Ganzheitliche Hilfe bei Makuladegeneration

Ganzheitliche Hilfe bei Makuladegeneration, Quelle: Marco Haas, www.naturheilpraxis-haas.de

Wenn Menschen über 50 im Zentrum nicht mehr richtig scharf sehen oder sich gerade Linien wie Fensterahmen oder Fugen zu biegen scheinen, sollten sie baldmöglichst zum Augenarzt gehen. Es könnte nämlich eine altersabhängige Makuladegeneration (AMD) dahinter stecken. Dr. med. Renée Jaschke erklärt, was hinter der AMD steckt, was der Augenarzt macht und welche ganzheitlichen Therapien vielversprechend sind – so z.B. die Augenakupunktur nach Boel.

Dr. med. Renée Jaschke
Dr. med. Renée Jaschke
Mehr Infos im Experten-Profil
Dr. med. Renée Jaschke: „Begleitend zur schulmedizinischen Therapie durch den Augenarzt setzen wir bei altersabhängiger Makuladegeneration vor allem auf die Augenakupunktur nach Boel. In Kombination mit anderen Verfahren kann man mit ihr sowohl die trockene als auch die feuchte Makuladegeneration ausgesprochen günstig beeinflussen.“

Praxis Dr. Jaschke - Internistische Hausarztpraxis und Gemeinschaftspraxis
Tel: 0611-601516
Friedrichstraße 34
65185 Wiesbaden

Was ist eine Makuladegeneration?

Die altersbedingte bzw. altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist bei Erwachsenen in den Industrieländern der häufigste Grund für schwere Sehbehinderungen bis hin zur Erblindung. Ursache für das eingeschränkte Sehen ist eine Veränderung (Degeneration) im zentralen Bereich der Netzhaut (Retina), der sog. Makula (Gelber Fleck, Macula lutea). Typisches Zeichen einer solchen Makuladegeneration, die ein oder beide Augen betreffen kann, ist eine Verschlechterung oder sogar ein Verlust des zentralen Sehens.

Unterschieden werden die weitaus häufigere trockene und die seltenere, dafür aber bedrohlichere, feuchte Makuladegeneration. Häufig entwickelt sich dabei eine feuchte Makuladegeneration in relativ kurzer Zeit aus einer schon länger bestehenden trockenen Makuladegeneration. Ist das der Fall, ist schnelles Handeln gefragt!

Hinweis: Wenn Sie plötzlich (binnen Tagen oder Wochen) deutlich schlechter sehen, sollten Sie umgehend Ihren Augenarzt aufsuchen! Dieser prüft dann, ob eine feuchte Makuladegeneration vorliegt.

Was passiert bei der Makuladegeneration?

Trockene Makuladegeneration

Bei der trockenen Makuladegeneration lagern sich im Laufe der Zeit vermehrt Stoffwechselprodukte in bestimmten Schichten unter der Netzhaut ab (sog. Drusen). Bei der Untersuchung des Augenhintergrundes erkennt der Augenarzt diese Drusen als gelbliche Flecken. Typischerweise finden sich die Drusen v.a. im Bereich des schärfsten Sehens (Makula). Problematisch sind v.a. große, weiche Drusen.

Die angesammelten Abfallstoffe behindern den Stoffwechsel der Sehzellen und verschlechtern damit auch das Sehen. Wenn sich zu viele Abfallstoffe im retinalen Pigmentepithel, d.h. der äußeren, farbstoffhaltigen Netzhautschicht, ansammeln, sterben die Zellen schließlich ab. Es kommt zur Atrophie, die Netzhaut ist irreversibel geschädigt. Je nach Lage der Veränderung kann eher das zentrale oder periphere Sehen beeinträchtigt sein.

Wenn sich – ähnlich wie bei einer Landkarte – verschiedene derartig abgegrenzter Gebiete zeigen, spricht der Augenarzt von geographischer Atrophie (GA). Hinzu gesellen sich in diesem fortgeschrittenen Stadium meist starke Verfärbungen (Hyperpigmentierungen), die der Augenarzt mit der Spaltlampe erkennen kann.

