Mehr Gesundheit durch digitale Selbstkontrolle?

Mehr Gesundheit durch digitale Selbstkontrolle?

Immer mehr Menschen setzen bei der Kontrolle und Verbesserung ihrer Gesundheit und Fitness auf Gesundheits-Apps. So hilfreich die elektronischen Helfer z.B. bei der Medikamenteneinnahme sein können, bergen sie doch gewisse Risiken. Wir zeigen Ihnen die Chancen und Risiken.

(Bildquelle: fotolia.com  © YakobchukOlena)

Einführung

Die Digitalisierung hat uns nicht nur hochkarätige Kameras und kurzweilige Handyspiele gebracht, sondern auch eine geradezu gigantische Schwemme elektronischer Helferlein, die sich nur mit unserer Gesundheit befassen: Schrittzähler, Kalorienwächter bis hin zur Schlafkontrolle und der minutiösen Vitaldatenüberwachung nutzen die multiple Sensorik von Smartphones, um es deren Besitzern zu ermöglichen, ein genaueres Bild ihrer Gesundheit zu erstellen. In diesem Artikel geht es nicht nur um solche Apps an und für sich, sondern auch um die Probleme und Chancen, die sie mit sich bringen.

Selbstüberwachung: die Chancen

Dabei sollen zunächst einmal die großmaßstäblichen Chancen dieser „elektronischen Gesundheit“ genannt werden. Denn sie sind in der Tat mannigfaltig.

Die eigentliche Erkenntnis

Eigentlich ist der menschliche Organismus mit einem recht guten Meldesystem ausgestattet: Wenn uns etwas nicht guttut, merken wir es in der Regel ziemlich schnell. Allerdings ist dieses System keineswegs perfekt. So wissen die meisten Menschen zwar, welche Probleme Übergewicht allein im Herz-Kreislaufsystem anrichten kann, doch vielen ist das Gespür dafür abhandengekommen, was gut ist und was nicht: Ist der Bacon-Cheeseburger noch okay oder ist er vielleicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt?

Genau hier greifen die Apps ein. Sie geben ihren Benutzern wieder eine viel größere Aufmerksamkeit für die Probleme der Gesundheit. Wer etwa eine Kalorienzähler-App benutzt, um bei diesem Beispiel zu bleiben, der tut mehr, als einfach nur Buch zu führen. Er bekommt ein klar definiertes Bild, dem er sich nicht entziehen kann. Wer eine Schrittzähler-App verwendet, hat immer einen Überblick über seinen Bewegungsumfang. Und das ist oftmals nicht nur ein Lösungsansatz, sondern zugleich der Auslöser für ein bewussteres Leben. So mancher, der sich als „bewegter Mensch“ wähnte, vielleicht nur aus Interesse den Schrittzähler installierte, bekam erst dadurch gezeigt, dass er eigentlich viel zu wenig tut.

Ein verbessertes Körpergefühl

Einher mit dieser Erkenntnis geht auch wieder ein verbessertes Körpergefühl. Die App setzt dort an, wo unsere eigenen Sinne enden, aber sie schult diese eben auch: Wer einige Monate lang einen Kalorienzähler nutzte, der bekommt ganz automatisch wieder ein ziemlich gutes Gefühl dafür, was seinen Körper mit wie vielen Kalorien belastet. Hier werden Apps also zu einer Art Lehrmeister für das Körpergefühl.

Mit der passenden App lässt sich die Einnahme auch großer Medikamentenmengen rigoros timen und überwachen. (Bildquelle: fotolia.com © creativefamily)
Mit der passenden App lässt sich die Einnahme auch großer Medikamentenmengen rigoros timen und überwachen. (Bildquelle: fotolia.com © creativefamily)

Vergessen unmöglich

Man kennt sie aus dem Krankenhaus und vielen Seniorenhaushalten: Diese kleinen transparenten Tablettenboxen, genannt Dispenser, mit den Markierungen „Morgen, Mittag, Abend, Nacht“. Für jemanden, der über einen langen Zeitraum Medikamente nehmen muss, sind solche Systeme gut geeignet. Doch was ist mit „Normalpatienten“? Wenn der Arzt ein Antibiotikum verschrieben hat? Vielleicht eine Jugendliche, die zum ersten Mal die Pille verschrieben bekam? Also Personen, die noch keine „Tablettenroutine“ entwickelten. Auch hier können Apps helfen: Sie können so genau eingestellt werden, dass sie sich minutengenau melden und vermelden, welches Mittel genommen werden muss – die vielleicht effektivste Erinnerung von allen.  

