Eisenmangel & Eisenmangelanämie

Eisenmangel & Eisenmangelanämie

Ständige Müdigkeit und Erschöpfung, aber auch Kopfschmerzen und Infektanfälligkeit – sie alle können Folge eines Eisenmangels bzw. einer Eisenmangel-bedingten Blutarmut (Anämie) sein. Besonders gefährdet sind Frauen, Leistungssportler, Veganer und Vegetarier. Hier erklärt der Internist Dr. Frank Jaschke, wie sich Eisenmangel äußert und was man dagegen tun kann.

Dr. med. Frank Jaschke
FA. für Innere Medizin, FA. für Psychosomatik und Psychotherapie
„Eisenmangel ist weit verbreitet – und beeinflusst viele Bereiche unseres Körpers. Entsprechend umfassend ist oft die positive Wirkung, wenn die Eisenspeicher wieder gefüllt werden.“
Zum Autorenprofil

Einleitung

Eisen ist ein lebenswichtiges Element, das vor allem in unseren roten Blutkörperchen für den Sauerstofftransport gebraucht wird. Durch Umbauten im Körper verlieren wir bis zu 1 mg Eisen pro Tag. Ein besonders wichtiger Faktor ist der Eisenverlust durch Blutungen (insbesondere die Monatsblutung). Nicht immer gelingt es, diesen Verlust über die Ernährung wieder auszugleichen. Entsprechend leiden 5-10  % der Europäer unter Eisenmangel, bei Frauen im gebärfähigen Alter sind es 20 %. Ein versteckter Eisenmangel tritt wesentlich häufiger auf.

Wann spricht man von Eisenmangel?

Von Eisenmangel spricht man, wenn im gesamten Körper zu wenig Eisen vorliegt. Bei einem Erwachsenen sind das normalerweise 3-5 g Eisen – das meiste davon (2 g) in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten).

Je nachdem, wie stark der Eisenmangel ausgeprägt ist, spricht man von einem Eisenmangelsyndrom oder einer Eisenmangelanämie. Eine Eisenmangelanämie liegt dann vor, wenn der Hämoglobinwert aufgrund eines Eisenmangels unter 12 g/dl bei Frauen bzw. unter 13 g/dl bei Männern sinkt. Eine Eisenmangelanämie kann damit gewissermaßen als verschärfte Variante des Eisenmangels betrachtet werden.

Formen von Eisenmangel
Eisenmangelsyndrom
(IDS, Iron Deficiency Syndrome)
Eisenmangelanämie
(IDA, Iron Deficiency Anemia)
ohne Blutarmut (Anämie) mit Blutarmut (Anämie)
Hb > 12 bzw. 13 mg/dl (Frauen/Männer) Hb < 12 bzw. 13 mg/dl (Frauen/Männer)

Häufigkeit von Eisenmangel

Besonders gefährdet für Eisenmangel sind Frauen im gebärfähigen Alter. Sie nehmen im Schnitt nicht nur weniger Eisen auf als Männer, sondern haben zugleich durch Regelblutung und Schwangerschaft einen erhöhten Bedarf. Während bei Männern „nur“ 14 % die empfohlene tägliche Eisenzufuhr nicht erreichen, sind es bei Frauen 58 %, im Alter bis zu 50 Jahren sogar über 75 %. Etwas besser sieht es dann wieder in höherem Alter aus. So nehmen rund 24 % der 51- bis 64-Jährigen und 36 % der 65- bis 80-jährigen zu wenig Eisen auf. [Nat. Verzehrsstudie II, 2008]

¾ aller Frauen im gebärfähigen Alter nehmen über die Nahrung nicht genügend Eisen zu sich.

Nicht immer entwickelt sich daraus gleich eine Eisenmangelanämie. Insgesamt sind Eisenmangel bzw. Eisenmangelsyndrom weiter verbreitet als eine Eisenmangelanämie.

Wofür braucht unser Körper Eisen?

Eisen wird vor allem als Bestandteil von Hämoglobin benötigt, dem Farbstoff unserer roten Blutkörperchen. Seine wichtigste Funktion ist der Sauerstofftransport im Blut. Ohne ausreichend Hämoglobin erhalten unsere Zellen nicht genügend Sauerstoff, der vor allem bei der Energiegewinnung gebraucht wird. Umgekehrt heißt das aber auch, dass jeder Blutverlust automatisch mit einem Eisenverlust verbunden ist.

Ähnlich wichtig wie im Hämoglobin ist Eisen im Myoglobin, dem roten Farbstoff unserer Muskelzellen, der als Sauerstoffspeicher in den Muskeln und für die Energiegewinnung aus Zucker (Glukose) gebraucht wird.

