Klassische Homöopathie

Klassische Homöopathie

Die Homöopathie, ein in sich geschlossenes medizinisches System, ist von dem Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843) entwickelt worden. Die Homöopathie geht davon aus, dass jedem Menschen eine individuelle „Lebenskraft“ innewohnt, mit individueller Dynamik und Funktion. Wird sie gestört, entstehen Krankheiten.

Autor/en dieses Beitrages:
Dr. med. Reimund Wagner, FA. für Allgemeinmedizin aus Mühlacker

Einführung

Das Prinzip der Homöopathie ist es nicht, Symptome zu überdecken oder zu bekämpfen, denn diese sind ein Zeichen dafür, dass der Körper selbst auf Störursachen reagiert. Vielmehr soll der Körper mit Hilfe der homöopathischen Mittel in seinem Heilungsbestreben unterstützt und die Selbstheilungskraft angeregt werden. In der Homöopathie gilt der Grundsatz: niedrig potenzierte Mittel wirken eher körperlich und werden zur Unterstützung der Heilung bei akuten Leiden eingesetzt, höher potenzierte Mittel wirken eher seelisch – geistig und werden eher zur Heilung von chronischen Krankheiten eingesetzt. Ein weiterer Grundsatz der Homöopathie ist, dass Ähnliches durch Ähnliches geheilt wird. Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass eine bestimmte Art von Kopfschmerz von einem Stoff geheilt werden kann, der am Gesunden einen ähnlichen Kopfschmerz verursachen würde.

Similia similibus curentur
Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden

(Samuel Hahnemann, 1796)

Ursprung und Geschichte

Globuli
Globuli

Das Jahr 1796 gilt als das Geburtsjahr dieser Therapiemethode, die von ihrem Begründer Samuel Hahnemann "Homöopathie" (griechisch: homoion pathos = ähnliches Leiden) genannt wurde. In einem Artikel formulierte er in diesem Jahr die so genannte Ähnlichkeitsregel (siehe oben), die den wesentlichen Kern der Lehre in Worte fasst.

Zuvor hatte er in einem Selbstversuch mit Chinarinde, einem gebräuchlichen Medikament gegen Malaria, die Erfahrung gemacht, dass das Medikament an ihm, dem Gesunden, malariaähnliche (Vergiftungs-) Symptome hervorrufen konnte. In der Folgezeit prüfte er die Hypothese, ob Arzneien, die Symptome am Gesunden hervorrufen, heilen können. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er dann 1796.

In der damaligen medizinischen Welt wurde die Ähnlichkeitsregel durchaus wohlwollend aufgenommen und diskutiert. Hahnemann wurde in der Folgezeit sogar Professor an der Universität Leipzig. Dort war die Verbreitung seiner Lehre nicht sonderlich erfolgreich, er sammelte jedoch einen Kreis Schüler um sich.

Einen gewissen Durchbruch und auch Anerkennung in der Bevölkerung brachte der Homöopathie eine Choleraepidemie, die 1830 und danach Europa heimsuchte, und bei deren Behandlung sich die Homöopathie den anderen Heilmethoden überlegen zeigte. Im Bestreben, die Nebenwirkungen seiner Arzneimittel zu reduzieren, experimentierte Hahnemann mit Verdünnungen seiner Medikamente, und erfand das

Phänomen des Potenzierens:

wenn Arzneimittel zwischen jedem Verdünnungsschritt geschüttelt werden, geht die Wirksamkeit nicht verloren, sondern "potenziert" sich sogar, d.h. wird stärker.

Als er diese Erkenntnisse veröffentlichte, wurde Hahnemann wegen dieser Potenzen-Lehre viel mehr angefeindet als wegen seiner Ähnlichkeitsregel - mit dem Resultat, dass bis heute Homöopathie mehr mit starker Verdünnung gleichgesetzt wird als mit der Ähnlichkeitsregel.

