INTERVIEWSERIE

Ganzheitlich nachgefragt

Im Gespräch mit Astrid von FriesenIntegrative Gestalt-, Paar- und Trauma-Therapeutin

Online-Therapie bei Psychologin Astrid von Friesen

Astrid von Friesen gehört zu den außergewöhnlich klugen Expertinnen für gelingende, gleichberechtigte Beziehungen. Als Feministin engagierte sie sich in den 1970 und 80er Jahren für die Rechte der Frauen. Doch erkannte dabei, dass die feminisierte Genderbewegung zu einem Geschlechterkampf mit massiven Partnerschaftsproblemen und einem neuen, emotionalen Ungleichgewicht in den Beziehungen führte. Diese für den Zeitgeist unbequeme Sichtweise teilte sie mutig in deutschlandweiten Seminaren, Büchern und Publikationen. Als Therapeutin und Erziehungswissenschaftlerin unterstützt sie ihre Patienten dabei, zeitgemäße, werteorientierte Paar- und Familienmodelle zu entwickeln und bietet zudem tiefgehende Hilfe bei allen psychisch-seelischen Belastungen.

Über Astrid von Friesen

Astrid v. Friesen ist seit 1997 Integrative Gestalt-, Paar- und Trauma-Therapeutin (HPG) mit Praxen in Freiberg & Dresden. Bereits während ihres Studiums der Erziehungswissenschaften, Psychologie, Soziologie in Hamburg interessierte sie, wie sich Menschen als soziale Gruppenwesen verhalten. Durch Erfahrungen ihrer Familie mit Flucht und Vertreibung untersuchte sie, als eine der ersten deutschen Autorinnen, das Phänomen der transgenerationellen Trauma-Weitergabe und entwickelte eigenständige Lösungsansätze. Ihre Erkenntnisse veröffentlichte sie in zahlreichen Büchern und war vielfach zu kulturpolitischen Talkshows eingeladen, hatte zwei Jahre lang eine pädagogische Beratungs-Sendung im MDR und kommentiert im Deutschlandradio Kultur.

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Liebe Frau von Friesen, Sie sind seit über 20 Jahren auf Paar- und Beziehungsprobleme sowie in der Trauer- und Traumatherapie spezialisiert. Wann sollte man sich Hilfe bei emotionalen, psychischen oder seelischen Problemen holen?

„Die Menschen neigen heutzutage dazu, sich in vielen Lebenssituationen schnell Unterstützung zu verschaffen. In unserer Gesellschaft, wo Selbstoptimierung das A und O ist, gibt es ungezählte Hilfsmöglichkeiten in allen Lebenslagen. Doch bei psychotherapeutischen Problemlagen trauen sich die meisten leider oftmals erst viel zu spät, professionelle Hilfe anzufragen.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Depressive und Süchtige oftmals drei bis sieben Jahre zu spät Hilfe bekommen. Bei Eheproblemen quälen sich die Menschen und ihre Mitmenschen ebenfalls mehrere Jahre zu lang. Doch je chronifizierter eine Schieflage ist, desto langwieriger dauern die herbeigesehnten Veränderungen.

Deswegen ist die goldene Regel: Wenn die Hilfe von Freunden oder niederschwelligen Beratungsangeboten nicht ausreicht, sollte man sich professionelle psychotherapeutische Unterstützung suchen.“

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Gibt es klassische Frühwarnsymptome, erste Anzeichen oder Alarmsignale?

„Ja, die gibt es tatsächlich. Wenn man sich selbst bzw. mit dem Partner im Kreis dreht oder wenn sich ein Problem ständig wiederholt, obwohl man sich anstrengt, es diesmal besser zu machen. Auch können körperliche Schmerzen (bitte erst medizinisch abklären!), ein Hinweis sein, dass die Seele schmerzt.

Eine psychologische Begleitung oder eine Therapie sind sinnvoll, wenn eine Problematik sich derart chronifiziert hat, dass Sie nicht mehr in der Lage sind, aus einem festgefahrenen Konstrukt herauszukommen.

