Titan – Implantate mit Nebenwirkungen

Titan – Implantate mit Nebenwirkungen

Titan ist ein beliebter Werkstoff, der schon seit Jahren gern in der orthopädischen Chirurgie (z.B. in künstlichen Gelenken) zum Einsatz kommt und gemeinhin als gut verträglich gilt. Inzwischen ist Titan in Form von Implantaten auch in der Zahnmedizin weit verbreitet. Doch nicht für jeden sind Titanimplantate eine gute Wahl. Je nach Veranlagung drohen gravierende Nebenwirkungen vom Implantatverlust bis hin zu entzündlichen Allgemeinerkrankungen wie Rheuma, Arteriosklerose, Bluthochdruck und Herzkrankheiten.

Autor/en dieses Beitrages:
Dr. med. dent. Karlheinz Graf, aus Straubing

Einführung

Titan gilt in der Schulmedizin gemeinhin als der verträglichste Werkstoff, weil bisher kaum eine Allergie darauf nachgewiesen wurde. Aus diesem Grund werden in der Gelenks- und Ersatz-Chirurgie heute überwiegend Ersatzteile aus diesem Leichtmetall verwendet.

Auch in der Zahnmedizin werden seit vielen Jahren zum Ersatz von verloren gegangenen Zähnen Implantate aus Titan verwendet. Sie sind in der Regel unkompliziert zu setzen und bleiben im Kieferknochen stabil und sehr dauerhaft verankert, so dass darauf ein stabiler, festsitzender Zahnersatz geplant werden kann.

Einzelne Patienten klagen jedoch nach dem Einbringen von Titan-Implantaten über allgemeines Unwohlsein und berichten über sehr unterschiedliche gesundheitliche Probleme. Da Titan aber gemeinhin als sehr verträglicher Werkstoff gilt, werden die vorgebrachten Symptome nach dem Einbringen von Titan in der Regel nicht mit dem Implantat in Zusammenhang gebracht. Das scheint nach meiner Meinung aber etwas voreilig zu sein. Warum?

Im schulmedizinischen Sinn gilt ein Werkstoff als unverträglich, wenn eine Allergie darauf nachgewiesen wird – und Allergien auf Titan wurden bisher kaum beschrieben. Außer Acht wird dabei gelassen, dass es neben einer Allergie auch andere Formen von Unverträglichkeiten oder Folgen davon gibt (Abb. 1), so dass wir korrekter von verschiedenen, nämlich immunologisch (rot) und toxikologisch (blau) bedingten, Unverträglichkeiten sprechen sollten. Während immunologisch bedingte Unverträglichkeiten in der Regel labormedizinisch gut nachgewiesen werden können, können die chronisch toxischen Wirkungen von Werkstoffen, die in ihrer Symptomatik individuell höchst verschiedenartig ausfallen, meist nur durch ihre gesundheitlichen Folgen postuliert werden.

Abb. 1: Verschiedene Arten einer Unverträglichkeitsreaktion. Unterschieden werden immunologisch (rot) und toxikologisch (blau) bedingte Unverträglichkeitsreaktionen.
Abb. 1: Verschiedene Arten einer Unverträglichkeitsreaktion. Unterschieden werden immunologisch (rot) und toxikologisch (blau) bedingte Unverträglichkeitsreaktionen.

Entzündungsreaktion auf Titan und ihre Folgen

Bewiesen ist bei Titan, dass es sogenannte immunologische „Highresponder“ gibt. Immunologische Highresponder können labormedizinisch sehr gut durch einen sogenannten „Titan-Stimulationstest“ erkannt und eindeutig identifiziert werden (Abb.2). Dieser genetisch prädestinierte Personenkreis reagiert bei der Einbringung von Titan ins Gewebe mit einer überschießenden Ausschüttung von Entzündungsmediatoren, das sind Botenstoffe, in deren Folge es zu einer Entzündung kommt. Diese Entzündung kann zum einen lokal am Ort der Ausschüttung entstehen – mit der Folge, dass das eingebrachte Implantat wieder entzündlich abgestoßen wird.

Abb. 2: Testergebnis bei Titan-Unverträglichkeit
Abb. 2: Testergebnis bei Titan-Unverträglichkeit

Zum andern können die Entzündungsmediatoren z.B. über Blut, Lymphe oder andere Körperflüssigkeiten an andere Stellen weitertransportiert werden, so dass es zu Entzündungsreaktionen fern der Ursache und damit zu medizinisch-ursächlich unerklärlichen Reaktionen kommen kann, wie z.B.

