Naturheilkundliche Geburtsbegleitung

Naturheilkundliche Geburtsbegleitung

Eine Geburt so natürlich als möglich erleben können, bewusst sein, das Besondere dieses Augenblicks spüren und fühlen dürfen ohne Wehentropf und PDA ... sind das erfüllbare Wünsche? Im Normalfall Ja! Schreibt Ingeborg Stadelmann und kann dies mit der jahrelangen Erfahrung von Geburten mit naturheilkundlicher Begleitung belegen. Im Folgenden zeigt sie einen ...

Autor/en dieses Beitrages:
Ingeborg Stadelmann, Hebamme aus Ermengerst

Einführung

Eine Geburt so natürlich als möglich erleben können, bewusst sein, das Besondere dieses Augenblicks spüren und fühlen dürfen ohne Wehentropf und PDA ... sind das erfüllbare Wünsche? Im Normalfall Ja! Schreibt Ingeborg Stadelmann und kann dies mit der jahrelangen Erfahrung von Geburten mit naturheilkundlicher Begleitung belegen. Im Folgenden zeigt sie einen Ausschnitt über die Möglichkeiten der Homöopathie und Aromatherapie, den natürlichen Geburtsverlauf zu fördern und die werdende Mutter zu unterstützen.

Sehr oft werde ich in der Geburtsvorbereitung und der Sprechstunde nach natürlichen Möglichkeiten zur Unterstützung des Geburtsverlaufes gefragt. Selbstverständlich gibt es dafür homöopathische Arzneien und ätherische Öle, die zur Anwendung kommen, um der Gebärenden bei ihrem Geburtsarbeitsprozess zu helfen. Selbstverständlich können auch andere, ganzheitlich orientierte Methoden Anwendung finden, wie Bachblütentherapie, Fußreflexzonenbehandlung, Akupunktur, Reiki.

Bei einer geplanten Hausgeburt wird die Frau bereits bei dem ersten Vorgespräch von mir aufgeklärt, dass sie bei einer Hausgeburt weder mit schmerzstillenden Medikamenten noch mit wehenfördernden Arzneien konfrontiert wird, da deren mögliche Nebenwirkungen sowohl unerwünscht als auch nur klinisch beherrschbar sind. Bei fast allen von mir begleiteten Hausgeburten ist die Nichtanwendung schulmedizinischer Präparate für die Eltern eine der Hauptgründe dafür, die Geburt daheim anzustreben. Sie wollen den Medikamenten im Krankenhaus aus dem Weg gehen.

