Brennnessel und ihre Heilwirkung

Brennnessel und ihr Heilwirkung

Ob als Haarwasser, Saft oder Tee: Die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist ein wunderbares Hausmittel. Besonders geschätzt werden ihre harntreibende Wirkung in Blasen- und Nierentees sowie die anregende Wirkung auf den Stoffwechsel im Rahmen einer Frühjahrskur. Auch in der Küche findet die Brennnessel – in Maßen genossen – als Gemüse oder Brennnesselsuppe ihren Raum.

 

 

Die Tipps und Rezepte von Hilde Thoms zum Einsatz der Brennnessel als Hausmittel entstammen dem Buch „Altes Kräuterwissen aus dem Harz“ aus dem Verlag Bussert & Stadeler.

»Wer scheu die Nessel greift, dem brennt davon die Hand. Wer derb ihr Blatt ergreift, dem weckt sie keinen Brand.«

Brennnessel – Botanisches zu Urtica dioica

Jedermann kennt die Große Brennnessel und hat eigene Erfahrungen mit der Pflanze gemacht, oft schon in der Kindheit. Bei Berührung brechen die Spitzen der Brennhaare ab und das Sekret, als Nesselgift bezeichnet, verursacht heftig juckende Quaddeln von starker Rötung auf der Haut.
Als lästiges Unkraut mehr oder weniger verunglimpft, hat die Brennnessel doch eine lange Tradition als Heilkraut. Die brennenden Eigenschaften gaben ihr den Namen. Sie überdauert mit einem kräftigen Wurzelwerk. Neben der Großen Brennnessel gibt es noch die einjährige Kleine Brennnessel [urtica urens], die aber weniger verwendet wird und in der Nähe von menschlichen Siedlungen vorkommt. Beide gehören zur Familie der Nesselgewächse [urticaceae].

Geschichte einer Heilpflanze

Geschichte einer Heilpflanze

Antike und mittelalterliche Autoren berichten von der großen Brennkraft, aber auch von der Verwendung des frischen Krautes als Gemüse und der äußerlichen Anwendung bei Rheuma durch Einreiben. Die Klosterheilkunde stuft Brennnessel als wärmend und trocknend ein, bezogen auf das Kraut und die Samen. Entsprechend der Signaturenlehre wurde sie wegen der feinen Härchen auch als Haarwuchsmittel verwendet, ebenso als harntreibendes Mittel.

Brennnessel in der Heilkunde

Im Wesentlichen haben sich die Anwendungsmöglichkeiten nicht geändert, allenfalls noch erweitert. Dabei werden alle Pflanzenteile, auch die Wurzel, verwendet. An Wirkstoffen sind Chlorophyll in den Blättern, Amine in den Brennhaaren, Vitamine, Flavonoide und Mineralstoffe zu nennen.
Das Kraut wirkt diuretisch und wird bei Arthritis, Gicht, Gelenk- und Muskelbeschwerden, bei Gallen- und Leberleiden und äußerlich in Haarwässern zur Pflege der Kopfhaut und der Haare verwendet.
So umfangreich die Anwendungsgebiete, so mannigfaltig sind auch die Zubereitungsmöglichkeiten. Die Wurzel wird innerlich gebraucht bei Prostatabeschwerden, es kommt zur Erhöhung des Harnflusses und zur Senkung des Restharns. Ein Tee aus Blättern oder der Wurzel wird zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfektionen und zur Behandlung von Nierengrieß empfohlen.
Die Brennnessel ist auch ein beliebter Bestandteil von Teemischungen in Blasen- und Nierentees. Zur Stimulierung des Stoffwechsels entgiftet eine Frühjahrskur mit Brennnesseltee. Chlorophyll wirkt auch blutbildend. Der Tee wirkt mild ausschwemmend und kann mit Zucker und Milch als Frühstückstee getrunken werden. Fertige Säfte sind im Reformhaus erhältlich. Ein Brennnesselsaft dient wie der Tee als Frühjahrskur, versorgt den Körper mit Vitaminen und Eisen und gleicht die Mangelversorgung des Winters aus. Für eine Verwendung als Gemüse dürfen nur kleine Mengen als Salatzusatz verwendet werden und nur die ganz jungen Blätter, die noch nicht nesseln. Älteres Kraut mit Brennhaaren verursacht Magen-Darm-Beschwerden. Beliebt sind auch Brennnesselsuppen.
Die Samen wirken belebend und stärkend bei Altersbeschwerden.

Brennnesselhaarwasser hilft bei Haarausfall und Schuppenbildung. Kneipp empfahl 200 g frische Brennnessel mit einem Liter Wasser eine halbe Stunde zu kochen und mit dem Absud abends vor dem Schlafengehen Haar und Kopfhaut einzureiben. Einfacher ist es mit fertigen Haarwässern, die Brennnessel-Extrakt enthalten, und mit Brennnesseltinktur.

Für eine Reiztherapie zur Erhöhung der Durchblutung wird das frische Kraut auch zu »Peitschungen« bei Rheuma, Ischias, Hexenschuss und ähnlichen Beschwerden eingesetzt. Es kommt zur Erwärmung und Linderung der Schmerzen.

Brennnessel: Rezepte aus der Kräuterapotheke

Für eine Zubereitung als Tee nimmt man 1 Esslöffel Droge auf 1 Tasse heißes Wasser, lässt 15 Minuten ziehen, seiht ab und trinkt 2-bis 3-mal täglich 1 Tasse.
Eine fertige Tinktur empfiehlt sich mit Wasser verdünnt 3 x täglich mit 10-50 Tropfen einzunehmen.

Brennnesseln im heimischen Garten

Im Garten selbst wird die Brennnessel-Jauche zum Düngen und Bekämpfen von Schädlingen gebraucht. Und für die Schmetterlinge sollte auch eine Staude Brennnessel in einer Gartenecke stehen bleiben. Denn:
»Wenn die Brennnessel auch brennt, jeder, der sie richtig kennt, möcht’ sie niemals wieder missen, er wird sie zu schätzen wissen, denn Gemüse, Tee und Saft, geben Dir im Frühjahr Kraft, Schlacken aus dem Blut zu schmeißen, und auch manches Gliederreißen weichet wie durch Zauberei. Lasst ‘nen Platz ihr darum frei.«

Quellen

Altes Kräuterwissen aus dem Harz

Thoms, Hilde: Altes Kräuterwissen aus dem Harz. Verlag Bussert und Stadeler, 2015 (gebundene Ausgabe, 232 Seiten), ISBN 978-3942115964 In diesem reich bebilderten und liebevoll gestalteten Buch nimmt Frau Thoms ihre Leser mit auf eine Reise zu den magischen Orten des Harzes. Dabei verrät sie spannende Details zu ganz alltäglichen sowie selteneren Heilpflanzen. Ganz praktisch wird es bei den vielen kleinen Rezepten mit denen der Leser das alte Heilwissen ganz konkret für sich nutzen kann. Ein Buch, das Kultur, Natur und Heilkunde auf wunderbare Weise verbindet.
Foto Brennnessel: Clemens Bussert
Grafik Brennnessel: biolib

Autorin: Hilde Thoms, Pharmazie-Ingenieurin

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