Warum „Bio“ tatsächlich die bessere Wahl ist

Warum „Bio“ tatsächlich die bessere Wahl ist

Nicht selten steht man im Supermarkt vor der Entscheidung Bio oder Nicht-Bio. Der Preis herkömmlicher Lebensmittel ist verlockend. Aber lohnt es sich nicht doch, etwas mehr Geld für Bio auszugeben?

(Bildquelle: fotolia.de © nd3000)

Die Debatte um Nachhaltigkeit dreht sich viel auch um den Umwelt- und Tierschutz und hier insbesondere um diverse Unterschiede in der Produktion von Lebensmitteln und in ihrer dadurch zustande kommenden Qualität. Gerade Bioprodukte sind nicht selten eines der großen Themen dieser Debatten. Und die Geister scheiden sich seit Jahren bei der Frage, ob es sich denn wirklich lohnt, beim Einkauf im Supermarkt etwas tiefer in die Tasche zu greifen und auf Bioprodukte statt auf konventionelle Lebensmittel zu setzen, oder ob es schlichtweg kaum einen Unterschied macht.

Kein Wunder, denn diese Frage können selbst Experten nicht immer beantworten – vor allem nicht, wenn es darum geht, ob Bio nicht nur für Tier und Umwelt, sondern auch für die eigene Gesundheit besser ist. Wenn nicht einmal Experten eine Antwort wissen, wie soll man sich denn dann selbst eine Meinung bilden? Am besten, indem man sich die Punkte vergegenwärtigt, die trotz allen Zweifels für Bioprodukte und ihren Einfluss auf die Gesundheit sprechen und sich anschließend entscheidet, ob diese Punkte den Kauf rechtfertigen.

Weniger Pestizide, weniger Keime, weniger Schlechtes?

Die Debatte um die Pestizide

Noch bevor bei Debatten um Biolebensmittel im Hinblick auf die Gesundheitsaspekte die natürlichen Inhaltsstoffe thematisiert werden, geht es immer um eine andere Sache: um explizit unerwünschte Substanzen, also um Bakterien oder um Rückstände von Pestiziden, die sich in einigen Lebensmitteln finden. Skeptiker, die sich gegen den doch zunehmenden Trend, Bioprodukte zu kaufen, aussprechen, behaupten immer wieder, Pestizide fänden sich in allen Lebensmitteln.

Damit liegen sie allerdings nur halb richtig. Denn Biobauern haben strengere Vorschriften, was den Anbau von Obst und Gemüse angeht: Statt synthetischer Pestizide dürfen sie nur Kupfer, Kaliseifen oder andere natürliche Mittel zum Schutz vor Schädlingen verwenden. Somit finden sich in Biogemüse und in Bioobst meist gezwungenermaßen seltener Rückstände von Pestiziden als in herkömmlichen Lebensmitteln. Bestätigt wird dieser Fakt durch das Öko-Monitoring Baden-Württemberg, einem in der EU einzigartigen Kontrollprogramm, welches Bio-Lebensmittel auf erwünschte und unerwünschte Inhaltsstoffe untersucht. Die entsprechend ermittelten Werte werden anschließend mit denen konventionell erzeugter Lebensmittel verglichen.

Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), unterstreicht die doch deutlichen Unterschiede bezüglich der Pestizidwerte:  

„Die neuen Test-Ergebnisse des Öko-Monitorings Baden-Württemberg zeigen […], dass Bio-Lebensmittel die sichersten Produkte am Markt sind. Weil Bio-Bauern keine chemisch-synthetischen Pestizide einsetzen, sind diese fast vollständig frei von Verunreinigungen mit Pestiziden. Besonders deutlich wird der Unterschied bei Gemüse: Öko-Gemüse ist durchschnittlich 320-fach weniger mit Pestiziden belastet als konventionelle Produkte.

