Erfahrungsbericht Schwarzes Melanom: Trotz Widerständen - ich gehe meinen Weg

Erfahrungsbericht Schwarzes Melanom. Trotz Widerständen – ich gehe meinen Weg

von Iris Kamann

Mit 34 Jahren erkrankte sie am Schwarzen Melanom, einem besonders bösartigen Hautkrebs. Heute ist Frau Kamann gesund und möchte anderen Krebspatienten Mut machen, trotz Widerständen ihren eigenen Weg zu gehen. Aus: "Alles ist möglich – auch das Unmögliche" (St. Benno Verlag) mit 54 persönlichen Berichten von Krebspatienten.

Übersicht: Krebs

Ein harmlos aussehender, kleiner Blutschwamm entpuppte sich als Schwarzes Melanom

Heute bin ich gesund. Hier einige wichtige Stationen meiner Kranken- und Heilungsgeschichte.

Im September 1998 trat der schwarze Hautkrebs auf. Ich war 34 Jahre jung. Die Stelle, die ich an meinem rechten Fußgelenk bemerkte, beunruhigte mich zuerst gar nicht. Es sah aus wie ein Blutschwamm, klein und rot, rechts unter dem Außenknöchel. Kein Gedanke an Krebs.

Krebs, ich habe lange gebraucht, bis ich dieses Wort in meinen Mund nehmen konnte. Diese Stelle war da und ging nicht wieder weg. Sie beschäftigte mich immer wieder, bis ich dann irgendwann doch meinen Hautarzt aufsuchte, um sicher zu gehen, dass ich mir keine Gedanken mehr machen musste. Auch er fand diese Stelle überhaupt nicht aufregend. Er meinte nur, man sollte sie irgendwann entfernen, weil sie sehr bluten könnte, falls ich mich einmal daran stoßen sollte. Ich weiß noch, wie ich in der Praxis saß und gedacht habe: Wenn sie sowieso entfernt werden muss, dann kannst du dir auch gleich einen Termin geben lassen.

Das habe ich dann auch getan, und der kleine Blutschwamm wurde entfernt. Danach hatte ich gar keine Zeit mehr, über meine kleine Operation nachzudenken. In der Zeit verunglückte nämlich ein Freund von mir mit dem Auto und verstarb nach einigen Tagen. Die Begleitung seiner Freundin ließ gar keinen Raum, an meine eigene Situation zu denken. Ich weiß noch sehr genau, dass mich einen Tag vor der Trauerfeier unseres Freundes die Praxis anrief und mich für die kommende Woche Dienstagnachmittag einbestellte, weil der Doktor etwas mit mir besprechen wollte. Aber auch da war keine Zeit für meine eigenen Gedanken. Sie kam dann erst einen Tag vor diesem Arzttermin. Ich stellte mir besorgt die Fragen: Warum muss ich in die Praxis kommen? Was gibt es besonderes mit mir zu besprechen?

Und dann war der Dienstag da. Die Sätze des Arztes höre ich noch wie heute: „…es ist bösartig, es muss schnellstens operiert werden. Ich mache einen Termin!“ Dann konnte ich nicht mehr zuhören, es rauschte in meinen Ohren. Ich lief aus der Praxis, lief weinend zu meinem Auto und fuhr nicht nach Hause, sondern zu meinem Bruder und seiner Frau. Sie beruhigten und trösteten mich, und danach fiel es mir leichter, alles meinem Mann zu sagen.

Es folgten Krankenhausaufenthalt – Entfernung des Tumors – Entlassung. Danach wieder Krankenhausaufenthalt – Hauttransplantation - und anschließend Reha.

Nach OP und Reha – Die Suche nach dem eigenen Weg

Zwei Tage vor Weihnachten kam ich wieder nach Hause. Ich saß in unserem neu renovierten Wohnzimmer, mein Mann hatte das während meiner Reha alles gemacht. Ich weinte und hatte Angst vor der Zukunft.

Es hat lange gedauert, bis ich mein Leben wieder in die Hand nehmen konnte. Ich begann damit, Informationen zu sammeln nach dem Motto: Was kann ich selber tun?

Ich hörte mit dem Rauchen auf, fing an, mich mehr zu bewegen, entdeckte das Radfahren für mich. Heute fahre ich bis zu 30 km am Tag, wenn es die Straßenverhältnisse zulassen.
Und ich informierte mich über sehr viele ergänzende Methoden. Ich bin heute felsenfest davon überzeugt, dass sie maßgeblich an meiner Gesundung beteiligt sind.

Anfangs waren mein Mann und ich ziemlich sprachlos. Wir wussten überhaupt nicht mit der Situation umzugehen. Mein Mann zog sich in den ersten Wochen sehr zurück. In der Zeit des ersten Krankenhausaufenthaltes war uns das noch nicht so bewusst. Als ich dann aber die ersten sechs Wochen zu Hause war und auf meinen Transplantationstermin wartete, wurde es für mich unerträglich. Ich war fast die ganze Zeit alleine, er konnte mit seiner Angst nicht in meiner Nähe sein und zog sich noch mehr zurück. Ich hielt es irgendwann nicht mehr aus und suchte das Gespräch. Ich sagte ihm sehr deutlich, wie sehr ich ihn brauchte. Wir sprachen lange miteinander und konnten so einen anderen Kurs für uns einschlagen. Es war eine prägende erfahrungsreiche Zeit in unserer Beziehung, die nun schon 26 Jahre hält. Solche Krisen sind eine echte Bewährungsprobe. Wir können heute ganz anders miteinander reden.