Ohne ausreichend Eisen fehlen uns also Sauerstoff und Energie.

Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Enzymen und Systemen im Körper, die auf eine ausreichende Eisenversorgung angewiesen sind. Beispiele sind die Schilddrüse, das Nervensystem und das Immunsystem.

Was passiert bei Eisenmangel?

Die Folgen eines Eisenmangels hängen davon ab, wie stark er ausgeprägt ist und wie lange er anhält. Je nach Organ bzw. System kommt es zu folgenden Schwierigkeiten:

  • gestörte Hormonbildung (Serotonin, Cortisol, Schilddrüsenhormone, Geschlechtshormone) → u.a. schlechtere Stimmung, Schlafstörungen
  • Nervensystem → beeinträchtigte geistige Funktionen wie Konzentration, Denk- und Merkfähigkeit, Gereiztheit, aber auch Restless legs
  • Probleme beim Bilden stabiler Bausubstanz von Haaren, Nägeln, Haut, Schleimhaut, Knochen → brüchige Nägel, trockene Haut und Haare, eingerissene Mundwinkel, Haarausfall
  • Probleme im Abwehrsystem → erhöhte Infektanfälligkeit
  • gestörte Blutbildung → Anämie
  • gestörte Bildung von Myoglobin (Sauerstoffspeicher in den Muskeln) → Kurzatmigkeit, Leistungsknick, schlechtere Ausdauer
  • Probleme bei der Energiegewinnung → u.a. Müdigkeit, Erschöpfung

Wie äußert sich Eisenmangel? – Die Symptome

Welche Symptome genau auftreten, hängt unter anderem davon ab, ob wir es bereits mit einer echten Eisenmangelanämie oder „nur“ mit einem Eisenmangelsyndrom zu tun haben. Die ersten Symptome eines Eisenmangels sind sehr unspezifisch und treten oft erst spät auf, wenn der Körper bereits seine Eisenspeicher geplündert hat.

Gerade bei den allgemeinen Symptomen kommt es durchaus vor, dass Patienten diese zunächst gar nicht bemerken – sondern erst rückwirkend wahrnehmen, wenn der Eisenmangel behoben ist. So nach dem Motto: „Seit ich keinen Eisenmangel mehr habe, fühle ich mich wieder wacher, kann mich besser konzentrieren, habe ich bessere Stimmung …“

Typische allgemeine Anzeichen für einen Eisenmangel sind:

  • anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung, Schwächegefühl
  • Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit
  • Leistungsschwäche
  • Nervosität, Reizbarkeit, innere Unruhe
  • Abgespanntheit
  • depressive Verstimmung

Hinzukommen können noch

  • Schlafstörungen
  • Kurzatmigkeit
  • höheres Kälteempfinden

Kopf & Nacken

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Ohrgeräusche
  • bläuliche Verfärbung des Augenweißes
  • Zungenschmerzen, trockener Mund, Verlust der Zungenpapillen
  • Nackenverspannungen

Haut & Haare

  • blasses Gesicht
  • Haarausfall
  • sprödes, stumpfes, gespaltenes Haar
  • brüchige Nägel; Löffelnägel
  • trockene, rissige Haut (auch an den Lippen)
  • rissige Mundwinkel

Verdauungsapparat

  • Brennen der Zunge
  • Schluckbeschwerden
  • Appetitmangel
  • Sodbrennen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Lust auf Eiswürfel und andere abnorme Essensgelüste wie Erde, Kalk (sog. Pica-Syndrom)

Immunsystem

  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Allergie-Neigung

Sonstiges

  • sexuelle Störungen
  • Angina pectoris
  • Restless legs (unruhige Beine)
  • stärkere Rotfärbung des Harns nach dem Verzehr von Roter Beete

Wie wird Eisenmangel nachgewiesen? – Die Diagnose

Die wichtigsten Eisenwerte selbst sind:

  • Eisengehalt im Blut (Serum oder Plasma)
  • Menge des Eisentransporters Transferrin im Blut
  • Transferrin-Sättigung – spiegelt wider, wie weit das im Blut vorhandene Transportprotein Transferrin mit Eisen beladen bzw. gesättigt ist

Ein gutes Maß für den Füllungszustand der Eisenspeicher sind der Ferritinwert und die Transferrin-Sättigung. Ein niedriger Ferritinwert und eine niedrige Transferrin-Sättigung weisen auf einen Eisenmangel hin. Da der Ferritinwert – unabhängig vom Eisenspiegel – bei akuten Entzündungen und Infekten erhöht sein kann, sollte er immer im Gesamtzusammenhang verstanden und interpretiert werden (z.B. mit Entzündungswerten).

