Zecken

Zecken

Gefürchtet sind Zecken vor allem wegen FSME und Borreliose. Aus schulmedizinischer Sicht wird gegen FSME in der Regel eine Impfung, gegen Borreliose (zumindstens in der Anfangsphase) Antibiotika empfohlen. Beides sehen viele naturheilkundlich-orientierte Therapeuten und Patienten skeptisch. Doch gibt gibt es überhaupt Alternativen? Wir haben für Sie nachgefragt ...

Autor/en dieses Beitrages:
Dr. med. Wolfgang Scheel, FA. für Kinder- und Jugendmedizin aus Steinheim an der Murr
Dieter Berweiler, Heilpraktiker/in aus Stuttgart-Mühlhausen
Kriemhilt Waldenmaier, Heilpraktiker/in aus Hemmingen

Zecken

Im Sommer sind die meisten Menschen gern draußen unterwegs. In den Medien wird häufig dringend zur FSME-Impfung geraten. Wie stehen Naturheilkundler zum Thema „Zecken“?

Beim Thema Zecken gehen die Meinungen zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde weit auseinander und nach wie vor kursieren falsche Vorstellungen über die weltweit rund 800 Zeckenarten und die von ihnen ausgehenden Gefahren. In Mitteleuropa werden durch die Schildzecke, auch gemeiner Holzbock genannt, vor allem die virale Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME und die bakterielle Lyme-Borreliose übertragen.

Weibliche Zecken brauchen Blut zur Bildung von bis zu 3000 Eiern. Ist ein Zeckenweibchen vollgesogen, so kann es bis zu 200 Mal mehr wiegen als vor der Mahlzeit. Zecken brauchen ein relativ warmes Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Daher geht die normale Zeckensaison von März bis Oktober. Zecken lassen sich nicht etwa von Bäumen fallen, sondern lauern meist an Wegrändern auf Gräsern und krautigen Pflanzen auf ihre Opfer.

Bislang geht man davon aus, dass FSME-Viren über den Speichel der Zecke übertragen werden – auch eine sofortige Entfernung könnte daher eine Infektion nicht verhindern – falls das Insekt Träger des Virus ist. Schulmediziner raten daher vorsorglich zur Impfung.

Anders gelagert ist der Fall beim Bakterium „Borrelia burgdorferi“, das sich im Mitteldarm der Zecke aufhält und erst mit den Ausscheidungen der Zecke, also meist nicht sofort nach Saugbeginn, in den menschlichen Körper gelangt. Eine möglichst schnelle Entfernung der Zecke könnte also eine Infektion häufig verhindern – und einen Impfstoff gibt es ohnehin noch nicht.

Problematisch ist, dass die Symptome einer FSME-Infektion sehr unterschiedlich sein können und häufig auch erst spät erkannt werden. Sie reichen von einer Sommergrippe bis hin zu schweren neurologischen Störungen. Kommt es zu einer Infektion mit Borrelien, tritt mehrere Tage nach dem Zeckenstich eine ringförmige Rötung auf, die meist nach einigen Wochen von selbst wieder verschwindet. Weitere Krankheitsstadien folgen häufig erst Monate und Jahre später und reichen von Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen bis zu Lähmungen und Sehstörungen. Bis heute gibt es keine bindenden Empfehlungen zur Behandlung der Borreliose – wenn sie denn überhaupt diagnostiziert wird.

Die von uns befragten Ärzte und Heilpraktiker sind indes ohnehin der Ansicht, dass die von Zecken ausgehende Gefahr künstlich hochgespielt wird, während auf der anderen Seite die gar nicht so seltenen Impfschäden unter den Tisch gekehrt würden.

Gute Erfahrungen hat Dr. Florian Davidis bei einer Borrelien-Infektion mit der Energieresonanz-Therapie, einer Spezialform der Magnetfeldtherapie, aber auch mit Nosoden gemacht. (Nosoden sind aus erkranktem Körpergewebe oder ähnlichem hergestellte Arzneimittel, die zur Behandlung eben jener Erkrankung verwendet werden). Dr. Scheel setzt gar ausschließlich auf die Kraft positiven Denkens: „Wer gut drauf ist, wird mit einem Zeckenstich prima fertig.“ Prophylaktisch könne man einen Vitamin-B-Komplex wie Polybion einnehmen, was allerdings dazu führe, dass nicht nur Zecken einen nicht mehr so gut riechen können. Bei einer starken Reaktion auf einen Zeckenbiss empfiehlt Scheel die Rescue-Creme aus der Bachblütentherapie. Auch eine Lymphdrainage oder ein Einlauf könnten hilfreich sein.