Die Ergebnisse beweisen einmal mehr, dass die bewährte prozessorientierte Bio-Kontrolle den Verbrauchern die höchste Sicherheit bietet. Der schonende Anbau-Prozess, bei dem die Bio-Bauern auf Fruchtfolgen, Sortenvielfalt und ökologischen Pflanzenschutz setzen, führt zur hohen Bio-Qualität im Endprodukt.“

Zwar werden gesetzlich vorgeschriebene Grenzwerte auch bei der Herstellung konventioneller Lebensmitteln fast immer eingehalten, weshalb Konsumenten keine Angst haben müssen, sich mit „normalem“ Obst und Gemüse etwa zu vergiften – wer aber ein höheres Bedürfnis nach Sicherheit hat und seinen Körper möglichst frei von synthetischen Pestiziden halten möchte, sollte zu Bioprodukten greifen.

Die Stiftung Warentest untersuchte zu diesem Thema jüngst verschiedene Salatsorten im Handel. Hier bestätigte sich, dass manche Bioprodukte besser abschneiden. Allerdings gab es bei der Schadstoffbelastung überraschenderweise große Abweichungen je nach Art des Salates.

Immerhin haben Tierversuche ergeben, dass Pestizide diverse Organsysteme krankhaft verändern können. Die Auswirkungen einer Pestizidaufnahme auf ungeborene Kinder ist noch nicht ausreichend erforscht, um sagen zu können, dass kleinste Mengen vollkommen ungefährlich sind.

Die bakterielle Belastung von Fleisch

Auch die bakterielle Belastung von Fleisch, die doch deutlich unangenehmer ist als die meist geringe Pestizidbelastung konventionellen Obst oder Gemüses, wird immer wieder zum Thema der Debatten um Bioprodukte. Durch Studien konnten bisher kaum nennenswerte Unterschiede zwischen Bio und Nicht-Bio etwa hinsichtlich der bakteriellen Belastung der Lebensmittel sowie dem Einfluss der Lebensmittelherkunft auf allergische Symptome festgestellt werden – so zumindest Ergebnisse der Stanford Universität. Doch birgt die konventionelle Tierhaltung eine höhere Gefahr im Hinblick auf die Antibiotikaresistenzbildung bei Bakterien. Selbst Biobauern dürfen im Grenzfall Antibiotika einsetzen, wenn Tiere schwer krank sind, allerdings ist der Antibiotikaeinsatz in der konventionellen Hähnchenaufzucht deutlich größer. So überrascht es auch nicht, dass laut Stiftung Warentest Hühner- oder Schweinefleisch aus Bio-Betrieben weniger mit antibiotika-resistenten Keimen verunreinigt sind. Ansonsten gilt: Auch wenn die die Tiere im Bio-Landbau Zugang zu Ausläufen haben und sich mit ihren Nasen im Dreck Salmonellen und andere Krankheitserreger zuziehen könnten, unterscheidet sich ihre Keimbelastung kaum von ihren konventionellen Artgenossen.

Mehr Auslauf für die Tiere bedeutet vermutlich auch ein besseres Immunsystem und gesünderes Fleisch. (fotolia.de © Countrypixel)
Mehr Auslauf für die Tiere bedeutet vermutlich auch ein besseres Immunsystem und gesünderes Fleisch. (fotolia.de © Countrypixel)

Zwar sind einige Krankheitserreger in der Umwelt leider weit verbreitet, sodass es im Einzelfall sogar vorkommen kann, dass beispielsweise resistente Keime auch bei Fleisch aus Betrieben vorkommen, die gar keine Antibiotika einsetzt haben, in der Regel lohnt sich aber der Bioviehbetrieb für Tier und Mensch. Denn abgesehen davon, dass es Tieren mit mehr Auslauf besser geht und sie nicht so viele Stresshormone entwickeln, wie Artgenossen, die auf engstem Raum eingepfercht werden, konnte inzwischen auch nachgewiesen werden, dass draußen lebende Tiere weniger Salmonellen ausscheiden, als Tiere in abgeschotteten Ställen.

Dadurch verringert sich auch das Risiko, dass das Fleisch dieser Tiere bei der Schlachtung mit gefährlichen Durchfallerregern verunreinigt wird. Man geht davon aus, dass Tiere, die naturnah gehalten werden, einfach ein besseres Immunsystem haben, welches Keime besser in Schach hält. Lebt ein Huhn beispielsweise nur 35 Tage in konventioneller Haltung, bevor es geschlachtet wird, kann es kein solch ein ausgereiftes Immunsystem entwickeln wie ein Biohuhn mit meist etwa doppelt so langer Lebenszeit.