Feuchte Makuladegeneration

Bei der feuchten oder exsudativen Form der altersabhängigen Makuladegeneration bilden sich vermehrt neue Blutgefäße unter und in der Netzhaut. Beteiligt an diesem Gefäßwachstum ist der Wachstumsfaktors VEGF, der inzwischen eine zentrale Rolle bei der augenärztlichen Therapie der feuchten Makuladegeneration  spielt. Da diese Gefäße zudem weniger dicht sind, kann aus ihnen Flüssigkeit austreten. Die Folge sind Schwellungen (‚Makulaödem‘) und Einblutungen. Später können auch Narben zurückbleiben, die das Sehen zusätzlich behindern.

Die feuchte Makuladegeneration ist zwar deutlich seltener, verläuft aber dafür wesentlich schneller und führt häufiger zu schweren Sehbehinderungen. Zudem haben Patienten mit fortgeschrittener AMD häufiger eine feuchte als eine trockene Makuladegeneration. Daher ist es wichtig, bei Verdacht auf eine feuchte AMD sofort zu reagieren und baldmöglichst mit einer umfassenden Therapie zu beginnen.

Obwohl nur 10–15 % der AMD-Patienten eine feuchte AMD haben, ist die feuchte AMD für mehr als
80 % der schweren Beeinträchtigungen des Sehens bis hin zur Erblindung verantwortlich!!

Trockene und feuchte Makuladegeneration – ein Vergleich

Trockene AMDFeuchte AMD
Häufigkeitca. 85 % der AMD10–15 % der AMD
UrsacheAblagerungen, die die Ernährung der Netzhaut behinderneinwachsende Blutgefäße, in die Netzhaut eindringende Flüssigkeit, Schwellungen („Makulaödem“), Blutungen, später auch Narben
SymptomeSehstörungen im zentralen Bereich des Gesichtsfeldes, dunkler Fleck bei fortgeschrittener AMDSehstörungen im zentralen Bereich des Gesichtsfeldes, dunkler Fleck, gerade Linien erscheinen als gebogen
NachweisSpiegelung des Augenhintergrundes (u.a. Drusen)AMSLER-TEST, Spiegelung des Augenhintergrundes, Angiographie, optische Kohärenztomographie (OCT)
Verlaufeher schleichender Beginn und langsames Fortschreitenschnelles Fortschreiten, irrev. Sehverlust, entwickelt sich häufig aus der trockenen AMD, in 80 % der Fälle verantwortlich für schwere Sehstörungen bis zum Erblinden durch AMD

Symptome und Verlauf

Da die trockene Makuladegeneration schmerzlos ist und in der Regel langsam fortschreitet, bleibt sie ohne augenärztliche Kontrolle oft lange unbemerkt. Der Patienten merkt häufig nur, dass er Probleme beim Lesen, Autofahren oder Fernsehen hat. Mitunter wirken Farben blasser, es dauert länger, wenn man vom Hellen ins Dunkle kommt, bis man wieder alles erkennt oder Buchstaben erscheinen beim Lesen verschwommen. Ursache ist bei der Makuladegeneration das schlechtere zentrale Sehen. In einem fortgeschrittenen Stadium oder bei feuchter Makuladegeneration kann das Zentrum des Gesichtsfeldes sogar leer oder als grauer Fleck erscheinen. Typisch ist dann z.B. dass eine Armbanduhr zwar als solche erkannt, die Uhrzeit aber nicht mehr richtig abgelesen werden kann. Oder dass man eine Person wahrnimmt, ihr Gesicht aber nicht mehr erkennt.

Dunkler Fleck bei fortgeschrittener Makuladegeneration
Dunkler Fleck bei fortgeschrittener Makuladegeneration

Wenn gerade Linien wie Fensterrahmen oder Fugen verzerrt bzw. gebogen erscheinen, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine feuchte Makuladegeneration. Wer solche Effekte kennt, sollte sofort einen Augenarzt aufsuchen.

Die wichtigsten Warnsignale für eine AMD

  • unscharfes Sehen in der Mitte bzw. Probleme beim Detailsehen (beim Lesen, Erkennen von Gesichtern oder der Uhrzeit auf der Armbanduhr)
  • Linien erscheinen gekrümmt (z.B. Fensterrahmen, Fugen von Fliesen)

Typischerweise beginnt die trockene Makuladegeneration langsam und kann daher lange unbemerkt bleiben. Mit geeigneten Therapien kann man ihren Verlauf günstig beeinflussen. Darüber hinaus kann die trockene Form auch spontan zum Stillstand kommen.

