Osteolyse im Kiefer

Osteolyse im Kiefer

Osteolyse des Kieferknochens, degenerative Knochenerweichung, NICO oder FDOK – hinter all dem steckt ein häufiger und dennoch wenig bekannter Strukturverlust des Kieferknochens. Verantwortlich dafür ist eine meist unentdeckte Entzündung (Silent Inflammation), die nicht nur die Stabilität des Kieferknochens bedroht, sondern auch für den restlichen Körper unangenehme Folgen haben kann. 

Autor/en dieses Beitrages:
Dr.med.dent. Johanna Graf, aus Straubing

Osteolyse – Wenn der Kieferknochen heimlich an Stabilität verliert

Mindestens jeder Fünfe hat sie, ohne davon zu wissen: Die degenerative Osteolyse im Kiefer. Bei diesem Phänomen handelt es sich um eine oder mehrere isolierte Knochenerweichungen. Betroffen sind meist Kieferabschnitte, in denen vorher Zähne meist operativ entfernt werden mussten und die Wunde nicht knöchern ausheilen konnte. Sie kommen somit gehäuft im zahnlosen Weisheitszahnbereich vor, können aber auch in anderen Bezirken des Kieferknochens auftreten.

Ursachen

Wie diese Knochenerweichungen entstehen, ist noch nicht hinreichend geklärt. Experten vermuten aber, dass es sich hierbei um einen lokalen Knocheninfarkt handelt, also um eine Durchblutungsstörung mit anschließender Knochennekrose in einem Bezirk im Kiefer. Typisch für eine solche Osteolyse im Kiefer sind

  • ein erweichter, abgestorbener Knochen im Inneren, der meist von einer intakten äußeren Knochenschicht umgeben ist
  • umschriebene Hohlräume im Kiefer mit meist „fettigem“ Weichgewebe.

Symptome einer Osteolyse im Kiefer

In der Regel sind diese Osteolysen schmerzlos und zeigen keinerlei äußere Anzeichen einer Entzündung. Wegen dieser scheinbaren Symptomlosigkeit gehören sie zu den sogenannten „stummen Entzündungen“.

Silent Inflammation: Verborgene, unterschwellige bzw. stumme Entzündung, die bei vielen Erkrankungen eine Rolle spielt – z.B. bei Schlaganfall, Herzinfarkt, Diabetes und Alzheimer.

Wenn die Osteolyse weiter fortschreitet und Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden, können diffuse Schmerzen im Bereich des Kiefers auftreten.

Diagnose

Die Diagnose einer Osteolyse im Kiefer ist schwierig. Mit einer herkömmlichen Röntgenübersichtsaufnahme können diese Knochenerweichungen nur in den seltensten Fällen erkannt, sondern eher nur vermutet werden. Eine sichere Diagnostik dieser Knochenerweichung erlaubt ausschließlich eine digitale Volumentomografie (DVT) oder eine Untersuchung mittels Magnetresonanz (MRT).

Symptome einer Osteolyse im Kiefer
Im Röntgenbild lässt sich eine isolierte Osteolyse des Kieferknochens (NICO, FDOK) oft nur schwer erkennen. (Foto: Dr. Johanna Graf)

Die Symptomlosigkeit und die erschwerte Diagnostizierbarkeit könnten unter anderem der Grund dafür sein, warum die Zahnmedizin diesem Phänomen der isolierten Osteolysen eher reserviert gegenüber steht und sie trotz ihrer weiten Verbreitung noch ziemlich unbekannt sind.

Diffuse Schmerzen in den betroffenen Kieferbezirken mit verschiedener Intensität treten in der Regel erst bei sehr voluminösen Knochenerweichungen auf, wenn diese die äußere Schutzschicht eines Nervs angreifen und zu Schmerzen im Einflussgebiet dieses Nerven führen. Auf diesem Schmerzphänomen geht auch der frühere Name dieser Erkrankung NICO zurück. Übersetzen könnte man NICO (Neuralgia inducing cavitational Osteonecrosis) in etwa mit „Nervenschmerz hervorrufende hohlraumbildende Knochenerweichung. Dieser Ausdruck ist auch heute noch vielfach im Internet vertreten. Neuerdings spricht man häufiger von einer „FDOK“ (fettig degenerative Osteonekrose des Kiefers).