Zudem soll laut der Verordnungen  in Bio-Gemüse in der Regel deutlich weniger Nitrat enthalten sein als in konventionell angebautem Gemüse. Auch die Schwermetallbelastung scheint bei biologischen Lebensmitteln geringer zu sein. Gerade bei nitratbelasteten Lebensmitteln weiß man, dass diese vor allem bei kleineren Kindern zu gesundheitlichen Problemen führen können. Wer sich und seine Familie also mit Biogemüse ernährt, ist auf der gesünderen Seite.

Bioverordnungen mit strengen Auflagen

Biolebensmittel unterscheiden sich nicht nur was die Schadstoffe und etwa Arzneimittelrückstände angeht von konventionellen Lebensmitteln. Es gibt noch andere wichtige Faktoren, wie beispielsweise die Herkunft von Saatgut, die eine bedeutende Rolle für die Qualität einer Gemüsesorte haben können. Auch wenn die Schwellenwerte steigen, ist die biologische Landwirtschaft bemüht, gentechnikfrei zu bleiben. Bei der späteren Verarbeitung des geernteten Gemüses wird außerdem oftmals schonend und sehr sorgfältig vorgegangen und es werden energiesparende Technologien verwendet.

Außerdem ist die Zahl der Zusatzstoffe, die einem Lebensmittel beigefügt werden dürfen, bei Bio-Produkten deutlich geringer als bei herkömmlichen Lebensmitteln. Zu den Zusatzstoffen zählen unter anderen künstliche Farbstoffe, Süßstoffe, Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker und Stabilisatoren. Wer seine Lebensmittel mit der Bezeichnung „Bio“ ausstatten will, muss hier strengere Richtlinien und Grenzwerte einhalten als ein herkömmlicher Lebensmittelproduzent.

Zu diesen strengeren Richtlinien zählen solche, die vielen Konsumenten wohl bekannt sind, aber auch einige, die den ein oder anderen immer wieder überraschen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft legt fest, dass Biohühner nicht in Käfigen gehalten werden dürfen. Die Chance, dass sich innerhalb des Raumes, auf dem die Hühner zusammenleben, Krankheitserreger verbreiten, ist alleine dadurch schon geringer. Vielen Konsumenten, die Bioeier mit der Kennzeichnung „0“ kaufen, ist dieser Umstand bewusst.

Wer allerdings zum Beispiel Biowein kauft, weiß vielleicht nicht unbedingt, dass dieser weniger Sulfite enthält als herkömmlicher Wein. Der Schwefel kann unter Umständen nämlich Allergien auslösen. Auch hier gibt es einen Maximalwert, der für biologischen Anbau gilt und der unter der Grenze für konventionelle Produkte liegt. Natürlich lässt sich bei all diesen Lebensmitteln relativieren und sagen, dass die gesetzlichen Grenzwerte ja schon dafür sorgen, dass die Konsumenten gesund bleiben – alles andere wäre ja fahrlässig oder gar bewusste Gefährdung der Gesundheit. Dennoch hat es ja einen Grund, dass Bioverordnungen eben noch ein wenig strenger sind; sie wollen das Maximum an Möglichkeiten für eine gesunde Ernährung herausholen.

Um im Supermarkt nicht den Überblick zu verlieren und nicht genau zu wissen, was wirklich „Bio“ ist und was nicht, können sich Konsumenten an ganz bestimmten Siegeln orientieren. Die gute Nachricht: Ein Lebensmittel muss tatsächlich immer Bio sein, wenn Bio draufsteht. Bei Kosmetik und anderen Produkten ist das nicht unbedingt der Fall.

Die wichtigsten Siegel in Deutschland sind:

  • Das EU-Bio-Siegel
  • Das Naturland-Siegel
  • Das Demeter-Siegel
  • Das Bioland-Siegel
  • Das Biosiegel Bayern

Darüber hinaus gibt es noch das hierzulande sehr bekannte, aber im Grunde veraltete, da vom EU-Bio-Siegel abgelöste, sechseckige deutsche staatliche Bio-Siegel. Je nach Aspekt und Verband gehen die Anforderungen der verschiedenen Bio-Verbände deutlich über das EU-Bio-Siegel hinaus. So verbieten viele Verbände die Fütterung mit Fischmehl. Stattdessen ist oft eine Grünfütterung vorgeschrieben.

