Gicht

Gicht

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, die überwiegend bei Männern auftritt. Sie ist charakterisiert durch Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken und dadurch ausgelöste schmerzhafte Anfälle entzündlicher Arthritis. Langfristig schädigt sie die Nieren. Gicht gilt als Wohlstandskrankheit und kann mit einer Lebensstiländerung gut in den Griff bekommen werden.

Einführung

Die “Krankheit der Wohlhabenden”: Der Zusammenhang von Gicht, Ernährung und Lebensweise wird schon seit Jahrhunderten klar gesehen. Gicht, Podagra oder Zipperlein – die verheerenden Schmerzanfälle und geschwollenen Gelenke, die mit der Erkrankung einhergehen, traten früher überwiegend bei Wohlhabenden auf, die sich eine üppige, fleischreiche Ernährung leisten konnten. Unter den zahlreichen prominenten Gichtpatienten der Medizingeschichte sind Ludwig XIV., Friedrich der Große, Goethe und Bismarck. Mit der zunehmenden Verbreitung ungesunder Ernährungsgewohnheiten in allen Bevölkerungsschichten hat sich auch das Auftreten der Gicht in westlichen Ländern “demokratisiert”.

Definition

Die Gicht-Symptome werden durch einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blut hervorgerufen, der zur Ablagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken und Geweben führt. Harnsäure entsteht im Körper als Stoffwechselprodukt beim Abbau von Purinen (als Bestandteile der Erbinformation sind Purine in allen Körperzellen und auch in vielen, vorwiegend tierischen Lebensmitteln enthalten).

Die Veranlagung zu einem erhöhten Harnsäurespiegel ist angeboren. Ob die Erkrankung ausbricht, hängt überwiegend mit der Ernährung zusammen. Purinreiche Lebensmittel scheinen dabei ebenso eine Rolle zu spielen wie der übermäßige Verzehr von Kohlenhydraten und Alkohol.

95 Prozent der Erkrankten sind männlich. Die Prävalenz der Erkrankung bei den Frauen erhöht sich nach der Menopause.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt in der Regel anhand der Symptome eines akuten Gichtanfalls: Stark geschwollene, schmerzende Gelenke und ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut. Besonders häufig betroffen ist das Großzehengrundgelenk, weiterhin Knie-, Finger- und Ellenbogengelenke. Bestehen Zweifel an der Ursache der Gelenkentzündung, kann Gelenkflüssigkeit abgenommen und auf Vorhandensein der charakteristischen Harnsäurekristalle untersucht werden.

Die Grunderkrankung ist die Hyperurikämie – ein Anstieg des Harnsäurespiegels dauerhaft auf über 6,5 mg/dl. Als Gicht wird die Gelenkentzündung bezeichnet, die auf Grund der Harnsäurekristalle auftritt.

Eine Neigung zu Gicht kann vom Hausarzt auch ohne Gelenksymptomatik bereits durch Messung des Harnsäurespiegels im Blut festgestellt werden. Allerdings entwickelt sich nicht aus jeder Hyperurikämie zwangsläufig eine Gicht.

Symptome

Betroffene Gelenke zeigen bei Gicht Symptome einer akuten entzündlichen Arthritis: Das vom Gichtanfall betroffene Gelenk schwillt an, wird hochrot, heiß und schmerzt unerträglich. Begleitend können ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber bis 39 °C und beschleunigter Puls auftreten. Typischerweise setzt der Schmerz nachts ein. Anfälle können unbehandelt mehrere Tage andauern, wobei die Schmerzhöhepunkte weiterhin nachts auftreten.

Ein Gichtanfall ist ein Warnzeichen – bis zum nächsten können in der Anfangsphase der Erkrankung viele Monate vergehen. Wer jetzt mit der Behandlung der Hyperurikämie beginnt und seine Ernährung ändert, hat gute Chancen, weitere Schübe zu vermeiden. Wird die Erkrankung chronisch, drohen häufigere Anfälle, die allmählich die Gelenke zerstören. Symptome der chronischen Gicht sind weiterhin die sogenannten Gichtknoten: Harnsäureablagerungen im Gewebe, etwa an Ohrknorpeln, Nasenflügeln und Augenlidern.