Homöopathische Arzneien

Wachstum von Gabriele Eckleben
Wachstum von Gabriele Eckleben

Werdende Eltern, die eine Klinikgeburt anstreben, legen großen Wert darauf, so viel Informationen wie möglich zu erhalten, um selbst mit naturheilkundlichen Methoden den Geburtsverlauf positiv zu unterstützen. Erstaunlich viele Mütter und Väter wünschen eine Information über homöopathische Arzneien, da sie sich schon lange in Krankheitssituationen damit behandeln lassen oder sich selbst Kenntnisse erworben und eine Hausapotheke angelegt haben. Bei solchen Anfragen bin ich in der Sprechstunde gerne bereit, den Eltern eine Liste mit den vielleicht in Frage kommenden Arzneien mitzugeben. Da ich den Wissensstand der meisten Eltern kenne, ist es nicht so schwierig, ihnen den richtigen Rat zu geben. In den Fällen, in denen überhaupt keine Grundkenntnisse in der Homöopathie vorhanden sind, ist es allerdings unmöglich, in kurzer Zeit, so auf die Schnelle, Wissen auf diesem Spezialgebiet zu vermitteln. Schließlich kann das Entfernen eines Blinddarms auch nicht in der Sprechstunde eines Chirurgen erlernt werden. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass die Lehre der Klassischen Homöopathie von Samuel Hahnemann sehr umfassend ist und dass die echten klassischen Homöopathen, die auf dieser Basis arbeiten der Meinung sind, diese Heilkunde sei eine lebenslange Schule. Dieses kann ich nach meinen seit 1981 gesammelten Erfahrungen nur bestätigen. Deshalb meine Bitte an alle werdenden Eltern, die diesen Buchauszug lesen: Suchen Sie sich eine homöopathisch ausgebildete Hebamme oder einen Arzt, damit Sie durch persönlichen Kontakt die richtige Unterstützung und die für Schwangere individuell abgestimmten Arzneien erhalten. Wenn die Möglichkeit besteht, sich ein Geburtshaus oder eine Klinik zu suchen, in der Sie von homöopathisch ausgebildeten Geburtshelferinnen betreut werden, sollten Sie dies nutzen. In Zukunft wird dies hoffentlich kein allzu großes Problem mehr sein, denn in vielen Hebammenschulen wird die Klassische Homöopathie angewendet und deshalb sicherlich in den deutschen Entbindungsabteilungen Einzug halten. Allen Kolleginnen möchte ich dringend ans Herz legen, die Heilkunde der Homöopathie nicht aus Büchern zu lernen, sondern sich in guten Seminaren Kenntnisse zu verschaffen. Ich möchte es noch einmal allen Leserinnen und Lesern verdeutlichen: Homöopathie kann nicht aus Büchern erlernt werden, die Arzneimittelbilder müssen gehört und vorgelebt werden. Eine homöopathische Arznei passt nicht zu allen Menschen. Von einem guten Fach-Referenten sollte das jeweilige Temperament, die auffälligen Verhaltensweisen des entsprechenden Arzneimittelbildes so vermittelt werden, dass die Personen, die mit dieser Arznei behandelt werden müssen, erkannt werden können. Insbesondere bei den folgend aufgeführten großen Arzneien der Homöopathie, sollte sich der Mensch in seiner Ganzheit widerspiegeln. Denken Sie daran: die Homöopathie sieht nicht die Gebärmutter, sondern die Frau in ihrer Gesamtheit, in ihrem Temperament, in ihren Wehen, in ihrem Geburtsverlauf.

Sollten Sie überhaupt kein Grundwissen besitzen, dann scrollen Sie einfach weiter, denn die Symptombeschreibung der Arzneien wird für Sie nur verwirrend sein. Die Homöopathie basiert darauf, dass das Arzneimittel und das Krankheitssymptom sich decken, so wie nur ein bestimmter Schlüssel ins Schlüsselloch passt. Es muss immer das, dem Krankheitsbild ähnlichste Mittel sein. Ich wähle bewusst eine knappe, präzise Symptombeschreibung, damit Sie sich nicht von überflüssigen Worten und Beobachtungen ablenken lassen.

Alle Eltern mit homöopathischen Vorkenntnissen erhalten dann in etwa folgende Informationen, bzw. ich versuche den Beiden einige Arzneien zu erklären. Der Partner der Schwangeren ist dann während der Wehenzeit aufgefordert, das passendste Mittel zu den beobachteten Symptomen zu finden:

