Aromatherapie

Aromatherapie

Die Aromatherapie folgt den Prinzipien der Naturheilkunde: sie will die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Patienten wecken. Sie hat tiefe Wirkung auf das psychische Gleichgewicht, schafft eine seelische Umstimmung in Krisensituationen oder unter extremen Belastungen. Die Aromatherapie wirkt im ganzheitlichen Sinne auf die Seele und den Körper. 

Autor/en dieses Beitrages:
Ingeborg Stadelmann, Hebamme aus Ermengerst

Einführung

Duftlampe
Duftlampe

Die Aromatherapie folgt den Prinzipien der Naturheilkunde: sie will die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Patienten wecken. Sie hat tiefe Wirkung auf das psychische Gleichgewicht, schafft eine seelische Umstimmung in Krisensituationen oder unter extremen Belastungen. Die Aromatherapie wirkt im ganzheitlichen Sinne auf die Seele und den Körper. Die Hebamme Ingeborg Stadelmann lässt Sie teilhaben an der faszinierenden Welt der Gerüche und bringt Ihnen die Vielfalt der Natur und die eindrucksvollen Wirkungsweisen der ätherischen Öle näher. Seit knapp 2 Jahrzehnten praktiziert sie die Aromatherapie gemeinsam mit anderen Verfahren der Natuhrheilkunde, insbesondere aber nicht ausschließlich in der Schwangerschaft, während der Entbindung, im Wochenbett und ganz zum Start des Lebens – im Säuglingsalter.

Die Aromatherapie macht immer mehr von sich reden und findet zunehmend in Kliniken Verwendung. Der Erfolg meiner "Bewährten Aromamischungen" begann 1988 und hat in den vergangenen Jahren starke Verbreitung und viele Anhängerinnen gefunden. Da es sich um duftende Mischungen handelt, die das Wohlbefinden stärken und somit den Organismus in seiner Selbstheilungskraft unterstützen, wird oftmals die arzneiliche Seite vernachlässigt. Gerade weil es sich um höchste Konzentrationen aus der Natur mit einer enormen Vielzahl an Wirkstoffen handelt, darf dessen nachweisbarer Heileffekt nicht unterschätzt werden und sollte die Anwendung dieser wohlriechenden Öle, Bäder und Salben mit Fach- und Grundlagenwissen geschehen.

Gerne will ich Sie teilhaben lassen an der faszinierenden Welt der Gerüche und Ihnen die Vielfalt der Natur und die eindrucksvollen Wirkungsweisen der ätherischen Öle näher bringen. Sei es, dass Sie sich damit Ihren Alltag angenehmer gestalten oder mit einem schönen Massageöl die Liebe neu entdecken, aber auch die Geburt Ihres Kindes nicht nur als leistbar, sondern überdies unverletzt erleben. Ich möchte Ihnen meine Erkenntnisse über die Heilkraft ätherischer Öle bei allen möglichen kleinen und großen Wunden nicht vorenthalten, Ihre seelische Trauer erleichtern und Ihnen Mut machen für die Sterbebegleitung. Die Anwendung von Düften beschönigt keinen körperlichen Vorgang und betäubt keinen seelischen Schmerz, sondern hilft, diese Vorgänge mit freiem Geist zu erfahren. Ätherische Öle lenken nicht vom Geschehen ab, vielmehr helfen sie es wahrzunehmen und hüllen so manches schmerzliche oder betrübende Lebensthema in duftende Farben und Wolken.

Buchtipp:

Ingeborg Stadelmann: Bewährte Aromamischungen; Stadelmann (Mai 2001

Ursprung und Geschichte

Aromatherapie

Die Anwendung von ätherischen Ölen ist keineswegs eine Erfindung der Neuzeit, sondern geht bis in die Zeit um 3000 v.Chr. zurück, denn vermutlich wurden schon damals Blüten und Kräuter destilliert um Hydrolate zu gewinnen. Rund 4000 Jahre später wurde die Destillation von den Arabern neu entdeckt und im Mittelalter dann weiterentwickelt. Bekannt ist heute, dass der berühmte »Duft« am französischen Königshof nicht nur unangenehme Gerüche überdecken sollte, sondern die Parfüms haben vermutlich vor mancher Epidemie geschützt. Die persönliche Erfahrung des französischen Arztes Jean Valnet, dass Lavendelöl bei einer großflächigen Verbrennung rasche Heilung bringt, ließ die Verwendung von ätherischen Ölen nicht nur im Zweiten Weltkrieg mangels Medikamenten wieder aufleben, sondern auch im medizinischen Alltag. Seit Ende der 1980er Jahre wird die Aromatherapie – dieser Begriff wurde ebenfalls von Jean Valnet geprägt [AS1]– europaweit wiederbelebt. In den USA sowie in Japan und Australien gilt es als »neue« Methode, Krankheiten und andere Beschwerden mit ätherischen Ölen zu heilen.

Die Welt der Gerüche

Rose
Rose
Jasmin
Jasmin

Was sind ätherische Öle?
Ätherische Öle, die auch als Duftstoffe der Pflanzen bezeichnet werden, sind Kohlenwasserstoffverbindungen, die die Pflanze aus Licht, Wasser, Erde und Luft, also den vier Elementen unserer Welt erzeugt. Die Pflanze benötigt ihre Duftstoffe unter anderem auch als Lockmittel, um die Insekten zur Bestäubung anzulocken oder um Tiere davon abzuhalten sie zu fressen, ehe ihre Blüten zur Fortpflanzung reif sind. Pflanzen senden nicht nur angenehme Düfte aus, sondern produzieren auch Bitterstoffe, die sie ungenießbar machen. Pflanzen können sich durch ihre Duftmoleküle aber nicht nur vor Tieren, sondern überdies vor extremer Hitze oder Kälte schützen. Eine intensive Schutzschicht von ätherischen Ölen filtert die Sonnenstrahlen und bewahrt die Blätter vor Austrocknung. In einigen Fällen produzieren die Pflanzen sogar ätherische Öle mit antibiotischer Wirkung. Ebenso kommunizieren Pflanzen über Duftstoffe miteinander. So harmonieren manche Pflanzen sehr gut, andere lassen wiederum nicht zu, dicht gedrängt neben anderen zu wachsen.

Ein und dieselbe Pflanze bzw. Blüte kann zu verschiedenen Tages- oder Jahreszeiten unterschiedlichste Duftstoffe produzieren, ebenso wie die Duftmoleküle in unterschiedlicher Menge und Zusammensetzung in verschiedenen Pflanzenteilen eingelagert sind: In der Blüte, in den Blättern, in den Früchten, in den Nadeln, in der Rinde oder in der Wurzel. Bei der Ernte vieler Blüten, wie z.B. Rose und Jasmin, ist es überaus wichtig, nicht nur auf den Blütenstand, sondern auch auf die Tageszeit zu achten, damit möglichst reichlich Duftstoffe gewonnen werden, ehe sie von der Pflanze durch die aufsteigende Sonnenwärme an die Umgebung abgegeben werden.