Im ungünstigen Fall geht die trockene in die feuchte Form über. Dies macht sich normalerweise durch akut auftretende, deutliche Verschlechterungen im Sehen bemerkbar. Die feuchte Form verläuft im Allgemeinen deutlich rascher und führt häufiger zu starken Sehbehinderungen.

Glücklicherweise lässt sich der Verlauf der Makuladegeneration inzwischen mit augenärztlichen und ganzheitlichen Verfahren in vielen Fällen günstig beeinflussen.

Risikofaktoren

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko, an einer Makuladegeneration zu erkranken:

  • 60 Jahre (beginnend ab 50 Jahren, mit stärkerer Zunahme über 65 Jahren)
  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • familiäre Belastung / genetische Veranlagung
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • bestimmte Erkrankungen (AIDS, Herzinfarkt, koronare Herzkrankheit KHK)
  • möglicherweise auch vorausgegangene Katarakt-OP (Grauer Star)

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für einen ungünstigen Verlauf der AMD:

  • höheres Alter
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • genetische Veranlagung
  • bereits bestehende fortgeschrittene AMD in einem Auge
  • große Drusen in beiden Augen

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Makuladegeneration prüft der Augenarzt den Augenhintergrund mit einer Spaltlampe. Mit ihr kann er Ablagerungen (Drusen), Gefäßveränderungen und Änderungen der Pigmentierung sehr gut erkennen. Bei Bedarf kann der Augenarzt zusätzlich bestimmte Farbstoffe nutzen, um veränderte Blutgefäße im Augenhintergrund besser sichtbar zu machen (Fluoreszenzangiographie).

Ergänzt wird die augenärztliche Untersuchung durch Sehtests, die der Patient z.T. auch selbst zu Hause durchführen können. Dazu gehört v.a. der Amsler-Test. Mit ihm wird geprüft, ob gerade Linien als gebogen erscheinen. Dies würde auf eine feuchte Makuladegeneration hinweisen.

Und so läuft der Amsler-Test ab: Der Patient schaut – falls vorhanden mit seiner Brille oder Kontaktlinsen – im Abstand von 30 bis 40 cm auf das Amsler-Gitter. Nun deckt er abwechselnd ein Auge zu und fixiert den Punkt in der Mitte des Gitters.

  1. Erkennen der Patient den Punkt bei jedem Auge?
  2. Erscheinen einige Linien verschwommen oder gekrümmt?
  3. Erscheinen manche Stellen dunkel?
  4. Sind Linien stellenweise unterbrochen oder fehlen ganz?
  5. Erscheinen die Kästchen unterschiedlich groß?

Jedes „Ja“ auf eine der 5 Fragen ist ein Grund, baldmöglichst den Augenarzt aufzusuchen.

Amsler-Gitter
Amsler-Gitter
Möglicher Seheindruck des Amsler-Gitters bei AMD
Möglicher Seheindruck des Amsler-Gitters bei AMD

Tipp: Den Amsler-Test können Sie regelmäßig bequem zu Hause durchführen. So bemerken Sie Veränderungen Ihres Sehens möglichst frühzeitig und können Ihr Augenlicht besser schützen.
Weitere Sehtests, mit denen Sie Ihre Augengesundheit testen können, finden Sie unter http://augentest.org.

Augenärztliche Therapie (Schulmedizin) bei trockener Makuladegeneration

Ein allgemein anerkanntes schulmedizinisches Behandlungskonzept gibt es für die trockene AMD bislang nicht. Am vielversprechendsten scheint bislang die Zufuhr von Vitaminen und Spurenelementen zu sein.