  • Aconitum: Plötzliche heftige Todesangst, Wehen qualvoll, alle Schleimhäute trocken, in bezug auf das Neugeborene: Angst um das Kind, großer Geburtsschock
  • Arnica: Bei nicht lokalisierbarem Wehenschmerz, der ganze Körper fühlt sich wie zerschlagen, nach der Geburt zur Wundheilung (Plazenta-Wunde, Scheiden-, Dammwunden), kann nach jeder Geburt gegeben werden !
  • Belladonna: Kräftige Wehen: plötzlich da – plötzlich weg, sehr heftig; die Schwangere lehnt jede Berührung ab, hat einen hochroten Kopf und schwitzt meist am ganzen Körper, sie wirkt gereizt und ärgerlich
  • Caullophyllum: Keine Wehen, aber Blasensprung, erfolglose Wehen da zu kurz und zu schnell, dennoch erschöpfend bis quälend
  • Cantharis: Die Plazenta löst sich nicht (häufige Arzneigaben)
  • Chamomilla: Die Schwangere ist ungeduldig, empfindet Wehen als unerträglich und will Schmerzmittel oder PDA, sie lehnt jede Hilfe ab, wirkt aggressiv und fast hysterisch, oft schon bereits bei Geburtsbeginn
  • Cimicifuga: Sie redet viel, befürchtet das Schlimmste und sieht alles schwarz: »das Kind kommt ja doch nicht«. Wehen sind erfolglos, krampfartig quer von Hüfte zu Hüfte
  • Coffea: Unerträgliche Schmerzen, Ohnmacht in der Wehenpause, bewährt kurz vor den letzten Wehen, wenn der Damm gedehnt wird
  • Gelsemium: Unruhe, Angst vor dem was kommt (»Was machen die mit mir?« – »moderne Klinikatmosphäre«), zittrige Schwäche bei nervöser Erregung, sie will gehalten werden
  • Kalium carbonicum: Kräftige Wehen, Schmerz im Rückenbereich, braucht festen Druck und Massage, liebt Wärme; starke Selbstkontrolle – sie kann nicht loslassen
  • Nux vomica: Überreizte und gestresste Frau, die Wehenschmerzen nerven sie, verträgt nicht viel Schmerz, hat noch nie auf Medikamente verzichtet, enormer Brechreiz, spürt Druck auf Blase und Darm, kann keine Zugluft ertragen, verlangt Wärme und Betäubung
  • Pulsatilla: Weinerlichkeit, mangelnde Wehentätigkeit, Übertragungssituation – »Sie kann es nicht loslassen«, braucht frische Luft, möchte spazieren gehen, alles ist wechselhaft: ihre Wehen, ihre Stimmung, ihre Körperhaltung
  • Sepia: Wirkt abgespannt, musste erst noch dringend andere Dinge erledigen, ehe sie in die Klinik kommt, liebt ein warmes stundenlanges Bad – würde am liebsten dort gebären, schmerzhafte, quälende abwärtsdrängende Wehen, stichartig in der Scheide spürbar

Mit diesen Arzneien als begleitender Maßnahme ist es gut möglich, eine Gebärende zu unterstützen, damit für sie die Geburt wieder erlebbar und leistbar wird. Ich möchte noch einmal betonen, dass es nicht möglich und auch nicht sinnvoll ist, mit homöopathischen Arzneien Wehenschmerzen wegzuzaubern. Natürliche Methoden verhelfen zu einem natürlichen Geburtserlebnis, und das ist spürbar. An dieser Stelle könnte ich von allen genannten Globuli sehr viele Erfahrungsberichte aufzählen. Doch lieber möchte ich eine Kollegin zitieren, die als Beleghebamme an einem Krankenhaus arbeitet: »Seit wir mit homöopathischen Arzneien im Kreißsaal arbeiten, benötige ich fast kein Dolantin (morphinartiges Schmerzmittel) mehr. Unsere Ärzte staunen, in welch kurzen Zeiten die Frauen ihre Kinder gebären, die Anästhesisten wissen, dass wir sie wirklich nur in ausweglosen Situationen für eine PDA benötigen. Die Statistik des letzten Jahres hat ergeben, was wir Hebammen schon lange behaupten: die Atonien (Nachblutungen) sind auf ein Minimum gesunken. Soll jetzt noch jemand behaupten, dass das kein Erfolg für die Homöopathie ist!«

Ich bin mir sehr sicher, dass es die homöopathischen Arzneien sind, die eine risikoarme Hausgeburtshilfe ermöglichen, die die Mütter einen normalen Geburtsablauf erleben lassen und den Kindern einen medikamentenfreien, unbeschwerten Start ins Leben gestatten.