Selbst das deutsche Arzneimittelgesetz folgt dieser Denkstruktur, wenn es sinngemäß definiert, dass eine Methode dann als homöopathisch anzusehen ist, wenn die Arzneimittel gemäß dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB) von 1991 hergestellt wurden. Im HAB werden detailliert die Potenziervorschriften für die unterschiedlichen Arzneimittel definiert; die Ähnlichkeitsregel spielt in diesem Buch keine Rolle.

Bereits zu Lebzeiten Hahnemanns wurde die Homöopathie durch seine auswandernden Schüler in andere Länder verbreitet. Besonders in den USA erreichte sie, bedingt durch andere universitäre Rahmenbedingungen, eine Blütezeit: Im Jahre 1900 waren 15% aller medizinischen Ausbildungsinstitute der USA homöopathisch ausgerichtet.

Mit der Entdeckung des Penicillins durch Fleming 1928 und der darauf einsetzenden "Antibiotikaeuphorie" mit zugegebenerweise sehr schnellen Erfolgen, geriet die Homöopathie ins Abseits, wurde aber von wenigen Verfechtern weiterpraktiziert.

Aufgrund der Erkenntnis, dass bei chronischen Erkrankungen die therapeutischen Möglichkeiten der schulmedizinischen Therapie jedoch sehr begrenzt sind, erlebt die Homöopathie seit 1970 eine Renaissance, was sich auch in der Zahl der wissenschaftlichen Publikationen niederschlägt. Auch in schulmedizinischen Ärztezeitschriften kommen immer wieder homöopathische Stimmen zu Wort. Nicht zuletzt findet die Akzeptanz der Homöopathie Niederschlag in dem von den offiziellen Ärztekammern eingeführten Zusatzqualifikationstitel "Homöopathie", und der Tatsache, dass private Krankenkassen Homöopathie als Naturheilverfahren in ihren Leistungskatalog aufgenommen haben.

Wirkungsweise

Dass unter "homöopathischen Dosen" sehr hohe Verdünnungen verstanden werden, "deren Wirkung fraglich ist", ist schon Bestandteil des allgemeinen Sprachgebrauchs. Streng genommen besteht aber zwischen der Ähnlichkeitsregel und dem homöopathischen Verdünnungs- bzw. Potenzierungsverfahren kein unmittelbarer Zusammenhang.

Die Ausgangsstoffe der homöopathischen Mittel werden in einer Trägersubstanz (Alkohol, Wasser, Lactose, Saccharose) mittels Verschüttelung oder Verreibung verarbeitet. Je nach Mischungsverhältnis zwischen Ausgangssubstanz und Trägermaterial unterscheidet man D-Potenzen (1:10), C-Potenzen (1:100) und LM-Potenzen, die auch Q-Potenzen genannt werden (1:50 000).

Ab einer Potenzstufe von D24, C12 oder LM6 ist, bei einer angenommenen Wirkstoffkonzentration der Ausgangslösung von 1 Mol/l, nach physikalischem Verständnis kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr in der Lösung enthalten. Dennoch werden in der homöopathischen Therapie auch weit höhere Potenzen, z.B. C1000, angewandt, so genannte Hochpotenzen.

Basierend auf diesen physikalisch-chemischen Überlegungen ist leicht zu verstehen, dass es bis heute kein allgemein anerkanntes Modell für die Wirkungsweise der Homöopathie gibt.

Das so genannte biologische Grundgesetz von Arnd und Schulz gilt als Erklärungsmodell für die Tiefpotenzen, bei denen man eine chemische Wirkweise postulieren kann. Nach dem Arndt-Schulz-Gesetz fördern kleine Reize den Gesamtorganismus, indem sie ihn zu "Gegenmaßnahmen" anregen, große Reize hemmen ihn; größte dagegen lähmen bzw. töten ihn.