  • Rheuma
  • Arteriosklerose
  • Bluthochdruck
  • Herzkrankheiten (z.B. Myocarditis)

Als weitere häufige Symptome können Abgeschlagenheit, Kräfteverfall, Hautprobleme sowie lokalisierter Druckschmerz und/oder Schwellungen fern der Ursache auftreten. Möglicherweise gibt es auch Zusammenhänge zu depressiven Verstimmungen. Die Symptome können somit den gesamten Organismus auf allen Ebenen betreffen!

Korrosion von Titan

Es mehren sich die Hinweise darauf, dass Titan im Kieferknochen nicht korrosionsstabil zu sein scheint und sich zersetzt. So konnten durch Untersuchungen von Kieferbezirken mit Titan-Implantaten hohe Werte von Titan nachgewiesen werden. Auch die zugehörigen Lymphknoten, die die erste regionale Filterstation des Organismus sind, zeigten hohe Einlagerungen von Titan.

Diesbezügliche subtoxische Wirkungen von Titan werden noch diskutiert. Es ist aber wahrscheinlich, dass es zu ähnlichen Wirkungsmechanismen wie bei anderen Metallen kommt und diese werden vermutlich je nach Wirkungsort zu beschreiben sein, u.a. mit:

  • Hemmung von Enzymaktivitäten
  • vermehrter Bildung freier Radikale
  • Öffnung der Blut-Hirn-Schranke mit entsprechenden Wirkungen auf Psyche, Nerven und Immunsystem
  • Autoimmunkrankheiten wie z.B. Multiple Sklerose, Alzheimer oder Morbus Parkinson
  • Potenzierungseffekte auf andere Schadstoffe (nach Prof. Witte, siehe Abb. 3)
Abb. 3: Potenzierende Wirkung verschiedener Schadstoffe untereinander
Abb. 3: Potenzierende Wirkung verschiedener Schadstoffe untereinander

Alternativen zu Titan

Unwägbarkeiten und Risiken dieser Art müssen heute nicht mehr eingegangen werden, denn es gibt eine gute biologische Alternative zu Titan-Implantaten: Implantate aus Vollkeramik.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Keramik ist ein inertes Material, das nicht korrodieren kann, sich also nicht zersetzen kann.
  • Bei optimalen Voraussetzungen kann, im Gegensatz zu einem Titan-Implantat, ein Keramik-Implantat sofort nach der Zahnextraktion gesetzt werden, was den zu erwartenden Knochenverlust nach einer Zahnextraktion deutlich zu minimieren hilft.
  • Die klinischen Erfahrungen sind beeindruckend. Bei entsprechender Begleitbehandlung wächst das Implantat unmittelbar nach der Extraktion innerhalb von 3 Monaten fest im Kieferknochen ein. Somit können Keramik-Implantate im Vergleich zur herkömmlichen Operationstechnik schon deutlich eher definitiv versorgt werden.

Kommentare

Madeleine Weydert, 11.11.2019:
Guten Tag,Seit 9 Monaten besitze ich auf der linken Seite oben ein Backenzahn-Implantat. Nach dem Setzen des Implantats hatte ich heftige Kopfschmerzen. Röntgenbilder zeigten jedoch dass alles in Ordnung wäre. Jetzt stellen diese Kopfschmerzen aber immer wieder ein. Ich hatte eine schlimme Erkältung ,die jedoch für mich mit unerträglichen Kopfschmerzen verbunden war. Die linke Seite über dem Auge schmerzte heftig und zog bis in den Kopf hoch. Auch die Medikamente halfen nicht. Ich werde mir immer mehr bewusst, dass die Kopfschmerzen mit meinem Implantat und dem Sinus zusammenhängen und leichter fast unbemerkbarer Schnupfen/Entzündungen der Nasenhöhle mir Kopfschmerzen verursachen. Nach den Röntgenbildern kann das aber nicht der Fall sein und der Sinus wäre nicht betroffen. Nachts werde ich oft wach und die Kopfschmerzen setzen für 1-3 Stunden ein. Was soll ich tun? denn die Kopfschmerzen bei der Erkältung waren für mich unerträglich und dauerten über Tage an ohne dass die Medikament mir halfen.Mit freundlichen GrüssenMadeleine
Dr. Karlheinz Graf aus Straubing, 20.05.2019:
Antwort zum Leserbrief von AJA, 19.05.2019