Ätherische Öle

Ätherische Öle sind für mich aus der Geburtssituation nicht mehr wegzudenken. Es ist mir eigentlich nicht mehr vorstellbar, eine Geburt ohne wohlriechendes Massageöl und ohne duftenden Badezusatz zu begleiten. Die Essenzen von Eisenkraut, Jasmin, römische Kamille, Lavendel, Muskatellersalbei, Nelke, Rose, Ylang-Ylang und Zimt hüllen zur Freude von Gebärenden, Hebammen und Ärzten schon viele Entbindungsabteilungen in eine angenehme Geburtsatmosphäre. Die Düfte geben den kahlen und oft unpersönlichen Räumen einen Hauch von Natur und Geborgenheit. Es entsteht Ruhe, Wärme, Zuversicht und eine feine sinnliche, oft leicht erotische Atmosphäre. Mit den Gerüchen assoziieren alle Beteiligten Weiblichkeit, Kraft und Ausdauer. Allen begleitenden und betreuenden Personen wird bewusst: diese Frau kann und wird gebären.

Ätherische Öle in der Eröffnungs- und Übergangsphase

Da ich selbst von der Wirkung der duftenden Essenzen so begeistert bin, wollte ich den Nutzen der ätherischen Öle allen werdenden Eltern zukommen lassen. Deshalb war es mir wichtig ein Wehenmassageöl zu mischen. Dieses Geburts- und Wehenmassageöl erfreut sich seit Beginn meiner Arbeit mit Aromen größter Beliebtheit. Die Kraft der Düfte lässt sich über viele Sinneswahrnehmungen erleben. Mit einem Massageöl erfährt die Frau die Wirkung über das Geruchsorgan Nase, über das Sinnesorgan Haut erhält sie zusätzlich die Zuwendung durch die massierende Hand. Hunderte von Hebammen sind von dem Massageöl überzeugt, das sie in einer Kemptener Apotheke bestellen können und haben stets ein Fläschchen am Entbindungsbett stehen.

Dufterlebnis einer Kollegin:

Ich hatte neulich ein Pärchen zu betreuen, mit dem ich mir nicht mehr zu helfen wusste. Was auch immer der Partner anstellte, es half der Frau nichts. Es war ja auch kein Wunder, er war so unbeholfen. Leider konnte ich mich sehr wenig um die wehende Frau kümmern, da ich eine andere Gebärende gleichzeitig zu betreuen hatte. Mir schien, dass bei dem hilflosen Partner und der fast hysterischen Gebärenden nur noch eine PDA die rettende Hilfe sein könnte. In meiner eigenen Hilflosigkeit und Eile habe ich dem Mann ein Ölfläschchen in die Hand gedrückt, mit dem Hinweis, er solle seiner Frau damit den Rücken massieren. Dieses Massageöl stand seit einigen Wochen am Fenster, da ein anderes Elternpaar es vergessen hatte. Nachdem die Geburt bei der einen Frau beendet war, ging ich wieder zu dem Pärchen zurück. Vor der Türe war mir zunächst die Ruhe aufgefallen, beim Betreten des Zimmers kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus: Die Schwangere beatmete konzentriert und entspannt ihre Wehe, der Mann saß auf dem Bett und massierte ihr den Rücken. Am Ende der Wehe blickte sie strahlend zu mir auf und bedankte sich voller Freude für dieses Wunderöl. Seit ihr Mann sie mit dem Öl einreibe, seien die Wehen viel erträglicher, sie könne ohne seine Hände gar nicht mehr sein. Es sei einfach wohltuend, von ihm massiert zu werden. Der Mann war noch immer erstaunt darüber, dass die Frau nun seine Hände so notwendig brauchte, vor einer Stunde sei genau das Gegenteil der Fall gewesen. Das Kind wurde dann tatsächlich knapp zwei Stunden später ohne PDA geboren. Im Wochenbett hat die Mutter mir ständig erzählt, dass sie ohne dieses Massageöl sicherlich nie eine normale Geburt erlebt hätte. »Und nun«, sagte die Kollegin erwartungsvoll, »möchte ich heute noch viel mehr über die Wirkung der ätherischen Öle kennen lernen«.

