Statt Wunschkaiserschnitt ins Geburtshaus?

Statt Wunschkaiserschnitt ins Geburtshaus?

(Quelle: www.netzwerk-frauengesundheit.com)

Bereits jedes dritte Baby wird in Deutschland durch Kaiserschnitt entbunden, Tendenz steigend. Jetzt machen nicht nur die Hebammen mobil, sondern auch der Arbeitskreis Frauengesundheit (AKF) „Lebensphase Eltern werden“, in dem sich Frauenärztinnen, Psychotherapeutinnen und Eltern zusammengeschlossen haben. Zwar wird in der Regel eine medizinische Indikation zur Sectio (Kaiserschnitt) in den Krankenakten stehen, aber hierbei handelt es sich sehr häufig um eine „weiche“ Indikation. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht nach einer Untersuchung in über 100 Ländern davon aus, dass nur bei etwa 10 % der Geburten ein Kaiserschnitt medizinisch erforderlich ist. Was sind dann die anderen Gründe?

Sowohl für die Kliniken als auch die Frauen kann ein Kaiserschnitt recht bequem sein: der Zeitpunkt lässt sich gut planen, die Geburtsdauer ist superkurz und relativ schmerzlos (die Schmerzen treten dann erst im Wochenbett auf). Niemand muss sich später Vorwürfe machen, wenn das Baby nicht so fit ist und eventuell Entwicklungsstörungen hat, denn „man hat ja das Beste getan“. Durch die Optimierung der Narkosen und die guten hygienischen Verhältnisse in unseren Krankenhäusern (verglichen mit wirtschaftlich unterentwickelten Staaten) kann beim Kaiserschnitt eigentlich wenig passieren.

Inspiriert durch das Vorleben der Models glauben auch bei uns viele Frauen, dass sie durch einen Kaiserschnitt ihren Beckenboden schonen, schnell wieder attraktiv und schön sind, und keine Einschränkungen der Sexualität in Kauf nehmen müssen. Sie müssen sich ihrem Mann nicht schwach, vor Schmerzen schreiend, von Blut „besudelt“ zeigen. Das Vertrauen in die Kräfte des eigenen Körpers, die Überzeugung, dass der Geburtsprozess Glücksmomente bietet, die Partnerschaft festigt und Kraft schenkt fehlen. Manche möchten auch ihrem Baby die schmerzhafte Geburt ersparen. Das Gefühl „guter Hoffnung zu sein“ ist der Angst gewichen, „auf das Schlimmste gefasst zu sein!“

In ihrem Inneren träumen dennoch die meisten Frauen von einer „natürlichen“ Geburt. Aber nur ca. 5 % aller Geburten verlaufen bei uns ohne technische Hilfe. Dabei wäre es so einfach, wenn jeder Frau eine erfahrene und kompetente Begleiterin zur Seite stände. Es gibt genügend Hebammen, die in Vorbereitungskursen Entspannungsmethoden vermitteln und die Frauen mit normaler Schwangerschaft zu Hause oder in Geburtshäusern entbinden könnten. Große Statistiken zeigen, dass Schwangere, deren Geburt von einer Hebamme geleitet wird, weniger Schmerzmittel brauchen, dass die Geburt schneller geht, dass nur in ca. 5 % ein Kaiserschnitt erforderlich ist und dass der Gesundheitszustand der Neugeborenen besser ist als bei den üblichen Klinikgeburten.

Was viele Frauen nicht wissen, ist, dass ihr Baby vom Geburtsstress profitiert: der kontinuierliche Druck auf das kindliche Köpfchen bewirkt eine Ausschüttung von wichtigen Hormonen, die dafür sorgen, dass die Lungen sich nach der Geburt richtig entfalten können. Das Immunsystem und der Stoffwechsel werden aktiviert, so dass es später weniger Allergien hat und mit Stressfaktoren besser umgehen kann. Dabei hilft auch der Kontakt mit den mütterlichen Scheiden- und Hautbakterien, die rasch den kindlichen Darmtrakt besiedeln und damit keinen Platz für krank machende Bakterien lassen.

Der Arbeitskreis Frauengesundheit sammelt in einer Kampagne Unterschriften, damit die Voraussetzungen für eine natürliche Geburt verbessert werden. Informieren Sie sich hier, was es noch für Gründe gibt, und leiten sie diesen Aufruf weiter.

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