Homöopathie-Kritiker planen Kampagne: für mehr Glauben an die Schulmedizin

Homöopathie-Kritiker planen Kampagne: für mehr Glauben an die Schulmedizin

Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ)

Berlin, 10. Februar 2016. Die jüngere Geschichte der Homöopathie in Deutschland ist laut Medienberichten eine „rasante Erfolgsstory“. Repräsentative Umfragen belegen demnach, dass die Homöopathie „immer mehr Anhänger“ hat und der „Glaube“ an die Heilmethode stetig wächst. Laut dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ist die Anzahl der Ärzte mit homöopathischer Zusatzausbildung in den letzten 20 Jahren um etwa 200 Prozent gestiegen. In der Regel sind das Fachärzte, die die von den Ärztekammern vergebene „Zusatzbezeichnung Homöopathie“ tragen, oder das Homöopathie-Diplom des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) führen. – Homöopathie Gegner glauben, diese Entwicklung ist eine Gefahr für unsere Gesellschaft.

Alternativlose Schulmedizin

„(…) denn die Homöopathie ist auch mit ganz anderen Dingen verbunden: Sie ist oft ein Einstieg in die Impfskepsis, in Skepsis der Pharmaindustrie generell gegenüber“, ist sich Norbert Aust sicher. Aust ist Ingenieur im Ruhestand und hatte nach eigenen Angaben plötzlich „viel Zeit, rumzuschmökern“. Als er bemerkte, wie wenig Wirkstoff in vielen Potenzierungen homöopathischer Arzneimittel enthalten ist, wurde er zum „Kämpfer gegen die Homöopathie“ (Badische Zeitung). Mittlerweile hat er ein etwa 30-köpfiges Netzwerk aufgebaut, das systematisch eine Anti-Homöopathie-Website aufbauen soll. Ein angestrebtes Ziel sei dabei, dass der Begriff „Alternativmedizin“ dem Begriff „Pseudomedizin“ weichen solle.

Den rückwärtsgewandten Versuch, die konventionelle Medizin als „alternativlos“ zu bemänteln, halten die Homöopathie-Kritiker im Kontext der sinkenden Reputation der sogenannten Schulmedizin für nötig. Die „Hoffnung der Initiatoren“ gibt „Die Welt“ folgendermaßen wieder: „Die Internetplattform könnte dazu beitragen, dass der Glaube an die Schulmedizin wieder wächst.“ Zudem soll es eine Sammlung von Fällen geben, „bei denen homöopathische Behandlungen nachweislich geschadet haben“. Hier wird versucht, im Gegensatz zur tatsächlichen Behandlungsrealität der homöopathischen Ärzte, ein Entweder-Oder-Szenario darzustellen, welches so nicht existiert, und auch von den maßgeblichen Akteuren, nämlich den Ärzten, überhaupt nicht angestrebt wird.

Zweierlei Maß in der anekdotischen Beweisführung

„Seit Jahrzehnten behaupten Homöopthie-Skeptiker unisono, dass die Darstellung einzelner Fallbeispiele von Krankheitsverläufen unter homöopathischer Behandlung kein Erkenntnisgewinn, sondern schlicht unwissenschaftlich sei“, erklärte Cornelia Bajic, 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Es sei daher erstaunlich, dass genau jene Kritiker, die Kasuistiken stets als „anekdotische Beweisführung“ kategorisch abgelehnt haben, diese jetzt gegen die Homöopathie ins Feld führen wollten, so Bajic weiter. „Es geht hier augenscheinlich also darum, Kampagne gegen die integrative Medizin in Deutschland zu machen.“ Und es stellt sich die Frage,
welchen Hintergrund diese Aktivitäten haben. Patienten und Ärzte sind laut Umfrageergebnissen (s.u.) und ebenso laut der Erfahrungen der homöopathischen Ärzte, hochzufrieden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen funktioniert hervorragend. Und die Homöopathie wird seit 200 Jahren in mittlerweile über 70 Ländern dieser Erde erfolgreich angewendet.

Repräsentative Studie: Homöopathie hilft mehr als 80 Prozent der Patienten

Die homöopathische Behandlung ist bei vielen chronisch kranken Patienten zur letzten Option mit einer Chance auf Besserung der Beschwerden geworden. Denn bei der Mehrzahl der Homöopathie-Patienten handelt es sich nicht um Menschen mit unkomplizierten Befindlichkeitsstörungen, sondern um chronisch Kranke, bei denen nach eigenen Angaben durch konventionelle Behandlungsmethoden keine Besserung der Beschwerden eingetreten ist. Das bestätigt beispielsweise der Gesundheitsmonitor 2014 der Bertelsmann Stiftung, eine groß angelegte repräsentative Studie zum deutschen Gesundheitswesen. 43 Prozent der Befragten nannten „chronische Erkrankungen“ als Anlass für die Behandlung durch den homöopathischen Arzt. 32 Prozent nannten „vorübergehende Erkrankungen“ als Grund.

Abbildung: Änderung der Beschwerden nach homöopathischer Behandlung

Unter ärztlicher Homöopathie besserten sich laut Gesundheitsmonitor bei mehr als 80 Prozent der Patienten mit akuten und chronischen Erkrankungen das Allgemeinbefinden und die seelische Verfassung. – Am deutlichsten gingen jedoch die körperlichen Beschwerden zurück.

„Selbstverständlich ist die ärztliche Homöopathie kein Allheilmittel“, kommentierte Bajic die Ergebnisse, „doch offenbar ist sie ein geeignetes Mittel, um den medizinischen Herausforderungen in einer Gesellschaft mit immer mehr chronisch erkrankten und multimorbiden Menschen wirkungsvoll zu begegnen. Wem nützt also diese Anti-Homöopathie-Kampagne?“