Vereinfachte Behandlung

Viele Gesundheits-Apps sammeln gezielt bestimmte Daten. Der vielleicht positivste Aspekt dieser Tatsache ist folgender: Man geht zum Arzt. Und naturgemäß stellt der Mediziner Fragen, um sich ein möglichst genaues Bild für seine Diagnose machen zu können:

  • „Wann trat das zum ersten Mal auf?“
  • „Wie ernähren Sie sich?“
  • „Wie viel Bewegung haben Sie regelmäßig?“
  • „Wie würden Sie Ihren Schlaf beschreiben?“
  • „Wie ist es um Ihre Kondition bestellt?“

Alles alltägliche Hausarzt-Fragen. Mit entsprechenden Apps kann sie jeder in aller Ausgiebigkeit beantworten, statt auf die herumgedruckste „Ähm, seit etwa zwei Wochen … glaube ich“-Weise. Je erschöpfender die Daten, desto besser können Mediziner behandeln. Und genau das liefern die Apps.

Wissensvermehrung

Wüssten Sie auf Anhieb, welchen Body-Mass-Index Sie haben? Wissen Nicht-Mediziner sofort, was genau sie im Rücken zwackt? Bei diesen und ähnlichen Fragen lautet die Antwort meist nein. Und exakt dieses Unwissen führt zu mehreren Problemen: Entweder werden Krankheiten nicht erkannt oder durch Laienmeinung falsch interpretiert – ersteres schmälert schlimmstenfalls Heilungschancen, letzteres hingegen füllt die Wartezimmer mit Menschen, die keinen Mediziner, sondern vielleicht nur ein heißes Bad oder eine Diät benötigen.

Zugegeben: Wie später noch zu lesen sein wird, ist auch bei den Apps nicht alles Gold was glänzt, speziell weil medizinische Diagnosen nur von Profis gestellt werden sollten. Aber auch wenn professionell erstellte Programme wie die Apotheken-App der Apotheken Rundschau oder von Versicherern angebotene Krankheitsbild-Lexika niemals den Gang zum Fachmann ersetzen sollten, können diese Programme viel Vorarbeit leisten, die das eigene Wissen in die richtigen Bahnen lenkt und einem somit selbst mehr Knowhow über seine eigene Gesundheit gibt. 

Selbstüberwachung: die Möglichkeiten

Die generellen Vorteile der kleinen Helferlein auf dem Smartphone wurden erläutert. Doch wie zeigen die Apps sich in der Praxis? Oder anders ausgedrückt: Was gibt es denn eigentlich für Möglichkeiten? Auf diese Fragen geht das folgende Kapitel ein.

Personal-Trainer

Wer Sport um der Fitness willen machen will, der hat normalerweise zwei Optionen. Die erste lautet, buchstäbliche Unsummen für einen persönlichen Trainer auszugeben, der einem nicht nur einen Arbeitsplan erstellt, sondern einen auch bei dessen Ausübung lückenlos überwacht und – ganz wichtig – auch motiviert. Die zweite wäre ein Fitnessstudio-Angestellter mit mehr oder weniger professionellem Background, der ebenfalls einen Plan erstellt, sich nebenbei aber noch um dutzende andere Sportler kümmern muss. Die erste Lösung ist teuer, die zweite wenig(er) effektiv.

Trainings-Apps, von denen es mittlerweile eine ganze Menge gibt, sind die goldene Mitte für die Masse derer, die nicht das Geld für einen menschlichen Fulltime-Trainer haben. Sie überwachen nicht nur, sondern erklären Bewegungen und Abläufe, speichern Profile und können sogar antreiben. Eben alles, was auch ein Profi tun würde, der neben einem steht – allerdings für wesentlich weniger Geld.

Alles im Blick: Durch ihre umfangreiche Sensorik können Smartphones durchaus Trainer aus Fleisch und Blut ersetzen und somit Kosten sparen. (fotolia.com © Andrey Popov)
Alles im Blick: Durch ihre umfangreiche Sensorik können Smartphones durchaus Trainer aus Fleisch und Blut ersetzen und somit Kosten sparen. (fotolia.com © Andrey Popov)

Vitaldatenüberwacher

Vor allem High-End-Smartphones sind heutzutage echte Sensorenpakete, perfekt noch ergänzt durch sogenannte Wearables – also tragbare Zusatzgeräte wie etwa eine Smartwatch. Und genau diesen Umstand machen sich entsprechende Apps zunutze: Über den Fingerabdruck-Sensor können sie Blutdruck und Puls messen. Über die Lagesensoren bekommen sie mit, wann und wie der Träger sich bewegt. Teilweise können die Geräte sogar die Körpertemperatur messen.