Beispiel: Ein Kältereiz beim Wechselduschen steigert die Immunabwehr, die gleiche Wasser-Temperatur über längere Zeit führt zu "Erkältungskrankheiten"; über sehr lange Zeit zu Unterkühlung und evtl. Tod.

Die Ähnlichkeitsregel erklärt dieses Modell jedoch nicht.

Für die Hochpotenzen steht dieses Modell aus ersichtlichen Gründen nicht zur Verfügung. Das gängigste Erklärungsmodell ist das der "Information":

Wie die Noten auf dem Notenblatt die Information der Musik darstellen - ohne die Musik zu sein - ist das homöopathische Mittel das "Transportmedium" (das Notenblatt) für die Information (heilende Energie = Musik). Genau wie bei der Musik kann es unterschiedliche Transportmedien geben (Notenblatt, Schallplatte, CD, Kassette...) - für immer die gleiche Musik. Entsprechend ist es auch egal, ob man Globuli oder Tablette oder Tropfen zu sich nimmt.

Die Ähnlichkeitsregel wird in diesem "Informationsmodell" mit dem Resonanzphänomen der Physik erklärt. Wenn ein Ton mit einer bestimmten Tonhöhe in einem Raum schwingt, kann er eine Gitarrensaite zum Schwingen bringen, ohne dass sie angeschlagen wird. Voraussetzung aber ist, dass der Ton exakt die Tonhöhe der Gitarrensaite trifft. Verändert man die Höhe des Tons im Raum, hört die Gitarrensaite sofort mit dem Mit-schwingen auf. Übertragen auf die Homöopathie, wäre die Übereinstimmung der Krankheitssymptome mit dem Arzneimittelbild entsprechend der Ähnlichkeitsregel, die Grundlage für ein Resonanzphänomen des Körpers mit der "Heil-Information" des homöopathischen Mittels.

Stand der naturheilkundlichen Forschung

Obwohl die Wirkungen der Hochpotenzen nach den heute gültigen naturwissenschaftlichen Vorstellungen nicht erklärbar sind, gibt es verschiedenste experimentelle und klinische Studien, die eine Wirksamkeit der homöopathischen Präparate dokumentieren (8, 7) und auch einer kritischen Metaanalyse (d.h. einer Analyse der Analyse) standhalten. Die Autoren einer Metaanalyse, die auch die homöopathischen Studiendesigns kritisch bewerteten, kommen zum Schluss, dass "erstaunlich viele positive Ergebnisse, d.h. das homöopathische Mittel war wirksam, unter den besseren und besten Studien zu finden sind und diese womöglich ausreichen, um die Homöopathie für bestimmte Indikationen als mögliche Behandlungsform anzuerkennen" (8).

Trotzdem wird weiterer Forschungsbedarf geltend gemacht, insbesondere, da noch große methodische Schwierigkeiten in der homöopathischen Forschung überwunden werden müssen.

Richtungen in der Homöopathie

Die homöopathische Lehre erfuhr in den über 200 Jahren ihres Bestehens Wandlungen, Weiterentwicklungen, aber auch Abspaltungen, die heute alle unter dem Oberbegriff "Homöopathie" subsumiert werden. Dies hat zur Folge, dass der Begriff "Homöopathie" allein sehr unpräzise ist. Deshalb soll zur Präzisierung im Folgenden ein kurzer Überblick über die wichtigsten unterschiedlichen Strömungen der Homöopathie gegeben werden:

Einzelmittelhomöopathie (Klassische Homöopathie)

Die von Samuel Hahnemann (1755-1843) begründete Homöopathie hat als Grundlage die so genannte Ähnlichkeitsregel:

"Similia similibus curentur" - Ähnliches (Homoion = ähnlich) werde durch Ähnliches geheilt.

Das heißt, wenn eine Substanz am Gesunden eine Anzahl von gut ausgeprägten Symptomen hervorruft, kann sie ein ähnliches Symptombild bei einer Krankheit beseitigen.