Mehr wichtige Nährstoffe durch biologischen Anbau

Zu viele Pestizide verhindern die Entwicklung natürlicher Schutzstoffe der Pflanzen, wie sekundärer Pflanzenstoffe. (fotolia.de © Dusan Kostic)
Zu viele Pestizide verhindern die Entwicklung natürlicher Schutzstoffe der Pflanzen, wie sekundärer Pflanzenstoffe. (fotolia.de © Dusan Kostic)

Die sekundären Pflanzenstoffe

Die strengen Richtlinien bei Bio-Lebensmitteln bringen eine Reihe weiterer Vorteile mit sich. So wirkt sich das Verbot synthetischer Pestizide im Bio-Anbau etwa auf die Inhaltsstoffe von Obst und Gemüse aus.

Da Pflanzen, die nicht synthetisch gedüngt werden, genauso Gefahr laufen, von schädlichen Umwelteinflüssen wie Krankheitserregern oder starkem UV Licht angegriffen zu werden, bilden sie Schutzstoffe aus. Diese Stoffe, die als „natürliche und eigene“ Abwehrstoffe bezeichnet werden können, sind die sekundären Pflanzenstoffe. Da herkömmliches Obst und Gemüse durch Pestizide ausreichend geschützt wird, entwickelt es deutlich weniger dieser sekundären Pflanzenstoffe als solches aus biologischem Anbau.

Polyphenole, Phenolsäuren oder Flavonoide aber, die unter anderem zu den sekundären Pflanzenstoffen gehören, wirken als Antioxidantien für den Körper. Auch Radikalfänger genannt, sollen diese Stoffe dabei helfen, Alterserkrankungen sowie andere chronische Krankheiten zu verhindern oder zumindest zu verzögern.

Nährstoffgehalt von Bio-Lebensmitteln

Neben sekundären Pflanzenstoffen in Obst und Gemüse konnte vor allem bei Bio-Gemüse bereits mehrfach festgestellt werden, dass dieses einige weitere gesundheitliche Vorteile gegenüber herkömmlichem Gemüse hat – zumindest sprechen die Inhaltsstoffe dafür. Gemüse aus biologischem Anbau zählt damit im Grunde zur „Vollwertkost“, also Lebensmittel, die eine vollwertige Ernährungsweise unterstützen sollen.

Die Eiweißwerte sollen bei Bio zwar hin und wieder geringer sein, dafür sei die Qualität dieses Eiweiß aber höher. Trotz der Ergebnisse der Stanford Universität deuten einzelne Studien dennoch darauf hin, dass biologisch angebautes Gemüse mehr Vitalstoffe enthält als solches aus konventionellem Anbau. So konnte teilweise ein höherer Vitamin C-, Magnesium- und Phosphorgehalt nachgewiesen werden.
Bei tierischen Produkten sieht es ähnlich aus: Milch aus biologischer Tierhaltung, so liest man beispielsweise immer wieder, habe einen höheren Proteingehalt und – dank des höheren Grünfutteranteils – mehr Omega-3-Fettsäuren sowie ein besseres Omega-3-Omega-6-Verhältnis als konventionelle Milch. Das gleiche gilt natürlich für andere Milchprodukte wie Käse oder Joghurt. Anders sieht es dagegen mit Jod aus: Durch den Einsatz von jodiertem Futter kommt konventionelle Milch auf einen höheren Jodgehalt.

Anti-Bio-Kampagnen sprechen für sich

Neben den ganz öffentlichen Fakten, wie den Grenzwerten für bestimmte Inhaltsstoffe, die für Biolebensmittel gelten, gibt es weitere Punkte, die eine Beschäftigung mit Bio und Nicht-Bio zur Notwendigkeit machen. Es dreht sich dabei nicht unbedingt immer nur um die Gesundheit. Vielmehr ist die Debatte eine weitreichendere, die sich um Nachhaltigkeit, Ökonomie, Zukunftstrends und Interessen von marktführenden Unternehmen, Herstellern und Verkäufern dreht.

