„Hexenverfolgung“ in Großbritannien (7/2010)

„Hexenverfolgung“ in GB (Juni/Juli 2010)

Großbritanniens größter Ärzteverband bezeichnet die Homöopathie als Hexerei und fordert den Ausschluss homöopathischer Behandlungen und Arzneien aus der staatlichen Kostenerstattung – eine weitere Kampagne gegen die Homöopathie im Königreich. (Quelle: Homöopathische Nachrichten, Juni/Juli 2010, www.welt-der-homoeopathie.de)

Übersicht: Diskussion zur Homöopathie

In einer Resolution der British Medical Association (BMA) – in der auch viele homöopathische Ärzte organisiert sind – wird die Streichung der Homöopathie aus dem Leistungskatalog des staatlichen Gesundheitsdiensts (National Health Service, NHS) mit scharfen Worten gefordert. Mehrere Hundert Mediziner des britischen Ärzteverbandes, dem über 75.000 Mitglieder angehören, verabschiedeten das Papier auf der Jahrestagung der BMA Junior Doctors Conference Anfang Mai: Homeopathy is witchcraft – daher sei es unverantwortlich, angesichts der erforderlichen Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem, den Gesundheitsetat mit „Ausgaben für Quacksalberei zu belasten“. [1]. Bei einer Konferenz der regionalen BMA-Vertreter Ende Juni in Brighton wurde diese Forderung beschlossen. Von den 450 Teilnehmern stimmten 150 gegen den Antrag. [2] Aktuell übernimmt der NHS in bestimmten Fällen die Kosten für homöopathische Therapien, laut Gesundheitsministerium kostete im vergangenen Jahr die Behandlung von rund 54.000 Patienten in den vier staatlichen Homöopathie-Kliniken etwa 5,5 Millionen Euro. Das sind Ausgaben von knapp 102 Euro pro Patient. Ein relativ geringer Betrag vor dem Hintergrund, dass laut eines Sprechers der British Homeopathic Association (BHA) „70 Prozent der homöopathisch behandelten Patienten eine Besserung ihrer Leiden“ bestätigen. Therapieerfolge oder -misserfolge durch homöopathische Behandlungen werden in der BMA-Resolution („Motion 301“) nicht thematisiert. Vielmehr wird der Gesetzgeber aufgefordert, die Finanzierung einzustellen, solange es keine „wissenschaftlichen Beweise“ gebe, die die Wirksamkeit homöopathischer Heilmethoden belegten. Außerdem sollten homöopathische Mittel nicht mehr als Medikamente gekennzeichnet werden dürfen, sondern nur noch als Placebos.

Serie von Kampagnen gegen die Homöopathie in Großbritannien:

Die „Motion 301“ der BMA ist der bisherige Höhepunkt einer Serie von Kampagnen gegen die Homöopathie in Großbritannien, die von Gruppierungen wie Sense About Science (SAS) und Einzelpersonen wie Edzard Ernst (Lehrstuhl Komplementärmedizin an der Universität Exeter) vorangetrieben werden. Zu den Finanziers von SAS gehören unter anderem GlaxoSmithKline, Pfizer und die Association of the British Pharmaceutical Industry (ABPI). Anfang des Jahres löste die Kampagne 10:23 – der Name bezieht sich auf die Avogadro Zahl – zahlreiche Medienberichte aus (Homöopathische Nachrichten, Januar 2010). Eine Gruppe von Homöopathie-Gegnern rief dabei zur demonstrativen und kollektiven Überdosierung homöopathischer Arzneien auf, um deren Wirkungslosigkeit zu beweisen. Im Februar hatte sich ein Ausschuss des britischen Unterhauses in einem Gutachten für die Streichung der Homöopathie aus dem NHS-Leistungskatalog ausgesprochen (Homöopathische Nachrichten, März 2010). Das Science & Technology Committee war zu dem Ergebnis gekommen, dass homöopathische Arzneien nichts weiter als Placebo seien. Es forderte die britische Gesundheitsbehörde auf, homöopathische Arzneien nur noch zuzulassen, wenn die Wirksamkeit in randomisierten klinischen Studien belegt sei. Von weiterer Forschung riet der Ausschuss ab, die Belege zur Unwirksamkeit seien zu massiv. Studien, die die Wirksamkeit von Homöopathie zeugen, wurden aus der Betrachtung ausgeklammert. Da auf diesen Ausschuss-Bericht nicht bis Ende Mai reagiert worden ist, gilt er als nicht von der Regierung angenommen.

Politisches Klima

In einer parlamentarischen Debatte konnte sich die konservative parlamentarische Staatssekretärin für Gesundheit (Junior Health Minister), Anne Milton, nicht dazu bekennen, dass homöopathische Behandlungen von den so genannten Primary Care Trusts (PCT) übernommen werden sollen, wenn ein Arzt diese für erforderlich hält. Obwohl das schlicht die gegenwärtige Rechtslage ist. Die PCTs sind für die Primär- und Sekundärversorgung der Bevölkerung in England verantwortlich und erhalten etwa 80 Prozent des gesamten NHS-Budgets. Von einem Abgeordneten dazu aufgefordert diese Rechtslage zu bestätigen antwortet sie, diese Frage übersteige ihre Gehaltsklasse. Die Begründung ihrer Vagheit lässt auf das politische Klima im Inselstaat schließen: „Because that sort of thing is, in general, a career limiting move“, so Milton.
Der britische Homöopathieverband BHA (British Homeopathic Association) äußert sich besorgt über den zunehmenden politischen Druck. In einer groß angelegten Gegenkampagne hat die BHA sowohl die homöopathischen Ärzte als auch die Patienten zu Protesten bei der BMA-Veranstaltung aufgerufen. Zuvor hatte die BHA bereits Muster-Protestbriefe vorbereitet, die an den BMA Vorsitzenden Hamish Meldrum und an Parlamentsmitglieder geschickt wurden. Außerdem wurden die homöopathischen Ärzte aufgefordert, aus der BMA auszutreten, falls die Resolution verabschiedet wird.

Exterme Links:

[1] www.bma.public-i.tv/site/player/pl_compact.php?a=40131&t=&m=flash&l=en_GB#the_data_area
[2] www.britishhomeopathic.org/what_you_can_do/campaign_for_homeopathy/bma_motions.html
[3] www.facultyofhomeopathy.org/
[4] www.bma.org.uk/whats_on/annual_representative_meeting/index.jsp

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