.
Erkenne Gott und das Gute in jedem Gesicht.
Kein Heiliger ist ohne Vergangenheit.
Kein Sünder ohne Zukunft. (...)

1984 Sri Haidakhan Babaji

Ursprung und Geschichte

Der Fachausdruck "Yoga" wurde vermutlich zum ersten Mal in den Veden[1] erwähnt und bedeutet in etwa: "anjochen" rück-verbinden. Damit ist eine Rückverbindung ("re-ligio"-re bedeutet zurück und ligere (lat.) binden) des Menschen an eine ursprüngliche, höhere Quelle des Seins gemeint. Generell kann Yoga als Technik zur Erreichung einer höheren Bewusstseinsebene beschrieben werden, unabhängig davon welcher religiöser Glaubensgemeinschaft der Praktizierende angehört. Yoga ist entgegen einiger landläufiger Meinungen auch keine eigene Religion, sondern vielmehr eine etwa 5000 Jahre alte Wissenschaft vom Leben, die zu Selbstverwirklichung, Gesundheit und Harmonie verhelfen will. Dass Yoga ein religiöses Fundament zugesprochen wird, mag neben der stark geistigen Orientierung im Yoga auch daran liegen, dass das (mystische) Ziel eines Yogis (als "Samadhi" oder Erleuchtung benannt) den Beschreibungen mystischer Erlebnisse verschiedenster Religionen gleichkommt. Darüber hinaus lässt sich die yogische Lebensweise mit jeglicher religiösen Ausrichtung kombinieren oder vielmehr ergänzen. Im Yoga wird der Körper, der Geist und die Seele des Menschen vereint.

Vielfach wird Yoga als eine aus dem Hinduismus entstandene Geisteslehre dargestellt. Die wahren Ursprünge des Yoga sind jedoch wissenschaftlich kaum nachzuvollziehen, da es sich hierbei vielmehr um eine praktische Lebensphilosophie handelt, die größtenteils mündlich von Lehrer zu Schüler überliefert wurde. Ebenso ist das zeitliche Aufkommen des Yogas nicht genau zu datieren. Zweifelsohne jedoch finden sich die Ursprünge des Yoga im alten Indien, aufgezeichnet etwa 2500 Jahre v. Chr. im Vedanta1.

Den philosophischen Hintergrund des Yoga bestimmt die Lehre der Reinkarnation. D.h. eine menschliche Seele durchläuft einen ewigen Kreislauf (Samsara) von Geburt und Tod bis sie die endgültige Befreiung erreicht. Ebenso ist die Lehre vom Karma im Yoga obligat. Diese sagt aus, daß jede Handlung, sogar jeder Gedanke, ob gut oder schlecht, eine (spätere) Folge nach sich zieht. Es wird sogar behauptet, daß das, was man "aussät", zehnfach "geerntet" wird. Auch konstituiert die Yogaphilosophie drei Gunas, Tamas, Rajas und Sattva genannt, als Hauptenerien/Elemente jeglicher Natur (Prakriti). Die Gunas sind Tamas: Dunkelheit, Unwissenheit, Rajas: Energie, Bestreben und Sattva: Licht, Harmonie, Ausgeglichenheit. Diese Theorie findet auch in der yogischen Ernährung ihre Entsprechung.

Ebenso sind die ethischen Regeln - Yama und Niyama - als geistige Grundlage des Yogas von Bedeutung. Diese werden oft als die indischen zehn Gebote bezeichnet, die es auf dem geistigen Weg zu beachten gilt. Die fünf Verbote des Yama sind: Ahimsha: Gewaltlosigkeit; Satya (nicht lügen ): Wahrhaftigkeit; Asteya (nicht stehlen): Enthaltung von fremden, auch geistigem, Eigentum; Bramacharya: geschlechtliche Enthaltsamkeit und Aparigraha (Nicht-Gier): Überwindung von Habsucht.
Niyama sind ergänzende Verhaltensregeln, sogenannte Dienste oder Observanzen: Saucha: Reinerhaltung von Körper und Geist; Samthosha: Zufriedenheit, Bescheidenheit im geistigen Sinne; Tapas oder Tapah: Arbeit am Selbst; Svadhyaya: Studium heiliger Schriften, Meditieren auf das Höchste (Gott); Ishvara-pranidhana: Hingabe, Gottesliebe.
Welche inhaltliche Bedeutung und welche praktische Relevanz Yama und Niyama dem heutigen Yogaschüler angemessen erscheint, bleibt der jeweiligen Person selbst überlassen, sollte jedoch reflektiert und diskutiert werden. - kurz und knapp