Natürlich kann in diesen Bereichen oft nur spekuliert werden. Einige Beobachtungen allerdings kristallisieren sich doch heraus und erlauben es zumindest, Thesen aufzustellen und gewisse Dinge zu hinterfragen.

So erstaunt es doch, dass ganz bestimmte Medienkanäle hin und wieder gezielt gegen Bio-Lebensmittel wettern und immer wieder zu lesen ist, Bio sei weder gesünder, noch besser für Umwelt und Tier, wo doch in den offiziellen Regularien festgeschrieben ist, dass sich das eine deutlich vom anderen unterscheiden muss. Es ist schlichtweg eine bewusste Ignoranz der Tatsachen oder der Versuch, diese Tatsachen argumentationslos zu widerlegen, wenn behauptet wird, Bio unterscheide sich nur durch einen höheren Preis von Nicht-Bio.

Gefragt werden muss natürlich nach den Gründen für ein solches Vorgehen gegen den Kauf von Bio-Lebensmitteln. Auch wenn das nur Mutmaßungen sind und niemandem böse Absichten unterstellt werden sollen, ist es doch Fakt, dass einige Produzenten herkömmlicher Lebensmittel nicht unbedingt ein Interesse daran haben, dass die Bevölkerung sich plötzlich auf Bio einschießt und nur noch mit Siegel versehene Produkte kauft. Denn dann könnte unter Umständen eine Umstellung auf neue Herstellungsweisen notwendig sein, was zunächst vielleicht auch Profiteinbußen verursachen würde.

Wird Bio dagegen klein gehalten, kann günstiges, gentechnisch manipuliertes Saatgut in Zukunft vielleicht verstärkt eingeführt und kultiviert werden, Grenzwerte für Spritzmittel könnten sich weiter lockern, Massentierhaltung und damit nicht selten verbundene Tierqualen weiterhin toleriert werden, womit sich die Produktionsprozesse weiterhin „vereinfachen“ würden – ganz zur Bequemlichkeit der Produzenten und vor allem der multinationalen Megakonzerne. Und ganz zum Bedauern der kleinen lokalen Betriebe.

Die „Anti-Bio-Kampagnen“ nehmen im Übrigen in den Weiten des Internets nicht selten auch skurrile Ausmaße an. So wurde etwa berichtet, dass es in Deutschland nicht wenige rechtsextreme Biobauern gebe. Zwischen völkischer und grüner Ideologie gebe es mehr Berührungspunkte als manchem Ökologen lieb sei. Es könne daher durchaus vorkommen, dass Verbraucher beim Griff ins Bioregal das Produkt eines rechtsextremen Erzeugers in die Finger bekämen.

Einige Biobauern, so hieß es einmal in den Medien, seien rechtsextrem. Aber welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen? (fotolia.de © torwaiphoto)
Einige Biobauern, so hieß es einmal in den Medien, seien rechtsextrem. Aber welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen? (fotolia.de © torwaiphoto)

An dieser Stelle sollte doch kurz innegehalten und ein wenig nachgedacht werden: Heißt das, dass beim Griff in jegliches Nicht-Bio-Regal garantiert ist, dass am Produktionsprozess kein einzig rechtsgesinnter Angestellter beteiligt war? Garantiert der Verzicht auf Bio gar einen unpolitischen Lebensmittelkauf? Und welcher Kauf erfolgt eigentlich mit besserem Gewissen: Der Kauf einer Schachtel gesunder Eier von Hühnern, die nicht in engen Käfigen aufeinandersitzen und unter Qualen ihr Leben verbringen mussten, mit dem aber ein Bauer unterstützt wird, der eine problematische politische Ideologie vertritt? Oder der Kauf von Eiern unter dem Decknamen „herkömmlich“, der in der Regel schlechter für die Gesundheit von Tier und Mensch ist und bei dem es keinen interessiert, ob der Bauer rechts, links, grün oder blau ist?

Was sagt die Wissenschaft?

