Ayurveda-Kur

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Ayurvedakuren sind beliebt. Wer auf der Suche nach einer Auszeit, einem besonderen Urlaub, Regeneration oder Hilfe bei gesundheitlichen Problemen auf den Ayurveda stößt, wird sehr bald erkennen, dass dieser weit mehr als Wellness, Yoga und Entspannung zu bieten hat. Ob in Sri Lanka, Indien oder Deutschland – neben Wellness-Reisen und -Wochenenden finden sich zahlreiche Angebote zu medizinischen Ayurvedakuren, bei denen Ärzte ihre Patienten nach ayurvedischen Prinzipien behandeln und ihnen helfen, zu einem besseren inneren Gleichgewicht zu finden.

Antworten zum Thema Ayurveda-Kur mit Dr. Karin Pirc

Was gehört zu einer Ayurveda-Kur? Wie lange dauert sie? Und wie finde ich den besten Anbieter oder Kurzentren? – Wir haben über diese und andere Fragen rund um eine Ayurveda-Kur mit Dr. phil. Karin Pirc gesprochen, die zweifelsohne zu den renommiertesten Ayurveda-Ärzten in Deutschland zählt. Als sie 1985 Deutschlands erstes Ayurveda-Gesundheitszentrum eröffnete, steckte der Ayurveda in Europa noch in den Kinderschuhen. Bis heute gehört Dr. Pirc zu den führenden deutschen Ayurveda-Experten für die ayurvedische Pulsdiagnose und Panchakarma. Im Jahr 2006 wurde sie sogar als erste Europäerin – und als erste Frau überhaupt – mit dem indischen „Global Hakim Ajmal Khan Award” für ihre großartigen Leistungen rund um den Ayurveda ausgezeichnet.

Naturheilmagazin: Liebe Frau Dr. Pirc, Sie sind seit 1992 Mitbegründerin und leitende Ärztin in der Maharishi Ayurveda Privatklinik Bad Ems. Über 25.000 Gäste und Patienten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten für eine Ayurveda-Kur oder eine Ayurveda-Behandlung in Ihrem Haus entschieden. Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an einer Ayurveda-Kur?

Dr. Karin Pirc: Es ist eine systematisch aufbauende Behandlung, um alle Arten von Stoffwechselrückständen und Toxinen aus dem Körper auszuleiten. Dadurch werden Selbstheilungskräfte freigesetzt, um Ungleichgewichte und Störungen aus dem Körper-Geist-System zu eliminieren.

Naturheilmagazin: Die Prinzipien des Ayurveda sind ja viele tausend Jahre alt – hat sich seitdem eigentlich etwas verändert? Oder wird eine Ayurveda-Kur immer noch so wie früher – traditionell überliefert – durchgeführt?

Dr. Karin Pirc: Speziell der Maharishi Ayurveda ist darauf ausgelegt, das uralte Wissen in seiner reinen, ursprünglichen Form wieder anzuwenden. Trotzdem ist es nichts Verstaubtes, sondern hochaktuell – gerade für den modernen Menschen. Die modernen Zivilisationskrankheiten – übermäßige Stressbelastung, Ängste, Depressionen – all das versteht der Ayurveda in einer Tiefe, die Voraussetzung dafür ist, Störungen wieder vollständig ausgleichen zu können.

Dr. phil. Karin Pirc - Maharishi Ayurveda Privatklinik Bad Ems

Dr. phil. Karin Pirc - Leitende Ärztin: "Eine Ayurvedakur ist eine systematisch aufbauende Behandlung, um alle Arten von Stoffwechselrückständen und Toxinen aus dem Körper auszuleiten.“

Ayurvedapraxis Bad Ems / Maharishi Ayurveda Privatklinik Bad Ems
Am Robert Kampe Sprudel
56130 Bad Ems

Wann und für wen passt eine Ayurveda-Kur?

Naturheilmagazin: Für wen und in welcher Lebensphase kann eine Ayurveda-Kur hilfreich sein?

Dr. Karin Pirc: In absolut jeder Lebensphase. Das ayurvedische Wissen beginnt mit der Planung und Vorbereitung einer gesunden Schwangerschaft bis hin zur Begleitung, Gesunderhaltung und Verjüngung bis ins höchste Lebensalter.

Naturheilmagazin: Wie viel Zeit sollte ich für eine Ayurveda-Kur einplanen? Was ist die ideale Dauer und gibt es eine ideale Jahreszeit?