Das Geburtsöl zur besseren Wehenschmerzverarbeitung, das in diesem Bericht so wirkungsvoll beschrieben ist, enthält die ätherischen Öle der Rose, des Jasmins, des Muskatellersalbeis sowie den Blüten von Ylang-Ylang. Die ätherischen Öle sind in Jojobawachs gelöst.

Zusammensetzung und Wirkung des Geburts- und Wehenmassageöls

Ich möchte Ihnen zum besseren Verständnis den Hintergrund und Sinn dieser Zusammensetzung mitteilen. Jojobaöl ist eigentlich flüssiges Wachs, das aus der Nuss des Jojobabaumes gewonnen und deshalb korrekterweise Jojjobawachs genannt wird. Dieses Basisöl ist aus diesem Grund sehr stabil und lange haltbar. Es ist sehr reich an Vitamin E und essentiellen Fettsäuren und wird deswegen gerne als Massageöl verwendet. Bei unserem Geburtsöl war es mir wichtig, ein Öl einzusetzen, das auch Männerhände gerne annehmen, es sollte also nicht zu fett und schmierig sein. Zudem hat es den großen Vorteil, dass es gut auf der Hautoberfläche haftet und auch in der adewanne hervorragend anzuwenden ist. Das Massageöl löst sich dort nicht im Wasser auf, sondern verbleibt auf dem Bauch oder Rücken der Gebärenden. Durch die »Wachs«-Eigenschaft kann die helfende Hand eine gute Verbindung mit der Gebärenden eingehen, ohne zu tief einzudringen. Es hat Kontakt- und Tiefenwirkung, geht aber nicht durch und durch. Allein in der Auswahl des Basisöles sehe ich die oben beschriebene Wirkung: die Hand des Partners wird als absolut wohltuend und notwendig empfunden, sie geht eine Verbindung mit der Gebärenden und ihrem Schmerz ein.

Dass das ätherische Öl der Rose das ideale Öl für alle Lebenssituationen ist, die mit Weiblichkeit und Intimität in Verbindung zu bringen sind, habe ich bereits mehrfach erwähnt. Aus diesem Grund darf dieser wertvolle Rosenduft bei einer Geburt nicht fehlen. Er hilft bestimmt allen Anwesenden, sich auf diesen weiblichen Vorgang einzustimmen. Überall ist es immer wieder zu erleben, wie betörend der Duft von Rosen wirkt. Das ätherische Öl der Rose wird es ermöglichen, dass die Geburtshelferinnen aus einem Geburtsmechanismus wieder ein menschliches Geburtsgeschehen werden lassen.

Der Duft der Jasminblüten war nach Aussage einer alten Hebamme im Frühsommer in jedem Geburtszimmer vorzufinden. Blühende Jasminzweige, so erzählte diese Kollegin, sollten die Gebärende an schöne Stunden erinnern, in denen sie das Kind empfangen hat. Das Jasminöl hilft hervorragend bei Angstzuständen, allen hormonellen Situationen und löst seelische Verkrampfungen. Es soll Frauen mit seiner exotischen Duftnote zu bedingungsloser Sinnlichkeit verhelfen. Ein wunderschöner Spruch zu Jasmin ist mir in einem Buch aufgefallen, er lautet: »Lass Dich fallen und gib Dich hin.« Darin spiegelt sich der meistgebrauchte Hebammenzuspruch an eine Gebärende: »Versuchen Sie entspannt zu sein, lassen Sie sich einfach fallen.« Hier wird Jasmin im Geburtsöl viel mehr Nutzen bringen als gescheite Worte.

