Natürliche Maßnahmen im Wochenbett

Natürliche Maßnahmen im Wochenbett

Das Wochenbett schließt sich unmittelbar an die Geburt an und dauert insgesamt acht Wochen. Es ist ein völlig normaler Zustand im Leben einer Frau und doch stellt es eine Sondersituation dar. Vor allem in den ersten zehn Tagen – dem Frühwochenbett - bedeutet es für die Mutter die Abheilung der Geburtswunden und das Ingangkommen der ...

Autor/en dieses Beitrages:
Ingeborg Stadelmann, Hebamme aus Ermengerst

Einführung

Das Wochenbett schließt sich unmittelbar an die Geburt an und dauert insgesamt acht Wochen. Es ist ein völlig normaler Zustand im Leben einer Frau und doch stellt es eine Sondersituation dar. Vor allem in den ersten zehn Tagen – dem Frühwochenbett - bedeutet es für die Mutter die Abheilung der Geburtswunden und das Ingangkommen der Milchbildung, für beide Mutter und Kind, ist es die Zeit der innigsten Verbindung. Die Zeit danach – das Spätwochenbett – dient der hormonellen Umstellung der Mutter und der Anpassung an das Leben mit dem Kind. Im folgenden Artikel werden Möglichkeiten der naturheilkundlichen Begleitung im Wochenbett vorgestellt aus dem Spektrum der Pflanzenheilkunde, der klassischen Homöopathie und der Aromatherapie.

Natürliche Begleitung und Prophylaxe im normalen Wochenbett

"Kompromiss" von Gabriele Eckleben
"Kompromiss" von Gabriele Eckleben

Das Wochenbett ist eine Sondersituation im Leben einer Frau. Dass aus Sondersituationen im Leben schnell Risikomomente werden können, ist hinreichend bekannt. Damit das Frühwochenbett keinen krankhaften Verlauf nimmt, rate ich jeder Wöchnerin, naturheilkundliche Möglichkeiten zur Prävention zu nutzen. Mit Teemischungen, homöopathischen Arzneien und ätherischen Ölen können Sie den Wundheilungsprozess und die hormonelle Umstellung sehr gut unterstützen. Diese natürlichen Hilfen waren schon im Altertum den Müttern und weisen Frauen bekannt.

Es ist jedoch immer ratsam, die Hebamme um Rat zu fragen, um ein bestimmtes Kräutlein anzuwenden, das für Sie angebracht ist; in welcher Form auch immer, ob als Kügelchen, als Aufguss oder als Massageöl.

Kräuteranwendung

Vorbeugend ist es sinnvoll, täglich Frauenmanteltee mit den von dem Schwangerschaftstee noch übrig gebliebenen Himbeerblättern zu trinken. Der Frauenmantel wächst extra für uns Frauen, um uns in allen hormonellen Umstellungsphasen zu unterstützen. Die Himbeerblätter regen weiterhin den Darm und die Entgiftung an.

Homöopathische Arzneien

Die Einnahme der homöopathischen Arnica ist sicherlich die erfolgreichste Methode um eine normale Wundheilung zu erreichen und somit einen normalen Wochenfluss zu unterstützen. Immer wieder kann ich beobachten, dass die Wöchnerinnen unter der Einnahme von Arnica früher aufhören zu bluten und eine gute Gebärmutterrückbildung aufweisen. Beim zweiten Kind und der Einnahme eines tiefpotenzierten Arnica beobachten die Frauen selbst ganz erstaunt, dass sie dieses mal einen geringeren Blutverlust haben.

Ätherische Öle

Eine besonders schöne, angenehme und zugleich wirksame Methode, um das Wochenbett in seinem Normalverlauf zu unterstützen, sind die ätherischen Öle. Wöchnerinnen, die eine Duftlampe besitzen, lieben es, ein paar Tropfen eines ihrer Lieblingsöle hineinzugeben. Dafür eignen sich alle Blüten- und Holzöle. Denn eine Frau in solch einer Situation braucht Unterstützung durch die Essenzen, um ihre innere Mitte und ihre Stabilität wieder zu finden. Es kommen in Frage: Fenchel, Geranie, Jasmin, Lavendel, Muskatellersalbei, Linaloeholz, Rosenöl, Schafgarbe, Wacholder, Ylang-Ylang, Zeder, Zypresse. Wie immer, wenn es um Aromen geht, wird sich Ihre Nase für das richtige Öl entscheiden.