Hochdosierte Vitamine bei trockener Makuladegeneration

Besonders bekannt geworden ist die Behandlung der trockenen Makuladegeneration mit antioxidativ wirkenden Vitaminen (Vitamin C, Vitamin E, ß-Carotin) und Zink (Zinkoxid) durch die sog. ARED-Studie (Age-Releated Eye Disease Study). In der ersten ARED-Studie wurden die Vitamine in recht hohen Dosierungen eingesetzt. Hier gilt es jedoch zu bedenken, dass eine längere Gabe von hochdosiertem ß-Carotin insbesondere bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko erhöhen kann. In der zweiten ARED-Studie wurde daher ein alternatives Konzept getestet, bei dem statt ß-Carotin die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin verwendet wurden. Daraus lässt sich nach aktuellem Stand (Aug. 2017) folgende Empfehlung ableiten:

Patienten mit fortgeschrittener trockener AMD (viele mittelgroße bis große Drusen oder ‚geographischer Atrophie‘ in einem oder beiden Augen) profitieren von der täglichen Einnahme folgender Kombination:

  • Vitamin C (500 mg)
  • Vitamin E (400 I.E.)
  • Zink (80 mg)
  • Lutein (10 mg), Zeaxanthin (2 mg) – alternativ bei Nichtrauchern 15 mg ß-Carotin
  • Kupfer (2 mg)

Inzwischen sind auf dem Markt verschiedene Präparate erhältlich, deren Zusammensetzung mehr oder weniger der in der ARED-Studie getesteten Kombination entspricht. Einige sind frei in der Apotheke verfügbar, andere nur auf Rezept über eine internationale Apotheke. Fragen Sie am besten Ihren Augenarzt, ob eine solche Therapie in Ihrem Fall sinnvoll ist und welches Präparat für Sie in Frage kommt (z.B. mit Lutein statt ß-Carotin für Raucher).

Weitere augenärztliche Therapien bei trockener AMD

Bei trockener AMD scheinen Patienten von der Lasertherapie nach aktuellem Stand nicht zu profitieren. In Erprobung ist noch die Therapie mit Stammzellen. Hier fehlen bislang jedoch ausreichende Daten, um eine Empfehlung abgeben zu können.

Augenärztliche Therapie (Schulmedizin) bei feuchter Makuladegeneration

Injektionen mit Hemmstoffen gegen Wachstumsfaktor

Die Schulmedizin setzt bei der feuchten Makuladegeneration v.a. auf die Hemmung des Wachstumsfaktors VEGF (vascular endothelial growth factor.). Dieser trägt bei der feuchten Makuladegeneration wesentlich zur überschießenden Bildung von Blutgefäßen (Neovaskularisation) und zur erhöhten Durchlässigkeit der Gefäße im Auge bei. Entsprechende Hemmstoffe werden vom Augenarzt direkt in den Glaskörper gespritzt. Dabei werden i.d.R. mindestens drei Injektionen im Abstand von jeweils einem Monat verabreicht. Allerdings ist bis heute nicht gänzlich klar, welche Behandlungsabstände optimal sind. Je nach Verlauf der Erkrankung sollten diese individuell angepasst werden. Die Behandlung mit VEGF-Inhibitoren empfiehlt sich insbesondere für Patienten mit akuten Schäden im Bereich der Sehgrube, aber auch für die meisten anderen mit einer aktiven feuchten Makuladegeneration.

So wirksam die Therapie mit VEGF-Inhibitoren auch ist, hat sie leider ihre Grenzen. So kann nur bei einer Minderzahl der Patienten das schädliche Wachsen der Gefäße auf Dauer gestoppt werden. Daher sind regelmäßige Kontrollen durch den Augenarzt unverzichtbar. Außerdem treten bei einem gewissen Teil der Patienten unerwünschte Nebeneffekte auf, wobei mögliche Langzeitfolgen der VEGF-Inhibitoren noch nicht ausreichend untersucht sind. Zu besonderer Vorsicht wird bei Patienten mit erhöhtem Herzinfarktrisiko geraten.

Besonders bekannte Wirkstoffe zur Hemmung von VEGF sind

  • Ranibizumab
  • Bevacizumab
  • Pegaptanib und
  • Aflibercept

Ranibizumab und Bevacizumab sind sowohl hinsichtlich ihrer Struktur als auch hinsichtlich ihrer Wirkung und Nebenwirkungen sehr ähnlich. Allerdings ist Bevacizumab, das eigentlich für die Behandlung von Darmkrebs verwendet ist, deutlich günstiger. Daher wird es in den USA zunehmend als „Off-Label-Use“ (Anwendung außerhalb der Zulassung eines Arzneimittels) von Augenärzten zur Therapie der feuchten Makuladegeneration eingesetzt.

Pegaptanib ist ein älterer VEGF-Inhibitor, der aufgrund seiner schlechteren Wirkung und Verträglichkeit heute eher selten eingesetzt wird. In Deutschland wurde er sogar ganz vom Markt genommen.