Liebe/r AJA,
ich würde in Ihrem Fall auf jeden Fall mal einen Titan-Stimulationstest machen lassen. Das ist der einzige schulmed. Test, der eine Titan-Unverträglichkeit erkennen lässt.
Ihre Beschwerden könnten natürlich auch noch Folgen Ihres Gesichtstraumas sein.
Mit freundlichen Grüßen aus Straubing
Karlheinz Graf
AJA, 19.05.2019:
Guten Tag,
mein Name ist AJA, vor ca. 8 Wochen habe ich mir bei einem Sturz auf den Kopf Brüche am Oberkiefer, Jochbein und Orbitalisknochen zugezogen. Bei einer OP wurden mir 4 Titanplatten zur Stabilisierung fixiert.
Erstmal verlief alles planmäßig, jetzt habe ich immer noch Schwindel und Kopfschmerz v.a. nach mehr als 2 stündiger mehr oder weniger Anstrengung.
Der Kieferorthopäde sprach schon von einer wahrscheinlichen Titanunverträglichkeit.
Naturheilkundlich versuche ich Unterstützung zu geben, merke aber keine stabile Besserung.
Ist das ein normaler Heilungsvorgang mit dem Schwindel und Kopfschmerz oder tatsächlich eine Unverträglichkeit.
Wann kann man frühestens das Titan entfernen?
Vielen Dank im Voraus
und freundliche Grüße AJA
Dr. Graf Karlheinz aus Straubing, 06.03.2019:
Antwort zum Leserbrief von Bernhard K., 05.03.2019

Lieber Bernhard,
ohne Kenntnis Ihres Befundes ist eine Beurteilung Ihrer individuellen Situation nicht möglich. Prinzipiell kann ich auf Ihre Fragen aber folgende Antworten geben:
Eine Explantation eines Titan-Implantats kann bei günstigen Voraussetzungen, richtiger Technik und passendem Instrumentarium ohne größeren Knochenverlust durchgeführt werden. Eine Entfernung von Titan-Nägeln aus Ihrem damaligen Knochenaufbau ist da deutlich schwieriger, teilweise sogar nur mit Mühen durchführbar
Ein sofortiger Austausch eines Titan-Implantats zugunsten eines vollkeramischen Implantats ist bei passenden Voraussetzungen gut möglich. Eine zeitgleiche Entfernung Ihrer Titan-Nägel wahrscheinlich nicht.
Die Erfolgsrate für ein Einheilen eines Sofort-Implantats aus Keramik ist bei korrekter Vortherapie sehr hoch.

Die Behandlungsreihenfolge ist:
1.Implantat-Analyse und Besprechung der Vortherapie
2.Extraktion eines Zahnes / Entfernung eines Titan-Implantats mit sofortiger Einbringung des Keramik-Implantats
3.Kontrolle nach 6 Wochen
4.Ca. vier Monate nach dem Setzen des Keramik-Implantats erfolgt die endgültige Versorgung mit einer Krone

Der Kostenfaktor hängt vom Schwierigkeitsgrad und vom Zeitaufwand ab und dürfte von Praxis zu Praxis unterschiedlich sein.

Mit freundlichen Grüßen aus Straubing/Niederbayern
Karlheinz Graf
Bernhard K., 05.03.2019:
Hallo Herr Dr. Graf.
Mit großem Interesse habe ich jetzt Ihren Beitrag zum Thema "Titan – Implantate mit Nebenwirkungen" gelesen.