Eine Spätkomplikation der chronischen Gicht ist eine Nierenschädigung durch Harnsäuresteine oder Harnsäureablagerungen.

Ursachen

Ursachen Gicht

Wie bereits beschrieben ist die Ursache der Gicht ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut, für den wiederum eine Kombination von erblichen Faktoren, Ernährungsgewohnheiten, oft auch weiteren Erkrankungen verantwortlich ist. In etwa 75 Prozent der Fälle tritt Gicht zusammen mit dem Metabolischen Syndrom auf – einer Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten.

Der erhöhte Harnsäurespiegel ist in der überwiegenden Zahl der Fälle auf eine Störung der Harnsäureausscheidung durch die Niere zurückzuführen. Nur in etwa 10 Prozent der Fälle ist ein Stoffwechseldefekt verantwortlich, der zu einer Überproduktion von Harnsäure führt.

Bedeutsam ist auch der Zusammenhang zwischen Harnsäure, Kohlenhydraten und Alkohol: Zucker (insbesondere Fruktose) und Alkohol erhöhen über verschiedene Stoffwechsel-Umwege ebenfalls den Harnsäurespiegel.

Bei bereits bestehender Hyperurikämie kann eine weitere Erhöhung des Harnsäurespiegels einen Gichtanfall triggern. Sie tritt nach besonders üppigem, purinreichem Essen auf, aber auch, wenn massiv Körpergewebe abgebaut wird: Bei radikalen Diäten, nach schweren Verletzungen oder chirurgischen Eingriffen, während einer Chemotherapie oder bei Blutkrankheiten mit erhöhtem Abbau von Blutzellen.

Harnsäure kristallisiert bevorzugt bei niedrigeren Temperaturen – daher kann auch Unterkühlung einen Gichtschub auslösen.

Naturheilkundliche Sicht

Hausmittel und Naturheilmittel gegen Gicht können die Symptome einer Gicht lindern und den Genesungsprozess unterstützen, aber nicht die Ursachen der Erkrankung bekämpfen: Dafür ist eine konsequente Ernährungsumstellung der beste Weg.

Die Schmerzen eines Gichtanfalls können durch kalte Umschläge oder Eispackungen (bitte niemals direkt auf die Haut!) gelindert werden. Kälte ist ein recht bewährtes Hausmittel gegen Gicht, da sie die Entzündungsreaktion bremst – wenn sie auch tendenziell die Bildung von Harnsäurekristallen begünstigt.

Homöopathische Schmerzmittel (Colocynthis, Mezereum oder Ranunculus bulbosus) können helfen. Naturheilmittel gegen Gicht, die die Entzündung in den Gelenken bekämpfen, sind Salix- (Weidenrinde) und Colchicum-Präparate (Herbstzeitlose).

Weitere wichtige Heilpflanzen im Zusammenhang mit Gicht sind Betula (Birke) und Urtica dioica (Brennnessel). Beide wirken entsäuernd: Regelmäßige Kuren mit der homöopathischen Urtinktur oder einem Frischpflanzenpresssaft beugen Gichtanfällen vor.

Gerade der Brennnessel kommt als Naturheilmittel gegen Gicht eine besondere Bedeutung zu. Sie unterstützt die Nieren und fördert die Ausleitung. „Auf der Körperebene häufen sich aufgrund einer Fehlernährung (üppig, eiweißreich) Schlacken (stickstoffhaltige Abbauprodukte, Harnsäure) im Blut an, und es kommt dadurch zu einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit (rheumatische und gichtartige Beschwerden). Hier hilft die Brennnessel mit ihrer Aggression, indem sie die Möglichkeit schafft, erstarrte Strukturen in Seele und Körper dynamisch aufzubrechen. Aufgrund ihres Eisengehaltes besitzt sie eine spezifische Beziehung zum Blut. Es ist die ins Blut getragene Aggression, die den Organismus von den alten, unbrauchbaren Stoffen befreit. Bei keiner anderen Pflanze ist der alte Begriff „Blutreinigung“ derart zutreffend wie bei der Brennnessel.“ (Auszug aus Kalbermatten: Wesen und Signatur der Heilpflanzen)

