Holzheizungen verursachten mehr Feinstaub als der Straßenverkehr

Auswertung zur Luftqualität 2014

Auswertung zur Luftqualität 2014

Februar 2015, Deutsches Grünes Kreuz e. V. (dgk), Gesundheitskolumne des Deutschen Grünen Kreuzes

(dgk) Feinstaub gefährdete auch 2014 die Gesundheit der Menschen in Deutschland. Das belegen vorläufige Auswertungen des Umweltbundesamtes
(UBA) von über 500 Luft-Messstationen. Obwohl die Feinstaubbelastung
2014 im Vergleich zu anderen Jahren relativ niedrig war, sieht die UBA-Präsidentin Maria Krautzberger keinen Grund zur Entwarnung1:
„Trotz niedriger Feinstaub-Werte bleibt das Gesundheitsrisiko
bestehen. Denn für Feinstaub gibt es keine Wirkungsschwelle – Gesundheitsschäden treten auch bei geringen Feinstaubkonzentrationen
auf. Das hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wiederholt festgestellt.“

Ursache vorzeitiger Todesfälle

Die feinen, mit dem Auge nicht sichtbaren Staubpartikel dringen beim Einatmen bis in die Lunge ein. Sie schaden aber nicht nur dem Atemorgan. Feinstaub verdoppelt laut Studien die Rate tödlicher Herzinfarkte, erhöht den Blutdruck, verringert die Lungenkapazität bei Kindern und begünstigt Asthma. Außerdem stehen die kleinen Partikel im Verdacht, Krebs zu erzeugen, die Hautalterung zu beschleunigen und Schlaganfälle zu begünstigen.

Harmlose Überschreitungen?

Zum Schutz der Gesundheit gelten europaweit einheitliche Grenzwerte für Feinstaub: Der Tagesgrenzwert beträgt 50 μg/m3 und darf nicht öfter als 35-mal im Jahr überschritten werden. Dieser Grenzwert wurde 2014 nur an zehn Prozent der verkehrsnahen Luftmessstationen überschritten. Das hört sich harmlos an, ist es aber nicht, denn die Zahlen spiegeln die tatsächliche Gesundheitsbelastung der Bevölkerung durch Feinstaub nicht wider.

WHO rät zu strengeren Grenzwerten

In einer amerikanischen Studie fanden Forscher Hinweise dafür, dass schon Feinstaub-Werte, die nach den bisherigen Grenzwerten als harmlos eingestuft werden, das Schlaganfallrisiko deutlich erhöhen. Und auch für die Lungenkrankheit COPD gibt es diesbezüglich keinen Grenzwert, wie deutsche Wissenschaftler zeigten: Steigt die Partikel-Konzentration um 7 Mikrogramm, erhöht sich die Zahl der COPD-Fälle um 33 Prozent. Besonders gefährdet
sind der Studie zufolge Menschen, die an dicht befahrenen Straßen leben.
Die WHO rät daher bei Feinstaub schon lange zu einem weitaus strengeren Luftgüteleitwert von 20 μg/m3 im Jahresmittel. Legt man diesen zugrunde, hätten 48 Prozent aller Messstationen den Grenzwert überschritten.

OECD: Feinstaub gefährlicher als Malaria

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht eine große Gefahr durch die winzigen Partikel: Einer OECD-Untersuchung zufolge rangiert Feinstaub unter den umweltbedingten Risiken für vorzeitige Todesfälle an erster Stelle, weit vor Malaria, vor Infektionen oder hohen Ozonwerten in der Luft. Prognosen gehen davon
aus, dass die Belastung durch Feinstaub weiter stark zunehmen wird, und dass im Jahr 2050 weltweit rund 3,6 Millionen Menschen als Folge davon sterben werden.

Killer-Partikel aus dem Kaminofen

Feinstaub entsteht vor allem durch Emissionen aus Kraftfahrzeugen, Kraft- und Fernheizwerken – und auch vermehrt durch das Befeuern von Kaminöfen.
Krautzberger: „Vor allem die wachsende Zahl der Holzfeuerungen wirkt sich negativ auf die Feinstaubbelastung aus. Insbesondere in den Wintermonaten kann der Anteil der Holzfeuerungen an der gesamten Feinstaubbelastung bis zu 25 Prozent betragen. Die Emissionen aus Holzheizungen übersteigen damit mittlerweile die Feinstaubmengen, die aus den Abgasen des Straßenverkehrs stammen.“

Der Straßenverkehr trägt dennoch weiterhin stark zur Schadstoffbelastung unserer Atemluft bei: Stickstoffdioxid, das vor allem aus KFZ-Abgasen stammt, entwickelte sich im Jahr 2014 zum Schadstoff Nummer eins. An mehr als der Hälfte der Messstationen an stark befahrenen Straßen lagen die Jahresmittelwerte über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.
Stickstoffdioxid belastet bei Menschen die Atemwege und kann bei Pflanzen zu
Blattnekrosen, vorzeitigem Altern und Kümmerwuchs führen.

Aktuelle Feinstaub-Tageswerte finden Interessierte unter www.umweltbundesamt.de/daten/luftbelastung/aktuelle-luftdaten

Quellen:

Kontakt:
Deutsches Grünes Kreuz e. V.
Biegenstr. 6
35037 Marburg
E-Mail: dgk@no_Spam.dgk.de
Internet: www.dgk.de