Aflibercept ist ein neuerer Wirkstoff, bei dem es möglicherweise reicht, wenn der Patient alle zwei Monate Injektionen bekommt. Aflibercept ist günstiger als Ranibizumab, aber teurer als Bevacizumab.

Hochdosierte Vitamine bei feuchter Makuladegeneration

Auch bei feuchter AMD in einem oder beiden Augen kann die Einnahme hochdosierter Vitamine gemäß der ARED-Studie empfohlen werden:

Tägliche DosisEmpfehlung für RaucherEmpfehlung für Nichtraucher
Vitamin C (500 mg)xx
Vitamin E (400 I.E.)xx
Lutein (10 mg)x-
Zeaxanthin (10 mg)x-
ß-Carotin (15 mg)-x
Zink (80 mg als Zinkoxid)xx
Kupfer (2 mg als Kupferoxid)xx

Weniger bedeutsame Therapien bei feuchter Makuladegeneration

Photodynamische Therapie (PDT)

Bei der Photodynamischen Therapie (PDT) wird zunächst eine lichtsensibilisierende Substanz (Verteporfin) injiziert und dann mit einem Laser behandelt. Dadurch entstehen freie Radikale, welche vorranging störende Blutgefäße schädigen sollen. Seit die VEGF-Inhibitoren zur Verfügung stehen, wird die PDT wegen ihrer im Vergleich schlechteren Ergebnisse selten durchgeführt. In Einzelfällen, z.B. wenn eine Injektion mit VEGF-Inhibitoren nicht möglich ist, kommt die PDT aber nach wie vor in Frage.

Laser-Photokoagulation der Netzhaut

Die Thermal-Laser-Photokoagulation der Netzhaut wird gemäß einer gemeinsamen Empfehlung des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und der Retinologischen Gesellschaft derzeit nicht empfohlen. Unter Umständen kommt sie noch bei Patienten mit sehr kleinen, klar begrenzten akuten Läsionen zum Einsatz.

Operation

Operationen haben bei der feuchten Makuladegeneration bisher nicht den erhofften Erfolg gezeigt. Sie werden daher nur in wenigen Fällen eingesetzt, z.B. wenn plötzlich ausgedehnte Blutungen auftreten. Noch im Versuchsstadium befindet sich die Makulatranslokation, bei der die Netzhaut gedreht und so die Makula verlagert wird. Sie birgt erhebliche Risiken und ist derzeit bestimmten schweren Fällen vorbehalten.

Strahlentherapie

Auch die Strahlentherapie konnte bei der feuchten AMD nicht überzeugen und kann in den meisten Fällen nicht empfohlen werden.

Vergrößernde Sehhilfen und andere Dinge, die das Leben erleichtern

Solange das Sehvermögen im Zentrum noch nicht zu stark geschädigt ist, können vergrößernde Sehhilfen v.a. bei Naharbeit oder beim Lesen helfen. Dabei handelt es sich um spezielle Brillen, Vergrößerungslupen usw. Diese sollten in Abstimmung mit dem Augenarzt ausgewählt und in Ruhe ausprobiert werden. Auch digitale Hilfen, bei denen die Schrift leicht vergrößert werden kann (Tablet, E-Book-Reader) können sinnvoll sein. Ebenso können Bücher in Großbuchstaben, Hörbücher usw. im Alltag eine Bereicherung für Patienten mit Makuladegeneration sein.

Naturheilkundliche Therapie bei Makuladegeneration

Ergänzend zu den oben beschriebenen augenärztlichen Maßnahmen gibt es einige Therapien, die bei der Makuladegeneration vom Allgemeinarzt oder Heilpraktiker durchgeführt werden können. Besonders bewährt hat sich hier die Augenakupunktur nach Boel.

Augenakupunktur nach Boel

Gemäß der Meridianlehre der Traditionellen Chinesischen Medizin sind unsere Augen über Meridiane (häufig übersetzt mit Energieleitbahnen) mit verschiedenen Körperregionen verbunden. Energetische Blockaden im Bereich dieser Meridiane können Augenerkrankungen begünstigen. Umgekehrt können Augenerkrankungen andere Körperbereiche über die Meridiane in Mitleidenschaft ziehen.