Dr. Scheel zum Thema Lymphdrainage bei Gicht: "Auch Lymphdrainage und die Lymphreflexzonenmassage können den Körper in vielen Fällen unterstützen, die Gift- und Schlackenstoffe selbst loszuwerden, die sich an problematischen Stellen angelagert haben". Dazu massieren Sie die Zwischenräumen zwischen dem Fingeransatz – die „Schwimmhäute“ – mit kreisenden Bewegungen von der Handmitte in Richtung Fingerspitzen. Die Massage für alle 8 Fingerzwischenräume mehrmals täglich wiederholen. Dadurch wird das Lymphsystem angeregt.

Ernährung

Die Rolle, die die Ernährung bei Gicht spielt, ist kaum zu überschätzen. Der Schwerpunkt liegt auf einer Ernährungsumstellung hin zu einer purinarmen und dem tatsächlichen Energiebedarf angemessenen Kost.

Purinreiche Lebensmittel sind Fleisch, hier vor allem Innereien, Meeresfrüchte, Fisch und Hülsenfrüchte. Generell sollten bei Gicht nicht mehr als 300 mg Purine täglich aufgenommen werden. Der Puringehalt von Lebensmitteln lässt sich speziellen Tabellen entnehmen.

Absolut meiden sollten Sie Fleisch- und Hefeextrakte, Innereien, Anchovis, Hering, Makrele, geräucherte Sprotten und Ölsardinen. Große Zurückhaltung ist auch bei Alkohol geboten – er hebt den Harnsäurespiegel. Doppelt kritisch ist Bier, da es wegen seines Hefegehalts auch purinreich ist.

Die Komorbidität mit dem Metabolischen Syndrom bedeutet, dass Ernährungsstrategien, die Blutzucker, Blutfette und Übergewicht reduzieren (letzteres behutsam, da Radikaldiäten Gichtanfälle auslösen können), auch die Gicht günstig beeinflussen.

Anja Müller-Hesse zum Thema Ernährung bei Gicht:  „Die Gewichtsreduktion an sich ist ein wichtiger Faktor bei Gicht zur Behandlung der Hyperurikämie. Allein durch die Normalisierung des Körpergewichts lässt sich oft die Harnsäurekonzentration im Blut senken. Eine kalorienreduzierte Mischkost verbunden mit vermehrter körperlicher Bewegung führt zum gewünschten Ziel. Auch die Zubereitungsweise von Lebensmitteln beeinflusst den Harnsäurespiegel im Körper. Zum Beispiel erhöhen gelagerte Fleisch- und Fischprodukte den Harnsäurespiegel mehr als frische Ware. Auch ist Kochen besser als Braten, weil durchs Kochen ein Teil der Purine ins Kochwasser gelöst werden. Diese Vorgehensweise ergibt immerhin einen um 10-20 % erniedrigten Puringehalt im essfertigen Nahrungsmittel (vorausgesetzt, das Kochwasser wird nicht zur Speisenzubereitung benutzt).“

Außerdem sollten Sie reichlich trinken, um die Harnsäureausscheidung zu fördern: Täglich zwei bis drei Liter Flüssigkeit sind zu empfehlen – natürlich nicht in Form zuckerreicher Getränke.

Psychosomatik

Der Psychotherapeut und Mediziner Dr. Rüdiger Dahlke weist auf psychosomatische Aspekte der Gicht hin. Die Harnsäure als aggressive Substanz sei ein Hinweis auf ein “Abfallbeseitigungsproblem” im Bereich Aggressionen: Im Blutkreislauf wie in der Psyche staut sich aggressive Energie, die zunächst im Kleinen (in den kleinen Gelenken), später auch im Großen (im Knie oder in der Schulter) zu schmerzhaften Konflikten führt. Harnsäurekristalle sind nach Dahlke “ungelöste Knoten aus Sauerkeit”, “Ausdruck einer verfestigten Kampfenergie”. Besser wäre es – auch für den Stoffwechsel – Konflikte zu bearbeiten und sich mit der eigenen Aggressivität bewusst auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass vor allem Männer an erhöhtem Harnsäurespiegel und Gicht leiden – Aggression ist aus sozialen wie biologischen Gründen in erster Linie eine männliche Eigenschaft.