Im Blut gut zu erkennen sind zudem die Symptome eines fortgeschrittenen Eisenmangels bzw. der Eisenmangelanämie:

  • Hämoglobin (Hb-Wert) ↓
  • Zahl der roten Blutkörperchen ↓
  • Retikulozyten (sozusagen junge bzw. jugendliche rote Blutkörperchen) ↓
  • Hämatokrit-Wert (Volumen-Anteil der roten Blutkörperchen im Blut) ↓
  • kleinere rote Blutkörperchen: MCV (mittlere Größe der roten Blutkörperchen) ↓
  • MCH (mittlerer Hämoglobingehalt der roten Blutkörperchen) ↓
Wichtige Normwerte bei Eisenmangel*
FrauenMänner
Ferritin10-250 ng/ml20-500 ng/ml
Eisen37-165 µg/dl35-168 µg/d
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)4,3-5,2 Mio/µl4,8-5,9 Mio/µl
Hämoglobin12-16 g/dl14-18 g/dl
Hämatorkrit37-47 %40-54 %
MCV76-88 fl
MCH28-32 pg

*Je nach Labor und Quelle können die Angaben mehr oder weniger abweichen.

Anzumerken ist hierbei, dass auch bei Patienten, deren Werte im unteren Normalbereich liegen, durchaus häufig Beschwerden auftreten können, die mit einer besseren Eisenversorgung beseitigt werden können. Tatsächlich fällt die Einstufung der Normwerte international nicht immer einheitlich aus. Exemplarisch sei hier eine Einordnung von Professor Stanley L. Schrier von der Stanford University School of Medicine aufgeführt (Stand 2019). Demnach sind Ferritinwerte von 40 bis 200 ng/ml normal. Bei Ferritinwerten unter 40 ng/ml spricht er von einem Eisenmangel ohne Blutarmut, bei Werten unter 20 ng/ml von einem Eisenmangel mit milder Blutarmut und bei unter 10 ng/ml von einem Eisenmangel mit schwerer Blutarmut.

Wie viel Eisen brauchen wir?

Gesunde Erwachsene brauchen 10-15 mg Eisen am Tag.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Jugendlichen und Erwachsenen pro Tag folgende Eisenmengen zuzuführen:

Empfohlene Eisenzufuhr in mg/Tag
MännerFrauen
Kinder/Jugendliche von 10-18 Jahren1215
19-50 Jahre1015
über 50 Jahre1010

Je nach Lebensphase kann der Eisenbedarf bei Frauen von den genannten Werten abweichen: Vor der ersten und nach der letzten Regelblutung ist von einem niedrigeren Eisenbedarf von nur 10 mg/Tag auszugehen. Deutlich höher ist der Eisenbedarf während Schwangerschaft (30 mg/Tag) und Stillzeit (20 mg/Tag). Entsprechend sollten Schwangere und Stillende besonders sorgfältig auf eine ausreichende Eisenzufuhr achten. Allerdings sollten Sie wissen:

Allein über eine normale Ernährung ist der deutlich höhere Eisenbedarf während Schwangerschaft und Stillzeit kaum zu decken.

Umso wichtiger sind regelmäßige Kontrollen und ggf. eine gezielte Eisenzufuhr während Schwangerschaft und Stillzeit.

Einen erhöhten Eisenbedarf haben auch Sportler. Einerseits benötigen sie mehr Eisen, um ihren erhöhten Sauerstoff- und Energiebedarf zu decken, andererseits verlieren sie mehr Eisen durch Schwitzen.

Vermehrt achten sollten Sie auch auf die Eisenversorgung bei heranwachsenden Kindern. Besonders gefährdet sind Kinder zwischen dem 6. und dem 24. Lebensmonat.

Wie entsteht Eisenmangel? – Die Ursachen

Wenn ein Nährstoff fehlt, gibt es grundsätzlich vier Möglichkeiten, woran es hapert:

  1. erhöhter Bedarf
  2. zu geringe Zufuhr
  3. schlechte Aufnahme/Verwertung
  4. zu hohe Verluste

Schauen wir uns die vier Punkte einmal näher an.