Basierend auf diesem Wissen – ergänzt um Erkenntnisse der japanischen, koreanischen und srilankischen Medizin – entwickelte der Däne John Boel in den 1980er-Jahren seine Augenakupunktur. Inzwischen wurden bereits Tausende von Patienten mit feuchter oder trockener Makuladegeneration behandelt. Auch wenn viele Therapeuten von guten Erfolgen berichten, ist das Verfahren bislang nicht wissenschaftlich anerkannt, weil entsprechende Studien fehlen.

Und so wird bei der Augenakupunktur nach Boel behandelt: Wie in der Akupunktur üblich werden bei Der Augenakupunktur nach Boel bestimmte Akupunkturpunkte entlang der Energieleitbahnen mit feinen Nadeln aktiviert. Dieser Reiz wirkt dann über die Meridiane auf die Augen und das direkt mit ihnen verbundene Gehirn. Auf diese Weise sollen die Selbstheilungskräfte aktiviert und die Makuladegeneration zum Stillstand gebracht werden. Möglicherweise spielt dabei eine Anregung der Durchblutung im Bereich des Auges eine Rolle.

Ablauf der Augenakupunktur nach Boel

Die Akupunktur selbst erfolgt nicht am Auge selbst, das ja gerade bei der feuchten AMD ohnehin schon häufig Injektionen ausgesetzt ist, sondern an der Stirn, den Händen, den Füßen und den Knien.

Um einen initialen Heilimpuls zu setzen und die Dinge in Fluss zu bringen, wird die Behandlung zunächst recht engmaschig, später in größeren Abständen durchgeführt. Zunächst wird über 5 bis 10 Tage 2-mal täglich mit einer Stunde Pause behandelt. Normalerweise können in der zweiten Woche bereits therapiefreie Tage eingeplant sind. Damit kommt man zunächst auf 10 bis 20 Akupunktursitzungen binnen 2 bis 3 Wochen. Wie es danach weitergeht, hängt vom Einzelfall ab. Während in einigen Fällen in größeren Abständen (z.B. alle 1–3 Monate) Wiederholungs-Behandlungen durchgeführt werden, wartet man in anderen Fällen ab, ob sich erneut eine Verschlechterung einstellt, um dann wieder mit der Augenakupunktur zu beginnen.

Vorteile der Augenakupunktur nach Boel bei Makuladegeneration

  • eignet sich gleichermaßen für die trockene und feuchte Makuladegeneration
  • gute Kombinierbarkeit mit anderen Verfahren aus Schulmedizin und Naturheilkunde
  • auch prophylaktisch einsetzbar
  • seit Jahrzehnten bewährt
  • keine belastenden Medikamente, gute Verträglichkeit
  • die Behandlung erfolgt nicht am Auge
  • in vielen Fällen lässt sich die Makuladegeneration aufhalten, mitunter sind sogar Verbesserungen des Sehens möglich

Weitere Akupunkturverfahren

In unserer Praxis unterstütze ich die Arbeit mit der Augenakupunktur nach Boel bei einer Makuladegeneration besonders gern mit der Ohrakupunktur, der Schädelakupunktur nach Yamamoto sowie der aus der TCM bekannten Ganzkörperakupunktur.

Klassische Homöopathie

Eine konstitutionelle Behandlung im Sinne der klassischen Homöopathie kann auch bei der AMD genutzt werden, um den Körper umzustimmen und auf den richtigen Weg zur Heilung zu führen. Letztendlich geht es darum, dem Körper den passenden Impuls zu geben, um seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Am Anfang einer klassisch- homöopathischen Behandlung steht stets eine ausführliche Anamnese, d.h. ein ausführliches Patientengespräch, bei dem die Besonderheiten des jeweiligen Patienten herausgearbeitet werden. Bei der Makuladegeneration sollte die Homöopathie nie allein, sondern immer begleitend zu anderen – schulmedizinischen und naturheilkundlichen – Verfahren eingesetzt werden. Die homöopathische Begleitung dauert in der Regel einige Monate, wobei das homöopathische Mittel immer wieder an den Verlauf der Erkrankung angepasst wird.