Richtungen

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich viele verschiedene Arten Yoga zu praktizieren, entwickelt. Die Vielfalt dieser Arbeitswege ist für unterschiedlich veranlagte Menschen und deren Mentalität gedacht, so dass der Schüler das für ihn passendste System herausfinden kann. In aller Kürze möchte ich diese verschiedenen Richtungen erläutern:
Hatha-Yoga (siehe auch Abschnitt Wirkungsweise) legt größten Wert auf die Körperbeherrschung und wird vor allem durch die Asanas (körperliche Übungen), ferner durch Pranayama (Atemübungen), Reinigungsübungen und Entspannungstechniken und Dhyana (Meditation) bestimmt.

Andere bekannte Yogaformen sind Raja- und Kundalini -Yoga, die auch eine ihrem System entsprechende Hatha-Yoga- Praxis miteinbeziehen.
Im Kundalini-Yoga geht es um die Erweckung der Kundalini-Energie am unteren Sitz der Wirbelsäule (welche auch oft die Schlangenkraft genannt wird, da sie in dreieinhalb Windungen wie eine schlafende Schlange ruht, bei ihrer Erweckung jedoch bis zum oberen Pol des Bewusstseins aufsteigt). Kundalini kann auch als die heilende Urenergie bezeichnet werden, die letztendlich die menschliche Dualität aufhebt und Transzendenz erfahrbar macht. Generell erweckt jegliche Yogapraxis die Kundalini-Energie.
Das Raja-Yoga wurde von Patanjali (2. Jh. v. Chr.) in seinen vedischen Schriften (Sutren) begründet und auch der achtgliedrige, königliche Pfad genannt. Die acht Glieder (Asthanga) besitzen auch für das Kundalini-Yoga Gültigkeit: Yama (Verhaltensregeln), Niyama (Selbstdisziplin), Asana (Körperhaltung), Pranayama (Atemführung), Pratyahara (Sinnenbeherschung), Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (Erleuchtung/ Entspannung).

Die folgenden drei Yogawege sind im Westen weniger bekannt, obwohl es sich bei ihnen um die ursprünglichen Yogaformen, aus denen alle anderen Richtungen abgeleitet worden sind, handelt:
Bakthi-Yoga ist das "Yoga des Herzens, der Hingabe" und ist vor allem für emotionale Naturen geeignet. Durch Gebet, Verehrung und Ritual wird auf die grenzenlose, bedingungslose Liebe hingearbeitet.
Karma-Yoga ist das "Yoga der Tat", die allein für Gott- ohne die Bindung an persönliche Motive (z.B. Erfolg) – vollzogen wird. Durch selbstloses Handeln findet eine Läuterung statt.
Jnana-Yoga ist das "Yoga des Wissens, der Erkenntnis" und erfordert große Willenskraft und geistige Anstrengung. Durch das Studium heiliger Schriften, vor allem der Vedantaphilosophie setzt sich der Schüler mit seiner eigenen Natur intellektuell auseinander.

Mantra-Praxis ist das "Yoga des Klanges". Durch Rezitieren von Mantren (heiligen Silben, wie z.B. OM) in Gesang oder Meditation wird eine Reinigung von Geist und Bewusstsein erreicht. Mantren besitzen tiefgehende transformative Kräfte. Das Mantrensingen wird vor allem im Bakthi- Yoga praktiziert. Kirtans und Badjans sind heilige Lieder oder Verse (z. B. aus dem Sanskrit), die mit Instrumentenbegleitung gesungen werden und zur Herzöffnung beitragen.