  1. Einen erhöhten Bedarf haben wie gesagt Schwangere und Stillende.
  2. Probleme mit der ausreichenden Zufuhr von Eisen haben insbesondere Veganer und Vegetarier. Vorsicht geboten ist auch bei Diäten und Magersucht.
  3. Probleme mit der Eisenaufnahme und Verwertung finden wir z.B. bei Patienten mit Zöliakie, (atrophischer) Gastritis, Infektion mit Helicobacter pylori, bei Einnahme bestimmter Medikamente wie ASS (Acetylsalicylsäure/Aspirin), Mittel zur Reduzierung der Magensäure (Antazida), Antibiotika, selten auch genetisch bedingt
  4. Der vierte Punkt ist der Verlust z.B. durch Schwitzen. Der hierzulande häufigste Grund für Eisenmangel ist Blutverlust. Dieser kann größer und offenkundig sein (z.B. bei einer Verletzung, Operation, starke Regelblutung, Blutspende), aber auch schleichend und eher im Verborgenen stattfinden (z.B. chronische, oft unerkannte Blutungen aus dem Magen, Darm und über den Urin).

Bei Männern sowie Frauen jenseits der Wechseljahre kann ein Eisenmangel auf eine bösartige Erkrankung, insbesondere im Magen-Darm-Trakt hinweisen, und sollte daher immer abgeklärt werden!

Wie behandelt man Eisenmangel? – Die Therapie

Um einen Eisenmangel effektiv behandeln zu können, müssen wir zunächst seine Ursache kennen. So kann bei zu starken Monatsblutungen eine Regulation des Hormonhaushaltes – sei es mit der „Pille“ oder aber naturheilkundlich – sinnvoll sein. Bei versteckten Blutungen müssen zunächst deren Ursachen behandelt werden.

Danach gilt es die Eisenlücken wieder zu schließen – mit der richtigen Ernährung und Eisenpräparaten.

Die wichtigsten Ernährungstipps bei Eisenmangel

Eisen ist nicht gleich Eisen. Besonders gut aufnehmen kann unser Körper zweiwertiges an Hämoglobin und ähnliche Verbindungen gebundenes Eisen (sog. Häm-Eisen), wie es vor allem in Fleisch vorkommt. Dreiwertiges Eisen, wie wir es häufig in Pflanzen finden, muss dagegen erst in zweiwertiges umgewandelt werden.

Tierisches Eisen kann unser Körper wesentlich besser aufnehmen als pflanzliches.

Eisenreiche tierische und pflanzliche Lebensmittel

Tierische Lebensmittel
mg Eisen / 100 g
Blutwurstbis zu 30 (6)
Schweineleber15–22
Kalbsleber8
Rinderleber7
Leberwurst5
Putenfleisch3
Rindfleisch3
Geflügel2–3
Kalbsschnitzel2
Lammfleisch2
Hähnchenkeule1–2
Pflanzliche Lebensmittel
mg Eisen / 100 g
Thymian20
Weizenkleie13–16
Zuckerrübensirup13
Kürbiskerne12–13
Pfefferminze10
Leinsamen8
Linsen7
Pfifferlinge6–7
Hirse6–7
Erbsen5
Haferflocken4–5

Eisenverwertung verbessern

Entscheidend ist nicht allein der Eisengehalt, sondern auch, wie gut unser Körper das Eisen verwerten kann. Verbessern können Sie die Verwertung von Eisen aus der Nahrung, indem Sie ihrem Körper gleichzeitig Vitamin C anbieten. Das gelingt leicht mit einem Glas Orangensaft (möglichst frisch gepresst) oder ein paar Streifen Paprika – am besten gleich zur eisenreichen Mahlzeit.

Neben Vitamin C sollen Äpfelsäure, Zitronensäure und Fruktose zu einer besseren Eisenverwertung beitragen.

Umgekehrt gibt es eine Reihe von Lebensmitteln, deren Inhaltsstoffe die Eisenaufnahme und -verwertung behindern. So enthält Spinat zwar mit 4 mg pro 100 g vergleichsweise viel Eisen – allerdings kann dieses wegen der ebenfalls enthaltenen Oxalsäure nicht so gut verwertet werden. Einen Überblick gibt Ihnen die folgende Tabelle:

Verbessert die EisenverwertungVerschlechtert die Eisenverwertung
Vitamin C (Orangen/-saft, Paprika, Brokkoli – ideal: 1 Glas Orangensaft vor einer eisenreichen Mahlzeit)Tannine (Schwarztee, Kaffee, Rotwein)
tierisches Eiweiß (mageres Fleisch)Calcium (Milch, Milchprodukte, Calciumpräparate)
MagensäureMagnesium- und andere Mineralstoffpräparate
Phytinsäure (unfermentiertes Getreide, Reis, Soja)
Oxalsäure (Rhabarber, Spinat, Kakao, Rote Beete)
Alginate (Puddingpulver, Tütensuppen)
Phosphate (als Zusatzstoffe z.B. in Fleisch, Cola, Schmelzkäse, Eis und anderen verarbeiteten Milchprodukten; Schmelzsalze, E338-E341, E343, E450-E452, E1410, E1412-E1414, E1442)

