Psychosomatik bei Blasenentzündungen

Wenn die Psyche auf die Blase schlägt

Worum geht es in der Psychosomatik?

Die Psychosomatik ist die Lehre von den Wechselbeziehungen zwischen Seele, Geist und Körper. Dabei werden lineare Übertragungen von seelischen Störungen auf das Soma (Körper) untersucht bzw. unterstellt. Die umgekehrte Übertragung müsste entsprechend Somatopsychik genannt werden.

Wechselwirkungen zwischen Körper und Psyche

Körper (Soma) und Psyche sind über Hormone, Nerven usw. in permanentem Austausch miteinander. An der Interaktion beteiligt sind auch unsere Darmbakterien, die ihrerseits Botenstoffe bilden oder über eine veränderte Ernährung oder Milieuveränderungen auf Stress und andere Faktoren reagieren.

Blasenentzündung aus Sicht der Psychosomatik

Wie jede Erkrankung ist auch eine Blasenentzündung stets individuell zu bewerten. Neben körperlichen (physischen) Aspekten kann auch die Psyche je nach Fall eine mehr oder weniger große Rolle spielen. Hier sollte jeder für sich selbst bzw. in Zusammenarbeit mit seinem Behandler prüfen, ob bestimmte Dinge zutreffen und mit der Blasenentzündung zusammenhängen können. Hilfreich kann es z. B. sein, auf zeitliche Zusammenhänge zu achten.

Tritt die Blasenentzündung vielleicht immer bei großem Stress auf, wenn bestimmte Belastungen anstehen ...? Stress schwächt bekanntermaßen das Immunsystem und kann daher Infekte begünstigen. Bei Ratten konnte zudem gezeigt werden, dass akuter emotionaler Stress Mastzellen, die an der Abwehr von Krankheitserregern und allergischen Reaktionen beteiligt sind, in der Blasenwand aktiviert. Hinzu kommt, dass ein unbewusstes Anspannen der Muskulatur im Becken bzw. des Beckenbodens die Durchblutung und damit die Abwehr in der Blasenregion verschlechtern und damit wiederkehrende Blasenentzündungen begünstigen kann. Möglicherweise wird unter Stress auch die Harnblase nicht vollständig entleert und so die Vermehrung von Bakterien im Restharn begünstigt. Sollten Sie den Eindruck haben, dass Stress in Ihrem Fall eine Rolle spielt, kann es sinnvoll sein, die Lebensumstände zu überdenken und ggf. zu ändern. Achten Sie dabei auch einmal auf Ihre Ernährungsgewohnheiten bei Stress. Bei vielen Menschen gilt: Ich habe Stress, deshalb brauche ich Schokolade oder Chips – die dann eine „stressbedingte“ Zystitis befeuern können!

Ein anderer Effekt, den ich häufig bei Patienten beobachte, ist dass die Psyche den Darm beeinflusst. Besonders deutlich zu erkennen ist das bei Reizdarmpatienten. Stress kann z.B. die Kontraktion der Darmmuskulatur und die Darmflora beeinflussen. Ein typisches Beispiel wäre häufiger Stuhlgang oder Verstopfung bei Aufregung und Stress. Kommt es infolge anhaltenden Stresses zu einer Fehlbesiedlung (Dysbiose) und Fehlfunktion des Darms, hat das häufig Konsequenzen für das Scheidenmilieu und kann zu einem basischen Vaginalausfluss führen. Die permanente Reizung bzw. Entzündung im Rahmen der chronischen Dysbiose der Scheide sorgt lokal bzw. in der näheren Umgebung zu einem Zinkmangel, der bis zur Blase ausstrahlen kann. Hinzu kommt die gestörte bakterielle Flora im Intimbereich (Darm, Scheide), die ihrerseits das Eindringen von Keimen in die Harnröhre begünstigt. Sie sehen: Die Zusammenhänge können mitunter ziemlich komplex sein. Erfahrungsgemäß lassen sich solche Probleme aber über eine gesunde Ernährung, gezielte Nährstoffversorgung und Darmpflege gut in den Griff bekommen.

Frauen, die ihren Urin sehr lange anhalten, weil sie keine fremde Toilette besuchen möchten, haben ebenfalls ein höheres Risiko für Blasenentzündungen. Hier hilft nur genug trinken und die Blase regelmäßig entleeren.

Vertreter der spirituell-psychosomatischen Sicht auf Krankheiten sehen weitere Bezüge zwischen Blasenentzündung und Psyche. Dahinter steht die Vorstellung, dass Krankheiten bzw. Symptome Ausdruck von Konflikten in unserem Leben sind, die wir nicht sehen wollen bzw. die uns zeigen, wo wir gegen unseren eigenen Lebensweg leben.

Rüdiger Dahlke setzt das Brennen beim Wasserlassen mit für den Patienten schmerzhaftem Loslassen in Verbindung. In eine ähnliche Richtung geht auch Louise Hay, die Blasenentzündungen im Zusammenhang mit der Angst loszulassen, Ängstlichkeit und dem Festhalten an alten Vorstellungen in Verbindung bringt. Der chinesische Organkreis sieht die Blase im Zusammenmit dem Thema „Scham“.

Häufig in Verbindung gebracht wird die Blase zudem mit Unsicherheit(en) bzw. mangelndem Selbstvertrauen. Das heißt allerdings bei Weitem nicht, dass jede(r), der regelmäßig unter Blasenentzündungen leidet, ein Problem mit seinem Selbstbewusstsein haben muss. Das ist nur ein möglicher Aspekt von vielen.

Tatsächlich werden eher andere Erkrankungen der Blase mit psychischen Faktoren in Verbindung gebracht als eine Blasenentzündung, so z.B. eine Reizblase oder Inkontinenz. Nach meiner praktischen Erfahrung spielen gerade bei Immunschwächen wie Blasenentzündungen weit häufiger andere Faktoren wie Ernährung, ein gestörtes Milieu, Darmdysbiosen usw., eine entscheidende Rolle – und weniger die Psyche.

Umgekehrt können rezidivierende Blasenentzündungen aber durchaus die Psyche belasten. Denken wir nur an Frauen, die sich aus Angst vor einer Blasenentzündung nicht mehr ins Schwimmbad oder die Sauna wagen oder sich bei jedem Sexualkontakt vor der nächsten Blasenentzündung fürchten und Intimkontakte daher bewusst oder unbewusst vermeiden. Solche Frauen brauchen dringend Unterstützung im Kampf gegen Blasenentzündungen, damit nicht auch noch die Partnerschaft leidet.

  • Dethlefsen, Thorwald; Dahlke, Rüdiger: Krankheit als Weg. Goldmann 1994
  • Günthert, Ernst-Albrecht: Psychosomatische Urologie: Leitfaden für die Praxis. Schattauer Verlag 2004
  • Hay, Louise: Gesundheit für Körper und Seele. 14. Aufl. Heyne 1984
  • Volkmann, Peter-Hansen: Darm gesund – Mensch gesund. Ganz einfach! 2. Aufl., VBN-Verlag 2019
Autor/en dieses Beitrages:
Peter-Hansen Volkmann, FA. für Allgemeinmedizin aus Lübeck

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