Osteolyse als ganzheitliches Problem

Wie schon bemerkt, handelt es sich bei einer degenerativen Osteolyse um eine „stille Entzündung“ (Silent Inflammation), weil sie in der Regel lokal keinerlei Beschwerden verursacht. Labormedizinisch konnten in den Hohlräumen einer Knochenerweichung jedoch verschiedene sogenannte Entzündungsmediatoren nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um Botenstoffe, die unterschiedliche Entzündungen – oft fern der Ursache – hervorrufen können.

Solche stillen Entzündungen kennen wir aus dem Gebiet der Zahnmedizin nicht nur von der degenerativen Knochenerweichung, sondern insbesondere auch von wurzeltoten Zähnen, von metallischen Implantaten und von der „Parodontose“.

Als Silent Inflammation ist die Osteolyse alles andere als ein rein lokales Problem. Verschiedene Autoren zeigen Zusammenhänge einer Knochenerweichung unter anderem mit

  • Allergien und Asthma
  • Gelenkserkrankungen
  • Multipler Sklerose
  • Melanom-Erkrankungen
  • Brustkrebs
  • Altersdemenz und Morbus Alzheimer
  • chronischem Müdigkeitssyndrom
  • Burnout.

Je nach der individuellen Belastbarkeit des Immunsystems eines Patienten kann somit eine degenerative Osteolyse

  • symptomlos erscheinen,
  • chronisch-neuralgiforme Schmerzen in den betroffenen Gebieten des Kiefers hervorrufen oder
  • sie kann, was sehr häufig vorkommt, durch die Streuung von Entzündungsmediatoren über Lymphe und Blut in andere Körperregionen den ganzen Körper belasten und zu sogenannten systemischen Symptomen führen, die für die Schulmedizin oft unerklärlich sind.

Nach meiner Erfahrung kann jede Silent Inflammation jedes Symptom, und damit jede Art einer chronischen Erkrankung, auslösen oder verschlimmern (Potenzierungseffekt auf andere Reizfaktoren)

Therapie

Eine degenerative Osteolyse muss chirurgisch beseitigt werden. Abhängig vom Gesundheitszustand des Patienten ist vielfach eine Vortherapie durch bestimmte Nahrungsergänzungen zu empfehlen.

Damit die umgebenden Weichstrukturen wie Gefäße und Nerven beim Eingriff nicht verletzt werden, erfolgt die Ausräumung einer Knochenerweichung minimalinvasiv mittels spezieller (piezochirurgischer) Maßnahmen, mit deren Hilfe sich ausschließlich krankhaftes Gewebe sehr schonend entfernen lässt. Ein anschließendes Ozonisieren des Operationsgebiets zur Reduzierung vorhandener Keime ist empfehlenswert. Der Eingriff erfolgt problemlos unter örtlicher Betäubung.

In der Regel verheilt eine degenerative Knochenerweichung im Kiefer bei entsprechender Vorbehandlung ohne Komplikationen. Die Patienten klagen kaum über Nachschmerzen, die in seltenen Fällen für einige wenige Tage die Einnahme von Schmerzmitteln nötig machen können.

Fazit

Zähne und zahnärztliche Werkstoffe können aufgrund von nicht erkannten stillen Entzündungen Teil von oft schwer therapierbaren System-Erkrankungen sein, die es zu beachten und zu therapieren gilt. Die Entfernung einer Knochenosteolyse bedeutet für das Immunsystem stets eine massive Stressreduktion und damit eine Verbesserung der Immunabwehr und der Eigenregulation.

Chronisch Kranke sollten deshalb immer auch einen Zahnarzt aufsuchen, der über Kenntnisse der ganzheitlich-systemischen Zahnheilkunde und der Umwelt-Zahnmedizin verfügt und die aus diesem Wissen die dafür notwendigen Schlüsse ziehen kann.

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