Bei den ätherischen Ölen ist nahezu das gesamte Farbspektrum vertreten – von blassgelb über grün und blau bis dunkelbraun – und die Konsistenz reicht von dünnflüssig bis harzartig. Die wohlriechenden Substanzen sind leicht flüchtig und schnell entflammbar. Die Flüchtigkeit erkennen Sie, wenn Sie einen Tropfen Öl auf ein Fließpapier geben: Es darf im Gegensatz zu den fetten Ölen kein Fettfleck sichtbar sein. Die Flüchtigkeit der ätherischen Öle nimmt bei steigender Temperatur zu, weshalb sie gut in der Duftlampe verdunsten. Die meisten Öle, insbesondere die leichtflüchtigen, entwickeln zwischen 40ºC und 50ºC einen angenehmen Duft, schwerere oder harzartige Öle entfalten sich erst bei über 60ºC. Die Öle sind zudem leicht entflammbar, was also einer gewissen Achtsamkeit bedarf beim Umgang mit offenem Feuer.

Wirkung der ätherischen Öle

Riechsystem
Riechsystem

Ätherische Öle können sonach mit Hilfe des oben dargestellten komplizierten Regelwerks über unser limbisches System und einen Reiz-Reaktions-Mechanismus unseren Körper beeinflussen, Wohlbefinden auslösen und damit Heilungsprozesse unterstützen. Geruch löst die Produktion neurochemischer Stoffe (Neurotransmitter oder Botenstoffe) aus, die Einfluss nehmen auf unsere Hormonproduktion, unsere Stimmung und unsere Emotionen. Die Duftmoleküle werden über den Blutweg innerhalb von Minuten ins Blut transportiert, verstoffwechselt und binnen einiger Stunden wieder ausgeschieden. Aus diesem Grund ist es ratsam, in der Aromatherapie nur mit naturreinen Substanzen zu arbeiten. Ob ätherische Öle über die Inhalation, die Haut oder gar die Einnahme in den menschlichen Körper gelangen, der Mechanismus der Identifikation erfolgt immer über den Geruchssinn. Dies sollte bei jeder Therapie bedacht werden.

Unser Riechsystem ist wohl das älteste Sinnesorgan, denn bevor die Lebewesen sehen oder hören konnten, konnten sie riechen. Seit kurzem wird er Riechsinn in der Wissenschaft und insbesondere durch den vermehrten Einsatz von Düften wieder neu diskutiert. So hat sich auch herausgestellt, dass das Riechsystem in direkter Verbindung mit unserem Immunsystem steht. Es ist bekannt, dass der Riechsinn im Mutterleib als Erstes entwickelt ist und der Embryo bereits einige Wochen nach der Zeugung im Mutterleib Geruch wahrnehmen kann. Der Riechsinn ist nach der Geburt bis etwa zur zwölften Lebenswoche sehr ausgeprägt, lässt bis zum dritten Lebensjahr nach, wird wieder stark aufgebaut, erlebt ein Hoch bis Mitte Dreißig und verringert sich dann bis an unser Lebensende um etwa 30% – was verdeutlicht, weshalb wir Kinder als naseweis bezeichnen, und erklärt, warum manche Großmutter etwas zu viel von ihrem Eau de Cologne verwendet. Wichtig ist, in diesem Zusammenhang immer daran zu denken, dass sämtlich Düfte in der Umgebung von Säuglingen zart und vorsichtig dosiert werden müssen, da diese vermutlich sogar Duftnuancen noch wahrnehmen. Unser Riechsystem ist fähig binnen hundertstel Sekunden ein Duftmolekül zu identifizieren, noch ehe wir wahrnehmen, dass uns ein Duft umgibt. Der Geruchssinn kann etwa 400000 verschiedene Gerüche in milliardenfacher Verdünnung identifizieren. Viele davon kann unser Bewusstsein registrieren, unzählige werden dagegen unbewusst wahrgenommen und weiterverarbeitet. Doch ob wir einen Geruch bewusst oder unbewusst wahrnehmen, es geschieht immer ohne unser Wollen, denn die etwa 30 Millionen Riechsinneszellen, die beidseitig in die jeweils etwa 2,5cm² große Riechschleimhaut in unserer Nase eingebettet sind, leiten die Duftinformation unmittelbar an unser limbisches System weiter, das direkt neben dem Stammhirn sitzt und nicht vom Großhirn, unserem Verstand, zensiert wird. In der Riechschleimhaut sitzen zahllose Riechsinneshaare, die so genannten Cilien. Von hier wird das Duftmolekül zur Riechsinneszelle transportiert. An den Cilien befinden sich die Riechrezeptoren, an die das passende Duftmolekül andocken kann und im Sinne des Schlüssel-Schloss-Prinzips erkannt wird.

Wie wichtig für uns Menschen das Riechsystem ist, zeigt auch die Tatsache, dass die Riechsinneszellen in kurzen Abständen von ungefähr dreißig Tagen ständig erneuert werden. Beeinträchtigt wird die Funktion der Riechschleimhaut durch Krankheit und Störungen im Calciumhaushalt. Wenn die Nasenschleimhäute angeschwollen sind, lässt das Riechvermögen um ein Vielfaches nach oder verschwindet vorübergehend gänzlich – was nicht von Nachteil sein muss, denn dann werden wir uns der Krankheit besser widmen und unsere Aktivitäten auf ein Mindestmaß reduzieren. Die Wirkung der eingesetzten ätherischen Öle zur Unterstützung des Genesungsprozesses ist trotzdem nicht gestört, weil Düfte auch auf uns wirken, wenn wir sie nicht bewusst riechen können! Seien Sie also achtsam im Umgang mit kranken Personen und dosieren Sie vorsichtig.

Bei einem zu hohen Calciumanteil in der Nasenschleimhaut wird der Ionenkanal zur Riechsinneszelle blockiert und das Riechvermögen beeinflusst, wir können weniger gut riechen. Umgekehrt fließen bei niedriger Calciumkonzentration mehr Duftbotschaften durch den Ionenkanal und wir können gut riechen. Diesem Mechanismus und der Fähigkeit, dass Calcium diesen Kanal blockieren kann, ist auch das Phänomen der Adaptation zuzuschreiben. Wir nehmen einen Geruch in einem Raum, egal ob angenehm oder übel, nur für kurze Zeit, ca. sieben bis zehn Minuten, wahr und riechen ihn danach nicht mehr. Erst beim Verlassen und erneuten Eintreten erkennen wir den vorhanden Geruch im Raum wieder.