Auch Kriemhilt Waldenmaier hält die Nebenwirkungen einer Impfung für viel zu groß. Sie gibt ihren Patienten einmal pro Jahr eine Zeckenbiss-Nosode: Zunächst drei Globuli und nach fünf Minuten weitere drei. Andere Homöopathen geben sogar nur alle zehn Jahre vorsorglich eine Zeckenbiss-Nosode. Dieter Berweiler sorgt mit dem homöopathischen Mittel Coccus cacti LM 1000 einmal pro Jahr für einen Körpergeruch, den Zecken nicht mögen. Falls der Appetit der Zecke größer war als ihr Widerwille und sie doch zugebissen hat, entfernt Berweiler Zecken mit einer Zeckenzange und träufelt eine Mischung aus Lavendel-, Thymian- und Angelikaöl auf den Stich. Auch Kriemhilt Waldenmaier hält es für ausreichend, die betroffene Hautpartie nach einem Zeckenbiss mit Quark- oder Salzumschlägen zu behandeln – solange sich kein roter Hof um den Zeckenbiss bildet. Dann, rät sie anders als ihre Kollegen, zum Arzt zu gehen und sich Antibiotika verschreiben zu lassen.

Was kann man tun, um das Risiko eines Zeckenstichs herabzusetzen?

Geschlossene Kleidung, vor allem Hosen mit langen Beinen und geschlossene Schuhe tragen. Möglicherweise sogar die Socken über die Hosenbeine ziehen. Auf heller Kleidung kann man die kleinen Blutsauger schneller erkennen. Lediglich einen gewissen Schutz bietet das Einreiben mit ätherischen Ölen (siehe oben). Möglichst nicht durchs Unterholz und vorbei an hohen Gräsern streifen. Den Körper nach einem Aufenthalt in Wald oder Wiese immer nach Zecken absuchen – vor allem an den besonders warmen Körperstellen unter den Armen, zwischen den Beinen, an Bauchnabel, Kopf und Hals. Auch Haustiere regelmäßig nach Zecken absuchen.

Mehr zum Thema Borreliose

Für den Fall, dass Sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen von einer Zecke erwischt wurden und an Borreliose erkrankt sind, empfehlen wir Ihnen den ausführlichen Artikel von Heilpraktiker Dieter Berweiler zur alternativen Behandlung der Borreliose mit dem Titel Borreliose natürlich heilen - Ein Diskurs.

Kommentare

Andrea Tertel aus bad Belzig, 15.05.2017:
bin dringend auf der Suche nach einer Apotheke , die Coccus Cacti LM 1000; Borelli C 200; Fsne C 200 vertreibt. wer kann mir helfen ?

Vielen Dank
Dieter Berweiler, 19.12.2016:
Liebe Frau Kallweit,
die Aromatherapie als fester Bestandteil der Phytotherapie wird seit mehr als 200 Jahren erfolgreich eingesetzt. Diese als "Hausmittel" abzutun, kann ich nur einer fachlichen Unkenntnis zuordnen. Speziell beim Zeckenstich, der nicht zwangsläufig eine Infektion mit sich bringt, sind solche wirksamen nebewirkungsfreien bewährten Vorgehensweisen angebracht, zumal es keinen einzigen Nachweis gibt, dass ein Erythema von Borreliosen verursacht wird. Das wird nur immer unterstellt. Desweiteren ergaben die neusten Erkenntnisse, dass eine Antibiose bei einer Borrelieninfektion die Erregeranzahl zwar deutlich reduziert, gleichzeitig aber auf Resistenz selektiert. Da stellt sich schon grundsätzlich die Frage, wie zum Wohle des Patienten am sinnvollsten vorgegangen werden soll. Gerade in Bezug auf Borrelien steht sowohl in der Schulmedizin als auch allen anderen Beteiligten ein Umdenkprozess ins Haus.
Mit freundlichen Grüßen
Dieter Berweiler
Magdalena Kallweit aus Berlin, 13.12.2016:
Unverantwortlich von einigen "Kollegen" wie D. Berweiler, bei Wanderröte auf Hausmittel zu setzen anstatt zum unverzüglichen Besuch des Hausarztes zu raten.
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