Blutspenden gegen Bluthochdruck?

Klinische Studie liefert erstmals Hinweise

Blutspenden gegen Bluthochdruck?

Bild von der Pressekonferenz am 20. Juni 2012, Prof. Andreas Michalsen; Prof. Abdulgabar Salama, Dr. Henning Albrecht

Bild von der Pressekonferenz am 20. Juni 2012, Prof. Andreas Michalsen; Prof. Abdulgabar Salama, Dr. Henning Albrecht

In einer neu veröffentlichten Studie konnte ein experimenteller Aderlass den Blutdruck um durchschnittlich 16 mmHg senken. Dies ist ein großer Effekt. Nun wird in einer größeren Studie an der Charité in Berlin untersucht, ob das regelmäßige Blutspenden ein wirksames Therapieverfahren bei Bluthochdruck sein könnte.

Gesucht werden Studienteilnehmer aus Berlin.

Alle Informationen unter: www.bluthochdruck-blutspende.de

Vorstudie zeigt: Aderlass senkt Blutdruck

Eine Arbeitsgruppe um Professor Andreas Michalsen von der Charité hat Patienten mit metabolischem Syndrom (Bluthochdruck, Übergewicht, veränderten Blutfettwerten und Insulinresistenz) zweimal im Abstand von vier Wochen je 300 Milliliter Blut abgenommen (zur Studie). Die Blutdruckwerte wurden sechs Wochen danach mit denen einer Kontrollgruppe ohne Behandlung verglichen. Bei den behandelten Patienten sank der Blutdruck im Mittel um 16 mmHg systolisch. In Medikamentenstudien, zum Beispiel zu ACE-Hemmern oder Betablockern, findet man gewöhnlich geringere Absenkungen. Daneben verbesserten sich die Blutfett-Werte der Studienteilnehmer.

Warum der blutdrucksenkende Effekt über längere Zeit anhält, wird derzeit diskutiert. Möglicherweise spielt der Eisengehalt (Ferritinspiegel) des Blutes eine Rolle. Dieser wird durch eine Blutentnahme gesenkt. Professor Andreas Michalsen und Professor Abdulgabar Salama, Leiter des Insituts für Transfusionsmedizin der Charité, vermuten, dass ein hoher Eisengehalt möglicherweise einen negativen Effekt auf das Herz-Kreislauf – aber auch auf das Immunsystem haben könnte. Eisen fördert die Oxidation der Gefäße. Ein niedriger Ferritinspiegel könnte dazu beitragen, dass die Gefäßwände elastisch bleiben und den Druck besser ausgleichen. Bisher sei dies aber nur eine Theorie.

Blutspenden als Therapie? Folgestudie in Berlin gestartet

Bei einer Blutspende wird wie bei einem Aderlass kontrolliert Blut entnommen. Bisher wurde der langfristige Effekt des Blutspendens auf den Blutdruck nicht erforscht. Dies wird in einer klinischen Studie in Zusammenarbeit von Carstens-Stiftung und Charité nun getan. Professor Abdulgabar Salama: “Wir wollen herausfinden, ob das regelmäßige Blutspenden für den Spender einen günstigen Einfluss auf sein kardiovaskuläres Risiko und auf seinen Blutdruck haben könnte.” Michalsen ergänzt: “Sollte sich das Blutspenden als Therapieansatz bei Hypertonie bestätigen, wird man umdenken müssen.”

Für die Studie an der Charité werden noch Teilnehmer mit erhöhtem Blutdruck (oberer Wert/systolisch: 140-160 mmHg) zwischen 30 und 65 Jahren gesucht. Alle Informationen zur Teilnahme unter: www.bluthochdruck-blutspende.de

Hintergrund und Studienlage: Blutspende und Aderlass

Regelmäßige Blutspender berichten immer wieder über die positiven gesundheitlichen Effekte, die nach einer Blutspende auftreten: Höhere Leistungsfähigkeit, besseres Körpergefühl, Vitalität. Bisher gibt es in der wissenschaftlichen Literatur nur vereinzelt Untersuchungen dazu. In epidemiologischen Studien finden sich unter anderem Hinweise, dass Blutspender ein vermindertes Risiko haben, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen. Der Effekt einer Blutspende auf den Blutdruck und andere Blutwerte wurde bisher nicht systematisch erforscht.

Eine Blutentnahme zu therapeutischen Zwecken hat ihre Tradition im Aderlass. Das Verfahren wird heute nur noch selten angewendet, es gehört zu den ausleitenden Verfahren der Naturheilkunde.

Initiator der Studie: Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung

Die Carstens-Stiftung fördert Wissenschaft und Forschung zur Komplementärmedizin. Sie hat die Blutspende-Studien an der Charité initiiert und finanziert sie mit insgesamt 224.000 Euro. Die Förderung derartiger Studien muss aus privater Hand (im Fall der Carstens-Stiftung mit Unterstützung der Bevölkerung) erfolgen. Die öffentliche Hand stellt keinerlei Mittel für die Wissenschaft zur Komplementärmedizin bereit.

Ansprechpartner
Frederik Betsch
Karl und Veronica Carstens-Stiftung
Pressesprecher
Am Deimelsberg 36, 45276 Essen
Tel: 0201 56305 34
Mob.: 0176 444 28720
f.betsch@no_Spam.carstens-stiftung.de
www.carstens-stiftung.de

Literatur     

Khosrow S Houschyar, Rainer Ludtke, Gustav J Dobos, Ulrich Kalus, Martina Brocker-Preuss, Thomas Rampp, Benno Brinkhaus and Andreas Michalsen. Effects of phlebotomy-induced reduction of body iron stores on metabolic syndrome: Results from a randomized clinical trial. doi:10.1186/1741-7015-10-54