Also: Vertrauen Sie Ihrer Nase, denn sie sitzt mitten im Gesicht und ist immer eine Nasenlänge voraus, was uns NASE-WEISE sein lässt.

Herkunft, Herstellung und Qualität

Bergamotte
Bergamotte
Limette
Limette
Orange
Orange
Myrten-Hydrolat
Myrten-Hydrolat

Herstellung

Es gibt verschiedene, teilweise aus dem Altertum überlieferte und auch neuzeitliche Verfahren, den Pflanzen das ätherische Öl zu entziehen: Die Kaltpressung, die Wasserdampfdestillation, die Extraktion, nur noch in Ausnahmefällen die Enfleurage sowie die neue und etwas teure Extraktion mit überkritischem Kohlendioxid.

Die Kaltpressung
Das Produkt aus der Kaltpressung wird korrekterweise immer als Essenz bezeichnet. Die einfache Methode des Auspressens der ätherischen Öle wird nur bei Schalenfrüchten bzw. Zitrusfrüchten wie Zitrone, Orange, Bergamotte, Limette, Mandarine und Grapefruit angewendet. Wichtig ist, dass die Essenzen so wenig wie möglich dem Licht ausgesetzt werden, da sie sonst ihre Qualität und Duftintensität einbüßen und schnell kaputtgehen. Bei der Produktion der Essenzen ist es besonders wichtig, dass Früchte aus biologischem Anbau verwendet werden, um eine Belastung durch Spritz- oder Düngemittel auszuschließen. Insektizide, Pestizide und Herbizide können bei der Kaltpressung mit in die Essenz gelangen, während die Giftmoleküle bei der Wasserdampfdestillation nicht in das ätherische Öl übergehen, da sie größer sind als die Duftmoleküle. Achten Sie also bitte darauf, dass für therapeutische Zwecke und bei Ölmischungen zur Anwendung auf der Haut, soweit erhältlich, nur Essenzen aus kontrolliert-biologischem Anbau oder mit Demeter-Qualität Verwendung finden. Die Pressung von Schalen ist recht ergiebig, da der Ölgehalt zwischen 0,2 und 0,5% liegt. Etwa 200kg Schalen werden benötigt um 1Liter Essenz zu gewinnen.

Die Wasserdampfdestillation
Die Destillation von Kräutern mittels Wasserdampf ist eine der ältesten und zugleich eine sehr schonende Methode zur Gewinnung ätherischer Öle. In der Florentinerflasche wird das Destillat, das nichts anderes ist als Kondensflüssigkeit, gesammelt, dort trennt sich nun das ätherische Öl vom Hydrolat. Meist ist das ätherische Öl leichter und schwimmt deshalb oben, manche Öle sind schwerer und setzen sich dann am Grund ab. Die Wasserdampfdestillation von Kräutern, Blüten, Gräsern, Wurzeln, Rinden und Hölzern ermöglicht eine umweltgerechte Gewinnung ätherischer Öle. Die Ergiebigkeit der Pflanzen, um bei der Wasserdampfdestillation 1Liter ätherisches Öl zu gewinnen, ist völlig unterschiedlich und reicht von etwa sieben Kilogramm bei der Nelkenknospe bis zu einigen tausend Kilogramm bei den Melissenblättern oder Rosenblüten.

Die Extraktion
Prinzipiell können bei fast allen Pflanzen die Duftmoleküle auch mittels Extraktion durch Alkohol, der so genannten Solventextraktion, oder mit chemischen Lösungsmitteln wie Hexangas gewonnen werden. Dabei werden nur die größeren Duftmoleküle erreicht und somit auch andere Duftnoten geschaffen, die eher dem uns gewohnten Duft einer Pflanze entsprechen. Die meisten der so gewonnen Düfte werden dann trotzdem als naturreines Parfümöl bezeichnet und sind im Preis natürlich günstiger als destillierte ätherische Öle, da der Ertrag größer und der Aufwand um einiges geringer ist. Wieder lässt sich erkennen, dass Qualität eben ihren Preis hat und bei günstigeren Ölen die Etikettaufdrucke immer genau gelesen werden sollten. Trotzdem müssen wir nach wie vor auf diese für mich problematische Art der Ölgewinnung zurückgreifen, da es Pflanzen, insbesondere Blüten, gibt, die ihre Duftstoffe über Wasserdampf nicht abgeben, wie z.B. Jasmin. Hexanextraktionen können die Gesundheit der Arbeiter bei der Duftgewinnung gefährden.

Die Enfleurage
Das schonende, aber aufwendige und sehr teure Verfahren der Enfleurage wird leider fast nicht mehr angewendet. Ideal ist diese Gewinnung für empfindliche und intensiv duftende Blüten wie z.B. Jasmin und Tuberose. Dabei werden frisch gepflückte Blüten auf eine mit Fett bestrichene Glasplatte gelegt und 12–24 Stunden dunkel und kühl gelagert. Diese Platte wird bis zu 36mal mit frischen Blüten belegt, bis das Fett ausreichend mit ätherischem Öl angereichert ist. Aus dieser Pomade, wie das Fett dann genannt wird, wird mit Alkohol das kostbare ätherische Öl herausgelöst.

Die Kohlendioxid-Extraktion
Ein immer stärker diskutiertes Verfahren ist die Extraktion mit überkritischem Kohlendioxid, das Anfang der 1980er Jahre entwickelt wurde. Noch sind die erforderlichen Apparate sehr teuer aber dennoch könnte diese Methode das Verfahren der Zukunft werden.

Einkaufshilfen für naturreine ätherische Öle

Lavendelernte
Lavendelernte
Lavendelblüte
Lavendelblüte
Lavendelfeld
Lavendelfeld
Melisse
Melisse

Herkunft

Die Frage der Qualität sollte in der Aromatherapie immer vor jener der Quantität stehen, denn leider wird auf dem Weltmarkt auch schlechte oder gepanschte Ware angeboten. Die Kontrolle ist schwierig und kann von den Fachleuten nur mit großem finanziellen, personellen und apparativen Aufwand gewährleistet werden.