Eisenzufuhr bei Eisenmangel

Eisenpräparate mit unterschiedlichen Dosierungen gibt es als Kapseln oder Tabletten, die normalerweise über Monate eingenommen werden. Die Eisentabletten oder -kapseln werden möglichst morgens auf nüchternen Magen, in der Regel ein bis zwei Stunden vor dem Frühstück, eingenommen.

Allerdings gibt es eine Reihe von Patienten, die so eingenommene Eisenpräparate schlecht vertragen. In diesen Fällen empfehlen sich in der Regel Eiseninfusionen. Besonders sinnvoll sind Eiseninfusionen auch bei Patienten, die Probleme mit der Eisenaufnahme (Resorption) im Darm oder einen sehr ausgeprägten Eisenmangel haben. Ein weiterer Vorteil von Eiseninfusionen: Während im Darm immer nur ein Teil des Eisens aufgenommen werden kann, gelangt bei der Eiseninfusion das gesamte Eisen ins Blut. So lassen sich leere Eisenspeicher schneller wieder auffüllen.

Ein Vorreiter in Sachen Eisentherapie der Bevölkerung ist die Schweiz. Aufgrund der großen Bedeutung von Eisen für unsere Gesundheit werden dort Patienten mit einem Eisenmangelsyndrom – also auch solche ohne Eisenmangelanämie – diagnostiziert und behandelt. Die notwendigen Infusionen übernehmen – anders als in Deutschland – die Krankenkassen.

Den Erfahrungsvorsprung aus der Schweiz nutze ich auch in unserem Eisenzentrum in Wiesbaden, wo ich seit Jahren nach dem sogenannten Swiss Iron System von Dr. Schaub arbeite. Dabei werden zunächst die leeren Eisenspeicher wieder aufgefüllt. Anschließend wird regelmäßig kontrolliert, wie sich der Eisenwert über die Zeit verändert, und ggf. langfristig Eisen per Infusion zugeführt, um den angestrebten Eisenspiegel zu erhalten. Nach meiner Erfahrung lassen sich auf diese Weise viele Eisenmangel-bedingte Beschwerden auch langfristig gut beseitigen.

Fazit

Besonders häufig ist Eisenmangel bei Frauen im gebärfähigen Alter, aber auch bei Sportlern und Heranwachsenden. Da Eisenmangel meist schleichend und mit unspezifischen Symptomen wie permanenter Müdigkeit und Konzentrationsschwäche beginnt, kann er lange unbemerkt bleiben. Stärkerer Eisenmangel führt zur Blutarmut (Eisenmangelanämie).

Wichtig ist es zunächst die Ursachen des Eisenmangels zu erkennen und zu beseitigen, um im nächsten Schritt die Eisenspeicher wieder aufzufüllen und langfristig eine ausreichende Eisenzufuhr zu sichern.

Literatur

  • Brüschke, Gerhard; Mehls, Erika (Charité Berlin): Das Eisenmangelsyndrom. Verlag Theodor Steinkopff Dresden, 1971
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
  • Max Rubner-Institut: Nationale Verzehrsstudie II, Ergebnisbericht, Teil 2, 2008
  • Internisten im Netz
  • Schrier, S. L.; Auerbach, M.: Causes and diagnosis of iron deficiency and iron deficiency anemia in adults. UpToDate 2019

Adressen

Nach dem Swiss Iron System arbeitende und von der Swiss Iron Health Organisation (SIHO) zertifizierte Eisenzentren – unter anderem mit Adressen in der Schweiz, Deutschland und Österreich – finden Sie unter www.eisenzentrum.ch

Redaktion: Dr. rer. nat. Inge Ziegler

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Mailadresse dient möglichen Rückfragen durch die Redaktion. Sie wird nicht veröffentlicht.



 

Wichtiger Hinweis:
Diese Inhalte dienen der Information und Orientierung. Sie können und sollen unter keinen Umständen den Besuch eines Arztes und die Konsultation medizinischer Beratung oder professioneller ärztlicher Behandlung ersetzen.
Der Inhalt von naturheilmagazin.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Im Übrigen verweisen wir auf die Geltung unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB

Krankheiten A-Z