Dr. Karin Pirc: Eine umfassende Reinigung und Umstimmung beginnt ab zehn Tagen. Je jünger und gesünder ein Mensch ist, desto kürzer kann eine Kur sein. Je älter und kränker eine Person ist, desto sinnvoller und nötiger ist eine längere Kur von 14 Tagen oder gar drei bis vier Wochen. Eine ayurvedische Panchakarma-Kur kann zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden, denn der behandelnde Arzt stimmt die Anwendungen nicht nur auf die jeweilige Jahreszeit ab, sondern auch auf das Lebensalter und die Stärke eines Menschen, ebenso wie auf die vorhandenen Beschwerden. 

Was erwartet einen bei einer Ayurveda-Kur?

Naturheilmagazin: Wie sieht ein typischer Ayurveda-Kurtag aus?

Dr. Karin Pirc: In der Maharishi Ayurveda-Privatklinik in Bad Ems beginnen wir bereits direkt nach dem Aufwachen mit einem Entgiftungstrunk. In der ersten Phase der Behandlung bekommt der Patient einen speziell auf seinen Zustand abgestimmten Kräutertrunk oder Butter-Reinfett (Ghee), um Toxine aus dem Zellverband und den Geweben zu lösen. Tagsüber wird er in der Regel eine vom Arzt ausgewählte Massage (Abhyanga) mit medizinierten Heilkräuterölen bekommen sowie lokale Behandlungen. Zweimal täglich gibt es eine ärztliche Sprechstunde, um Fragen zu beantworten, den Kurerfolg einzuschätzen und den Kurplan daraufhin eventuell anzupassen und zu ändern. Es gibt Vollpension - drei vegetarische Mahlzeiten, am Nachmittag kann gerne auch die Yoga-Stunde besucht werden. Abends bieten wir Vorträge zu verschiedenen Themen an, um das ayurvedische Wissen zu vertiefen und das Verständnis und die Motivation zu stärken, zu Hause mit gesünderer Lebensführung und gesünderem Essen weiterzumachen, um die Grundlage für ein gesünderes langes Leben zu stärken. 

Naturheilmagazin: Was würden Sie als das Herzstück einer Ayurveda-Kur bezeichnen?
Gibt es eine Anwendung oder Elemente, die besonders wichtig und charakteristisch sind?

Dr. Karin Pirc: Wichtig ist die systematische Aufeinanderfolge der verschiedenen Anwendungen (Abhyangas), die ein großes Ganzes bilden. Gleichermaßen wichtig ist die Lösung von Toxinen oder Stoffwechselablagerungen, im zweiten Schritt die Mobilisierung aus dem Gewebeverbund und im dritten die Ausschleusung der gelösten Stoffe aus dem Organismus. Gleichzeitig ist die zunehmende Entspannung und Beruhigung durch die Anwendung ein weiter wichtiger Baustein, der die Selbstheilungskräfte aktivieren hilft. 

Die 3 Doshas – Vata, Pitta, Kapha

Naturheilmagazin: Im Ayurveda wird immer von den drei Doshas – Vata, Pitta, Kapha – gesprochen. Woher weiß ich, welcher Dosha-Typ ich bin?

Dr. Karin Pirc: Es gibt einfache Fragebögen, die wir unseren Patienten bereits vor der Kur zusenden, damit sich jeder bereits ein wenig mit der Materie anfreunden kann. Teilweise findet man solche Dosha-Tests zur Selbst-Einschätzung auch in Ayurveda-Büchern oder im Internet. Solche Tests geben einen ersten Hinweis auf die Dosha-Verteilung, eine gute, jedoch noch recht grobe Einschätzung. Zu Beginn einer Behandlung erhält jeder Patient einen Diagnose-Termin von circa einer Stunde, bei dem nicht nur sein persönlicher Gesundheitsstatus erhoben wird, sondern der behandelnde Ayurveda-Arzt des Kurzentrums auch viele Frage zur Dosha-Verteilung stellt, seine körperlichen Merkmale daraufhin einschätzt und eine ausgefeilte Pulsdiagnose macht, mit der Ungleichgewichte in Organsystemen, der Psyche und dem Gewebestoffwechsel herauskristallisiert werden.

Jede Ayurvedakur ist individuell

Naturheilmagazin: Wird eine Ayurvedakur für jeden Patienten gleich durchgeführt?
Oder gibt es Unterschiede? Wenn ja, welche sind das?