Das Etikett sollte detaillierte Informationen geben über:

  • den deutschen und lateinischen Pflanzennamen
  • das Herkunftsland
  • die Anbauweise
  • kbA = kontrolliert biologischer Anbau
  • Demeter = Demeteranbau
  • WS = Wildsammlung
  • konv. = konventioneller Anbau
  • die Angabe des verarbeiteten Pflanzenteils
  • das Gewinnungsverfahren:
  • Wasserdampfdestillation
  • CO-Destillationen
  • Kaltpressung
  • Enfleurage
  • Alkoholextraktion
  • Hexandestillationen = Absolues
  • Chargennummer, damit die Herkunft des Öls vom Abfülldatum des Lieferanten bis zur Ernte beim Bauern nachvollziehbar wird
  • Haltbarkeitsdatum oder Abfülldatum
  • zukünftig fordert der Gesetzgeber Warnhinweise zur möglichen Gefährdung bei versehentlicher Einnahme

Qualität

Reinheit der ätherischen Öle
Bei ätherischen Ölen handelt es sich um lebende Substanzen, deren Inhaltsstoffe je nach Anbaugebiet klima-, ernte- und destillationsbedingten Schwankungen ausgesetzt sind. Eine wichtige Stellung nimmt dabei auch die Pflege und Behandlung der Pflanzenfelder ein.

Da ätherische Öle empfindlich sind und sie in ihrer Qualität nicht beeinträchtigt werden dürfen, also keinen Verlust an Inhaltsstoffen oder gar Veränderungen erleiden sollen, bedarf es bei der Großmengenlagerung einiger Sorgfalt und ständiger Kontrolle, damit bis zur nächsten Ernte eine möglichst gute Qualität zur Verfügung steht. Die Öle müssen kühl und dunkel in vollen Gefäßen, also möglichst ohne Sauerstoff, gelagert werden. Wir betreiben in der Bahnhof-Apotheke eigene Untersuchungen zur möglichen Veränderung von Inhaltsstoffen und prüfen die Öle erstmals bei der Auswahl der verschiedenen Testfläschchen, von denen uns meist mehrere Chargen einer einzelnen Sorte zur Verfügung stehen. Achten Sie bitte zu Hause ebenso auf die richtige Lagerung dieser wertvollen Natursubstanzen.

Arzneibuch-Qualität
Jede Apotheke kann ohne Probleme die wenigen ätherischen Öle beziehen, die im »Deutschen Arzneibuch« (DAB), sowie im »Europäischen Arzneibuch« (Ph. Eur.) aufgeführt sind. Da der Qualitätsstandard dieser Öle den gesetzlichen Bestimmungen entspricht, sind diese Öle für die Herstellung therapeutischer Mischungen zugelassen. Hier sind 15 ätherische Öle beschrieben. Hierbei wird zwar zwischen den nativen und raffinierten Ölen unterschieden, aber keine bestimmte Anbau- oder Herstellungsmethode gefordert. Es scheint, als ob in den Arzneibüchern die Welt noch in Ordnung sei und keinerlei Umweltprobleme existierten.

Ich erlaube mir daher, die DAB- bzw. Ph.-Eur.-Öle als »flache« ätherische Öle zu bezeichnen – ganz zu schweigen davon, dass die geringe Anzahl von fünfzehn Ölen für eine fundierte Aromatherapie keinesfalls ausreicht und diese Öle außerdem keine ganzheitliche Behandlung zulassen. Wir sind also notwendigerweise dazu gezwungen, Öle mit höheren Ansprüchen einzukaufen und zudem bessere Qualitätsprüfungsverfahren zu verwenden.

Das beste Beispiel für den teilweise veralteten Standard der DAB-Öle ist das wertvolle Melissenöl, dessen botanischer Namen Oleum melissae officinalis lautet. Es handelt sich hierbei um eines der teuersten und therapeutisch wichtigen Öle. Echtes Melissenöl ist leider bis heute nicht monographiert, aber das DAB 6 von 1953 lässt noch immer zu, dass das günstigere, in der Wirkung einfachere und zudem von einer völlig anderen Pflanze stammende Citronellöl, lateinisch Oleum melissae indicae, als Melissenöl deklariert werden darf. Nicht nur die Bezeichnungen gleichen sich, auch der Duft der zuerst riechbaren Wirkstoffe ist ähnlich, aber die Unterschiede in der therapeutischen Wirkung und im Preis sind erheblich. Bei der Melissae indicae, die auch als Melissenöl Indicum verkauft wird, warten Sie vergeblich auf die antivirale Wirkung, da sie einfach nicht vorhanden ist.

Naturidentische ätherische Öle
Wie ihr Name schon sagt, folgen diese Öle zwar dem Bauplan der Natur, werden aber im chemischen Labor hergestellt. Auch bei aufwendig synthetisierten Ölen ist dies allemal billiger, personal- und zeitsparender als echte Öle aus Pflanzen zu gewinnen. Synthetische Düfte enthalten, auch wenn sie noch so echt riechen mögen, nur wenige der therapeutisch wichtigen Inhaltsstoffe und sind deshalb meist gar nicht oder allenfalls nur gering wirksam. Wir Aromatherapeuten bezeichnen diese Öle als tote Substanzen, da sie nicht aus Pflanzen gewonnen werden. Inwieweit naturidentische Öle auf der feinstofflichen Ebene beim Menschen mehr Schaden als Nutzen anrichten, ist noch nicht vollkommen geklärt. Neuere Forschungen belegen, dass sie unser Immunsystem eher schwächen als stärken. Insbesondere Allergien werden immer wieder mit naturidentischen und synthetischen Duftstoffen in Verbindung gebracht. Dies erklärt sich daraus, dass die Einzelbausteine der chemischen Verbindungen auf Trägerstoffe aufgebracht werden müssen, in der Regel handelt es sich dabei um chlorierte Verbindungen (CKWs). Diese Substanzen gelten als giftig und lagern sich vorwiegend im Nervengewebe und in der Leber ab. Inwieweit diese CKWs vom Menschen überhaupt wieder ausgeschieden werden können, darüber gibt es derzeit keine wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Aufbewahrung unf Haltbarkeit von ätherischen Ölen

Abfüllung Lagerung
Abfüllung Lagerung
Pressung - Essenzen
Pressung - Essenzen

Alle ätherischen Öle sollten immer in dunklen Flaschen und bei etwa 18°C bis 20°C Raumtemperatur gelagert werden. Verschließen Sie die Flaschen sofort nach jedem Gebrauch, damit ein Verdunsten des ätherischen Öls vermieden wird. Sobald der Sauerstoffanteil in der Flasche größer wird, kann es zu Veränderungen der Ölqualität kommen. Doch nicht nur dadurch, sondern auch durch Licht entstehen in den Ölen chemische Prozesse, die zu Qualitäts- und Wirkungsveränderungen führen können. Überzeugen Sie sich vor jedem Benutzen durch Riechen, dass sich die Qualität nicht verändert hat.