Die Essenz des Ylang-Ylang, eines immergrünen Baumes aus Haiti und den Philippinen, stellt meiner Erfahrung nach einen krönenden Zusatz zum Jasmin dar. Nur wenige Frauen, noch seltener Männer, können diesen süßlich orientalischen Duft pur ertragen. Diese Essenz ist so intensiv, dass sie wohl deshalb nur zu extremen Lebenssituationen passt. Sie ist als starkes Aphrodisiakum oder Geburtsduft angezeigt, denn die beiden daraus resultierenden Geschehen intimer Erlebnisse sind für Frauen keine Alltäglichkeiten und benötigen eine entsprechende sinnliche Umgebung. Ylang-Ylang schafft der Gebärenden eine Umgebung, die ihr hilft, sich vollkommen fallen zu lassen und alle emotionalen Schranken zu öffnen. Einen Duftspruch konnte ich auch hier finden: »Gibt einfach Lust, Frau zu sein.« Bei einer Geburt vermittelt diese Essenz der Frau das Positive und Schöne am Wehenschmerz. Sie hilft ihr, sich selbst in diesem Frausein anzunehmen und ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Mit diesem Öl habe ich wiederholt erlebt, wie Frauen, die bei vorausgegangenen Geburten hyperventilierten, d. h. viel zu schnell atmeten, unter Wirkung des Geburtsöles ruhig und fließend atmen konnten.

Die Wirkung des Muskatellersalbeis hilft der Gebärenden, etwas Unerwartetes anzunehmen und darüber hinaus ihre eigenen Grenzen zu überwinden. Beim Wehenmassageöl stelle ich fest, dass eben dieser Muskatellersalbei hilft, mit dem Schmerz klarzukommen. Die Gebärende empfindet den Wehenschmerz nicht mehr so intensiv und damit erträglicher. Dieses ist sicherlich auf die enorme Hypophysenwirkung zurückzuführen, denn in diesem Gehirnteil wird das körpereigene Schmerzhormon Endorphin gebildet. Wie ich schon mehrfach verdeutlicht habe, ist das Allerwichtigste für einen guten Geburtsverlauf, der Schwangeren das Vertrauen in ihre Stärke zu vermitteln.

Ich bin mir sicher, dass mit der Anwendung des Geburtsöls zur Wehenmassage allen geburtsbegleitenden Personen Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen in das Geburtsgeschehen vermittelt werden kann. Die Gebärende kann die Geburt geschehen lassen, der Partner hat Vertrauen, dass sie es leisten kann, die Geburtshelferinnen lassen die Frau selbst agieren und haben wieder mehr Achtung und Ehrfurcht vor dem Geburtsgeschehen.

Sehr erfreut hat mich ein Telefonat mit einer Mutter, in dem sie mir mitteilte, dass sie äußerst erstaunt war über die Wirkung des Massageöles auf das Ärzteteam, denn der Duft verbreitet sich natürlich nicht nur auf der Haut der Frau, sondern auch im Raum. Sie beschrieb: »Als ein Arzt das Geburtszimmer betritt, unwirsch fragen will, wie weit denn der Muttermund nun … Da habe er sich im Satz unterbrochen, sich gleichzeitig erfreut und freundlich gezeigt, und mit den Worten: ›Was ist hier los, heute riecht es aber fein bei Euch Hebammen. So, und dieses Kind wird heute schon auch noch kommen wollen!‹ die Bereitschaft signalisiert in Ruhe abzuwarten. Mit einer fröhlichen Miene habe er das Geburtszimmer dann wieder verlassen. Die betreuende Hebamme sei ganz verdutzt gewesen und habe bemerkt: ›Was ist denn mit ihm heute los? So fröhlich habe ich diesen Mann noch nie erlebt, verlässt uns ohne einen Untersuchungsbefund zu erheben. Das hat es in all den Jahren noch nie gegeben, seit ich hier arbeite.‹ Die Folge war, dass die Hebamme sich die Bezugsquelle des Geburtsöles notierte, in der Hoffnung, so eine Arbeitsatmosphäre noch öfter zu erleben.«