Der Vorgang, bei dem der Gesunde eine Substanz prüft, ob sie bei Einnahme Krankheitssymptome hervorruft, nennt sich Arzneimittelprüfung. Die Summe der von der geprüften Substanz an einer Gruppe gesunder "Versuchspersonen" hervorgerufenen Symptome wird Arzneimittelbild genannt. Daraus ergibt sich die Eigenheit der homöopathischen Arzneimittel, dass ein Mittel bei den verschiedenartigsten klinischen Diagnosen auf dem Indikationsplan stehen kann, vor allem wenn das Mittel bei der Arzneimittelprüfung ein sehr breites Symptombild geboten hat.

"Hahnemann hat nachgewiesen, dass es sich bei dieser Ähnlichkeit zwischen verursachten und geheilten Beschwerden nicht um "paradoxe" Einzelfälle handelt, sondern um eine biologische Gesetzmäßigkeit, die allgemein gültig und therapeutisch nutzbar ist. Diese gesetzmäßige Ähnlichkeit ist der methodische Kern der Homöopathie." (4)

Das Auswahlkriterium bei der Wahl des homöopathischen Therapeutikums am Patienten besteht darin, die möglichst genaue Übereinstimmung (Ähnlichkeit) zwischen dem vorliegenden Krankheitsbild einerseits und dem Arzneimittelbild anderseits zu erreichen.

Daraus resultieren aber auch diverse Schwierigkeiten in der Kommunikation mit "Nicht-Homöopathen". Denn neben den rein objektiven Befunden im Sinne einer schulmedizinisch-klinischen Diagnose sind darüber hinaus die individuellen, subjektiven Äußerungen des Patienten entscheidend für die homöopathische Mittelfindung. Die schulmedizinische Krankheitsdiagnose reicht dem homöopathisch tätigen Therapeuten als Kriterium für eine Mittelfindung nicht aus. Er ist auf die individuelle Symptomschilderung des Patienten angewiesen. So ist es nicht ungewöhnlich, dass fünf Patienten mit der Diagnose Bronchitis vom Homöopathen mit fünf verschiedenen homöopathischen Arzneimitteln erfolgreich behandelt werden, da jeder über einen "anderen" Husten klagt.

Dies bedeutet aber auch, dass der Homöopath auf das Vorhandensein von Krankheitssymptomen angewiesen ist, und z.B. nicht vorbeugend arbeiten kann.

Aus kybernetischer Sicht kann man die Homöopathie als spezifische Regulationstherapie und ihre Heilerfolge als Antwort auf diese Reize verstehen (7).

Komplexmittelhomöopathie

Unter Komplexmittelhomöopathie wird die Behandlung mit gemischten homöopathischer Einzelmittel verstanden. Sie hat aber in ihrem Wesen und dem Vorgang der Arzneiwahl nach, nichts mehr mit der Klassischen Homöopathie zu tun. Ihre Verordnung erfolgt in der Regel nach denselben nosologischen Gesichtspunkten, also nach der klinischen Krankheitsdiagnose, wie die schulmedizinische Pharmakotherapie und nicht nach der oben beschriebenen Hahnemannschen Ähnlichkeitsregel. Die homöopathische Herkunft der Komplexmittel erkennt man an der Potenzierung ihrer einzelnen Inhaltsstoffe; ihre Herstellung unterliegt ebenfalls dem amtlichen homöopathischen Arzneibuch (HAB).

Von den Herstellerfirmen wird geltend gemacht, dass durch die Komplexpräparate eine Brücke zu schulmedizinisch-nosologisch denkenden Kolleginnen und Kollegen geschlagen werde, und so die Homöopathie größere Verbreitung gewinnen könne. Außerdem sei es der wesentlich einfachere Weg der Arzneifindung, da dem Therapeuten die zeitaufwendige Similewahl (die homöopathische Mittelwahl nach der Ähnlichkeitsregel) erspart würde.