Ätherische Öle aus Schalenpressungen sollten Sie nur maximal ein Jahr zur Therapie benutzen. Durch die Sauerstoffzufuhr und den Alterungsprozess entstehen Keimansammlungen und die so genannten Peroxide, die für die menschliche Haut schädlich sein können. Ätherische Öle, die aus Kräuter- und Zweigdestillationen gewonnen werden wie Rosengeranie, Salbei oder Zirbelkiefer, sind durchschnittlich ein bis maximal drei Jahre verwendbar. Für den therapeutischen Einsatz sind auch hier die Öle aus der jährlich frisch gewonnenen Ernte zu bevorzugen. Sämtliche Blütendestillationen wie Rose und Jasmin können relativ bedenkenlos über mehrere Jahre verwendet werden. Ylang-Ylang und römische Kamille lassen sich zwei bis drei Jahre verwenden. Bewährt hat sich bei der Verwendung von Blütenölen die 10%ige Verdünnung in Jojobawachs. Dadurch sind die wertvollen Blütendüfte nicht ganz so teuer, besser zu handhaben und in kürzerer Zeit aufgebraucht. Ätherische Öle aus Holzdestillationen wie Zeder oder Sandelholz und auch Harzauszüge wie Benzoe gehören zu den Ölen, die relativ unbedenklich über längere Zeit aufbewahrt werden dürfen – immer vorausgesetzt, dies geschieht unter optimalen Bedingungen.

Bedenken Sie, dass ätherische Öle nicht in Kinderhände gehören und außer Reichweite dieser Finger aufbewahrt werden müssen.

Anwendungsmöglichkeit und Dosierung

Duftlampe
Duftlampe
Mandeln - Jojoba - Aloe
Mandeln - Jojoba - Aloe
Lavendel - Rosmarin
Lavendel - Rosmarin
Rose - Teebaum
Rose - Teebaum
Lavendel - Zypresse
Lavendel - Zypresse
 

Es gibt keine Faustregel, nach der ein Öl beispielsweise strikt zweimal täglich anzuwenden ist, sondern behandelt wird so lange und so oft der Duft der Nase gefällt und der Körper einverstanden ist. Bei Nichtgefallen oder wenn der Körper nicht mehr danach verlangt, wird die Therapie abgesetzt. Unsere innere Stimme weiß genau, wann eine Behandlung häufiger oder seltener durchgeführt werden sollte, Gefühl und Intuition werden Sie vor einem Missbrauch bewahren.

Die neun goldenen Regeln der Aromatherapie

Um die Aromatherapie im ganzheitlichen Sinn anwenden
zu können und das richtige Verhältnis zum ausgewählten
Öl zu finden, sollten Sie sich immer an die folgenden, neun goldenen Grundregeln halten, egal, ob das Öl nun in der Duftlampe, im Bad, in der Sauna, im Körperöl, für eine Waschung oder im Parfüm verwendet wird.

Für die zu behandelnde Person gilt:
1. je jünger – desto sparsamer
2. je leichter – desto weniger
3. je sensibler – desto geringer
4. je älter – desto häufiger
Für die Befindlichkeit gilt:
5. je größer die Schmerzen – desto mehr Öl
6. je chronischer die Beschwerden – desto länger die
    Behandlung
Für die Menge eines ätherischen Öls gilt:
7. je frischer die Note – desto mehr
8. je kostbarer der Duft – desto sparsamer
9. je schwerer das Öl – desto weniger

Anwendung in der Duftlampe

Der Einsatz einer Duftlampe eignet sich immer dann, wenn unverfängliche Düfte im Raum sein dürfen. Wird die Lampe dagegen zu therapeutischen Zwecken verwendet, sollten Sie bedenken, dass das ätherische Öl auf alle anwesenden Personen einwirkt.

Die Wirkung eines ätherischen Öls über die Duftlampe hängt immer von mehreren Faktoren ab, zum einen von der Qualität der Lampe, zum anderen von der Raumgröße und der Anzahl der darin anwesenden Personen.

Duftlampen werden in den unterschiedlichsten Materialien angeboten, sie können aus Ton, Glas, Metall oder aber wertvollem Marmor sowie Quarzstein geschaffen sein. Als Hitzequelle dient entweder eine Kerze oder eine Glühbirne.

Wichtig ist das regelmäßige Reinigen der Duftlampenschale.

Das Gehäuse der Duftlampe sollte so konstruiert sein, dass keine Feuergefahr durch zu große Öffnungen oder frei stehende Kerzen entsteht, die etwa durch einen Luftzug Tücher oder Stoffe in Brand setzen könnten. Dies gilt vor allem in Kinderzimmern, Praxen und Krankenhäusern, wenn die Lampen mehr oder weniger unbeaufsichtigt sind, weil andere Arbeiten im Vordergrund stehen.

Dauer der Anwendung
Eigentlich genügt es, die Duftlampe für etwa eine Stunde brennen zu lassen, die Duftmoleküle können sich in dieser Zeit ausreichend verflüchtigen und den Raum erfüllen.

Das Nachfüllen mit ätherischen Ölen sollte in den darauffolgenden acht Stunden besser vermieden werden.

Dosierung des ätherischen Öls
Bei sinnlichen Anlässen ist eine geringere Tropfenanzahl erforderlich als bei körperlichen Beschwerden. Bei einer Raumgröße von etwa 25m² und einer Raumhöhe von 2,50m zum Beispiel genügen beim Entbindungsduft als einem sinnlichen Duft für schöne Stunden sowie zur Geburtsbegleitung drei bis vier Tropfen. Beim reinen ätherischen Öl der Rose reicht sogar ein einziger Tropfen (denn weniger geht nicht), während Sie bei der Verwendung eines Rosenöls, das 10% in Jojobawachs verdünnt ist, mit fünf Tropfen bereits einen herrlichen Rosenduft im Raum haben. Sollten Sie aber erkältet sein, dann benötigen Sie beispielsweise vom Erkältungsöl wärmend für denselben Raum zehn Tropfen. Hält sich im selben Raum dagegen eine Gruppe von sieben Personen auf, die alle bereits Schnupfen- oder Erkältungssymptome zeigen, so dürfen Sie sogar fünfzehn Tropfen dieser Ölmischung in die Wasserschale geben. Sobald sich jedoch Kleinkinder oder Schwangere im Raum befinden, muss das ätherische Öl wiederum geringer dosiert werden, und zwar um die Hälfte. Soll ein Raum beduftet werden, in dem Kleinstkinder, also Ein- bis Dreijährige sind, so verwenden Sie nur ein Viertel der sonst üblichen Tropfenzahl.

Wichtig ist, immer mit einer niedrigen Tropfenzahl zu beginnen, denn bei einer zu geringen Duftentwicklung können jederzeit noch ein oder zwei Tropfen ergänzt werden. Um zu entscheiden, ob noch mehr Tropfen hinzugefügt werden sollen, müssen Sie zuerst den Raum verlassen und den Duft beim Wiedereintreten überprüfen. Die Nase »erlahmt« ja bekanntlich nach sieben Minuten Aufenthalt in einem Zimmer.