Dr. Karin Pirc: Natürlich wird der Therapieplan für jede Kur und für jeden Gast individuell zusammengestellt. Das Grundprinzip, von dem ich vorhin gesprochen habe, ist gleich: Lösung, Bewegung und Ausscheidung von Toxinen bei maximaler Entspannung, aber das ist sozusagen der Rahmen für die Symphonie, in dem dann viele verschiedene Möglichkeiten und Variationen möglich sind, um das gewünschte Ergebnis – bessere Gesundheit, Abklingen von Beschwerden, größere Leichtigkeit, mehr Energie und bessere Stimmung – zu erreichen. Wir setzen aktivierende Behandlungen ein, wenn jemand niedergedrückt ist und sich sein Körper schwer und träge anfühlt und/oder er bei einer großen Menge an Ama (Stoffwechselrückständen) massiv entgiften muss, wie z.B. bei Depressionen, Rheuma, Fibromyalgie, um nur einige Beispiele zu nennen. Umgekehrt kommen besänftigende, langsame und beruhigende Therapien bei Personen mit Reizzuständen, Schlafstörungen, Ängsten, Unruhe oder Ähnlichem zum Einsatz.

Naturheilmagazin: Wie lange dauern die einzelnen Anwendungen (Abhyangas) während der Ayurveda-Kur?

Dr. Karin Pirc: Das kann sehr unterschiedlich sein: von einer halben Stunde bis zu zwei Stunden. Oft werden auch mehrere Anwendungen pro Tag miteinander kombiniert, so dass insgesamt eine Behandlungsdauer von einigen Stunden möglich ist – ein Teil vormittags, ein anderer am Nachmittag. Denn das Besondere an Panchakarma ist ja, dass man innerhalb einer vergleichsweise kurzen Behandlungsdauer einen tief greifenden und anhaltenden Erfolg erzielen kann, was natürlich für unsere schnelllebige Zeit ideal ist.

Naturheilmagazin: Was mache ich eigentlich in meiner behandlungsfreien Zeit während der Ayurveda-Kur? Gibt es weitere Angebote oder Vorschlage, wie ich meine Freizeit oder meinen Urlaub verbringen kann, zum Beispiel mit Yoga oder Meditation?

Dr. Karin Pirc: Es gibt eine tägliche Yoga-Stunde, Kochkurse, abendliche Vorträge. In unserer Musikoase können unsere Gäste die Heilkraft der Klänge nutzen, umstimmende Ghandarva-Veda-Musik hören und Video-Vorträge mit vertiefendem Wissen anschauen. Natürlich kann man auch einfach ausruhen, spazieren gehen und wieder zu sich selbst finden.

Ernährung bei einer Ayurveda-Kur

Naturheilmagazin: Was gibt es bei einer Ayurveda-Kur zu essen? Gibt es besondere ayurvedische Gerichte oder ayurvedische Getränke?

Dr. Karin Pirc: Da die Körperzellen mit der Entgiftung beschäftigt sind und auch der Darm teilweise recht gefordert ist, gibt es während einer Panchakarma-Kur traditionell leicht verdauliche Kost. Das heißt im Klartext: eine leicht verdauliche, vorwiegend warme vegetarische Küche, die jedoch sehr abwechslungsreich ist. An besonderen Tagen bei speziellen Einläufen oder am Abführtag, können dies sogar einfach nur Suppen sein – aber man darf und sollte während der Kur nicht hungern. Flüssiges Ghee steht bei jeder Mahlzeit zur Verfügung. Um die Eiweißversorgung bei der fleischlosen Kost zu gewährleisten, geben wir Dhal zum Mittagessen, ein gut gewürztes Hülsenfruchtgericht mit eher suppiger Konsistenz sowie Lassi, ein Getränk aus frisch hergestelltem Jogurt, um die Darmflora mit den richtigen Bakterien zu versorgen und das Verdauungssystem zu stärken. Abgerundet wird dies durch verschiedene Kräutertees, die die Doshas ausgleichen helfen, und das regelmäßige Trinken von heißem Wasser, um die Ausschleusung wasserlöslicher Ablagerungen zu fördern.  

Naturheilmagazin: Kann ich bei einer Ayurveda-Kur auch Gewicht verlieren und abnehmen? Und wenn ja, wieviel?

Dr. Karin Pirc: Das hängt immer von der individuellen Stoffwechsellage ab. Viele Patienten verlieren einige Kilogramm in zehn bis 14 Tagen, bei manchen muss der Stoffwechsel erst einmal nachhaltig aktiviert werden, ehe sie sich von ihren Pfunden trennen. Aber es gibt ja auch Menschen, bei denen eine Gewichtsabnahme nicht gewünscht wird, dann wird der Therapieplan so zusammengestellt und die Nahrung so angepasst, dass sie ihr Wunschgewicht behalten oder je nach Ziel und individuellen Voraussetzungen auch steigern können. Ich habe noch nie erlebt, dass hier jemand Gewicht zugelegt hat, man hat schon genug zu tun, die Gewichtsabnahme in solchen Fällen zu verhindern.