Ätherische Öle als Geburtsunterstützung

  • Eine sehr geburtsunterstützende angenehme Wirkung hat das Geburtsöl, wenn Sie es als Badezusatz in die Wanne geben. Emulgiert in reichlich Salz entfaltet es eine starke entspannende, schmerzerleichternde Wirkung. Durch die Anwendung von Totem-Meer-Salz tritt eine desinfizierende und kreislaufstabilisierende Reaktion ein. Die Gebärende fühlt sich vom Wasser getragen und beschützt.
  • Ein idealer Badezusatz bei massiven Wehen oder einer angespannten Grundstimmung ist immer wieder der Lavendel. Er verhilft zu Klarheit und Ruhe. Selbst dem aufgeregtesten Vater und einer nervösen Hebamme wird der Duft des Lavendels helfen.
  • Die römische Kamille ist sowohl als Massageöl als auch als Badezusatz ebenfalls ein hilfreiches Öl. Speziell für schmerzempfindliche Gebärende, die bereits bei Geburtsbeginn unter heftigen krampfartigen unerträglichen Wehen leiden.
  • Bei nachlassender Wehentätigkeit oder einer Wehenschwäche wird sich die Mischung eines Uterustonikums bewähren, das Eisenkraut, Nelke, Ingwer und Zimt enthält. Allen Hebammen möchte ich raten, dieses Massageöl griffbereit zu halten, wenn in der Übergangs- oder Austreibungsphase die Kräfte der Frau nachlassen und damit meist die Wehentätigkeit schwächer wird. Massieren Sie kräftig mit diesem Öl den Uterusfundus, also den obersten Bereich der Gebärmutter. Die Gebärende wird fähig sein, die Geburt durchzuhalten, und die Kraft der Wehen wird ausreichen, um das Kind gebären zu können. Ich möchte aber darum bitten, dass dieses Öl nur von Hebammen eingesetzt wird und wirklich nur bei angezeigter Indikation. Also nicht weil die Uhr in Richtung Dienstschluss wandert, sondern wenn es die Gebärende benötigt. Ich bin mir sicher, dass das Uterustonikum bewirkt hat, dass ich in der Hausgeburtshilfe bislang ohne wehenfördernde Arzneien auskommen konnte.
  • Das ätherische Öl des Eisenkrautes verwende ich häufig nur als Riechfläschchen, um die Gebärende aus ihrem emotionalen Geschehen herausholen zu können und um damit ihre Konzentration zu erhöhen, um das Kind ganz hinaus zu lassen. Sie wird dann ganz hellhörig, ist gut ansprechbar und arbeitet wieder optimal mit.
  • Ein bewährtes ätherisches Öl für geburtshilfliche Situationen ist mir Neroli, ebenfalls als Riechfläschchen, geworden. Die Anwendung ist besonders dann hilfreich, wenn der Vater ein Erste-Hilfe-Mittel braucht. Es gibt nämlich Männer, die so ergriffen sind von der Geburt ihres Kindes, dass ihnen ein großer Stein vom Herzen fällt und ihr Blutdruck deshalb den gleichen Weg, nämlich in den Keller geht. Bei den Hausgeburtsvätern ist sicherlich die Anspannung durch die Verantwortung sowie das aktive Mithelfen um ein vielfaches größer, außerdem gelingt es uns fast immer, ein wirklich warmes Geburtszimmer zu schaffen, dessen Wärme ebenfalls eine Kreislauflabilität bewirkt. Aber auch für die Frischentbundenen benötige ich Neroli, denn immer wieder übernehmen sich die Frauen beim ersten Aufstehen. Trotz ernster Mahnungen warten sie nicht ab, und ehe ich mich umschauen kann, stehen sie auf. Doch nach den ersten Schritten finden sie sich schon am Boden. Dann hilft das gute alte Riechfläschchen, die Mutter wieder wohlbehalten ins Bett zu bringen. Ein kleiner gut gemeinter Rat: Hebammen wissen, wovon sie sprechen, wenn sie darum bitten, nicht ohne kreislaufstabilisierende Übungen aus dem Geburtsbett aufzustehen.
  • Immer wieder benötige ich das Öl des Rosmarins zur Geburtsunterstützung, für eine Fußmassage oder im Bad bei Gebärenden, deren Blutdruck zu niedrig ist. Es ist verblüffend zu erleben, wie bei einer zu geringen Wehentätigkeit und Müdigkeit in Verbindung mit einem niederen Blutdruck die Schwangere kräftige Wehen bekommt und plötzlich mit Elan und Power die Geburt meistert. Ebenso hilfreich ist mir der Rosmarin nach der Geburt. Ich gebe dann einige Tropfen ins Waschwasser, und die junge Mutter kann anschließend problemlos aufstehen und zur Toilette gehen.
  • Alle erwähnten ätherischen Öle können während der Entbindung natürlich auch in der Duftlampe verwendet werden. Bei Hausgeburten ist es dann immer der Lieblingsduft der Gebärenden, der den Raum erfüllt. In den Kliniken eignen sich Badezusätze und Massageöle besser, um Hebammen und Personal nicht mit den Düften überzustrapazieren. Außerdem könnte es z. B. sein, dass die Schwangere im Nebenbett entspannt und ausgeglichen ist und der Duft der römischen Kamille daher für sie ungeeignet ist.
  • Eine angenehme Erfrischung während der Wehen oder nach der Geburt ist eine Einreibung der Stirn oder des Oberkörpers mit Rosenwasser. Als werdender Vater können Sie Ihre Frau mit so einem erfrischenden Hydrolat vielleicht überraschen und erfreuen.