Wichtig anzumerken ist dabei, dass alle Yogawege schließlich das gleiche Ziel, nämlich Gottverwirklichung verfolgen und sich nicht wirklich trennen lassen. Im Gegenteil, folgt man Yama und Niyama, bzw. den Gliedern des Raja-Yogas, so lässt sich unschwer erkennen, dass darin Elemente aus jeder dieser drei Grundformen des Yogas enthalten sind.

Wirkungsweisen (Hatha Yoga)

Da der westliche Mensch weniger an der dem Yoga innewohnenden Spiritualität interessiert ist, kommt ihm das Hatha-Yoga entgegen.
Hatha-Yoga trainiert und kräftigt nicht nur jedes Körperteil, Gelenke, die Wirbelsäule und das Knochengerüst, sondern wirkt ebenso auf die inneren Organe, Drüsen und Nerven, womit Krankheiten (auch psychosomatischen) entgegengewirkt und die Lebensenergie gesteigert wird.

Hatha-Yoga bedeutet im ursprünglichen Wortsinn "das Polarisieren und Ausgleichen der Kräfte", da die Silbe "Ha" das Symbol für Sonne und "Tha" das für Mond signalisiert. Hatha-Yoga, wie alle anderen Richtungen des Yogas auch, geht von der energetischen Sichtweise des Menschen aus, die den Körper als ein Netz von Energieströmen versteht. Dessen zentraler Kanal (Nadi) verläuft innerhalb der Wirbelsäule (Susumna). Die acht wichtigsten Energiezentren (Chakren) liegen entlang der Wirbelsäule und steuern die wichtigsten körperlichen und psychischen Funktionen. Mit Hilfe der Asanas (Körperhaltungen), Mudras (Fingerhaltungen), Bandas (Zusammenziehen der Schließmuskeln) und Pranayama (Kontrolle des Atems) sollen die Chakren aktiviert, ausgeglichen und zur höheren Entwicklung vorbereitet werden. Als Nebeneffekt entsteht eine gesteigerte Vitalität und Gesundheit. Hauptziel bleibt, wie in allen Yogarichtungen, die Reinigung und Erweckung der weiteren, höheren "Geistkörper des Menschen", die je nach Autor unterschiedlich definiert und differenziert werden. In der Regel sind dies jedoch der Äther- und Astralleib, der mentale und karmische Körper, sowie Atman, das Gottselbst. Diese bilden die geistige, feinstoffliche Hülle des physischen Körpers, die Aura, und können (sollen) durch Yoga entwickelt, verfeinert oder gereinigt werden. Der Ätherkörper ist für die physische Gesundheit mitveranwortlich und befindet sich nur wenige Zentimenter um den grobstofflichen Körper herum. Der Astralleib ist für die Träume verantwortlich und bei fortgeschrittener Entwicklung desselben ist der Yogi imstande mit diesem an andere Orten zu reisen (sogenannte Astralreisen). Der mentale Körper beinhaltet die Qualität unserer Gedanken, der karmische Körper das Karma aus diesem und vergangenen Leben. Atman oder Buddhi, das Gottselbst bezeichnet den Menschen in seiner höchsten Bewußtseinsentwicklung, das Gottesbewußtsein und ist das Ziel jeden spirituellen Weges.

Wirkungen

  • Training, Kräftigung von Körperteilen, Muskeln, Gelenken, der Wirbelsäule und des Knochengerüstes
  • Wirkung auf die inneren Organe, Drüsen und Nerven
  • Entspannung und Stressabbau
  • Verbesserung/ Vertiefung der Atmung
  • Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit
  • Steigerung der Lebensenergie (Prana)
  • Verbesserung der Körperhaltung und Harmonisierung des Bewegungsverhaltens

Die Hatha-Übungspraxis

Die Yogastellungen - die klassischen Asanas[2] - wurden größtenteils von Tieren abgeschaut, die sich ganz instinktiv in eine bestimmte Haltung begeben, um Wohlbefinden oder Heilung zu erreichen. So sind einzelne Asanas auch nach Tieren benannt, wie z. B. die Kobra, Katze oder das Kamel; andere wiederum sind nach Pflanzen oder Göttern benannt, um den Gedanken auszudrücken, dass der Yogi den universalen Geist widerspiegelt und alle Formen anzunehmen imstande ist.