Am wirksamsten ist aber sicher ein Bauchmassageöl im Wochenbett mit den geeigneten ätherischen Ölen, die einerseits die Gebärmutterrückbildung fördern, ohne aber andererseits allzu massive Nachwehen bei Mehrgebärenden anzuregen. Das Öl soll den Entschlackungsvorgang anregen und die Straffung der Bauchhaut und Bauchmuskulatur unterstützen. Es muss aber vor allem die Abheilung der Gebärmutterwunde unterstützen.

Es kommen folgende Öle zur Verwendung: Clementine, Geranie, Schafgarbe, Zypresse und Wacholder in einer fetten Ölbasis aus Weizenkeim- und Jojobaöl. Ich möchte Ihnen die Öle etwas näher beschreiben:

Das Öl der Clementine habe ich ausgesucht, um der Mischung eine frische Komponente zu verleihen. Sie ähnelt der Mandarine sehr stark, da aber das Wochenbett sowieso vom Duft des Neugeborenen geprägt ist, wählte ich für die Mutter die frischere Clementine. Erfrischung kann jede Wöchnerin gebrauchen und das Wochenbett erlebt sie als Befreiung von der Schwangerschaft.

Die Essenz der Rosengeranie war mir als ein sehr wichtiges Öl für das Wochenbett aufgefallen. Durch ihren rosenähnlichen Geruch wirkt sie zwar sehr weiblich, befreit aber auch von der ewig duftenden Rose, denn die meisten Mütter fühlen sich im Wochenbett eher wie eine welke Rose. Die Geranie kommt zum Einsatz bei allen Hormonschwankungen, sie wirkt wie alle ätherischen Öle desinfizierend, zudem leicht blutstillend und stärkend. Auf Grund der zusammenziehenden Wirkung passt sie sehr gut für den Bauch der Wöchnerin, der dankbar jedes straffende Öl in sich aufsaugt.

Die Schafgarbe mit ihrem enorm hohen Anteil an Azulen ist bekannt als Wundheilungsmittel. Reines ätherisches Öl der Schafgarbe hat eine tiefgrüne bis blaue Farbe. In allen namhaften Kräuterbüchern wird die Schafgarbe als blutstillendes Mittel gelobt. Der pflanzliche Auszug des ätherischen Öles bewirkt demzufolge eine noch bessere Heilung, denn hier kommen die Inhaltsstoffe noch viel konzentrierter zur Wirkung als im Tee. Deshalb sollten Sie mit der Verwendung des Schafgarbenöles sehr sparsam sein. Im seelischen Bereich wird der Schafgarbe nachgesagt, dass sie uns Frauen hilft unsere Mitte wiederzufinden und unsere Intuition stärkt. Beides trifft wieder genau auf die Wochenbettsituation zu. Die Mutter fühlt sich haltlos und aus ihrer Mitte gerissen, oft erzählt sie vor allem nach operativen Geburten: »Es ist, als wenn mir das Kind aus meinem Bauch gerissen wurde.« Mein Wahlspruch für die Mütter lautet: Lassen Sie sich von Ihren Gefühlen leiten, Sie haben schon den richtigen Instinkt für Ihr Kind. Deshalb, meine ich, ist die Essenz der Schafgarbe eines der besten Öle für eine junge Mutter.

Das Wacholderöl zu verwenden, war mir ein Bedürfnis, wegen seiner entschlackenden und blutreinigenden Wirkung. Es regt die Leber- und Nierentätigkeit an, die stoffwechselfördernde Wirkung ist im Wochenbett sehr willkommen, denn der Körper muss sich ebenso neu ordnen wie die Seele und beides war durch das Kind in der Schwangerschaft sehr belastet. Im seelischen Bereich wird Wacholderöl eingesetzt an Tagen, an denen überhaupt nichts mehr klappt, an denen wir am liebsten alles hinwerfen wollen.

Die Essenz der Zypresse als zweites Holzöl ist Teil des Wochenbettbauchmassageöls, um neben der ebenfalls blutstillenden Wirkung vor allem die gefäßverengende Wirkung zu nutzen. Es ist ein zusammenziehendes Öl und wirkt so auf unsere Psyche, dass wir die wesentlichen Dinge erkennen können. Die junge Mutter wird mit Ausdauer und Konzentration an die wesentlichen Dinge in der Familie herangehen.