Im Sinne der Psychosomatik erlöst das klare Bewusstsein und der ungehemmte Ausdruck der eigenen Lebensbedürfnisse den Körper von der Notwendigkeit, seelische Probleme in Form körperlicher Symptome zu “kristallisieren”. Im Fall von Hyperurikämie und Gicht bedeutet das konstruktives Ausagieren von Wut und Aggression: ungelebte Konflikte bearbeiten, “Knoten” bewusst machen und kämpferisch in Angriff nehmen.

Zu den seelischen Hintergründen von Hyperurikämie und Gicht ergänzt Anja Müller-Hesse: „Lise Bourbeau sagt dazu: 'Ist der große Zeh an Gicht erkrankt, so versucht die betreffende Person ihre Mitmenschen zu lenken, gesteht sich das jedoch nicht ein. Sie scheint auf den ersten Blick daher gar nicht dominant zu sein, doch manipuliert sie die anderen auf Umwegen. Diese Erkrankung deutet auf mangelnde Flexibilität, ja Sturheit bezüglich der eigenen Zukunft hin. Außerdem ist sie ein Zeichen der Abscheu gegen etwas oder jemanden. Die Gicht als eine Form des Rheumas sagt Dir, dass Du loslassen und versuchen solltest, mehr Du selbst zu sein, und Dir zu erlauben, manchmal die Kontrolle direkt übernehmen zu wollen, anstatt dies auf Umwegen zu tun. Du wirst feststellen, dass Deine Zukunftsängste nicht unbedingt begründet sind, und wirst lernen, Dich den anderen besser mitzuteilen.'“

Louise Hay empfiehlt die Affirmation: „Ich bin sicher und geborgen. Ich bin im Frieden mit mir selbst und mit anderen."

Literatur

  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch
  • Eva Marbach: Gesundheitsratgeber Gicht: Gicht mit Naturheilkunde und Schulmedizin erfolgreich behandeln
  • Robert Kopf: Diabetes, Rheuma, Gicht - Behandlung mit Naturheilkunde, Homöopathie, Schüsslersalzen, Pflanzenheilkunde und Akupressur: Ein naturheilkundlicher, homöopathischer und pflanzlicher Ratgeber
  • Roger Kalbermatten: Wesen und Signatur der Heilpflanzen
  • Ruediger Dahlke, Thorwald Dethlefsen: Krankheit als Weg
  • Louise L. Hay: Heile deinen Körper
  • Lise Bourbeau: Dein Körper sagt: Liebe dich!: Die metaphysische Bedeutung von über 500 Gesundheitsproblemen mit ihren emotionalen, mentalen und spirituellen Ursachen
ergänzt und kommentiert von:
Dr. med. Wolfgang Scheel, aus Steinheim an der Murr
Anja Müller-Hesse, aus Köln

Online-Redaktion

Kommentare

NaturKathi aus Düsseldorf, 05.02.2015:
Ich bin Mutter von vier Kindern, und ernähre unsere Familie mit frischem Obst und Gemüse. Das ist schmackhaft und gesund zugleich. Nicht zu unterschätzen sind hierbei die pflanzlichen Wirkstoffe der Lebensmittel. So nutze ich beispielsweise seit Jahren die hanrsäuresenkende Wirkung von Montmorency Sauerkirschen, um damit meine Gicht Schübe zu reduzieren. Sehr angenehmer Nebeneffekt ist, dass ich durch den hohen Melatonin Gehalt in der Montmorency Sauerkirsche, sehr gut schlafe. Dies trägt dann gleichzeit für einen gesunden Zellstoffwechsel bei. So habe ich mit Verzehr von Montmorency Sauerkirschen, welche ich als Konzentrat täglich verdünnt einnehme, gleich meine Schlafstörungen mitbehandelt. Wer sich hierfür interessiert, es gibt ein Konzentrat, dass aus der Montmorency.Kirsche gewonnen wird. [...]
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