Arzneiliche Wirkungen sind nicht zu bestreiten, da sowohl bei in vitro-Versuchen (2) als auch in klinischen Studien (8) Wirksamkeiten einzelner Komplexpräparate dokumentiert werden konnten.

Kritiker der Komplexpräparate wenden ein, dass in den Rezepturen häufig Einzelmittel kombiniert werden, die sich laut den Erfahrungen der klassischen Homöopathen widersprechen, sich auch in der Wirksamkeit aufheben oder eventuell schädliche Arzneimittel-Interaktionen hervorrufen können.

Des Weiteren führe eine Behandlung mit Komplexmitteln zu einer zunehmenden Reaktionsmüdigkeit des Körpers, da die vielen und ungezielten Arzneireize den Körper zwangsläufig dazu bewegen, seine Reizschwelle anzuheben und so abzustumpfen. Insbesondere von einem (reiz-) regulationstherapeutischen Ansatz aus betrachtet, stellt ein Therapieschema, in dem mehrere Kombinationspräparate simultan angewandt werden, eine völlige Überforderung des Organismus dar, wenn er auf 30 - 40 unterschiedliche Arzneireize gleichzeitig reagieren soll.

Letztendlich erfährt der Therapeut nicht, welches Mittel in dem Gemisch das wirksame war und kann somit dessen Dosierung nicht verändern. Auch ist ihm verwehrt, die Arzneimittel besser kennen und unterscheiden zu lernen, so dass sein Erfahrungsgewinn gering bleibt (1).

Aus diesen Gründen hat der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) in seiner 99. Hauptversammlung 1938 die Therapie mit Komplexmitteln als unhomöopathisch abgelehnt (6); dieser Grundsatz besteht bis heute (3).

Anderseits soll nicht verschwiegen werden, dass andere naturheilkundliche Ärzteverbände, so beispielsweise die Hufelandgesellschaft, die Position vertreten, Homöopathie bestehe in der Anwendung von homöopathischen Präparaten im Sinne des Arzneimittelgesetzes, worunter auch die Komplexmittel fallen (3). Des Weiteren verwenden die anthroposophische Medizin und andere unkonventionelle Richtungen der Medizin Komplexmittel-Präparate, die nach dem homöopathischen Arzneibuch hergestellt werden.

Dies erklärt zum einen, das kein einheitliches theoretisches Konzept für den Einsatz von homöopathischen Komplexmitteln existiert, zum anderen ihre weite Verbreitung unter Ärzten, Heilpraktikern, und auch im freien Apothekenverkauf.

Homotoxikologie nach Reckeweg

Der Kerngedanke dieser Lehre ist die Vorstellung, dass Krankheiten Ausdruck eines Abwehrkampfes des Menschen gegen exogene (von außen kommende) und endogene (aus sich heraus / im Organismus entstehende) Toxine (Gifte im weitesten Sinne) ist.

Die diversen Krankheiten werden sechs verschiedenen Phasen zugeordnet.

Die ersten drei Phasen werden "humorale Phasen" genannt. Zu diesen Kategorien zählen die "harmloseren" Erkrankungen, bei denen der Organismus mit den Toxinen noch fertig wird. Bei den Krankheitsbildern der drei "zellulären Phasen" besteht nach dem homotoxikologischen Konzept bereits eine Unfähigkeit des Körpers, die Gifte unschädlich zu machen.

Therapeutisches Ziel ist es, über eine Giftelimitation den Erkrankungsprozess in die "besseren" humoralen Phasen zurückzuführen. Als exemplarisches Beispiel sei ein Gesundungsverlauf bei chronischer Bronchitis angeführt, der über einen akuten Infekt der oberen Luftwege, gefolgt von Sputum (Schleim)-absonderung ohne Infektzeichen zur Abheilung kommt.