Was sollte man im Vorfeld beachten?

Naturheilmagazin: Wie bereite ich mich für eine Ayurveda-Kur vor? Könnte ich theoretisch morgen damit beginnen? 

Dr. Karin Pirc: Besser ist eine Vorbereitungszeit von einigen Tagen, in der man bereits regelmäßig heißes Wasser trinkt und Alkohol, Süßigkeiten und sehr schweres Essen wie tierische Produkte so weit wie möglich reduziert oder sogar ganz weglässt. Sicher nachvollziehbar, dass damit die Entgiftung schon ein wenig zu Hause begonnen hat und der Einstieg in die Panchakarma-Kur besonders sanft vonstattengeht.

Indien, Sri Lanka oder Deutschland?

Naturheilmagazin: Es gibt ja sehr viele Anbieter und Angebote für eine Ayurveda-Kur oder einen Ayurveda-Urlaub. Sowohl in Indien und Sri Lanka, aber auch in Deutschland oder Österreich. Muss ich für eine authentische Panchakarma-Kur extra nach Indien oder Sri Lanka reisen?

Dr. Karin Pirc: Nein, ganz im Gegenteil. Es ist sogar gut, eine Panchakarma-Kur im Heimatland zu machen, wenn die Qualität stimmt. Das hat den Vorteil, dass keine kräftezehrende Zeitumstellung nötig ist und gerade bei chronischen Krankheiten auch eine optimale Nachbetreuung möglich ist. 

Naturheilmagazin: Worauf sollte ich generell achten, wenn ich eine Ayurveda-Klinik, ein Wellnesshotel oder einen Kuranbieter in Deutschland, Indien oder Sri Lanka auswähle? Wie finde ich für mich den besten Ayurveda-Kur-Anbieter?

Dr. Karin Pirc: Es gibt heute viele Wellness-Angebote oder Wellnesshotels mit ayurvedischen Behandlungen, einfach weil viele Anwendungen nicht nur wirkungsvoll, sondern subjektiv äußerst angenehm und entspannend sind. Eine Panchakarma-Kur mit gewünschten medizinischen Heilerfolgen sollte jedoch immer unter der Leitung eines gut ausgebildeten und erfahrenen Ayurveda-Arztes erfolgen und es sollte eine tiefgreifende Reinigung mit Einläufen und Abführen möglich sein, um die Toxine wirklich dauerhaft ausscheiden zu können. Massagen sollten grundsätzlich von zwei Therapeuten synchron durchgeführt werden und es sollte in Stille behandelt werden. Auch am Behandlungsspektrum kann man erkennen, ob es sich um eine qualifizierte Behandlung handelt, denn ein erfahrener Arzt muss aus einer Vielzahl von Therapieformen die für den jeweiligen Patienten geeignete auswählen können, um eine nachhaltige Besserung des Gesundheitszustands erzielen zu können. 

Naturheilmagazin: Neben dem ökologischen Aspekt, keine Fernreise buchen zu müssen, – was würden Sie sagen, sind die Unterschiede zwischen einer Ayurveda-Kur in Deutschland und einer Ayurveda-Kur in Sri Lanka? Gibt es überhaupt welche?

Dr. Karin Pirc: In Indien und Sri Lanka eine Kur zu machen, ist sinnvoll, wenn man viele Wochen dort bleiben kann und im Anschluss an die Kur noch Zeit für die Nachkurphase dort mitbringt. Wer nur kurz Zeit hat, sollte besser im Heimatland zur Therapie gehen, ohne Zeit- und Klimaumstellung, das ist wesentlich sanfter.

Naturheilmagazin: Kann ich eine Ayurveda-Kur auch als Paar oder sogar Familie gemeinsam durchführen oder ist es ratsamer alleine anzureisen?

Dr. Karin Pirc: Das kann man pauschal natürlich so nicht beantworten. Mit kleinen Kindern würde ich es persönlich nur als Ausnahme empfehlen, denn entweder langweilen sie sich oder der Panchakarma-Gast muss etwas mit ihnen unternehmen, was die Ruhe, das Sich-Finden bei einer Kur natürlich reduziert. Wir haben viele Ehepaare oder Eltern mit erwachsenen Kindern, die die Kur und die Zeit miteinander gemeinsam genießen. Aber wenn jemand zum z.B. sehr erschöpft ist und einfach mal eine Auszeit braucht, kann es auch sein, dass er/sie sich besser entspannen kann, wenn er/sie eine Kur ohne Angehörige macht.