Auch wenn aus einer subjektiven Warte und intuitiv vieles für den Verzehr von Bio-Lebensmitteln spricht und man das Gefühl hat, der Gesundheit damit nur einen Gefallen zu tun, gibt es dennoch zu wenige aussagekräftige Studien aus der Wissenschaft, die das definitiv bestätigen. Die einen sagen, dies sei kein Wunder, denn Wissenschaft sei oft auf Subventionen ebenjener Großkonzerne angewiesen, die kein Interesse daran haben, dass Bio-Lebensmittel als gesünder gelten. Die anderen sagen, es sei nun einmal nicht so einfach, langfristige Aussagen über die Auswirkungen dieser oder jener Lebensmittel auf den Körper zu machen.

Es gibt zwar einige vereinzelte Studien, die gezielt versucht haben herauszufinden, wie sich eine Ernährungsumstellung auf Bio auf die Gesundheit auswirkt, diese allerdings werden von vielen Experten belächelt oder kritisiert, weil sie nicht wirklich seriös und semi-wissenschaftlich seien.

So wurde etwa in einer Studie getestet, wie und ob sich das Befinden einer Gruppe von 23 Ordensschwester, die abgeschieden in einem Kloster lebten, nach einer Umstellung auf reine Bioprodukte veränderte. Auch acht Auswärtige nahmen an der Studie teil. Den Probanden ging es während dieser Studie subjektiv besser. Ihr Blutdruck sank, sie berichteten von weniger Kopfschmerzen und allgemein gesteigerter Vitalität und einem gesteigerten Wohlbefinden. Allerdings war die Probandenzahl selbst nach Meinung der Verantwortlichen zu klein und die Zeit zu kurz.

Bio schützt Mensch und Umwelt

Biologische Landwirtschaft in Dritte-Welt-Ländern könnte die Armut unter anderem durch den Verzicht auf Gentechnik verringern. (fotolia.de © tanacha)
Biologische Landwirtschaft in Dritte-Welt-Ländern könnte die Armut unter anderem durch den Verzicht auf Gentechnik verringern. (fotolia.de © tanacha)

Wenn auch wissenschaftlich (noch) nicht mit einhundertprozentiger Genauigkeit und Sicherheit nachgewiesen wurde, dass Bio-Lebensmittel die gesünderen Lebensmittel sind, so ist doch schwer abzustreiten, dass sie das Potenzial besitzen, Mensch und Umwelt auf unterschiedlichste Weise zu schützen.

Bereits 2010 etwa kam der UN-Sonderberichterstatter Olivier De Schutter gemeinsam mit weiteren Experten zu dem Ergebnis, dass keine andere Landwirtschaftsform besser dazu geeignet sei, die Welt zu verbessern als die biologische Landwirtschaft. So könne mit der biologischen kleinbäuerlichen Landwirtschaft die Lebensmittelproduktion in jenen Teilen der Welt, wo Hunger das größte Problem sei, mindestens verdoppelt werden. Auch eine jüngere Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau kommt zu diesem Schluss.

Während Bauern bei einem üblichen Anbausystem in Monokulturen auf eine einzige Gemüse- oder Obstsorte angewiesen sind, kann mit biologischer Landwirtschaft und ihrer Mischkultur dafür gesorgt werden, dass auch bei ungünstigen Wetterbedingungen etwa für eine bestimmte Frucht noch andere Feldfrüchte geerntet werden können. Damit kann Ernteausfällen und Hungersnöten entgegengewirkt werden. Außerdem sorgt die biologische Landwirtschaft für Unabhängigkeit der entsprechenden Bauern und bietet somit eventuell einem dauerhaften Ausweg aus der Armut.

Das Beispiel De Schutters ist nur eines von vielen, von denen man immer wieder liest oder in Berichten hört, wenn man denn Augen und Ohren offen hält. Es kann also gewiss gesagt werden, dass biologische Landwirtschaft nachhaltiger und damit besser für Mensch und Tier, ja, für die gesamte Umwelt ist.

Autor: Alexander Hügel, Ernährungsberater

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Mailadresse dient möglichen Rückfragen durch die Redaktion. Sie wird nicht veröffentlicht.



 

Wichtiger Hinweis:
Diese Inhalte dienen der Information und Orientierung. Sie können und sollen unter keinen Umständen den Besuch eines Arztes und die Konsultation medizinischer Beratung oder professioneller ärztlicher Behandlung ersetzen.
Der Inhalt von naturheilmagazin.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Im Übrigen verweisen wir auf die Geltung unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB

Krankheiten A-Z