Stress am Arbeitsplatz

Ein (zu) hoher Preis Kommentar zum Stressreport

Ein (zu) hoher Preis Kommentar zum Stressreport

29.01.2013, Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz

Mainz (ots) - Es scheint, als müssten wir für den wirtschaftlichen Erfolg, den Deutschland seit vielen Jahren hat, einen hohen Preis bezahlen. Anders lassen sich die erschreckenden Erkenntnisse im jüngsten Stressreport der Bundesregierung kaum interpretieren: Fast jeder fünfte Arbeitnehmer fühlt sich überfordert, und das liegt sicher nicht daran, dass er für seine Aufgabe nicht qualifiziert, nicht leistungsfähig genug oder gar unmotiviert wäre. Ganz im Gegenteil: Der Erfolg der deutschen Wirtschaft beruht zu einem wesentlichen Teil auf seinen extrem leistungsbereiten und hochmotivierten Arbeitnehmern, die sich nicht jeden Morgen widerwillig zum Arbeitsplatz schleppen, sondern mit Pünktlichkeit und Fleiß beweisen, dass das "Wir" hierzulande keine Worthülse, sondern gelebte Arbeitswirklichkeit ist. Eine Wirklicheit die durch eine weltweit neidvoll betrachtete Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften strukturiert ist. Wieso also dann 59 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen, die für 41 Prozent aller Frühverrentungen veranwortlich sind, und ein volkswirtschaftlicher Schaden, der in die Milliarden geht? Offenbar herrscht in Unternehmen und Verwaltungen auf Arbeitnehmerseite eine erschreckende Tabuisierung des eigenen Befindens und bei vielen Arbeitgebern ein beschämender Mangel an Sensibilität. Sozialpartnerschaft, das belegt der jetzt vorgelegte Report, darf sich nicht nur in Einigungen bei Arbeitszeit, Löhnen und Gehältern erschöpfen. Vielmehr hat sie hat das komplette Miteinander zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu umfassen. Wer das nicht begreift, setzt nicht nur die Gesundheit seiner Mitarbeiter aufs Spiel, sondern auf Dauer auch den Erfolg des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

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