Anfang 2015 habe ich ein Titanimplantat am linken oberen Schneidezahn erhalten. Es ist damals gut eingewachsen und wackelt nicht. Es drückt jedoch seitdem und fühlt sich immer noch als Fremdkörper an. Seit etwa 2 bis 3 Jahren leide ich merkbar unter Depressionen, Koordinationsproblemen linke Körperhälfte (Muskellähmungen), Gleichgewichts- und Gedächtnisproblemen mit Energieverlust (Müdigkeit) allgemein usw. Im Mai 2018 habe ich die Diagnose "Parkinson" erhalten. Ich finde mich aber nicht mit der Diagnose ab, sondern weigere mich seitdem, die verschriebenen Medikamente zu nehmen und forsche seither selbst nach der Ursache dieses "Nervenleidens". Durch Zufall bin ich jetzt auf den Gedanken gekommen, dass das Titan der Auslöser sein könnte. Ein Privatarzt stellte im Januar durch Bioresonanztestung Störungen durch Titan fest. Auch ein Kinesiologietest zeigt Körperreaktionen durch das Implantat an.
Nach Emfehlung meiner Zahnärztin wurden daraufhin ein Titan-Stimulationstest, ein Molekulardiagbostik/-Genetiktest, sowie ein Lymphozytentransformationstest durchgeführt. Alle Tests waren aber negativ.
Ich möchte das Implantat aber trotzdem entfernen lassen. Dazu hatte ich heute einen Termin bei meiner Zahnärztin und wurde dort aufgeklärt, dass nach der Entfernung des Implantats sowie der Knochennägel (beim Kieferaufbau mit Fremdknochen nach Zahnextraktion gesetzt) nur eine Brücke in Frage komme, da das Implantat herausgefräst werden muss und dadurch der Kieferknochen so stark in Mitleidenschaft gezogen wird, dass nur noch eine "Brücke" möglich ist.
Ich habe folgende Fragen an Sie:
1. Ist es auch möglich, gleich nach der Entfernung des Titanimplantats ein Keramikimplantat einzusetzen, um die Schädigung und Rückgang des Kiefers zu vermeiden?
2. Gibt es Erfahrungen dazu und wie hoch ist ggf. die Erfolgsrate, dass das neue Implantat einwächst?
3. Können Sie Praxen (Rosenheim, München) empfehlen, welche dieses Verfahren durchführen?
4. Wie viele Behandlungen sind dazu voraussichtlich nötig?
5. Kann man den vorhadenen künstlichen Zahn wiederverwenden?
6. Mit welchen Kosten muss ich mit der Explantation samt Wiedereinsetzen (Gesamtbehandlung) grob (Gößenordnung) rechnen?
7. Kann ich das auch in Ihrer Praxis machen lassen und bekommt man bei Ihnen einen Termin?

Herzlichen Dank!
Dr. Graf, Karlheinz aus Straubing, 04.03.2019:
Antwort zum Leserbrief von Sabine, 02.03.2019

Liebe Sabine,
wie Sie aus dem Artikel erfahren haben, kann es bei Titan-Implantaten eine immunologische (genetisch bedingt) und eine toxikologische (durch Korrosion von Titan im Kiefer bedingt) Reaktion geben:
Eine immunologische Reaktion kann durch einen sog. „Titan-Stimulationstest“ (Bluttest in einem Labor) ermittelt werden. Für eine chronisch-toxische Reaktion gibt es leider keinen anerkannten schulmedizinischen Test.
Ein Titan-Stimulationstest sollte zum vorbeugenden Gesundheitsschutz eigentlich vor jeder Implantation erfolgen, kann aber auch jederzeit nach einer Implantation gemacht werden. Sollte dieser positiv sein, dann sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie dieses Implantat im Kiefer belassen wollen. Sollte er negativ sein, dann könnte eine chronisch-toxische Reaktion durch korrodierendes Metall im Kiefer durchaus auch als Auslöser Ihrer Beschwerden in Frage kommen. Das kann aber mit herkömmlich schulmedizinischen Methoden nicht eindeutig geklärt werden.
Meiden Sie Botox, denn dieses Mittel hat eine chronisch-toxische Wirkung auf Ihr Nervensystem und macht somit Ihr vorliegendes Problem nicht besser.
Bei einem eventuellen Austausch Ihres Titan-Implantats oder bei einer weiteren Implantation rate ich Ihnen zu einem vollkeramischen Implantat, bei dem die von mir beschriebenen Belastungen ausgeschlossen sind. Bei der Vornahme einer Sofort-Implantation (Zahn raus und sofort Implantat rein) hätten Sie sogar den Vorteil, dass ein zu erwartender Knochenverlust durch die Heilung deutlich geringer ausfällt als bei der herkömmlichen Methode (Zahn raus – 3 Monate Heilung – dann Implantat rein).
Mit freundlichen Grüßen aus Straubing/Niederbayern
Karlheinz Graf
Sabine, 02.03.2019:
S.g. Herr Dr. Graf, ich habe vor 4 Monaten 2 Titanimplante im re Oberkiefer und 1 Implantat im li Unterkiefer gesetzt bekommen. Seit diesem Zeitpunkt habe ich ein durchgänging andauerndes, starkes Druckgefühl in Stirn und Schläfenbereich, sowie einen Druck im re Ohr. Bedingt durch die ständigen Schmerzen mittlerweile auch eine ausgepärgte Erschöpfung. Mein Zahnarzt meint, die OP hätte vermutlich nur mein "Fass zum Überlaufen" gebracht. Generell wird meine Thematik von den meisten Therapien unter der Rubrik Psychosomitik eingestuft. Ich reagiere auf kein Schmerzmittel inkl. opeoidhaltigen Substanzen, Osteophatie, Neuraltherapie und Botox zeigen keine Linderung... Mittlerweile weiß ich mir keinen Rat mehr. Haben sie mir einen? Ihre Seite macht mir Hoffnung. Mit freundlichen Grüßen
Dr. Karlheinz Graf aus Straubing, 11.02.2019:
Antwort zum Leserbrief von Fred aus Germering, 11.02.2019