Und selbst dort, wo die Smartphone-Weisheit an ihrem Ende angelangt ist, knüpfen so manche Hersteller medizinischer Geräte an und bieten die Möglichkeit, ihre Geräte mit dem Handy und einer speziellen App zu vernetzen. Diabetes-Patienten können so beispielsweise ein lückenloses Blutzuckertagebuch führen. Gerade hier zeigt sich, welche Bedeutung seriöse Programme künftig für Ärzte noch bekommen können, indem sie die sauber protokollierten Vitaldaten frei Haus liefern – ohne dass Patienten irgendwelche zusätzlichen Sensoren tragen müssten.

Sleep-Tracker

Schlaf ist, das weiß die Medizin heute, ungleich mehr als nur ein reiner Erholungsmodus des Körpers. Von gutem Schlaf hängen unzählige Körperfunktionen ab, angefangen beim Hormonhaushalt bis hin zum Stresslevel.

Dem entgegen steht jedoch, dass in der heutigen Zeit viele extrem weit weg von „natürlichem Schlaf“ sind. Weder gehen sie dann zu Bett, wenn ihr Körper es wirklich braucht, noch schlafen sie lange genug – beides wird dadurch verkompliziert, dass jeder Mensch andere Bedürfnisse hat. Auch hier kommt die Lösung in Form von Sleep-Tracker Apps, welche Daten erheben, analysieren und sogar interpretieren können und somit genau diese Probleme angehen:

  • Erinnerung an die richtige Zubettgeh-Zeit (weil es am optimalsten ist, an wirklich jedem Tag zur gleichen Zeit schlafen zu gehen)
  • Erleichterung des Einschlafens, etwa durch „natürliche“ Beleuchtung oder das Abspielen beruhigender Melodien
  • Überwachen des Schlafs an sich über die Bewegungssensoren und Geräuschmessungen (Stichwort Schlafapnoe)
  • Einleiten des Aufwachvorgangs entweder über eine voreingestellte Zeit oder in einer Phase, in der das Erwachen durch die jeweilige Schlafphase für den Körper am wenigsten belastend ist.

Manche Apps bieten darüber hinaus noch weiterführende Funktionen an, erstellen Schlafprotokolle oder ermöglichen das Führen von Traumtagebüchern. Doch schon in der Grundfunktion lassen sich viele Dinge ausführen, die bislang nur in Schlaflaboren möglich waren. Und insbesondere ob der Tatsache, dass unser Leben sowieso immer „schlafloser“ wird, sind solche Sleep-Tracker die vielleicht breitentauglichsten Gesundheits-Apps.  

Notfall- und Ersthilfe-Apps

Die wenigsten wissen im Notfall wirklich, was zu tun ist. Apps können hier den kühlen Kopf ersetzen und Anleitungen geben.(Bildquelle: fotolia.com © spkphotostock)
Die wenigsten wissen im Notfall wirklich, was zu tun ist. Apps können hier den kühlen Kopf ersetzen und Anleitungen geben.(Bildquelle: fotolia.com © spkphotostock)

Die wenigsten Menschen wissen, wie sie sich in Notfällen verhalten müssen. Der einzige Pflichtlehrgang liegt vor dem Erwerb des Führerscheins an und ist somit für viele Personen bereits Schnee von vorgestern. Hinzu kommt, dass Laien, die über ein gutes Theoriewissen verfügen, in Notfällen aufgrund der Hochstress-Situation oftmals ihr Know-How nicht anwenden können: Wie funktioniert nochmal eine Herzdruckmassage? Wie bindet man Wunden ab? Wie bringt man jemanden in die stabile Seitenlage?

Natürlich können Apps keinen Rettungssanitäter ersetzen, doch sie können durch die Nüchternheit elektronischer Schaltkreise erklärend und anweisend dafür sorgen, dass man auch dann das Richtige tut, wenn man gerade Zeuge eines Herzinfarkts oder einer Massenkarambolage wird und somit aktiv helfen kann, Leben zu retten. Ob des delikaten Charakters solcher Programme sollte aber ausschließlich auf seriöse Angebote gesetzt werden.

Das kann die Erste-Hilfe-App des Malteser Hilfsdienstes sein oder die ähnlich aufgebaute Software des Roten Kreuzes.