Das können psychosomatische Probleme sein, obsessive Gedanken, Grübeleien, Zwänge. Das können wiederholte Beziehungs-, Arbeits- oder Lernprobleme sein. Auch akute Störungen, wie posttraumatische Belastungsstörungen nach Unfällen, Krankheit, Tod von nahestehenden Menschen, Arbeitsunfällen oder Arbeitsverlust. Also alles, was das Leben einschränkt.

Bei all diesen Anzeichen sollte man sich die Freiheit nehmen, sich selbst in die Seele hineinzuschauen und persönlich oder online einen Therapeuten ansprechen. Das ist eine große Chance, die man für sich nutzen sollte, denn dies gibt es keineswegs in jedem Land auf dieser Erde.“

Welche körperlichen Beschwerden können ein Hinweis für psychische Probleme sein?

„Viele Erkrankungen wie Kopfschmerzen, Hautprobleme, Allergien, Rückenschmerzen bis hin zu  Herzbeschwerden können psychosomatische Anteile haben bzw. als Folge von Erkrankungen auftreten. Stresssymptome natürlich ebenso. Wir sind ja eine Einheit von Körper, Geist und Seele. Mediziner legen stärker den Blick auf den Körper. Therapeuten, vor allem Gestalttherapeuten wie ich, betrachten alle drei Ebenen.“

Wie können sich psychische Stresssymptome zeigen?

„Stresssymptome können sehr vielfältig sein: Von Herzrasen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, aggressivem Verhalten, sexueller Unlust, Suchtverhalten, Depressivität bis hin zu Suizidgedanken.“

Wie läuft so eine Beratung oder Online-Therapie bei Ihnen ab?

„Der Therapeut stellt zuerst Fragen zur Lebenssituation, den Umständen, zu den Symptomen und wann diese erstmalig aufgetreten sind. Der Patient darf erzählen.

Dann beginnt ein vertieftes Forschen: Der Patient wird durch Fragen angeregt, sich selbst zu reflektieren und sich damit selbst „auf die Schliche“ zu kommen, um die Gefühle erneut zu erspüren, aber sie anders einzuordnen und zu deuten.

„Psychotherapie ist Detektivarbeit an sich selbst“
[Astrid von Friesen]

Das ist die eigentliche Arbeit bei einer Therapie. Ich muss mich, meine eigenen Muster erkennen. Sigmund Freud beschreibt es als „Wiederholungszwänge“, die unser Leben bestimmen. Wann genau komme ich immer wieder in die gleiche desolate Situation? Warum kann ich mich nicht angemessen verteidigen oder schützen? Warum suche ich immer den falschen Partnertyp, obwohl meine Freunde mich warnen? Warum mache ich immer wieder die gleichen Fehler?“

Kann ich diese psychologische Detektivarbeit nicht auch allein machen?

„Ja, das können Sie selbstverständlich. Und der normale Mensch tut dies auch. Das gehört zu unserem Menschsein dazu, sich selbst kritisch zu befragen. Doch wenn ich entdecke, dass ich aus ungünstigen Wiederholungsschleifen alleine nicht herausfinde, dann ist es sinnvoll Hilfe zu nutzen. Um etwas Neues zu wagen, muss ich meine alten Erfahrungsmuster und Selbst-Beurteilungsmuster, die ich oftmals seit der Kindheit mit mir herumtrage, ablegen. 

Die meisten psychischen Belastungen entstehen aus krankmachenden Lebensumständen. Sie sind Folgen früherer Beziehungsstörungen zu den Eltern oder Lehrern, aber auch durch schwierige, einschränkende Arbeits- und Lebensumstände. Es können seelische Verletzungen oder Kränkungen, Vernachlässigungen, Drohungen, Mobbing bis hin zu Gewalterfahrungen und extremen Ohnmachtsgefühlen eine Rolle spielen.