Hatha-Yoga-Asanas können - je nach Schule - einen sportiven, fast akrobatischen oder mehr meditativen Charakter zeigen. Wichtig neben einer sachgerechten Ausführung ist immer auch die Reihenfolge der Ausführung spezifischer Übungen, da einzelne Asanas ihre Wirkung nur mit entsprechender Vorbereitung entfalten. Pranayama wird in der Regel als fortgeschrittene Technik gelehrt, da die bewusste Lenkung des Atems eine Sensibilisierung des Nervensystems bewirkt, wofür beim Schüler zuerst die Vorraussetzungen (ein stabiles körperliches und psychisches System) geschaffen werden sollte. Pranayama greift in das autonome (vegetative) Nervensystem ein und sollte deshalb mit großer Vorsicht gelehrt und praktiziert werden. In Ausnahmefällen können durch diese Praxis Psychosen ausgelöst werden.
Eine Yogastunde sollte möglichst immer mit einer Entspannung beginnen, in der sich Körper und Geist auf die folgenden Übungen besinnen können und die Hektik des Tagesgeschehens losgelassen wird.

Dann folgt in einigen Systemen Surya Namaskar (der Sonnengruß), eine dynamische Übungsabfolge zur Stärkung und Erwärmung des gesamten Körpers, vor allem der Wirbelsäule. Die Reihenfolge der nachfolgenden Übungen kann variiert werden, einige Systeme beginnen mit stehenden Haltungen, andere mit den Sitzpositionen.
Eine vollständige Yogastunde sollte jedoch von den verschiedenen Asanaformen mindestens je ein Element enthalten: Umkehrhaltungen, Vorwärtsbeugen, Rückwärtsbeugen, Drehungen, Gleichgewichtstellungen; außer es handelt sich um eine speziell für eine Körperpartie oder ein Organsystem ausgearbeitete Übungsstunde, die darauf abzielend angeboten wird.

Die Yogastunde klingt in der Regel mit einer (Tiefen-)Entspannung aus, indem nochmals alle Muskeln angespannt werden, die sich dann umso besser entspannen können. Das stille Liegen auf dem Rücken: Shavasana (Totenlage) vertieft die Wirkung der vorangegangenen Asanas und sollte deshalb einige Minuten als Abschluss eingenommen werden. Am Ende wird je nach Ausrichtung des Lehrers auf die geistige Dimension des Yogas Bezug genommen, indem eine Meditationsform, Mantrensingen, eine Textlesung oder dergleichen angeboten wird. Das rundet die Yogastunde ab und wendet sich dem eigentlichen geistigen Potential der Übungspraxis zu. Dies kann auch in einem persönlichen Austausch über die Inhalte und individuellen Erfahrungen münden.

Hauptanwendungsgebiete

Yoga bewirkt körperliche sowie psychische Gesundheit. Die Organe werden gestärkt und massiert, das Nervensystem verjüngt, die Haltung verbessert, die Wirbelsäule wird gestärkt und flexibel gehalten. Durch das Streben nach einem höheren Selbst wird eine Sinnhaftigkeit erzeugt und Selbstvertrauen geweckt. Yoga kann ganz besonders bei Ängsten und Depressionen, sowie leichten Neurosen heilend wirken. Auch für Übernervöse oder manische Personen ist eine Yogapraxis sinnvoll, da diese mehr "geerdet werden" und zur Ruhe finden. Grundsätzlich können alle körperlichen Probleme Linderung oder gar Heilung durch Yoga erfahren, insbesondere Rückenleiden. Eine sachgerechte Ausführung, bzw. individuell ausgearbeitete Übungsreihen sind im letzteren Fall jedoch von Notwendigkeit.