Allergiker-Helfer

Gerade Allergiker von Pollen und Gräsern haben es schwer. Ungleich zu Tierhaar-Allergikern können sie kaum steuern, wann und wo es sie trifft. Kein Wunder also, dass hier Apps einspringen, die über Kalender, die Verbindung zu Online-Wetterdiensten und zu Messstationen nicht nur direkt warnen, wenn ein besonders schwerer Pollenschub im Anflug ist, sondern darüber hinaus eine effektive Planung für die Zukunft ermöglichen. Genau das Richtige also, um beispielsweise Reisen zu planen – denn wie die meisten Allergiker wissen, ist die Konzentration nicht nur eine zeitliche, sondern auch regionale Angelegenheit. Wer als Rapspollen-Allergiker aus München ahnungslos etwa nach Mecklenburg reist (einem der Hauptanbaugebiete in Deutschland) könnte genau dort ohne App sein blaues Wunder erleben.

Motivatoren & Erinnerungen

Selbstmotivation ist für viele Menschen eine extrem schwierige Angelegenheit. Dabei ist sie gerade im Gesundheitsbereich immens wichtig: Sie ist es, die uns ins Fitnessstudio treibt. Sie sorgt dafür, dass wir eine gesunde Mahlzeit essen, statt Fast Food. Bloß unterliegt die Motivation allzu oft dem inneren Schweinehund. Und der lässt sich, wenn es an Eigenmotivation mangelt, nur von außen bekämpfen. Wohl dem, der da einen Trainings- oder Diätpartner hat. Doch alle anderen schauten bislang in die Röhre.

Genau hier setzen Motivations-Apps ein. Manche sind dabei nur klassische „Nörgler“, die nach einfachen Schemata arbeiten („Wenn Du jetzt nicht trainierst, erreichst Du dein Wunschgewicht erst einen Monat später“). Doch es gibt mittlerweile auch Programme, die mit anderen Ansätzen arbeiten, etwa die Aufgaben spielerisch zu bewältigen. Dann werden zum Beispiel Belohnungspunkte verteilt – ganz wie früher in der Schule, als es „Fleißsternchen“ gab.

Verhütung & Wunschkindplanung

Der weibliche Zyklus ist nicht nur für Männer oft ein Buch mit sieben Siegeln, sondern auch für sehr viele Frauen. Wann ist man fruchtbar? Wann darf (oder soll) man sich ungeschützt lieben und wann besser nicht?

Genau hierfür gibt es mittlerweile eine Fülle von Apps. Viele funktionieren nach dem einfachen Schema eines Kalenders, in den Frau regelmäßig die wichtigsten Tage ihres Zyklus einträgt. Andere erlauben weitere Funktionen wie die Eingabe der Vaginaltemperatur oder Konsistenz des Zervixschleims. Aus all diesen Faktoren errechnen die Apps dann Termine – entweder die, an denen man für ein Wunschkind „Leistung zeigen“, oder aber zusätzlich mechanisch verhüten muss. Auch in Anbetracht dessen, dass die meisten herkömmlichen Verhütungsmethoden mit mehr oder weniger großen Nachteilen versehen sind, können diese Apps demnach zu mehr Natürlichkeit und auch einem verbesserten weiblichen Körperbewusstsein verhelfen.

Selbstüberwachung: die Risiken

Apps können für die Gesundheit ein echtes Plus sein, das ist unbestritten. Leider sind die Nachteile jedoch ebenso unzweifelhaft und für sie soll das letzte Kapitel Raum bieten.

Die Sache mit dem Datenschutz

Egal was Hersteller auch beteuern: Was auf einem mit dem Internet verbundenen Gerät landet, kann immer irgendwie in falsche Hände gelangen. Gerade bei etwas so Intimem wie den eigenen Vitaldaten ist das natürlich ein fatales Risiko. Zumal es eine erschreckend große Menge an Programmen mit dem Datenschutz wirklich nicht so genau nimmt, wie man es in diesem Bereich erwartet – wenngleich es einen Trost gibt: Bislang wurden trotz der unüberschaubaren Menge an entsprechenden Apps noch keine Fälle bekannt, in denen es hier zu großmaßstäblichen Datendiebstählen zum Schaden der Betroffenen kam.

Keine zentrale Regulierung

Schon mehrfach war in diesem Artikel die Rede davon, nur auf seriöse Programme zu vertrauen. Dieser Satz zeigt bereits das ganze Problem auf: Denn Apps, auch medizinischer Natur, kann jeder programmieren, der über die technischen Fähigkeiten verfügt. Die großen App-Shops für Apple und Android überwachen nur Virenfreiheit und Funktionstüchtigkeit, nicht jedoch den eigentlichen Inhalt.