Die Frage ist dann: Habe ich genügend Kraft, Mut und Durchhaltewillen mich mit diesen Erfahrungen und Mustern, die mich blockieren, ganz allein auseinanderzusetzen? Oder wäre es hilfreicher, mir Beistand zu holen?“

Wie lange dauert eine erfolgreiche Therapie?

„Das kann man vorher nie genau sagen. Selbstveränderung ist ein langer Prozess. Alte Handlungsmuster zu verändern und neue zu erlernen, kann mühsam sein. Bei manchen genügen wenige Gespräche, doch oftmals dauert es mehrere Wochen, Monate, manchmal sogar Jahre. Es ist wie beim Klavierspielen oder beim Erlernen einer neuen Sportart.

Und: Je früher die Störung sich im Kindesalter entwickelt hat, umso länger dauert es in der Regel, sie zu verändern.

Wichtig ist auch, welche „emotionale Sprache“ ich von meinen Eltern gelernt habe. Wie unsere Muttersprache ist diese tief in uns verankert; nämlich wie wir emotional mit unseren Mitmenschen umgehen, wie wir streiten und Konflikte lösen, ob wir fremdenfreundlich oder fremdenfeindlich, arrogant oder empathisch, ob wir zärtlich sind oder Angst vor zu viel Nähe haben. Wir müssen hart an uns arbeiten, um diese zu verändern.“

Sie bieten neben der klassischen Praxistherapie in Dresden und Freiberg auch Onlinetherapie an. Was sind die Vor-und Nachteile von einer Onlineberatung bzw. Telefonberatung?

„Die Onlineberatung ist etwas Fabelhaftes, da durch dieses Setting emotionale Hürden leichter überwunden werden können. Dadurch können sich Menschen frühzeitiger Hilfe suchen. Je früher, desto besser.“
[Astrid von Friesen]

„Die Onlineberatung bietet sehr viele Vorteile. Man bekommt schnell Hilfe, denn es gibt keine monatelangen Wartefristen, wie in normalen therapeutischen Präsenzpraxen.

Sie können auf Wunsch anonym bleiben – ähnlich wie bei der Telefonseelsorge. Man muss sich zwar vorher registrieren, doch man muss sein Gesicht nicht zeigen. Das erleichtert es vielen, Hilfe zu suchen, besonders auch Männern. Sie leiden oft viel zu lange versteckt, im Stillen, ohne Unterstützung.

Die Stimme zeigt außerdem intimere Aspekte als unser Gesicht, welches wir gelernt haben zu kontrollieren. An der Stimme lässt sich sofort die Stimmung erkennen. Es entsteht sehr schnell eine vertrauensvolle Situation. Manche Menschen können sogar nur am Telefon beraten werden, da sie sich nur hier öffnen.

Die Onlinetherapie hat auch den Vorteil, dass Sie nirgendwo hingehen müssen. Kein Dritter bekommt es mit. Außerdem entfallen Fahrzeiten und z.B. längere Kinderbetreuung, denn Sie brauchen sich nur für diese eine verabredete Stunde zurückzuziehen.“

Gibt es Themen, die besser nicht online bearbeitet werden sollten?

„Ja, die gibt es. Sehr schwere Persönlichkeitsstörungen sollte man ausschließlich im direkten, persönlichen Kontakt bearbeiten. Auch Traumatherapie würde ich nicht am Telefon machen.“

Wenn ich zeitnah eine Entscheidung bei Problemen oder Fragestellungen brauche oder schnell erste Hilfe bei Konflikten wünsche, wie gehe ich dann vor?

„Das ist ganz einfach. Sie registrieren sich über die Buchungsseite und wählen die für Sie beste Option aus.“

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Herzlichen Dank für Ihre hilfreichen Antworten!

Ihre Redaktion Naturheilmagazin

Das Interview wurde im Juni 2019 geführt – veröffentlicht im Februar 2020.


Weiterführende Links:

Zum Thema Trauer

Zum Thema Trennung

Zur Online-Therapie

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