Lieber Fred,
wenn es Ihnen gesundheitlich gut geht und Ihr Zahnarzt das so machen möchte, dann ist das keine echte Kontra-Indikation. Allerdings sollte das Implantat am besten einzeln mit einer Krone - ohne festem Verbund zu einem Nachbarzahn - versorgt werden.

Mit freundlichen Grüßen aus Straubing
Karlheinz Graf
Fred aus Germering, 11.02.2019:
Ich habe ein erst zwei Jahre altes Titan-Implantat im Oberkiefer. Direkt daneben sollen neue Zahnlücken mit einem SDS-Keramikimplantat versorgt werden. Nun höre ich, Titan- und Keramikimplantate direkt nebeneinander würden sich aus medizinischer Sicht "verbieten". Wie sehen Sie das?
Dr. Karlheinz Graf aus Straubing, 29.11.2018:
Antwort zum Leserbrief von Frau Götz, 28.11.2018

Sehr geehrte Frau Götz,
prinzipiell gibt es verschiedene Ursachen, die zu Beschwerden, wie den Ihrigen führen können – auch, aber nicht nur aus umwelt-zahnmedizinischer Sicht.

Vorausgesetzt, Ihre Beschwerden hängen mit dem Titan-Implantat zusammen, dann gäbe ein sogenannter „Titan-Stimulationstest“ Auskunft darüber, ob bei Ihnen eine (genetisch bedingte) Überreaktion auf Titan vorliegt.

Es könnte aber auch sein, dass Ihre individuellen Reaktionen mit einer Korrosion des Implantats im Kiefer vergesellschaftet ist. Bei manchen Patienten ist möglicherweise diese Minizersetzung des Metalls eine Mitursache für gesundheitliche Probleme.
Wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es leiden nicht, so dass eine fundierte Aussage zu Ihren Fragen leider nicht möglich ist. Durch die Entfernung Ihrer Implantate haben Sie zumindest eine weitere Korrosion gestoppt.

Mit freundlichen Grüßen aus Straubing/Niederbayern
Karlheinz Graf
Annett Götz aus Vipperow, 28.11.2018:
Guten Tag, ich bin 49 Jahre alt und habe 2008 mein erstes Zahnimplantat erhalten. Danach ging es mit der Gesundheit Berg ab. Totale Erschöpfung, Depression, Angststörung... Habe es damals aber auf den plötzlichen Tod meines Vaters geschoben. Vier Jahre lang gelitten mit Gewichtsverlust und 5 Wochen Reha. Danach wurde es Stück um Stück besser, jedoch bin ich nie wieder zur alten Kraft zurück gekehrt. Vielleicht 40 % von damals. Dieses Jahr im April 2018 habe ich mir ein zweites Implantat setzen lassen. Vier Monate später bekam ich eine - erst links, dann beidseitige Mittelohrentzündung OHNE Schmerzen jedoch mit viel Wasser im Innenohr und eine Woche später ein stark rotes Auge rechts, direkt über dem neuem Impantat mit geschwollener Wange und starken Schmerzen im Schläfenbereich. Neurologie (Klinikaufenthalt mit CT MRT Rückenmarksflüssigkeit,Blut...), Zahnarzt, Augenarzt, Allgemeinarzt, Ohrenarzt (hat links ein Paukenröhrchen gesetzt) alles ohne Befund. Dreiviertel sagt es kann nicht am Implantat liegen und der Rest, ein Versuch ist es wert die Implantate raus nehmen zu lassen. Auch mit Besprechen und Osteopath kam ich nicht weiter. Die zwei Implantate habe ich jetzt scheren Herzens vor einer Woche raus nehmen lassen. Bisher ist keine Besserung. Wie lange dauert es, dass die Beschwerden nach lassen, falls es an den Titan-Implantaten lag? Vielen Dank Annett Götz
Dr. Karlheinz Graf aus Straubing, 31.10.2018:
Antwort zum Leserbrief von Klaus Mordt aus Essen, 30.10.2018

