Kinder im Nordosten der BRD erhalten doppelt so häufig Antibiotika wie im Süden

Kinder im Nordosten der BRD erhalten doppelt so häufig Antibiotika wie im Süden

15.02.2012 - 17:16
Pressemitteilung von: Bertelsmann Stiftung

(ddp direct)Ob einem Kind ein Antibiotikum verschrieben wird oder nicht, ist in Deutschland auch vom Wohnort abhängig: Kinder im Nordosten Deutschlands erhalten doppelt so häufig Antibiotika wie Kinder in Süddeutschland. Das belegt der Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann Stiftung auf seiner neuen Internetseite www.faktencheck-antibiotika.de. Die Zahlen zeigen auch, dass Kindern insgesamt deutlich mehr Antibiotika verordnet werden als Erwachsenen. Bundesweit wird jedem zweiten Kind zwischen drei und sechs Jahren mindestens ein Antibiotikum pro Jahr verschrieben deutlich mehr als Erwachsenen. Auf einer interaktiven Deutschland-Karte ist abzulesen, wie viel Prozent der jungen Versicherten in jedem der 412 deutschen Stadt- und Landkreise im Jahr 2010 ein Antibiotikum verordnet bekommen haben. Grundlage der repräsentativen Untersuchung bildeten die Versicherten-Daten der BARMER GEK.

* In einigen Landkreisen im Osten Mecklenburg-Vorpommerns erhielten die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren mindestens ein Mal ein Antibiotikum vom Arzt verordnet. Das sind doppelt so viele wie beispielweise in bestimmten Landkreisen im südlichen Bayern, aber auch im benachbarten Schleswig-Holstein.

* Besonders häufig werden Antibiotika bei akuter Mittelohrentzündung, fiebriger Erkältung und Grippe eingesetzt. Da es sich hierbei aber meistens um Virusinfekte handelt, helfen Antibiotika vielfach gar nicht, da sie nur gegen bakterielle Keime wirken.

* Bei nicht eitrigen Mittelohrentzündungen, bei denen Antibiotika laut Leitlinien nur in Ausnahmefällen verschrieben werden sollten, verordneten 33 Prozent der Hausärzte Antibiotika, aber nur 17 Prozent der Kinderärzte und 9 Prozent der HNO-Ärzte. Bei Lungenentzündung, wo die Verordnung von Antibiotika angezeigt ist, waren es 80 Prozent der Kinderärzte, aber nur 66 Prozent der Hausärzte.

* Die neue Internetseite www.faktencheck-antibiotika.de bietet Patiententipps und Informationsmaterialien, etwa eine Elternbroschüre sowie eine Checkliste für den Arztbesuch mit einem Antibiotika-Pass.

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

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