Naturheilmagazin: Gibt es auch die Möglichkeit die Ayurveda-Kur zu Hause durchzuführen?

Dr. Karin Pirc: Leider nein, denn diese intensiven Behandlungen müssen erstens jeweils von Therapeuten durchgeführt werden und – um einen guten Behandlungserfolg zu erzielen – auch von einem Arzt mit entsprechender Ausbildung geleitet werden. Wir gehen ja auch nicht hin und kaufen uns ein Buch mit dem Titel: „Wie operiere ich meinen Blinddarm zu Hause“. Auch wenn die Ayurveda-Anwendungen sehr viel sanfter aussehen, gehört diese tief umstimmende Therapie doch in die Hände von erfahrenen Heilkundigen. Trotzdem kann der Arzt Teile der Therapie, wie z.B. Selbst-Ölmassagen, eine Entlastungsdiät, Yoga-Übungen oder Kräuterpräparate für die Anwendung zu Hause empfehlen, aber das ist natürlich keine Panchakarma-Kur im eigentlichen Sinne.

Naturheilmagazin: Was kostet eine Ayurveda-Kur? Übernehmen die Krankenkassen die Ayurveda-Kurkosten in Deutschland oder sogar, wenn ich nach Indien oder Sri Lanka reisen?

Dr. Karin Pirc: Natürlich sind die Kosten immer von der Länge einer Kur und von der Anzahl der verordneten Anwendungen abhängig. Da die Anwendungen extrem personalintensiv sind, die verwendeten Heilkräuteröle, Packungen, Einläufe etc. frisch zubereitet werden, und auch die Kost während der Kur immer frisch gekocht und im Idealfall auch biologisch ist, schlägt sich die hohe Qualität und der Aufwand im Preis nieder, so dass man für eine zehntätige Kur circa 2.500 Euro aufbringen muss. Leider erstatten die Krankenkassen bisher noch keine Ayurveda-Kuren, nur wenige Privatversicherungen erstatten die Kuren, sofern der Patient einen Spezialtarif hat.

Medizinische Ayurveda-Kur

Naturheilmagazin: Wer darf Ayurveda als medizinische Behandlung in Deutschland anwenden? Gibt es Zertifizierungen? Worauf sollte ich als Patient achten?

Dr. Karin Pirc: Wie alle medizinischen Therapien dürfen auch ayurvedische Heilmethoden nur von approbierten Ärzten oder Heilpraktikern angewendet werden. In Indien kann man ein Ayurveda-Studium an Universitäten oder Hochschulen mit entsprechendem Abschluss absolvieren. Viele Ayurveda-Heilkundige sind seit letztem Jahr in Deutschland dabei, sich zu einem Dachverband zusammenzuschließen und auch Ausbildungs-Mindeststandards zu erarbeiten, die es Patienten in der Zukunft leichter machen werden, dem medizinisch kompetenten Ayurveda von Wellness-Angeboten zu unterscheiden.

Naturheilmagazin: Sie sind sowohl „westlich“ ausgebildete Humanmedizinerin als auch Ayurveda-Ärztin. Wie lässt sich aus Ihrer Sicht eine Ayurveda-Kur mit der klassischen Schulmedizin verbinden? Wenn ich zum Beispiel aufgrund chronischer Erkrankungen Medikamente nehmen muss oder in Langzeitbehandlung bin.

Dr. Karin Pirc: Wenn ein Patient eine schwere chronische Krankheit hat, sind im akuten Stadium auch chemische Präparate beispielsweise zur Schmerzlinderung oder Entzündungshemmung durchaus sinnvoll, um dem Betroffenen das Leben leichter zu machen. Kommt ein Patient dann in unsere Behandlung, lassen wir bei starken Beschwerden diese Pharmaka parallel zu Umstimmung mit Ayurveda-Kräuterpräparaten und Behandlungen weiterlaufen, solange sie nötig sind. Nach und nach gelingt es dann in der Regel, die Präparate der modernen Medizin schrittweise zu reduzieren – in dem Maße, wie sich der Gesundheitszustand bessert – und nur noch Ayurveda-Mittel zu nehmen und Empfehlungen zur Lebensführung zu befolgen. Haben die Selbstheilungskräfte die Gesundheit mit Unterstützung des Ayurveda wieder völlig hergestellt, werden schließlich schrittweise auch die Ayurveda-Kräutermischungen abgesetzt – denn nun sind die Balance und gute Gesundheit wieder vorhanden.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit und Ihre Antworten!

Ihre Redaktion des Naturheilmagazin

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