Sehr geehrter Herr Mordt,
es ist schwer zu sagen, ob Ihre Gesundheitsproblematik mit Ihren Titanplatten und -schrauben zusammenhängt.
Ich würde Ihnen einen „Titan-Stimulationstest“ (siehe Text) empfehlen. Ist dieser positiv, dann hätten Sie einen schulmedizinischen Beweis einer Titan-Unverträglichkeit.
Für eine eventuelle chronisch toxische Belastung durch korrodierendes Titan gibt es leider keinen Test und viele Mediziner streiten diese Problematik leider auch ab.
Inwieweit und wie Korrosionsprodukte von Titan aus dem Körper eliminiert werden können, ist noch ungesichert. Es gäbe dazu aber verschiedene Ansätze.
Am Besten, Sie setzen sich mit einem guten Umwelt-Mediziner in Verbindung.
Mit freundlichen Grüßen aus Straubing/Niederbayern
Karlheinz Graf
Klaus Mordt aus Essen, 30.10.2018:
Sehr geehrter Herr Dr. Graf und Kollegen,
habe nach Dysgnatie-OP Titanplatten und Schrauben am Unterkiefer plus Schrauben, die aus dem Kieferknochen ragen, welche für Gummis zur Fixierung dienen. Das ganze jetzt bereits 8 Monate. Da nachoperiet werden musste, befanden sich bereits vorher über 1 Jahr lang Platten und Schrauben am Kiefer. Habe nun innerhalb weniger Monate stark(!) an Gewicht zugenommen, bin ständig müde und habe ständig einseitige Nackenverspannungen, bereits 2 Erkältungen innerhalb 3 Monate, sowie Schwellungen am Kiefer. Können das Unverträglichkeitsreaktionen auf die Titanplatten und -schrauben sein und (!) gibt es Alternativen zu Titanplatten und -schrauben, sollte es auf Titan zurückzuführen sein und (!) bekommt man die Titaneinlagerungen wieder irgendwie aus dem Körper heraus?
Verzweifelte Grüße aus Köln
Dr. Karlheinz Graf aus Straubing, 03.10.2018:
Antwort zum Leserbrief von Rafaela aus Wien, 02.10.2018