Die Auswahl der Medikamente erfolgt nach empirischen Gesichtspunkten. Die Therapeutika sind in der Regel homöopathisch aufbereitet und stellen einen feinen unterschwelligen bzw. milden überschwelligen Reiz dar. So wird das im Abwehrkampf befindliche Abwehrsystem zusätzlich angeregt. Ziel ist dabei immer eine Neutralisation oder Ausscheidung der entsprechenden Gifte.

Dabei kommen in homöopatisierter Form Pflanzen-, Tier-, Organ- und Gewebezubereitungen, Nosoden (Krankheitsstoffe), Spurenelemente, körpereigene Wirkstoffe, Allopathika, Gifte und chemische Verbindungen jeder Art zum Einsatz.

Typisch für dieses Heilsystem ist, dass die Präparate miteinander kombiniert werden, was die große Zahl an Inhaltsstoffen bei den Komplexmitteln, aber auch der insgesamt angewendeten Heilmittel erklärt. Weiterhin charakteristisch ist, dass Arzneimittel häufig nur zeitweise eingesetzt werden, häufig in einem rhythmischen Wechsel, während andere als Dauertherapie Anwendung finden.

Die Arzneimittel werden seit über 40 Jahren in nahezu identischer Weise hergestellt und sind ein fester Bestandteil des biologischen Heilmittelmarktes. Sie haben sich in der Behandlung akuter und chronischer Krankheiten bestens bewährt.

Generell lässt sich sagen, dass die Homotoxikologie eine Untergruppe, mit einem stringenten hypothetischen theoretischen Konzept innerhalb der Komplexmittelhomöopathie, darstellt.

Isopathie

Der Grundsatz der Isopathie lautet "Aequalia aequalibus curentur - Gleiches möge durch gleiches geheilt werden".

Sie interpretiert Krankheiten als Folge von Regulationsstörungen, meist hervorgerufen durch Intoxikationen, aber auch als Folge bereits abgelaufener Erkrankungen.

Man findet diese Krankheitsvorstellung in unterschiedlichen naturheilkundlichen (Denk-) Systemen; es gibt kein einheitliches isopathisches Krankheitsmodell.

Für einige der Isopathika gibt es Arzneimittelprüfungen und ein Arzneimittelbild im klassischen homöopathischen Sinne, so dass sie Eingang in die Klassische homöopathische Therapie gefunden haben. Für den größten Teil der Isopathika gibt es eine derartige Arzneimittelprüfung nicht. Die Mittelwahl erfolgt lediglich aufgrund ursächlich-theoretischen Überlegungen.

Die potenzierten Medikamente sollen durch ihre Gabe in unterschwelligen Dosen eine Mobilisierung von Abwehrkräften und Eliminationsmechanismen bewirken, was in tier-experimentellen Studien gut belegt werden konnte (8).

Vier verschiedene Arzneimittelgruppen kommen bei der Isotherapie potenziert zur Anwendung:

  • Nosoden
    Nosoden sind potenzierte pathologische Produkte pflanzlichen, tierischen oder menschlichen Ursprungs, aber auch potenzierte Bakterien, Viren und Pilze.
  • Sarkoden
    Sarkoden sind physiologische Produkte pflanzlichen, tierischen oder menschlichen Ursprungs, z.B. Hormone und Enzyme.
  • Isotherapeutika
    Isotherapeutika sind potenzierte schulmedizinische Medikamente aber auch (Umwelt)-Chemikalien und -Gifte.
  • Eigennosoden
    Eigennosoden, auch Autonosoden oder Auto-Isotherapeutika genannt, sind ad-hoc gewonnene patienteneigene Materialien. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Eigenbluttherapie.

Behandlungsablauf

Wie bereits beschrieben, gibt es unterschiedliche Richtungen in der Homöopathie.