Elektrische Duflampen sind meist etwas teurer in der Anschaffung, dafür aber robuster und haltbarer. Im klinischen Bereich darf aus Sicherheitsgründen ohnehin nicht mit offenem Kerzenlicht hantiert werden. Die elektrische Duftlampe hat außerdem den Vorteil, dass sie über eine unbestimmte Dauer angewendet werden kann und auch ohne Duft eine schöne Lichtquelle darstellt. Doch wie bei den Kerzenlampen muss hier ebenso auf den optimalen Abstand und die Größe der Wasserschale geachtet werden. Für die Verwendungsdauer, die Reinigung, Dosierung und den Standort gilt dasselbe wie bei den Duftlampen mit Kerze. Meistens sind gute elektrische Lampen im Gebrauch von ätherischen Ölen wesentlich sparsamer, da die Temperatur hier immer gleich bleibt.

Anwendung von Körperölen

Ob nun als Körper- oder Massageöl, Kosmetik oder Heilwassser, Bad oder Wickel – den Duftölen muss immer ein Emulgator beigemengt werden, ehe sie durch die Haut wirken können, wie z. B. fette Pflanzenöle. Kaltgepresste Öle aus den Samen und Früchten von Olive, Mandel, Hasel- oder Walnuss, der Jojoba- oder Macadamianuss, der Hagebutte, des Schwarzkümmels sowie aus Weizenkeimen oder Nachtkerzensamen sind hautverträglich, pflegend und heilend. Dasselbe gilt für die Mazerate wie Aloe-Vera-Öl, Arnika-, Calendula- und Johanniskrautöl. Diese Öle sind in guter Qualität erhältlich. Am häufigsten werden Mandelöl oder Jojoba-Wachs verwendet.

Für die Therapie und zur Körperpflege sollten nur Öle aus erster Kaltpressung Verwendung finden, da diese reich an ungesättigten Fettsäuren sind. Auf keinen Fall sollten raffinierte Öle verwendet werden. Wichtig ist, dass die Trägeröle möglichst aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) stammen. Nur so ist ein möglichst rückstandsfreies Öl zur Massage und Körperpflege gewährleistet, denn hochgiftige Stoffe wie Pestizide, Insektizide oder Schwermetalle binden sich gut an fette Substanzen und können durch die Haut in den menschlichen Organismus transportiert werden.

Ein Körperöl mit reinen ätherischen Ölen duftet nicht nur schön, sondern ist eines der besten Mittel, um eine aromatherapeutische Wirkung zu erzielen. Zur aktiven Körperzuwendung kommt nämlich noch der Vorteil, dass die ätherischen Öle aufgrund ihrer hohen Fettfreundlichkeit zu Körperfetten (lipophil) einen schnellen und direkten Weg in den Organismus finden. Wird ein ätherisches Öl in ein fettes Pflanzenöl eingemischt und auf den Körper aufgetragen, dringt es aufgrund der geringen Größe seiner Moleküle und seiner Fettfreundlichkeit – Zellwände bestehen aus ungesättigten Fettsäuren – per Diffusion von der obersten Hautschicht in die tieferen Schichten vor und gelangt dann über die Blutkapillaren in den Blutkreislauf. Je höher der Anteil ungesättigter Fettsäuren im Basisöl und je wärmer die Haut ist, desto schneller verläuft dieser Prozess. Das ätherische Öl wirkt meist innerhalb weniger Minuten, spätestens jedoch nach zwanzig Minuten, im Organismus. Es kann davon ausgegangen werden, dass ätherische Öle samt dem fetten Trägeröl binnen etwa einer Stunde vollständig von der Haut aufgenommen werden und bereits nach etwa 90 Minuten gänzlich verstoffwechselt sind (manche Öle brauchen dazu vermutlich einige Stunden).

Beim Einsatz von ätherischen Ölen muss ganz individuell gedacht und gehandelt werden. Bei kranken Menschen sollte unbedingt die momentane Stoffwechselsituation berücksichtigt werden, eine zweimalige Anwendung pro Tag reicht vermutlich aus. Liegen aber schmerzhafte Zustände vor, die gar über Stunden anhalten und ist eine erhöhte Stoffwechseltätigkeit zu beobachten, wie z.B. bei Geburtswehen oder einer Magen-Darm-Grippe, so wird die betroffene Person häufige Anwendungen über die Haut, auch in kurzen Abständen, nicht nur wünschen, sondern auch benötigen.

Prinzipiell sollten Sie folgende grobe Richtlinien bei der Anfertigung eigener Rezepturen beachten

Für ein Körperöl

  • sollte eine Maximaldosis von 1% ätherischem Öl enthalten, also auf 50ml fettes Pflanzenöl höchstens 0,5ml ätherisches Öl, dies entspricht je nach ätherischem Öl zwischen sieben und fünfzehn Tropfen. Ich konnte in den vergangenen Jahren feststellen, dass im Großen und Ganzen 0,5%ige Mischungen ausreichen.

Für ein Massageöl

  • kann laut Angaben anerkannter Aromatherapeuten bis zu 10% ätherisches Öl enthalten, dies entspricht dann der Maximaldosierung von 5ml ätherischem Öl pro 50ml, was wiederum etwa 30 bis 150 Tropfen entsprechen würde. Nur ganz wenige meiner »Bewährten Aromamischungen« weisen einen solch hohen ätherischen Ölgehalt auf. Meiner Erfahrung nach genügen in den meisten Fällen etwa 5% ätherisches Öl, auch beim Massageöl.

Für eine Therapieöl

  • wie z. B. für die Schmerzbehandlung kann bis zu maximal 30% ätherisches Öl enthalten. Auf 7ml Pflanzenöl kämen also 3ml ätherisches Öl, das entspricht etwa 30 bis 90 Tropfen. Diese hochprozentige Mischung darf aber nur über einen kurzen Zeitraum angewendet werden, am besten sogar nur als einmalige Behandlung.

Es ist nicht erforderlich mit so kostbaren Natursubstanzen verschwenderisch umzugehen, wie immer in der Naturheilkunde gilt auch in der Aromatherapie: Weniger ist mehr.

Baden mit ätherischen Ölen und Aromamischungen

Eine sehr wohltuende und auch wirkungsvolle aromatherapeutische Anwendung ist das Baden mit ätherischen Ölen. Der Vorteil dabei ist, dass die gesamte Hautoberfläche die Wirkung des ätherischen Öls aufnehmen kann. Wichtig ist, die ätherischen Öle niemals pur ins Badewasser zu geben, sondern mit einem geeigneten reinen, pflanzlichen Emulgatoren zu vermischen, wie z.B. Honig, Sahne, Neutralseife, Molke oder Salz.