Unter regelmäßiger Anwendung dieses Massageöles bin ich mir sicher, dass sehr viele der im folgenden Teil aufgeführten Komplikationen vermieden werden können. Mit der Bauchmassage können Sie bereits am ersten Tag beginnen. Seien sie als Partner oder Hebamme anfangs sanft mit Ihren Händen, denn der Uterus ist stellenweise noch berührungsempfindlich. Mit jedem weiteren Wochenbettstag können Sie die Massage kräftiger anwenden. Sollten Sie nicht von der Hebamme angeleitet worden sein, dann versuchen Sie es doch selbständig und ganz intuitiv. Wichtig ist dabei, den Bauch im Uhrzeigersinn und sternförmig zu massieren. Später dann den Bauch quer von den Seiten durchwalken und anschließend diagonal am Rippenbogen beginnend mit den Händen wie in einer Acht ineinander übergreifend und ständig weiter nach unten wandernd massieren. Zum Abschluss die Hüftknochen kreisend und wechselnd von einer Hüftseite zur anderen gut einreiben. Sie werden sehen, es macht allen Beteiligten Spaß!

Natürliche Hilfe bei kräftigen Nachwehen

Bei kräftigen Nachwehen der Mehrgebärenden werden die genannten Anwendungen nicht ausreichen. Um aber möglichst auf Schmerzmittel verzichten zu können und eine Muttermilchbelastung zu vermeiden, empfehle ich neben den bereits erwähnten Möglichkeiten der Wärmetherapie folgendes:

Kräuteranwendung

Das mäßige Trinken des warmen Milchbildungstees trägt sicher auch zur Entkrampfung bei, denn die darin enthaltenen Kräuter Anis, Fenchel, Kümmel und Majoran sind dafür bekannt.

Homöopathische Arzneien

Homöopathisch hilft neben Arnica sehr häufig Caulophyllum, Chamomilla, Cuprum, Kalium carbonicum und Secale

... Marianne hatte ihr drittes Kind geboren und massive Nachwehen, was sie sehr ärgerlich machte. »Ich will jetzt endlich meine Ruhe haben. Hast Du nicht ein passendes Kügelchen für mich?« Nach einer Gabe <b>Chamomilla </b>wurden einige Stunden später die Nachwehen erträglich.

Ätherische Öle

Aromatherapeutisch habe ich einige gute Erfahrungen mit dem aus der Schwangerschaft bekannten wehenhemmenden »Tokolyticum-Öl« gesammelt. Mit diesem Öl aus Majoran, Lavendel und Linaloeholz können sich die Wöchnerinnen eine feucht-warme Kompresse machen oder ihren Bauch damit einmassieren.

... Karin hatte ihr drittes Kind geboren. Bereits nach der Geburt spürte sie kräftige Nachwehen. Bei meinem Hausbesuch am Abend erzählte sie, dass sie ihrem Kind lieber Tee anbiete als die Brust, denn die Nachwehen seien einfach nicht auszuhalten. Dafür hatte ich Verständnis. Ihrem Wunsch nach einem Schmerzmittel wollte ich dagegen nur zögernd nachgeben. Mein Vorschlag war, die Nachwehen ganz gezielt zu beatmen, den Bauch mit einem Öl aus Lavendel, Majoran und Rosenholz einzumassieren und mit der Bettflasche warm zu halten. Sollte dies alles keine Erleichterung bringen, dann könne sie noch immer ein Spasmolyticum verwenden. Am nächsten Morgen zeigte mir Karin die verschlossene Packung der Zäpfchen und berichtete stolz, dass das Atmen und die Wärmflasche ihren Zweck erfüllt hätten, außerdem habe sie ihre Tochter nur ca. alle vier Stunden gestillt. Als Nebeneffekt dieser Nachwehentherapie hatte die Wöchnerin dieses Mal keinen so starken Milcheinschuss wie bei ihren ersten Kindern.

Buchtipp

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Buchtipp:

Weitere Informationen zur Anwendung der Aromatherapie bei den genannten Beschwerden und zur Unterstützung des Wochenbettverlaufs finden Sie in meinem Buch „Bewährte Aromamischungen“.

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