Die Behandlung mit Komplexmitteln unterscheidet sich wenig von der schulmedizinischen Behandlung: Es wird die klinische Diagnose gestellt und auf dieser Grundlage das Homöopathikum verschrieben, das in der Regel einmal bis mehrmals täglich eingenommen wird.

Die Behandlung in der Klassischen Homöopathie unterscheidet sich von diesem Vorgehen grundlegend.

In der Regel sollte man viel Zeit mitbringen. Denn der Homöopath legt viel Wert auf die ausführliche Schilderung der einzelnen Symptome. Nur sie helfen ihm bei der Suche nach dem richtigen, dem ähnlichsten Arzneimittel. Jedes Symptom stellt ein Puzzleteil dar, das in der Gesamtheit dem Krankheitsbild weitestgehend entspricht. Dieses Krankheitsbild vergleicht der Therapeut mit den bekannten Arzneimittelbildern und wählt dann das entsprechend ähnlichste Arzneimittel aus. Für homöopathische Laien ist oft befremdlich, dass dem Homöopathen häufig die begleitenden Symptome, die auf den ersten Blick nichts mit den Hauptbeschwerden zu tun haben, viel wichtiger erscheinen und er ihnen mehr Aufmerksamkeit widmet, als der eigentlichen Krankheit. Der Grund liegt darin, dass diese Begleitphänomene meist für ein homöopathisches Heilmittel viel charakteristischer sind als die so genannten krankheitsimmanenten Symptome.

Nach der Beschwerdeschilderung bekommt der/die Ratsuchende häufig noch viele Fragen gestellt, die im ersten Augenblick unsachlich erscheinen. Zum Beispiel, ob man schon einmal ein Überbein hatte, oder ein Gerstenkorn, oder wie gern man Suppe isst, oder wie ausgeprägt Heimweh auftritt.

Mit diesen Fragen versucht der Homöopath die Mittel, die für ihn in Frage kommen, zu bestätigen oder zu verwerfen.

Je nach Arbeitsweise blättert der Homöopath während der Anamnese in unterschiedlichen Büchern. Er arbeitet mit dem Computer oder trägt etwas in Tabellen ein. Dies alles sind Techniken der Fallanalyse, bei der er während / nach dem Gespräch die charakteristischen Symptome der in Frage kommenden Mittel mit einer Symptomensammlung (Repertorium) vergleicht.

Hat der Homöopath das ähnlichste Arzneimittel gefunden, erhält der Patient so genannte Globuli (sehr kleine Arzneikügelchen). Diese können, wenn entsprechend hoch potenziert, bei einmaliger Gabe ca. vier Wochen wirken. In diesem Zeitraum sollte man keine weiteren homöopathischen (und wenn möglich auch keine schulmedizinischen) Medikamente zu sich nehmen, da sonst die Beurteilung, ob das Mittel etwas bewirkt hat, sehr erschwert wird.

Falls eine deutliche Besserung eintritt, wird eine weitere Therapie erst wieder bei Verschlechterung der Symptome einsetzen. Ist die Wirkung unklar, muss durch detailliertes Nachfragen geklärt werden, ob das gleiche Medikament in einer anderen Potenz oder ein anderes Mittel gegeben werden muss.

Da die Homöopathen die Heilung nach "Heilgesetzen" beurteilen, kann es geschehen, dass der Homöopath mit der Therapie ganz zufrieden ist, obwohl sich der schlimme Hautausschlag - der Grund für die Behandlung - gar nicht gebessert hat, weil das begleitende Kopfweh und die Schlafstörungen deutlich gelindert sind. In diesem Fall wird das homöopathische Mittel sicher nicht gewechselt, sondern auf die so genannte "Hering'sche Regel" verwiesen, die besagt, dass Hauterscheinungen im Lauf des Heilungsprozesses als Letztes verschwinden. Auch hier wird die Mittelgabe erst wiederholt, wenn die gebesserten Symptome sich wieder verschlechtern.