Dosierung der ätherischer Öle
Für ein Wannenbad werden zwischen drei und fünfzehn Tropfen ätherisches Öl benötigt. Wie bereits gesagt, muss unterschieden werden, ob es sich um ein sinnliches Bad oder eine heilungsfördernde Maßnahme bei Verspannung oder Schmerz handelt und ob Erwachsene, Schwangere oder Kinder in die Badewanne steigen. Bei einem sinnlichen Öl wie Rose, Jasmin oder Sandelholz werden insgesamt etwa fünf Tropfen verwendet; wird eines der kostbareren Öle eingesetzt, genügen oft schon ein bis zwei Tropfen im Emulgator. Bei einer sinnlich oder ausgleichend wirkenden Aromamischung wie Geborgenheit oder Luftikus genügen etwa sieben Tropfen. Bei einem ätherischen Öl, das zur Schmerzbehandlung auf körperlicher Ebene wirken soll, wie z.B. die römische Kamille bei stressbedingten Magenschmerzen, geben Sie wiederum nur drei oder fünf Tropfen in den Emulgator, wogegen es beim Lavendelöl, einem bewährten und hilfreichen Öl gegen Muskelschmerzen und Verspannung, dann schon insgesamt zwölf Tropfen sein können,

Bei Schwangeren und Kindern verwenden Sie nur knapp die Hälfte, bei Kleinkindern nur ein Drittel der angegebenen Menge!

Waschungen mit ätherischen Ölen

Eine Waschung mit ätherischen Ölen kann vor allem bei kranken Menschen angewendet werden, die das Bett nicht oder nur kurz verlassen dürfen. Es wird ein milder Reiz auf die Haut ausgeübt, der das Immunsystem stärkt, die Herz-Kreislauf-Funktionen anregt und das vegetative Nervensystem harmonisiert. So können Kreislaufschwäche, Abgeschlagenheit und Müdigkeit oder Ihren Einschlafprobleme beim Waschen der Patienten behandelt werden.

Dosierung und Emulgatoren:
Das entsprechende ätherische Öl muss mit einem Emulgator vermischt werden, ehe es ins Waschwasser gegeben werden kann. Meist genügen ein oder zwei Tropfen eines ätherischen Öls. Bei der Waschung von kranken Kindern reicht ein Tropfen völlig, bei Erwachsenen können maximal fünf Tropfen ätherisches Öl verwendet werden. Nehmen Sie eines der »Bewährten Aromabäder«, wie etwa das Entspannungsbad für eine abendliche Waschung oder das Thymian-Myrte-Bad für bettlägerige Patienten um deren Atemwege anzuregen, so genügt ein Teelöffel für die Waschschüssel.

Von den reinen ätherischen Ölen eignen sich für die Krankenwaschungen vor allem leicht flüchtige bzw. dünnflüssige Öle aus Kräuterdestillation wie z.B Lavendel, Rosmarin, Palmarosa, Pfefferminze und Rosengeranie.

Die »Bewährten Aromamischungen« empfehlen sich je nach Indikation, beispielsweise Luftikus, wenn eine entspannende Wirkung gewünscht ist, Geborgenheit oder Sprachlos bei Kindern wie Erwachsenen mit Heimweh, die Erkältungsmischungen für Grippekranke oder zur Anregung der Atmung.

Ätherische Öle oder Mischungen daraus lösen sich am schnellsten in wenig Seife im Wasser. Möglich ist es auch, die Öle mit einem Teelöffel Essig zu vermischen, was insbesondere bei fiebernden Menschen eine angenehme Wirkung hat, da der Verdunstungseffekt gesteigert und gleichzeitig der Säureschutzmantel der Haut unterstützt wird.

Hauptanwendungsgebiete

Ob der wohltuende Engelwurzbalsam bei Schnupfen oder die wundenheilende Rose-Teebaum-Essenz, oder das Mens-Massageöl bei Menstruationsbeschwerden oder das hilfreiche Lavendel-Zypressenöl bei Krampfadern, es gibt eigentlich keine Lebensphase bei der die Aromatherapie nicht zur Anwendung kommen darf. Ob psychische Beschwerden in der Pubertät oder im Klimakterium, oder Unlust bei Hausaufgaben oder Büroarbeiten, aber auch ein angenehm duftendes Gäste- oder Stationszimmer, ätherische Öle helfen auf körperlicher Ebene ebenso wie unsere Seele auf Wolken schweben lassen oder endlich wieder mit zwei Füssen auf der Erde zu stehen und mit Durchhaltevermögen einen Dienst zu Ende zu bringen.

Da Wohlbefinden für Entspannung sorgt und somit eine größere Schmerzerträglichkeit entsteht, bzw. das vegetative Nervensystem positiv beeinflusst wird, lag es nahe, die wohltuenden Öle auch in der Geburtshilfe anzuwenden. Es ist mir wichtig, sowenig Medikamente wie möglich bei einem Geburtsverlauf einzusetzen um das Kind nicht unnötig zu belasten und vor allem der Frau zu vermitteln, dass sie selbst fähig ist zu gebären. Genau das konnte ich mit der Aromatherapie bei der Gebärenden erreichen. Zur Erholung und Wundheilung im Wochenbett genießen die Wöchnerinnen angenehm duftende Bäder und Massageöle.

Inzwischen wird international der Einsatz von ätherischen Ölen in der Schulmedizin diskutiert, wie der Bericht der Aromatherapie-Konferenz vom November 2000 in San Francisco zeigt. Dort wurde sogar die Wirkung von ätherischen Ölen bei Tumorerkrankungen und als Antibiotikaersatz erörtert. Es wird sich also zeigen, was die Zukunft uns an wertvollen Erfahrungen bringen wird. Vermutlich wird auch diskutiert werden, inwieweit die Öle nicht doch Arzneien sind, was einerseits so sein mag, aber ein Kamillenwickel und ein Fencheltee sind es genau genommen ebenfalls und werden dennoch traditionell in allen Haushalten eigenverantwortlich verwendet.