Liebe Rafaela,
Sie wären nicht die erste Patientin, die nach dem Setzen eines Titan-Implantates über verschiedene Symptome klagt. Dabei könnte es sich z.B. um eine genetisch bedingte entzündliche Überreaktion auf den Werkstoff Titan handeln. Diese wäre einfach über einen sog. Titan-Stimulationstest aus Ihrem Blut zu diagnostizieren.
Wir wissen aber auch, dass sich Titan-Implantate in Minidosen zersetzen können. Wissenschaftler haben festgestellt, dass in Kieferbezirken,in denen Titan-Implantate sind, überdurchschnittlich hohe Titanwerte messbar seien und auch in den zugehörigen regionalen Lymphknoten waren überhöhte Titanwerte feststellbar. Es wird diskutiert, dass diese so entstehenden Titan-Belastungen z.B. Enzyme blockieren oder Eiweißstrukturen verändern können, wodurch verschiedenste Symptome erklärbar wären.
Falls Sie Ihre Titan-Implantate durch vollkeramische ersetzen lassen möchten, wäre das in der Regel ohne größere Schwierigkeiten mit einer knochenschonenden Explantationstechnik und mit einem sofortigen Ersatz durch keramische Implantate möglich.
Mit freundlichen Grüßen aus Niederbayern
Karlheinz Graf
Rafaela aus Wien, 02.10.2018:
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe eine Frage zu einem Titanimplantat.
Ich habe eines im April gesetzt bekommen und seitdem verspüre ich einen Kopfdruck, Kopfkribbeln, einen erhöhten Puls, innere Unruhe und depressive Verstimmungen. Mein Zahnarzt meinte, dass kann gar nicht vom Implantat kommen und wollte mir das Implantat nicht entfernen. Ich habe dann auch einen Bluttest machen lassen und es wurden dreifache Entzündungswerte festgestellt. Meine Frage: Kann ich das Zahnimplantat auch von einem anderen Zahnarzt entfernen lassen und durch ein Keramikimplantat ersetzen lassen. Mein Implantat ist bereits fest im Kiefer verankert und nicht locker. Soll ich vorher noch einen Titanstimulationstest durchführen lassen.?
Vielen Dank für die Auskunft.
MfG Rafaela
Edith Nadj-Papp aus Ditzingen, 18.06.2018:
Sehr geehrter Herr Schlegel,
die biologische Zahnmedizin bevorzugt eine metallfreie Lösung, auch bei Implantaten. Wie Ihr Körper auf das Titan-Implantat reagiert, lässt sich mit einer Labor-Untersuchung feststellen. Sollte eine Belastung vorliegen, kann das Titanimplantat i.d.R. in einer Sitzung gegen ein Zirkonium-Implantat ausgetauscht werden (diese gelten als körperfreundlich).
Mit freundlichen Grüßen aus Ditzingen bei Stuttgart
Dr. med. univ. (Budapest) Edith Nadj-Papp
Johannes Schlegel aus Neustadt, 18.06.2018:
Guten Tag.
Mein Name ist Schlegel Johannes. Ich habe ein Titanimplantat. Belastet er mein Körper? Kann es sein ,dass wegen Titan mein Zahnfleisch zurück geht? Ist es ratsam mein Titanimplantat durch Keramikimplantat zu ersetzen? Sind Keramikimplantate nicht belastbar? Kann dann am gleichen Tag nach der Entfernung des Titanimplantats ein Keramikimplantat eingesetzt werden? Oder muss die Wunde nach dem Entfernen des Titanimplantats zuerst Abheilen?
Vielen Dank für Ihre Antwort. MfG Johann
Karlheinz Graf Dr. aus 94315 Straubing, 11.03.2018:
Antwort zum Leserbrief von Ina aus Plaidt, 08.03.2018

Liebe Ina,
von den verschiedenen am Markt befindlichen Keramik-Implantaten hat sich in unserer Praxis am besten ein vollkeramisches, präparierbares Implantat-System mit Schraubgewinde bewährt. Damit es ohne Antibiotika und Cortison eingebracht werden kann, bedarf es einer Ozonbehandlung der Wunde und einer vorherigen Einnahme von bestimmten Nahrungsergänzungen (probiotisches Konzept). So wird der Organismus voll auf Heilung getrimmt und auf diese Art kommt es nur sehr selten zu einer Nicht-Einheilung eines vollkeramischen Implantats.

Das von Ihnen angesprochene System ist ein Implantat, das durch einen Scan des ursprünglichen Zahnes vorab individuell konstruiert und dann gefräst werden muss. Erst dann wird dieses Konstrukt durch Einhämmern im Knochen stabilisiert. Wir erachten dieses System als aufwändiger und uns stellt sich zudem die Frage, wie stark ein Kieferknochen durch das Festhämmern des Implantats traumatisiert bzw. umgebende Strukturen wie Kieferhöhle, Nasenboden etc. betroffen werden. Inwieweit zudem mit Antibiotika und Cortison gearbeitet werden muss, entzieht sich ebenfalls unserer Kenntnis.

Mit freundlichen Grüßen aus Niederbayern
Karlheinz Graf
Ina aus Plaidt, 08.03.2018:
Guten Tag,

welche Sofortimplantate nutzen Sie? Aus Keramik mit Schraubgewinde? Kennen Sie dem zu extrahierenden Zahn abgeformten Implantate wie z.B. Bioimplant aus Wien? Bin sehr daran interessiert und wäre Ihnen dankbar für Ihre Antwort.

Viele Grüße
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