Grenzen

Yoga sollte in Fällen von schweren psychischen Erkrankungen, wie z.B. Psychosen nicht angewandt werden, da die Betroffenen den Bezug zum eigenen Körper und der Realität schon verloren haben. Ebenfalls ist Yoga bei schweren oder akuten Traumatisierungen, sowie akuten schweren Erkrankungen, bzw. Notfällen, wie Herzinfarkten und Schlaganfällen nicht angezeigt. Auch sollte in Phasen fiebriger Erkrankungen die Yogapraxis ruhen. Grundsätzlich soll noch einmal daraufhingewiesen werden, dass Yoga ein lebenslanger Weg ist, der vor allem der Charakterbildung und Bewusstseinsentwicklung gewidmet ist, also vielmehr eine Lebenshaltung als eine Therapieform ist, die Defizite ausgleichen will. Deshalb kann zwar gesagt werden, dass Yoga therapeutischen Nutzen hat, jedoch dieser nicht Zweck des Yogas ist. Vielmehr soll vor Leistungsstreben und Konsumorientierung im Yoga gewarnt werden. Wichtig ist vor allem eine innere achtsame Haltung, Disziplin, Ausdauer, Geduld und Hingabe auf dem Übungsweg, auch wenn sich keine schnellen wie auch immer definierten Erfolge einstellen. Sinn des Yogas ist es, sich als göttliches Wesen zu erkennen und Körper, Seele und Geist in eine harmonische Einheit zu bringen. So sollte man die Übungen stets aus innerem Antrieb und mit Freude ausführen. Wenn starke innere Widerstände gegen die Übungen auftreten, kann es u.U. sinnvoll sein, eine Übungspause einzulegen. Die Übungen involvieren Körper, Seele und Geist gleichermaßen - wenn eine dieser Ebenen nicht in die Übungen miteinbezogen wird, ist das Yoga unvollständig und hat seinen Sinn verfehlt. Auch können dann leichter unangenehme Nebeneffekte, wie z.B. Muskelkater auftreten. Damit sich jedoch der Körper an die Übungen gewöhnt, ist Regelmäßigkeit sehr wichtig. Empfohlen werden jeden Tag 20 Minuten oder eine längere Übungszeit (1-1 ½ Std.) jeden zweiten bis dritten Tag.

Stand der naturheilkundlichen Forschung

Zur Wirksamkeit von Yoga gibt es inzwischen zahlreiche seriöse wissenschaftliche Studien. Dr. Christian Fuchs vom Institut für Yoga- Forschung hat in einer Broschüre einige wichtige Studien der westlichen Welt ausgewertet [3]. Z.B. gibt es Wirksamkeitsuntersuchungen von Hatha-Yoga bei Schlafstörungen, chronischem Kopfschmerzsyndrom, Hypertonie und chronischem Lumbalsyndrom, die von der "Freien Universität Berlin", der "Barmer Ersatzkasse Berlin" und des "Gesundheitszentrums der BKK Berlin" unterstützt wurde.
Auch das Institut für Vini-Yoga Berlin hat die Wirksamkeit von Yoga untersucht (www.viniyoga.de).

Nebenwirkungen

Erwähnt wurde schon, dass Atemübungen (Pranayama) in das autonome Nervensystem eingreifen und deshalb bei sehr intensiver, vorzeitiger Praxis in Einzelfällen eine Psychose auslösen können. Darüber hinaus kann bei sachgerechter Ausführung und kompetenter Anleitung von Yoga eine Werteumorientierung, gesteigerte Lebensfreude, Vitalität, innere Ruhe und Stärke, Konzentration, Gelassenheit, seelische Ausgeglichenheit, gesteigerte sinnliche und übersinnliche Wahrnehmung, erhöhte geistige und körperliche Flexibilität, Offenheit und dergleichen mehr als Nebenwirkungen erwartet werden.