Oxyvenierung nach Dr. Regelsberger

Die Oxyvenierung nach Dr. Regelsberger ist ein wunderbares Instrument zur Behandlung arterieller Durchblutungsstörungen, das auch bei der altersbedingten Makuladegeneration effektiv eingesetzt werden kann. Die Oxyvenierung wirkt einerseits stark entzündungshemmend, andererseits gefäßerweiternd. Möglicherweise gelingt es über eine Verbesserung der Durchblutung im Auge den Abtransport von Stoffwechselprodukten zu fördern und damit der Entstehung von Drusen entgegen zu wirken. Da bei der Entstehung der AMD auch Entzündungsprozesse eine wichtige Rolle spielen, könnte der Effekt der Oxyvenierung auch auf ihre entzündungshemmende Wirkung zurückzuführen sein.

Weitere Verfahren bei Makuladegeneration

In unserer Praxis arbeiten wir darüber hinaus bei AMD gerne auch mit der Neuraltherapie nach Huneke. Sie kann helfen, über ihre Wirkung am unwillkürlichen Nervensystem (Sympathikus) eine mögliche Sauerstoffminderversorgung der kleinen Nerven zu beseitigen. Darüber hinaus können in manchen Fällen Störfelder eine Rolle spielen. Störfelder können – so zeigt die Erfahrung naturheilkundlicher Ärzte – den Heilungserfolg blockieren. Mittels Neuraltherapie sind Störfelder auflösbar.

Nach dem, was oben bereits zum Einsatz von Vitaminen und Spurenelementen in der schulmedizinischen Therapie gesagt wurde, dürfte es nicht überraschen, dass auch die Ernährung bei der Therapie der Makuladegeneration eine wichtige Rolle spielt. Um individuelle Ernährungsfehler aufzudecken, raten wir unseren AMD-Patienten häufig zu einer gezielt auf ihr Krankheitsbild abgestimmten Ernährungsberatung.

Vorbeugung – damit die Makuladegeneration erst gar nicht entsteht

Schon im Vorfeld können Sie einiges tun, damit Sie möglichst erst gar keine AMD bekommen:

  • aufs Rauchen verzichten!
  • ggf. bestehenden Bluthochdruck einstellen lassen
  • bei starkem Sonnenlicht Sonnenbrille mit hohem UV-Schutz tragen
  • Bewegung
  • gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie Fisch und Nüsse
  • evtl. Nahrungsergänzungen mit B-Vitaminen

Häufig empfohlen werden grünblättriges Gemüse wie Broccoli sowie Mais. Das darin enthaltene Lutein, das als gelbes Pigment in der Makula vorkommt, soll diese gegen oxidative Schäden schützen.

Kontakte und Linktipps

  • Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV)
  • Pro Retina Deutschland e.V. (Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegenerationen, pro-retina.de)
  • Visus TAS: Programm, mit dem man seine Sehkraft in unterschiedlichen Bereichen selber testen kann. http://augentest.org/

Literatur

  • Age-Related Eye Disease Study Research Group. A randomized, placebo-controlled, clinical trial of high-dose supplementation with vitamins C and E, beta carotene, and zinc for age-related macular degeneration and vision loss: AREDS report no. 8. Arch Ophthalmol 2001; 119:1417
  • Age-Related Eye Disease Study 2 Research Group. Lutein + zeaxanthin and omega-3 fatty acids for age-related macular degeneration: the Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) randomized clinical trial. JAMA 2013; 309:2005
  • Jorge G Arroyo: Age-related macular degeneration: Clinical presentation, etiology, and diagnosis. UpToDate August 2017
  • Jorge G Arroyo: Age-related macular degeneration: Treatment and prevention. UpToDate August 2017
  • Stellungnahme des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands, der Deutschen ophthalmologischen Gesellschaft und der Retinologischen Gesellschaft zur Lasertherapie von Drusen bei altersabhängiger Makuladegeneration (AMD), August 2017

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen



Mailadresse dient möglichen Rückfragen durch die Redaktion.
Sie wird nicht veröffentlicht.



 

Wichtiger Hinweis:

Diese Inhalte dienen der Information und Orientierung. Sie können und sollen unter keinen Umständen den Besuch eines Arztes und die Konsultation medizinischer Beratung oder professioneller ärztlicher Behandlung ersetzen.
Der Inhalt von naturheilmagazin.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Im Übrigen verweisen wir auf die Geltung unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB

Krankheiten A-Z