Hier sind nur einige Beispiele für die Anwendung der ca. 300 bekannten ätherischen Öle:

AnwendungsgebietÄtherisches ÖlWirkung
AnspannungKamille, römischentspannend, beruhigend, schmerzstillend, verdauungsfördernd
Sandelholzantidepressiv, antiseptisch, entstauend
BlähungenFenchelblähungswidrig, krampflösend, schleimlösend
Kreuzkümmelverdauungsfördernd, entblähend, schmerzstillend, entkrampfend
Depressionen, UnruheRoseantibakteriell, antiviral, entkrampfend, beruhigend, schmerzlindernd, entzündungshemmend, zellerneuernd
ErkältungenMelisseantiviral, blutdrucksenkend, beruhigend, entzündungshemmend, krampflösend, fiebersenkend
Teebaumantibakteriell, antiviral, antimykotisch, schmerzstillend, immunstärkend
ErschöpfungRosmarindurchblutungsfördernd, konzentrationsfördernd, schmerzlindernd, antibakteriell, schleimlösend, entgiftend
KonzentrationsschwächeEisenkrautberuhigend, konzentrationsfördernd, entzündungshemmend, schmerzstillend
PrellungenArnikawundheilend
VerbrennungenLavendelDesinfizierend, schmerzlindernd, beruhigend

Die beschriebenen Anwendungsgebiete sind ein kleiner Ausschnitt aus dem Spektrum der Aromatherapie. Eine detaillierte Darstellung, welche Krankheiten und Beschwerden mittels der Aromatherapie behandelt werden können und wie Sie spezielle Aromamischungen noch wirksamer einsetzen können, finden Sie in oben genanntem Buch.

Grenzen

Aromatherapie kann durch den Therapeuten fast überall eingesetzt werden. Es ist schwierig über die Kontraindikationen ätherischer Öle eine allgemein gültige Aussage zu treffen, denn jeder Mensch reagiert ganz individuell auf Duftstoffe. Die wichtigste Kontraindikation ist immer, wenn der Geruch des ätherischen Öls als unangenehm empfunden wird.

Verschiedene Öle dürfen nicht in der Schwangerschaft angewendet werden – z.B. Campher- Eukalyptus- und Pfefferminzöle. Auch für Säuglinge und Kleinkinder sollten die Öle nur zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden. Es gibt ungeeignete Öle für Allergiker, für Epileptiker und Asthmatiker.

Während die Anwendung ätherischer Öle in der Öllampe, als Massageöle oder als Badezusatz sehr gut im Hausgebrauch eingesetzt werden kann, sollte die Einnahme der Öle mit erfahrenen Aromatherapeuten beraten werden.

Die Aromatherapie kann mit verschiedenen anderen Therapieformen problemlos kombiniert werden, z.B. mit der Bachblütentherapie. Die Kombination mit der Homöopathie ist auch möglich, jedoch muss beachtet werden, dass einzelne ätherische Öle die Wirkung homöopathischer hoch potenzierter Medikamente herabsetzen oder aufheben z.B. Kampfer, Eukalyptus und die Minzesorten.

Stand der naturheilkundlichen Forschung

In der Forschung zur Wirkung von Pflanzen und ihren ätherischen Ölen gibt es prinzipiell drei Verfahren:

  • Die Analyse der Wirkstoffe der Pflanze,
  • Laboruntersuchungen, wie die Pflanzenwirkstoffe auf Zellen wirken,
  • Klinische Studien, wo die ätherischen Öle und Pflanzenwirkstoffe gegen Placebos getestet werden.

Auf allen drei Gebieten gibt es inzwischen zahlreiche Untersuchungen und Studien. Hier nur einige Beispiele.

Dr. Dr. Dietrich Wabner, Professor für Chemie und Diplom-Chemiker untersuchte speziell die Zusammensetzung und Wirkung von Rosenöl. Hier konnten über 500 Einzelwirkstoffe im Rosenöl nachgewiesen werden.

Den Wirkungsmechanismus ätherischer Öle hat z.B. Prof. Eberhard Teuscher von der Universität Greifswald erforscht. Er untersuchte die Wechselwirkungen unserer Körperzellen mit den Molekühlen der ätherischen Öle und fand heraus, dass geringe Konzentrationen ätherischer Öle keinen hohen Einfluss auf die Körperzellen ausüben, mittlere Konzentrationen zu einer Abschottung der Zellen führen und hohe Konzentrationen die Zellmembran zerstören und damit ihre Rehaktionsfähigkeit verloren geht. Verbunden mit den empirischen Boabachtungen lässt sich das Untersuchungsergebnis übertragen wie folgt: zarte Dosierungen wirken beim Menschen auf seelischer Ebene, mittlere Dosierungen schützen auf körperlicher Ebene und erhöhen den Schutzmantel der Haut, hohe Dosierungen wirken zelltötend und desinfizierend.

Beispiele für den Bereich der Klinischen Studien sind die Studien von Prof. Uwe R. Jürgens von der Uni Bonn mit seiner Vergleichsstudie „Cineol vs. Cortison“ und von Prof. Göbel von der Uni Kiel, der Paracetamol mit verdünntem Pfefferminz-Öl bei Spannungskopfschmerzen verglich und zu hochinteressanten Ergebnissen kam. Prof. Schilcher, Freie Universität Berlin, hat in seinen Studien unter anderem nachgewiesen, dass natürliches Eukalyptusöl, das in der Raumluft verdampft, einen Großteil der in der Luft befindlichen Viren abtöten kann.

Darüber hinaus gibt zahlreiche empirische Erkenntnisse aus der Behandlung mit dieser Methode durch Hebammen, Heilpraktiker und Ärzte.

Nebenwirkungen

Die Aromen der Pflanzen sind hochkonzentriert. In zu hohen Dosen können diese natürlich auch Nebenwirkungen haben. Manche Pflanzen wirken sogar tödlich, wenn sie entsprechend hochdosiert eingenommen werden. Wie auch die Wirkung müssen auch mögliche Nebenwirkungen für jede Pflanze einzeln betrachtet werden. Nebenwirkungen können bei bestimmten Aromen sein: eine erhöhte Lichtempfindlichkeit (z.B. bei Johanniskrautöl), Hautreizungen, allergische Reaktionen, Kopfschmerzen.

Im Hausgebrauch sollte man sich vor der Anwendung sehr sorgfältig mit den Wirkungen und auch den Nebenwirkungen der Aromen auseinandersetzen. Sollten trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Hautreaktionen auftreten, muss die Behandlung sofort abgebrochen werden.

ergänzt und kommentiert von:
Dieter Berweiler, aus Stuttgart-Mühlhausen

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen



Mailadresse dient möglichen Rückfragen durch die Redaktion.
Sie wird nicht veröffentlicht.


Wichtiger Hinweis:

Diese Inhalte dienen der Information und Orientierung. Sie können und sollen unter keinen Umständen den Besuch eines Arztes und die Konsultation medizinischer Beratung oder professioneller ärztlicher Behandlung ersetzen.
Der Inhalt von naturheilmagazin.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Im Übrigen verweisen wir auf die Geltung unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB

Krankheiten A-Z