Wie finde ich einen guten Yogalehrer

Yogalehrer sind in der Regel normale Menschen und keine Gurus. Dennoch gibt es einige Kriterien, die man ansetzen darf, um die "Spreu vom Weizen zu trennen". Wichtig ist, dass sie als Lehrer eine Vorbildfunktion erfüllen und beständig an sich arbeiten. Es sollte gelebt werden, was gesagt und gelehrt wird und keine Diskrepanz von Theorie und Praxis auftreten. Wo dies nicht möglich ist, bzw. zuviel verlangt ist, sollten die Lehrer ehrlich und transparent sein und den Weg oder Prozess in Mitgefühl aufzeigen können. Eine klare, integere Persönlichkeit sollte erkennbar sein. Ebenfalls sollte das Wissen, das vermittelt wird, ein Erfahrungswissen sein. Besonders gute Yogalehrer erkennt man auch an einem individuellen Unterrichtsstil, d.h. jeder Schüler wird anders behandelt oder korrigiert, da seine besonderen Stärken und Schwächen gesehen und berücksichtigt werden. Generell sollten Yogalehrer einen Schüler in seinem Entwicklungsstand beurteilen können, selbst wenn dieser seinen eigenen übersteigt. Yogalehrer können in Deutschland beim BDY (Bund deutscher Yogalehrer) eine Prüfung mit Zertifikat ablegen, das ein (eher technisches) Know-how bezüglich Asanas, Begrifflichkeiten, Anatomie und Stundenaufbau und -durchführung belegt. Das ist sicher von Vorteil, doch nicht unbedingt ein Garant für Niveau und spirituelle Integrität und Reife. Ebenfalls ist eine langjährige eigene Yogapraxis und Lehrerfahrung von Vorteil, doch sollte man auch "Anfängern" eine Chance geben, zumal Yogaerfahrungen über mehr als ein Leben hinausreichen; d.h. ein Anfänger kann in früheren Leben schon fortgeschritten gewesen sein, während ein langjährig Übender möglicherweise erst in dem einen Leben den Weg beschreitet. Wenn ein Lehrer einen spirituellen Lehrer oder Guru besonders verehrt, sollte er dies nicht von allen Schülern verlangen, sondern Toleranz und Respekt gegenüber dem individuellen Weg eines jeden Einzelnen zeigen. Abschließend kann gesagt werden, dass der richtige Yogalehrer eine Frage der "zwischenmenschlichen Chemie" ist und nicht allein an äußeren Kriterien bemessen werden kann. Neben Sympathie entscheiden auch individuelle Bedürfnisse (worauf lege ich beim Yoga besonderen Wert) über die Auswahl eines Lehrers, somit sollte man sich zunächst über den Stil des Yogas im Klaren sein, den man bevorzugt. Danach reduziert sich die Auswahl an Yogakursen und Lehrenden von allein. Man sollte sich die Frage stellen, ob eine physische Herausforderung oder eher eine meditative, besonders langsame Übungsweise gewünscht wird und welchen Raum Meditation und Entspannung und die geistige Dimension einnehmen sollen.

Tipps zum Weiterlesen

"Erziehung und Selbsterziehung"-Die Seele als schöpferisches Geheimnis der werdenden Persönlichkeit von Heinz Grill; Lammers Koll Verlag, 2002

  • Vedanta: bedeutendste Schule der hinduistischen Philosophie. Die Veden (eine Sammlung von Hymnen und philosophischer Dichtung, die in einem Zeitraum von 2000 Jahren entstand) sind daraus die früheren Schriften, die Upanishaden die späteren, die die Hauptgrundlage der Yogalehren bilden. Veda heißt in Hindu Weisheit.
  • Der Begründer des Hatha Yoga soll Goraksanatha, der nach Christus lebte, gewesen sein. Die Hatha Yoga Pradipika ist eine bekannte klassische Schrift aus dem 15 Jahrhundert (die angeblich auf Goraksanatha basiert) und beschreibt 15 Stellungen; eine andere alte Yoga-Schrift, Siva Samhita, führt hingegen über 80 Stellungen (Asanas) auf.
ergänzt und kommentiert von:
Dr. med. Wolfgang Scheel, aus Steinheim an der Murr

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