Bis eine chronische Erkrankung, z.B. Asthma, geheilt ist, können gut zwei bis drei Jahre vergehen, weil eine so tief greifende "konstitutionelle" Änderung des Organismus eben Zeit braucht.

Grenzen

Wie bereits beschrieben, sind die klassischen Homöopathen auf Symptome angewiesen. Das heißt, je symptomärmer das Krankheitsbild ist, desto größere Schwierigkeiten hat der Homöopath bei der Mittelfindung. Dies macht insbesondere die Therapie der meist symptomarmen Krebsleiden schwierig.

Eine weitere Beschränkung ist die Selbstregulationsfähigkeit des Körpers.

Wenn eine Substitution notwendig ist, weil das betreffende Organ zu Grunde gegangen ist z.B. Diabetes Mellitus TypI, Pankreasinsuffizienz - Zustand nach kompletter Schilddrüsenresektion o.ä. ist eine homöopathische Behandlung nicht Erfolg versprechend. Auch bei bereits stattgefundenen organischen Veränderungen ist oft nur eine palliative (helfende, nicht heilende) Wirkung möglich.

Nebenwirkungen

Am bekanntesten ist die so genannte "Erstverschlimmerung".

Darunter versteht man eine (kurze) Verschlechterung der Symptome, als Zeichen dafür, dass sich der Körper um seine Krankheit kümmert. Trotz Verschlimmerung der Beschwerden ist das ein gutes Zeichen und bestätigt den Homöopathen darin, dasselbe Arzneimittel weiter zu verordnen.

Hat man Angst vor Erstverschlimmerungen, kann man das Risiko mit einer geeigneten Potenzwahl minimieren (Q-(LM)-Potenzen, nicht zu hohe Hochpotenzen).

Ein weiteres Problem können sehr geschwächte Patienten sein, für die eine homöopathische Anregung energetisch zu viel sein könnte. Auch hier sollte bei der Potenzwahl Vorsicht angezeigt sein.

Selten kann es auch zu "Unterdrückungen" kommen, bei denen das Mittel zwar ähnlich war, aber nicht ähnlich genug. Dies erkennt der Therapeut an einem Verlauf, der nicht der Hering'schen Regel entspricht. In diesem Fall ist ein Wechsel des homöopathischen Medikaments notwendig.

Literaturquellen

  • [1] Braun A: Methodik der Homöopathie. Regensburg: Sonntag (August 2002)
  • [2] Csallner H: Oligoplexe. Homöopathie - Schriftenreihe d. Bayerischen Apothekerkammer. Heft 30, S.194-206
  • [3] Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) Antwortschreiben vom 16.01.97 auf die Anfrage, ob der Beschluss von 1938 des DZVhÄ bzgl. Komplexmitteln nach wie vor Gültigkeit habe.
  • [4] Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) - aktuelle Version der Standortbestimmung - (1997)
  • [5] Majerus M.: Kritische Begutachtung der wissenschaftlichen Beweisführung in der homöopathischen Grundlagenforschung.
  • Veterinärmedizinische Inaugural-Dissertation, Universität Hannover (1990)
  • [6] Rabe H:Gibt es eine Komplexmittelhomöopathie? Stellungnahme des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) anlässlich der 99. Hauptversammlung in Bad Tölz 26-29.05.1938 Beilage der Deutschen Zeitschrift für Homöopathie. Bd. 17. Berlin: Haug 1938
  • [7] Righetti M: Forschung in der Homöopathie. Grundlagen, Problematik und Ergebnisse. Göttingen: Burgdorf 1988
  • [8] Schmidt S: Homöopathie im Überblick. In: Naturheilverfahren Diese Bestandsaufnahme wurde gefördert vom Projektträger Forschung im Dienste der Gesundheit im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie - Stand Juli 92

Literaturtipp

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ergänzt und kommentiert von:
Helmut Schumacher, aus München

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