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Kommentare

kiss, 06.07.2011, 16:45

ich würde gerne kinder habn doch ich habe eine saumäßige angst vor der geburt wenn die dir da die scheide so aufreißen und wie die leute immer schreien un wie mann pressen muss omg


Gerhard
, 08.07.2011, 14:39

Hallo, Kiss,
Welche Schauerfilme hast Du denn gesehen? Von Scheide aufreißen kann ja wirklich nicht die Rede sein, die dehnt sich praktisch von alleine. Denn die Schwangerschaftshormone sorgen ja dafür, dass sie ganz elastisch wird. Und dann gibt es heute ganz hervorragende Möglichkeiten, die Schmerzen zu verhindern oder zu lindern. Aber wenn Deine Angst zu groß ist, solltest Du mal mit einem Psychologen darüber sprechen. In dieser Form ist sie nämlich unbegründet.


Steffi,
22.11.2011, 12:30

Hallo kiss,

ich habe 3 Kinder auf natürlichem Wege bekommen und ich kann dir sagen: Es ist gar nicht so schlimm. Viele Mütter übertreiben in ihren Erzählungen. Ich weiß auch nicht warum das so ist?!? Es tut weh. JA! Aber man weiß, dass der Schmerz vorbei geht. Der Schmerz wenn das Kind heraus kommt ist auch nicht so schlimm. Die Wehen vorher tun mehr weh.

Ich kann dir aus meiner Erfahrung sagen, dass es am wenigsten weh tut wenn man entspannt ist und wenn man keine angst hat. Man braucht eine gute Hebamme die einen beruhigt. Am besten ist es, wenn man sich in der Schwangerschaft eine Hebamme aussucht die mit einem die Geburt macht. Geh in ein Geburtshaus oder such die eine Hausgeburtshebamme. Meine ersten beiden Geburten waren im Krankenhaus. Meine letzte Geburt war bei uns zu Hause. Ich kann dir sagen: Der Unterschied ist riesengroß. Die Hausgeburt habe ich als viel weniger schmerzhaft empfungen als Geburt Nr. 1 und Geburt Nr. 2. Außerdem kam noch hinzu, dass ich bei den ersten beiden Geburten im KH an den Wehentropf kam (das sind Schmerzen) und dazu wurde noch ein Dammschnitt gemacht. Die Ärzte haben mir immer versichert, dass es nötig wäre...pffft...nötig!?!? Bei der Hausgeburt war es nicht nötig! Da kam mein Kind ohne Dammschnitt und ohne Wehentropf. Und die Schmerzen waren hundertmal geringer!

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