Meist erkundigten sich Freunde nur nach mir – nicht nach meinem Mann. Darunter litt er manchmal sehr. Es macht aber nur deutlich, wie ohnmächtig Menschen sich dieser Situation ausgeliefert fühlen, wenn sie mit so einer schweren Erkrankung konfrontiert sind.

Enorm wichtig waren während meiner Zeit der Gesundung, auch Karten und Briefe von Menschen, die sich nicht trauten, mich anzurufen oder mich zu besuchen. Sie schrieben mir oft sehr offen darüber, wie schwer es ihnen fiel, in dieser Situation mit mir umzugehen. Dann konnte ich irgendwann von mir aus, wenn mir danach war, den Kontakt wieder aufnehmen.

Hilfe von der Gesellschaft für Biologische Krebstherapie

Durch Zufall bekam ich im Jahre 1999 in Celle auf dem Kongress der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr (GfBK) einen Flyer in die Hand, in dem die Ausbildung zur psychoonkologischen Beraterin beschrieben war. Den steckte ich mir erst einmal ein, wie viele andere Materialien auch.

Mich faszinierte sehr, wie dieser Kongress auf mich als Patientin – und nicht als hauptamtliche Krankenschwester – gewirkt hat. Während meiner Erkrankung hatte ich sehr oft spüren müssen: Patienten dürfen keine eigenen Entscheidungen treffen. Von Teamwork, wie es die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt, keine Spur. Es ist auch heute noch schwierig, wenn ich als Patientin anderer Meinung bin als der behandelnde Arzt .Ich habe das während meiner gesamten Behandlungszeit leider so erfahren. Darum möchte ich jedem Betroffenen Mut machen, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und/oder zu widersprechen, wenn er oder sie mit irgendetwas nicht einverstanden ist - auch wenn Zeitdruck auf ihn ausgeübt wird.

Heute würde ich mir viele Dinge nicht mehr bieten lassen. Nur wenn ich selbst ein gutes, für mich stimmiges Gefühl habe, ist die Therapie auch gut für mich, und ich kann gesund und heil werden. Ich entschied mich dann irgendwann dazu, die Ausbildung zur Psychoonkologin zu machen. Die Dozenten setzten sich aus Allgemeinmedizinern, Onkologen, Psychologen und Heilpraktikern zusammen. Während dieser 200stündigen Ausbildung wurde uns unter anderem viel theoretisches Wissen bezüglich des Zusammenhanges von Krebserkrankung und Seele vermittelt.

Ich sang Mantras, malte, formte Skulpturen und tat vieles andere mehr. Ich spürte, wie gut mir diese vielen Selbsterfahrungen auch im Zusammenhang mit meiner Erkrankung taten. Dadurch wurde ich richtig gesund. Alle diese positiven Erfahrungen konnte ich jetzt in Form von Beratung an andere Menschen weitergeben.

Die Schulmedizin ist ganz sicher in der Krebstherapie oft unerlässlich. Viele andere ergänzende Therapien, Methoden und natürlich die Psychoonkologie können jedoch auch einen entscheidenden Einfluss auf die Heilung bei Krebs haben.

Während der Zeit der Gesundung profitierte ich sehr von den Kongressen der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr. Immer wieder konnte ich von den schriftlichen und telefonischen Informationsmöglichkeiten dieser Gesellschaft Gebrauch machen. Ich empfehle jedem Erkrankten, seinen Angehörigen, Freunden und sonstigen Interessierten, sich an diese unabhängige Gesellschaft zu wenden und/oder Mitglied zu werden.

Viele Menschen lernte ich dort kennen, die trotz schwerer Erkrankung gesund geworden sind. Sie wurden spontan geheilt, bekamen einen neuen Zugang zu ihrer Erkrankung und hatten so trotz allem eine gute Lebensqualität.

Niemand kann mir sagen, mit was ich zufrieden sein kann oder möchte. Den Weg durch die Krebserkrankung kann kein anderer für mich gehen. Nur ich selbst. Ich weiß wie schwer gerade die erste Zeit nach so einer Diagnose ist. Wie müde und mutlos man sich manchmal fühlt, weil man nicht weiß, wie es weiter geht, und ob man es schafft.

Es lohnt sich aber, immer aktiv an seiner Gesundung mit zu arbeiten und den Mut zu haben, zu widersprechen, wenn man mit Therapien nicht einverstanden ist. Es ist wichtig sich auch Begleitung und Unterstützung einzuholen, wenn man sie braucht.

Das Leben ist so schön, und es hält so viel für uns bereit. Ich darf mich trauen! Es gibt einen schönen Spruch von Friedrich Nietzsche: „Es gibt auf der Welt einen einzigen Weg, auf welchem niemand gehen kann, außer Dir: Wohin er führt? Frage nicht, gehe ihn."

Genauso wichtig ist für mich auch Teresa von Avila „Tue deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat darin zu wohnen!

Ich wünsche allen Betroffenen Kraft und Mut auf allen Wegen.

Iris Kamann (46), Wittingen
siehe auch www.projekt-mut-mach-buch.de

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