Bei rund 1000(!) Gesundheits-Apps, die allmonatlich in diese Shops fluten, ist es daher leicht, an unseriöse zu geraten. Hier fehlt dringend ein offizielles Gütesiegel, das über die bislang einzige Kontrollinstanz – Kundenbewertungen der Apps – hinausgeht. Bis dahin sollte man sich in jedem Fall vor dem Download diese Bewertungen gut durchlesen und im Zweifelsfall auf bekannte Namen – Organisationen, Versicherungen, Ministerien – vertrauen.

Falsche Technikgläubigkeit

Jeder hat im Web schon mal Meldungen à la „Mann in Fluss gelandet, weil er auf Navi vertraute“ gelesen. Ganz ähnlich kann es auch mit Gesundheits-Apps ergehen. Dabei kann und sollte es immer eine Grundregel geben, an die man sich bei absolut jeder einschlägigen App hält:

Apps sind immer nur Wegweiser und Ergänzungen. Sie ersetzen niemals einen
Profi aus Fleisch und Blut.

Das gilt für Sportprogramme ebenso wie für medizinische Anwendungen. Doch leider, das zeigt der bisherige Verlauf der Digitalisierung, werden sich viele Menschen nicht an diese Grundregel halten, sondern allzu oft dem Programm (zu) blindes Vertrauen schenken.

Fremdgesteuerte Eigenwahrnehmung

Apps können zu einem stark verbesserten Körpergefühl verhelfen. Das ist die positive Seite der Medaille. Doch leider geht es auch umgekehrt. Ebenso können die Programme nämlich auch dazu verleiten, dass man Probleme sieht, wo gar keine sind. Einmal mehr ist hier die fehlende Kontrollinstanz das Problem. Um ein Beispiel zu nennen: Eine eher aus dem „Beauty-Bereich“ stammende Abnehm-App sagt einer ansonsten völlig gesunden und normalgewichtigen Frau, dass sie zu dick sei. In Verbindung mit der angesprochenen Technikgläubigkeit führt das im schlimmsten Fall dazu, dass jene Frau nun von einer gesunden Ernährungs- und Bewegungsweise in eine ungesunde Lebensweise abdriftet – mit all den entsprechenden Folgen.

Wenn die App es sagt, wird es schon stimmen – aus dieser Denkweise können folgenschwere Fehlentscheidungen resultieren. (Bildquelle: fotolia.com © Photographee.eu)
Wenn die App es sagt, wird es schon stimmen – aus dieser Denkweise können folgenschwere Fehlentscheidungen resultieren. (Bildquelle: fotolia.com © Photographee.eu)

Fehldiagnosen & Digital-Hypochonder

Und auch beim finalen Punkt ist einmal mehr die Unkontrollierbarkeit der Apps das Problem. So gibt es in der Fülle der Programme auch solche, die für sich in Anspruch nehmen, nach Eingabe von Symptomen medizinische Diagnosen zu stellen – es gibt sogar Apps, die über die Kamerafunktion Melanome erkennen wollen.

Doch ganz gleich wie hier der Anspruch solcher Softwares sein mag, es gilt einmal mehr, dass selbst ein technisches Wunderwerk wie ein Smartphone nun mal kein Medizinstudium ersetzt und auch keine komplexen Diagnoseapparate. Tatsächlich ist das Problem jedoch so gravierend, dass es mittlerweile nicht nur den Begriff des „Digital-Hypochonders“ gibt, der sich aufgrund von Internetdiagnosen schon kurz vor dem Sterbebett wähnt, sondern auch Web-Gigant Google die Sache mit harter Hand bekämpfen will. 

Fehldiagnosen & Digital-Hypochonder

Zusammenfassung und Fazit

Gesundheits-Apps sind ein zweischneidiges Schwert. Richtig eingesetzt können sie durchaus effektiv dazu verhelfen, seine Gesundheit zu verbessern. Etwa, indem sie einem einfach eine Vitaldatenüberwachung „nebenbei“ ermöglichen oder an die Medikamenteneinnahme erinnern. Das Problem erwächst jedoch aus der Fülle an Programmen und Daten: Längst nicht alle davon sind wirklich seriös, können aber im Zweifelsfall dazu führen, dass Menschen ihrem Handy mehr Glauben schenken, als einem Mediziner. Insofern können heutige Apps zwar sehr hilfreich sein, müssen aber in jedem Fall nur als ergänzendes Hilfsmittel betrachtet werden. Echte Gesundheit funktioniert ohne Elektronik, kann aber von dieser durchaus profitieren.

Autorin: Michelle Lähmer

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